Zweites Buch

Verlangen nach Gott aus fremdem Land

421Eine Unterweisung der Söhne Korach, vorzusingen.

2Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,

so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen,

dass ich Gottes Angesicht schaue?

4Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,

weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

5Daran will ich denken

und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

wie ich einherzog in großer Schar,

mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes

mit Frohlocken und Danken

in der Schar derer, die da feiern.

6Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

7Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir, /

darum gedenke ich an dich

aus dem Land am Jordan und Hermon, vom Berge Misar.

8Deine Fluten rauschen daher, /

und eine Tiefe ruft die andere;

alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich.

9Am Tage sendet der HERR seine Güte,

und des Nachts singe ich ihm

und bete zu dem Gott meines Lebens.

10Ich sage zu Gott, meinem Fels:

Warum hast du mich vergessen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich dränget?

11Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, /

wenn mich meine Feinde schmähen

und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?

12Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

431Gott, schaffe mir Recht /

und führe meine Sache wider das unheilige Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

2Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich dränget?

3Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

4dass ich hineingehe zum Altar Gottes, /

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

5Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Hat Gott sein Volk verstoßen?

441Eine Unterweisung der Söhne Korach, vorzusingen.

2Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, /

unsre Väter haben's uns erzählt,

was du getan hast zu ihren Zeiten, in alten Tagen.

3Du hast mit deiner Hand die Heiden vertrieben,

sie aber hast du eingesetzt;

du hast die Völker zerschlagen,

sie aber hast du ausgebreitet.

4Denn sie haben das Land nicht eingenommen durch ihr Schwert,

und ihr Arm half ihnen nicht,

sondern deine Rechte, dein Arm und das Licht deines Angesichts;

denn du hattest Wohlgefallen an ihnen.

5Du bist es, mein König und mein Gott,

der du Jakob Hilfe verheißest.

6Durch dich wollen wir unsre Feinde zu Boden stoßen,

in deinem Namen niedertreten, die sich gegen uns erheben.

7Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen,

und mein Schwert kann mir nicht helfen;

8sondern du hilfst uns von unsern Feinden

und machst zuschanden, die uns hassen.

9Täglich rühmen wir uns Gottes

und preisen deinen Namen ewiglich. SELA.

10Warum verstößest du uns denn nun /

und lässest uns zuschanden werden

und ziehst nicht aus mit unserm Heer?

11Du lässest uns fliehen vor unserm Feind,

dass uns berauben, die uns hassen.

12Du gibst uns dahin wie Schlachtschafe

und zerstreust uns unter die Heiden.

13Du verkaufst dein Volk um ein Nichts

und hast mit ihrem Kaufgeld nichts gewonnen.

14Du machst uns zur Schmach bei unsern Nachbarn,

zu Spott und Hohn bei denen, die um uns her sind.

15Du machst uns zum Sprichwort unter den Heiden,

lässt die Völker das Haupt über uns schütteln.

16Täglich ist meine Schmach mir vor Augen,

und mein Antlitz ist voller Scham,

17weil ich sie höhnen und lästern höre

und muss die Feinde und Rachgierigen sehen.

18Dies alles ist über uns gekommen;

und wir haben doch dich nicht vergessen, an deinem Bund nicht untreu gehandelt.

19Unser Herz ist nicht abgefallen

noch unser Schritt gewichen von deinem Weg,

20dass du uns so zerschlägst am Ort der Schakale

und bedeckst uns mit Finsternis.

21Wenn wir den Namen unsres Gottes vergessen hätten

und unsre Hände aufgehoben zum fremden Gott:

22würde das Gott nicht erforschen?

Er kennt ja unsres Herzens Grund.

23Doch um deinetwillen werden wir täglich getötet

und sind geachtet wie Schlachtschafe.

24Wache auf, Herr! Warum schläfst du?

Werde wach und verstoß uns nicht für immer!

25Warum verbirgst du dein Antlitz,

vergissest unser Elend und unsre Drangsal?

26Denn unsre Seele ist gebeugt zum Staube,

unser Leib liegt am Boden.

27Mache dich auf, hilf uns

und erlöse uns um deiner Güte willen!

Lied zur Hochzeit des Königs

451Eine Unterweisung der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Lilien«, ein Brautlied.

2Mein Herz dichtet ein feines Lied, /

einem König will ich es singen;

meine Zunge ist ein Griffel eines guten Schreibers:

3Du bist der Schönste unter den Menschenkindern, /

voller Huld sind deine Lippen;

wahrlich, Gott hat dich gesegnet für ewig.

4Gürte dein Schwert an die Seite, du Held, /

und schmücke dich herrlich!

5Es möge dir gelingen in deiner Herrlichkeit.

Zieh einher für die Wahrheit /

in Sanftmut und Gerechtigkeit,

so wird deine rechte Hand Wunder vollbringen.

6Scharf sind deine Pfeile, dass Völker vor dir fallen;

sie dringen ins Herz der Feinde des Königs.

7Gott, dein Thron bleibt immer und ewig;

das Zepter deines Reichs ist ein gerechtes Zepter.

8Du liebst Gerechtigkeit

und hassest gottloses Treiben;

darum hat dich der Herr, dein Gott, gesalbt

mit Freudenöl wie keinen deinesgleichen.

9Deine Kleider sind lauter Myrrhe, Aloe und Kassia;

aus Elfenbeinpalästen erfreut dich Saitenspiel.

10In deinem Schmuck gehen Töchter von Königen;

die Braut steht zu deiner Rechten in Goldschmuck aus Ofir.

11Höre, Tochter, sieh und neige dein Ohr:

Vergiss dein Volk und dein Vaterhaus!

12Den König verlangt nach deiner Schönheit;

denn er ist dein Herr und du sollst ihm huldigen.

13Die Tochter Tyrus kommt mit Geschenken;

die Reichen im Volk suchen deine Gunst.

14Die Königstochter ist mit Perlen geschmückt;

sie ist mit goldenen Gewändern bekleidet.

15Man führt sie in gestickten Kleidern zum König;

Jungfrauen folgen ihr, ihre Gespielinnen führt man zu dir.

16Man führt sie hin mit Freude und Jubel;

sie ziehen ein in des Königs Palast.

17An deiner Väter statt werden deine Söhne sein;

die wirst du zu Fürsten setzen in aller Welt.

18Ich will deinen Namen kundmachen von Kind zu Kindeskind;

darum werden dir danken die Völker immer und ewig.

Ein feste Burg ist unser Gott

461Ein Lied der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Jungfrauen«.

2Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,

eine Hilfe in den großen Nöten,

die uns getroffen haben.

3Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge

und die Berge mitten ins Meer sänken,

4wenngleich das Meer wütete und wallte

und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. SELA.A

5Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben

mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.B

6Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben;

Gott hilft ihr früh am Morgen.

7Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen,

das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.

8Der Herr Zebaoth ist mit uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz.

SELA

9Kommt her und schauet die Werke des HERRN,

der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

10der den Kriegen steuert in aller Welt,

der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.

11Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!

Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.

12Der Herr Zebaoth ist mit uns,

der Gott Jakobs ist unser Schutz. SELA.

Gott ist König über alle Völker

471Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen.

2Schlagt froh in die Hände, alle Völker,

und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

3Denn der HERR, der Allerhöchste, ist heilig,

ein großer König über die ganze Erde.

4Er beugt die Völker unter uns

und Völkerschaften unter unsere Füße.

5Er erwählt uns unser Erbteil,

die Herrlichkeit Jakobs, den er lieb hat. SELA.

6Gott fährt auf unter Jauchzen,

der HERR beim Hall der Posaune.

7Lobsinget, lobsinget Gott,

lobsinget, lobsinget unserm Könige!

8Denn Gott ist König über die ganze Erde;

lobsinget ihm mit Psalmen!

9Gott ist König über die Völker,

Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

10Die Fürsten der Völker sind versammelt

als Volk des Gottes Abrahams;

denn Gott gehören die Starken auf Erden;

er ist hoch erhaben.

Gottes Stadt

481Ein Psalmlied der Söhne Korach.

2Groß ist der HERR und hoch zu rühmen

in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.

3Schön ragt empor der Berg Zion,

daran sich freut die ganze Welt,

der Gottesberg fern im Norden,

die Stadt des großen Königs.

4Gott ist in ihren Palästen,

er ist bekannt als Schutz.

5Denn siehe, Könige waren versammelt

und miteinander herangezogen.

6Sie haben sich verwundert, als sie solches sahen;

sie haben sich entsetzt und sind davongestürzt.

7Zittern hat sie da erfasst,

Angst wie eine Gebärende.

8Du zerbrichst die großen Schiffe

durch den Sturm vom Osten.

9Wie wir es gehört haben, so sehen wir es

an der Stadt des HERRN Zebaoth,

an der Stadt unsres Gottes:

Gott erhält sie ewiglich. SELA.

10Gott, wir gedenken deiner Güte

in deinem Tempel.

11Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm

bis an der Welt Enden.

Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.

12Dessen freue sich der Berg Zion,

und die Töchter Juda seien fröhlich,

weil du recht richtest.

13Ziehet um Zion herum und umschreitet es,

zählt seine Türme;

14habt gut Acht auf seine Mauern, /

durchwandert seine Paläste,

dass ihr den Nachkommen davon erzählt:

15Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig.

Er ist's, der uns führet.

Die Herrlichkeit der Reichen ist Trug und Schein

491Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Jugend«.

2Höret zu, alle Völker;

merket auf, alle, die in dieser Zeit leben,

3einfache Leute und Herren,

Reich und Arm, miteinander!

4Mein Mund soll Weisheit reden,

und was mein Herz sagt, soll verständig sein.

5Ich will einem Spruch mein Ohr neigen

und mein Rätselwort kundtun beim Klang der Harfe.

6Warum sollte ich mich fürchten in bösen Tagen,

wenn mich die Missetat meiner Widersacher umgibt,

7die sich verlassen auf Hab und Gut

und pochen auf ihren großen Reichtum?

8Kann doch keiner einen andern auslösen

oder für ihn an Gott ein Sühnegeld geben

9– denn es kostet zu viel, ihr Leben auszulösen;

er muss davon abstehen ewiglich –,

10damit er immer weiterlebe

und die Grube nicht sehe.

11Nein, er wird sehen: Auch die Weisen sterben, /

so wie die Toren und Narren umkommen;

sie müssen ihr Gut andern lassen.

12Gräber sind ihr Haus immerdar, ihre Wohnung für und für,

und doch hatten sie große Ehre auf Erden.

13Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben,

sondern muss davon wie das Vieh.

14Dies ist der Weg derer, die so voll Torheit sind,

und das Ende aller, denen ihr Gerede so wohl gefällt. SELA.

15Sie liegen bei den Toten wie Schafe, der Tod weidet sie;

aber die Frommen werden gar bald über sie herrschen,

und ihr Trotz muss vergehen;

bei den Toten müssen sie bleiben.

16Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt;

denn er nimmt mich auf. SELA.

17Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird,

wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird.

18Denn er wird nichts bei seinem Sterben mitnehmen,

und seine Herrlichkeit wird ihm nicht nachfahren.

19Er freut sich wohl dieses guten Lebens,

und man preist dich, wenn es dir gut geht.

20Aber doch fahren sie ihren Vätern nach

und sehen das Licht nimmermehr.

21Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben,

sondern muss davon wie das Vieh.