Älteste

Die Stellung der »Ältesten« gründete ursprünglich in der Würde des Alters: In Familie und Sippe gilt die Autorität der »Alten«. Obwohl im Grundsatz alle Familienoberhäupter den gleichen Rang hatten, übten im größeren Verband des Stammes die Häupter der mächtigsten Familien die Autorität aus, im Krieg als Anführer und im Frieden durch Rechtsprechung. Sie bildeten eine Art Adel (Hiob 29).

In der frühen Königszeit ist wiederholt von den »Ältesten Israels« die Rede (2Sam 3,17; 5,3; 17,4.15; 1Kön 8,1). Dabei könnte es sich um ein aus den Stammesältesten hervorgegangenes Gremium handeln, das nicht näher festgelegte Leitungsfunktionen im traditionellen Sinne wahrnahm und offenbar auch unter dem Königtum weiterbestand. Sitz dieses Gremiums war möglicherweise das alte Heiligtum von Sichem (Jos 24).

In den Städten entwickelte sich aus der Ältestenverfassung eine Art Stadtaristokratie, die als lokale Behörde die Ortschaft verwaltete und Recht sprach. Unter dem Königtum verloren die Ältesten an Einfluss, gewannen ihn aber neu im babylonischen Exil (Jer 29,1) und nach der Rückkehr (Ältestenrat). In den jüdischen Gemeinden außerhalb Palästinas war die Verwaltung zumindest der Synagoge den Ältesten unterstellt. – Gelegentlich bezeichnet »Älteste« auch die älteren Gesetzesausleger (Mk 7,3.5).

Nach jüdischem Vorbild wurde auch ein Teil der christlichen Gemeinden ursprünglich von einer Gruppe von Ältesten geleitet (Apg 14,23; 20,17; 1Tim 5,17-22; Tit 1,5). Diese Leitungsform scheint in der Jerusalemer Urgemeinde ihre Wurzeln zu haben (Apg 11,30; 15,4.6; 21,18). Zur weiteren Entwicklung Gemeindeleiter. – In der Offenbarung sind die 24 Ältesten eine Art himmlischer Thronrat mit zugleich königlichen und priesterlichen Funktionen.