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1. Könige

Thronnachfolge Davids

Als David alt wird (Kap. 1), bricht unter seinen Söhnen offen der Kampf um seine Nachfolge aus. David stirbt (Kap. 2, V. 10) nach vierzigjähriger Regentschaft über Israel; in den anschließenden Wirren setzt sich Salomo als neuer König durch.

Salomo

Die folgenden Kapitel über Salomo sind nicht leicht zu gliedern, man sollte sie aber als Ganzes nacherzählen können. Nach Kap. 3 heiratet Salomo eine ägyptische Pharaonentochter, damit wird ein erster Bogen zu  Kap. 11 aufgespannt, wo es um Salomos fremde Frauen geht. Diese Verbindung wird an dem Königsgesetz Dtn 17,14-20 gemessen, wo in V. 17 dem König verboten wird, viele Frauen zu nehmen. Mit Salomo beginnt folglich schon die Geschichte des schleichenden Abfalls von JHWH und seinen Weisungen. Damit ist eines der wesentlichen Themen der folgenden Darstellung angesprochen. Kap. 3 berichtet weiter von einer Gottesoffenbarung an Salomo und dessen Bitte um Weisheit. Gott gibt ihm ein "hörendes Herz" (V. 12), was in der bekannten Erzählung vom "salomonischen Urteil" 3,16-28 ausgeführt wird. Überhaupt gilt Salomo als Weiser schlechthin, dies motiviert auch den Besuch der Königin von Saba in Kap. 10. Interessant ist auch die ganz unrealistische Darstellung der Herrschaftsumstände Salomos in Kap. 5,1–14. Auf die Betonung seiner Weisheit und Dichtkunst (V. 12) geht die Tradition zurück, dass er Autor der Sprüche, des Hohen Liedes und des Buches Kohelet gewesen sei.

Kap. 4 zeigt Salomos Hofhaltung und Beamtenschaft. Die ersten Ansätze zur Bildung eines organisierten Staatswesens und seiner Institutionen beginnen demnach, nach Auskunft des Textes aber vor allem im Gebiet des späteren Nordreichs. Im Süden (Juda) waren wohl die internen Zusammenhänge noch so eng, dass das Königtum ohne eine differenziertere Struktur auskam.

Tempelbau

Kap. 5 bereitet den Tempelbau als das inhaltliche Zentrum des Salomo-Komplexes vor; Salomo und der König Hiram von Tyrus schließen einen Vertrag über den Bau des Tempels. Kap. 6+7 werden dann ausführlich der Bau und die Ausstattung der Tempelanlage beschrieben, die (wohl umfangreicheren) Palastbauten werden 7,1-12 vergleichsweise kurz erwähnt.
Kap. 8 ist einer der wichtigsten Texte der Königsbücher und bedeutsames Zeugnis für die deuteronomistische Theologie. Im "Tempelweihgebet Salomos" (V. 22-53.54-61) spiegelt sich eindeutig die Situation des Exils (V. 33f.47-50), ein sicheres Zeichen für die späte Entstehung des Textes. Der Tempel gilt nach diesem Text weniger als Opferstätte, mehr als Haus des Gebets, auch für Israeliten im Ausland.
Kap. 9,1-9 schildert eine zweite Offenbarung Gottes an Salomo. Damit wird der Tempelbau von zwei Offenbarungen gerahmt und dessen Übereinstimmung mit Gottes Willen festgestellt. 9,10-10,29 weisen erneut auf Salomos Reichtum und seine Weisheit hin, eingebaut ist hier die bereits erwähnte Erzählung von der Königin aus Saba.
Kap. 11 schließt dann den Salomo-Komplex ab mit der negativen Bewertung seiner vielen fremden Frauen und dem Bericht von Aufständen gegen ihn. Die Reichsteilung wird damit implizit bereits vorbereitet, und in V. 29-39 weissagt der Prophet Ahija von Schilo dem späteren israelitischen König Jerobeam ausdrücklich die Spaltung des Staates. Salomo stirbt jedoch vorher; um seines Vaters Davids willen muss er den Verfall des Reiches nicht miterleben (V. 34).

Israel und Juda

Auch die nun folgenden Kapitel 1.Kön 12 – 2.Kön 17, die von den beiden getrennten Reichen Juda und Israel handeln, sind kaum sinnvoll zu gliedern. Es ist nötig, sich den historischen Ablauf in groben Zügen klarzumachen, die wichtigsten Könige und bedeutsame Einzelgeschichten zu kennen und insbesondere den Elija-Elischa-Zyklus einordnen zu können.

Reichsteilung

Kap. 12: Rehabeam, Salomos Sohn und Nachfolger auf dem Thron, erlegt dem Volk so hohe Lasten auf, dass es zur Abspaltung der 10 nördlichen Stämme kommt, vgl. V. 16 den Schlachtruf "Wir haben keinen Teil an David…", der schon beim Scheba-Aufstand (2.Sam 20) laut wurde. König Israels wird der Efraimit Jerobeam, der schon in Kap. 11 prophetisch designiert worden war. Damit zeigt sich bereits ein wichtiger Zug des Nordreich-Königtums: Während im Süden die Dynastie Davids durchgehend die Könige stellt, werden im Norden die Könige oft durch Propheten bestellt (oder zur Usurpation ermutigt). Dies bedeutete für den Norden deutlich instabilere politische Verhältnisse als im Süden.

Hauptstadt des Nordens wird zuerst Sichem, dann Penuël, später Tirza (15,21) und dann (um 875 v.Chr.) das von Omri neugegründete Samaria (1.Kön 16,24). Jerobeam ließ in Dan und Bet-El JHWH-Heiligtümer mit Stierbildern einrichten, um Pilgerfahrten in das nun feindliche Jerusalem zu unterbinden. Gegen diese Heiligtümer polemisiert wohl die Erzählung vom goldenen Kalb das sich nach Ex 32 die Israeliten am Sinai gemacht hatten. Anzunehmen ist, dass es auch in anderen Orten  Heiligtümer gegeben hat, so ist im Hoseabuch das "Kalb Samarias" erwähnt (Hos 8,5).

Kap. 13 äußert umgehend prophetische Kritik an solchen Zuständen, Jerobeam wird wegen seiner Kultpolitik von den Deuteronomisten eindeutig negativ bewertet (V. 33f.). Diese Ablehnung des Nordreichkönigtums zieht sich durch das gesamte Buch. Die Weissagung, dass der Altar in Bet-El zerstört werde, weist auf 2.Kön 23,15 voraus, wo sie im Rahmen der Reform Joschijas erfüllt wird.

Kap. 14 berichtet von Jerobeams Tod und dem Krieg des Pharaos Scheschonk I. (im AT: Schischak) gegen Jerusalem. Nach Kap. 15 ruft Rehabeams Nachfolger Abija die Syrer im Kampf gegen Israel zu Hilfe. Kap. 16 gründet Omri aufgrund prophetischer Beauftragung die erste Dynastie in Israel, die aber nur von kurzer Dauer ist (Jehu beendet 845 die Herrschaft der Omriden).

Elija

Übersicht über die Elijageschichten

Elija und Elischa werden als besonders prominente Propheten innerhalb der Königsbücher vorgestellt. dass sie aber nicht die einzigen sind, zeigen die Erzählungen 1.Kön 20+22, die den Elija-Elischa-Zyklus unterbrechen, und in denen andere Propheten in politischer Funktion auftreten. Elija und Elischa werden sowohl in "öffentlicher" (Auseinandersetzung mit Ahab) wie in "privater" Funktion dargestellt (Witwe in Sarepta; sie wirken also auf die gesamte Wirklichkeit ein.
Die Entstehung der Geschichten um Elija- und Elischa ist außerordentlich umstritten; es ist kaum mehr deutlich, welche Züge der Darstellung historisch zuverlässig sind. Doch man wird wohl die beiden Propheten als Kämpfer um eine Abgrenzung des JHWH-Glaubens von (kanaanäischer) Ba'als-Frömmigkeit, evtl. auch um eine Alleinverehrung JHWHs verstehen können. Damit wären sie Vorläufer insbesondere des späteren Hosea. Nach Mal 3,23f. gilt Elija als endzeitliche Retterfigur, vgl. auch den Bericht von der Verklärung Jesu in Mk 9. Im Judentum wird Elija als Vorbote des kommenden Messias verstanden.
 Wichtige Einzelzüge der Erzählungen sind der Kampf mit den Ba'alspropheten ("Gottesurteil") auf dem Karmel Kap. 18 und die Gotteserscheinung am Horeb, Kap. 19. Interessant ist, im Gegenüber zu dieser Darstellung, nach der Gott im Flüstern eines leisen Wehens ist, die Thronratsvision des Propheten Micha ben Jimla in 22,19-22 zu lesen (vgl. dazu auch Hi 1!). Die Geschichte von Ahabs (Isebels) Gewalttat an Nabot lässt sich nur recht begreifen, wenn man den naḥalâ–Gedanken (נַחֲלָה) Israels bedenkt: Land gilt als unverkäuflich (vgl. auch Rut). Dies wird zwar von Ahab als König akzeptiert, doch seine ausländische Frau, die diesen Rechtsgrundsatz nicht kennt, setzt gewaltsam die Enteignung Nabots durch.

Aramäerkriege

Kap. 20 berichtet vom Kampf Israels gegen die Syrer/ Aramäer, nach Kap. 22 kämpfen Juda und Israel gemeinsam gegen diesen Gegner. Ahab stirbt im Kampf, und die Hunde lecken sein Blut, wie in 21,19 geweissagt.

Elischa

Übersicht über die Elischageschichten

Die Elischa-Erzählungen sind stärker als die von Elija davon geprägt, dass Elischa ein Wundertäter ist, weniger ein Prophet nach klassischem Verständnis. Wichtig ist die Information, dass er sich im Kreis von Prophetenjüngern/ schülern bewegt. Solche Prophetengruppen waren sicher für die Tradierung und Weiterbildung der Prophetenlegenden mit-verantwortlich.

Jehu

Kap. 20 berichtet vom Kampf Israels gegen die Syrer/ Aramäer, nach Kap. 22 kämpfen Juda und Israel gemeinsam gegen diesen Gegner. Ahab stirbt im Kampf, und die Hunde lecken sein Blut, wie in 21,19 geweissagt.

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