11Dies sind die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel,

2um zu lernen Weisheit und Zucht und zu verstehen verständige Rede,

3dass man annehme Zucht, die da klug macht, Gerechtigkeit, Recht und Redlichkeit;

4dass die Unverständigen klug werden und die Jünglinge vernünftig und besonnen.

5Wer weise ist, der höre zu und wachse an Weisheit, und wer verständig ist, der lasse sich raten,

6dass er verstehe Sprüche und Gleichnisse, die Worte der Weisen und ihre Rätsel.

7Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht.

Warnung vor Verführern

8Mein Sohn, gehorche der Zucht deines Vaters und verlass nicht das Gebot deiner Mutter;

9denn das ist ein schöner Schmuck für dein Haupt und eine Kette an deinem Halse.

10Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.

11Wenn sie sagen: »Geh mit uns! Wir wollen auf Blut lauern und den Unschuldigen nachstellen ohne Grund;

12wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die Lebendigen, und die Frommen sollen sein wie die, welche hinunter in die Grube fahren;

13wir wollen kostbares Gut finden, wir wollen unsre Häuser mit Raub füllen;

14wage es mit uns! Einen Beutel nur soll es für uns alle geben«:

15mein Sohn, wandle den Weg nicht mit ihnen, halte deinen Fuß fern von ihrem Pfad;

16denn ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergießen.

17Man spannt das Netz vor den Augen der Vögel, doch lassen sie sich nicht warnen;

18so lauern jene auf ihr eigenes Blut und trachten sich selbst nach dem Leben.

19So geht es allen, die nach unrechtem Gewinn trachten; er nimmt ihnen das Leben.

Die Bußpredigt der Weisheit

20Die Weisheit ruft laut auf der Straße und lässt ihre Stimme hören auf den Plätzen.

21Sie ruft im lautesten Getümmel, am Eingang der Tore, sie redet ihre Worte in der Stadt:

22Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen?

23Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.

24Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert, wenn ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet,

25wenn ihr fahren lasst all meinen Rat und meine Zurechtweisung nicht wollt:

26dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet;

27wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, und euer Unglück wie ein Wetter; wenn über euch Angst und Not kommt.

28Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich suchen und nicht finden.

29Weil sie die Erkenntnis hassten und die Furcht des HERRN nicht erwählten,

30meinen Rat nicht wollten und all meine Zurechtweisung verschmähten,

31darum sollen sie essen von den Früchten ihres Wandels und satt werden an ihren Ratschlägen.

32Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod, und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um;

33wer aber mir gehorcht, wird sicher wohnen und ohne Sorge sein und kein Unglück fürchten.

Die Weisheit bewahrt vor dem Verderben

21Mein Sohn, wenn du meine Rede annimmst und meine Gebote behältst,

2sodass dein Ohr auf Weisheit Acht hat, und du dein Herz der Einsicht zuneigst,

3ja, wenn du nach Vernunft rufst und deine Stimme nach Einsicht erhebst,

4wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschst wie nach Schätzen:

5dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes finden.

6Denn der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.

7Er lässt es den Aufrichtigen gelingen und beschirmt die Frommen.

8Er behütet, die recht tun, und bewahrt den Weg seiner Frommen.

9Dann wirst du verstehen Gerechtigkeit und Recht und Frömmigkeit und jeden guten Weg.

10Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein,

11Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten, –

12dass du nicht gerätst auf den Weg der Bösen noch unter Leute, die Falsches reden,

13die da verlassen die rechte Bahn und gehen finstere Wege,

14die sich freuen, Böses zu tun, und sind fröhlich über böse Ränke,

15die krumme Wege gehen und auf Abwege kommen, –

16dass du nicht gerätst an die Frau eines andern, an eine Fremde, die glatte Worte gibt

17und verlässt den Gefährten ihrer Jugend und vergisst den Bund ihres Gottes;

18denn ihr Haus neigt sich zum Tode und ihre Wege zum Ort der Toten;

19alle, die zu ihr eingehen, kommen nicht wieder und erreichen den Weg des Lebens nicht, –

20dass du wandelst auf dem Wege der Guten und bleibst auf der Bahn der Gerechten;

21denn die Gerechten werden im Lande wohnen und die Frommen darin bleiben,

22aber die Gottlosen werden aus dem Land ausgerottet und die Treulosen daraus vertilgt.

Vom Segen der Gottesfurcht und Weisheit

31Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote,

2denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden;

3Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens,

4so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.

5Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand,

6sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

7Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen.

8Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.

9Ehre den HERRN mit deinem Gut und mit den Erstlingen all deines Einkommens,

10so werden deine Scheunen voll werden und deine Kelter von Wein überlaufen.

11Mein Sohn, verwirf die Zucht des HERRN nicht und sei nicht ungeduldig, wenn er dich zurechtweist;

12denn wen der HERR liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.

13Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt!

14Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold.

15Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen.

16Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre.

17Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden.

18Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, und glücklich sind, die sie festhalten.

19Der HERR hat die Erde durch Weisheit gegründet und nach seiner Einsicht die Himmel bereitet.

20Kraft seiner Erkenntnis quellen die Wasser der Tiefe hervor und triefen die Wolken von Tau.

21Mein Sohn, lass sie nicht aus deinen Augen weichen, bewahre Umsicht und Klugheit!

22Das wird Leben sein für dein Herz und ein Schmuck für deinen Hals.

23Dann wirst du sicher wandeln auf deinem Wege, sodass dein Fuß sich nicht stoßen wird.

24Legst du dich, so wirst du dich nicht fürchten, und liegst du, so wirst du süß schlafen.

25Fürchte dich nicht vor plötzlichem Schrecken noch vor dem Verderben der Gottlosen, wenn es über sie kommt;

26denn der HERR ist deine Zuversicht; er behütet deinen Fuß, dass er nicht gefangen werde.

Ermahnung zum Wohltun und zur Friedfertigkeit

27Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.

28Sprich nicht zu deinem Nächsten: Geh hin und komm wieder; morgen will ich dir geben –, wenn du es doch hast.

29Trachte nicht nach Bösem gegen deinen Nächsten, der arglos bei dir wohnt.

30Geh nicht mutwillig mit jemand vor Gericht, wenn er dir kein Leid getan hat.

31Sei nicht neidisch auf den Gewalttätigen und erwähle seiner Wege keinen,

32denn wer auf Abwegen geht, ist dem HERRN ein Gräuel, aber den Frommen ist er Freund.

33Im Hause des Gottlosen ist der Fluch des HERRN, aber das Haus der Gerechten wird gesegnet.

34Er wird der Spötter spotten, aber den Demütigen wird er Gnade geben.

35Die Weisen werden Ehre erben, aber die Toren werden Schande davontragen.

Väterliche Mahnung

41Hört, meine Söhne, die Mahnung eures Vaters; merkt auf, dass ihr lernt und klug werdet!

2Denn ich gebe euch eine gute Lehre; verlasst meine Weisung nicht.

3Denn als ich noch Kind in meines Vaters Hause war, ein zartes, das einzige unter der Obhut meiner Mutter,

4da lehrte er mich und sprach: Lass dein Herz meine Worte aufnehmen; halte meine Gebote, so wirst du leben.

5Erwirb Weisheit, erwirb Einsicht; vergiss sie nicht und weiche nicht von der Rede meines Mundes;

6verlass sie nicht, so wird sie dich bewahren; liebe sie, so wird sie dich behüten.

7Denn der Weisheit Anfang ist: Erwirb Weisheit und erwirb Einsicht mit allem, was du hast.

8Achte sie hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu Ehren bringen, wenn du sie herzest.

9Sie wird dein Haupt schön schmücken und wird dich zieren mit einer prächtigen Krone.

10Höre, mein Sohn, und nimm an meine Rede, so werden deine Jahre viel werden.

11Ich will dich den Weg der Weisheit führen; ich will dich auf rechter Bahn leiten,

12dass, wenn du gehst, dein Gang dir nicht sauer werde, und wenn du läufst, du nicht strauchelst.

13Bleibe in der Unterweisung, lass nicht ab davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben.

14Komm nicht auf den Pfad der Gottlosen und tritt nicht auf den Weg der Bösen.

15Lass ihn liegen und geh nicht darauf; weiche von ihm und geh vorüber.

16Denn jene können nicht schlafen, wenn sie nicht übel getan, und sie ruhen nicht, wenn sie nicht Schaden getan.

17Sie nähren sich vom Brot des Frevels und trinken vom Wein der Gewalttat. –

18Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.

19Der Gottlosen Weg aber ist wie das Dunkel; sie wissen nicht, wodurch sie zu Fall kommen werden.

20Mein Sohn, merke auf meine Rede und neige dein Ohr zu meinen Worten.

21Lass sie dir nicht aus den Augen kommen; behalte sie in deinem Herzen,

22denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und heilsam ihrem ganzen Leibe.

23Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.

24Tu von dir die Falschheit des Mundes und sei kein Lästermaul.

25Lass deine Augen stracks vor sich sehen und deinen Blick geradeaus gerichtet sein.

26Lass deinen Fuß auf ebener Bahn gehen, und alle deine Wege seien gewiss.

27Weiche weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen.

Warnung vor der Verführerin

51Mein Sohn, merke auf meine Weisheit; neige dein Ohr zu meiner Lehre,

2dass du behaltest guten Rat und dein Mund wisse Erkenntnis zu bewahren!

3Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl,

4hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.

5Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich,

6dass du den Weg des Lebens nicht wahrnimmst; haltlos sind ihre Tritte und du merkst es nicht.

7So gehorcht mir nun, meine Söhne, und weicht nicht von der Rede meines Mundes.

8Lass deine Wege ferne von ihr sein und nahe nicht zur Tür ihres Hauses,

9dass du nicht andern gebest deine Kraft und deine Jahre einem Unbarmherzigen;

10dass sich nicht Fremde von deinem Vermögen sättigen und, was du mühsam erworben, nicht komme in eines andern Haus,

11und müssest hernach seufzen, wenn dir Leib und Leben vergehen,

12und sprechen: »Ach, wie konnte ich die Zucht hassen, und wie konnte mein Herz die Warnung verschmähen,

13dass ich nicht gehorchte der Stimme meiner Lehrer und mein Ohr nicht kehrte zu denen, die mich lehrten!

14Ich wäre fast ganz ins Unglück gekommen vor allen Leuten und allem Volk.«

15Trinke Wasser aus deiner Zisterne und was quillt aus deinem Brunnen.

16Sollen deine Quellen herausfließen auf die Straße und deine Wasserbäche auf die Gassen?

17Habe du sie allein und kein Fremder mit dir.

18Dein Born sei gesegnet, und freue dich der Frau deiner Jugend.

19Sie ist lieblich wie eine Gazelle und holdselig wie ein Reh. Lass dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe.

20Mein Sohn, warum willst du dich an der Fremden ergötzen und herzest eine andere?

21Denn eines jeden Wege liegen offen vor dem HERRN, und er hat Acht auf aller Menschen Gänge.

22Den Gottlosen werden seine Missetaten fangen, und er wird mit den Stricken seiner Sünde gebunden.

23Er wird sterben, weil er Zucht nicht wollte, und um seiner großen Torheit willen wird er hingerafft werden.

Warnung vor Bürgschaften, vor Faulheit und Falschheit

61Mein Sohn, hast du gebürgt für deinen Nächsten und hast du Handschlag gegeben für einen andern,

2und bist du gebunden durch deine Worte und gefangen in der Rede deines Mundes,

3so tu doch dies, mein Sohn, damit du wieder frei wirst, denn du bist in deines Nächsten Hand: Geh hin, dränge und bestürme deinen Nächsten!

4Lass deine Augen nicht schlafen noch deine Augenlider schlummern.

5Errette dich wie ein Reh aus der Schlinge und wie ein Vogel aus der Hand des Fängers.

6Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!

7Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat,

8so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte.

9Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?

10Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, dass du schläfst,

11so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

12Ein heilloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit trügerischem Munde,

13wer winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern,

14trachtet nach Bösem und Verkehrtem in seinem Herzen und richtet allezeit Hader an.

15Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da.

16Diese sechs Dinge hasst der HERR, diese sieben sind ihm ein Gräuel:

17stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,

18ein Herz, das arge Ränke schmiedet, Füße, die behände sind, Schaden zu tun,

19ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Hader zwischen Brüdern anrichtet.

Warnung vor Ehebruch

20Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters und lass nicht fahren die Weisung deiner Mutter.

21Binde sie dir aufs Herz allezeit und hänge sie um deinen Hals,

22dass sie dich geleiten, wenn du gehst; dass sie dich bewachen, wenn du dich legst; dass sie zu dir sprechen, wenn du aufwachst.

23Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht, und die Vermahnung ist der Weg des Lebens,

24auf dass du bewahrt werdest vor der Frau deines Nächsten, vor der glatten Zunge der Fremden.

25Lass dich nach ihrer Schönheit nicht gelüsten in deinem Herzen, und lass dich nicht fangen durch ihre Augenlider.

26Denn eine Hure bringt einen nur ums Brot, aber eines andern Ehefrau um das kostbare Leben.

27Kann auch jemand ein Feuer unterm Gewand tragen, ohne dass seine Kleider brennen?

28Oder könnte jemand auf Kohlen gehen, ohne dass seine Füße verbrannt würden?

29So geht es dem, der zu seines Nächsten Frau geht; es bleibt keiner ungestraft, der sie berührt.

30Es ist für einen Dieb nicht so schmachvoll, wenn er stiehlt, um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert;

31wenn er ergriffen wird, ersetzt er's siebenfach und gibt her alles Gut seines Hauses.

32Aber wer mit einer Verheirateten die Ehe bricht, der ist von Sinnen; wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das.

33Schläge und Schande treffen ihn, und seine Schmach ist nicht zu tilgen.

34Denn Eifersucht erweckt den Grimm des Mannes, und er schont nicht am Tage der Vergeltung

35und achtet kein Sühnegeld und nimmt nichts an, wenn du auch viel schenken wolltest.

71Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir.

2Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel.

3Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.

4Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin,

5dass sie dich behüte vor der Frau des andern, vor der Fremden, die glatte Worte gibt.

6Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter

7und sah einen unter den Unverständigen und erblickte unter den jungen Leuten einen törichten Jüngling.

8Der ging über die Gasse zu ihrer Ecke und schritt daher auf dem Wege zu ihrem Hause

9in der Dämmerung, am Abend des Tages, als es Nacht wurde und dunkel war.

10Und siehe, da begegnete ihm eine Frau im Hurengewand, listig,

11wild und unbändig, dass ihre Füße nicht in ihrem Hause bleiben können.

12Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken.

13Und sie erwischt ihn und küsst ihn, wird dreist und spricht:

14»Ich hatte Dankopfer zu bringen, heute habe ich meine Gelübde erfüllt.

15Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, um nach dir zu suchen, und habe dich gefunden.

16Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten.

17Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt.

18Komm, lass uns kosen bis an den Morgen und lass uns die Liebe genießen.

19Denn der Mann ist nicht daheim, er ist auf eine weite Reise gegangen.

20Er hat den Geldbeutel mit sich genommen; er wird erst zum Vollmond wieder heimkommen.«

21Sie überredet ihn mit vielen Worten und gewinnt ihn mit ihrem glatten Munde.

22Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Hirsch, der ins Netz rennt,

23bis ihm der Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, dass es das Leben gilt.

24So hört nun auf mich, meine Söhne, und merkt auf die Rede meines Mundes.

25Lass dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihre Bahn.

26Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind, die sie getötet hat.

27Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.

Einladung und Verheißung der Weisheit

81Ruft nicht die Weisheit, und lässt nicht die Klugheit sich hören?

2Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen;

3an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie:

4O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern!

5Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmt Verstand an!

6Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist.

7Denn mein Mund redet die Weisheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist.

8Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Falsches darin.

9Sie sind alle recht für die Verständigen und richtig denen, die Erkenntnis gefunden haben.

10Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold.

11Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

12Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit und weiß guten Rat zu geben.

13Die Furcht des HERRN hasst das Arge; Hoffart und Hochmut, bösem Wandel und falschen Lippen bin ich Feind.

14Mein ist beides, Rat und Tat, ich habe Verstand und Macht.

15Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht.

16Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden.

17Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich.

18Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit.

19Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber.

20Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts,

21dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Die Weisheit als Gottes Liebling

22Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.

23Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.

24Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.

25Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,

26als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.

27Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe,

28als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,

29als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,

30da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;

31ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

32So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten!

33Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!

34Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore!

35Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN.

36Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Weisheit und Torheit laden zum Mahle

91Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen.

2Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet

3und sandte ihre Mägde aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt:

4»Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie:

5»Kommt, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe!

6Verlasst die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.«

7Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Gottlosen zurechtweist, holt sich Schmach.

8Rüge nicht den Spötter, dass er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben.

9Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.

10Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.

11Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren.

12Bist du weise, so bist du's dir zugut; bist du ein Spötter, so musst du's allein tragen.

13Frau Torheit ist ein unbändiges Weib, verführerisch, und weiß nichts von Scham.

14Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt,

15einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln:

16»Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie:

17»Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.«

18Er weiß aber nicht, dass dort nur die Schatten wohnen, dass ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen.