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Zeloten

Die Zeloten

Die Zeloten sollen in diesem Zusammenhang besprochen werden, obwohl es sich strenggenommen um keine religiöse Partei im Sinne der bisher beschriebenen Gruppen handelt. Wollte man sie mit modernen politischen Bewegungen vergleichen, könnte man die Zeloten am ehesten als Guerillero-Bewegung bezeichnen. Die Römer und unsere Hauptquelle Flavius Josephus diffamieren sie als "Räuber". Das Neue Testament nimmt auf die Zeloten nur indirekt Bezug. Allerdings hat wohl einer der Jünger Jesu dieser Bewegung angehört (vgl. Lk 6,15 – Simon, genannt der Zelot [Mk 3,18; Mt 10,4 bieten die entsprechende aramäische Bezeichnung Kananäus]).

Der Name "Zelot" kommt aus dem Griechischen (ζηλωτής/ zelotes) und bedeutet "der Eiferer". Gemeint ist der Eifer um Gott, der die Triebfeder der zelotischen Aktionen war.

Josephus berichtet, dass die zelotische Bewegung aus dem Widerstand gegen den Zensus erwuchs, den die Römer in Samaria, Judäa und Idumäa durchführten, nachdem sie diese Gebiete im Jahre 6 zur imperatorischen Prokuratur Judäa unter ihrer direkten Herrschaft zusammengefasst hatten. An der Spitze des Widerstandes standen der Schriftgelehrte Judas (genannt "der Galiläer") und der Pharisäer Zadok. Zentrum der Zeloten war auch in späteren Zeiten Galiläa.

Die zelotischen Gruppen operierten von unwegsamen Gebieten aus. Sie versuchten, die römische Besatzungsmacht durch "Nadelstichangriffe" zu treffen. Andererseits scheuten sie aber auch nicht davor zurück, die Bevölkerung mit Gewalt in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Gruppe der Sikarier (von lat. sica – der Dolch) ging sogar dazu über, einzelne politische Gegner oder Kollaborateure durch Mord zu beseitigen.

Nach dem Verständnis der Zeloten duldet Gottes Königtum in Israel keine andere Herrschaft neben sich. Umkehr zu Gott und seinen Weisungen ist dann untrennbar mit der Aufkündigung des Gehorsams gegen irdische Herrschern verbunden. Das schließt die Verweigerung von Steuern ein. Dieses Thema gewann im Verhältnis zu den Römern noch an besonderer Brisanz. Nach römischem Rechtsverständnis ging alles Land bei der Eroberung in römischen Besitz über und wurde der einheimischen Bevölkerung nur zur Nutzung überlassen. Dafür hatte sie Steuern zu zahlen. Nach der Glaubensüberzeugung der Zeloten war das Heilige Land Israel von Gott selbst gegebenes Erbe, das unveräußerlich war.

Der Eifer der Zeloten zeigte sich auch in der radikalen Durchsetzung des Bilderverbotes (die bildergeschmückten königlichen Paläste in Tiberias und Jerusalem wurden im jüdischen Krieg zerstört) und der Heiligkeit des Tempelbezirkes. Sie gingen auch gegen Juden vor, die nichtjüdische Frauen geheiratet hatten. Dazu sind Zwangsbeschneidungen überliefert.

Man kann sagen, dass die Zeloten das pharisäische Programm der Heiligung des Alltags radikalisiert und um eine entscheidende politische Note erweitert haben. Dazu kommen starke Einflüsse apokalyptischen Denkens. Die sich steigernde wirtschaftliche Not im Palästina des 1. Jh. wurde als Zeichen der nahenden Endzeit gedeutet. Für diese erwartete man einen letzten Krieg gegen die Gottlosen, an dem man sich aktiv beteiligen wollte. Hier gibt es auch Berührungen zu den Essenern (1QM).

Die Zeloten hatten ihre Anhänger vor allem unter der verarmten Landbevölkerung Galiläas, die am stärksten unter der doppelten Ausplünderung durch Besatzungsmacht und lokale Großgrundbesitzer und der wirtschaftlichen Misere litt. Ihren Höhepunkt erlebte die zelotische Bewegung im Jüdischen Krieg (66-70). Dieser Aufstand gegen die Römer wurde zu wesentlichen Teilen von ihr getragen. Die Niederlage, die in der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch die Römer ihr grausiges Finale hatte, bedeutete zugleich die Vernichtung der Zeloten.

Literatur

M. Hengel, Die Zeloten. Untersuchungen zur jüdischen Freiheitsbewegung in der Zeit von Herodes I. bis 70 n.Chr., 2. Aufl., Leiden/ Köln 1976.

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