Auferstehung

Der Glaube an die Auferstehung der Toten ist nicht von Anfang an Bestandteil des biblischen Glaubenszeugnisses. Eindeutig zur Sprache kommt er erst in der apokalyptischen Zukunftsschau des Danielbuches (Dan 12,2-3.13; vgl. ferner 2Makk 7,9.11.14; 12,43-44; in Jes 26,19 und Hes 37 ist dagegen noch bildhaft von der Wiederherstellung des Volkes Israel die Rede). Die Auferstehungserwartung blieb in manchen Einzelheiten auch dann noch lange Zeit uneinheitlich. So gibt es die Vorstellung, dass nur die Gerechten auferstehen, um am ewigen Leben in Gottes neuer Welt teilhaben zu können (Lk 14,14), und daneben die Vorstellung, dass Gerechte wie Ungerechte auferweckt werden (Apg 24,15) – Letztere freilich nur, um im Gericht ihr Urteil zu empfangen und danach entweder ewigem Tod oder ewiger Strafe überantwortet zu werden (Hölle). In jedem Fall aber ist an einen kollektiven Vorgang im Rahmen der Endereignisse gedacht und das Leben, zu dem die Gerechten erweckt werden, ist als ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Gott in einer neuen Welt vorgestellt, nicht als Rückkehr in das alte Leben unter den Bedingungen der alten, vergangenen Welt.

Die Auferstehung Jesu wird im Neuen Testament vor dem Hintergrund der beschriebenen apokalyptischen Erwartung als endzeitliches Ereignis, als der Beginn der allgemeinen Totenauferweckung verstanden und verkündigt (1Kor 15,1-28; Kol 1,18; 1Thess 4,13-14; Apg 3,15; Joh 11,25-26). Doch liegt die Bedeutung der Auferweckung Jesu nicht nur hierin, sondern auch, ja zuerst und grundlegend darin, dass Gott sich damit auf die Seite des Gekreuzigten gestellt, sich mit ihm identifiziert und seinen Anspruch, Gottes erstes und letztes Wort zu sein (vgl. Hebr 1,1-2), bestätigt hat. Dadurch haben Jesu Wort und Weisung letzte Verbindlichkeit erhalten und sind endgültig zum Maßstab des letzten Gerichts geworden (vgl. Mt 5,21-48; 7,24-27). In diesem Sinne bedeutet Auferweckung Jesu, dass er – der jetzt schon auf ewig Lebendige – endgültig und umfassend in die Hoheit und Funktion des Lehrers (Mt 28,18-20), des Herrn und Messias (Apg 2,36), des Sohnes Gottes (Röm 1,4) eingesetzt wurde und dass er es auch sein wird, der in Gottes Auftrag und Vollmacht das letzte Gericht halten wird (Menschensohn). Auferweckung Jesu bedeutet schließlich, dass das Opfer seines Sterbens am Kreuz (Mk 10,45 par) von Gott angenommen wurde, dass der »neue Bund in Jesu Blut« (Lk 22,20 par) wirklich zustande kam, dass nunmehr also auch weltweit in diesen Bund eingeladen und denen, die umkehren, die Vergebung der Sünden verkündet werden darf (Röm 4,25; 1Kor 15,17; Lk 24,46-47; Joh 20,21-23; vgl. Jes 53,10-12).

Die endzeitliche Überwindung des Todes, wie sie der apokalyptischen Zukunftserwartung entspricht und in der Auferweckung Jesu wirklich und wirksam geworden ist, steht im Neuen Testament beherrschend im Mittelpunkt. Im Alten Testament war man sich zwar darüber im Klaren, dass Gott selbstverständlich auch über Tod und Totenreich Macht hat (5Mo 32,39; 1Sam 2,6). Doch wenn die Frommen darum beten, vor oder aus dem Tod und dem Totenreich »erlöst« zu werden, so geht es in aller Regel einfach darum, aus Todesgefahr gerettet und dem Leben zurückgegeben zu werden (Ps 30,3-4; 56,14; 68,21; 71,20; 86,13; 88,4-7.11-12; 116; 118,17-18; Hos 6,1-2). Selten nur kommt daneben die Hoffnung und Zuversicht auf, dass Gott den einzelnen Frommen auch jenseits des Todes Leben zu schenken vermag und dieses – als Leben in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott – reicher und erfüllter ist als alles irdisch-diesseitige Leben (Ps 16,8-11; 49,16; 73,23-26; vgl. ferner Weish 2–3).