Dekalog

(deka logoi griechisch: »Zehn Worte«) Die »Zehn Gebote« sind in 2Mo 20 und 5Mo 5 überliefert. Beide Fassungen stimmen im Grundbestand überein, weichen jedoch in der Begründung einzelner Gebote voneinander ab (vgl. vor allem 2Mo 20,8-11 mit 5Mo 5,12-15). Außerdem findet man in 5. Mose das letzte Gebot (»Du sollst nicht begehren«) gegenüber 2. Mose in zwei selbständige Aussagen aufgeteilt, was zu einer Unsicherheit über die Zählung der Gebote geführt hat. In der Katholischen Kirche – und in ihrer Tradition in den lutherischen Kirchen – wird das aufgeteilte letzte Gebot als zwei Gebote (9. und 10.) gezählt, und zum Ausgleich werden die beiden ersten Gebote (Verbot der Verehrung fremder Götter und Verbot von Gottesbildern) in eines zusammengefasst. Die griechisch-orthodoxe Kirche und die Kirchen, die auf Calvin und Zwingli zurückgehen, zählen Fremdgötter- und Bilderverbot als 1. und 2. Gebot und belassen das Verbot des Begehrens ungeteilt als 10. Gebot. Auch das Judentum fasst Fremdgötter- und Bilderverbot in eines zusammen, lässt jedoch auch das Begehrensverbot ungeteilt und zählt dafür die Einleitung »Ich bin der Herr, dein Gott…« als 1. Gebot.

Israel hat den Dekalog als Urkunde des Bundes verstanden, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat, als eine Art »Verfassung« oder »Grundgesetz«. Für die Rechtsprechung wurden diese Anweisungen erweitert und auf konkrete Fälle angewandt. Beispiele dafür sind 2Mo 21–23; 3Mo 1–7; 11–27; 5Mo 12–26.