Ehe, Eheschlie├čung

Die Ehe ist nach biblischem Verständnis im Schöpferwillen Gottes begründet: Nur die Zweieinheit von Mann und Frau ergibt den ganzen Menschen, das vollkommene und vollgültige Abbild Gottes (1Mo 1,27); der Mann allein ist es nicht, er ist angewiesen auf die Frau als ebenbürtiges Gegenüber (1Mo 2,18.23-24). In ihrer konkreten geschichtlichen Erscheinungsweise ist die Ehe in Israel allerdings einseitig durch die beherrschende Position des Mannes bestimmt. Durch Vertrag zwischen Brautwerber und Vater der Braut und aufgrund bestimmter Gegenleistungen (Brautpreis) geht die junge Frau sozusagen in den Besitz ihres Eheherrn über (vgl. 1Mo 24,2-4; 38,6; 5Mo 7,3; Ri 14,2-3; vgl. aber auch 1Mo 24,58; 29,18). Dieser hat die Pflicht, materiell für sie aufzukommen und sie nicht zu vernachlässigen (vgl. 2Mo 21,10). Doch steht es ihm frei, sie – aus nahezu beliebigen Gründen – auch wieder zu entlassen (Ehescheidung); wie es ihm auch freisteht, mit mehreren Frauen zugleich verheiratet zu sein (vgl. 1Mo 4,19; 5Mo 21,15). Es gilt ferner nicht als Ehebruch, wenn er darüber hinaus noch mit anderen Frauen Verkehr hat – sofern diese nicht ehelich gebunden sind und er somit in die »Besitzverhältnisse« anderer Männer eingreift (vgl. 2Mo 22,15-16; 5Mo 22,28-29). Für eine verheiratete Frau dagegen erfüllte jede sexuelle Kontaktaufnahme mit einem fremden Mann den Tatbestand des Ehebruchs.

Von Extremfällen in den herrschenden Schichten abgesehen (königlicher Harem 2Sam 3,2-5; 5,13; 1Kön 11,1-8; Jer 38,22; vgl. aber 5Mo 17,17), scheint trotz der aufgezeigten Rahmenbedingungen und rechtlichen Möglichkeiten die Ehe mit einer oder mit zwei Frauen schon vor dem Exil das Normale gewesen zu sein (eine: 1Mo 12,5; Jes 8,3; Hos 1,2-3; 3,1; zwei: 1Mo 4,19; 29,15-30; 2Mo 21,10; 5Mo 21,15-17; 1Sam 1,2). Texte wie Spr 2,16-22; 5,15-19; 12,4; 18,22; 19,14; 31,10-31 deuten auf praktisch monogame Verhältnisse hin. Auch die prophetische Darstellung des Verhältnisses zwischen Gott und Israel unter dem Bild einer Ehe (s. dazu unten) setzt die Einehe als das Normale und Ideale voraus. In Tob 8,6-10 ist 1Mo 2,18.24 im Sinne einer Empfehlung der Einehe verstanden. So wurde nach dem babylonischen Exil die Einehe in der Praxis geradezu zum Normalfall; dem Hohenpriester wurde sie zur Auflage gemacht. Ehescheidung – gelegentlich von den Propheten scharf angegriffen (Mal 2,14-16) – wurde schon vor der Zeit Jesu von den Qumran nahe stehenden Kreisen verworfen.

Für Jesus geht der ursprüngliche und eigentliche Gotteswille in Bezug auf die Ehe aus 1Mo 1,27; 2,24 hervor. Danach ist Ehe für ihn (ganz fraglos) Einehe und sie ist unauflösbar. Es gehört für Jesus zur Verkündigung der nahen und jetzt schon hereinbrechenden Gottesherrschaft (Reich Gottes), diesen ursprünglichen und eigentlichen Gotteswillen geltend zu machen und in Kraft zu setzen (Mk 10,2-12 par). In der Konsequenz der durch Jesus praktizierten Ernstnahme der Frau liegt es, dass auch die beherrschende Stellung des Mannes in der Ehe einem partnerschaftlichen Miteinander weichen muss (Gal 3,28; 1Kor 7,3-5; 11,11-12; Kol 3,18-19; 1Petr 3,7).

Zur Beschreibung des Verhältnisses, in dem Gott zu seinem Volk Israel steht, haben die Propheten immer wieder das eheliche Verhältnis als Bild herangezogen (Hos 1–3; Jer 2,2; 3,1-10; 9,1; Hes 16,7-14; Jes 50,1; 54,5-8; 62,4-5). Im Neuen Testament wird 1Mo 2,24 nun geradezu als prophetischer Hinweis auf ein Verhältnis verstanden, das sich überhaupt erst in der endzeitlichen Beziehung zwischen Gott und Gottesvolk wirklich und ganz realisieren sollte, das heißt konkret: in der Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde (Eph 5,31-32; vgl. Mk 2,19; Joh 3,29; 2Kor 11,2; Mt 22,2-3; 25,1; Offb 19,7-9; 21,2.9). An dieser vollendeten und maßgeblichen Beziehung hat jede christliche Ehe abbildhaft Anteil; in ihrem Kraftfeld, das heißt in der Kraft der Liebe Christi und der durch Christus geweckten Liebe, soll sie sich realisieren (Eph 5,25-33).