Aposteldekret

Bezeichnung für die Regelung, die nach Darstellung des Lukas auf dem Apostelkonzil getroffen wurde, um strengen Judenchristen ein Zusammenleben mit den Heidenchristen zu ermöglichen (vgl. Apg 15,19-20.28-29). Von den Auflagen, die dort den Heidenchristen nach Apg 15,19-21.28-29 gemacht wurden, weiß Paulus allerdings nichts; er bestreitet in Gal 2,6 aufs Entschiedenste, dass ihm bei dem Jerusalemer Treffen überhaupt Auflagen für die Heidenchristen gemacht worden seien. Er gibt in den Fragen des Genusses von Götzenopferfleisch seinen Gemeinden denn auch Verhaltensregeln, die mit der Vorschrift Apg 15,20.29 nicht in Einklang stehen (vgl. 1Kor 8; 10,23–11,1). Aus Apg 21,25 scheint hervorzugehen, dass er erst wesentlich später erstmals von den getroffenen Regelungen erfuhr. Viele Ausleger nehmen daher an, dass die Auflagen Apg 15,19-21.28-29 bei einer späteren Zusammenkunft in Jerusalem (bei der Paulus nicht mehr anwesend war) beraten und beschlossen wurden. Bei dieser Zusammenkunft sei es darum gegangen, die konkreten Schwierigkeiten des Zusammenlebens von Heiden- und Judenchristen zu lösen, die sich nach der auf dem Apostelkonzil gefallenen Grundsatzentscheidung in der Praxis des Alltags einstellen mussten (vgl. Gal 2,11-16). Im Rückblick habe man dann aber die beiden Versammlungen nicht klar auseinander gehalten und schließlich – beide Ergebnisse zusammenfassend – wie von einem einzigen Ereignis berichtet. Mit dieser Sicht der Dinge ließe sich gut vereinbaren, dass der Brief Apg 15,23-29 eigentlich nur an die Heidenchristen »in Antiochia und Syrien und Zilizien« gerichtet ist (Apg 15,23), also an einen begrenzten Kirchenbereich, Paulus aber und dessen spezielle Missionsgebiete gar nicht direkt im Blick sind.