Beschneidung, beschneiden, beschnitten

Die Beschneidung wird bei vielen Völkern geübt, aber unterschiedlich gedeutet. Ursprünglich wurde sie wohl als ein Unheil abwehrender Ritus verstanden. Im alten Israel bekam sie einen neuen Sinn als Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk und Kennzeichen der Zugehörigkeit zum Gottesvolk. Als ein solches Zeichen gewann sie besondere Bedeutung seit der Zeit des babylonischen Exils sowie in Abgrenzung gegen das Griechentum in hellenistischer Zeit.

Vollzogen wird die Beschneidung durch das Abtrennen der Vorhaut am männlichen Glied; sie wurde in früher Zeit bei Jünglingen, später an Neugeborenen am 8. Tag nach der Geburt geübt. Mädchen wurden und werden in Israel nicht beschnitten.

Dass Gott mehr erwartet als nur die äußere Beschneidung, sagt der Aufruf zu einer »Beschneidung des Herzens« (5Mo 10,16; 30,6; vgl. Kol 2,11), der auf eine Umwandlung des inneren Menschen zielt. In den frühen judenchristlichen Gemeinden entstand die Frage, ob man Nichtjuden, die Christen werden wollten, beschneiden und damit zuerst in das Judentum aufnehmen müsse (vgl. Apg 15; Gal 5).