Doketismus

Als »Doketismus« bezeichnet man ein in der Geistesströmung der Gnosis anzutreffendes Verständnis von Person und Werk Jesu Christi. Jesus ist demnach nicht Sohn und Abgesandter des Gottes, den das Alte Testament bezeugt, sondern des wirklichen, einzig wahren und wahrhaft guten Gottes, der bislang unbekannt war und sich jetzt erstmals und exklusiv in Jesus geoffenbart hat. Dieser Gott hat mit dem bösen Dämon Jahwe (HERR) und dessen schlechter Schöpfung nicht das Geringste zu tun. Jesus ist nicht wirklich Mensch geworden (dann hätte sich in ihm ja nur der urzeitliche »Unfall«, der zu dieser bösen Welt geführt hat, wiederholt und für die »Erlösung« der Menschen wäre nichts gewonnen worden). Vielmehr hat er sich – in der Taufe am Jordan – nur äußerlich und »zum Schein« (»Doketismus« kommt von dem griechischen Wort dokein = scheinen) mit einem Menschenleib verbunden, den er vor der Passion wieder verließ. Die »Erlösung« hat er vollbracht, indem er den Menschen die »Erkenntnis« (Gnosis) brachte; das Sterben am Kreuz trägt dazu nichts bei. Der aufkommende Doketismus wird im Neuen Testament bekämpft in Joh 1,14; 1Joh 4,2-3; vgl. auch 1Tim 2,5-6; 3,16.