Die Auferstehung Jesu

Julia Degenhardt

Kurzbeschreibung:
„Und sie kamen heraus und flohen von dem Grab, denn es hatte sie Zittern und Entsetzen erfasst; und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.“ (Mk 16,8). Kann ein Evangelium, eine gute Nachricht, mit dem Schrecken enden? Die Frauen, welche Zeuginnen des leeren Grabes Jesu sowie der Auferweckungsbotschaft geworden sind, fliehen aus Furcht von dem Grab und schweigen. Warum lässt Markus seine Evangelienschrift mit dem Schrecken enden? Weshalb sollten die Frauen über die Auferweckung Jesu schweigen? Und aus welchem Grund erscheint der Auferstandene niemandem? Diese und andere Fragen sollen in Bezug auf den Schluss des Markusevangeliums im Folgenden beantwortet werden.
Zusätzliche Autoreninformation: Julia Degenhardt
Studentin, Universität Kassel
Kategorie:
Bibeltheologische Komm.
Schulform:
Grundschule Hauptschule Realschule Gymnasium
Bibelstellenbezug:
Mk 16,1-8
Weitere Schlagworte:
Auferstehung; Auferweckung; Bote; Engel; Frau; Frauen; Grab; Grab Jesu; Jesus; Tod

1. Erster Leseeindruck

Am Morgen nach dem Sabbat beschließen die Frauen, welche auch Zeuginnen des Sterbens Jesu gewesen sind, dessen Leichnam zu salben und gehen zu seinem Grab. In diesem finden sie jedoch nicht den Körper des Toten, sondern einen höchst lebendigen jungen Mann, der sie darauf hinweist, dass Jesus auferweckt worden ist und sich nicht mehr hier befindet. Die Botschaft der Auferweckung Jesu wird in Mk 16,1-8 an die Frauen weitergegeben, diese fürchten sich jedoch und schweigen. Der Rezipient erwartet hier nicht den Schrecken, wenn er auch nachvollziehbar ist, sondern die folgende Verkündigung des Auferstandenen. Diese Erwartung wird allerdings enttäuscht.


2. Synchrone Zugangsweise: Die Frauen am Grab

2.1. Abgrenzung und Kontext

Der Abschnitt Mk 16,1-8 bildet inhaltlich mit der Ostererzählung das eigentliche Ende des Markusevangeliums. Ihm gehen das Sterben und der Tod Jesu sowie dessen Grablegung voraus. Nach der Erzählung des ältesten Evangelisten wird Jesus von Nazareth schließlich an der Stätte Golgatha gekreuzigt. Seinen Tod beobachten unter anderem auch die Frauen Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, sowie Salome, welche Jesus bereits zuvor auf seinem Weg nach Jerusalem begleitet haben (Mk 15,40-41). Diese Frauen werden später auch die Entdeckung des leeren Grabes Jesu machen.

Nach Jesu Tod, am Abend des Vorsabbats, geht Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, zu Pilatus und bittet diesen um den Leib des Gestorbenen. Pilatus gewährt ihm seine Bitte und so ist es schließlich Josef, der den Toten in das Felsengrab bringt und dort in ein weißes Leinentuch gewickelt niederlegt. Josef wälzt einen großen Stein vor die Öffnung des Grabes und die Einzigen, welche dem Vorgang beiwohnen, sind wiederum Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus (Mk 15,42-47).

Nach der Grablegung folgt nun die Auferstehungserzählung Jesu, die das Ende des Evangeliums darstellt. Aufgrund dieses scheinbar plötzlichen Endes wurde einerseits vermutet, das tatsächliche Ende von Markus sei verloren gegangen, andererseits wurde später, wegen des allem Anschein nach fehlerhaften Endes, ein angemessenes Ende 16,9-20 hinzugefügt. Weshalb Mk 16,1-8 jedoch als wirklicher Evangeliumsschluss angesehen werden kann, soll im Folgenden deutlich gemacht werden.

2.2. Gliederung

Die Perikope kann zunächst inhaltlich in mehrere Teile untergliedert werden.

16,1-2 bildet die Einleitung mit dem Vorhaben der Frauen, die sich am frühen Morgen mit wohlriechenden Ölen auf den Weg zum Grab machen, um den Körper Jesu zu salben.

In 16,3-5 wird die folgende Auferweckungsbotschaft eingeleitet. Die Frauen machen sich auf dem Weg zum Grab Sorgen, wer nun den großen Stein vor der Tür wegwälzen könne, müssen bei ihrer Ankunft jedoch feststellen, dass dieser bereits nicht mehr vor dem Eingang liegt. Als sie das Innere des Felsengrabes betreten, erschrecken sie, da sie sich einem weißgewandeten jungen Mann gegenüber sehen.

Ihr Schrecken wird in 16,6-7 von dem Fremden zum Anlass genommen, um den Frauen die Botschaft von der Auferstehung mitzuteilen. Er sagt ihnen, sie sollen nicht erschrecken. Jesus, der Nazarener, der Gekreuzigte, sei auferweckt worden, er sei nicht mehr hier, wo man ihn hingelegt hat. Des Weiteren schickt er die sich fürchtenden Frauen zu Petrus und den Jüngern, damit sie dies auch ihnen verkündigen. Jesus werde nach Galiläa, wo sie ihn schließlich sehen würden, vorausgehen.

Mit 16,8 werden die Perikope und damit auch das Evangelium beendet. Die Frauen flüchten von dem Grab und schweigen aus Furcht und Entsetzen über die ihnen verkündete Botschaft.

2.3. Exegetische Untersuchung

Aufgrund ihres außergewöhnlichen Endes unterscheidet sich die Ostererzählung des Markusevangeliums stark von den Ostererzählungen der anderen Evangelien. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die abschließende Perikope letztlich zu verstehen ist, da sie ein solch auffälliges Ende aufweist. Um ihre Funktion und Aufgabe im Ganzen erschließen zu können, ist es nötig, sich zunächst ihrem Inhalt im Einzelnen zu widmen.

Die Erzählung des Markus endet in der vorausgehenden Perikope drei Tage zuvor, am Abend der Kreuzigung Jesu, dem Abend des Vorsabbats, einem Freitag (15,42). Am Morgen des Tages nach dem Sabbat, am Sonntag, beschließen die Frauen Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, sowie Salome, den Leib Jesu mit Ölen zu salben (16,1). Auf den Grund für dieses Vorhaben geht Markus jedoch nicht ein. Es scheint hier eher der Fall zu sein, dass er selbst den Plan der Frauen als Grund benötigt, weshalb diese sich drei Tage nach der Kreuzigung Jesu auf den Weg machen, dessen Körper zu salben (vgl. Lindemann, 2009, 65). Andererseits ist es gut vorstellbar, dass die Frauen aus Zuneigung zu Jesus handeln und ihm eine letzte Ehre erweisen wollen, indem sie seinen Leichnam salben.

Gleich am frühen Morgen, direkt nach Sonnenaufgang, gehen die Frauen zu dem Grab (16,2). Sie können es scheinbar nicht erwarten, dort hinzugelangen. Weshalb sonst hätten sie sich so früh auf den Weg gemacht? Andererseits stellt sich die Frage, ob sie nicht wollten, dass sie jemand sieht oder ihnen folgt.

In v2 führt Markus allein durch das Wort „Grab“ (mnemeion) ein Sorgenmotiv ein, welches sich auch im Folgenden fortsetzen wird. Hier wird deutlich, wie schwer der Gang der Frauen zum Grab Jesu ist, welches die Verkörperung ihres Leids darstellt. Das Grab fasst schließlich das gesamte Elend des Karfreitags zusammen, welches die Menschen bedrückt.

Eine weitere Besonderheit dieser ersten beiden Verse sind die Zeitangaben, von denen hier vier vorzuweisen sind: 1. „Als der Sabbat vergangen war“, 2. „sehr früh morgens“, 3. „am ersten Wochentag“, 4. „als die Sonne aufgegangen war“.

An den Zeitangaben lässt sich ein Licht bringendes, heilvolles Schöpfungshandeln festmachen, da alle Formulierungen einen Neubeginn beschreiben. Der Karfreitag ist vorüber, der Sabbat vergangen. Nun beginnt ein neuer Tag, es ist früh am Morgen und die Sonne ist gerade aufgegangen. Diese vier Zeitangaben drängen den Rezipienten gerade zu der Annahme, dass nun etwas Erstaunliches, Heil Bringendes folgen muss (vgl. Klumbies, 2008, 15).

Bevor es jedoch soweit ist, gilt es noch einmal auf das zuvor benannte Sorgenmotiv zu schauen. In v3 setzt sich dieses fort. Nun stellt sich den Frauen die Frage, wie sie eigentlich den Stein von dem Grabeingang entfernen können. Wer vermag diesen Stein wegzuwälzen? Hätten die drei Frauen ihr Vorhaben besser bedacht, wären sie vielleicht schon zuvor auf dieses Problem gestoßen, da sie schließlich anwesend waren als das Grab geschlossen wurde. Andererseits kann fast davon ausgegangen werden, dass drei Frauen einen Stein wegrollen können, den zuvor ein einzelner Mann vor den Eingang gewälzt hat. Aber auch dies muss nicht weiter hinterfragt werden, da sich die Sorge der Frauen als überflüssig erweist: Der Stein ist bereits von dem Eingang entfernt worden, das Grab liegt offen vor ihnen (15,4). Es ist leicht nachvollziehbar, wie erleichtert die Frauen gewesen sein müssen, da sich ihr Problem von selbst gelöst hat. Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, ob sie nicht auch ein wenig skeptisch hätten sein müssen, da das Grab bereits geöffnet gewesen war. Davon jedoch schreibt Markus nichts (vgl. Lindemann, 2009, 66).

Vers 4 endet mit der Feststellung „Er war nämlich sehr groß“. Natürlich muss der Stein groß gewesen sein. Wie hätte er ansonsten ein Grab verschließen können oder weshalb hätten sich die Frauen sonst gesorgt.

Hier scheint Markus nicht mehr auf die Größe des Steins zurückgreifen zu wollen. Stattdessen weist er auf das kommende Geschehen hin. Das, was in zukünftiger, greifbarer Nähe liegt, wird etwas Großes sein. Erneut wird der Leser auf das heilvolle Schöpfungshandeln hingewiesen, welches sich anbahnt. Zusätzlich lässt die Erwähnung der Größe darauf schließen, wenn hier auch keine eindeutige, lichtvolle Zeitangabe vorliegt wie zu Beginn der Perikope.

Scheinbar ohne zu zögern, betreten die Frauen nun das Felsengrab. Was sie jedoch vorfinden, erschreckt sie. Sie hatten trotz des geöffneten Grabes den Leichnam Jesu erwartet. Stattdessen finden sie einen jungen Mann zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem weißen Gewand. Ihr Schrecken ist nachvollziehbar. Statt dem in dem Grab vermuteten Toten finden sie einen fremden Mann vor. Kann dies nicht gleichzeitig bedeuten, dass die Frauen nicht auf die Auferweckungsbotschaft vorbereitet sind? Hätten sie diese vermuten können, wären sie dann jäh von Furcht ergriffen worden? Wahrscheinlich nicht.

Die Frauen gingen davon aus, einen Toten vorzufinden. Sie sahen schließlich mit eigenen Augen wie Jesus starb. Gleichzeitig gingen sie also auch von der Endgültigkeit des Todes aus, die eine Auferweckung eines Toten nicht in Betracht zieht. Das, was sie nun erleben, ist ihnen also völlig fremd und trifft sie gänzlich unvorbereitet (vgl. Alkier, 2009, 88).

Bevor zur Auferweckungsbotschaft übergegangen wird, soll zunächst der junge, in weiß gewandete Mann näher betrachtet werden.

Nach der antiken Mythologie ist bereits im positiven Sinn verheißungsvoll, dass der fremde Mann jung und sein Gewand weiß ist. Beides verspricht Gutes (vgl. Klumbies, 2008, 13). Es stellt sich die Frage, was den Mann in das Grab führt. Wo ist der Leichnam Jesu? Was spielt der Fremde für eine Rolle? Hier gehen die Meinungen stark auseinander. So kann der junge Mann beispielsweise als völlig unwichtig angesehen werden. Es ist schließlich egal, wer er ist oder woher er kommt. Seine Person rückt vollkommen in den Hintergrund. Das, was wirklich wichtig und entscheidend ist, ist die Tatsache, was er den Frauen zu sagen hat. Diese Worte, seine Botschaft, stellen die Mitte der Erzählung dar, auf sie kommt es an (vgl. Lindemann, 2009, 67).

Aber warum macht Markus sich dann überhaupt die Mühe, diesen Unbekannten näher zu beschreiben? Ist es wirklich unwichtig, wer er ist, oder könnte die Bedeutung seiner Person nicht auch die Bedeutung seiner Worte vergrößern bzw. untermauern?

Bereits in Mk 9,3 ist die Rede von glänzenden Gewändern. Jesus steigt auf einen Berg und wird vor den Augen von Zeugen umgestaltet: Seine Gewänder werden glänzend, sie werden so weiß, dass sie nicht mehr irdisch sein können. Hier geschieht etwas Göttliches, Nicht-Menschliches. Aus diesem Vers lässt sich auch die Bedeutung der glänzenden, weißen Gewänder für Markus ableiten (vgl. Alkier, 2009, 88).

Wird nun erneut der junge, in weiß gewandete Mann betrachtet, so muss dieser dem Leser als ein himmlischer, von Gott Gesandter erscheinen. In den Augen von Markus kann es keine andere Möglichkeit geben. Die Frauen sehen sich einem himmlischen Boten gegenüber, vor dem sie sich zu Recht fürchten. Hier ist jedoch nicht nur der Schrecken gemeint, sondern auch die Furcht vor dem Göttlichen – die Ehrfurcht.

Die Bedeutung dieses jungen Mannes sollte demnach auf keinen Fall zu gering bemessen werden. Ein weiterer Hinweis auf seine bedeutsame Funktion ist die Formulierung „zur Rechten sitzen“. Der Leser kennt diesen Ausdruck heute vor allem aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis: „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“. Auch dort hat diese Formulierung Einzug erhalten. Bedeutsam an ihr ist, dass der rechte Platz ein Ehrenplatz ist. Er ist ein gebührender Platz, der Gutes verheißt und nur denjenigen zugewiesen wird, die göttliches Vertrauen genießen (vgl. Klumbies, 2008, 13). Der in dem Grab sitzende Jüngling ist ein von Gott Gesandter, ein himmlischer Bote, der das göttliche Vertrauen besitzt. Seine Bedeutung weist somit auch auf die enorme Bedeutung seiner folgenden Worte hin. Die Leser sollten also aufmerksam sein.

„Erschreckt nicht“ heißt es. Zunächst verwundert es nicht, dass die Frauen dennoch erschrocken sind und sich fürchten, auch wenn der junge Mann sie zu beschwichtigen versucht. Schließlich finden sie sich in einer gänzlich anderen Situation wieder als sie eigentlich erwartet hatten.

„Jesus sucht ihr, den Nazarener, den Gekreuzigten“, mit dieser Aussage formuliert der Bote in wenigen Worten die Lebensgeschichte des irdischen Jesu. Ein Mann namens Jesus, welcher aus Nazareth stammt, ist tot. Er wurde gekreuzigt (vgl. Klumbies, 2008, 10).

„Erweckt wurde er, er ist nicht hier“ und gleich im Anschluss spricht der Bote das Auferweckungsbekenntnis aus. Hier, wo ihr ihn sucht, ist er nicht mehr. Er ist nicht mehr der irdische Jesus. Er ist nämlich auferweckt worden – und zwar von Gott. Er wurde erweckt (egerthe). Er ist nicht selbst von den Toten auferstanden, sondern hier war göttliches Handeln am Werk, das angekündigte heilvolle Schöpfungshandeln. Dies lässt sich auch daraus schließen, dass egerthe im Aorist Indikativ Passiv steht. Hier ist das Passiv ein passivum divinum, also ein göttliches Passiv, welches das Handeln Gottes ausdrückt.

Der von Gott Gesandte verkündet den Frauen, dass der gekreuzigte Jesus von Nazareth durch Gottes Tat auferweckt worden ist. Außerdem weist er sie darauf hin, dass Jesus sich schließlich nicht mehr auf der Stätte befindet, wo sie ihn hingelegt haben. Hingelegt hatten ihn jene, welche seinen Tod zu verantworten haben. Der gekreuzigte Jesus ist nicht länger der irdische Jesus, er ist auf der Erde nicht mehr zu finden. Jedenfalls nicht so, wie er es vorher gewesen ist.

In v7 verkündet der Bote den Frauen, dass sie die Botschaft des auferweckten Jesus an dessen Jünger und an Petrus weitergeben sollen, denn Jesus geht ihnen nach Galiläa voraus. In Galiläa wird man ihn finden können, wie er selbst gesagt hat.

Wie ist diese Begegnung mit dem Auferweckten zu verstehen? Nach Galiläa aufzubrechen, würde für die Frauen gleichzeitig heißen, zurückzugehen in ihre Heimat, von wo aus sie Jesus gefolgt sind. An dieser Stelle kann der Leser verstehen, dass die Frauen Jesus begegnen, indem sie wieder in ihre Heimatstadt Galiläa gehen und zu dem Schluss gelangen, dass Jesus dort zu treffen ist, wo der Mensch beheimatet ist. Dann ist Galiläa nicht mehr nur ein geographischer Ort, sondern ein Synonym für Heimat. Was wiederum heißen würde, dass der Mensch Jesus überall begegnen kann. Markus spricht hier demnach nicht nur die Frauen an, sondern er wendet sich an alle Leser seines Evangeliums (vgl. Klumbies, 2008, 9).

Der letzte Vers des Evangeliums besagt, dass die Frauen das Grab verlassen. Aber nicht, um nach Galiläa zu gehen und die Auferweckungsbotschaft zu verkündigen – nachdem der himmlische Bote die Frauen selbst zu Botinnen gemacht hat – sondern, um zu fliehen. Furcht und Entsetzen hatte sie ergriffen und aus Furcht erzählten sie schließlich niemandem von der Auferweckung Jesu.

Nun stellt sich die Ausgangsfrage dieser Perikope: Warum lässt Markus sein Evangelium mit dem Schrecken und der Nicht-Verkündigung enden? Was können die Frauen tun, damit sie sich nicht vor der Auferweckungsbotschaft fürchten und stattdessen an diese glauben?

Wenn die Frauen nicht an die Auferweckung Jesu glauben, müssen sie einen Weg finden, dies zu tun. Dazu müssten sie jedoch nach Galiläa gehen. Nicht zurück nach Galiläa, sondern an den Anfang. Dorthin, wo alles begann. Demnach sollten sich auch die Leser wieder an den Anfang (arche) begeben und die Geschichte Jesu von neuem verfolgen. Wer Jesus begegnen und ihn sehen will, der muss an den Anfang zurückkehren. Denn der Mensch wird Jesus nicht in den mystischen Visionen des Auferstandenen treffen, sondern dort, wo er beheimatet ist. Jesus wird den Menschen in seinen irdischen Erzählungen vorausgehen, und sie können ihm begegnen, wenn sie ihm folgen. Das heißt, in der Entstehung der Botschaft selbst, also auf dem Weg Jesu von Galiläa nach Jerusalem, kann der Mensch ihn sehen. Jener soll nicht der Erscheinung des Auferstandenen begegnen, sondern er soll den Glauben an ihn finden und erfahren, indem er seinen Weg im Evangelium immer wieder begleitet. Gleichzeitig soll gelernt werden, an den jungen Mann in weißem Gewand und an dessen Verkündigungsworte zu glauben. Wenn dann schließlich die Furcht vor dem Auferweckungsgeschehen besiegt ist, so wird an den Auferweckten geglaubt, er wird verkündigt und die Glaubenden wissen, dass Gott in seinem heilvollen Schöpfungshandeln den Tod überwunden hat (vgl. Lindemann, 2009, 71f).

Das Ende des Markusevangeliums hat demnach seine volle Berechtigung und kann dem Adressaten auch ohne das zusätzliche Ende ein Evangelium, eine gute Nachricht, sein. Durch den (Lese-)Kreislauf der Lektüre wird das Evangelium bei Markus selbst zum Ort der Begegnung mit Jesus (vgl. Klumbies, 2008, 8).


3. Diachrone Beobachtungen: Trost in der Gemeinde

3.1 Entstehungszeit

Zunächst gilt es festzuhalten, dass das Markusevangelium das älteste der vier Evangelien, jedoch undatiert sowie anonym überliefert worden ist.

Man kann anhand der Auslegung der apokalyptischen Rede in Mk 13 allerdings davon ausgehen, dass die Schrift kurze Zeit nach der Eroberung Jerusalems im jüdisch-römischen Krieg entstanden sein muss (70 n. Chr.). Diese Annahme erschließt sich einerseits daraus, dass der Verfasser in dem Kapitel apokalyptische Ahnungen äußert, welche noch Folgen der Eindrücke des vorausgegangenen Krieges sein könnten, andererseits geschah auch die Tempelzerstörung zu Kriegszeiten. Damit liegt auch die Vermutung nahe, dass der Verfasser mit dem Evangelium seiner Gemeinde für die Zeit der Verfolgungen und des Elends Mut zusprechen wollte. Verfolgungen fanden während des Krieges und im Anschluss an ihn besonders in Bezug auf die dem Judentum verbundenen Gruppen in Syrien statt (vgl. Becker, 2006, 77f).

3.2 Verfasser

Der Verfasser des Markusevangeliums ist nach einigen Ansichten ein unbekannter Heidenchrist. Nach Papias von Hierapolis (ca. 250. n. Chr.) jedoch ist für diese Schrift der Dolmetscher des Apostels Petrus verantwortlich – ein gewisser Markus. Papias beruft sich dabei auf eine mündliche Überlieferung des Presbyters Johannes (100 n. Chr.). Für die Wahrheit dieser Vermutung spricht die besondere Stellung, welche Petrus in der Schrift zuteil wird (z.B. Mk 16,7). Gleichzeitig ließe sich mithilfe 1 Petr 5,12f ein Zusammenhang herstellen, demzufolge Markus ein Begleiter des Petrus gewesen sein könnte. Anlässlich der genannten Gründe kann davon ausgegangen werden, dass der Verfasser des Markusevangeliums tatsächlich ein Christ namens Markus gewesen sein könnte, welcher uns ansonsten aber unbekannt ist. Als Abfassungsort wird aufgrund des Zeugnisses des Irenäus (180 n. Chr.) Rom genannt. Dies ist u.a. deshalb möglich, da von dort auch der 1. Petrusbrief stammt. Dagegen spricht, dass in Markus keine direkten Bezüge zu Rom erkennbar sind, weshalb die Schrift aufgrund geographischer Kenntnisse des Verfassers auch in Syrien verfasst worden sein könnte (vgl. Pokorny / Heckel, 2007, 374f).

3.3 Sitz im Leben

Das Evangelium hat im Gottesdienst, wo es gelesen bzw. vorgelesen wird, seinen Sitz im Leben der Gemeinde. Wie bereits angeklungen ist, hat der Verfasser das Evangelium angrenzend an den Jüdischen Krieg geschrieben. Es sollte sich daher ganz auf die Belange der Gemeinde beziehen, welche sich mit den Folgen des Krieges auseinanderzusetzen hatte. So litt ein Teil schon während des Krieges unter den Verfolgungen in Syrien. Um die Gemeinden zu stärken, schrieb Markus also sein Evangelium und verkündete ihnen die Geschichte Jesu und die mit ihm verbundene Botschaft. Mussten die Gemeinden schon Leid erfahren, sollten sie wenigstens an anderer Stelle Trost finden können.

Die Erzählung der Auferweckung Jesu im Markusevangelium spielt demnach eine besondere Rolle, da sie sich abschließend an die Menschen wendet. Mit ihrer Verkündigung bringt sie ihnen den Glauben an Gott und seinen Sohn nahe und vermittelt gleichzeitig die Hoffnung, dass das Handeln Gottes auch ihnen widerfahren kann. In einer Zeit des Leids muss das Evangelium den Menschen Trost und Mut gegeben haben.


4. Stimmen aus der Forschung

4.1. Auferstehung als Weiterereignung des Jesus-Kerygmas

Willi Marxsen vertritt die Ansicht, dass das Heilsgeschehen sich bereits im Jesus-Kerygma, d.h. der vorösterlichen Verkündigung Jesu, ereignet. Sollten die Jünger zunächst von den Erscheinungen Jesu überzeugt werden, dass die Botschaft weitergeht, so geschieht die Verkündigung dieser Botschaft nun durch die Zeugen der Auferstehung. Es geht dabei um die Botschaft, welche den Menschen vor die greifbare Nähe Gottes stellt (vgl. Marxsen, 9-27). Marxsen vertritt mit seiner redaktionsgeschichtlichen Interpretation die Meinung, dass die vorösterliche Verkündigung Jesu bereits kerygmatischen Charakter trägt und sich durch das Ostergeschehen weiterereignet.

4.2. Der Auferstehungsglaube als Antwort auf das Kerygma

Jesus, der gekreuzigt und auferweckt worden ist, begegnet den Menschen im Wort der Verkündigung. Der Glaube an das verkündete Wort ist tatsächlich der Osterglaube. Nach Rudolf Bultmann entsteht das Heilsgeschehen in dem Moment, da der Mensch das Wort vom Kreuz annimmt. Das Ostergeschehen lässt sich allein in der Bedeutsamkeit des Kreuzes erkennen, nicht in dem es auslösenden göttlichen Handeln (vgl. Bultmann, 52-64).

4.3. Auferstehung als In-Kraft-Setzung der Geschichte Jesu durch Gottes Handeln

Da sich ein historischer Beweis für die Auferstehung Jesu nicht erbringen lässt, kann zunächst nur festgehalten werden, dass die Auferstehung, belegt durch deren Zeugen, von göttlichem Handeln ausgelöst worden ist. Dieses mit der Auferweckung einhergehende, neue Handeln Gottes zeigt gleichzeitig, dass dieser sich zu der Geschichte Jesu bekannt und sich bleibend mit den Menschen verbunden hat. Diese Ansicht besagt demnach, dass das von Ostern ausgehende Kerygma nicht auf sich selbst steht, sondern das göttliche Handeln sowohl als Voraussetzung als auch als Ziel hat.

Verfasser neuerer Entwicklungen sind unter anderem J. Becker, P.-G. Klumbies und A. Lindemann.


Literaturverzeichnis

Alkier, Stefan, 2009, Die Realität der Auferweckung in, nach und mit den Schriften des Neuen Testaments, in: F. W. Horn / O. Wischmeyer / H. Zapp (Hgg.), Neutestamentliche Entwürfe zur Theologie 12, Tübingen

Becker, Jürgen, 2007, Die Auferstehung Jesu Christi nach dem Neuen Testament. Ostererfahrung und Osterverständnis im Urchristentum, Tübingen

Becker, Eve-Marie, 2006, Das Markus-Evangelium im Rahmen antiker Historiographie, Tübingen

Bultmann, Rudolf, 1941, Neues Testament und Mythologie, München

Klumbies, Paul-Gerhard, 2008, Aufbrechen und Christus begegnen. Der Ort der Christusbegegnung nach Markus 16,1-8, in: Lippische Landeskirche (Hgg.), Kleine Schriften Nr. 25, Detmold

Klumbies, Paul-Gerhard, 2001, Der Mythos bei Markus, BZNW Band 108, Berlin/New York

Lindemann, Andreas, 2009, Auferstehung. Gedanken zur biblischen Überlieferung, Göttingen

Marxsen, Willi, 1975, Die Sache Jesu geht weiter, Gütersloh

Pokorny, Petr/Heckel, Ulrich, 2007, Einleitung in das Neue Testament. Seine Literatur und Theologie im Überblick, Tübingen

Roloff, Jürgen, (7)1999, Neues Testament. Neukirchener Arbeitsbücher, Neukirchen


[letzte Änderung: 14. November 2009]

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