Eunuch

Vor allem die Haremswächter, aber auch andere Hofbeamte waren in vielen Teilen der Alten Welt Eunuchen, d.h. künstlich zeugungsunfähig gemacht. Dies dürfte auf die meisten »Kämmerer« der Lutherbibel zutreffen (z.B. 1Mo 39,1; 2Kön 9,32; 20,18; Est 2,3; Jer 38,7; Apg 8,27; das entsprechende hebräische Wort schließt in der Regel diese Bedeutung ein). Ein solcher Eingriff war für das Empfinden des antiken Menschen vor allem deshalb schwer wiegend, weil er das Fortleben in den Nachkommen unmöglich machte. In Israel war die Kastration bei Mensch und Tier verboten; zudem war der Eunuch vom Tempelgottesdienst ausgeschlossen (3Mo 22,24; 5Mo 23,2), allenfalls durfte er den äußeren Vorhof des Tempels betreten. Ein sich anbahnender Wandel zeigt sich in Jer 39,16-18 (vgl. 38,7-13; Jes 56,3-5; Weish 3,14. Wenn Gottes Heil kommt, werden auch die Verschnittenen angenommen. Das gibt dem Bericht über die Taufe des Kämmerers (Apg 8,27-39) eine besondere Wichtigkeit.