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Israel und seine Nachbarn

Israel und seine Nachbarn

Geographie

Die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel, von der die hebräische Bibel Nachricht gibt, hat in einem Gebiet stattgefunden, das schon immer im Brennpunkt historischer Ereignisse lag. Grund dafür ist die besondere Lage des Landes Palästina, das in der Bibel Kanaan oder Israel genannt wird. Es wird im Westen durch das Mittelmeer, im Osten durch die Wüste begrenzt. Der Einschnitt des Jordan und das Tote Meer teilen es in das Ost- und Westjordanland. Im Süden schränkt die Negebwüste die Möglichkeiten zur Besiedelung ein, den nördlichen Abschluss bilden die Gebirgszüge Libanon und Antilibanon. Innerhalb Palästinas sind das Gebirge Juda und der Höhenzug des Karmel die beherrschenden geologischen Formationen, so dass sich leistungsfähige Verkehrswege nur in den wenigen tieferliegenden Ebenen ausbilden konnten.

Betrachtet man Israel/Palästina in einem größeren geographischen Zusammenhang, so fällt auf, dass es von drei Gebieten mit dominierenden Mächten umgeben war: Im Süden Ägypten, im Norden Kleinasien und im Nord-Osten Mesopotamien. Die Verbindungswege zwischen diesen größeren Mächten führten zwangsläufig durch kanaanäisches Gebiet, was sich positiv bei Handelsbeziehungen (etwa für die phönizischen Städte an der Küste) wie negativ bei Kriegszügen auswirken konnte. Tatsächlich haben sich vor allem Ägypten und die wechselnden Reiche des Zweistromlandes darum bemüht, Palästina in ihren jeweiligen politisch-militärischen Einflußbereich zu bringen.

Ägypten

Zum ersten Verständnis der Geschichte Israels ist das Wissen um einige politische Entwicklungen der Zeit des 2. und 1. vorchristlichen Jahrtausends nötig. Zu Beginn des 2. Jahrtausends (Mittelbronzezeit) steht Palästina unter ägyptischer Oberherrschaft, die dann aber von den Hyksos abgelöst wird, einer Koalition wohl vorderasiatischer Stämme. Diese Zeit gilt als Umbruchszeit, in der es kriegstechnische (Festungsbau, Streitwagen) und gesellschaftliche Neuerungen (Feudalsystem) gibt. In der späten Bronzezeit vom 16.-13. Jh. erstarkt Ägypten wieder, die Pharaonen der 18. Dynastie konnten die Hyksos zurückdrängen und ihren Einflußbereich über Syrien/Palästina hinaus bis zum Euphrat ausdehnen (Schlacht bei Megiddo, 1468). Die folgende 19. Dynastie ist wegen der Pharaonen Ramses II. und Merenptah für die Geschichte Israels von besonderem Interesse, da mit dieser Zeit der Auszug aus Ägypten zu verbinden ist. Die ägyptische Macht ließ nach, und in das entstehende Vakuum stießen von Norden her die Hethiter nach. Als Grenze zwischen Ägypten und den Kleinasiaten wurde um 1280 Kadesch am Orontes in Syrien festgelegt, doch im südlich gelegenen Palästina gab es faktisch keine Zentralgewalt mehr.

Syrien/Palästina

Das Hethiterreich ging um 1200 (Eisenzeit I) unter, möglicherweise wegen der Expansion einer neuen Volksgruppe, den später Philister genannten Seevölkern. Auch die syrische Handelsstadt Ugarit wurde durch diesen Kriegszug zerstört. Gleichzeitig kam es zu einer Wanderungsbewegung von Aramäerstämmen, die von den Wüsten her in das Kulturland einzogen und Gebiete beanspruchten, die nicht von den kanaanäischen Stadtstaaten kontrolliert wurden. In diesem historischen Zusammenhang kam es zu Beginn der Eisenzeit II zur Bildung eines eigenen israelitischen Staatswesens.

Unter dem Pharao Schischak/ Scheschonk (22. Dyn.) kam es wohl um 930 erneut zu einer kurzen ägyptischen Vorherrschaft über Palästina (1.Kön 14,25), dann ein letztes Mal in alttestamentlicher Zeit um 600 unter Necho (26. Dyn.) nach dem Fall der Assyrer und vor der Eroberung durch die Neubabylonier (2.Kön 23,29f.).

Zweistromland

Mittlerweile waren die Reiche aus dem Zweistromland die dominierenden Mächte geworden. Hier ist für die geschichtliche Entwicklung der häufige Wechsel der Vorherrschaft unterschiedlicher Regionen und Völker von Bedeutung, der durch ständige Wanderungsbewegungen einzelner Völkergruppen ausgelöst wurde.

Assyrien

Durch Sargon I. von Akkad (um 2300) und Hammurabi von Babylon (um 1700) war es dort zu ersten zentralistischen Großreichbildungen gekommen, die das bisherige Stadtstaatensystem (Mari, Ur, Uruk u.a.) ablösten. Das babylonische Reich wurde jedoch durch die Hethiter zerstört. Mit Tiglat-Pileser I. entstand dann um 1100 das assyrische Großreich, das sich bis in die ehemals hethitischen Gebiete zum Mittelmeer ausdehnte und in der Folgezeit vor allem wegen seiner straffen Verwaltung und der rücksichtslosen Kriegszüge den gesamten Vorderen Orient beherrschte. So wurde auch das Gebiet des Nordreichs Israel zwischen 730 und 720 unter Salmanassar V. und Sargon II. nach und nach assyrisch. Die Oberschichten wurden deportiert, fremde Bevölkerungsgruppen angesiedelt.

Das Südreich Juda wurde politisch abhängig. Das Heer des Assyrerkönigs Sanherib stand 701 gar vor Jerusalem, ohne es jedoch erobern zu können (2.Kön 18+19). Unter dessen Sohn Asarhaddon kamen die Assyrer 671 bis nach Ägypten.

Neubabylonier und Perser

Verbündet mit den Medern errangen dann aber die Neubabylonier die Vorherrschaft, mit der gemeinsamen Eroberung Ninives im Jahr 612 war das Assyrerreich gefallen. Die Neubabylonier erreichten mit Nebukadnezzar den kurzen Höhepunkt ihrer Macht (587/6: Eroberung Jerusalems. Im Nordosten wurden schon die Perser unter ihrem Führer Kyrus mächtig, die zuerst die medischen Gebiete und dann 539 auch Babylon eroberten. Die persische Herrschaft, die unter Kambyses um 525 bis Ägypten ausgedehnt wurde, blieb dann bis zum Sieg des Makedonen Alexander (333) für die Geschicke Israels/ Palästinas maßgeblich.

Literatur

K.R. Veenhof, Geschichte des Alten Orients bis zur Zeit Alexanders des Großen, ATD Erg. 11, 2001.
E.A. Knauf, Die Umwelt des Alten Testaments, NSK-AT 29, 1994.
W. Zwickel, Einführung in die biblische Landes- und Altertumskunde, 2002.

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