Brot, ungesäuertes

Brot wurde im alten Israel in Fladenform auf Backplatten oder in der heißen Aschenglut ohne Verwendung eines weiteren Gerätes gebacken. Die Fladen waren im Durchmesser 20–50 cm groß und bis zu 1 cm dick. Das Mehl wurde mit Wasser angerührt und in der Regel ungesäuert (ohne Treibmittel) gebacken. Das Fladenbrot wurde nicht geschnitten, sondern gebrochen.

Brot, das mit Sauerteig gebacken wurde, durfte im Opferdienst nicht verwendet werden. Einen hervorragenden Platz hat das ungesäuerte Brot im mit dem Passafest zusammenhängenden »Fest der Ungesäuerten Brote« (2Mo 12,15-20; 13,3-10; 23,15; 3Mo 23,5-6; 5Mo 16,1-4). Hier durfte sieben Tage lang nur ungesäuertes Brot gegessen werden. Am Vortag des ersten Festtages musste aller Sauerteig aus den Häusern entfernt werden (2Mo 12,15; vgl. 1Kor 5,6-7).

Das »Fest der Ungesäuerten Brote« oder Mazzenfest ist ursprünglich ein Erntefest, das mit dem Beginn der Gerstenernte zusammenfiel (5Mo 16,9). Im Unterschied zum (zeitgleichen) Passafest, das in die Nomadenzeit Israels zurückreicht, hat Israel dieses Fest offenbar erst im Kulturland kennen gelernt. Im ursprünglichen Sinn wird bei diesem Fest die neue Ernte als Neubeginn des Lebens gefeiert: Alles »Alte« wird zurückgelassen, auch der Sauerteig, in dem noch Korn der vergangenen Ernte enthalten ist. Durch die Verbindung mit dem Passafest erhielt das Mazzenfest in Israel eine neue Bedeutung: Der jährliche Neubeginn weist jetzt auf die schöpferische Rettungstat Gottes bei der Herausführung seines Volkes aus Ägypten (in diesem Sinn wird das Essen des ungesäuerten Brotes in 2Mo 13,3 gedeutet; vgl. 12,34). Damit wird zugleich klargestellt, dass der Erntesegen nicht den Göttern des Landes Kanaan zu verdanken ist (Fruchtbarkeitskult), sondern dem Herrn, aus dessen Hand das Volk sein Land und zugleich dessen Ertrag empfängt.