Ehescheidung

Ehescheidung ist in Israel grundsätzlich möglich, jedoch bei der beherrschenden Stellung des Mannes nur von dessen Seite aus (Sir 7,28; 25,34) und sie muss förmlich vollzogen werden durch die Ausstellung eines Scheidebriefes. Als Scheidungsgrund genügt es, dass der Mann »etwas Schändliches« an seiner Frau gefunden hat oder ihrer »überdrüssig« geworden ist (5Mo 24,1.3). Das Gesetz zieht zwar auch Grenzen (vgl. 5Mo 21,14; 22,13-19.28-29) und leichtfertige Scheidung wird von der späten Prophetie getadelt (Mal 2,14-16). Doch sind noch zur Zeit Jesu die maßgeblichen Schriftgelehrten ganz unterschiedlicher Meinung, was die für eine Scheidung ausreichenden Gründe betrifft. Hillel und seine Schule lassen jeden noch so geringfügigen Grund gelten; Schammai und seine Schule akzeptieren nur den Ehebruch seitens der Frau als Grund. Dies allerdings ist nach jüdischem Verständnis zugleich ein zwingender Grund, der sogar nach judenchristlicher Auffassung die Scheidung erlaubt, ja erforderlich macht (vgl. Mt 5,32; 19,9).

Jesus selbst hat im Zusammenhang seiner Verkündigung von der anbrechenden Gottesherrschaft (Reich Gottes) jegliche Ehescheidung kategorisch zurückgewiesen (Mk 10,1-12; Ehe). Für ihn ist selbst der ein Ehebrecher, der eine entlassene Frau heiratet, denn deren erste Ehe besteht in Jesu Augen fort (Mt 5,32b; Lk 16,18b). – Zur Position des Paulus in Fragen der Ehescheidung vgl. 1Kor 7,10-16.39.