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Die zehn Gebote

Yvonne Thöne

Kurzbeschreibung:
Ein Unterrichtsentwurf zum Dekalog, den zehn "Worten der Freiheit", für die 3./4. Klasse Grundschule. Im Zentrum steht die persönliche Auseinandersetzung mit einem individuell ausgewählten Gebot.
Zusätzliche Autoreninformation: Yvonne Thöne
Mitarbeiterin, Universität Kassel
Kategorie:
Unterrichtsentwurf
Schulform:
Grundschule
Bibelstellenbezug:
2.Mose 20,1-17
Weitere Schlagworte:
Altes Testament; Befreiung; Dekalog; Ethik; Exodus; Gebot; Gemeinschaft; Gesetz; Judentum; Mose; Zehn Gebote
Letzte Aktualisierung:
01.01.1970

1. Einbettung in die Unterrichtseinheit

 

Vorbereitende Sequenz: Vorkurs Ägypten.

Die Kinder arbeiten selbstständig in kleinen Projektgruppen zu dem in fünf Unteraspekte gegliederten Thema (Die ägyptische Religion, Leben nach dem Tod, Gesellschaft im Alten Ägypten, Alltagsleben im Alten Ägypten, Schrift im Alten Ägypten). Sie erstellen Informationsplakate und präsentieren abschließend im Klassenverband ihre Ergebnisse.

1. Sequenz: Der Kindermord und die Rettung des Mose. (Ex 1,1-2,10)

Ausgehend von dem Projektthema Ägypten rekapitulieren die SchülerInnen ihr Wissen über die Josefsnovelle, welche der Exoduserzählung direkt vorangeht. Im Mittelpunkt steht eine Bildbetrachtung (Mose wird aus dem Wasser gezogen von Nicolas Poussin, 1638). In zwei Gruppen stellen die S’’ das Gemälde nach. Diese Standbilder werden mit Musik unterlegt. Anschließend bauen die Kinder in Kleingruppen selbstständig je ein Standbild zu verschiedenen Szenen. Die Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse, welche anschließend gemeinsam reflektiert werden.

2. Sequenz: Flucht nach Midian. (Ex 2,11-25)

Das Bild von Poussin dient als Einstiegsimpuls und Gesprächsanlass, um an die vorherige Stunde anzuknüpfen. Nach der Erzählung und einem kurzen Unterrichtsgespräch wählen die Kinder in Kleingruppen je zwei Szenen aus, die sie in einem Standbild darstellen. Während der Präsentationsphase werden einzelnen Spielenden erstmalig Einfühlungsfragen gestellt.

3. Sequenz: Der brennende Dornbusch. (Ex 3,1-4,17)

Während im ersten Teil der Sequenz die Bedeutung des Gottesnamens (gedeutet als „Ich bin da (für euch)“) im Zentrum steht, sind im zweiten Teil der Sequenz die Gedanken und Gefühle des Mose in Bezug auf die Gottesbegegnung und JHWHs Befehl zentral. Im Anschluss an eine Bildbetrachtung und ein Unterrichtsgespräch erstellen die SchülerInnen einen Hefteintrag in Wort und Bild zu o. g. Aspekten. Die Ergebnisse werden als „sprechende Standbilder“ präsentiert.

4. Sequenz: Die 10 Plagen und der Auszug aus Ägypten. (Ex 4,18-15,21)

Im Anschluss an die Erzählung stellen die Kinder den Auszug in fiktiven Familienkonstellationen in Standbildern nach. Diese werden mit Musik verschiedener Stile unterlegt, so dass unterschiedliche Assoziationen evoziert werden.

5. Sequenz: Die 10 Gebote. (Ex 20,1-17)

Im Zentrum der hier beschriebenen Stunde steht die persönliche Auseinandersetzung mit den 10 Geboten. Anschließend an ein Unterrichtsgespräch zu ihrer lebensfördernden Schutzfunktion können die Kinder zwischen verschiedenen Angeboten wählen, um sich mit einem, für sie besonders wichtigem Gebot auseinanderzusetzen (Eigenes Erlebnis gestalten, bildnerische Gegenüberstellung, Rollenspiel).

6. Sequenz: Das goldene Kalb. (Ex 32-34)

Auch in der siebten Sequenz dienen Standbilder, kombiniert mit dem Verfahren der Einfühlungsfragen, als Transportmittel, um die Bedeutung des Textes zu erschließen. Die SchülerInnen reflektieren, wo sich in ihrem Leben „goldene Kälber“ befinden.

7. Sequenz: Die Kundschafter. Einzug in Kanaan. (Num 13,13.27; Dtn 1-3. 31-34)

Die abschließenden Szenen (Aussendung der zwölf Kundschafter, Berichterstattung, Tod des Mose, Einzug in Kanaan) werden in vier Kleingruppen gerafft in kurzen Spielszenen dargestellt.

 

2. Zentrale Aspekte des Themas

Anknüpfend an die Josefsnovelle beginnt im Buch Exodus die Volksgeschichte Israels und wird in den folgenden Büchern weitergeführt. Nicht nur der eigentliche Exodus, der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, sondern das Gesamtgeschehen vom Auszug „über Wüstenwanderung und Sinaiereignis bis hin zur Ankunft im Gelobten Land“ (Dohmen, 2004, 99) wird als „Exodus“ bezeichnet. Die Exoduserzählung erstreckt sich auf die Bücher Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium. Vorbereitet wird sie bereits im Buch Genesis in den Erzählungen von den Erzeltern und der Josefsnovelle und weist sogar über die Grenzen des Pentateuch hinaus: Die Landnahme wird erst im Buch Josua geschildert. Die fünf Bücher Mose und das Buch Josua bilden so einen geschehensmäßigen und literarischen Zusammenhang, welcher auch als Hexateuch bezeichnet wird (vgl. Zenger, 2004, 12).

Das Buch Exodus bildet jedoch das inhaltliche Zentrum der Erzählung und kann insofern auch als Zentrum des Pentateuch bezeichnet werden. Daher konzentriert sich vorliegende Einheit auf das Buch Exodus; einige zentrale Geschehnisse aus Num und Dtn werden thematisiert sowie ein Ausschnitt aus Jos (Erwähnung der Landnahme).

Die erzählte Zeit des Exodus weist durch die Angaben in Ex 1,11 über die Fronarbeit in die Zeit des Pharaos des Neuen Reiches Ramses II 1301-1324 (vgl. Berg, 1999, 120). Die Erzählzeit ist jedoch nur schwer auszumachen, da einerseits zahlreiche Traditionen und Überlieferungen verarbeitet wurden, andererseits diese aber konsequent strukturiert und redaktionell kunstvoll zusammengefügt wurden. Einzelne Erzählkränze der Exoduserzählung reichen zurück bis ins 7. Jh. v. Chr. (vgl. Dohmen, 2004, 14f.). Es ist jedoch fraglich, ob solch ein diachroner Ansatz zum Verständnis der Texte wesentlich beiträgt. Schließlich liegt den RezipientInnen der kanonisierte Text vor und es erscheint sinnvoll, diesen synchron in seiner Endgestalt zu betrachten.

Das Buch Exodus präsentiert zwei Schwerpunkte: Zum einen die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei (Ex 1-18), zum anderen die Gottesbegegnung am Berg Sinai (Ex 19-40). Der zweite Teil Ex 19-40 setzt sich wiederum aus vier Abschnitten zusammen (vgl. Dohmen, 2004, 99):

Ex 19,1 – 24,12: Gottesoffenbarung und Bundesschluss.

Ex 25,1 – 31,17: Anweisungen für das Heiligtum.

Ex 31,18 – 34,35: Abwendung von Gott und Bundeserneuerung.

Ex 35,1 – 40,38: Ausführung der Anweisungen zum Heiligtumsbau.

Im Zentrum steht stets die Person des Mose, dem größten aller Propheten (vgl. Dtn 34,10-12), Retter und Mittler des Gotteswillens, welcher die gesamte Erzählung Ex - Dtn zusammenhält. Im Ägyptischen bedeutet der Name Mose soviel wie „Sohn“ bzw. „gezeugt von…“; der biblische Text deutet den Namen vom Verb maschah (herausziehen) her (Ex 2,10).

Nachdem Gott das Leid des Volkes Israel hört und sieht, gedenkt er seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob und nimmt sich seines Volkes an (2,24-25): Mose hat in Midian ein neues Leben begonnen. Dort erscheint ihm „der Engel JHWHs in einer Flamme“ (3,2), welche von einem Dornbusch ausgeht, welcher brennt, jedoch nicht verbrennt. Gott offenbart sich Mose als JHWH („Ich-bin-da“) und trägt diesem auf, vor den Pharao zu treten und das Volk Israel aus Ägypten, in das zuvor verheißene Land zu führen. Hier spielt der hebräische Begriff senäh (Dornbusch) bereits auf den Namen des Gottesberges Sinai an. Nach dem Auszug aus Ägypten und der ersten Wüstenwanderung kommt das Volk Israel schließlich zum Gottesberg und erhält dort von Gott die zehn Gebote.

Der Dekalog (Zehnwort) in Ex 20,1-17 ist vermutlich sekundär und lässt sich nur schwer in den Erzählzusammenhang einbinden (z.B. Reaktion des Volkes in 20,18). Er ist doppelt überliefert und findet sich in einer älteren Fassung noch in Dtn 5 mit einer stärker sozialpolitischen Ausrichtung (bes. Sabbatgebot). Der Dekalog, formal ein Mischgebilde aus Rede in erster und dritter Person, „umfasst so etwas wie die Quintessenz der Offenbarung, die in Kurzform Bleibend-Gültiges festschreibt“ (Dohmen, 2004, 126); die allgemeinen Anweisungen sollen je nach Kontext auf individuelle Weise verwirklicht werden.

Im Judentum gilt bereits der so genannte Prolog (Ich bin JHWH, dein Gott…) als erstes Gebot, da es dazu auffordert, an den Gott Israels zu glauben. In diesem Horizont sind die Gebote als Weisungen, welche dazu dienen, die Freiheit zu bewahren, zu deuten.

An die ersten drei Gebote (Fremdgötterverbot, Bilderverbot, Namensmissbrauchverbot) schließen sich sieben Weisungen, die mehr den Menschen im Fokus haben, an. Anders als in Dtn 5 motiviert hier ein Rückbezug zur Schöpfungsordnung das Sabbatgebot. Im Gegensatz zu anderen antiken Völkern dürfen Menschen jeder sozialen Schicht den Ruhetag in Anspruch nehmen. Das Gebot hat heute, mit Blick auf die anhaltende Diskussion um Ladenöffnungszeiten, wieder an Aktualität gewonnen. Mit dem Elterngebot verbunden ist insbesondere die Forderung nach der „sozialen Versorgung der nicht mehr arbeitsfähigen Alten“ (Dohmen, 2004, 127).

Das „Tötungsverbot“ ist treffender mit „Du sollst nicht morden“ zu übersetzen, da das hebräische Verb ausschließlich das gesetzeswidrige, gewalttätige Töten im Blick hat. Mit dem siebten Gebot soll das Gut der Familie als „Keimzelle des Volkes“ (Dohmen, 2004, 127) geschützt werden. Das folgende Gebot will das persönliche Eigentum jedes Menschen, unabhängig von jedweder Schichtzugehörigkeit, schützen. Die Absicht durch falsche, lügenhafte Aussagen eine andere Person zu täuschen, zu benachteiligen oder zu schwächen wird im neunten Gebot in den Blick genommen und als Verletzung der Würde des anderen gewertet. Das abschließende Begehrensverbot möchte Neid und Begierde, mit dem Ziel der Aneignung fremder Güter, verhindern. Keinem Mitmenschen soll durch Ausnutzung von Notsituationen oder Vorteilnahmen die Lebensgrundlage entzogen werden.

 

3. Zentrale Aspekte in der persönlichen Begegnung der/des Lehrenden mit dem Thema

„Du sollst…“, „Du sollst nicht…“ – die zehn Gebote werden häufig als „typisch alttestamentlich“, weil sie so „gesetzlich“ seien beurteilt. Sie scheinen die persönliche Freiheit zu beschneiden, werden als unbequem oder überflüssig erachtet.

Unbequem mögen sie manchmal sein – überflüssig sind sie niemals, die zehn Gebote, die Zusammenfassung der alttestamentlichen Ethik. Sie sind stets aktuell, da sie Richtschnur für ein gemeinschaftliches Leben in Freiheit sind. Denn nur das Einhalten von Regeln ermöglicht ein friedliches Miteinander – meine Grenzen, bedeuten die Freiheit eines anderen und umgekehrt.

Manches in der Formulierung des Dekalogs bleibt anstößig – etwa die Betrachtung der Frau als Besitztum des Mannes, auf einer Stufe mit SklavInnen und Nutztieren (Ex 20,17). Ein eifernder, strafender Gott lugt immer wieder zwischen den Zeilen hervor (Ex 20,5-7).

Nichtsdestotrotz leiten sie an zum guten Leben, bleiben sie „Worte der Freiheit“ (Frank Crüsemann“).

4. Zur Begegnung zwischen SchülerIn und Thema

Indem im Religionsunterricht - exemplarisch an biblischen Geschichten - die Erfahrungen der S'' zur Sprache kommen (Not, Verzweiflung, Angst, Unsicherheit, Freundschaft, Gemeinschaft, Zusammenhalt usw.), kommen auch Grundsituationen oder Grundfragen menschlicher Existenz zur Sprache. Gerade in der Grundschule „stellt sich bei der Bearbeitung biblischer Texte im Unterricht weniger die Frage nach historischer Faktizität. Vielmehr geht es um ihre Authentizität und die Relevanz für das eigene Leben. Dabei erschließen sich Lebenssituationen der Kinder und biblische Texte gegenseitig in einem dialogischen Prozeß“ (Rahmenplan Grundschule, 1995, 37).

Daher wird bei der Behandlung der Exodusgeschichte besonders Wert darauf gelegt, auf die o.g. Aspekte einzugehen und diese auf die heutige Lebenswelt der SchülerInnen zu übertragen, um einen Gegenwartsbezug, sowie einen Zukunftsbezug für die Kinder zu gewährleisten.

In der Behandlung der 10 Gebote erfahren die Kinder, dass diese Weisungen für ihr eigenes Leben relevant sind. Den SchülerInnen begegnen im alltäglichen Leben zahlreiche Regeln (z.B. in der Schule, im Straßenverkehr usw.), die das Zusammenleben erleichtern. Die biblischen Gebote stellen keine „spaßhemmenden“ Verbote dar, sondern in erster Linie Regeln für ein gutes Miteinander und Schutz für ein Leben in Freiheit. Damit fällt die Behandlung der 10 Gebote in den Bereich der Werterziehung. Insbesondere das Lügen-, das Diebstahl- und das Neidgebot entstammen direkt der Lebenswelt der Kinder. Die biblische Überlieferung wird nicht bloß aus der Distanz behandelt, sondern die Kinder können ihre eigenen Erfahrungen mündlich, schriftlich oder spielerisch ausdrücken und verarbeiten (Gegenwartsbezug). Die aus diesen Verarbeitungs- und Reflexionsprozessen gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse sind in zahlreichen, aktuellen und zukünftigen Lebenszusammenhängen von bleibender Bedeutung für die Kinder (Zukunftsbezug).

Das Thema Exodus liefert zahlreiche Anknüpfungspunkte für weitere bedeutsame Themen (z.B. Judentum, bes. mit Blick auf Pessach; 10 Gebote im Rahmen ethischer Fragestellungen) und stellt zudem das zentrale Ereignis der hebräischen Bibel dar und ist somit Teil der Allgemeinbildung. Auch die behandelte Perikope von Ex 20 ist mit der Offenbarung der 10 Gebote sowohl eine theologische Schlüsselszene als auch ein inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt.

Die Themen „Mosegeschichten“ und „Exodus“ sind im Rahmenplan Grundschule im evangelischen Religionsunterricht vorgesehen und werden im Rahmen dieser Unterrichtseinheit zusammengefasst, da es nicht sinnvoll erscheint, diesen großen Erzählzyklus auseinander zu reißen. Die Unterrichtseinheit ist den Erfahrungsbereichbereichen „Gemeinschaft mit anderen“ und „Welt und Umwelt“ zugeordnet (vgl. Rahmenplan Grundschule, 1995, 42).

Des weiteren entspricht die geplante Unterrichtsstunde den wesentlichen didaktischen Grundsätzen des Rahmenplans Grundschule (vgl. Rahmenplan Grundschule, 1995, 27f.): Das Thema orientiert sich an der Lebenswelt der Kinder: Die ‚alten’ Gebote werden auf die Lebenssituation der Kinder übertragen. Im Sinne der Wissenschaftsorientierung liefert das Thema Wissen um biblische Zusammenhänge und eine wichtige Grundlage für aufbauende Themen. Insgesamt wird das Thema handlungsorientiert bearbeitet; d.h. die SchülerInnen sind aktiv durch Erzählen, Malen, Schreiben, Hineinfühlen, Rollenspiel ganzheitlich gefordert. Durch die Wahlmöglichkeiten in der Bearbeitung ist eine Differenzierung gegeben. Auch wird zu Beginn der Unterrichtsstunden Wert auf die Wiederholung des vorangegangenen Stoffes gelegt, um die Inhalte und Aussagen der Geschichte zu festigen.

Die SchülerInnen der Klasse 3/4 befinden sich nach Jean Piaget im konkret-operationalen Stadium (vgl. Grom, 1981, 325ff.). In diesem Stadium (ca. 7 bis 11 Jahre) sind gedankliche Operationen zwar an anschaulich erfahrbare Inhalte gebunden, sie zeichnen sich jedoch – verglichen mit dem präoperationalen Stadium – durch eine größere Beweglichkeit aus. Verschiedene Aspekte eines Gegenstandes oder Vorgangs können gleichzeitig erfasst werden und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Der frühkindliche Egozentrismus nimmt ab und die Kinder sind in der Lage, andere Perspektiven einzunehmen. Die SchülerInnen können sich also in die biblischen AkteurInnen hineinversetzen und die Geschehnisse auf ihre eigene Erfahrungs- und Lebenssituation übertragen.

Nach J.W. Fowlers Stufentheorie der Glaubensentwicklung befinden sich die SchülerInnen dieser Altersgruppe in dem Stadium des mythisch-wörtlichen Glaubens (vgl. Fowler, 1991, 151ff.). Während dieser auch als „Buchstabenglaube“ bezeichneten Phase nimmt der Realitätssinn der Kinder zu und sie beginnen, Glaubensvorstellungen in Frage zu stellen. Das Gottesbild ist jedoch noch von Anthropomorphismen geprägt. Durch die vielfältigen Gottesbilder der Exodus-Überlieferung sollen den SchülerInnen neue Impulse gegeben werden.

In dieser Phase werden Erzählungen zu einem wichtigen Medium, um eigene Erfahrungen wiederzuentdecken; sie verleihen dem Kind Sinn. Glaubensinhalte und Symbole werden jedoch meist noch eindimensional und wörtlich verstanden (z.B. brennender Dornbusch). Erst mit dem Übergang zur nächsten Stufe (synthetisch-konventioneller Glaube), der sich schon in der Grundschule anbahnt, werden diese in einer tieferen Dimension aufgeschlossen.

 

5. Bausteine zur Stundenplanung

 

Möglicher Einstieg

Um an die Thematik anzuknüpfen und einen Rückbezug zur vergangenen Stunde herzustellen, kann mit einem passenden Lied (z.B. Let my people go) begonnen werden. Das Musikstück kann von der Lehrkraft oder SchülerInnen auf einem Instrument begleitet werden und ermöglicht einen lebhaften, themenbezogenen Einstieg.

Mögliche Hinführung

Eine kurze Wiederholung des Stoffes der vorangegangenen Stunde ist wichtig, um allen SchülerInnen zuvor besprochene Inhalte und Zusammenhänge ins Gedächtnis zu rufen. Diese Phase sollte in einem Sitzkreis stattfinden. Die Sozialform gewährleistet körperliche Nähe und einen besseren Blickkontakt; beides ist für Gespräche die Vertrauen erfordern sehr wichtig. Die Kinder werden dazu aufgefordert, die 10 Gebote aus dem Gedächtnis zu wiederholen. Für jedes erinnerte Gebot wird eine Kerze angezündet. Das positiv besetzte Symbol Licht kann an dieser Stelle kurz thematisiert werden, oder auch nur für sich selbst wirken.

In der Kreismitte befinden sich dunkle Wortkärtchen mit negativ konnotierten Worten (Stress, Einsamkeit, Krieg, Betrug, Angst, Raub, Traurigkeit, Neid, Ärger usw.). Aufgabe der Kinder ist es, diese Begriffe den einzelnen Geboten zuzuordnen und so ihre Schutzfunktion herauszustellen. Die ersten drei Gebote, die Gottesgebote, nehmen dabei eine Sonderstellung ein. Die Karten und die Kerzen, versehen mit den jeweiligen Geboten, werden entsprechend positioniert. Auf diese Art und Weise entsteht ein Schutzzaun gegen die dunklen Karten. Es geht hierbei nicht um eine 1:1-Zuordnung bzw. ein Richtig-oder-Falsch. Die Begriffe sollen vielmehr als Denkimpuls und Diskussionsanlass dienen. In diesem Zusammenhang können auch eigene Erfahrungen und Empfindungen der SchülerInnen zur Sprache kommen.

Mögliche Erarbeitung

Zwischen den unterschiedlichen Möglichkeiten der Erarbeitung kann die Lehrkraft je nach Leistungsstand und Selbstständigkeit der Lerngruppe entscheiden, ob sie einen bestimmten Arbeitsauftrag anbietet oder mehrere zur Wahl stellt. Stehen den Kindern verschiedenen Arbeitsaufträge zur Auswahl, werden so unterschiedliche Vorlieben und individuelle Lerntypen berücksichtigt und ein hoher Grad an Differenzierung erreicht. Die SchülerInnen wählen sich jeweils ein Gebot aus, das ihnen besonders wichtig erscheint.

Als erste Möglichkeit können sie ein eigenes Erlebnis im Zusammenhang mit diesem Gebot in Text und Bild in ihrem Heft gestalten und sich so auf sehr persönliche Art und Weise damit auseinandersetzen.

Kinder, die sich scheuen, sich derart persönlich zu öffnen können ein Bild oder Comic gestalten, in dem die Übertretung und die Befolgung eines Gebotes kontrastierend gegenübergestellt werden und so Sinn und Zweck des Gebotes erneut reflektieren.

Als dritte Möglichkeit können die SchülerInnen in Kleingruppen Rollenspiele zu einem Gebot erarbeiten, welche Handlungsalternativen zu Fehlverhalten aufzeigen. Falls sie sich keine eigene Situation ausdenken möchten, steht zur Differenzierung eine Kiste mit Situationsbeschreibungen zur Inspiration bereit. Das Rollenspiel fördert die Phantasie und Kreativität, die sprachliche und körperliche Ausdrucksfähigkeit der Kinder, sowie ihr Selbst- und Verhaltensbewusstsein. So werden „theologische Inhalte nicht nur gelehrt oder ausgelegt, sondern in Handlung umgesetzt und gelebt“ (Brennfleck, 2005, 5).

Mögliche Schlussphase

In der letzten Phase sollten die Ergebnisse der SchülerInnen vor der Klasse präsentiert werden. Zum einen erfährt ihre Arbeit dadurch Wertschätzung, zum anderen findet ein Austausch im Klassenverband statt und die Kinder erhalten von den anderen Gruppen neue Denkimpulse.

 

6. Unterrichtsziele

Die SchülerInnen sollen die Bedeutung der 10 Gebote für das menschliche Zusammenleben erkennen. Sie sollen ihre positive Bedeutung als Regeln für ein gutes Miteinander und als Schutz für ein Leben in Freiheit erfassen und sich mit einem ausgewählten Gebot individuell intensiver auseinandersetzen.

 

Literaturverzeichnis

 

Berg, Horst Klaus, 1999, Altes Testament unterrichten. Neunundzwanzig Unterrichtsentwürfe, Stuttgart

Brennfleck, Stefan, 2005, Bühnenreif: Die Bibel. Theater spielen mit 6- bis 12-Jährigen, Stuttgart

Dohmen, Christoph, 2004, Das Buch Exodus, in: Zenger, Erich (Hg.): Stuttgarter Altes Testament, Stuttgart, 98 – 159.

Fowler, James, 1991, Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach Sinn, Gütersloh

Grom, Bernhard, 1981, Religionspädagogische Psychologie des Kleinkind-, Schul- und Jugendalters, Düsseldorf

Hessisches Kultusministerium, 1995, Rahmenplan Grundschule gemäß der 204. Verordnung über Rahmenpläne des hessischen Kultusministers vom 21.3.1995, Wiesbaden

Veit, Reinhard, 2000, Das Alte Testament im Unterricht: mit 10 farbigen Folien und 24 Kopiervorlagen, Lahr

Zenger, Erich, 2004, Die fünf Bücher des Mose, in: Zenger, Erich (Hg.): Stuttgarter Altes Testament, Stuttgart, 12 – 15

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