Jesu Zeugnis über den Täufer

Raphael Döhn

Kurzbeschreibung:
In Mt 11,7-15 stellt Jesus ein Zeugnis über Johannes den Täufer aus. Hierbei weist er das Volk darauf hin, dass Johannes mehr als ein Prophet sei; vielmehr handele es sich bei dem Täufer um den wiedergekommenen Elia, dessen Auftreten nach der Überlieferung dem Kommen des Messias vorausgehen müsse. Somit ordnet Jesus Johannes den Täufer zum einen heilsgeschichtlich ein; zum anderen gibt sich der matthäische Jesus hier aber auch selbst als der verheißene Messias zu erkennen.
Zusätzliche Autoreninformation: Raphael Döhn
Student, Universität Kassel
Kategorie:
Bibeltheologische Komm.
Bibelstellenbezug:
Mt 11,7-15
Letzte Aktualisierung:
03.04.2013

Inhaltsverzeichnis

1. Erster Leseeindruck

2. Synchrone Zugangsweise: Jesu Zeugnis über den Täufer

2.1 Der Aufbau von Jesu Zeugnis über den Täufer

2.2 Drei zentrale Aspekte von Jesu Zeugnis über den Täufer

2.2.1 Jesu rhetorische Fragen

2.2.2 Johannes als wiedergekommender Elia

2.2.3 "Das Himmelreich" (he basileia ton ouranon)

3. Diachrone Zugangsweise: Die Quellen des Matthäus

4. Stimmen aus der Forschung: Das Verhältnis des Täufers zu Jesus

4.1 Johannes als 'Nebenmann' Jesu

4.2 Johannes als vom Himmelreich Ausgeschlossener

4.3 Johannes zwischen Angleichung und Unterordnung

5. Literaturverzeichnis


1. Erster Leseeindruck

Beim ersten Lesen springt die hohe Wertschätzung, welche Jesus Johannes dem Täufer entgegenbringt, sofort ins Auge. Der zentrale Aspekt der Perikope scheint die Identifizierung des Johannes mit dem wiedergekommenen Elia zu sein, was die Frage aufwirft, warum das Elia-Motiv an dieser Stelle auftaucht und welche Bedeutung es generell hat. Bei der Lektüre rufen einige Formulierungen zunächst Verwirrung hervor, da sie sich einer eindeutigen Interpretation verschließen; hier ist besonders Mt 11,12 zu nennen - Jesus sagt, dass das Himmelreich Gewalt leide.

2. Synchrone Zugangsweise: Jesu Zeugnis über den Täufer

2.1 Der Aufbau von Jesu Zeugnis über den Täufer

V7-14 sind formal in zwei Strophen à vier Verse gegliedert (v7-10; v11-14) (vgl. Luz, 2007, 172; vgl. Gnilka, 1988, 411f). Der erste Vers einer jeden Strophe ist durch eine kurze Einleitungsformel gekennzeichnet. So wird die erste Strophe (v7-10) in v7 durch das Weggehen der Täuferjünger, den Adressatenwechsel hin „zu dem Volk“ (tois ochlois) sowie die erzählerische Anmerkung, dass Jesus nun „von Johannes“ (peri Ioannou) spricht, eingeleitet (vgl. Häfner, 1994, 191). Auch zu Beginn der zweiten Strophe (v11-14) findet sich in v11 eine solche Ein- bzw. Überleitung durch den Einschub der Formel  „Wahrlich, ich sage euch“ (Amen lego hymin) (vgl. Gnilka, 1988, 411; vgl. Ernst, 1989, 168). Den Abschluss der beiden Strophen bildet jeweils ein „Definitionssatz“ (Luz, 2007, 172) in v10 und v14; dieser kann als „Bestimmungssatz [..], der das Wesen des Täufers beschreibt“ (Wiefel, 1998, 212) verstanden werden.

Die erste Strophe (v7-10) ist eine klar gegliederte Einheit (vgl. Luz, 2007, 172; vgl. Gnilka, 1988, 411f). Sie ist geprägt durch drei rhetorische Doppelfragen (v7-9), in denen Jesus fragt, warum das Volk in der Vergangenheit in der Wüste den predigenden und taufenden Johannes aufgesucht habe (vgl. Häfner, 1994, 217f). Jede dieser drei rhetorischen Doppelfragen wird mit der Formulierung „Was seid ihr hinausgegangen?“ (tí exelthate) eingeleitet (vgl. Ernst, 1989, 62; vgl. Theißen, 1985, 50f). In v10 erscheint dann der bereits erwähnte Definitionssatz, der Maleachi 3,1 und Exodus 23,20 kombiniert (vgl. Luz, 2007, 175; vgl. Fiedler, 2006, 239; vgl. Tilly, 1994, 89).

Strophe zwei (v11-14) ist im Vergleich zu der ersten Strophe recht unstrukturiert (vgl. Luz, 2007, 172; vgl. Gnilka, 1988, 411f). Das Motiv des „Himmelreichs“ (he basileia ton ouranon) verbindet v11 und v12 miteinander (vgl. Luz, 2007, 179). V13 wird durch die Einleitung mit „denn“ (gar) an v12 angeschlossen, so wie der Definitionssatz in v14, der auf Maleachi 3,23f verweist, durch das Wort „und“ (kai) mit den vorangegangenen Versen verknüpft wird (vgl. Schmid, 1965, 192ff; vgl. Müller, 2002, 128ff).

Der Höre-Weckruf in v15 fungiert als Abschluss des Zeugnisses über den Täufer. Er stellt eine Zäsur dar und weist darauf hin, dass in den vorangegangenen Versen etwas Wichtiges gesagt wurde, was besondere Beachtung verdient und über das es nachzudenken gilt (vgl. Wiefel, 1998, 215; vgl. Schweizer, 1986, 171; vgl. Grundmann, 1986, 310).

2.2 Drei zentrale Aspekte von Jesu Zeugnis über den Täufer

2.2.1 Jesu rhetorische Fragen

In v7-9 stellt Jesus drei rhetorische Doppelfragen, in denen er das „Volk“ (tois ochlois) fragt, warum es in der Vergangenheit in die Wüste gegangen sei, um dort den Täufer anzutreffen (vgl. Häfner, 1994, 217; vgl. Gnilka, 1988, 413). Jesus leitet diese Fragen in v7-9 jeweils mit der Formel „Was seid ihr hinausgegangen“ (ti exelthate) ein. In v7 fragt er, ob das Volk in die Wüste aufgebrochen sei, um dort ein im Wind schwankendes Rohr zu sehen, in v8, ob es einen Menschen in weichen Kleidern sehen wollte und in v9, ob es einen Propheten sehen wollte. Die ersten beiden Fragen nach dem schwankenden Rohr und dem Menschen in weichen Kleidern sind vom Volk zu verneinen. Schließlich ist das Volk in die Wüste gekommen, um den Propheten Johannes zu sehen bzw. zu hören. Die dritte rhetorische Frage hingegen verlangt nach einer positiven Antwort. In der Tat ist das Volk in die Wüste gegangen, um dort einen Propheten, nämlich Johannes den Täufer, zu sehen (vgl. Ernst, 1989, 60). Im Anschluss korrigiert Jesus jedoch seine Zuhörer, indem er sie darauf hinweist, dass Johannes der Täufer eben nicht ,nur‘ ein Prophet, sondern sogar „mehr als ein Prophet“ (kai perissoteron prophetou) (v9) sei (vgl. Wiefel, 1998, 213; vgl. Luz, 2007, 174).

In der Forschung existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Positionen zur Bedeutung der in v7-9 verwendeten Formulierungen. Diese Forschungspositionen lassen sich grob in drei Hauptstränge aufteilen: die wörtliche, die metaphorische und die emblematische Deutung (vgl. Häfner, 1994, 219; vgl. Luz, 2007, 173f).

Die Vertreter der wörtlichen Deutung sind der Meinung, dass das schwankende Rohr in v7 und der Mensch in weichen Kleidern in v8 als Schilfrohr und als ein Mensch/eine Menschengruppe verstanden werden müssen. Nach Meinung von Ulrich Luz fragt der matthäische Jesus daher einfach nur, ob das Volk in die Wüste hinausgegangen sei, um etwas dort Alltägliches anzutreffen. So sei Schilf in der Wüste leicht zu finden gewesen, da es entlang des Jordans wuchs; auch Menschen in weichen Kleidern habe man in der Wüste antreffen können, da dort Menschen in feinen Kleidern in den königlichen Winterpalästen hausten. Aber auch einen Propheten könne man in der Wüste durchaus erwarten, da die Wüste zur Zeit Jesu den Menschen als alter, biblischer Offenbarungsort bekannt war; erst mit der Aussage, Johannes der Täufer sei aber „mehr als ein Prophet“ würde Jesus somit das Volk überraschen (vgl. Luz, 2007, 173f). Jesu rhetorische Fragen werden von vielen Exegeten wörtlich verstanden, wobei diese gleichwohl oftmals trotzdem von der gerade dargestellten Deutung abweichen. So betonen andere Vertreter des wörtlichen Deutungsmusters zwar auch, dass Schilf für die Wüste in der Jordangegend etwas Alltägliches gewesen sei; jedoch weisen sie darauf hin, dass Menschen in weichen Kleidern, also Höflinge, in der Wüste nicht oft anzutreffen gewesen seien. Für sie findet in v7 und v8 ein „Wechsel von Normalität und Absurdidät“ (Häfner, 1994, 219) statt, da man zwar in die Wüste hinausgehen könne, um entlang des Jordans Schilf zu sehen, es jedoch absurd gewesen sei, dort Höflinge zu vermuten. Hierbei stützen sie sich bisweilen auf die Verwendung des Wortes „oder“ (alla) zu Beginn von v8, welches es grundsätzlich möglich machen würde, zwischen v7 und v8 zwischen der Frage nach etwas in der Wüste Alltäglichen (Schilf) und etwas dort nie zu Findendem (Mensch in weichen Kleidern) zu wechseln (vgl. Häfner, 1994, 219; vgl. Grundmann, 1986, 306f).

Bei der metaphorischen Deutung werden das schwankende Rohr und der Mensch in weichen Kleidern als Bilder verstanden. Das schwankende Rohr kann dann als Bild für negative Charaktereigenschaften stehen. In der Forschung werden genannt: fehlende eigene Urteilskraft, Anpassungsfähigkeit (negativ), Charakterlosigkeit, Nachgiebigkeit, Wankelmütigkeit bzw. ganz allgemein Schwäche (vgl. Luz, 2007, 174; vgl. Gnilka, 1988, 413; vgl. Häfner, 1994, 219). All diese Charaktereigenschaften werden dann Johannes dem Täufer gerade nicht zugeschrieben; er gibt schließlich nicht nach und scheut auch die Konfrontation mit den Mächtigen nicht (vgl. Mt 14,4) (vgl. Wiefel, 1998, 213; vgl. Luz, 2007, 174). Die weichen Kleider können bei der metaphorischen Deutung als Hinweis auf einen negativ verstandenen Lebensstil aufgefasst werden. Sie stehen für Wohlleben und Üppigkeit (vgl. Gnilka, 1988, 413f; vgl. Häfner, 1994, 220). Auch dies steht im Kontrast zu dem Asketen Johannes, der ein Gewand aus Kamelhaaren trägt und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt bzw. fastet (vgl. Mt 3,4; vgl. Mt 11,18) (vgl. Luz, 2007, 174; vgl. Gnilka, 1988, 414).

Eine Verknüpfung von wörtlicher und metaphorischer Deutung, welche jedoch dem wörtlichen und dem metaphorischen Aspekt noch einen weiteren hinzufügt, stellt die so genannte emblematische Deutungsweise dar. Ihr zufolge steht das Schilfrohr in v7 für Herodes Antipas. Es ist belegt, dass Herodes Antipas anlässlich der Gründung seiner Hauptstadt Tiberias im Jahre 19 n.Chr. Münzen mit einem Schilfrohrmotiv prägen ließ (vgl. Theißen, 1985, 45f). Es sei daher denkbar, dass das Volk Herodes Antipas mit diesen Schilfrohrmünzen identifizierte und somit bei der Erwähnung eines schwankenden Rohrs sofort an diese Münzen und an Herodes Antipas gedacht habe. Somit wäre es dem matthäischen Jesus gelungen, auf eine äußerst geschickte Art und Weise das Augenmerk auf den Gegenspieler des Täufers, Herodes Antipas, zu richten und zugleich dessen Charakter zu kritisieren, indem er mittels des Schilfrohrmotivs Herodes mit den eingangs erwähnten negativen Charaktereigenschaften wie Wankelmütigkeit oder Charakterlosigkeit assoziativ verknüpft (vgl. Theißen, 1985, 51f; vgl. Luz, 2007, 174). Eine solche Zentrierung auf den Gegensatz zwischen Johannes dem Täufer und Herodes Antipas sei auch in v8 möglich, da der Mensch in weichen Kleidern auch eine Umschreibung für Herodes sein könne; in diesem Falle würde auch der Umstand, dass v8 nach „einem[!]  Menschen“ (anthropon) fragt, Sinn ergeben (vgl. Theißen, 1985, 52; vgl. Luz, 2007, 174). Herodes wäre also auch mit den eingangs erwähnten negativen Charaktereigenschaften Wohlleben und Üppigkeit verknüpft worden. Die emblematische Deutungsweise geht hierbei davon aus, dass der Name Herodes Antipas bewusst vermieden wurde, da es nicht opportun gewesen sei, ihn in diesem Zusammenhang direkt als Negativbeispiel zu nennen (vgl. Theißen, 1985, 51f).

Angesichts der Vielzahl der in der Forschung existierenden Deutungsmöglichkeiten von v7 und v8, die in diesem Bibelkommentar nur angerissen werden können, ist nicht mehr nachzuvollziehen, wie die Menschen des 1. Jahrhunderts n.Chr. Jesu rhetorische Fragen verstanden haben. Eines kann jedoch festgehalten werden: Die Absicht von v7 und v8 liegt darin, das Einverständnis der Hörer zu gewinnen, bevor diese in v9 mit der Aussage, Johannes sei „mehr als ein Prophet“ überrascht bzw. herausgefordert werden (vgl. Luz, 2007, 173f; vgl. Wiefel, 1998, 213). Der Skopus von v7-9 liegt somit in v9; das dort angesprochene „mehr als ein Prophet“ wird dann im weiteren Verlauf von Jesu Zeugnis über den Täufer erläutert (vgl. Luz, 2007, 174f; vgl. Schönle, 1982, 64).

2.2.2 Johannes als wiedergekommener Elia

Elia war ein israelitischer Prophet des 9. Jahrhunderts v.Chr., der im Nordreich unter den Königen Ahab (871-852) und Ahasja (852-851) auftrat (vgl. Thiel, 1999, 1209). Die Traditionen über ihn können im AT in 1Kön 17-19; 21; 2Kön 1 gefunden werden (vgl. Thiel, 1999, 1209; vgl. Seebaß, 1982, 498). 2Kön 2,1-18 zufolge ist er nicht gestorben, sondern von Gott in den Himmel entrückt worden (vgl. Seebaß, 1982, 501). Maleachi 3,23f knüpft an die Geschichte von Elias Entrückung an und kündigt die Wiederkehr des Elia als Vorläufer des Tages des Herrn an; Elia soll hiernach eines Tages auf die Erde zurückkehren, um Väter und Söhne wieder einander zuzuwenden und somit den Zorn Gottes abzuwenden (vgl. Thiel, 1999, 1210f; vgl. Seebaß, 1982, 501). Es ist sicher, dass im 1. Jahrhundert n.Chr. in jüdischen und frühchristlichen Kreisen die Eliatradition bekannt war und eine Vielzahl unterschiedlicher Erwartungen bezüglich einer Wiederkunft des Elia in der Endzeit existierten (vgl. Necker, 1999, 1211; vgl. Öhler, 1999, 185ff; vgl. Öhler, 2008, 332f).

Im Matthäusevangelium wird Johannes der Täufer als wiedergekommener Elia, also als Elia, der aus dem Himmel wieder in die Welt zurückgekehrt ist, identifiziert; entscheidende Belegstellen hierfür sind u.a. Mt 11,10 und Mt 11,14 (vgl. Öhler, 2008, 334). In v10 und v14 wird somit präzisiert, was Jesus meint, wenn er in v9 sagt, dass Johannes „mehr als ein Prophet“ (kai perissoteron prophetou) sei (vgl. Luz, 2007, 175; vgl. Wiefel, 1998, 213).

In Mt 11,10 sagt Jesus über Johannes, dass dieser derjenige sei, „von dem geschrieben steht“ (gegraptai): „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll“ (idou ego apostello ton aggelon mou pro prosopou sou, hos kataskeuasei ten hodon sou emprosthen sou). Hierbei handelt es sich um ein Mischzitat aus Mal 3,1 und Ex 23,20 (vgl. Gnilka, 1988, 414; vgl. Wiefel, 1998, 213; vgl. Öhler, 1999, 193f). In Mal 3,1 spricht Gott von einem Boten, den er senden wolle und der ihm den Weg bereiten werde. Durch die Verknüpfung mit Ex 23,20 wird diese Formulierung sprachlich so umgebaut, dass Gott nun in Mt 11,10 nicht mehr von einem Boten spricht, der ihm, also Gott selbst, den Weg bereiten werde, sondern stattdessen von einem Boten spricht, der einem anderen den Weg bereiten werde, der hier von Gott angesprochen wird. Somit hat eine Verschiebung stattgefunden. Während Mal 3,1 von einem eschatologischen Wegbereiter für Gott spricht, spricht nun Mt 11,10 von einem eschatologischen Wegbereiter für einen von Gott Angesprochenen (vgl. Hoffmann, 2011, 97f; vgl. Häfner, 1994, 223ff; vgl. Fiedler, 2006, 239). Wer ist nun aber dieser in Mt 11,10 von Gott Angesprochene, dem Johannes den Weg bereiten soll? Hier kann im Grunde nur Jesus gemeint sein. Somit würde Johannes als eschatologischer Wegbereiter des irdischen Jesus fungieren (vgl. Hoffmann, 2011, 97f; vgl. Öhler, 2008, 334).

Bedenkt man nun die weiter oben angeführten Erkenntnisse über die Eliatradition, so kann Mt 11,10 durchaus so verstanden werden, dass Johannes der wiedergekommene Elia ist. Wenn sich nämlich Mt 11,10 auf den in Mal 3,1 verheißenen Boten Gottes bezieht und dieser Bote Gottes wiederum in Mal 3,23f als Elia identifiziert wird, dann ist der logische Rückschluss, dass Mt 11,10 auch von Elia spricht (vgl. Luz, 2007, 175). Wenn der matthäische Jesus in v9 sagt, dass Johannes „mehr als ein Prophet“ sei, würde er also meinen, dass Johannes der Elia ist. All dies wird in v10 jedoch nur implizit angesprochen.

In v14 greift Jesus das Schriftzitat aus v10 wieder auf und spricht das dort implizit Gesagte nun explizit aus: Johannes der Täufer ist der verheißene Elia („er ist Elia“/autos estin Elias) (vgl. Luz, 2007, 180). Die auf den ersten Blick zögerlich anmutende Einleitung von v14 („und wenn ihr´s annehmen wollt“/kai ei thelete dexasthai) weist nicht darauf hin, dass es für den matthäischen Jesus fraglich ist, ob Johannes wirklich der Elia sei; vielmehr sagt sie aus, dass viele fälschlicherweise nicht anerkennen, dass Johannes der Elia ist und dass es Glauben benötige, Johannes als Elia zu akzeptieren (vgl. Öhler, 1997, 72; vgl. Häfner, 1994, 240).

Insgesamt stehen in v10 und v14 zwei Aspekte im Vordergrund: die Erfüllung der Schrift und der Glaube an den Messias Jesus (vgl. Öhler, 1999, 199). In der Forschung wird die Position vertreten, der Evangelist Matthäus zeige ein besonderes Interesse an der Erfüllung alttestamentlicher Verheißungen (vgl. Öhler, 1997, 76; vgl. Frankemölle, 1998, 121ff; vgl. Häfner, 1994, 405f). Da der matthäische Jesus als Messias zu verstehen ist, in dessen Wirken das Himmelreich anbricht, muss schon vor seinem Erscheinen zwingend der Elia aufgetreten sein, damit die matthäische Jesusgeschichte in Einklang mit den im 1. Jahrhundert n.Chr. den Menschen bekannten Überlieferungen steht (vgl. Häfner, 1994, 404f; vgl. Frankemölle, 1998, 118ff; vgl. Schröter, 2004, 205ff). Auch konnte so ein möglicherweise von orthodoxen Juden den Christen gegenüber geäußerter Vorwurf, Jesus könne nicht der Messias sein, da der Elia noch nicht dagewesen sei, verhindert werden (vgl. Öhler, 1997, 76f; vgl. Müller, 2002, 133). V10 und v14 sind daher nicht nur als heilsgeschichtliche Einordnung des Täufers zu verstehen, sondern auch als „messianisches Signal“ (Häfner, 1994, 404), d.h. als klares Statement für die Identifizierung Jesu als Messias (vgl. Häfner, 1994, 404ff; vgl. Öhler, 1997, 76f). Mt 11,10 und Mt 11,14 nehmen somit in gewissem Sinne bereits das Christusbekenntnis in Mt 16,16 vorweg und dienen nicht nur als Aufforderung zum Eliaglauben, sondern auch als „Werbung für den Christus-Glauben“ (Fiedler, 2006, 240) (vgl. Ernst, 1989, 170).

2.2.3 „Das Himmelreich“ (he basilieia ton ouranon)

Der für das Matthäusevangelium charakteristische Begriff „Himmelreich“ (he basilieia ton ouranon) wird in Mt 11,7-15 zweimal erwähnt: In v11 und v12, deren Auslegung jeweils höchst umstritten ist.

In dem „ambivalent wirkenden Doppelsatz“ (Gnilka, 1988, 415) in v11 heißt es, dass Johannes zwar unter allen von einer Frau Geborenen der Größte sei, aber der Kleinste/Kleinere im Himmelreich größer sei als Johannes. Der erste Teil dieser Aussage ist recht klar: keiner der vergänglichen Menschen ist größer als Johannes. Im zweiten Abschnitt von v11 kann ho mikroteros sowohl komparativisch als auch superlativisch verstanden werden; entweder ist also der Kleinere oder der Kleinste im Himmelreich größer als Johannes (vgl. Luz, 2007, 175).

Die Exegeten, welche eine komparativische Übersetzung bevorzugen, sind häufig der Ansicht, dass ho mikroteros Jesus bezeichne. In diesem Fall würde v11 aussagen, dass Jesus, der nach irdischen Maßstäben kleiner ist als Johannes, im Himmelreich größer ist als dieser. Da der matthäische Jesus als Messias, der matthäische Johannes aber ,nur‘ als Elia gesehen werden muss, ist es logisch, dass Jesus im Himmelreich der Größere dieser beiden ist; dass Jesus nach irdischen Maßstäben als kleiner als Johannes gilt, könnte dann z.B. darauf hinweisen, dass Jesus jünger war, von Johannes getauft wurde, unter den Zeitgenossen weniger angesehen war oder sogar evtl. andeuten, dass Jesus einst ein Schüler des Johannes gewesen war (vgl. Hoffmann, 2011, 100f; vgl. Fiedler, 2006, 239). Jedoch kann sich ho mikroteros, obschon dies ein Singular ist, auch auf die Jünger Jesu, die „in der Gemeinde tätigen neuen Propheten“ (Ernst, 1989, 63) oder die nachösterliche christliche Gemeinde als Ganzes beziehen (vgl. Wiefel, 1998, 213f; vgl. Luz, 2007, 176).

Jene Exegeten, die ho mikroteros superlativisch übersetzen, können fast alle in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Für die eine Gruppe der Exegeten steht in v11 im Vordergrund, dass Johannes der alten Heilsordnung angehöre und nicht der Zeit der Gottesherrschaft zugerechnet werden könne (vgl. Schmid, 1965, 191f; vgl. Becker, 1996, 139ff). Die zweite Gruppe der Exegeten, welche ho mikroteros superlativisch verstehen, sieht in v11 nicht die Aussage über Johannes als Skopus des Verses, sondern ist der Meinung, dass v11 aussagt, dass im Himmelreich die Verhältnisse radikal anders sein werden als dies die momentanen innerweltlichen Verhältnisse vermuten lassen. Wer im irdischen Leben als klein und unbedeutend gilt, könne trotzdem im Himmelreich groß sein; dies heiße jedoch, obschon sein Name fällt, nicht zwingend, dass Johannes der Täufer wirklich klein im Himmelreich sein werde (vgl. Gnilka, 1988, 415f; vgl. Häfner, 1994, 228f).

V12 ist „eines der größten Rätsel der Synoptikerexegese“ (Luz, 2007, 176). Es herrscht ein Konsens darüber, dass die Formulierung „Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute“ (apo de ton hemeron Ioannou tou baptistou heos arti) inklusiv und nicht exklusiv zu verstehen ist; d.h. seit der Täufer aufgetreten ist, geschieht etwas Besonderes mit dem Himmelreich (vgl. Tilly, 1994, 95; vgl. Gnilka, 1988, 416f; vgl. Grundmann, 1986, 308). Was aber genau mit dem Himmelreich vorgeht, hängt davon ab, wie he basilieia ton ouranon biazetai kai biastai harpazousin auten übersetzt wird. In der aktuellen Forschung werden drei Möglichkeiten genannt: Die medial-positive Deutung, die passiv-positive Deutung und die passiv-negative Deutung (vgl. Luz, 2007,  177f; vgl. Wiefel, 1998, 214).

Bei der medial-positiven Deutung wird das Himmelreich als Subjekt angesehen, welches sich seit den Tagen des Täufers unaufhaltsam Bahn bricht. Die Anhänger Jesu reagieren darauf, indem sie mit aller Entschlossenheit danach streben, das Himmelreich zu ergreifen (vgl. Luz, 2007, 177; vgl. Wiefel, 1998, 214). Nach der passiv-positiven Deutung wird das Himmelreich von den Anhängern Jesu ungestüm erstrebt, da sie alle Hindernisse überwinden, welche sie vom Himmelreich trennen und durch Glaube, Reue, Askese und Hören auf die Worte Jesu das Himmelreich anstreben (vgl. Luz 2007, 177).

Diese beiden positiven Deutungsweisen vernachlässigen die Tatsache, dass biazo, ho biastes und harpazo im Sprachgebrauch des 1. Jahrhunderts n.Chr. fast ausschließlich negativ verwendet wurden; bezieht man also den zur damaligen Zeit üblichen Sprachgebrauch in die eigenen Überlegungen mit ein, so muss die passiv-negative Deutung vorgezogen werden (vgl. Fiedler, 2006, 240; vgl. Luz, 2007, 176ff; vgl. Ernst, 1989, 69). Nach ihr erleidet das Himmelreich Gewalt und wird von den Gewalttätigen in Besitz genommen oder bekämpft. Hierbei werden die Gewalttätigen in der Forschung als Gegner Jesu und des Täufers, also z.B. als jüdische Schriftgelehrte und Pharisäer, Zeloten, politische Gegner (z.B. Herodes Antipas), dämonische Mächte, aber auch übereifrige Schüler Jesu bzw. des Täufers identifiziert (vgl. Gnilka, 1988, 417; vgl. Wiefel, 1998, 214; vgl. Luz, 2007, 178f; vgl. Fiedler, 2006, 240). 

Abschließend ist hier zu sagen, dass eine endgültige Deutung von v11 und v12 heute nicht mehr möglich ist; was der matthäische Jesus hier aussagen will, kann nicht mehr sicher rekonstruiert werden. Dies erschwert die Interpretation von Mt 11,7-15 erheblich, da in v11 und v12 entscheidende theologische Aussagen gemacht werden, die die Stellung Johannes des Täufers zum Himmelreich beleuchten und die bei einer Gesamtanalyse von v7-15 nicht übergangen werden dürfen. Die extrem unterschiedlichen Deutungen der Figur des Täufers im Matthäusevangelium (siehe „4. Stimmen aus der Forschung: Das Verhältnis des Täufers zu Jesus“) beruhen daher zu einem nicht unerheblichen Teil auf den Schwierigkeiten bei der Interpretation von Mt 11,11 und Mt 11,12.

3. Diachrone Zugangsweise: Die Quellen des Matthäus

Der Grundbestand von Mt 11,7-11, wozu eine Parallelstelle in Lk 7,24-28 existiert, wird in der aktuellen Forschungsliteratur einhellig der Logienquelle Q zugerechnet. Der Wortlaut von Mt 11,7-11 und Lk 7,24-28 ist fast identisch, weswegen davon ausgegangen werden kann, dass beide Evangelisten hier kaum Veränderungen im Vergleich zu Q vorgenommen haben (vgl. Häfner, 1994, 192; vgl. Luz, 2007, 172; vgl. Grundmann, 1986, 306). Oft wird sogar angenommen, dass Mt 11,7-9 sowie evtl. auch der erste Teil von Mt 11,11 direkt auf authentisches Jesusgut zurückgehen (vgl. Wiefel, 1998, 212; vgl. Hoffmann, 2011, 97).

In Mt 11,7-11 dürften relativ sicher ego („ich“) in v10 sowie Ioannou tou baptistou („Johannes der Täufer“), he basileia ton ouranon („das Himmelreich“) und Amen („Wahrlich“) in v11 auf Matthäus zurückgehen; bisweilen werden jedoch auch ho Iesous („Jesus“) und touton poreuomenon („als sie fortgingen“) in v7 der Redaktion des Matthäus zugerechnet (vgl. Häfner, 1994, 192ff; vgl. Luz, 2007, 172).

Auch ein Äquivalent zu Mt 11,12f findet sich im Lukasevangelium, weswegen auch der Grundbestand dieser beiden Verse wohl in Q stand (vgl. Luz, 2007, 172; vgl. Häfner, 1994, 197). Jedoch ist hier die Situation komplexer als bei Mt 11,7-11. So findet sich das Äquivalent zu Mt 11,12f bei Lukas in einem ganz anderen Zusammenhang; nämlich in Lk 16,16, wo es als Teil einer Rede Jesu an die Pharisäer fungiert. Ob Matthäus Mt 11,12f in Q an anderer Stelle gefunden und in Jesu Zeugnis über den Täufer integriert hat oder ob vielmehr Lukas diese Passage aus Jesu Zeugnis über den Täufer gestrichen und stattdessen in die Rede an die Pharisäer eingebaut hat, kann von der Forschung nicht abschließend beantwortet werden (vgl. Häfner, 1994, 197f; vgl. Luz, 2007, 172f). Häufiger wird jedoch die Position vertreten, Matthäus habe Mt 11,12f in Q in einem anderen Zusammenhang gefunden und dann in Jesu Zeugnis über den Täufer eingefügt (vgl. Fiedler, 2006, 239; vgl. Walter, 2001, 142).

Da zwischen Mt 11,12f und Lk 16,16 große sprachliche Unterschiede bestehen, kann die ursprüngliche Fassung dieser Verse in Q kaum mehr rekonstruiert werden. Auf Matthäus selbst dürften in Mt 11,12f wohl die Formulierungen apo de ton hemeron Ioannou tou baptistou heos arti („Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute“) und he basilieia ton ouranon („das Himmelreich“) in v12 sowie pantes („alle“) und epropheteusan („sie haben geweissagt“) in v13 zurückgehen (vgl. Luz, 2007, 172; vgl. Häfner, 1994, 198ff). Ebenso werden ihm die Partikel de („aber“) in v12 und gar („denn“) in v13 zugerechnet (vgl. Ernst, 1989, 64). Außerdem soll Matthäus an zwei Stellen die Reihenfolge verändert haben: Zum einen wird vermutet, dass Matthäus in Q die feste Formulierung ho nomos kai hoi prophetai („das Gesetz und die Propheten“) vorgefunden und diese in pantes prophetai kai ho nomos („alle Propheten und das Gesetz“) umgeändert habe, um die weissagende Funktion der Propheten im Zusammenhang mit Johannes dem Täufer besonders zu betonen (vgl. Häfner 1994, 201f; vgl. Fiedler, 2006, 239). Zum anderen herrscht in der Forschung die Meinung vor, Matthäus habe den Grundbestand von v12 und v13 in umgekehrter Reihenfolge in Q vorgefunden und diese beiden Verse umgestellt; tatsächlich erscheint dies schlüssig, da in Lk 16,16 im Vergleich zu Mt 11,12f die umgekehrte Reihenfolge gewählt wurde und die Zeitenabfolge von Mt 11,12 (Gegenwart) zu Mt 11,13 (Vergangenheit) ungewöhnlich ist (vgl. Luz, 2007, 172; vgl. Häfner, 1994, 200f).

Da sich zu Mt 11,14f weder eine Parallele bei Markus noch bei Lukas findet und sie sprachlich und theologisch gut zu Matthäus passen, werden diese Verse als redaktionelle Bildung des Matthäus gesehen, mit Hilfe derer erstens die in v10 implizit angedeutete Elia-Identifikation des Johannes explizit ausgesprochen (v14) und zweitens auf die Bedeutung von Jesu Zeugnis über den Täufer (v15) hingewiesen werde (vgl. Ernst, 1989, 170; vgl. Schönle, 1982, 53f; vgl. Luz, 2007, 172).

4. Stimmen aus der Forschung: Das Verhältnis des Täufers zu Jesus

4.1 Johannes als ,Nebenmann‘ Jesu

In seiner Analyse von Mt 11 kommt Volker Schönle zu dem Schluss, dass „Johannes der Täufer eindeutig Jesus positiv zugeordnet ist“ (Schönle, 1982, 140). Obschon Schönle angibt, dass Johannes als elianischer Vorläufer Jesu natürlich grundsätzlich von diesem unterschieden sei, ist für ihn doch das Neben- und Miteinander von Jesus und Johannes das entscheidende Motiv in der Täuferdarstellung des Matthäus (vgl. Schönle, 1982, 140ff). Hierbei bezieht sich Schönle auf Gemeinsamkeiten in der Predigt von Jesus und Johannes und betont darüber hinaus besonders die in Mt 11,10.14 zum Ausdruck kommende eschatologische Bedeutung des Johannes, welche für Schönle fast genauso hoch einzuschätzen zu sein scheint wie die eschatologische Bedeutung Jesu (vgl. Schönle, 1982, 64f, 74, 142). So stehen Johannes und Jesus „als die Inauguratoren der Heilszeit nebeneinander“ (Schönle, 1982, 142), in deren gemeinsamen Auftreten sich der Anbruch der Heilszeit vollzieht (vgl. Schönle, 1982, 140ff).

4.2 Johannes als vom Himmelreich Ausgeschlossener

Jürgen Becker sieht in Mt 11 die Tendenz, Jesus von Johannes abzugrenzen, als entscheidendes Motiv an; hierbei bezieht er sich besonders auf Mt 11,11 und Mt 11,13. Für ihn sagt v11 aus, dass der Kleinste im Himmelreich größer sei als Johannes, wodurch Johannes gewissermaßen degradiert werde: „Das geringste menschliche Geschöpf, gehört es zur Gottesherrschaft, ist größer als Johannes. Damit ist Johannes aus der Gottesherrschaft ausgeschlossen. Zwischen ihm und Jesus mit seiner Verkündigung der Gottesherrschaft ist eine Trennung“ (Becker, 1996, 140). Darüber hinaus deutet Becker „bis hin zu Johannes“ (heos Ioannou) in v13 inklusiv, wodurch Johannes der Täufer der Zeit des Gesetzes und der Propheten und nicht der Zeit Jesu und der Gottesherrschaft zugeordnet wird (vgl. Becker, 1996, 141).

4.3 Johannes zwischen Angleichung und Unterordnung

Für Gerd Häfner sind im Matthäusevangelium sowohl Elemente der Angleichung als auch der Unterordnung von Johannes dem Täufer gegenüber Jesus vertreten. Als Elemente der Angleichung nennt er z.B. „das Himmelreich“ (he basilieia ton ouranon), welches sowohl mit Jesus als auch mit Johannes in Verbindung gebracht und von beiden gepredigt wird (vgl. Mt 3,2; vgl. Mt 11,11f), sowie die Ankündigung des Messias Jesus und des Elia Johannes in der Schrift (vgl. Mt 11,10.14) (vgl. Häfner, 1994, 401f). Ein Indiz für die Unterordnung des Täufers sieht Häfner besonders in Mt 11,10 gegeben, da hier Johannes eindeutig als Vorläufer und Wegbereiter Jesu identifiziert werde (vgl. Häfner, 1994, 402f); laut Häfner verweist das Auftreten des Elia Johannes im Matthäusevangelium somit in erster Linie als „messianisches Signal“ (Häfner, 1994, 404) auf den Messias Jesus (vgl. Häfner, 1994, 404ff). Somit sind für Häfner Elemente der Angleichung und der Unterordnung des Täufers im Matthäusevangelium gleichermaßen vertreten: „Wenn nun der Täufer-Elija vorwiegend dadurch ausgezeichnet ist, daß er vor Jesus hergeht und den Weg bereitet (Mal 3,1/Ex 23,20 in Mt 11,10), ist auch verständlich, daß er einerseits an Jesus angeglichen wird, weil er als Vorläufer etwas von dem vorweg nimmt, was auch das Wirken Jesu bestimmt, andererseits aber von Jesus abgesetzt wird, weil er nur der Vorläufer ist“ (Häfner, 1994, 407).

5. Literaturverzeichnis

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