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Lexikon

Mönchtum/Klosterleben

Heidrun Dierk

(erstellt: Febr. 2017)

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1. Lebensweltliche Verortungen

Reales Klosterwesen und monastisches Leben sind weit entfernt von der Lebenswelt jugendlicher Schülerinnen und Schüler. Sie erleben es allenfalls als Ausflugsziel im Kontext regionalgeschichtlich ausgerichteter Lerngänge/als Angebot im Rahmen von Orientierungs- und Besinnungstagen.

Medial vermittelter Umgang mit dem Thema entspricht eher der Erfahrung von Schülerinnen und Schülern, beispielsweise über Spielfilme wie „Der Name der Rose“ (Jean-Jacques Annaud, 1986) oder „Die unbarmherzigen Schwestern“ (Peter Mullan, 2002). In Fernsehen tauchen Dokumentationen zu aktuellem Klosterleben auf, so die Doku „Silentium“ (Sobo Swobodnik, 2015) (→ Film, kirchengeschichtsdidaktisch).

In so genannten Aufbauspielen für den PC sind Klöster Elemente der „Verfügungsmasse“, beispielsweise im Spiel „Grand Ages: Medieval“ (Kalypso Media, 2015) (→ Computerspiele, kirchengeschichtsdidaktisch).

Insgesamt ist die Wirkung solcher materialen Zugänge eher gering einzuschätzen. Daher kann es als lohnenswert erachtet werden, phänomenologisch vorzugehen und zu diskutieren, ob Zielsetzungen/Orientierungen und Wege monastischen Lebens in modifizierter Form die Lebenswelt von jugendlichen Schülerinnen und Schülern tangieren.

Als wesentliche Aspekte monastischen Ideals und Lebens sind zu nennen (Kießling, 2011, 10-25):

  • Leben im Kloster impliziert einen Rückzug aus der sinnlichen, sündigen und darum gefährlichen irdischen Welt, der sich in Askese (Essen, Kleidung), Keuschheit und Besitzlosigkeit Ausdruck verschafft.
  • Klösterliche Existenz kann als Arbeit im Sinne Hannah Arendts beschrieben werden: Die geistlich-geistige wie praktische Arbeit (=„Ora et labora“) sind auf den Erhalt des Lebens ausgerichtet und daher flüchtig und auf Wiederholung angelegt. Monastische Tätigkeit zielt nicht auf die Herstellung dinglicher Objekte, die zu einer Bindung an diese Welt verführen könnten.
  • Zum Mönchtum gehört einerseits das Aufgeben individueller Wünsche, was sich in widerspruchslosem Gehorsam zeigt. Klosterleben ist Einordnung in die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern. Andererseits geht damit zugleich eine Individualisierung und Isolation einher, z.B. durch Schweigegebote, die „überflüssiges“ Reden verhindern sollen.
  • Christliche Mönche und Nonnen sehen ihren Lebensstil als Nachahmung bzw. Nachfolge Christi, als praktische Auslegung der biblischen Weisungen. Dieser Lebensstil ist mitnichten Selbstzweck, sondern Vorbild und Stellvertretung für alle anderen Christinnen und Christen. Am Leben im Kloster wird sichtbar, wie christliches Leben überhaupt sein sollte. Damit wird zugleich exemplarisch das eschatologische Heil realisiert.

    Gerade diese Beschreibung trifft in modifizierter Weise auf die Jedi der beiden Star Wars-Trilogien zu. Auch wenn die Darstellung der Jedi-Ritter zunächst von den Samurai und ihren ethisch-religiösen Orientierungen (Bushido/Zen-Buddhismus) geprägt ist, lassen sich grundlegende Züge des abendländischen Monastizismus erkennen. So verzichten die Jedi auf Abhängigkeit von allem Weltlichen, insbesondere Besitz. Sie leben zölibatär, um sich ganz ihrer Aufgabe widmen zu können. Das hierarchische Meister-Schüler-Verhältnis und die Gehorsamsforderung dienen der Stabilisierung der (hier kosmischen) Ordnung. Individuelles Handeln und unkontrollierte Gefühle werden vor allem in Episode I-III (an der Figur Anakins) problematisiert, da man durch Egoismus in den Bereich des Bösen einbricht. Jedi sind selbstlos und sorgen sich nur um andere, stellen sich also ganz in den Dienst der Gesellschaft. Gleichzeitig sind sie der Wahrheit verpflichtet (Feichtinger, 2010, 66-73).

2. Kirchengeschichtliche Klärungen

Auch wenn Monastizismus im Ursprung eher ein Phänomen der Ostkirche ist, in der sich aus dem Eremitentum das Koinobitentum von Männern und Frauen entwickelt hatte, war der Westen durchaus davon beeinflusst, wie die Klöster des Martin von Tours und Johannes Cassian zeigen. Aufschwung erlebte das Klosterwesen allerdings erst im 6. Jahrhundert durch die Gründung von Monte Cassino (Apulien) durch Benedikt von Nursia. Benedikt gab dem Kloster eine klare Struktur und Ordnung (Regula Benedicti), in der die Prinzipien der gemeinschaftlichen Lebensweise festgelegt waren: Neben den Idealen der Demut bzw. des Gehorsams, der Keuschheit, Armut und Askese wurde von den Mönchen die „stabilitas loci“ verlangt, das heißt die lebenslange Bindung an das Heimatkloster. Nach außen hin sichtbar war das Benediktinerkloster allerdings durch die Verpflichtung auf (Gebet und) Arbeit („Ora et labora“), da die Arbeit sowohl die eigene Lektüre des Mönches, aber auch die Handarbeit umfasste. Mit ihren landwirtschaftlichen Betrieben, den Kloster- und Schreibschulen leisteten die Benediktiner einen unschätzbaren Beitrag zur kulturellen Entwicklung im Abendland (Thierfelder, 2003, 76).

Dass sich aus den Einzelklöstern ein sich als Einheit verstehendes, gemeinschaftliches Mönchtum entwickelt hat, ist nach Angenendt auf zwei Faktoren zurückzuführen. Zum einen wurden die Klöster durch den Papst von der Einbindung in die übergeordnete Diözese befreit (Klosterexemtion), zum anderen verpflichteten die Reformen unter Ludwig dem Frommen mit Hilfe Benedikts von Aniane die Klöster auf die Benedictus-Regel, so dass es gemeinsame „Standards“ für das Leben in Ordensgemeinschaften gab (Angenendt, 2009, 331-334). Auch die Frauenklöster wurden durch die karolingische Reform vereinheitlicht. Insbesondere die Versorgung der Nonnen mit seelsorgerlichen Handlungen (Beichte, Messfeier mit Sakrament und Predigt) wurde detailliert geregelt: Die Frauenklöster waren auf priesterliche Dienste angewiesen, die vor allem wegen des Keuschheitsgebotes spezieller Regelungen bedurften. Diese brachten die Frauenklöster in grundsätzliche Abhängigkeit und förderten in späteren Jahrhunderten die Zuwendung frommer Frauen zu alternativen Lebensformen (Schreiner, 2005, 53-57).

Nachdem das monastische Ideal eines apostolischen Lebens in der Folgezeit einer stärkeren Verweltlichung gewichen war, die sich besonders darin zeigte, dass Laien, nicht Mönche, zu Äbten ernannt wurden, erfolgte im 10. Jahrhundert eine Rückbesinnung auf die benediktinischen Grundlagen. Ihren Ausgang nahm diese Bewegung im neugegründeten Kloster Cluny in Burgund, das direkt dem Papst unterstellt wurde. Es zeichnete sich durch eine strenge Observanz (=Einhaltung) der Benedictus-Regel und eine besondere Pflege der Liturgie aus. Von Cluny aus wurden weitere Klöster reformiert, indem diese der zentralistischen Leitung des Großabtes von Cluny unterstellt wurden (=„Cluniazensischen Reform“). (Kirchen-)politisch bedeutsam wurden die Ideale von Cluny vor allem wegen der Betonung der „Freiheit der Kirche“ von der Einflussnahme durch Laien, denn darin liegt die Hauptursache des Investiturstreits im ausgehenden 11. Jahrhundert.

Eine vergleichbare Ausbreitung und gesellschaftliche Bedeutung erlangte die vom burgundischen Cîteaux ausgehende Bewegung der Zisterzienser. Wie das benachbarte Cluny legten die Mönche großen Wert auf die benediktinischen Ideale und bildeten eine ähnliche Organisation durch die Gründung von Filiationen (Tochterklöstern) aus. (Wirtschafts-)politisch bedeutsam war die Betonung der Handarbeit: Zum einen beteiligten sich die Zisterzienser dadurch maßgeblich an der Landerschließung, zum anderen boten sie so besonders Laienbrüdern Raum in ihrem Orden.

Der Aufschwung des Klosterwesens hatte Auswirkungen auf den weiblichen Monastizismus. Durch die cluniazensische Reform kam es vermehrt zu Klostergründungen in enger räumlicher, wirtschaftlicher und geistlicher Verzahnung mit Männerklöstern, so dass man auch von „Doppelklöstern“ spricht. Daneben entstanden vielfach auch selbstständige Frauenklöster, die nur seelsorgerlich vom männlichen Klerus abhängig waren, wirtschaftlich jedoch als selbstständige Grundherrschaften agierten (Rösener, 2005, 81f.). Vollmitglieder waren vornehmlich Personen höheren Standes, das heißt aus adeligen oder patrizischen Geschlechtern. Einfache Frauen und Männer aus dem Bauernstand oder städtischen Unterschichten verblieben in der Regel im Stand so genannter Konversen, die vor allem für die körperliche Arbeit zuständig waren und daher eine geringere „Gebetsverpflichtung“ hatten. Im Spätmittelalter ging die Konversenpraxis zurück zugunsten bezahlter Mägde und Knechte.

Eine neue Stufe religiösen Lebens stellten die Bewegungen des 12. und 13. Jahrhunderts dar, „die sich am Ideal des Armen Christus und dem evangelischen Leben orientierten“ (Hochhauser, 2009, 23). Die biblizistische Orientierung an Christus und den Aposteln wurde von der offiziellen Kirche als massive Kritik aufgenommen, auf die sie reagieren musste.

Im Unterschied zu den Katharern und Waldensern, die als Ketzer verfolgt wurden, duldete sie andere Armuts- und Laienbewegungen und nahm sie in Anspruch, um auf die Bedürfnisse der Zeit zu reagieren und gleichzeitig die Häresien einzudämmen.

Für die Gemeinschaft der Franziskaner liegt schon in ihrer Selbstbezeichnung als „Minderbrüder“ das ganze Programm beschlossen: „Kein Orden wollte man sein, sondern eine Schar von Brüdern, arm und gering, also demütig vor Gott und verbunden mit den niederen sozialen Schichten“ (Dieterich, 2001, 66). Merkmale ihrer Frömmigkeit waren materielle Armut und geistliche Demut, Rückzug zu Gebet und Gottesdienst, Wirkungsbereiche waren Krankenpflege und Predigt. In zähem Ringen erlangte Franziskus die Anerkennung seiner Gemeinschaft durch den Papst (und damit Schutz vor dem Verdacht der Ketzerei), allerdings um den Preis einer von der Kirche reglementierten klaren Ordensstruktur mit fester hierarchischer Ordnung. Sein weiblicher Zweig bezeichnete sich nach Klara von Assisi als Klarissen, der dritte Zweig der Tertiaren ermöglichte Weltlichen, im Rahmen ihrer jeweiligen Lebensbedingungen dem Ordensideal nachzufolgen.

Die Entstehung des Dominikanerordens ist in Zusammenhang mit der Bekämpfung der Katharer im Midi zu sehen. Die Gemeinschaften, die nach Unterstellung unter die Augustiner-Regel rasch die päpstliche Anerkennung fanden, waren auf die wachsenden Städte konzentriert und zeichneten sich „durch professionelle Predigt, glaubwürdiges Lebensvorbild und weitere pastorale Dienste“ (Oberste, 1999, 247) aus. Papst Gregor IX. betraute einen Teil der Bruderschaft mit der Ketzergerichtsbarkeit gemeinsam oder auch unabhängig vom ortsansässigen Bischof. Die Dominikaner wurden aufgrund dieser Entscheidung zu den bedeutendsten Mitarbeitern der kirchlichen Inquisition der folgenden Jahrhunderte. Die Bettelorden mit ihrer engen Verbindung von religiöser Lebensführung und Dienst am Nächsten brachten monastische Lebensformen in die Mitte der städtischen Gesellschaft.

Das Klosterwesen ist auch ein wesentliches Element der europäischen Bildungsgeschichte. Klöster hatten einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung unserer Schriftkultur; zum einen durch die Vervielfältigung schriftlicher Traditionen in den Scriptorien, zum anderen durch die Beförderung einer „pragmatischen Schriftlichkeit“ angesichts der Finanzverwaltung und Klosterorganisation (Kintzinger, 2006, 37). Zwar dienten die Klosterschulen vornehmlich der Ausbildung von Novizen, zuweilen konnten aber auch (männliche) Laienkinder dem Unterricht folgen. Da der Unterrichtsstoff im Wesentlichen aus dem Erlernen der lateinischen Sprache zu Klosterzwecken und weniger der Weiterentwicklung von Wissen diente, wurden Klöster allmählich durch die Universitäten als Wissenschaftsträger abgelöst. Als monastische Gegenreaktion auf die Verwissenschaftlichung der Theologie in Form der Scholastik kann man die in den Klöstern gepflegte Mystik deuten (Langer, 2004, 151-162). Mystik konnte sich auf Schriftlesung und Eucharistie konzentrieren, aber auch auf die affektive Dimension der Gotteserfahrung, die in den Formen von Gottesfurcht, Mitleiden (compassio) und Liebe (Brautmystik) beschrieben werden kann. Mystische Theologie bzw. mystische Religiosität bot auch Frauen einen eigenen Raum, ihren religiösen Erfahrungen und Vorstellungen in unterschiedlichen Formen Ausdruck zu verschaffen.

3. Religionspädagogische bzw.- didaktische Konkretionen

3.1. Schwerpunkt Primarbereich

Ein regionalgeschichtlicher haptischer Zugang ist möglich, wenn sich ein Kloster/eine Klosterruine in der näheren Umgebung befindet. Dann kann durch einen Erkundungsbesuch das Klosterleben als Lebens-, Glaubens- und Wirtschaftsgemeinschaft greifbar werden (→ Orte, historische). In Verbindung mit grundlegendem Wissen über den Alltag im Kloster (entweder im Mittelalter und/oder heute) können Kinder eine Vorstellung vom Leben im Kloster entwickeln. Es wird ihnen eher fremd und langweilig erscheinen. Von daher ist es wichtig, das Leben im Kloster als bewusst gewählte Alternative zum „Alltagsleben“ darzustellen, das für die Insassen auch Chancen bot.

Zur Erarbeitung von Funktion und Leben gibt es digital eine Fülle von Material, auch aus dem Bereich Geschichtsdidaktik. Religionsdidaktisch ist es notwendig, die Thematik des Klosterwesens/Mönchtums in den Rahmen „religiöses Lernen“ einzubinden, beispielsweise über das Motiv der Gemeinschaft. Wenn zum christlichen Glauben die Gemeinschaft mit anderen und die Nachfolge gehören, dann wird dies am Klosterwesen besonders sichtbar.

3.2. Schwerpunkt Sekundarbereich

Für Jugendliche ist ein lebensweltlicher Zugang (noch) notwendiger als im Primarbereich (→ Vergegenwärtigung, kirchengeschichtsdidaktisch). Im Bereich Medien lässt sich didaktisch ansetzen, indem untersucht wird, welche Vorstellungen von Klosterwesen und Mönchtum Filme, Spiele und Werbung transportieren, z.B. Traditionsbewusstsein, Rückständigkeit, kriminelle Energien. Es kann reizvoll sein, Mediendidaktik und Religionsdidaktik miteinander zu verbinden. So kann deutlich werden, dass der Religionsunterricht Kompetenzen für einen kritischen Umgang mit medialen Narrationen entwickeln hilft.

Unter der Perspektive der Askese und des Verzichts könnten Interesse und Empathie geweckt werden. Viele Jugendliche entscheiden sich für eine vegetarische oder vegane Ernährung. Dieser Lebensstil impliziert für viele einen Verzicht aufgrund übergeordneter Zielsetzungen und Werte. Gleichzeitig kann dieser Verzicht auch als Lebensgewinn erfahren werden, indem man insgesamt bewusster mit seiner Umwelt (Menschen, Dinge) umgeht. Ernährungsstile nehmen heute fast religionsähnliche Züge an („Du bist, was du isst“) und gehen oft mit dogmatischen Positionierungen einher.

Hier könnte ein verbindendes Element zum Mönchtum bestehen. Das einfache, geordnete Leben im Kloster war ganz auf die Pflege der Gottesbeziehung ausgerichtet. Die strengen Regeln, die wir üblicherweise als Einschränkung unserer individuellen Vorlieben und Lebensstile sehen, gaben zugleich Orientierung und Stabilität in einer unsicheren Welt. Dies gilt besonders für mittelalterliche Klosterwesen.

In eine vergleichbare Richtung geht die Eröffnung eines Zugangs über das Motiv „Gemeinschaft“. Gerade für Jugendliche ist die Zugehörigkeit zu einer Peergroup oder Clique von elementarer Wichtigkeit, sicher auch in ihrer medialen Vernetzung über WhatsApp oder Facebook. Die Stabilität (und oft auch der Druck) in solchen Gruppen wird immer auch durch die Abgrenzung der Binnengruppe von denen, die nicht dazu gehören, hergestellt. Auch hier könnte man Parallelen zum Klosterwesen sehen. Es ist geprägt von der Abschottung nach außen und einem gleichzeitigen Aufbau einer Parallelwelt innerhalb der Klostermauern. Phänomenologisch kann das Klosterwesen als Avantgarde christlicher Lebensführung gefasst werden, auch wenn es den Mitgliedern untersagt war, solches für sich in Anspruch zu nehmen.

Für protestantische Lerngruppen kann ein reformationsgeschichtlicher Zugang von besonderem Reiz sein. Im Zuge der Reformation machten viele ehemalige Mönche Karriere als evangelische Prediger, nicht nur Martin Luther, sondern auch Mathis Zell, Martin Bucer etc.

An den Biographien von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora kann im Zusammenhang mit authentischen Schriften Luthers die Haltung der Reformatoren zum Monastizismus erarbeitet werden. Gleichzeitig wird die Kontextgebundenheit der Klosterkritik sichtbar. In einem weiteren Schritt können sich die Schülerinnen und Schüler mit den inzwischen wieder existierenden evangelischen Kommunitäten (www.evangelische-kommunitaeten.de) auseinandersetzen. Auf diese Weise kann ein differenziertes Urteil über das Klosterwesen ermöglicht werden.

3.3. Schwerpunkt Sek 2 und Erwachsenenbildung

Hier ist ein gendersensibler Zugang zum Klosterwesen geeignet. Die mittelalterlichen Klöster waren gerade für Frauen eine Bildungschance (z.B. Hildegard von Bingen) und die einzige gesellschaftlich legitime Möglichkeit, sich der Unterwerfung unter einen Ehemann und den Gefahren von Schwangerschaft und Geburt zu entziehen. Daher ist noch zu diskutieren, ob nicht die Reformation ein Rückschritt für die Frauen war. Klosterflucht ist ein wichtiges Thema der Reformationszeit, gleichzeitig gab es von Seiten vieler Nonnen Widerstand gegen eine Aufhebung des Klosterwesens. Caritas Pirckheimer ist sicher die berühmteste von ihnen.

Die vorliegenden Beispiele versuchen, gleichsam über die innere Struktur des Klosterwesens Zugänge zu schaffen. Dies ist zu verstehen als eine Korrelation, die über historische und lebensweltliche Motive, Erfahrungen und über wirkungsgeschichtliche Zusammenhänge hergestellt wird. Dass das Klosterwesen letztlich immer fremd bleibt, ist anzunehmen. Möglicherweise ist aber gerade diese Fremdheit eine didaktische Chance.

4. Ausblick

Das Kloster ist für Schülerinnen und Schüler ein ‚Andersort‘, es atmet eine ‚Anderszeit‘ und es bietet ein ‚Andersleben‘ an. Gleichzeitig steht es für die Suche von Menschen nach gelingendem, sinnerfüllten Leben, und damit ist es den Lernenden auch wieder nahe.

(Kirchengeschichts-)didaktisch ist das Kloster ein idealer Lernort, denn einerseits lässt sich noch mittelalterliche Tradition aufspüren, andererseits reicht über modernes Klosterwesen das Mittelalter faktisch in unseren Wahrnehmungsbereich und unsere Gegenwart. Am Klosterwesen kann entdeckt werden, dass grundlegende christliche Motive wie Nachfolge, Gemeinschaft und Nächstenliebe zwar geschichtlichem Wandel unterworfen sind, aber sich strukturell durchhalten.

Schließlich kann die Thematik Klosterwesen/Mönchtum auch ein Anknüpfungspunkt für interreligiöses Lernen bieten, denn eine Absonderung von der Welt und Rückzug in eine enge Gemeinschaft kennen auch andere Religionen. So spielt das Mönchtum in den fernöstlichen Religionen Buddhismus und Hinduismus eine bedeutsame Rolle, aber auch die Sufi im Islam können als ordensähnliche Gemeinschaft verstanden werden. Lediglich im Judentum gibt es keine adäquate aktuelle Parallele, wohl aber in neutestamentlicher Zeit, nämlich die Gruppe der Essener in Qumran.

Wegen der besonderen historischen Situation sind Klöster im Abendland immer auch Herrschaftsträger gewesen. Das unterscheidet sie vom Mönchtum in anderen Religionen. Gemeinsamkeiten gibt es allerdings sehr wohl in der Zielsetzung und in der Lebensgestaltung.

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