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Lexikon

Kindergottesdienst, katholisch

1. Einführung

Kinder- (und Familien-)gottesdienste sind heute in katholischen Gemeinden fest etabliert. Kindergottesdienst im Sinne einer liturgischen Feier nur mit bzw. für Kinder/n ist ein eher junges Phänomen, Jahrhunderte lang kannte die Kirche dies nicht. Gemäß dem Ideal der Gemeinschaft in Christus (Kirche als Leib Christi) war eine Teilung der feiernden Gemeinde nach Altersgruppen nicht denkbar. Das änderte sich, als die neuzeitliche Pädagogik Kind und Kindheit als eigenen Wert zu begreifen begann. Der theologische Impuls zur Entstehung katholischer Kindergottesdienste kam aus der Liturgischen Bewegung, deren Ideen in die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils Eingang gefunden haben. Zentral ist die Vorstellung von der Liturgie als sich vollziehender Dialog zwischen Gott und den in der Gegenwart Christi zum Gottesdienst versammelten Menschen (→ Gottesdienst, katholisch). Alle Glieder der liturgischen Versammlung sind Träger und Subjekte dieses Geschehens. Das gilt auch für mitfeiernde Kinder. Der Schlüsselbegriff ist Partizipation. Die Frage lautet seitdem: Wie können Kinder (verschiedenen Alters) gemäß ihres (jeweiligen) Fassungs- und Ausdrucksvermögens bewusst und tätig Liturgie feiern? Dafür gibt es zwei Ansatzpunkte, zum einen ausgehend von der Gestalt der Liturgie und zum anderen ausgehend von der Disposition der feiernden Kinder:

  1. Die Gottesdienstgestalt, bestehend aus Schriftlesungen, Zeichenhandlungen, Gebeten und Gesängen, muss den versammelten Kindern angepasst sein (Stichwort menschenfähige Liturgie). Das römische Direktorium für Kindermessen hat 1973 hier weitreichende und in der Liturgiegeschichte ganz neue Möglichkeiten eröffnet (s.u.).
  2. Die Kinder ihrerseits müssen so vorbereitet sein, dass sie das liturgische Geschehen verstehen und dabei an eigene Erfahrungen anknüpfen können: einander Zuhören, gemeinsam Mahl halten, sich versöhnen, Festkultur, liebende Zuwendung, lebensförderliche Sorge etc. (Stichwort Liturgiefähigkeit des Menschen [Romano Guardini]). Auch dies ist im Direktorium für Kindermessen bedacht (s.u.).

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Liturgiekatechese: zum einen als liturgische Propädeutik (Sauer, 1996; 1999), d.h. zur tätigen Feier hinführende Katechese in Familie, Kindergarten, Schule und Gemeinde, und zum anderen in Form von Liturgie erschließenden (nicht erklärenden) Homilien und Hinweisen innerhalb des Gottesdienstes. Fast noch wichtiger aber ist eine gut gefeierte Liturgie selbst: „gottvoll und erlebnisstark“ (Zulehner, 2004), mit treffsicheren und spirituellen Worten sowie mit ausdrucksstark und authentisch vollzogenen Zeichenhandlungen. Solche mystagogischen Gottesdienste können feiernde Kinder wie Erwachsene in das Geheimnis der Gottesbegegnung führen.

Das Verhältnis zwischen Liturgik und Religionspädagogik ist nicht unproblematisch: Die Liturgiker haben den konkret-praktischen Bereich der tätigen Teilnahme von Kindern an der Feier der Liturgie lange Zeit vernachlässigt und den Religionspädagogen überlassen. Diese haben ihrerseits dabei oft den katechetischen Aspekt der Liturgie zu stark gewichtet und ihren Feiercharakter vernachlässigt, erkennbar unter anderem an der Rede vom „Thema“ eines Gottesdienstes, an allzu wortreichen Katechesen, missverstandenen Kyrie-Rufen und Fürbitten. Die Ursachen dafür liegen nicht zuletzt in der geschichtlichen Entwicklung.

2. Geschichte

2.1. Alte Kirche

Der frühchristliche Gottesdienst war Versammlung der Gemeinde in der Gegenwart des Herrn Jesus Christus zur Feier der Eucharistie am Sonntag. Gemäß dem Stiftungsauftrag Jesu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1Kor 11,24-26; Lk 22,19) feierten die christlichen Gemeinschaften das Herrenmahl, die Eucharistie, am Sonntag, dem Tag der Auferstehung ihres Herrn. Es feierten getaufte Erwachsene, basierend auf ihrem persönlichen Glaubensbekenntnis. Gemeinsam mit ihren Eltern gehörten auch Kinder dazu. Nachdem die Kirche begann, auch kleine Kinder zu taufen, waren diese vollwertige Glieder der (Gottesdienst-)Gemeinde, was auch den Eucharistieempfang mit einschloss. Gegen Ende des 4. Jhs. traten Kinder als eigene Gruppe im Gottesdienst in Erscheinung. Sie hatten einen eigenen Platz in der Kirche, durften vor der übrigen Gemeinde kommunizieren und hatten Aufgaben in der liturgischen Feier: Singen der Kyrie-Rufe, Vortragen von Lesungen und Mitgehen bei Prozessionen. Im Hintergrund stand hier weniger eine besondere Zuwendung zu den Kindern, als vielmehr der Nutzen für die Feier der ganzen Gemeinde: Das Gebet der Kinder galt aufgrund ihrer Unschuld als wirkkräftiger, und ihre hellen Stimmen waren besser zu verstehen.

2.2. Mittelalter

Mit dem Verlassen des griechisch-römischen Kulturraumes entfernte sich die Liturgie von den Menschen: Im Lauf der Zeit wurde Latein verbindliche Liturgiesprache. Die rituell immer stärker ausgefaltete Eucharistiefeier entwickelte sich zur reinen Klerus-Liturgie. Die Anwesenden – Kinder wie Erwachsene – verstanden nicht, was im Gottesdienst geschah, und blieben stumme Zuschauer. Das Mittelalter hatte kein Interesse am Kind als Kind, sah vor allem seine Unzulänglichkeiten. Eine Antwort darauf waren die Klosterschulen. Klosterschüler partizipierten an der Tagzeitenliturgie und der Eucharistiefeier, sie feierten mit und erfüllten liturgische Dienste. Gleiches gilt für die später vor allem zur Ausbildung des zukünftigen Klerus entstandenen Kathedral- und Dorfschulen. Das Vollziehen der Liturgie war ein wichtiges Ziel dieser Bildung, die Schreiben, Lesen, Latein und Liturgiegesang umfasste. Mit dem Aufkommen der Privatmesse ohne Gemeinde kam der Ministrantendienst auf. Sein Sinn war jedoch nicht die echte Teilnahme von Kindern an der Liturgie, sondern die Stellvertretung der nicht anwesenden Gemeinde. (Der heutige, nach der Liturgiereform wiederbelebte Ministrantendienst versteht sich hingegen gerade nicht als Stellvertretung der Gemeinde, sondern als liturgischer Dienst [von Gliedern] der Gemeinde im Sinne der tätigen Teilnahme.) Insgesamt hatte nur ein Bruchteil der Kinder im Mittelalter die Möglichkeit, an der Liturgie beteiligt zu sein, die meisten von ihnen waren Jungen. Eigene Kindergottesdienste gab es nicht, dafür kam die (außer- bzw. paraliturgische) volkssprachliche Kinderpredigt auf. Vom späten Mittelalter bis in die 50er-Jahre des 20. Jhs. nahmen Kinder vor allem als Schulkinder und im Kontext von Schule an der weiterhin als fremd und unverständlich erlebten Liturgie teil.

2.3. Neuzeit

  1. Glaubensunterweisung. Mit Beginn der Neuzeit begann man, die Kindheit als eigenen Wert zu betrachten. Seit der Aufklärung setzte sich die Forderung nach altersstufengemäßer Bildung durch. Schulen widmeten sich fortan der Erziehung und Bildung der Kinder, nicht mehr im Blick auf eine Klerikerlaufbahn, sondern auf die Ausbildung der denkenden Vernunft, auch im kirchlichen Kontext: Kinder sollten die Glaubenslehre kennen. Dem dienten Katechismusunterricht (→ Katechismus/Katechismusunterricht), Bibelkunde, Kinderpredigten und auch Gottesdienste. Je mehr sich das Bildungssystem ausbreitete, desto mehr trat die Beteiligung der Kinder an der Feier der Liturgie in den Hintergrund zugunsten ihrer Glaubensunterweisung. Allerdings boten diese Kinderkatechesen ihrerseits Anknüpfungspunkte für gottesdienstliche Feiern, z.B. für Andachten.
  2. Evangelischer Kindergottesdienst (→ Kindergottesdienst, evangelisch). Der Begriff Kindergottesdienst taucht erstmals im 19. Jh. in der evangelischen Kirche als Bezeichnung für die Sonntagsschule auf, die weniger liturgisch als vielmehr katechetisch ausgerichtet war. Publizierte Arbeitshilfen und Gottesdienstmodellbücher führten ab den 1970er-Jahren zu starken Wechselwirkungen zwischen den Konfessionen: Auf katholischer Seite war dies mit verantwortlich für eine Pädagogisierung des Kindergottesdienstes (Sauer, 1996, 244f.; 1999, 138f.), die allerdings in den letzten Jahrzehnten wieder zurückzugehen scheint. Auf evangelischer Seite ist man sensibler geworden für die ästhetisch-liturgische Dimension des Gottesdienstes.
  3. Katholische Kindermessen. In der katholischen Kirche wurden Kindergottesdienste erst mit einem neuen Liturgieverständnis möglich. Bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab es in der Liturgischen Bewegung einzelne Bemühungen um die Gestalt so genannter Kindermessen, die durchweg Schulmessen waren. Die Aktivität der Kinder bestand im Beten und Singen parallel zum Handeln des Priesters, im Geben der lateinischen Antworten auf die Priestergebete sowie im Empfangen der Kommunion. Volkssprachliche Erklärungen wandten sich direkt an die Kinder. All das war im Rahmen der damaligen Liturgie neu, echte Partizipation an der Liturgie war es aber nicht. So wurde bald der Wunsch laut nach einer Messfeier, in der Kinder nicht nur anwesend sind, sondern die speziell für Kinder gedacht ist.

3. Mit Kindern Gottesdienst feiern

3.1. Tätige Teilnahme – dem Fassungsvermögen angepasst

Die erneuerte Liturgietheologie der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1963 baut auf dem vollen, bewussten, tätigen, inneren wie äußerlichen, gemeinschaftlichen und spirituell fruchtbaren Mitvollzug der Liturgie (Sacrosanctum Concilium 14;11;30 u.a.) von allen zum Gottesdienst-Feiern Versammelten auf. Die Gläubigen sollen nicht mehr länger nur Objekte liturgischen und katechetischen Handelns sein, sondern selbst Subjekte liturgischer Feiern (→ Gottesdienst, katholisch). Durch erinnerndes Vergegenwärtigen des Heilshandelns Gottes und des Paschamysteriums Jesu Christi sowie durch Lobpreis Gottes und Gebet soll jede und jeder Mitfeiernde die heilvolle Begegnung mit Gott erfahren. Tätig und bewusst mitfeiern aber kann man nur das, was man versteht, innerlich mitvollziehen und selbst ausdrücken kann. Wichtigster Schritt der Umsetzung war daher die Einführung der liturgischen Feiern in den Volkssprachen. 1975 erschien das deutschsprachige Messbuch in erster Auflage. Weil volkssprachliche liturgische Texte allein für ein aktives Mitvollziehen aber nicht ausreichen, wird nachdrücklich die liturgische Bildung auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens empfohlen (Sacrosanctum Concilium, 14-20). Alle Seelsorger und Liturgen sollen um die tätige Teilnahme der Gläubigen an den liturgischen Feiern bemüht sein, „je nach deren Alter, Verhältnissen, Art des Lebens und Grad der religiösen Entwicklung“ (Sacrosanctum Concilium, 19). Aber auch die Liturgie selbst soll „leicht zu erfassen“ (Sacrosanctum Concilium, 21), „knapp, durchschaubar und frei von unnötigen Wiederholungen“ sowie „der Fassungskraft der Gläubigen angepasst“ (Sacrosanctum Concilium, 34) sein. Damit war nun auch die Möglichkeit gegeben, die Feiergestalt von Eucharistiefeiern dem Fassungsvermögen von Kindern anzupassen, durch Vereinfachungen, Kürzungen, Exemplarizität, Beteiligung der Kinder an liturgischen Handlungen, kindgemäße Sprache und kindgemäße Gesänge.

3.2. Liturgische Bücher und Arbeitshilfen

Kinder haben das Recht auf eigene, kindgemäße Gottesdienst- und Gebetsformen, die ihrer Glaubens- und Lebenssituation angemessen sind. Kinder müssen aber auch in das Glaubensleben und den Gottesdienst der Kirche hineinwachsen können, sonst fehlen ihnen im Jugend- und Erwachsenenalter angemessene Ausdrucksformen. Diese doppelte Zielrichtung ist bis heute leitend bei der Herausgabe liturgischer Bücher und Arbeitshilfen, wobei anfangs fast nur die eucharistische Liturgie im Blick war.

  1. Überlegungen und Anregungen zur Messfeier. 1970 und 1972 erarbeitete eine deutschsprachige Kommission unter der Federführung des Deutschen Katechetenvereins (DKV) und des Deutschen Liturgischen Instituts (DLI) „Richtlinien und Anregungen für die Messfeier mit Kindern“ (seit der ergänzten Neuauflage 1988 „Überlegungen und Anregungen zur Messfeier“). Vielfältige Anpassungs- und Auswahlmöglichkeiten, Beschreibungen und Erklärungen liturgischer Elemente, Hilfen für die Vorbereitung und Formulierungsvorschläge für mystagogische Erschließungen waren für Priester, Religionslehrer/Religionslehrerinnen, Eltern und pastorale Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen eine willkommene Hilfe.
  2. Direktorium für Kindermessen. Die deutschsprachigen Anregungen haben ihrerseits das 1973 für die gesamte römisch-katholische Kirche von der Gottesdienst-Kongregation herausgegebene „Direktorium für Messfeiern mit Kindern“ (Deutscher Katechetenverein e.V./Deutsches Liturgisches Institut, 2006) beeinflusst. Es ist das erste römisch-katholische Dokument über den Kindergottesdienst in der Kirchengeschichte. Im ersten Kapitel gibt es grundlegende Empfehlungen für die Hinführung der Kinder zur Messfeier: durch regelmäßiges Mitfeiern, durch christliches Leben in den Familien, durch Liturgiekatechese in Schule und Gemeinde sowie durch eigene kindgemäße Wortgottesdienste und „katechetische Feiern“. Das zweite Kapitel befasst sich mit Messfeiern von Erwachsenen, die auch Kinder mitfeiern: Mitfeiernde Kinder sollen auf jeden Fall auch in normalen Gemeindemessen in irgendeiner Weise berücksichtigt werden. Das dritte Kapitel geht ausführlich ein auf Messfeiern von Kindern, die nur wenige Erwachsene mitfeiern. Hier sind die meisten Anpassungen und Änderungen möglich, um Fassungsvermögen und besondere Ausdrucksfähigkeiten von Kindern zu berücksichtigen: durch liturgische Dienste und Aufgaben in der Feier, durch kindgemäße Gesänge, durch Gesten und anschauliche Zeichenhandlungen sowie durch die Möglichkeit, bestimmte Elemente der Messfeier (Elemente im Eröffnungsteil, Schriftlesungen …) auszulassen oder anzupassen.
  3. Hochgebete für Messfeiern mit Kindern. In Ergänzung bzw. Fortschreibung des Direktoriums erschienen 1974 für die ganze römisch-katholische Kirche drei eucharistische Hochgebete für Messfeiern mit Kindern (1975 auf deutsch; 1980 überarbeitet; 2002 Teil des Lateinischen Messbuchs; in der Neuauflage von 2008 nicht mehr). Kennzeichen der drei Hochgebete sind vor allem kindgemäße Sprache und Beteiligungsmöglichkeiten durch Akklamationen. Da Messfeiern mit mehr Kindern als Erwachsenen heute sehr selten sind, werden diese Hochgebete immer seltener verwendet und werden auch die meisten Vorschläge des Direktoriums kaum noch verwirklicht.
  4. Lektionar für Gottesdienste mit Kindern. 1981 und 1985 erschienen die zwei Bände des Lektionars für Gottesdienste mit Kindern. Sie enthalten ausgewählte Schrifttexte (Bd. 1: Kirchenjahr und Kirche; Bd. 2: Lebenswelt des Kindes, Lebensordnung des Christen, biblische Gestalten als Zeugen des Glaubens) in einer vereinfachten Fassung der Einheitsübersetzung sowie didaktische Hilfen für die Schriftauslegung, aber keine sinnenfälligen Elemente. Es sind repräsentative Verkündigungsbücher, die die Bedeutung des Wortes Gottes auch ästhetisch deutlich machen. Leider werden diese Bücher wenig verwendet: weil sie wenig bekannt und nicht mehr lieferbar sind, weil ihre Sprache nach 30 Jahren als unmodern empfunden wird, und auch, weil sie nicht die Verkündigungstexte für die Sonn- und Festtage enthalten. Danach gab es fast 30 Jahre lang keine offiziellen kirchlichen Äußerungen zum Kindergottesdienst.
  5. Feiern auf dem Glaubensweg. 2002 erschien das Liturgische Werkbuch der deutschsprachigen Liturgischen Institute „Getauft – und dann? Gottesdienste mit Kindern und Jugendlichen auf ihrem Glaubensweg“ (Liturgische Institute Trier, Salzburg und Fribourg, 2013). Hier finden sich Vorschläge unter anderem für Segensfeiern im Kirchenjahr und zu biographisch bedeutsamen Zeiten, Feiern zur Überreichung christlicher Zeichen im Rahmen der Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Firmung, Taufgedächtnis und Feier der Umkehr und Versöhnung, bis hin zu Feiern im Jugendalter. Diese Gottesdienste sind mehrheitlich nichteucharistische Gottesdienste, verstehen sich als Ergänzung und Hinführung zur sonntäglichen Eucharistiefeier der Gemeinde und fußen als Gesamtkonzept auf der Verantwortung der Kirche bzw. Gemeinde für die in den Glauben und die Feier des Glaubens hineinwachsenden Kinder.

3.3. Kindergottesdienst heute

Heute feiern nur sehr wenige der getauften Kinder regelmäßig Gottesdienst. Die Bedeutung einzelner Gottesdienste, vor allem im Blick auf ihre Erlebnisqualität, ist dadurch immens gestiegen. Liturgiekatechese findet – wenn überhaupt – fast nur im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung statt. Kindermessen gibt es faktisch nicht mehr, schon gar nicht an Werktagen. Und auch das Modell der in den letzten Jahrzehnten propagierten Familienmesse am Sonntag für und mit alle/n Generationen (intergenerationelle Feier oder auch mit parallelem Kinder-Wortgottesdienst) kann nicht mehr überall verwirklicht werden. Dabei hat die gemeinschaftliche Feier der Eucharistie am Sonntag nach wie vor große Bedeutung: Sie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (Sacrosanctum Concilium, 10; Lumen Gentium, 11; Christus Dominus, 30). Wo immer Kinder Liturgie mitfeiern, sollten sie von den Verantwortlichen als feiernde Subjekte wahrgenommen und wenigstens punktuell auch angesprochen und aktiv einbezogen werden.

Die Kindergottesdienste der Zukunft sind nichteucharistische, oft ökumenische Gottesdienste in Kindergärten, in Schulen, Kleinkindergottesdienste in Gemeindekirchen, Wort-Gottes-Feiern oder Segensfeiern zu (kirchen-)jahreszeitlichen (Erntedank, St. Martin, St. Nikolaus, Weihnachten, Ostern, Sommer-/Ferien-/Urlaubszeit …) oder biographisch bedeutsamen Anlässen (Einschulung …).

Kindergottesdienste sind mystagogisch, lassen das Geheimnis der Gottesbegegnung erlebbar werden. Sie sind zweckfreie Feier, kein Unterricht und auch keine Aufforderung zu moralischem Tun. Kindergottesdienste sind ein positives Beziehungsgeschehen zwischen feiernden Kindern und den Leitern/Leiterinnen der Gottesdienste, das die Zuwendung Gottes erlebbar macht. Sie sind reich an sinnenhaften Zeichenhandlungen, die Kinder mitvollziehen, und arm an Worthandlungen. Möglichst viele Worthandlungen sind Gesang. Die gesprochenen Worte sind theologisch wahr, kindgemäß (nicht kindisch) formuliert und von den Vortragenden so gemeint, wie sie gesagt werden. Worte, die Kinder vortragen, sind so, dass diese die entsprechende Worthandlung auch echt vollziehen können. Kindergottesdienste sind biblisch orientiert, sie verkünden das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift und machen es durch kreative Auslegungen erfahrbar. Sie haben eine liturgische Grundstruktur von Verkündigung und darauf antwortendem Gebet. Neu formulierte Gebete orientieren sich am biblischen Gottesbild und am liturgischen Gebet, sind immer zuerst Erinnerung und dankbarer Lobpreis Gottes (Anamnese) und dann Bitte (Epiklese) und vor allem auch echte Fürbitte, manchmal auch Klage. Der Kindergottesdienst der Zukunft ist nicht Gottesdienst für sondern mit Kindern. Kinder orientieren sich an Vorbildern, darum sind authentisch mitfeiernde, nicht nur zuschauende (oder gar aufpassende) Erwachsene wichtig.

Literaturverzeichnis

Kirchliche Dokumente und Liturgische Bücher

  • Zweites Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium (SC). Konstitution über die heilige Liturgie, in: Rahner, Karl/Vorgrimler, Herbert (Hg.), Kleines Konzilskompendium, Freiburg i.Br. 29. Aufl. 2002, 37-90.
  • Deutscher Katechetenverein e.V./Deutsches Liturgisches Institut (Hg.), Gottesdienst mit Kindern. Direktorium für Kindermessen. Überlegungen und Anregungen zur Messfeier, Trier 9. Aufl. 2006.
  • Deutscher Katechetenverein e.V./Deutsches Liturgisches Institut (Hg.) Richtlinien und Anregungen für die Messfeier mit Kindern, o.O. 1970/1972.
  • Liturgische Institute Salzburg, Trier und Zürich, Hochgebete für Messfeiern mit Kindern, in: Liturgische Institute Salzburg, Trier und Zürich (Hg.), Fünf Hochgebete. Hochgebet zum Thema „Versöhnung“. Hochgebete für Messfeiern mit Kindern. Studienausgabe für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes, Freiburg i.Br. 11. Aufl. 2011, 19-50.
  • Liturgische Institute Salzburg, Trier und Zürich (Hg.), Lektionar für Gottesdienste mit Kindern. Bd. 2: Lebenswelt des Kindes. Lebensordnung der Christen. Biblische Gestalten als Zeugen des Glaubens, Freiburg i.Br. u.a. 1985.
  • Liturgische Institute Salzburg, Trier und Zürich (Hg.), Lektionar für Gottesdienste mit Kindern. Bd. 1: Kirchenjahr und Kirche, Freiburg i.Br. u.a. 1981.
  • Liturgische Institute Trier, Salzburg und Fribourg (Hg.), Getauft – und dann? Gottesdienste mit Kindern und Jugendlichen auf ihrem Glaubensweg, Freiburg i.Br. 2. überarbeitete Auflage 2013.

Arbeitshilfen und Werkbücher

  • Blecker-Guczki, Iris Maria (Hg.), Kinder- und Familiengottesdienste. Werkbuch zum Gotteslob, Trier 2013.
  • Deutsches Liturgisches Institut (Hg.), Mit Kindern Gottesdienst feiern. Tipps zur Vorbereitung und Leitung, Pastoralliturgische Hilfen 19, Trier 2014.
  • Deutsches Liturgisches Institut (Hg.), Familien im Sonntagsgottesdienst. Familiengottesdienst, Pastoralliturgische Hilfen 6, Trier 2. Aufl. 2005.
  • Erzbistum Köln – Hauptabteilung Seelsorge (Hg.), Mit Kindern den Glauben feiern. Eine Arbeitshilfe zur Gestaltung von Gottesdiensten mit Kindern, Köln 2008.
  • Erzdiözese Freiburg – Seelsorgeamt (Hg.), Kinder herzlich willkommen! Kinder- und Familiengottesdienste in der Erzdiözese Freiburg. Handreichung zum Grundlagenkurs, Freiburg i.Br. o. J.
  • Jeggle-Merz, Birgit/Sauer, Ralph/Schwenzer, Andreas (Hg.), Gottesdienst feiern mit Kindern. Werkbuch, Freiburg i.Br. 1994.

Wissenschaftliche Literatur

  • Berger, Rupert, Art. Kinder im Gottesdienst, in: Pastoralliturgisches Handlexikon. Das Nachschlagewerk für alle Fragen zum Gottesdienst (2013), 199-201.
  • Bottermann, Maria-Regina, Die Beteiligung des Kindes an der Liturgie von den Anfängen der Kirche bis heute, Frankfurt a.M./Bern 1982.
  • Haunerland, Winfried, Gottesdienst in Gemeinde, Gemeinschaften, im kleinen Kreis, in: Klöckener, Martin/Häussling, Angelus A./Messner, Reinhard (Hg.), Theologie des Gottesdienstes. Gottesdienst im Leben der Christen. Christliche und jüdische Liturgie, Handbuch der Liturgiewissenschaft, Bd. 2,2, Regensburg 2008, 29-81.
  • Hermans, Jo, Eucharistie feiern mit Kindern. Eine liturgiewissenschaftliche Studie, Kevelaer/Brügge 1991.
  • Kaczynski, Reiner, Art. Kindergottesdienst, in: Lexikon für Theologie und Kirche V (2006), 1442-1443.
  • Lutterbach, Hubertus, Kinder und Christentum. Kulturgeschichtliche Perspektiven auf Schutz, Bildung und Partizipation von Kindern zwischen Antike und Gegenwart, Stuttgart 2010.
  • Sauer, Ralph, Liturgie – ein Ort der Katechese?, in: Kranemann, Benedikt/Nagel, Eduard/Nübold, Elmar (Hg.), Heute Gott feiern. Liturgiefähigkeit des Menschen und Menschenfähigkeit der Liturgie, Freiburg i.Br. 1999, 137-146.
  • Sauer, Ralph, Die Kunst, Gott zu feiern. Liturgie wiederentdecken und einüben, München 1996.
  • Sauer, Ralph, Die Liturgie als Thema der Religionspädagogik, in: Richter, Klemens (Hg.), Liturgie – ein vergessenes Thema der Theologie?, Qaestiones disputatae 107, Freiburg i.Br. 1986, 162-171.
  • Zulehner, Paul, Gottvoll und erlebnisstark. Für eine neue Kultur und Qualität unserer Gottesdienste, Ostfildern 2004.

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