Onias wird von Simon verleumdet und reist zum König

41Jener Simon aber, der den Schatz und sein Vaterland verraten hatte, verleumdete den Onias, kein anderer als er habe dem Heliodor übel mitgespielt und sein Unglück angestiftet;

2ja, er beschuldigte ihn sogar, ein Feind von Land und Leuten zu sein, obwohl er doch der Stadt alles Gute tat und es mit seinem Volk treu meinte und voll Eifer an Gottes Geboten festhielt.

3Als nun die Feindschaft so groß geworden war, dass einer von Simons Vertrauten mehrere Morde verübte,

4und als Onias sah, dass viel Unheil aus solcher Uneinigkeit kommen würde, weil Apollonius, der Sohn des Menestheus, der Befehlshaber in Zölesyrien und Phönizien, den Simon in seiner Bosheit noch bestärkte, da machte Onias sich auf zum König,

5nicht, um seine Mitbürger zu verklagen, sondern weil er in allem auf das Wohl des ganzen Volkes bedacht war.

6Denn er sah: wenn der König nicht Vorsorge treffen würde, so wäre es nicht möglich, im öffentlichen Leben noch zum Frieden zu kommen und Simon von seiner Torheit abzubringen.

Jason erschleicht sich das Hohepriesteramt und führt griechische Sitten ein

7Als aber Seleukus gestorben und die Herrschaft an Antiochus mit dem Beinamen Epiphanes gekommen war, erschlich Jason, der Bruder des Onias, sich das Hohepriesteramt.

8Er versprach dem König, als er mit ihm zusammentraf, dreihundertsechzig Zentner Silber und aus anderm Einkommen achtzig Zentner.

9Und darüber hinaus versprach er, ihm noch hundertfünfzig Zentner zu überschreiben, wenn man gestatten wollte, dass er aus eigner Vollmacht eine Kampfbahn und einen Übungsplatz für junge Leute herrichtete und die Jerusalemer als Antiochener einschrieb.

10Als der König zustimmte und Jason die Macht ergriffen hatte, gewöhnte er sogleich seine Mitbürger an die griechische Lebensart.

11Und die Vorrechte, die der König aus Menschenfreundlichkeit den Juden durch Vermittlung des Johannes verliehen hatte, den Vater jenes Eupolemus, der als Gesandter nach Rom gegangen war, um über Freundschaft und Waffenhilfe zu verhandeln, die gab er auf, schaffte die alten gesetzmäßigen Einrichtungen ab und führte Sitten ein, die dem Gesetz widersprachen.

12Ganz bewusst nämlich baute er unter der Burg eine Kampfbahn und brachte die besten der jungen Leute dazu, dort als Wettkämpfer aufzutreten.

13Und das griechische Wesen und die Aneignung fremder Sitten nahmen durch die übergroße Ruchlosigkeit des gottlosen falschen Hohenpriesters Jason so überhand,

14dass die Priester nicht mehr eifrig im Dienst am Altar waren, vielmehr den Tempel verachteten und die Opfer vernachlässigten und nach dem Aufruf zum Diskuswerfen zur Kampfbahn liefen und an den gesetzwidrigen Spielen teilnahmen;

15und was den Vätern eine Ehre war, galt ihnen nichts, aber die griechischen Auszeichnungen hielten sie für ungemein wertvoll.

16Das wurde ihnen freilich böse heimgezahlt; denn Gott machte eben die, denen sie in ihren Spielen und auch sonst ganz gleich werden wollten, zu ihren Feinden, die sie bestrafen mussten.

17Denn mit Gottes Wort ist nicht zu scherzen – das wird sich in der Folge zeigen.

18Als man nun in Tyrus das Kampfspiel hielt, das alle fünf Jahre gefeiert wurde, und der König selbst dabei war,

19schickte der ruchlose Jason einige Jerusalemer, die Antiochener waren, als Zuschauer und durch sie dreihundert Drachmen Silber, um dem Herakles davon zu opfern. Als sie das überbrachten, baten sie darum, es nicht zum Opfer zu verwenden, weil sich das nicht schicken würde, sondern es für etwas anderes zurückzulegen.

20Obgleich er also das Geld zum Opfer für Herakles gesendet hatte, verwandte man es der Männer wegen, die es überbracht hatten, zur Ausrüstung von Kriegsschiffen.

21Antiochus sandte Apollonius, den Sohn des Menestheus, wegen der Thronbesteigung des Königs Philometor nach Ägypten. So erfuhr Antiochus, dass ihm Philometor abgeneigt geworden war, und daher war er auf seine Sicherheit bedacht; deshalb kam er nach Joppe und begab sich nach Jerusalem.

22Er wurde von Jason und der ganzen Stadt prächtig empfangen und mit Fackeln in großem Triumph hineingeleitet. Danach zog er mit seinem Heer wieder nach Phönizien.

Menelaus verdrängt Jason aus dem Hohepriesteramt

23Aber nach drei Jahren schickte Jason den Menelaus, den Bruder des oben genannten Simon, um dem König das Geld zu überbringen und notwendige Regierungsgeschäfte schriftlich abzuschließen.

24Und als er bei dem König zu Gnaden kam, huldigte er ihm angesichts seiner Macht und brachte das Hohepriesteramt dadurch an sich selber, dass er dem König dreihundert Zentner Silber mehr gab als Jason.

25Und nachdem er die königliche Beauftragung empfangen hatte, kam er nach Jerusalem; aber er hatte nichts von einem Hohenpriester an sich, sondern die Leidenschaften eines rohen Tyrannen und die Wut eines wilden Tieres.

26So wurde Jason, der seinen Bruder aus dem Amt gestoßen hatte, wieder durch einen andern fortgestoßen und musste in das Land der Ammoniter fliehen;

27und Menelaus bemächtigte sich der Herrschaft. Als er aber das Geld, das er dem König versprochen hatte, nicht entrichten konnte, obwohl es Sostratus, der Burghauptmann, an den das Geld zu zahlen war, von ihm forderte,

28ließ der König die beiden vor sich laden.

29Und Menelaus ließ als seinen Stellvertreter im Hohenpriesteramt seinen Bruder Lysimachus zurück, Sostratus aber als seinen Stellvertreter den Krates, den Hauptmann über die Kriegsleute aus Zypern.

Auf Anstiften des Menelaus wird Onias ermordet

30Als die Dinge so standen, machten die Leute von Tarsus und Mallus einen Aufruhr, weil der König sie seiner Nebenfrau Antiochis geschenkt hatte.

31Da machte sich der König eilends auf, die Angelegenheit in Ordnung zu bringen, und ließ den Andronikus, einen seiner angesehensten Würdenträger, als Statthalter zurück.

32Menelaus aber dachte, dass er diese gute Gelegenheit nützen müsste: Er stahl einige goldene Geräte aus dem Tempel und schenkte sie dem Andronikus; andere konnte er nach Tyrus und in die umliegenden Städte verkaufen.

33Als das Onias erfuhr, begab er sich an eine Freistatt in Daphne, das bei Antiochia liegt, und tadelte ihn scharf.

34Daher nahm Menelaus den Andronikus beiseite und forderte ihn auf, Hand an Onias zu legen. Der ging zu Onias, beredete ihn mit List, gab ihm Handschlag und Eid, und obwohl Onias Verdacht hegte, überredete Andronikus ihn, aus der Freistatt herauszukommen. Dann aber brachte er ihn sogleich um ohne alle Scheu vor dem Recht.

35Das fanden nicht allein die Juden entsetzlich, sondern auch viele Heiden; sie waren entrüstet über den ruchlosen Mord an diesem Mann.

36Als nun der König aus Zilizien wieder heimkehrte, wandten sich die Juden in allen Städten an ihn, und auch die Griechen zeigten sich mit ihnen darüber empört, dass Onias gewissenlos ermordet worden war.

37Und Antiochus war in tiefster Seele betrübt und von Mitleid ergriffen und weinte, dass ein Mann von so edler Gesinnung und so untadeliger Haltung umgekommen war;

38und er ergrimmte voll Zorn und ließ dem Andronikus sogleich das Purpurkleid abnehmen und die Kleider zerreißen, ihn so in der ganzen Stadt umherführen und zuletzt den Meuchelmörder an dem Ort aus der Welt schaffen, wo er Onias freventlich umgebracht hatte. So hat Gott ihn nach seinem Verdienst bestraft.

Das Volk erhebt sich gegen Lysimachus

39Als aber Lysimachus in der Stadt mit Wissen seines Bruders Menelaus viel aus dem Tempel gestohlen hatte und die Kunde davon unter die Leute gekommen war, versammelte sich die Gemeinde gegen Lysimachus, als schon viele goldene Geräte weggebracht worden waren.

40Als nun die Massen sich erregten und sehr zornig waren, bewaffnete Lysimachus an die dreitausend Mann und begann mit Gewalttaten; dabei war der Anführer ein gewisser Auranus, der zwar schon ein älterer Mann, aber keineswegs schon vernünftig war.

41Als die Bürger sahen, dass Lysimachus sie angreifen ließ, nahmen die einen Steine, die andern dicke Holzstücke, wieder andre rafften etwas von der daliegenden Asche zusammen und warfen alles miteinander auf die Leute des Lysimachus,

42sodass viele von ihnen verwundet, andre zu Boden geschlagen wurden, alle aber davonliefen. Den Tempelräuber selbst aber erschlugen sie bei der Schatzkammer.

Durch Bestechung bleibt Menelaus Hoherpriester

43Wegen dieser Vorgänge wurde Menelaus vor Gericht gezogen.

44Und sobald der König nach Tyrus gekommen war, trugen drei Gesandte des Hohen Rats ihm die Klage vor.

45Als aber Menelaus schon unterlegen war, versprach er Ptolemäus, dem Sohn des Dorymenes, viel Geld, damit er den König bereden sollte.

46Da nahm Ptolemäus den König beiseite und ging mit ihm in einen Säulengang, als wollte er ihm Kühlung verschaffen, und stimmte ihn um,

47sodass er den Menelaus, der doch alles Unglück angerichtet hatte, von der Anklage freisprach, aber die armen Leute zum Tode verurteilte, die doch sogar bei den Skythen als unschuldig erkannt und freigelassen worden wären.

48Sogleich mussten die, die für die Stadt, das Volk und die heiligen Geräte eingetreten waren, unschuldig sterben.

49Darüber waren sogar Leute von Tyrus empört, und sie bereiteten ihnen ein großartiges Begräbnis.

50Menelaus aber blieb an der Macht dank der Habsucht der Herrschenden und trieb es je länger, desto ärger und tat den Bürgern alles Unrecht an.

Himmelserscheinungen beunruhigen Jerusalem

51Um diese Zeit zog Antiochus zum zweiten Mal gegen Ägypten.

2Man sah aber in der ganzen Stadt fast vierzig Tage lang, wie Reiter in golddurchwirkten Gewändern mit Lanzen und gezückten Schwertern in Zügen geordnet durch die Lüfte einhersprengten;

3und man sah Reiterscharen in Schlachtordnung aufeinander treffen und gegeneinander anrennen, eine Bewegung von Schilden, eine Menge von Speeren, das Fliegen von Geschossen, das Schimmern von goldenen Rüstungen und Harnische von vielerlei Art.

4Da beteten alle, dass dies doch ja nichts Böses bedeuten sollte.

Jason nimmt ein schmähliches Ende

5Nun kam das falsche Gerücht auf, dass Antiochus tot sei. Da nahm Jason nicht weniger als tausend Mann und griff unversehens die Stadt an. Als aber die Verteidiger der Mauer zurückgetrieben worden waren und die Stadt gerade erobert wurde,

6floh Menelaus auf die Burg. Jason aber schlachtete seine Mitbürger schonungslos ab und bedachte nicht, dass Kriegsglück gegen Blutsverwandte das größte Unglück ist, sondern er meinte, er siegte gegen Feinde und nicht gegen Landsleute.

7Er konnte aber gleichwohl die Macht nicht erlangen, sondern erntete Schande für seinen Anschlag und floh wieder ins Land der Ammoniter.

8Schließlich kam es mit ihm zu einem bösen Ende. Er wurde bei Aretas, dem König der Araber, angeklagt und musste von einer Stadt in die andere fliehen, von allen verfolgt; er wurde gehasst, weil er von den Gesetzen abtrünnig war, und verabscheut als Verräter seines Vaterlands und Henker seiner Mitbürger, sodass man ihn nach Ägypten verstieß.

9Und wie er viele Leute aus ihrem Vaterland vertrieben hatte, so musste er auch selbst in der Fremde sterben, in Lazedämon, wo er um der Verwandtschaft willen Sicherheit zu finden gehofft hatte.

10Und wie er viele unbegraben hatte liegen lassen, so ist er auch hingestorben, ohne dass jemand um ihn Leid getragen hätte; er hat nicht nur das Glück entbehren müssen, bei seinen Vätern begraben zu werden, sondern hat überhaupt kein ehrliches Grab gefunden.

Antiochus IV. Epiphanes plündert den Tempel von Jerusalem

11Als diese Vorfälle dem König zu Ohren kamen, dachte er, ganz Judäa würde von ihm abfallen. Und er zog in wildem Grimm von Ägypten herauf und nahm Jerusalem mit Gewalt ein

12und befahl den Kriegsleuten, ohne Erbarmen alle zu erschlagen, die ihnen in die Hände fielen, und auch die abzuschlachten, die sich auf die Häuser hinaufflüchteten.

13Da mordete man hin Junge und Alte, Jünglinge, Frauen und Kinder, Jungfrauen und auch die Kinder in der Wiege,

14sodass in drei Tagen achtzigtausend Menschen zugrunde gingen, von denen vierzigtausend getötet und ebenso viele verkauft wurden.

15Aber dem Antiochus genügte selbst das nicht, sondern er wagte sogar, in die heiligste Stätte auf Erden einzudringen; und Menelaus, der Verräter der Gesetze und des Vaterlands, führte ihn hinein.

16Da raubte er mit seinen unreinen Händen die heiligen Geräte; und alles, was andere Könige zu Mehrung, Glanz und Ehre der Stätte gegeben hatten, das raffte er mit seinen sündigen Händen hinweg

17und überhob sich sehr und sah nicht, dass der Herr um der Sünden derer willen, die in der Stadt wohnten, für kurze Zeit erzürnt war.

Das war der Grund, dass Gott dem Schicksal der heiligen Stätte gegenüber so gleichgültig blieb.

18Wäre das Volk nicht in so viele Sünden verstrickt gewesen, so würde es dem Antiochus ebenso ergangen sein wie dem Heliodor, der vom König Seleukus gesandt worden war, um die Schatzkammer zu besichtigen; der wurde, als er eindrang, alsbald gegeißelt, sodass er von seinem frevelhaften Vorgehen ablassen musste.

19Denn der Herr hat das Volk nicht auserwählt um der Stätte willen, sondern die Stätte um des Volkes willen.

20Darum musste die heilige Stätte auch mit leiden, als das Volk im Unglück war, wie sie auch an den Wohltaten teilhatte, die dem Volk später erwiesen wurden. Denn wie die Stätte im Stich gelassen wurde, als der Allmächtige zürnte, so ist sie mit aller Herrlichkeit wieder zu Ehren gebracht worden, als Gott, der große Herrscher, seinem Volk wieder gnädig wurde.

21Als Antiochus nun achtzehnhundert Zentner Silber aus dem Tempel geraubt hatte, zog er eilends nach Antiochia; aus Hoffart und Überheblichkeit dachte er, er könnte schaffen, dass man auf dem Land mit Schiffen fahren könnte wie auf dem Meer und auf dem Meer gehen wie auf dem Land.

22Und er ließ Vögte zurück, die das Volk quälen sollten: in Jerusalem den Philippus, einen Phrygier, der noch ärger und wilder war als sein Herr;

23auf dem Garizim den Andronikus; neben den beiden aber Menelaus, der noch ärger als die andern sich über die Bürger erhob und gegen seine jüdischen Mitbürger feindselig gesinnt war.

Judas Makkabäus zieht sich in die Wüste zurück

24Antiochus aber schickte den Erzbösewicht Apollonius mit zweiundzwanzigtausend Mann ins Land und gebot ihm, er sollte alle erwachsenen Männer erschlagen, die Frauen aber und die jungen Leute verkaufen.

25Als er nun nach Jerusalem kam, stellte er sich friedlich bis zum heiligen Sabbattag; sobald er aber sah, dass die Juden nicht arbeiteten, befahl er seinen Leuten, sich zu rüsten.

26Als nun alle herauskamen, um zu sehen, was da werden würde, ließ er sie alle erstechen; dann stürmte er mit seinem Heer in die Stadt und erschlug eine große Zahl.

27Aber Judas, der auch Makkabäus heißt, machte sich mit neun andern davon in die Wildnis und ernährte sich im Gebirge mit seinen Gefährten nach Art der Tiere von Kräutern, um nicht unter Unreinen leben zu müssen.

Antiochus IV. Epiphanes zwingt die Juden, als Heiden zu leben

61Nicht lange danach sandte der König einen alten Mann von Athen, damit er die Juden dazu bringen sollte, dass sie von den Gesetzen ihrer Väter abfielen und nicht mehr nach Gottes Gesetzen lebten.

2Auch sollte er den Tempel zu Jerusalem entweihen und ihn Tempel des Zeus Olympios nennen und den auf dem Garizim Tempel des Zeus Xenios, weil gastfreie Leute dort wohnten.

3Aber das wüste Treiben nahm so überhand, dass es allen sehr weh tat.

4Denn die Heiden schwelgten und prassten im Tempel, gaben sich leichtfertig mit Dirnen ab und sogar im heiligen Bezirk wohnten sie Frauen bei; auch trugen sie viel hinein, was sich nicht gehörte.

5Man opferte auf dem Altar Opfer, die in den Gesetzen verboten sind;

6es war nicht mehr möglich, den Sabbat oder andere altgewohnte Feiertage zu halten, und niemand durfte bekennen, dass er ein Jude wäre;

7vielmehr trieb man die Juden mit roher Gewalt alle Monate zum Opferschmaus, wenn der König seinen Geburtstag feierte. Wenn man aber das Fest des Dionysos beging, zwang man sie, dass sie mit Kränzen von Efeu dem Dionysos zu Ehren einherziehen mussten.

8Man hatte auch auf Anraten des Ptolemäus an die benachbarten griechischen Städte ein Gebot ausgehen lassen, sie sollten die Juden ebenso zum Opferschmaus zwingen;

9wenn aber jemand darauf bestehen würde, nicht zu den griechischen Sitten überzugehen, den sollte man niedermachen. Da sah man, welch großer Jammer sich eingestellt hatte.

10Zwei Frauen nämlich wurden vorgeführt, weil sie ihre Söhne beschnitten hatten. Denen band man die Kindlein an die Brust und führte sie öffentlich herum durch die ganze Stadt und warf sie zuletzt über die Mauer hinab.

11Einige Männer hatten sich in den nahen Höhlen zusammengefunden, um heimlich den Sabbat zu halten. Als das Philippus angezeigt wurde, verbrannte man sie; denn sie wollten sich nicht wehren, damit sie sich nicht gegen den hochheiligen Tag vergingen.

Der Sinn der Leiden des jüdischen Volkes

12Ich möchte aber hier den Leser ermahnen, sich durch diesen Jammer nicht entmutigen zu lassen, sondern zu bedenken, dass unserm Volk Strafen nicht zum Verderben, sondern zur Erziehung widerfahren.

13Denn das ist ein Zeichen großer Gnade, wenn Gott die Sünder nicht lange Zeit gewähren lässt, sondern sie bald der Strafe anheim gibt.

14Denn unser Herrscher sieht uns nicht so langmütig zu wie den andern Völkern, die er hingehen lässt, bis sie das Maß ihrer Sünden erfüllt haben, und sie dann bestraft; sondern er wehrt uns, dass wir's nicht so weit treiben mit unsern Sünden und er uns zuletzt vernichtend bestrafen müsste.

15Deshalb nimmt er seine Barmherzigkeit nie ganz von uns; und wenn er uns durch ein Unglück erzieht, lässt er doch sein Volk nie im Stich.

16Das sei gesagt, damit wir daran denken.

17Nun aber wollen wir rasch wieder auf die Geschichte kommen.

Der greise Eleasar gibt ein Beispiel tapferen Sterbens

18Eleasar war einer der angesehensten Schriftgelehrten, ein schon betagter und sehr schöner Mann; dem sperrte man mit Gewalt den Mund auf, weil er Schweinefleisch essen sollte.

19Aber er wollte lieber in Ehren sterben als in Schande leben und spie es aus

20und ging freiwillig zur Marter, wie es sich ziemt für die, die sich standhaft weigern, aus Liebe zum zeitlichen Leben Verbotenes zu essen.

21Weil nun die Männer, die zur Aufsicht beim gesetzwidrigen Opferschmaus bestellt waren, ihn seit langer Zeit gekannt hatten, nahmen sie ihn beiseite und redeten ihm zu, er sollte sich Fleisch besorgen, das er essen dürfte, und es selbst zubereiten; er sollte aber so tun, als wäre es das vom König befohlene Opferfleisch,

22damit er so am Leben bleiben und wegen der alten Freundschaft mit ihnen Freundlichkeit erfahren könnte.

23Aber er dachte so edel, wie es seinen hohen Jahren, dem Ansehen seines Greisenalters und seinem in Ehren ergrauten Haupt wohl anstand, auch seinem untadeligen Wandel von Jugend auf; und mehr noch: er folgte der heiligen Gesetzgebung Gottes und sagte sogleich geradeheraus: Schickt mich nur immer unter die Erde!

24Denn es will meinem Alter übel anstehen, dass ich heuchle, sodass viele von den Jungen denken müssen: Eleasar, der nun neunzig Jahre alt ist, sei auch zum Heiden geworden,

25und sie durch mich verführt werden, weil ich vor den Leuten heuchle und so mein Leben noch eine winzig kleine Zeit friste. Das wäre für mein Alter Schimpf und Schande.

26Wenn ich auch jetzt der Strafe der Menschen entgehen würde, so werde ich doch den Händen des Allmächtigen, ich sei lebendig oder tot, nicht entfliehen können.

27Darum will ich jetzt tapfer sterben, wie es mir altem Mann wohl ansteht,

28und den Jungen ein gutes Beispiel hinterlassen, damit auch sie freudig und tapfer um der erhabenen, heiligen Gesetze willen einen guten Tod sterben.

29Als er diese Worte gesagt hatte, ging er sogleich zur Marter. Die ihn aber führten und ihm kurz vorher freundlich gewesen waren, wurden ihm jetzt Feind um solcher Worte willen; denn sie meinten, er hätte sie aus Trotz gesagt.

30Als sie ihn aber geschlagen hatten und er dem Tode nahe war, seufzte er und sprach: Der Herr, der die heilige Erkenntnis hat, der weiß, dass ich die Schläge und großen Schmerzen, die ich an meinem Leibe ertrage, und den Tod wohl hätte umgehen können, dass ich sie aber der Seele nach gern erleide, weil ich Gott fürchte.

31Und so ist er verschieden und hat mit seinem Tod ein Beispiel edler Gesinnung hinterlassen, das nicht allein die Jugend, sondern alle zur Tapferkeit mahnen soll.

Sieben Brüder und ihre Mutter sterben den Märtyrertod

71Es wurden auch sieben Brüder samt ihrer Mutter gefangen und mit Geißeln und Riemen geschlagen und vom König bedrängt, sie sollten Schweinefleisch essen, was ihnen im Gesetz verboten war.

2Da sagte der Älteste unter ihnen: Was willst du viel fragen und von uns wissen? Wir wollen eher sterben als etwas gegen das Gesetz der Väter tun.

3Da ergrimmte der König und gebot, man sollte Pfannen und Kessel über das Feuer setzen.

4Als man das sogleich getan hatte, gebot er, man sollte dem, der für sie das Wort geführt hatte, die Zunge ausschneiden und die Haut vom Kopf abziehen, wie das die Skythen tun, und Hände und Füße abhauen, und die andern Brüder und die Mutter sollten dabei zusehen.

5Als er nun so verstümmelt war, ließ er ihn noch lebend zum Feuer bringen und in der Pfanne braten. Und als der Dampf aus der Pfanne sich weithin verbreitete, ermahnten sie und die Mutter sich untereinander, unverzagt zu sterben, und sprachen:

6Gott der Herr sieht alles und wird sich unser ganz gewiss erbarmen, wie Mose in seinem Gesang den Feinden ins Angesicht bezeugt hat, wenn er verkündigt: »Und über seine Knechte wird er sich erbarmen.«

7Als der Erste so aus dem Leben geschieden war, führten sie den Zweiten auch hin, um ihren Mutwillen mit ihm zu treiben; und sie zogen ihm vom Kopf Haut und Haar ab und fragten ihn, ob er Saufleisch essen wollte oder den ganzen Leib Glied für Glied martern lassen.

8Er aber antwortete in seiner Sprache und sagte: Ich will's nicht tun.

9Daher marterten sie ihn weiter wie den Ersten. Als er nun in den letzten Zügen lag, sprach er: Du verruchter Mensch, du nimmst uns wohl das zeitliche Leben; aber der König der Welt wird uns, die wir um seiner Gesetze willen sterben, wieder erwecken in der Auferstehung zum ewigen Leben.

10Danach nahmen sie den Dritten und trieben auch mit ihm ihren Mutwillen. Und als sie es von ihm forderten, streckte er sogleich die Zunge heraus und hielt unerschrocken die Hände hin und sagte tapfer:

11Diese Glieder sind mir vom Himmel gegeben; darum will ich sie gern gering achten um seiner Gesetze willen; denn ich hoffe, er wird sie mir wiedergeben.

12Der König aber und seine Diener wunderten sich darüber, dass der Jüngling so mutig war und die Marter für nichts achtete.

13Als auch dieser aus dem Leben geschieden war, peinigten sie den Vierten ebenso und geißelten ihn.

14Als es aber mit ihm zum Sterben ging, sprach er: Das ist für uns ein großer Trost: Die Menschen können uns töten, aber wir hoffen auf Gottes Verheißung, dass er uns wieder auferwecken wird; du aber wirst nicht auferweckt werden zum Leben.

15Gleich danach brachten sie den Fünften und geißelten ihn. Der sah Antiochus an und sprach zu ihm:

16Du bist zwar ein Mensch und musst sterben; weil du aber unter den Menschen Gewalt hast, tust du, was du willst. Du sollst aber nicht meinen, dass Gott unser Volk im Stich gelassen hat.

17Mach nur so weiter, dann wirst du erfahren, wie mächtig Gott ist, der dich und dein Geschlecht plagen wird.

18Nach diesem führten sie den Sechsten auch heran. Der sagte, als er sterben sollte: Mach dir nichts vor! Wir haben ja unser Leiden sehr wohl verdient, da wir uns an unserm Gott versündigt haben; und er handelt schrecklich an uns.

19Du aber bilde dir nicht ein, du würdest ungestraft bleiben, nachdem du gewagt hast, so gegen Gott zu toben.

20Überaus bewundernswert aber war die Mutter und wert, dass man mit höchstem Lobe an sie denkt. Denn sie sah, wie ihre Söhne alle sieben nacheinander an einem einzigen Tag zu Tode gemartert wurden, und durchlitt es tapfer um der Hoffnung willen, die sie zu Gott hatte.

21Dadurch wurde sie so hochgesinnt, dass sie einen Sohn nach dem andern in ihrer Sprache tröstete, und fasste sich, obwohl sie nur eine schwache Frau war, ein männliches Herz und sprach zu ihnen:

22Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Schoß entstanden seid, und den Odem und das Leben habe ich euch nicht gegeben noch habe ich zusammengefügt, woraus jeder von euch besteht.

23Darum wird der, der die Welt geschaffen und alle Menschen gemacht und das Werden aller Dinge erdacht hat, euch den Odem und das Leben gnädig zurückgeben, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen keinerlei Rücksicht nehmt auf euch selbst.

24Antiochus meinte voll Argwohn, sie verachtete und schmähte ihn in ihrer Sprache; so redete er dem jüngsten Sohn, der noch übrig war, nicht allein mit guten Worten zu, sondern verhieß ihm sogar mit einem Eide, wenn er sich von den Gesetzen seiner Väter lossagen würde, so wollte er ihn reich und glücklich machen, ihn unter seine Freunde aufnehmen und ihm Ämter anvertrauen.

25Als der Jüngling sich aber nicht bereden lassen wollte, ließ der König die Mutter vor sich kommen und ermahnte sie, sie sollte den Sohn doch zu seinem Besten beraten.

26Als er sie mit vielen Worten ermahnt hatte, nahm sie es auf sich, ihren Sohn zu überreden.

27Aber sie spottete nur über den rohen Tyrannen. Denn sie neigte sich zu ihrem Sohn und redete in ihrer Sprache mit ihm und sagte:

28Mein lieber Sohn, den ich neun Monate unter meinem Herzen getragen und drei Jahre gestillt und großgezogen und bis zu diesem Alter geleitet und gepflegt habe, erbarme dich doch über mich! Ich bitte dich, mein Kind, sieh Himmel und Erde an und alles, was darin ist, und bedenke: dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch so gemacht.

29Darum fürchte dich nicht vor diesem Henker, sondern nimm den Tod auf dich wie deine Brüder, damit dich Gott zur Zeit des Erbarmens samt deinen Brüdern mir wiedergebe.

30Während sie noch redete, sprach der Jüngling: Auf wen wartet ihr noch? Ich gehorche dem Gebot des Königs nicht, sondern ich höre auf das Gebot des Gesetzes, das unsern Vätern durch Mose gegeben ist.

31Du kannst dir zwar gegen die Hebräer alles Leid ausdenken, wirst aber der Hand Gottes gewiss nicht entrinnen.

32Wir leiden ja um unsrer Sünden willen;

33aber obwohl unser lebendiger Herr eine Zeit lang zornig ist und uns bestraft und züchtigt, so wird er doch seinen Knechten wieder gnädig werden.

34Du Gottloser, Verruchtester unter allen Menschen, überhebe dich nicht in eitlen Hoffnungen und lege nicht in deiner Wut Hand an die Kinder Gottes!

35Denn du bist dem Gericht des allmächtigen Gottes, der alle Dinge sieht, noch nicht entronnen.

36Unsere Brüder, die eine kurze Zeit sich haben martern lassen, die haben jetzt teil am ewigen Leben nach der Verheißung Gottes: du aber sollst nach dem Urteil Gottes bestraft werden, wie du es mit deinem Hochmut verdient hast.

37Ich will Leib und Leben um der Gesetze meiner Väter willen dahingeben wie meine Brüder und zu Gott schreien, dass er bald seinem Volk gnädig werde, du aber unter großer Marter und Qual bekennen musst, dass er allein Gott ist.

38Der Zorn des Allmächtigen aber, der mit Recht über unser ganzes Volk ergangen ist, möge an mir und meinen Brüdern zum Stehen kommen.

39Als dies der König hörte, wurde er toll und töricht und ließ ihn noch schlimmer martern als die andern; denn es verdross ihn, dass er so verächtlich von ihnen behandelt wurde.

40So ist auch dieser, ohne unrein geworden zu sein, gestorben und hat sein ganzes Vertrauen auf den Herrn gestellt.

41Zuletzt, nach den Söhnen, wurde auch die Mutter hingerichtet.

42Dies sei genug von den heidnischen Opferschmäusen und den grausamen Martern.

Judas Makkabäus beginnt den Kampf

81Aber Judas Makkabäus und seine Gefährten gingen auf Schleichwegen heimlich in die Ortschaften und riefen ihre Blutsverwandten zusammen und was sonst noch bei dem Glauben der Juden geblieben war und brachten an sechstausend Mann zusammen.

2Und sie riefen den Herrn an, er wolle das Volk ansehen, das von allen zu Boden getreten worden war, und sich erbarmen über den Tempel, den die gottlosen Menschen entheiligt hatten,

3und über die Stadt, die eben zugrunde ging und ganz dem Erdboden gleichgemacht werden sollte. Auch wolle er doch das unschuldige Blut, das zu ihm rief, hören

4und an die unschuldigen Kindlein denken, die wider alles Recht umgebracht wurden, und sich an die Lästerung seines Namens erinnern und seinen Hass gegen all dies Böse erweisen.

5Dem Makkabäus aber mit seiner Heerschar konnten die Heiden schon nicht mehr Widerstand leisten; denn der Herr ließ von seinem Zorn ab und war seinem Volk wieder gnädig.

6Judas aber überfiel unversehens Städte und Dörfer und steckte sie in Brand und brachte die günstig gelegenen Orte an sich und schlug nicht wenige Feinde in die Flucht;

7dabei nutzte er besonders die Nächte aus. So sprach man weit und breit von seinen tapferen Taten.

Judas Makkabäus siegt über Nikanor, Timotheus und Bakchides

8Als aber Philippus sah, dass Judas je länger, desto stärker wurde, zumal ihm oft das Glück beistand, schrieb er an Ptolemäus, den Befehlshaber in Zölesyrien und Phönizien, er solle der Sache des Königs zu Hilfe kommen.

9Der aber bestimmte alsbald den Nikanor, den Sohn des Patroklus, der zu den engsten Freunden des Königs gehörte, und schickte ihn mit nicht weniger als zwanzigtausend Mann aus den verschiedensten Völkern, um die Juden vollständig auszurotten; und er gab ihm einen Hauptmann bei, mit Namen Gorgias, der ein erfahrener Krieger war.

10Nikanor aber hatte vor, mit den gefangenen Juden den Betrag hereinzubringen, den der König den Römern jährlich zahlen musste, nämlich zweitausend Zentner in Silber.

11Darum schickte er alsbald in die Städte am Meer und forderte dazu auf, jüdische Sklaven zu kaufen, neunzig Juden für einen Zentner. Er dachte aber nicht daran, dass ihm die Strafe des Allmächtigen so nahe wäre.

12Als nun Judas hörte, dass Nikanor heranzog, gab er seinen Leuten bekannt, dass ein Heer heranrückte.

13Da liefen alle auseinander, die verzagt waren und nicht darauf vertrauten, dass Gott die Feinde bestrafen würde, und machten sich davon.

14Die andern aber verkauften alles, was sie noch hatten, und baten den Herrn, er wolle sie erretten, die der gottlose Nikanor schon vor dem Kampf verkauft hatte;

15und wenn er sie schon nicht um ihretwillen erretten wolle, so möge er es doch tun um des Bundes willen, den er mit ihren Vätern geschlossen hatte, und um seines heiligen und herrlichen Namens willen, nach dem sie genannt sind.

16Als nun Makkabäus seine Leute versammelt hatte, sechstausend Mann, ermahnte er sie, sie sollten sich nicht entsetzen vor den Feinden noch sich fürchten vor der großen Zahl der Heiden, die ohne alles Recht gegen sie heranzogen,

17sondern sich tapfer wehren und an die Schmach denken, die die Feinde der heiligen Stätte freventlich angetan und wie sie die Stadt verhöhnt und geplagt und die ererbten Ordnungen zerstört hatten.

18Sie verlassen sich, sagte er, auf ihre Waffen und auf ihre Kühnheit; aber wir verlassen uns auf den allmächtigen Gott, der mit einem einzigen Wink nicht allein die, die jetzt gegen uns ziehen, sondern auch die ganze Welt zu Boden schlagen kann.

19Er zählte ihnen aber auf, wie Gott so oft ihren Vätern geholfen hätte und wie zur Zeit Sanheribs 185000 Mann umgekommen wären;

20und wie Gott in Babylon bei der Schlacht gegen die Galater geholfen hätte, als im Ganzen nur achttausend Juden und viertausend Mazedonier in die Schlacht zogen; als aber die Mazedonier in große Not gekommen waren, erschlugen die achttausend Juden allein durch die Hilfe vom Himmel her 120000 Mann und erlangten dadurch große Beute.

21Als er sie so wieder mutig und sogar bereitgemacht hatte, um der Gesetze und des Vaterlands willen zu sterben,

22teilte er das Heer in vier Abteilungen ein und stellte seine Brüder an ihre Spitze, nämlich Simon, Josef und Jonatan, und unterstellte einem jeden tausendfünfhundert Mann

23und auch dem Eleasar. Danach las er das heilige Buch vor, gab ihnen die Losung: Gott unsre Hilfe!, zog selbst der ersten Schar voran und griff Nikanor an.

24Aber der allmächtige Gott stand ihnen bei, sodass sie Nikanors ganzes Heer in die Flucht schlugen, nachdem sie den größeren Teil verwundet und verstümmelt und über neuntausend erschlagen hatten.

25Denen aber, die gekommen waren, um die Juden zu kaufen, nahmen sie das Geld ab.

26Und nachdem sie den Feinden lange nachgejagt hatten, mussten sie wieder umkehren; denn es war der Abend vor dem Sabbat. Darum hörten sie auf, jenen nachzueilen.

27Sie sammelten die Waffen der Feinde und nahmen ihnen die Rüstungen ab; dann hielten sie den Sabbat und lobten und priesen Gott aus vollem Herzen, dass er ihnen bis zu diesem Tage durchgeholfen und wieder angefangen hatte, ihnen seine Gnade zu erweisen.

28Nach dem Sabbat teilten sie von der Beute aus unter die Bedrängten, Witwen und Waisen; und das Übrige behielten sie für sich und ihre Kinder.

29Als sie dies alles vollbracht hatten, hielten sie ein gemeinsames Gebet und riefen den barmherzigen Herrn an, dass er seinen Knechten bis ans Ende gnädig bleiben wolle.

30Danach hatten sie viele Kämpfe mit den Leuten des Timotheus und Bakchides, erschlugen über zwanzigtausend Mann und eroberten starke Festungen; sie teilten die große Beute gleichmäßig unter sich und unter die Bedrängten, Waisen, Witwen, aber auch die Alten.

31Und als sie sich mit Waffen versorgt hatten, lagerten sie diese alle sorgfältig an günstig gelegenen Orten und brachten den Rest der Rüstungen nach Jerusalem.

32Sie töteten den Befehlshaber der Leute des Timotheus, einen überaus gottlosen Mann, der die Juden sehr geplagt hatte.

33Sie feierten aber ihren Sieg daheim in Jerusalem. Dabei verbrannten sie die Männer, die die heiligen Tore angezündet hatten, und Kallisthenes, der in ein kleines Haus geflohen war; so empfing er den verdienten Lohn für seine Gottlosigkeit.

34Der Erzfrevler Nikanor aber, der die tausend Kaufleute mitgebracht hatte, dass sie die Juden kaufen sollten,

35wurde durch die Hilfe des Herrn von denen gedemütigt, die er für die Allergeringsten gehalten hatte. Und nachdem er sein prächtiges Gewand abgelegt hatte, kam er ganz allein wie ein entlaufener Knecht mitten durchs Land nach Antiochia und konnte darüber noch froh sein, da doch sein Heer vernichtet war.

36Und er, der den Römern versprochen hatte, er werde von dem Erlös für die Gefangenen Jerusalems den Tribut bezahlen, musste jetzt verkünden, dass ein andrer für die Juden streite und dass die Juden unverwundbar seien, weil sie in den Geboten wandelten, die jener ihnen gegeben habe.

Antiochus IV. Epiphanes stirbt trotz später Reue eines schrecklichen Todes

91Um dieselbe Zeit musste Antiochus mit Schanden aus Persien abziehen.

2Denn als er in Persepolis eingerückt war und den Tempel zu plündern und die Stadt fest in die Hand zu bekommen versuchte, machten sich die Einwohner in Scharen auf und suchten Hilfe bei den Waffen; so kam es, dass Antiochus von ihnen zurückgeschlagen wurde und mit Schimpf und Schande abziehen musste.

3Als er nun in Ekbatana war, kam ihm zu Ohren, wie es Nikanor und den Leuten des Timotheus ergangen war.

4Zornentbrannt nahm er sich vor, die Schmach, die ihm von denen widerfahren war, die ihn in die Flucht geschlagen hatten, nunmehr an den Juden zu rächen. Darum gebot er dem Wagenlenker, Tag und Nacht zu fahren, um die Reise rasch hinter sich zu bringen. Doch das Gericht vom Himmel her schwebte schon über ihm. Denn in seiner Überheblichkeit hatte er gesagt: Sobald ich nach Jerusalem komme, mache ich aus der Stadt einen Totenacker für die Juden.

5Darum bestrafte ihn der Herr, der alles sieht, der Gott Israels, mit einem inneren Leiden, das niemand heilen konnte. Denn sobald er das gesagt hatte, kam ihn ein solches Reißen im Leib an und ein so großes Grimmen in den Därmen, dass man ihm nicht helfen konnte.

6So geschah ihm eben recht, weil er andere Leute mit so vielen und bisher unerhörten Martern geplagt hatte.

7Dennoch ließ er von seinem wilden Trotz nicht ab, sondern wurde noch überheblicher und schnaubte Feuer und Flammen gegen die Juden und befahl, noch schneller zu fahren. Da stürzte er von dem dahinsausenden Wagen und tat einen so unglücklichen Fall, dass ihm alle Glieder seines Leibes verrenkt wurden.

8Da musste er, der soeben noch in übermenschlicher Prahlerei meinte, er könnte den Wogen des Meeres gebieten und die hohen Berge auf die Waagschale legen, nach einem einzigen Fall sich auf einer Sänfte tragen lassen, sodass alle an ihm die Gewalt Gottes erkannten.

9Es kam so weit, dass auch unzählige Würmer aus dem Leibe des Gottlosen hervorkrochen und dass ihm noch bei lebendigem Leibe unter großen Schmerzen und Qualen ganze Stücke seines Fleisches abfielen und dass er so scheußlich stank, dass das ganze Heer darunter litt.

10Und ihn, der kurz zuvor noch gemeint hatte, er könnte nach den Sternen am Himmel greifen, den konnte niemand mehr tragen wegen des Gestanks, der nicht auszuhalten war.

11Da begann er, schwer getroffen, von seiner Überheblichkeit abzulassen und zur Erkenntnis zu kommen, weil er von Gott so gegeißelt wurde und die Schmerzen jeden Augenblick größer wurden.

12Und als er zuletzt den Gestank selbst nicht mehr ertragen konnte, da sagte er: Es ist recht, dass man sich Gott unterwirft und dass ein sterblicher Mensch nicht so vermessen ist, zu meinen, er sei Gott gleich.

13Und der Verruchte hob an und betete zu dem Herrscher, der sich nun freilich nicht mehr über ihn erbarmen wollte,

14und versprach, dass er die heilige Stadt, auf die er eilends zugefahren war, um sie dem Erdboden gleichzumachen und sie in einen Totenacker zu verwandeln, für frei erklären wollte.

15Und die Juden, die er zuvor nicht wert geachtet hatte, dass sie begraben würden, sondern samt ihren Kindern den Vögeln und wilden Tieren zu fressen geben wollte, die wollte er alle den Bürgern von Athen gleichstellen.

16Und den heiligen Tempel, den er zuvor beraubt hatte, wollte er mit den schönsten Weihgeschenken schmücken und viel mehr heilige Geräte dahin erstatten, als zuvor da gewesen wären; und alle Zuwendungen, die man für Opfer nötig hatte, wollte er von seinen eignen Einkünften gewähren.

17Darüber hinaus wollte er selber ein Jude werden und an allen Orten die Gewalt Gottes verkünden.

18Als aber die Qualen nicht nachlassen wollten – denn es war Gottes gerechtes Gericht über ihn gekommen –, verzweifelte er an seinem Leben und schrieb an die Juden wie in einer Bittschrift:

19Antiochus, König und Feldherr, entbietet seinen Bürgern, den redlichen Juden, seinen Gruß und wünscht ihnen Gesundheit und Wohlergehen.

20Wenn ihr samt euren Kindern frisch und gesund seid und es euch nach Wunsch geht, will ich dafür Gott danken. Ich aber setze meine Hoffnung auf den Himmel

21und denke in Liebe an eure Ehrerbietung und Freundlichkeit.

Weil ich bei der Rückkehr aus Persien schwer krank geworden bin, habe ich es für nötig gehalten, für die gemeinsame Sicherheit aller zu sorgen,

22wiewohl ich an meinem Aufkommen nicht verzweifle, sondern fest hoffe, dass es besser mit mir werden wird.

23Aber wie mein Vater, als er mit einem Heer in die oberen Länder zog, seinen künftigen Nachfolger bestimmte,

24damit man wüsste, falls sich etwas Unerwartetes ereignete oder etwas Schlimmes gemeldet würde, wer Herr sein sollte, und das Reich nicht in Verwirrung geriete;

25so auch ich: Weil ich überdies sehe, wie die angrenzenden Fürsten und die Nachbarn des Reiches auf die Gelegenheit lauern und darauf warten, wie es ausgehen wird, habe ich meinen Sohn Antiochus zum König bestimmt, den ich den meisten von euch schon oft anvertraut und anbefohlen habe, wenn ich in die oberen Provinzen gezogen bin. Im gleichen Sinn habe ich auch an ihn geschrieben.

26Deshalb ermahne und bitte ich euch, an all die Wohltaten euch zu erinnern, die ich allen gemeinsam wie auch jedem Einzelnen erwiesen habe, und mir und meinem Sohn fortan wie bisher freundlich und treu zu sein.

27Denn ich habe das Vertrauen zu ihm, er werde meine Milde und Menschenfreundlichkeit fortsetzen und so mit euch gut auskommen.

28So litt denn der Mörder und Gotteslästerer so große Schmerzen, wie er sie andern angetan hatte, und starb eines jämmerlichen Todes in fremdem Lande in der Wildnis.

29Philippus aber, der mit ihm erzogen worden war, besorgte seine Bestattung. Das ist der Philippus, der später, weil er sich vor dem Sohn des Antiochus fürchtete, nach Ägypten zu Ptolemäus Philometor geflohen ist.

Die Juden gewinnen den Tempel zurück und setzen das Fest der Tempelweihe ein

101Gott aber trieb Makkabäus und seine Leute dazu an, den Tempel und die Stadt wieder einzunehmen.

2Und sie zerstörten die Altäre, die die Heiden auf dem Marktplatz errichtet hatten, und die Götzenhaine.

3Und nachdem sie den Tempel gereinigt hatten, bauten sie einen neuen Altar und nahmen Feuersteine, schlugen Feuer und brachten wieder Opfer dar – das war zwei Jahre lang nicht geschehen –, opferten Räucherwerk, zündeten die Lampen an und legten die Schaubrote auf.

4Als nun das alles geschehen war, warfen sie sich mit dem ganzen Körper auf die Erde nieder und baten den Herrn: er wolle sie ja nicht wieder in solchen Jammer kommen lassen, sondern, wenn sie sich auch einmal versündigen würden, sie in Milde züchtigen und nicht in die Hände der Gotteslästerer, der grausamen Heiden, geben.

5Und Gott schickte es so, dass an dem gleichen Tage, an dem die Fremden den Tempel unrein gemacht hatten, nämlich am fünfundzwanzigsten Tage des Monats Kislew, der Tempel gereinigt wurde.

6Und sie feierten mit Freuden acht Tage lang, wie beim Laubhüttenfest, und dachten daran, dass sie noch vor kurzer Zeit ihr Laubhüttenfest in der Wildnis und in den Höhlen wie wilde Tiere gehalten hatten.

7Sie trugen laubumwundene Stäbe und schöne Zweige und Palmwedel und priesen mit Lobgesängen den, der es gefügt hatte, dass seine heilige Stätte wieder gereinigt wurde.

8Dann stimmten sie in der Gemeinde ab, fassten den Beschluss und ließen als Gebot für das ganze Volk der Juden ausgehen, dass man diese Tage jährlich feiern sollte.