Von den bösen Weingärtnern

Michael Heitmann

Kurzbeschreibung:
Die synoptische Perikope Mt 21,33-46 beinhaltet ein Gleichnis über Weingärtner, die bei Fälligkeit ihrer Ernteabgabe mehrere Knechte sowie den Sohn ihres Hausherrn umbringen. Es weist in der matthäischen Fassung starke allegorische Züge auf und kann als heilsgeschichtlicher Abriss gelesen werden, der über die Prophetenmorde bis zur Sendung und den Tod Jesu das Schicksal Israels thematisiert.
Zusätzliche Autoreninformation: Michael Heitmann
Student, Universität Dresden
Kategorie:
Bibeltheologische Komm.
Bibelstellenbezug:
Mt 21,33-46
Zusätzliche Skripturen:
2 Chr 24,19ff Neh 9,26 Ps 80,15 Ps 118,22f Jes 5,1-7 Jes 8,14 Jer 7,25f Dan 2,34.44f Mk 12,1-12 Lk 20,9-19 1 Petr 2,4.6ff Apg 4,11
Weitere Schlagworte:
Arbeit; Bild; Bildworte; Bildreden; Gericht; Gleichnis; Heidenchristen; Hohepriester; Jesaja; Metapher; Prophet; Schrift; Stein; Eckstein (AT); Überlieferungsgeschichte; Weinberg
Letzte Aktualisierung:
13.09.2013

1. Erster Leseindruck

 

Das Gleichnis von den bösen

Weingärtnern stellt sich beim ersten Lesen als äußerst brutale Geschichte dar.

Durch ihren zugespitzten, irritierenden Verlauf ist man dazu geneigt, das

Gleichnis schnell aus der wörtlichen in eine übertragene Ebene zu übersetzen,

um es zu entschärfen. Diese allegorische Deutungsmöglichkeit wird durch die

mitgelieferte Ausdeutung nahe gelegt. Die Irritation verstärkt sich dadurch sogar,

weil auch die Allegorese mit einer Gerichtsdrohung endet.

 

 

 

2. Synchrone Zugangsweise: Eine christologische Aussage?

 

2.1. Gliederung des Textes

 

Die Perikope Mt 21,33-46

gliedert sich im Wesentlichen in zwei Teile. Der erste Teil besteht aus dem

eigentlichen Gleichnis (v33-39), den zweiten Teil bilden der Dialog Jesu mit

den Adressaten und die „Auslegung“ des Gleichnisses (v40-44). Deutlich wird

diese Zweiteilung zum einen durch die verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkte

der Abschnitte, ersterer ist eine Geschichte aus der Arbeitswelt; letzterer

geht über diese Geschichte und ihre Bildlichkeit hinaus. Zum anderen verweisen

auch sprachliche Signale auf diese Gliederung. Während die Erzählung im ersten

Teil durchgängig in der Vergangenheit formuliert ist, bezieht sich der zweite

Teil weitgehend auf Zukünftiges. Durch einen narrativen Rahmen (v33a und v45f)

ist die Erzählung zudem in ihren literarischen Kontext, eine öffentliche

Unterredung Jesu mit der religiösen Elite des Volkes (Mt 21, 23.45f),

überleitend eingebunden.

 

 

 

2.2. Kontextanalyse und sprachlich-narrative Analyse

 

Die Perikope Mt 21,33-46

beginnt mit einem einleitenden Satz (v33a), aus dem hervorgeht, dass das Gleichnis

im Anschluss an ein anderes Gleichnis steht. So ist zum einen ein sprachlicher

Übergang geschaffen, zum anderen aber auch auf eine eventuelle

Zusammengehörigkeit der Gleichnisse hingewiesen. Diese Zusammengehörigkeit

bestätigt sich schließlich am Ende der Perikope, als die Reaktion der Hohenpriester und Pharisäer auf das Hören von

Gleichnissen (im Plural!) beschrieben wird (v45). Diese Überleitung (Mt

21,45-22,1) legt außerdem nahe, dass auch das folgende Gleichnis, das über das

Himmelreich spricht, noch in dieselbe Unterredung Jesu einzuschließen ist. So

steht das Gleichnis von den bösen Weingärtnern im Kontext einer

Auseinandersetzung mit den Hohenpriestern und Ältesten bzw. Pharisäern, in der

zum einen die Person Jesu und zum anderen das Reich Gottes thematisiert sind

(Mt 21,23-32; Mt 21,45).

 

In der eigentlichen Gleichniserzählung tritt als Hauptakteur

zunächst der Hausherr auf (v33). Ihm gegenüber stehen die Weingärtner, die den

Weinberg von ihm pachten. Darüber hinaus gibt es Knechte sowie den Sohn des

Hausherrn. Über das Gleichnis hinaus sind in der Perikope außerdem Jesus

explizit als Sprecher (v42) sowie die Hohenpriester und Pharisäer (v45)

genannt. Zu den Akteuren finden sich keine bewertenden Attribute, sie werden

ausschließlich durch ihre Handlungen charakterisiert.

 

Das Gleichnis bedient sich eines Bildes aus der Arbeitswelt

des damaligen Palästina. Ein Hausherr pflanzt einen Weinberg, verpachtet ihn an

Weingärtner und verlässt das Land (v33). Sozialgeschichtlich ist diese

Beschreibung zunächst glaubhaft, denn der Anbau von Wein

war in Palästina weit verbreitet und viele Ländereien waren im Besitz von

ausländischen Großgrundbesitzern, die diese an lokale Weinbauern verpachteten

(vgl. Jeremias, 1962, 72). Auch die Entsendung von Knechten an die Pächter, um

die fälligen Abgaben einzutreiben, ist vorstellbar (v34), denn die Abgabe eines

Teils der Ernte an den Gutsbesitzer war in Pachtverhältnissen üblich (vgl. Luz,

1997, 223). Nach dieser zunächst recht sachlichen Beschreibung entwickelt die

Geschichte inhaltlich nun Spannungsmomente, die sprachlich einfach und knapp

verfasst sind. Die Pächter schlagen, töten und steinigen die Knechte (v35),

woraufhin der Gutsherr weitere Knechte entsendet, mit denen das gleiche

geschieht (v36). Unverständlich wirkt die Langmütigkeit des Hausherrn, mit der

er der Ermordung seiner Knechte begegnet und wodurch sich die Spannung der

eskalierenden Ereignisse noch verstärkt. Zum Höhepunkt der Erzählung kommt es,

als der Gutsherr seinen Sohn schickt. Auch dieser wird aus dem Weinberg hinaus

gestoßen und ebenfalls umgebracht (v39). Hier jedoch wird die Schlichtheit der

Erzählung aufgebrochen, sie wird detaillierter, indem zum Beispiel die Motive

des Gutsherrn sowie der Pächter angeführt werden (v37f). Durch diese Vertiefung

innerhalb der Erzählung fällt der Lesefokus auf eben diesen Abschnitt.

Sozialgeschichtlich ist dieses Szenario verschieden bewertet worden. Zum einen

wird angeführt, dass die Geschichte soziale Unruhen widerspiegeln könnte und

durchaus so vorstellbar sei (vgl. Jeremias, 1962, 72). Die Brutalität der

Pächter wird dabei auf ihre aussichtslose wirtschaftliche Lage zurückgeführt.

Die Entsendung des Sohnes könnte vor juristischem Hintergrund plausibel sein,

da der Sohn den Gutsherrn rechtlich vertreten durfte und somit mehr Vollmacht

gehabt hätte als die Knechte (vgl. Oldenhage, 2007, 358; vgl. Luz, 1997, 223).

Andere Exegeten wiederum bezweifeln die Realitätsnähe des Gleichnisses gänzlich

und verweisen vielmehr auf seine implizierte allegorische Ebene (vgl. Jülicher

I, 1963, 116).

 

Im Anschluss an die Gleichniserzählung wendet sich Jesus an

seine Zuhörer und lässt diese sich in die Lage des Gutsherrn versetzen (v40),

woraufhin sie die Pächter verurteilen (v41). Dass sie sich damit ihr eigenes

Urteil sprechen, kann an dieser Stelle schon geahnt werden, bestätigt sich aber

erst am Ende der Perikope (v43 und v45). Zunächst reagiert Jesus jedoch mit

einem Zitat aus den Psalmen (Ps 118,22f), welches er durch ein recht

polemisches oudepote anegnote einleitet (v42). Er stellt das Zitat in einen

direkten Zusammenhang mit dem Gleichnis, auch wenn dies inhaltlich erstmal

nicht nachvollziehbar ist. Jesus sieht die Metapher des Psalms, den

weggeworfenen Stein, der zum Eckstein wird, als verständlich und in ihrer

Aussage mit seinem Gleichnis kongruent. Die sich anschließende Aussage Jesu ist

durch das dia touto lego hymin betont und verweist auf ihre Bedeutsamkeit

(v43). Sie beinhaltet Jesu Schlussfolgerung aus dem Gleichnis, dass den

Adressaten die basileía tou theou weggenommen und einem anderen Volk gegeben

würde (v43). Interessant ist auch, dass hier für Volk der neutralere Begriff ethnos

und nicht der in Bezug auf Israel gängige Begriff laos verwendet ist. Auch die basileía

tou theou wird als gegenwärtig postuliert, indem sie besessen, weggenommen und

neu vergeben werden kann (vgl. Luz, 1997, 225f). So eröffnet Jesus an dieser

Stelle heilsgeschichtlich einen neuen Horizont in Form eines neuen ethnos, das

im Gegensatz zu den Pächtern des Gleichnisses seine Früchte bringt (v43). In

recht losem Zusammenhang folgt ein abschließendes Drohwort (v44), welches die

Metapher des Steins aus v42 wieder aufgreift. Inhaltlich und sprachlich

erinnert es an den „Stein des Anstoßes“ aus Jes 8,14 sowie den zerstörenden

Stein aus Dan 2,34.44 und eröffnet so noch eine weitere Metapher (vgl. Gnilka,

1992, 230f). Der narrative Abschluss bezeugt schließlich, dass die

Hohenpriester und Pharisäer, die Pächter des Gleichnisses als Anspielung auf

sich selber und somit die Folgeworte als Drohung verstanden (v45f).

 

 

 

2.3. Deutungshorizonte

 

Mit dem Schriftwort des Ecksteins aus der Belehrung Jesu,

die sich an das eigentliche Gleichnis anschließt (v40-44), ist der Perikope Mt

21,33-46 bereits eine Deutungsmöglichkeit inhärent vorgegeben. Sie schließt im

Grunde eine Deutung aus, in der bspw. eine soziale Ungerechtigkeit gegenüber

den Pächtern angeklagt wird und legt vielmehr eine allegorische Auslegung nahe.

 

Diese eröffnet sich schon im ersten Vers des Gleichnisses

(v33). Schon hier wird die Geläufigkeit der Metapher deutlich. Der Weinberg war

für den damaligen Zuhörer ein vertrautes Bild; die Art und Weise, wie die

Pflanzung und Ausstattung des Weinbergs beschrieben ist, muss beim Zuhörer Assoziationen

zu Jes 5,1-7 hervorgerufen haben (vgl. Luz, 1997, 222). Dort findet sich eine

ganz ähnliche Beschreibung eines Weinbergs, der als Israel ausgemacht wird (Jes

5,7). Für den Hausherrn aber legt sich die Identifizierung mit Gott nahe. Wenn

in v40 aus ho oikodespotes schließlich ein ho kyrios tou ampelonos wird,

bestätigt sich diese Übertragung für den Zuhörer (vgl. Luz, 1997, 148). Die

mehrfache Sendung von Knechten wiederum dürfte den Zuhörer an die Propheten und die so genannte deuteronomistische

Prophetenmordtradition erinnert haben (vgl. 2 Chr 24,19ff; Neh 9,26; Jer

7,25f) (vgl. Luz, 1997, 223). Am Höhepunkt des Gleichnisses sendet der

Hausherr seinen Sohn. Seine zeitliche Nachstellung (v37, hysteron) und die

qualitative Steigerung legt nahe, im Sohn, Jesus selbst zu identifizieren.

Demnach würde Jesus in diesem Gleichnis indirekt über sich selbst sprechen und

auch seinen Tod voraussagen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass

in der markinischen Überlieferung der Sohn zuerst getötet und dann aus dem

Weinberg gestoßen wird (Mk 12,8). Mt aber

überliefert das Geschehen in der umgekehrten Reihenfolge, dass der Sohn wie

auch Jesus außerhalb der Stadt umkommt (v39). So könnte es sich hier um eine

frühe Korrektur handeln, die den christologischen Aspekt unterstreicht (vgl.

Schweitzer, 1986, 270). Auch der anschließend zitierte Ps 118 ist schon im frühen Christentum

christologisch ausgelegt worden (vgl. 1

Petr 2,4.6ff; Apg 4,11), so dass auch

in dieser Zitation eine Selbstdarstellung Jesu intendiert gewesen sein dürfte.

Der heilgeschichtliche Abriss wird in der Übertragung der basileía tou theou

auf das neue ethnos fortgeführt (v43) und endet wieder metaphorisch mit einem

Ausblick auf die Parusie, in der Christus Gericht halten wird (v45). So gelesen

stellt die Perikope in narrativer Form eine heilgeschichtliche

Standortbestimmung dar, mit einem „Rückblick und Ausblick an einem Punkt des

Übergangs“ (Gnilka, 1992, 231). Der im Text enthaltene allegorische

Deutungsansatz, aus dem sich diese Auslegung ableitet, wird vielfach nicht auf

die ursprüngliche Jesusüberlieferung zurückgeführt, sondern vielmehr schon als

Resultat einer frühchristlichen Deutungspraxis verstanden (vgl. Jeremias, 1962,

68ff).

 

 

 

3. Diachrone Beobachtungen: Ein starker alttestamentlicher

Hintergrund?

 

3.1. Literar- und Redaktionskritische Beobachtungen

 

Bei der betrachteten Perikope Mt 21,33-46 handelt es sich um

einen synoptischen Text (par Mk 12,1-12;

Lk 20,9-19), als deren Quelle gemäß der

Zweiquellentheorie die Markusparallele anzunehmen ist. Die meisten Exegeten

unterscheiden zwischen Grundtext und matthäischer Redaktionsarbeit und führen

das Gleichnis in seiner Grundschicht auf Jesus selbst zurück (vgl. Luz, 1997,

216f, 219). Die matthäische Überlieferung weist dazu vielfache Unterschiede

auf. Auffällig ist zum einen, dass aus dem anthropos (Mk 12,1) ein oikodespotes

(Mt 21,33) wird. Zum anderen differieren die Erzählungen in der Aussendung der

Knechte. Während bei Mk dreimal je ein Knecht geschickt wird und danach noch

viele andere, beschränkt sich Mt auf zwei Aussendungen mehrerer Knechte. Dafür

qualifiziert Mt diese im Gegensatz zu Mk als „seine“ Knechte (Mt 21,34f). Im

Kontext der Sendung des Sohnes sind die bedeutendsten Unterschiede die

umgekehrte Reihenfolge von Herauswurf aus dem Weinberg und Tötung (Mt 21,39;

par Mk 12,9) sowie die Streichung des Adjektivs agapeton (Mk 12,6) als nähere

Bestimmung des Sohnes. Das Psalmzitat ist bei Mt durch die Einführung „Jesus

sprach zu ihnen“ (v42) ergänzt und sticht so noch mehr hervor, zudem ergänzt Mt

die Perikope um v43f. V43 ist trotz der für Mt untypischen Formulierung basileía

tou theou vermutlich matthäische Redaktion (vgl. Gnilka, 1992, 226).

Schwieriger ist jedoch die Einordnung von v44. Da es weitgehende

Übereinstimmungen mit Lk 20,18 aufweist, wird zumindest hier eine gemeinsame

Abhängigkeit angenommen. Textkritisch ist der Vers jedenfalls recht gut belegt,

wenn er in einigen weniger frühen Schriftzeugen auch fehlt (vgl. Luz, 1997,

217). Im Vergleich der beiden Erzählungen fällt auf, dass Mt die Perikope in

einigen Punkten zugunsten einer allegorischen Auslegung verändert und ihr

heilgeschichtliches Moment durch Einfügung von v43f wesentlich erweitert hat.

 

 

 

3.2. Traditionskritische Beobachtungen

 

Im Gleichnis von den bösen Weingärtnern werden theologisch

vorgeprägte Metaphern gebraucht und die Kenntnis verschiedener Texte des Altes

Testaments vorausgesetzt. Wie in den Deutungshorizonten bereits erwähnt, darf

die Bekanntheit und Verständlichkeit der Metapher des Weinbergs für die

damalige Zeit angenommen werden. Alttestamentlich ist der Weinberg mehrfach als

Bild für Israel verwendet worden (vgl. Jes

5,1-7; Ps 80,15).

 

Eine Besonderheit der Erzählung ist sicherlich ihre

offensichtliche Anlehnung an Jes 5,1-7. Das Gleichnis wird durch ein recht

freies Zitat (v33f) eingeleitet und schließt am Ende des Gleichnisses durch die

Frage, was der Gutsherr nun tun soll (v40), wieder an den Jesajatext an, der zum Ende eben das Handeln

Gottes als Gutsherr darlegt (vgl. Jes 5,5). Eine weitere Anlehnung an eine

bekannte Geschichte lässt sich in der Mordplanung der Pächter vermuten. Diese

ähnelt dem Mordplan der Brüder Josephs (vgl. Gen

37,20) und könnte somit bewusst eingesetzt worden sein, um die Bosheit des

Mordes nochmals zu unterstreichen (vgl. Gnilka, 1992, 228). Durch das

Psalmzitat wird darüber hinaus die Stein-Metapher in die Perikope aufgenommen

(v42). Auch diese wird den Zuhörern Jesu bekannt gewesen sein und Assoziationen

geweckt haben (vgl. Jes 8,14; Dan 2,34; Dan

2,44f). So kann für Mt 21,33-46 konstatiert werden, dass auf geprägte Vorstellungen

zurückgegriffen wird, welche die Aussage unterstreichen und ihr wahrscheinlich

auch eine vermehrte Autorität verleihen sollen.

 

 

 

4. Stimmen aus der Forschung

 

 

4.1. Der Forschungskontext –

Eine prominente klassische These: Mt 21,33-46 als allegorisierende Erzählung

 

Jülicher beschreibt Mt 21,33-46 – entgegen seinem Ansatz,

Gleichnisse wörtlich zu verstehen – als „allegorisierende Erzählung.“ (Jülicher

II, 1963, 402). Er schreibt: „Diese Erzählung ist irrationell, verunglückt

durch und durch, ausser wenn man von Anfang an ihre Worte geistlich d. h.

allegorisch deutet.“ (Jülicher I, 1963, 116).

 

 

 

4.2. Die gegenwärtig dominierende Auffassung: Die

Originalversion des Thomasevangeliums

 

Jeremias schätzt die Erzählung wiederum als

sozialgeschichtlich möglich ein. Sie sei „nicht eine Allegorie, sondern ein an

reale Verhältnisse anknüpfendes Gleichnis.“ (Jeremias, 1962, 74). Die

allegorischen Züge sind für ihn sekundär, weshalb er den ursprünglichen Wortlaut

des Gleichnisses in der verkürzten Version des Thomasevangeliums vermutet (vgl.

Jeremias, 1962, 75).

 

 

 

4.2. Neue Entwicklungen – eine sich abzeichnende Tendenz

 

In der neueren Forschung zeichnet sich nun jedoch eine

Tendenz ab, die Grundzüge der Perikope Mt 21,33-46 auf Jesus als Autor

zurückzuführen. Zum einen bleibt die Möglichkeit der Existenz eines realen

Hintergrundbildes für das Gleichnis anerkannt, zum anderen wird aber auch eine

allegorische Intentionalität für die auf Jesus zurückgehende Version

angenommen, die durch mehrfache Redaktion an Deutlichkeit gewonnen hat (vgl.

Luz, 1997, 118ff).

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

Gnilka, Jochen, 1992, Das Matthäusevangelium. Bd. 2 (HThK

1/2), Freiburg/ Basel/ Wien

 

Jeremias, Joachim, 61962, Die Gleichnisse Jesu, Göttingen

 

Jülicher, Adolf, 1963, Die Gleichnisreden Jesu, zwei Teile

in einem Band, Darmstadt

 

Luz, Ulrich, 1997, Das Evangelium nach Matthäus, Bd. 3

(EKK), Zürich/ Düsseldorf/ Neukirchen-Vluyn

 

Oldenhage, Tania, 2007, Spiralen der Gewalt (Die bösen Winzer),

in: Zimmermann, Ruben (Hg.), Kompendium der Gleichnisse Jesu, Gütersloh,

352-366

 

Schnelle, Udo, 62007, Einleitung in das Neue Testament,

Göttingen

 

Schweizer, Eduard, 161986, Das Evangelium nach Matthäus,

Göttingen/ Zürich

 

 

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