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1. Samuel

Geburt und Jugend Samuels

Die Kapitel 1-3 berichten von Geburt und Jugend des Samuel, der (als Kind seiner ursprünglich kinderlosen Mutter Hanna) dem Tempel in Schilo mit dem Priester Eli geweiht ist. Die Darstellung betont das Wunderbare um Samuel, seine Erwählung durch Gott (Motive: die Unfruchtbare gebiert, nächtliche Offenbarung an Samuel).

Lied der Hanna

In Kap. 2 findet sich ein eingefügter Psalm, das Lied der Hanna, das im Magnificat des NT (Lk 1,46-55) nachgebildet wurde. Samuel wird als Prophet gezeichnet, dies entspricht der Tendenz der Darstellung, die Geschichte der Könige Israels durch prophetische Gestalten kritisch zu begleiten.

Ladeerzählung

Kap. 4-6, verbunden mit Kap. 7, berichten von der Lade JHWHs, die in Schilo aufbewahrt wurde. Im Krieg gegen die übermächtigen Philister geht die Lade an die Feinde verloren. Doch damit ist die Macht JHWHs nicht angetastet; die Lade wirkt bei den Philistern so ungeheure Wunder (Kap. 5), dass sie zurückgesandt werden muss (Kap. 6). Die Darstellung wird geleitet von der (späteren) Erkenntnis, dass der falsche Gottesdienst der Israeliten zur Niederlage führt, die Feinde dienen dabei als Werkzeuge Gottes. Paradigmatisch zeigt sich das an den Söhnen des Priesters Eli. Kap. 7 zeigt dann den (vorläufigen) Sieg Israels über die Philister und stellt Samuel als wandernden Richter vor. Die Philistergefahr gilt als Grund für die Notwendigkeit, eine zentrale staatliche Gewalt, das Königtum, auszubilden. Damit ist sicher historisch Richtiges getroffen, wenn auch die Tendenz der Darstellung in den Samuelisbüchern eher königskritisch ist.

Königsrecht

Diese negative Einstellung dem Königtum gegenüber kommt besonders in Kapitel 8 zum Ausdruck, das als Scharnierstelle zwischen der Richterzeit (Samuel) und der Königszeit (Saul) zu werten ist. Das Königsrecht betont die für das Volk negativen Aspekte des Königtums und bewertet den Wunsch Israels nach einem König als Abfall von JHWH.

Saul

Kap. 9-11 beschreiben in drei verschiedenen Versionen, wie Saul zum König geworden ist: Durch Salbung Samuels, durch Losentscheid und durch Wahl nach dem Sieg über die Ammoniter (historisch wohl die zuverlässigste Möglichkeit). Während diese Darstellungen eher positiv zum König stehen, betont die Abschiedsrede Samuels Kap. 12 wieder die negativen Aspekte. Mit der Darstellung der Abschiedsrede wird Samuel mit Jakob (Gen 49), Mose (Dtn 32+33) und Josua (Jos 23) gleichgestellt.

Kap. 13-15 beschreiben die Verwerfung Sauls trotz seiner Siege über die Philister. Saul hatte nach Kap. 13 ein Opfer falsch vollzogen und nach Kap. 15 den Bann nicht völlig vollstreckt, diese kultischen Verfehlungen bedingen das Negativurteil über seine Königsherrschaft.

Davids Aufstieg

In Kap. 16,1-13 wird dann ersatzweise David von Samuel zum König bestimmt, das Motiv ist hierbei, dass der Kleinste der Auserwählte ist (vgl. Gideon Ri 6,15; Jakob Gen 25; Josef Gen 37). Nach Kap. 16,14-17,58 kommt David aus drei verschiedenen Gründen an den Hof des Saul, als Musiker, als Waffenträger und als Bezwinger des Goliat. (Zum Sieg über Goliat vgl. 2.Sam 21,19: Dort heißt es, Elhanan aus Bethlehem habe Goliat erschlagen. Nach 1.Chr 20,5 hat Elhanan jedoch den Bruder des Goliat erschlagen, so werden die abweichenden Angaben ausgeglichen. Die in Kap. 16 beschriebene Fähigkeit Davids, auf der Harfe zu spielen, ist einer der biblischen Ansatzpunkte der Tradition, die ihn zum Psalmendichter erklärte.

Feindschaft zwischen Saul und David

Mit Kap. 18 beginnt die Schilderung der Feindschaft zwischen Saul und David, bei der David als der Großmütige, Saul als der besinnungslos Hassende beschrieben wird. David und Sauls Sohn Jonatan sind befreundet (2.Sam 1,26), überdies heiratet David Michal, eine Tochter Sauls. Nach Kap. 19 muss David zu Samuel fliehen, in Kap. 20 rettet Jonatan ihn vor seinem Vater. David flieht weiter zum Heiligtum des Priesters Ahimelech nach Nob, der ihn mit Lebensmitteln (Schaubroten) und Waffen versorgt (Kap. 21). Für diese Unterstützung Davids werden Ahimelech und seine Priester später von Saul umgebracht (Kap. 22). David ist unterdessen erst nach Moab und dann weiter zu den Philistern nach Gat geflohen, wo er als Freischärler eine eigene Kampfgruppe aufbaut (Kap. 22+27). Saul verfolgt David (Kap. 23+24+26), eingestreut ist Kap. 25), die Erzählung von Davids Raubzug gegen Nabal (= Tor) und Abigajil, die Davids Frau wird.

Sauls Tod

Kap. 28 schildert, dass Saul in En-Dor Samuels Totengeist heraufholen lässt, und noch dieser Geist, der tote Prophet, weissagt ihm sein nahes Ende und den Übergang des Königtums auf David (V. 17). Kap. 29+30 zeigen, wie David für die Philister gegen Israel kämpfen soll. Er kann diesen Bruderkampf aber abwenden und kämpft gegen die Amalekiter. Nach Kap. 31 unterliegt Israel im Kampf gegen die Philister, Jonatan und zwei weitere Söhne Sauls sterben. Saul wird schwer verwundet und tötet sich selbst, nachdem sein Waffenträger sich geweigert hat, ihn zu erstechen (vgl. Ri 9,54).

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