Das Gleichnis vom reichen Kornbauern

Karina Brill

Kurzbeschreibung:
In Lk 12,13-21 wird das Gleichnis vom reichen Kornbauern erzählt. Anlass dafür ist die Bitte eines Mannes an Jesus, ein Urteil in einer Erbstreitigkeit zu fällen. Das Gleichnis verdeutlicht, dass der Besitz keine Sicherheit bietet, sondern den Blick für wahrhaften Reichtum im Leben verstellt. „Reich bei Gott“ zu sein, so das Fazit, bedeutet mehr als nur innere Frömmigkeit, vielmehr verlangt es ein Handeln im Sinne der Nächstenliebe.
Zusätzliche Autoreninformation: Karina Brill
Studentin der Universität Kassel
Kategorie:
Bibeltheologische Komm.
Bibelstellenbezug:
Lk 12,13-21
Letzte Aktualisierung:
25.05.2012

1. Erster Leseeindruck

Zunächst könnte man sagen, dass hier der typische Aufbau eines Gleichnisses

vorliegt, d.h. jemand kommt mit einer Bitte zu Jesus und dieser

antwortet dann in Form eines Gleichnisses. Daraus resultiert eine feste

Struktur, bzw. ein gegliederter Aufbau. Am Ende folgt ein Fazit, das für

alle Gültigkeit besitzt.

2. Synchrone Zugangsweise

2.1 Kontext

Lk 12,13-21

befindet sich in der Mitte des großen Reiseberichtes (9,51-19,28) des

Evangeliums nach Lukas, in dem Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist.

Lukas integriert das Gleichnis vom reichen Kornbauern in eine thematisch

weit gefächerte Rede Jesu (12,1-53),

in der die Stellung der Jünger umschrieben wird (vgl. Kollmann, 2007,

564). Das 12. Kapitel beginnt mit der Schilderung einer großen

Menschenmenge („einige tausend“), die sich um Jesus und dessen Jünger

versammelt. Dieser wendet sich zunächst mit einer Warnung vor der

Heuchelei der Pharisäer an seine Jünger, die er im Folgenden begründet (12,1-3).

Jesus ermutigt die Jünger, sich ohne Angst vor Verfolgung zu Gott zu

bekennen. Der mahnende Unterton vor der Verleugnung des Menschensohnes

hinsichtlich des Endgerichts ist unüberhörbar (12,4-9). Es folgt eine Erläuterung über Funktion und Wichtigkeit des Heiligen Geistes (12,10-12). Das Gleichnis vom reichen Kornbauern leitet zu den Sprüchen vom Sorgen über (12,22-32),

in denen sich Jesus an seine Jünger wendet und für sie die Konsequenzen

aus der Erzählung zieht. Mit der Mahnung, sich bei Gott Reichtum zu

verschaffen, deutet Lukas bereits am Ende von 12,13-21 das Thema von 12,33-34 an (vgl. Kollmann, 2007, 564).

2.2.Gliederung

Die erste Gliederung des Textes lässt zwei Abschnitte erkennen: Zu Beginn ein Apophthegma (12,13-14), welchem das Gleichnis vom reichen Kornbauern (12,16-20)

folgt. Apophthegmen (wörtlich: Aussprüche) zeigen Jesus in Interaktion

mit Anhängern, sowie mit Gegnern und lassen dabei sein Charisma

hervortreten. Die Begrifflichkeit bindet das Gesagte ausschließlich an

die Person Jesus (vgl. Theißen & Merz, 2011, 180). Das Gleichnis

lässt sich in drei Teile gliedern: In v16 wird die Situation, also die

erwartete reiche Ernte, dargestellt. Im Mittelteil, v17-19, folgt der

innere Monolog des Kornbauern, in dem er das daraus resultierende

Problem darstellt und seinen Lösungsvorschlag unterbreitet. Den

Abschluss bildet das Gottesurteil v20 mit der Ankündigung des

bevorstehenden Todes sowie dem Hinweis auf die lachenden Erben (vgl.

Kollmann, 2007, 564f.).

Das Apophthegma

v13: Anfrage an Jesus („Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile“)

v14: Jesu Zurückweisung und Gegenfrage („Mensch, wer hat mich als Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?“)

v15: Die Warnung vor Habgier

Das Gleichnis

v16: Die Situationsbeschreibung („Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen.“)

v17-19: Das Problem des Kornbauern durch die erwartete zu gute Ernte und sein Lösungsvorschlag

v20: Gottesurteil über das Leben des Kornbauern

v21: Moral des Gleichnisses

Exegetische Untersuchung

v13:

Am Anfang dieser neuen Perikope wird Jesus von einem Mann aus dem Volk

mit der Bitte angesprochen, ein Schiedsurteil in einer Erbstreitigkeit

zwischen seinem Bruder und ihm zu fällen.

Der Streitfall

entspricht dem jüdischen Kontext in Palästina im 1. Jahrhundert. Nach

dem Tod des Vaters erbt der älteste Sohn Grund und Boden, sowie zwei

Drittel des beweglichen Vermögens. In dem geschilderten Fall scheint

dieser alles behalten zu wollen und die vom Gesetz vorgesehene

Auszahlung des brüderlichen Anteils zu verweigern (vgl. Grundmann, 1971,

256; vgl. Bovon, 1996, 276f). Der Mann spricht Jesus mit der Anrede

„Meister“ (bzw. „Lehrer“) an, womit

er verdeutlicht, dass Jesus in seinen Augen die Entscheidungskompetenz

in diesem Streitfall besitzt. Das jüdische Erbgesetz beruht auf

alttestamentlicher Grundlage, wonach der Schriftgelehrte, der zugleich

Jurist und Theologe ist, die Befugnis besitzt, bei Erbstreitigkeiten das

Urteil zu fällen (vgl. Wiefel, 1988, 236). Der Streitfall selbst dient

dem Fortgang der Erzählung, indem er einen Anlass für die Warnung vor

Habgier gibt, sowie die Überleitung zum darauf folgenden Gleichnis

darstellt (vgl. Wolter, 2008, 447).

v14: Auf die

Bitte des Mannes antwortet Jesus mit einer rhetorischen Frage. Dabei

betitelt er sein Gegenüber eher distanziert als „Mensch“. Die Ansprache

zeigt ebenso wie die rhetorische Frage seinen Unwillen, sich dieser

Streitigkeit anzunehmen (vgl. Bovon, 1996, 277). Auch sieht Jesus in der

Bitte keinen Auftrag, da er sich weder zum Richter noch zum

Erbschlichter berufen fühlt (vgl. Klein, 2006, 445). An dieser Stelle

zeigt sich darüber hinaus, dass Jesus egoistische Teilungen missbilligt.

Vielmehr tritt er für das Gebot der Nächstenliebe ein, gelebt durch

eine gemeinsame Nutzung von Gütern und Einkünften (vgl. Bovon, 1996,

277ff).

v15: Jesus wendet sich mit einer Warnung

vor Habgier an die Zuhörer des vorangegangenen Dialoges und prangert

damit auch das Streben nach ererbtem Besitz als eine Form der Habgier an

(vgl. Wiefel, 1988, 236f). Die Adressaten sind größtenteils aus dem

„Nicht-Besitzenden“ Milieu und haben daher den Eindruck, dass erst ein

bestimmtes Maß an Gütern das Leben sichert. Diese Erkenntnis entsteht

durch ihren täglichen Überlebenskampf. Dabei übersehen sie jedoch, dass

genügend Güter bzw. Vermögen ein sorgloseres Leben ermöglichen, nicht

aber vor Schicksalsschlägen bewahren (vgl. Klein, 2006, 445f). Zudem

steht hinter der Anhäufung von Gütern und Besitz die fatale Überzeugung,

dass das Sein vom Haben abhängig ist und daher vor dem Tod bewahren

könnte. Dieser Annahme folgen sowohl der Bittsteller in den

vorangegangenen Versen als auch der reiche Mann im Gleichnis. Somit

dient der Vers neben der Übergangsfunktion zwischen Apophthegma und

Gleichnis auch der Ankündigung der Thematik: Der richtige Umgang mit

Besitz (vgl. Bovon, 1996, 280f).   

v16: Es

folgt nun ein Gleichnis, welches von einem reichen Mann handelt, der

eine außerordentlich gute Ernte erwartet. Bis zu diesem Punkt lässt sich

nichts Verwerfliches an dieser Situation finden, da der Mann seine gute

Ernte nicht durch unrechtmäßige Gründe erwartet (vgl. Bovon, 1996,

282). Die im Gleichnis dargestellte Situation spiegelt die agrarischen

und ökonomischen Verhältnisse zur damaligen Zeit in Palästina treffend

wieder. Gutsherren bzw. Großgrundbesitzer ließen ihre Ländereien u.a.

durch Sklaven oder Tagelöhner fremd verwalten und bewirtschaften,

deswegen konnten sie ein privilegiertes Leben führen (vgl. Kollmann,

2007, 565f). Inwieweit der beschriebene Reiche den Status eines

Großgrundbesitzers besitzt, wird nicht ganz deutlich, jedoch lassen die

Überlegungen im Monolog den Rückschluss auf ein privilegiertes Leben zu.

Der Kornbauer verfügt zum einen über ausreichend Zeit zur sorgfältigen

Abwägung seiner Möglichkeiten und der hierauf basierenden Problemlösung.

Dies lässt auf Unterstützung bei der Bewirtschaftung der Felder durch

Sklaven o.ä. schließen. Zum anderen verfügt er über erheblichen Besitz

(„meine Vorräte“) und ein großes Anwesen („Scheunen“).

v17:

Sein „Problem“ - die fehlenden Lagerräume für die außerordentlich gute

Ernte – bringt der reiche Mann in einem inneren Monolog zum Ausdruck.

Dabei erscheint die Suche nach einer Problemlösung legitim. An seiner

Stelle würde jeder andere auch Lösungsmöglichkeiten für den fehlenden

Lagerraum suchen (vgl. Wolter, 2008, 449). Der Monolog dient an dieser

Stelle der Charakterisierung des reichen Mannes, indem er einen Einblick

in seine Sorgen und Absichten gibt (vgl. Bovon, 1996, 282).  

v18:

Als Problemlösung entscheidet sich der Reiche aufgrund der zu geringen

Größe seiner Scheunen für den Abriss. Er möchte Größere bauen, in denen

er neben der zu erwartenden Ernte alle seine Vorräte lagern kann. Dieser

Plan offenbart somit sein Wesen. Auf die gute Ernte hätte er nicht wie

geplant mit der eigennützigen Anhäufung reagieren dürfen, sondern er

hätte seine Überschüsse mit anderen teilen müssen. Die Fehlentscheidung

wird dabei auf subtile Art verdeutlicht, indem der Mann das abreißen

will, was ihm bisher entsprach (vgl. Bovon, 1996, 283).

v19:

Der Egoismus des Mannes wird durch die Einbeziehung seiner Seele als

„Gesprächspartner“ noch ersichtlicher. Die Worte „(...), habe nun Ruhe,

iß, trink und habe guten Mut!“ an seine Seele verdeutlichen sein Ziel,

welches darin besteht, ausgesorgt zu haben und seiner Seele bzw. sich

selbst für möglichst viele Jahre ein sorgenfreies, angenehmes und

sicheres Leben zu ermöglichen. Seine gesamte Sorge gilt einzig und

allein seinem Leben, von weiteren Personen, für die er die Verantwortung

trägt bzw. tragen könnte, oder gar von Gott ist keine Rede. Vielmehr

macht er das Wohlbefinden, auf das er hofft, nur von sich selbst

abhängig. Dabei übersieht er jedoch, dass das erträumte Leben eine

Täuschung ist, da das wahre Leben durch die Auferstehung nach dem Tod

bei Gott zu suchen ist (vgl. Bovon, 1996, 284f). Im Gegensatz zu der von

Lukas überschriftartig vorangestellten Warnung vor Habgier (Lk 12,15)

ist das Ziel des Reichen nicht, immer mehr haben zu wollen, sondern den

gewonnenen Reichtum zu genießen und sich dadurch auch etwas gönnen zu

können (vgl. Klein, 2006, 447).

v20: Mit der

Anrede „Narr“ unterbricht Gott den Monolog des Mannes. Als Narr gilt in

der jüdischen Weisheitsliteratur ein egoistisch denkender Mensch, der

seine Nächsten und damit auch Gott vergisst (vgl. Wolter, 2008, 450).

Das Gottesurteil beendet das Selbstgespräch und zeigt dem Reichen seinen

Denkfehler auf. Der Trugschluss von der sicheren und planbaren Zukunft,

nach der Lebensphilosophie „carpe diem“, wird durch die Ankündigung des

nahen Todes offensichtlich (vgl. Bovon, 1996, 285f). Die Seele ist eine

Leihgabe, die nicht behalten werden kann (vgl. Grundmann, 1971, 258).

In dieser Situation manifestiert sich das lukanische Gottesbild dieses

Gleichnisses, in dem Gott wohlwollend ist, was sich hier durch die

bevorstehende gute Ernte zeigt. Er erwartet jedoch im Gegenzug einen

Lebenswandel im Sinne der Nächstenliebe. Missachtet man diesen ethischen

Lebensstil, wird er zu einem strafenden Gott. Der rhetorischen Frage

nach dem Profiteuren seines Ablebens folgt die unmissverständliche

Antwort: Egal wer der Nutznießer ist, er nicht (vgl. Bovon, 1996,

285ff). Der ethischen Orientierungsfunktion entsprechend verdeutlicht

dieses Gleichnis die Begrenztheit des Lebens und appelliert daher an die

Menschen, dies in ihre Lebensplanung mit einzubeziehen (vgl. Bovon,

1996, 287f.). Wolter greift diesen Gedanken auf, glaubt jedoch nicht,

dass der plötzliche Tod eine Bestrafung für die Torheit des Mannes ist,

sondern ist vielmehr der Auffassung, dass das Gleichnis vor falscher

Sicherheit warnen möchte (vgl. Wolter, 2008, 450).

v21:

Im Anschluss an das Gleichnis wird dessen soziale Intention erläutert,

sowie durch die Forderung auf Gott hin Reichtum anzuhäufen, vertieft

(vgl. Kollmann, 2007, 570). Dabei wird die Gleichnisaussage durch den

Satzbeginn „So geht es dem, der …“ generalisiert. Zudem bildet dieser

Vers eine Überleitung zu den folgenden Versen 12,33-34, in denen Lukas

die Praxis der Nächstenliebe thematisiert (vgl. Bovon, 1996, 288).      

3. Diachrone Zugangsweise

3.1 Traditions- und Redaktionsgeschichte

Das

Gleichnis vom reichen Kornbauern zählt zum lukanischen Sondergut. Diese

Zuordnung ergibt sich aufgrund der verwendeten charakteristischen

Merkmale dieser Quelle. So lassen sich Gleichnisse in Form von

Beispielerzählungen, die Verwendung von Monologen und der Erzählstil

insbesondere im lukanischen Sondergut finden (vgl. Bovon, 1996, 273f).

„Ob das Gleichnis auf Jesus selbst zurückgeht, in jüdisch-hellenistisch

geprägten christlichen Kreisen entstanden ist oder von der

hellenistischen Synagoge geprägt wurde, lässt sich nicht mehr mit

Sicherheit feststellen“ (Klein, 2006, 444). Die Beispielerzählung selbst

scheint Lukas mit eigenen Worten wiedergegeben zu haben. Diese Annahme

basiert auf der im Gleichnis dargestellten typisch lukanischen

Sichtweise, in der Güter dazu dienen, Gutes zu tun (vgl. Klein, 2006,

443), sowie durch die inhaltlichen Unterschiede zwischen den

Darstellungen im Lukas- und im Thomasevangelium (vgl. Bovon, 1996,

274f). 

Inwieweit das Apophthegma von Beginn an zu dem

anschließenden Gleichnis gehörte, ist in der Literatur umstritten.

Jeremias bescheinigt dem Dialog über den Erbstreit im Hinblick auf das

Gleichnis eine inhaltliche Wichtigkeit, weshalb er die

Zusammengehörigkeit als erwiesen ansieht (vgl. Jeremias, 1958, 143).

Bovon und Heininger sind hingegen der Auffassung, dass das Apophthegma

und das Gleichnis unterschiedlicher Herkunft sind und erst im Sondergut

zusammengetragen wurden. Bovon begründet seine Annahme durch die

getrennte Darstellung im Thomasevangelium (vgl. Bovon, 1996, 273f),

Heininger wiederum begründet seine Ansicht durch die Zuordnung der

beiden Abschnitte zu unterschiedlichen Gattungen (vgl. Heininger, 1991,

108). Wie Bovon geht auch Klein davon aus, dass die beiden Teile bereits

im Sondergut aneinandergefügt waren bzw. wurden. Dies lässt für Klein

den Ursprung des Apophthegma bei Jesus selbst als möglich erscheinen

(vgl. Klein, 2006, 443 u. 1987, 84). Mit dieser Annahme widerspricht

Klein der Auffassung von Schmithals. Dieser geht davon aus, dass das

Apophthegma eine lukanische Abfassung darstellen könnte (vgl.

Schmithals, 1980, 144). Heininger gibt jedoch zu bedenken, dass dieser

Ursprung  nicht gesichert sei (vgl. Heininger, 1991, 108).

Im

Gegensatz zur obigen Diskussion ist die lukanische Abfassung von v15 und

v21 in der Literatur allgemein anerkannt. Beide Verse werden nicht im

Thomasevangelium genannt. Sie dienen in der lukanischen Abfassung

lediglich der Überleitung (vgl. Bovon, 1996, 273f). Offen ist jedoch, ob

Lukas ein traditionelles Mahnwort als Grundlage für v15 diente (vgl.

Klein, 2006, 443).

Im Hinblick auf die Redaktionsgeschichte

erklärt sich auch der Widerspruch zwischen der Warnung vor Habgier in

v15 und der Gleichnisaussage, der Warnung vor falscher Sicherheit in

Anbetracht der Begrenztheit des Lebens. Das Gleichnis veranschaulicht

die vorangegangene Warnung und erweitert ihre Aussagekraft in Bezug auf

ihre Zukunftsrelevanz. 

3.2 Personenkonstellation

Die

Personenkonstellation im Gleichnis ist eher untypisch, da zumeist eine

Dreierformation (dramatisches Dreieck) mit einem Handlungssouverän und

einem antithetischen Zwillingspaar, bestehend aus dramatischer Haupt-

und Nebenfigur, als Grundlage dient. In Lk 12,16-21

wird dagegen die Personenzahl auf Gott und den Kornbauern reduziert.

Gott ist dabei die privilegierte und der Kornbauer die dramatische

Erzählfigur. Dies wird deutlich, indem der Kornbauer und dessen

Planungen der Verfügungsgewalt Gottes untergeordnet sind (vgl. Kollmann,

2007, 565).  

 

4. Stimmen aus der Forschung

„Die

Beispielgeschichte macht den Reichtum als solchen nicht zum Thema, geht

aber davon aus, daß der irdische Besitz den Reichtum in Gott in

besonderer Weise gefährdet (vgl. 1. Tim. 6,3ff).

Die ungläubige Sicherung des irdischen Lebens durch eigene Leistung

bewirkt den Verlust des ewigen Lebens, das auf der Gnade Gottes beruht“

(Schmithals, 1980, 144).

„Wie wollen wir leben? Das Evangelium

schlägt einen Lebensstil vor, in dem das Glück in Beziehungen gelebt

wird und in dem das Geben, das allgemein als ein Verlust empfunden wird,

zur besten Art des Gewinnens und des Erhaltens wird“ (Bovon, 1996,

292).

„Die Kornbauerperikope zielt auf heilsame Desillusionierung.

Die Gegenwart mit ihren Chancen und Grenzen soll wiedergewonnen, das

Kalkulieren mit einer illusionären Zukunft beendet werden“ (Klumbies,

1998, 32).

 

Literatur

Kommentare

Bovon, François, 1996, Das Evangelium nach Lukas, 2. Teilbd.: Lk 9,51 – 14,35 (EKK III/2), Zürich

Grundmann, Walter, 1971, Das Evangelium nach Lukas (ThHK III), Berlin

Klein, Hans, 200610, Das Lukasevangelium (KEK I/3), Göttingen

Schmithals, Walter, 1980, Das Evangelium nach Lukas (ZBK 3.1), Zürich

Wiefel, Wolfgang, 1988, Das Evangelium nach Lukas (ThHK 3), Berlin

Wolter, Michael, 2008, Das Lukasevangelium, (HNT 5), Tübingen

Sekundärliteratur

Heininger,

Bernhard, 1991, Metaphorik, Erzählstruktur und szenisch-dramatische

Gestaltung in den Sondergutgleichnissen bei Lukas, Münster

Jeremias, Joachim, 19585, Die Gleichnisse Jesu, Göttingen

Klumbies, Paul Gerhard, 1998, Diakonie und moderne Lebenswelt. Neutestamentliche Perspektiven, Karlsruhe

Kollmann, Bernd, Das letzte Hemd hat keine Taschen (Vom reichen Kornbauern) – Lk 12, 16-21, in: Zimmermann, Ruben (Hg.), 2007, Kompendium der Gleichnisse Jesu, München

Theißen, Gerd & Merz, Annette, 20114, Der historische Jesus, Ein Lehrbuch, Göttingen

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