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Lexikon

Jugendarbeit, evangelisch

1. Einführung

Galt die Jugendphase bis in die 1980er Jahre hinein als eine relativ kurze und dabei eher instabile Übergangsphase, so sprechen wir heute von der Jugend als einer eigenständigen Lebensphase, die eben nicht mehr bloß funktional auf den Übergang von der Kindheit in die Erwachsenenwelt hin orientiert ist. Gegen ein solches Modell einer Übergangsphase spricht schon die Dauer: Die Jugendphase beginnt heute etwa mit 11 Jahren und neigt sich etwa mit 27 Jahren ihrem Ende entgegen. Das sind somit über 15 Jahre, die das Jugendalter heute umfassen kann. Wir teilen dies noch einmal ein in junge Jugendliche (11-14), Jugendliche (14-18) und junge Erwachsene (18-27). Das formale gemeinsame Kennzeichen für diese Phasen des Jugendalters liegt allgemein darin, dass diese Zeit geprägt ist von einer zunehmenden kulturellen Selbständigkeit bei einer gleichzeitig noch andauernden ökonomischen Abhängigkeit. Diese Phase durchlaufen heute praktisch alle Jugendlichen in den Industrienationen. Gleichzeitig gilt aber auch, dass diese Zeit äußerst unterschiedlich erlebt wird, je nachdem in welcher Lebenslage sich die Jugendlichen vorfinden.

Angebote für Kinder und Jugendliche, die von öffentlichen und freien Trägern bereitgestellt werden, haben als gemeinsame gesetzliche Grundlage das Sozialgesetzbuch VIII, Kinder- und Jugendhilfe (Deisenhofer/Deisenhofer, 2015). Dort werden sie der Jugendhilfe zugerechnet (§ 1). Jugendhilfe umfasst somit alle Formen von Jugendarbeit (§ 11) wie auch der Jugendsozialarbeit (§ 13). Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass die Jugendhilfe durch eine Vielfalt von öffentlichen und freien Trägern gekennzeichnet ist (§ 3). Darunter fallen auch die Kirchen, die in § 75 als freie Träger der Jugendhilfe anerkannt werden.

Die in den §§ 11 und 13 SGB VIII formulierten Ziele der Jugendarbeit sind für alle staatlich anerkannten Formen der Jugendhilfe grundlegend:

§ 11, SGB VIII, Jugendarbeit:

(1) Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.

§ 13, SGB VIII, Jugendsozialarbeit:

(1) Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.

Eine 2006 erstellte Studie hat ergeben, dass 10,1 % aller Jugendlichen mindestens einmal Kontakt zu einem solchen Angebot der Evangelischen Jugendarbeit haben (Fauser/Fischer/Münchmeier, 2008).

2. Historische Entwicklung

Für den mitteleuropäischen Raum kann erst seit dem 18. Jahrhundert von eigenständigen Formen des Jugendalters gesprochen werden. Von daher ist es nicht überraschend, dass auch zu dieser Zeit die ersten Ansätze einer Evangelischen Jugendarbeit entstehen. Evangelische Jugendarbeit ist ein Arbeitsfeld, das der Kirche in den letzten 200 Jahren zugewachsen ist. An ihrer Entstehung hatte die Erweckungsbewegung einen wesentlichen Anteil: Die ersten Vereine gehen ebenso wie die ersten Einrichtungen der Jugendsozialarbeit auf das vielfältige Engagement von Mitgliedern der Erweckungsbewegung zurück. Sie begründeten damit eine Tradition spezieller kirchlicher Arbeitsformen und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Dabei hat es das eine Konzept der Jugendarbeit nie gegeben. Wir finden vielmehr zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Ansätze der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, die jeweils auf die Zeitumstände bezogen sind. Die Anfänge reichen zurück in die Entstehungszeit der Erweckungsbewegung im 18. Jahrhundert, als Jakob Friedrich Meyenrock 1768 in Basel die Versammlung lediger Brüder begründet. Ähnliche Vereine entstehen in den nachfolgenden Jahrzehnten an vielen Orten in Europa und den USA und sind sowohl auf Frömmigkeit als auch auf soziale Notlagen bezogen. Die spätere Trennung von Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit greift für die Frühzeit noch nicht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstehen mit den Rettungshäusern die ersten diakonischen Einrichtungen speziell für verwaiste Kinder und Jugendliche. 1813 begründen Johannes Falk und die Gesellschaft der Freunde in der Not die erste Rettungsanstalt in Weimar (Hain, 2015).

Die Notwendigkeit spezieller Angebote für Jugendliche war in den Kirchen allerdings lange umstritten. Erst allmählich konnten sich verschiedene Arbeitsformen der Jugendarbeit in den Kirchen etablieren. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg geschieht diese Anerkennung der Jugendarbeit als kirchliches Handlungsfeld nicht zuletzt durch die neue Konkurrenz einer staatlichen und gewerkschaftlichen Jugendpflege (Schwab, 1992). In den 1920er Jahren hat die Evangelische Jugendarbeit Anteil an der Entwicklung der Bündischen Jugend, bis diese 1933/34 staatlicherseits verboten bzw. in die Hitlerjugend zwangsweise eingegliedert wird. Der Auflösung der Verbände folgt eine Verlagerung der Jugendarbeit in die Gemeinden. Nach 1945 kann sich ein Teil der alten Verbände (vor allem Christlicher Verein Junger Menschen [CVJM], Entschieden für Christus [EC], Verband der christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder [VCP], Arbeitsgemeinschaft Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit [AES]) neben der Gemeindejugend erneut etablieren. Allerdings kommt es bis in die Gegenwart immer wieder zu Spannungen zwischen der verbandsorientierten und gemeindeorientierten Jugendarbeit.

3. Theologische Begründung

Eine Begründung für die Evangelische Jugendarbeit kann durch den Hinweis auf die mit der Kommunikation des Evangeliums (Lange, 1982) gegebene Bildungsfunktion für Kinder und Jugendliche geschehen. Die Kommunikation des Evangeliums ist eine Grundfunktion kirchlicher Arbeit (Bäumler, 1984). Durch ihren Sendungsauftrag ist Kirche bezogen auf alle Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche. Insoweit es sich dabei um Kinder und Jugendliche handelt, ist den Gemeinden und Verbänden mit der Kommunikation des Evangeliums eine kinder- und jugendgerechte Praxis aufgetragen. Deshalb gilt: Jugendarbeit ist notwendig für die Kirche, weil es Jugendliche gibt.

Eine Kirche, die ihren so bestimmten Sendungsauftrag gegenüber Kindern und Jugendliche ernst nimmt, wird von daher zu fragen haben, wie sie sich mit ihrer Gemeindearbeit auf den lebensweltlichen Kontext der Jugendlichen einstellen kann. Dies führt zu einer jugendspezifischen Form des Sendungsauftrags der Kirche. Gerade die Anfänge der Jugendarbeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind ein sehr lebendiger Beleg dafür, wie aufgrund neuer Notlagen neue Formen kirchlicher Arbeit geschaffen wurden. Es versteht sich von selbst, dass Jugendarbeit damit einer permanenten Weiterentwicklung unterliegt. Die Kirche kann ihrem Auftrag nur dann am Ort der Jugendlichen gerecht werden, wenn sie sich auf diese Gegebenheiten mit ihren Arbeitsformen einlässt.

Aber Jugendarbeit ist nicht nur Dienst der Kirche an der Jugend, sondern Jugendliche sind auch selbst Kirche. Hier hat der Bezug auf die Taufe sein Recht: durch die Taufe zu Beginn des Lebens wird in besonderer Weise deutlich, dass Gottes Gnadenzuspruch kein Verdienst einer bestimmten Frömmigkeitspraxis ist, sondern den Menschen durch Christi Erlösungstat am Kreuz zugesprochen wird. Weil Jugendliche durch die Taufe ein Teil der Kirche Jesu Christi sind, haben sie auch einen Anspruch auf Raum in dieser Kirche. Jugendliche sind nicht „die Zukunft“ der Kirche, sie sind ein äußerst lebendiger Teil ihrer Gegenwart! Somit wird eine subjektorientierte Jugend- und Gemeindearbeit bei den Jugendlichen selbst ansetzen – und kann als Institution ihre Relevanz für Jugendliche erweisen.

4. Herausforderungen

Der seit den 1990er Jahren entwickelte Theorie-Ansatz einer Pädagogik des Jugendraums (Böhnisch/Münchmeier, 1990) versteht Jugendarbeit in ihrer Funktion als Sozialisationsfeld. Die Jugendarbeit wird als Teil der Gesamtumwelt Jugendlicher gesehen. Hierzu gehören heute selbstverständlich auch virtuelle Welten (Wagner, 2014). Wie Angebote der Jugendarbeit angenommen werden und was daraus wird, entscheiden die Jugendlichen in Absprachen mit den Hauptberuflichen oder Ehrenamtlichen selbst. Was sie brauchen, sind Räume zur Selbstinszenierung, damit sie sich zu anderen in Beziehung setzen können. Dabei spielen jugendkulturelle Angebote, in denen die eigene Expressivität sowohl real als auch virtuell ausgelebt werden kann, eine besonders wichtige Rolle (Kopp/Hügin/Kaupp/Borchard/Calmbach, 2013). So sollen für die Jugendlichen Möglichkeiten zu einer selbstbestimmten Lebenspraxis eröffnet werden. Im Vordergrund stehen dabei „das selbstentdeckende Lernen, die partizipative und eigenständige Entwicklung von Meinungen, Haltungen und Werten, das nicht-intendierte Erlernen von Alltagskompetenzen unter Realbedingungen sowie das konkrete, aktivierende Tun, beispielsweise durch konkrete Übernahme von sozialer Verantwortung“ (Rauschenbach/Borrmann/Düx/Liebig/Pothmann/Züchner, 2010, XI). Jugendarbeit wird demzufolge gut daran tun, dies auch im Umgang mit religiösen Fragen zu berücksichtigen. Auch die religiöse Kommunikation muss partizipatorisch gestaltet sein. Es geht nicht darum, dass Jugendliche vorgegebene religiöse Inhalte unreflektiert übernehmen. Vielmehr müssen ihren Suchprozessen in Glaubensfragen Räume angeboten werden, in denen sie herausfinden können, ob ihnen der christliche Glaube, wie er von anderen gelebt wird, etwas zu sagen hat. Verkündigung hat dabei die Aufgabe, die Relevanz des Evangeliums für die Gegenwart der Jugendlichen aufscheinen zu lassen. Es bleibt aber auch hier die Gestaltung eigener Frömmigkeit letztlich abhängig von selbst verantworteten Bildungsprozessen (Käppler, 2013). Glaube bildet sich durch wiederholte Formen der Aneignung innerhalb einer Biographie und nicht allein durch die Vermittlung von Inhalten.

Jugendarbeit ist in ihrem Selbstverständnis neben Schule und Ausbildung somit ein wesentlicher Bereich einer umfassenden und auf Mündigkeit zielenden Bildung. Zugleich sind damit Veränderungen gesellschaftlicher Strukturen mit zu bedenken. In diesem Sinne hat Jugendarbeit auch eine wichtige politische Dimension, indem sie nachhaltig für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen eintritt.

In besonderer Weise rückt das Thema Migration und damit auch Integration und Armut von Kindern und Jugendlichen derzeit in den Blick (Stürzer/Täubig/Uchronski/Bruhns, 2012). In Deutschland leben über 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund. Die Zahl der Erstasylanträge hat sich 2014 gegenüber dem Vorjahr um 58 % erhöht und wird 2015 um das Dreifache der Antragszahl von 2014 steigen (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2015). Die Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend (AEJ), aber auch viele Ämter für evangelische Jugendarbeit in den diversen Landeskirchen haben ein eigenes Referat für Europäische Jugendpolitik und Integration/Migration eingerichtet. An vielen Orten entstehen zudem kreative Projektideen von Jugendlichen für Jugendliche. Es zeigt sich dabei, dass Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit hier wieder enger aufeinander verwiesen sind, freilich ohne einfach zu verschmelzen.

5. Arbeitsformen

Evangelische Jugendarbeit präsentiert sich heute in gemeindlicher oder verbandlicher Form. In der Kirchengemeinde gilt Jugendarbeit als wichtiger Bestandteil der Gemeindearbeit. Kinder- und Jugendgruppen werden hier von Ehrenamtlichen geleitet. Die Ehrenamtlichen, die häufig selber noch Jugendliche sind, werden dabei von Hauptberuflichen in ihrer Arbeit durch Beratung und Fortbildung unterstützt. Jugendliche Ehrenamtliche geben als Motivation für ihr Engagement gerne an, etwas Sinnvolles für sich selbst und andere tun zu wollen. Dass dies dann in der Kirche oder im Jugendverband geschieht, ist häufig eher zufällig. Aus dem Engagement heraus kann es aber zu einer festen Bindung kommen. Jugendliche wollen ernstgenommen werden als Person mit einer Tätigkeit, die nicht beliebig austauschbar ist. Hier spielen die Hauptberuflichen als Ansprechpartner eine wichtige Rolle. Die Arbeit der Hauptberuflichen ist somit vor allem Beziehungs- und Beratungsarbeit und Fortbildung. Zusammen mit den Jugendlichen vertreten sie außerdem die Belange der Jugendlichen in Gremien. Die Ausbildung zum Hauptberuflichen in der Jugendarbeit geschieht heute in der Regel durch ein sozialpädagogisches oder religionspädagogisches Studium an einer Hochschule. Vielfach sind auch Diakoninnen und Diakone in der Jugendarbeit tätig. Wünschenswert wären hier aber auch Überlegungen der Anstellungsträger zu beruflichen Alternativen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Jugendarbeit hinaus.

In vielen Gemeinden gibt es einen Jugendausschuss, in dem Erwachsene und Jugendliche organisatorische und finanzielle Fragen zur Jugendarbeit klären. Auf Dekanatsebene werden Belange der Jugendarbeit in der Dekanatsjugendkammer verhandelt, in der Hauptberufliche und Ehrenamtliche zusammenarbeiten und im Dekanatsjugendkonvent, der aus jugendlichen Delegierten der einzelnen → Kirchengemeinden besteht. Ansprechpartner für Fragen der Jugendarbeit im Dekanat sind zunächst Jugendreferentinnen und Jugendreferenten, dann aber auch Dekanatsjugendpfarrer und Dekanatsjugendpfarrerinnen, die in der Regel diese Aufgabe zusätzlich zu einem Gemeindepfarramt übernehmen. Auf Landesebene wird diese Struktur wiederholt: hier gibt es eine Landesjugendkammer, einen Landesjugendkonvent und Landesjugendpfarrerinen und -pfarrer, die nun allerdings diese Aufgabe hauptberuflich versehen und dem Amt für Jugendarbeit bzw. der jeweiligen Abteilung zur Kinder- und Jugendarbeit leitend voranstehen.

5.1. Gemeindejugend

Die Gemeindejugendarbeit strukturiert sich heute in Gruppenangeboten, offenen Angeboten und → Projektarbeit. Gruppenarbeit bedeutet in der Regel wöchentliche Treffen zu einer bestimmten Uhrzeit, ein fester Teilnahmekreis mit einer hohen Kohäsion und einem Bezug zur Ortsgemeinde. Offene Angebote sind dagegen nicht auf einen festen Teilnahmekreis ausgerichtet, sondern auf interessierte Besucher. Klassisches Angebot hierfür ist ein Jugendcafé, das von Ehrenamtlichen angeboten wird. Es gibt feste Öffnungszeiten, die meistens an mehreren Tagen in der Woche angesetzt sind. Die Teilnehmer zeichnen sich durch eine niedrige Kohäsion mit eher regionalem Bezug aus. Angestrebt ist ein niederschwelliges Angebot, zu dem möglichst unterschiedliche Leute kommen können. Projektangebote werden nur für einen bestimmten Zeitraum angeboten und zielen auf thematisch Interessierte. Das kann eine Stadtteilaktion, eine Fotogruppe oder ein thematisches Wochenendseminar sein. Wichtig ist die zeitliche Befristung, die für manche Jugendliche eine hohe Attraktivität hat. Bei Projektangeboten kann eine thematisch bestimmte, punktuelle Kohäsion entstehen.

5.2. Jugendverbände

Neben der Gemeindejugendarbeit gibt es eine Vielzahl von Jugendverbänden, die entweder bundesweit oder bezogen auf einzelne Landeskirchen aktiv sind. Im Bereich der → Evangelischen Kirche sind sie in der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend (AEJ) zusammengefasst, der als Dachverband die Interessen seiner Mitglieder vertritt und zum Ansprechpartner der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Belange der Evangelischen Jugend wird.

In der AEJ sind derzeit folgende Einzelverbände vertreten:

  • Arbeitsgemeinschaft Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit (AES)
  • Arbeitsgemeinschaft MBK. Missionarisch-biblische Dienste unter Berufstätigen und Jugendlichen e.V.
  • Christlicher Verein junger Menschen – Gesamtverband Deutschland e.V. (CVJM)
  • Deutscher Jugendverband Entschieden für Christus (EC) e.V.
  • Ring missionarischer Jugendbewegungen e.V.
  • Verband der christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP)
  • sowie 5 freikirchliche und 24 landeskirchliche Jugendwerke.

Die Verbände vertreten bewusst ein bestimmtes Profil in ihrer Jugendarbeit, seien es nun z.B. die Pfadfinderarbeit oder missionarisch-biblische Dienste. Jugendliche finden hier also ein spezielles Programm. Der größte evangelische Jugendverband ist der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM), den es in Deutschland seit 1883 gibt. Der CVJM erreicht in Gruppen- und Projektangeboten derzeit ca. 330 000 Jugendliche. Von Anfang an waren für ihn die missionarische Jugendarbeit und die Mitwirkung von Laien in einem überkonfessionellen Modell kennzeichnend. Das Programmangebot von heute ist sehr vielseitig. Hierzu gehören Freiwilligendienste, Sportangebote, internationale Begegnungsangebote, kulturelle und musische Programme (Ten Sing). Der CVJM bietet eine Fachschule für Theologie und Sozialpädagogik (CVJM-Kolleg) und eine CVJM-Hochschule an, die in verschiedenen Studiengängen einen Bachelor- oder Master-Abschluss ermöglicht. Die Ortsvereine gehören einem Landesverband an, die wiederum im Gesamtverband zusammengeschlossen sind. Es gibt Generalsekretäre auf Landes- wie auch einen Generalsekretär auf Bundesebene. Hinzu kommt ein Vorstand des Gesamtverbands, der die Beschlüsse der Mitgliederversammlung vollzieht. Mit dem Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) engagiert sich der CVJM auch in der Jugendsozialarbeit. Ein besonders innovativer Arbeitsbereich ist das aus Großbritannien importierte Fresh X-Netzwerk, mit dem der CVJM neue Arbeitsformen sucht, um mehr Jugendliche ohne kirchlichen Erfahrungshintergrund ansprechen zu können.

5.3. Jugendkirchen

Zwischen Gemeindejugend und Jugendverband ist mit dem Konzept der → Jugendkirchen eine neue Struktur von Jugendarbeit entstanden, die stärker regional als parochial ausgerichtet ist (Dais/Höschele, 2013). Jugendkirchen gehen davon aus, dass die Vielfalt an Lebensstilen in herkömmlichen Gemeinde- und Verbandsmodellen nicht mehr aufgefangen werden kann. Im Zentrum steht dabei ein spirituelles Angebot in Form eines → Jugendgottesdienstes, der regelmäßig gefeiert wird. Insofern stellen die Jugendkirchen das neu belebte Interesse vieler Jugendlicher an spirituellen Angeboten in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Andere Veranstaltungsformen kommen hinzu. Jugendkirchen setzen dabei ganz bewusst nur auf eine bestimmte Altersgruppe. Dabei können die Jugendkirchen sich stärker als Jugendkulturkirche begreifen und vor allem ein Kulturprogramm anbieten, oder sie können sich bewusst auch einem sozialdiakonischen Auftrag verschreiben. Es hat sich gezeigt, dass die Jugendkirchen für ihre Stabilität einen festen Kern ausbilden. Das kann, muss aber nicht, in Form einer Jugendgemeinde geschehen. Neben dem regelmäßigen Jugendgottesdienst und den täglichen offenen Angeboten werden hier verdichtende Arbeitsformen wie Gesprächskreise und Seminarangebote aufgebaut. Jugendkirchen verändern unter Umständen die traditionell eingewöhnte Sicht darüber, was eine ordentliche → Gemeinde ist. Sie sind eine andere Sozialform gelebten → Glaubens. Ähnlich den klassischen Formen einer Vereinskirche, heben sie sich von parochialen Grenzen ab. Ihr konstitutives Prinzip ist die Ausrichtung eines spirituellen Angebotes ausschließlich auf Jugendliche. Dieser Ansatz lässt sich am ehesten mit Gemeindestrukturen wie z.B. den → Studierendengemeinden an Hochschulen und Universitäten (Evangelische Studierendengemeinde [ESG]) vergleichen. Die Kirchen werden in Zukunft nicht mehr allein auf das Parochialprinzip setzen können. Sie werden es aber auch nicht einfach abschaffen. Für einen Teil der Bevölkerung wird die Parochie zentral von Bedeutung bleiben, für andere nicht. Alle Modelle, die nur darauf sinnen, die „Abtrünnigen“ wieder in die Parochie einzugliedern, greifen zu kurz. Alle Modelle, die auf feste Gemeindeformen insgesamt verzichten wollen, greifen zu weit. Es wird Mischformen geben und hier sind die Jugendkirchen ein interessantes und lehrreiches Beispiel. So entwickelt sich eine Vielfalt kirchlicher Orte, die im landeskirchlichen Bereich in dieser Art und Weise bisher nicht im Blick war.

5.4. Jugendsozialarbeit

Ein Beispiel für die Evangelische Jugendsozialarbeit ist die EJSA (Evangelische Jugendsozialarbeit), die 1947 in Bayern entstanden ist. Anders als in klassischen Jugendverbänden sind in der EJSA keine Jugendlichen, sondern unterschiedliche Arbeitsfelder mit einer gemeinsamen Verwaltung zusammengeschlossen. Berufsbezogene Jugendhilfe und das Freiwillige Soziale Jahr sind ebenso Bestandteil dieses Arbeitsfeldes wie die Gesellschaftspolitische Jugendbildung, die Seminare und Projekte für solche Jugendliche anbietet, die entweder gesellschaftlich benachteiligt oder individuell beeinträchtigt sind. Hinzu kommt noch die schulbezogene Jugendsozialarbeit, der es um die Förderung und Entwicklung einer gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit im Übergang von Schule und Beruf geht. Zu ihr gehören eine sozialpädagogische Diagnostik, Einzelfallhilfe und Krisenintervention, Förderung der Entwicklung und Integration, Elternarbeit, die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und Angebote zur Konfliktbewältigung. Diese Arbeit wird weitgehend von sozial- und heilpädagogisch geschulten Fachkräften angeboten. Die Zusammenarbeit mit der → Schule im Blick auf individuelle oder soziale Schwierigkeiten wird in Zukunft sicher noch auszubauen sein.

Mit der Jugendarbeit muss sich auch die → Kirche einem permanenten Wandel unterziehen. Als bloße Nachwuchspflege für bestehende kirchliche Strukturen wäre die Kinder- und Jugendarbeit missverstanden. Evangelische Jugendarbeit hat im Laufe ihrer Geschichte immer wieder bewiesen, dass sie auf vielfältige Weise zu einem Ort innovativer Veränderungen auch für die gesamte Kirche geworden ist. Neue Formen der Gemeindearbeit, neue musikalische Impulse, aber auch neue Strukturüberlegungen für kirchliche Reformen hatten ihren Ausgang oft in der Jugendarbeit. Insofern gilt auch von dieser Überlegung her, dass Jugendarbeit notwendig für die Kirche bleibt.

Literaturverzeichnis

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