Ehebruch

Ehebruch ist nach alttestamentlichem Verständnis das Ausbrechen der Frau aus der Ehe mit ihrem Mann sowie das Einbrechen eines Mannes in die Ehe eines anderen (2Mo 20,14.17; Ehe). In beiden Fällen wird das »Besitzrecht« der betreffenden Männer angetastet und Recht und Ansehen einer so gezeugten Nachkommenschaft werden für diese selbst und die betroffenen Familien zum Problem. Auf Ehebruch stand, ob von einem Mann oder einer Frau verübt, die Strafe der Steinigung (3Mo 20,10; 5Mo 22,22-27; Spr 6,20-35; Sir 23,25-37; vgl. Hes 16,38-40).

Jesus verharmlost den Ehebruch nicht (auch Joh 8,1-11 darf keinesfalls dahin missverstanden werden); vgl. vielmehr Mt 5,27-30! Im Licht der anbrechenden Gottesherrschaft sind eheliche Liebe und Treue so ernst zu nehmen, wie Gott sie von Anfang an gedacht und gewollt hat (Mk 10,1-9 par); sie sollen ein Widerschein der Liebe und Treue sein, die Gott selbst immer wieder – zuletzt und am radikalsten in Jesus Christus – seinem Volk gegenüber bewiesen und bewährt hat (Ehe, letzter Abschnitt). Ehebruch ist daher nach 1Kor 6,9-10; Hebr 13,4 eine der Sünden, die vom Reich Gottes ausschließen.

Im Alten Testament war Ehebruch immer wieder das Bild, unter dem die Propheten die Untreue des Gottesvolkes gegenüber seinem Gott anprangerten (Hos 2,4-5; 3,1; Jer 2,2-3; 3,8-9; 5,7; 9,1.13; 13,27; Hes 16; 23; im Neuen Testament vgl. Mt 12,39; 16,4; Mk 8,38, wo für »abtrünnig« wörtlich »ehebrecherisch« steht; Jak 4,4). Diese Untreue, durch Gottes endzeitliches Liebeshandeln in Jesus Christus überwunden und gesühnt, soll es in Zukunft nicht mehr geben – weder im Verhältnis des Volkes zu Gott noch im Verhältnis der Glieder des Gottesvolkes zueinander.