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Lexikon

Gemeinde/Gemeindepädagogik

1. Zu Begrifflichkeit und Verständnis von Gemeinde

Der deutsche Begriff der Gemeinde kommt von Gemeine und bezeichnet das Gemeingut, also den gemeinsamen Anteil an einem Gut. Dieser Begriff wurde von Martin Luther weithin als deutsche Übersetzung für Ekklesia gewählt. In der katholischen Kirche spielte der Begriff der Gemeinde hingegen lange keine Rolle. Die Rede von Gemeinde war nicht nur unüblich, sondern galt nach Aussage des für die Ökumene zuständigen Kardinals Walter Kasper als „Ausdruck eines typisch protestantischen Kirchenverständnisses“ (Blasberg-Kuhnke, 2002, 1). Den Wendepunkt markiert das Zweite Vatikanische Konzil mit der Kirchenkonstitution (Zweites Vatikanisches Konzil, 1964, Art. 26), die die Gemeinde als „Kirche am Ort“, in der die Kirche selbst anwesend ist und als das neue Volk Gottes, in dem Christus gegenwärtig ist, bestimmt (Blasberg-Kuhnke, 1990; 2002). Durch diese Vorgaben des Konzils und im Zuge der nachkonziliaren Reform, vor allem in der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland in Würzburg (1971 bis 1975), wurde ein unumkehrbarer Wandel des kirchlichen Selbstverständnisses ausgelöst, der von Gemeinde in ökumenischer Gemeinsamkeit als theologisch qualifizierter Sozialform des Christseins sprechen lässt.

Dabei bleibt Gemeinde ein „schillernder Begriff“ (Zimmermann, 2006, 3), in dem unterschiedliche Elemente zusammengebunden sind:

  1. lokale Aspekte (die Ortsgebundenheit gemeinschaftlicher christlicher Praxis, dann stellen sich Fragen nach Umfang und Begrenzung von Gemeinde): Gemeinde kann räumlich verstanden werden als begrenzender Raum (umbauter Raum, rechtlich geordneter Raum, gottesdienstlicher Raum) oder auch als entgrenzender Raum (aufs Gemeinwesen immer schon bezogener Raum, in größeren regionalen Verflechtungen; bis hin in den virtuellen Raum des Cyberspace), schließlich auch als nicht organisierter Raum, der als Raum des göttlichen Geisteswirken und Raum der subjektiven Gottesbeziehung abhängig bleibt vom kontingenten Wirken Gottes (Steinhäuser, 2012).
  2. personale Aspekte (Gemeinde als spezifische Sozialgestalt christlicher Praxis, dann stellen sich Fragen nach der Art der Sozialität und den Grenzen der Zugehörigkeit/Mitgliedschaft): Im Gemeindebegriff kann eher prozesshaft und zugleich inhaltlich auf das Geschehen der Kommunikation des Evangeliums oder auf die Versammlung und Verbindung von Glaubenden abgehoben werden.
  3. strukturelle Aspekte: hier geraten bestimmte Formen (Institution und Organisation) von Sozialität in den Blick, dann meist als rechtlich verfasste Ortsgemeinde = Parochie.
  4. zeitliche Aspekte: eine gewisse Dauerhaftigkeit der Sozialität wird mit dem Gemeindebegriff assoziiert, strittig ist, ob es auch Gemeinden „auf Zeit“ geben kann.

Entsprechend dieser Aspekte lässt sich Gemeinde unterschiedlich akzentuiert definieren:

  1. in primär theologisch-dogmatischer Sicht als Gemeinschaft derer, die am Heilsgut Anteil erhalten und es bezeugen: „Die Gemeinde ist die Gemeinschaft der Menschen, die durch Wort und Sakrament zur Einheit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung gesammelt werden und dazu berufen sind, Jesus Christus als den Herrn und Heiland vor der Welt zu bezeugen“ (So in Art. 4 Abs. 2 der Kirchenverfassung der Ev.-luth. Kirche in Bayern). Mit der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanums Gaudium et Spes betont die katholische Kirche die theologische Qualifizierung der Gemeinde als Koinonia, als Gemeinschaft, von Jesus Christus gestiftet, mit ihm und untereinander.
  2. als Personenverband gleichgesinnter Angehöriger einer Religionsgemeinschaft die in einem bestimmten kommunikativen Beziehungsgeflecht leben (ein eher soziologisch und kommunikationstheoretisch ansetzendes Verständnis). „Der Begriff Gemeinde ist dabei ein abstrahierendes Summarium für Begegnungen und Prozesse unterschiedlicher Art, welche das Individuum kaum je in seiner Gänze, meist nur in den für es wichtigen Ausschnitten und Konkretionen erfährt“ (Degen, 2002, 131). Sozial hängt die Lebenskraft und die Tradierung des christlichen Glaubens zu einem nicht unbeträchtlichen Teil an interpersonalen Identifikationsprozessen in Beziehungsnetzen, das heißt an der Begegnung mit konkreten Personen, die überzeugend Christsein im Alltag zu leben versuchen und bereit sind, darüber mit anderen zu sprechen und ihren Glauben zu bezeugen. In dieser Weise Ort und Medium der Weitergabe eines motiv- und sinnstiftenden Glaubens zu sein, hat die „epochale Bedeutung der Gemeinde“ (Mette/Blasberg-Kuhnke, 1986, 189-191) ausgemacht, eine Epoche, die gegenwärtig womöglich an ihr Ende kommt, da eine solche qualifizierte Beziehungs- und Kommunikationskultur in den oft unüberschaubar gewordenen pastoralen Großräumen kaum zu entwickeln ist.
  3. rechtlich verstanden als Parochie, das heißt als rechtlich-räumlich definierter Bereich/Aufsichtsbezirk, der unter der Leitung eines Pfarrers steht (so z.B. im Katholischen Kirchenrecht Codex Iuris Canonici, Canon 374; Canon 515). Zu klären ist das Verhältnis der kirchenrechtlich verfassten Pfarrei als kirchliche Verwaltungs- und Seelsorgeeinheit zur theologisch qualifizierten Gemeinde. Die Zielbestimmung des Synodenbeschlusses „Die pastoralen Dienste in der Gemeinde“ (Präsidium der Gemeinsamen Synode der Bistumer in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz, 1976, Punkt 2.3.2) benennt eher das Problem: „Aus einer Gemeinde, die sich pastoral versorgen lässt, muss eine Gemeinde werden, die ihr Leben im gemeinsamen Dienst aller und in unübertragbarer Eigenverantwortung jedes Einzelnen gestaltet“.

Zwischen dogmatisch-theologischen, soziologischen und kommunikationstheoretischen sowie kirchenrechtlichen Aspekten des Gemeindeverständnisses muss einerseits deutlich unterschieden werden. Andererseits gehören in konzeptionellen Vorstellungen von Gemeinde diese Aspekte meist auch zusammen und werden miteinander verbunden. Integrativ könnte das so formuliert werden:

Gemeinde ist zu verstehen als strukturiertes, in der Regel auf größere Dauer angelegtes Geschehen der Kommunikation des Evangeliums an einem bestimmten Ort. Gemeinde ist demnach einerseits die empirisch wahrnehmbare Form einer zahlenmäßig und örtlich begrenzten Gemeinschaft, in der sich andererseits Kirche als jeweils neu lokal konkretisierte Glaubenspraxis ereignet – verstanden als Prozess der Kommunikation des Evangeliums. Gemeinde ist Kirche am Ort, ohne deshalb auf die Rechtsform der Ortsgemeinde reduziert werden zu können. Daher ist Gemeinde primär ein theologisch qualifizierter Begriff, der über die soziale und rechtlich sichtbare Gestalt der Gemeinde hinaus auf Koinonia als Kern der Reich-Gottes-Botschaft des Evangeliums verweist (Kuhnke, 1992; Blasberg-Kuhnke, 1990).

Gemeinde existiert, wo „‚Glauben- und Lebenlernen‘ als gemeinsames Erkunden, als Frage- und Antwortfinden geschieht, als Infragestellung und Vergewisserung, als Innehalten und Feier“ (Degen, 1992, 115). Als Gemeinde wird möglicherweise also auch der Gospelchor, die Gemeinschaft bei Akademietagungen, Kirchentagen, Reiseprojekten etc. erfahren; solche Orte bilden Kristallisationskerne von Gemeinde. In ihnen zeigt sich die für Glaubenskommunikation in besonderer Weise geeignete Sozialform Gemeinde zwischen Familie oder anderen Primärgruppen auf der einen und Gesellschaft und Kirche(n), soweit sie Merkmale von Großorganisationen angenommen haben, auf der anderen Seite. Gemeinde bildet soziologisch jene Sozialform, die eine überschaubare, kaum vom Prozess der gesellschaftlichen Differenzierung erfasste Lebenswelt darstellt. „Ihre strukturelle Lage am Schnittpunkt zwischen privater und öffentlicher Sphäre macht sie zum bevorzugten sozialen Ort und Medium der Weitergabe christlicher Sinngehalte in die Zukunft“ (Blasberg-Kuhnke, 2002b, 171). Familie, Schule und andere Sozialisationsinstanzen zur Tradierung des Christentums sind darauf angewiesen, dass sie auf Orte verweisen können bzw. selbst daran partizipieren, an denen Menschen aus den Inspirationen des Evangeliums heraus gemeinsam zu leben versuchen (ebd.).

Für die Identitätsbildung als Christin oder Christ bleibt Gemeinde unverzichtbar; im Kontext der Individualisierung und Pluralisierung von Lebens- und Glaubensstilen werden aber nicht mehr feste, über lange Zeiträume hinweg verbindliche Gruppen oder gar Verbände der Normalfall sein, sondern eher Netze von Beziehungen (Blasberg-Kuhnke/Kuhnke, 2008).

Theologisch lassen sich weitere Kriterien benennen, um von christlicher Gemeinde zu sprechen, wobei hier immer schon normative kirchentheoretische Vorannahmen mit einfließen: „Solche sind der Bezug auf Christus als Grund der Gemeinde, ihr Selbstverständnis als zugehörig zur christlichen Kirche, ihre Bereitschaft zur Vergemeinschaftung Verschiedener sowie ein Bezug zur Welt. Eine regelmäßige Feier des Gottesdienstes und weiterer Aspekte des kirchlichen Auftrags in der Welt sind erkennbar; sie eröffnet Raum zum Glauben, fördert und begleitet ihn“ (Pohl-Patalong, 2014, 204). Aus protestantischer Sicht wird sie „durch Amt und allgemeines Priestertum geleitet und eröffnet die Möglichkeit zur Partizipation ihrer Mitglieder. Sie hat eine eigenständige Leitungsstruktur und versteht sich in wechselseitiger Steuerung mit der Gesamtkirche“ (ebd.; ausführlicher: Hausschildt/Pohl-Patalong, 2013, 275-284). Aus katholischer Sicht liegt die Gemeindeleitung in der Hand eines geweihten Amtsträgers, des Pfarrers; angesichts des gravierenden Priestermangels, verbunden mit großräumigen Strukturen in Pfarrverbünden, gewinnt die konziliare Betonung des gemeinsamen Priestertums der Getauften und Gefirmten im Ernstnehmen ihrer Verantwortung für die Sendung der Kirche (Zweites Vatikanisches Konzil, 1965, 92) immer größere praktische Bedeutung. Gemeindeleitung wird zunehmend in der Gemeinde verantwortet, mit einer Vielfalt von Diensten und Ämtern für (theologisch qualifizierte und ehrenamtliche) Frauen und Männer, die kirchlich beauftragt sind (Themenheft „Zukunft der Gemeindeleitung“).

Geht man von einem derartigen Begriff der Gemeinde als strukturierter Kommunikation des Evangeliums aus, kommen sehr unterschiedliche Gemeindeformen in den Blick: Ortsgemeinde, Anstaltsgemeinde, Personalgemeinden, Para-Gemeinden, Hausgemeinden, Funktionsgemeinden (Studierendengemeinden), Basisgemeinden, Projektgemeinden (Kirchentag).

1.1. Typen von Gemeindestrukturen

Sieht man auf die innere Kommunikations-Struktur solcher Gemeinden, lassen sich verschiedene Typen skizzieren:

  • hierarchische Modelle mit am Individuum orientierter Pastoral (z.B. die römisch-katholische Parochie): Die Kommunikation des Evangeliums ist angebunden an eine bestimmte Personalkonstellation: Bischof, Priester, Laien in personaler Verbundenheit. Die Gemeindeglieder werden als Adressaten der Seelsorge, Empfänger von Sakramenten und Teilnehmer an religiös-kirchlichen Veranstaltungen gesehen.
  • monozentrisch (volkskirchlich-lutherisch, z.B. Christian Möller; Möller, 1991): Die Personalhierarchie ist hier durch eine Sach-Konzentration ersetzt. Entscheidend sind die zentralen Kommunikationsvollzüge des Evangeliums, nicht bestimmte Person-Konstellationen. In der Regel wird ganz traditionell Wort und Sakrament, das heißt der Gottesdienst, als dieses Zentrum gesehen. Die Frage der Grenzen dieser Gemeinde ist nachrangig, sie können fließen.
  • konzentrische Modelle (etwa bei Dietrich Bonhoeffer in seiner Dissertation Sanctorum Communio): kleinster Kreis = Abendmahlsgemeinde als Bekennergemeinde; mittlerer Kreis = Predigtgemeinde als Freiwilligkeitskirche; weitester Kreis = alle Getauften. In der katholischen Kirche entspricht dem die volkskirchliche Angebotspastoral der „aktiven Gemeinde“, ebenfalls aufgebaut nach dem Modell konzentrischer Kreise, die die Nähe oder Ferne zur Gemeinde festmacht als unterschiedlich gestufte Teilnahme an den von der Gemeinde organisierten Veranstaltungen und vor allem am Sonntagsgottesdienst. Hohe Teilnehmerzahlen werden zum entscheidenden Kriterium für die Gemeindepraxis und ihren „Erfolg“. Bis zur Gegenwart sind es marketingorientierte Konzepte der Pastoral, die möglichst passgenau kirchliche Milieus zu erheben versuchen, um Angebotspräferenzen zu identifizieren und eine optimale Zielgruppenoptimierung kirchlich-gemeindlicher Angebote sicherzustellen, die diesen Gemeindetypus besonders propagieren (Medien-Dienstleistung GmbH, 2005; Bucher, 2006; Sellmann, 2007; kritisch dazu Blasberg-Kuhnke/Kuhnke, 2008b; Wanke, 2006).

In schlichterer Form findet man dieses Modell in vielen Gemeindeaufbaukonzepten und in der Realität vieler Gemeinden: In der Mitte steht der Pfarrer oder die Pfarrerin, die dann aktive Mitarbeitende um sich sammeln, die eine Kerngemeinde an sich binden, die dann auf die noch Distanzierten ausstrahlen soll.

  • polyzentrische Modelle (plural-aufgabenbezogen) mit gemeinwesenorientierter Pastoral, die ihr gemeindliches Handeln an den örtlichen Gegebenheiten im Gemeinwesen des Dorfs oder Stadtteils, seinen Bedürfnissen, Nöten und sozialen Konflikten orientiert und sich nicht selten basis-kirchlich als Sozialpastoral versteht. Hier wird davon ausgegangen, dass es nicht nur ein Zentrum, sondern viele Zentren der Kommunikation des Evangeliums in einem Sozialgebilde gibt. Der Pluralität der Charismen kann so sehr gut Raum gegeben werden. Der Preis ist die Gefahr des Unsichtbarwerdens der Einheit der Gemeinde. Netzwerk-Modelle (post-modern-plural-subjektbezogen) sind eine Variante des polyzentrischen Gemeindemodells, die die Verbindung zwischen den Zentren stärker ins Bewusstsein heben. Hier verbinden sich plurale Teilnahme und Gestaltungsformen mit dem Versuch, Vernetzung herzustellen zwischen den verschiedenen Gemeindeaktivitäten.

Einen Kontrapunkt zur Sehnsucht nach einer überschaubaren Gemeinde der hochaktiv Beteiligten, das viele Gemeindeaufbau-Konzepte bestimmt, setzen gemeindepädagogische und eher im protestantischen Raum verortete praktisch-theologische Konzeptionen, die bewusst Kirche als „Kirche bei Gelegenheit“ (Michael Nüchtern) oder „Karawanserei“ (Karl Foitzik und Elsbe Goßmann) entfalten und also auch von unstetem und punktuellem Beteiligungsverhalten der Kirchenmitglieder ausgehen. Gemeinde sei „ein Geflecht vieler kleiner und großer Lernorte ‚mitten im Alltag’ und in ‚sakralen’ Räumen“ (Foitzik, 2004, 94). Das alles spreche für plurale und differenzierte Gemeindeformen, sodass es „neben der Kirche am Ort die Kirche am Weg, die Gemeinde auf Zeit, die Gemeinde in der Region, die Gemeinde bei Gelegenheit und sogar die Gemeinde auf überregionaler Ebene gibt“ (Adam/Lachmann, 2008, 37).

1.2. Unterschiedliche Konzeptionen von Gemeindetheorie

Der Begriff Gemeindetheorie ist in der (ev.) Praktischen Theologie zwar wenig eingeführt (im kath. Bereich wohl aber die → Gemeindepastoral). Er ist aber als Unterbereich der → Kirchentheorie naheliegend. Er bezeichnet eben denjenigen Bereich der praktisch-theologisch zu analysierenden Kommunikation des Evangeliums, der sich in verschiedenen Formen von Gemeinden abspielt. Sachlich sind weite Felder der Gemeindetheorie in der Geschichte der Praktischen Theologie unter Komposita-Begriffen mit Gemeinde abgehandelt worden: Gemeindepflege (in Analogie zur Jugendpflege, heute etwa von Kristian Fechtner favorisiert; Fechtner, 2014, 166); Gemeinwesenarbeit (ein teils konfliktorientierter, gesellschaftskritischer Ansatz), Gemeindeorganisation, Gemeindewachstum (in den USA entstandenes Konzept eines Church Growth in den 1970er Jahren, das stark auf die Steigerung der Quantität von Kirchenbesuchern abhebt); Gemeindeaufbau(-theorien), die es in volkskirchlichen (Christian Möller) wie missionarischen Varianten gibt (Fritz und Christian A. Schwarz, Michael Herbst), Gemeindeentwicklung(-stheorien) (Herbert Lindner, Günter Breitenbach), Gemeindeberatung (eine Übertragung des Konzepts der Organization Development durch die Supervisorin und Trainerin Eva Renate Schmidt, die ab 1978 in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau einen Beratungsdienst für Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen eingeführt hat, der auch von anderen Landeskirchen aufgegriffen wurde und sich als Gemeindeberatung durchgesetzt hat) und schließlich die Gemeindepädagogik (ev. als Erbin der Katechetik seit 1970/kath. neben der Gemeindekatechese).

Christian Möller und andere benutzen als Begriff für die all diese Bereiche umgreifende Subdisziplin der Praktischen Theologie den Begriff Oikodomik, der die Kybernetik als Steuerungslehre untergeordnet wird (Möller, 2004, 45). Inzwischen hat sich jedoch die praktisch-theologische Kirchentheorie als Rahmen des Nachdenkens über Gemeinde und als Disziplin der Praktischen Theologie durchgesetzt, ohne dass deshalb die Notwendigkeit einer Gemeindetheorie (als ein Teilbereich) zu bestreiten wäre.

2. Gemeindepädagogik

2.1. Zur Gemeindepädagogik-Geschichte

Gemeindepädagogik als Praxisfeld und als programmatische (Praxis-)Theorie ist in den 1970er Jahren in der kirchlichen Ausbildung in Ost- wie Westdeutschland und in den religionspädagogischen Fachbereichen an den Evangelischen Fachhochschulen entstanden (Foitzik, 1992; 2002a). Das hängt einerseits mit der Entwicklung neuer kirchlicher Berufe zusammen, nämlich der Religions- und Gemeindepädagogen und -pädagoginnen mit Fachhochschulabschluss. Andererseits hat auch in der universitären (evangelischen) Praktischen Theologie der Begriff der Gemeindepädagogik den älteren Begriff der Katechetik abgelöst, und zwar spätestens seit dem zuerst 1987 erschienenen Lehrbuch von Gottfried Adam und Rainer Lachmann (Adam/Lachmann, 1994).

Die Sache selbst – also die Reflexion der Lernprozesse im Kontext des Glaubens und der Gemeinde – lässt sich natürlich bereits „bis auf die biblischen Anfänge beziehen“ (Doyé, 2012, 115).

In der katholischen Kirche und Theologie hat sich allerdings weder der Begriff der Gemeindepädagogik noch derjenige der Gemeindepädagogen allgemein durchgesetzt (dort ist stattdessen meist von → Katechetik, → Gemeindekatechese, pastoralem Dienst und von Gemeindereferenten und -referentinnen die Rede). Allerdings machen sich einige katholische Praktische Theologinnen und Theologen den Begriff der Gemeindepädagogik ausdrücklich zu eigen, weil ihnen der Ansatz der Gemeindepädagogik im Ganzen als weitreichender und zukunftsträchtiger erscheint als der der Gemeindekatechese. Es ist vor allem der Anspruch der Gemeindepädagogik, über die Gemeinde hinaus auf das soziale Umfeld hin gemeinwesenorientiert und gesellschaftlich wirksam sein zu wollen, der bis zur Gegenwart gemeindekatechetische Bemühungen von gemeindepädagogischen unterscheidet (Blasberg-Kuhnke, 2002c). Während Gemeindekatechese ihre Lernprozesse streng im gemeindlichen Kontext verortet, geht die „Gemeindepädagogik aus ihrer Tradition einer kritischen Bestimmung des Glaubenlernens im Horizont gesellschaftlicher Herausforderungen deutlich über den gemeindlichen Kontext hinaus […]. Befreiende und orientierende Lebensbegleitung aus und im Glauben muss sich an den Schlüsselthemen des Alltags orientieren, so dass kulturpädagogische und auch ausdrücklich sozialpädagogische Intentionen unabdingbar zur Gemeindepädagogik gehören“ (ebd., 469, im Anschluss an Foitzik/Goßmann, 2000).

Der Gefahr einer selbstreferentiellen hermeneutischen Sicht von Gemeinde entgeht Gemeindepädagogik durch ihre sozialpastorale Einbindung in einen pädagogisch-methodisch reflektierten „Prozess der Verständigung von Christen über die dauerhaft gemeinschaftsfähigen und individualisierungsnötigen Möglichkeiten einer symbolisch ortsbezogenen Realisation christlicher Glaubenspraxis im lebensweltlichen und lebensgeschichtlichen Erfahrungshorizont moderner, zunehmend urban bestimmter Kultur“ (Drehsen, 1992, 100). Damit ist Gemeindepädagogik offen für lebensbegleitende, generationenübergreifende, integrative, interkulturelle und interreligiöse Lernprozesse. Sie fordert notwendig eine Wahrnehmungsschule für die sich wandelnden Herausforderungen, die hier und jetzt kairologisch (R. Englert) an der Reihe sind.

Die Entwicklung der Gemeindepädagogik als Praxis wie Theorie verdankt sich verschiedenartigen Erfahrungen der Krise, zunächst im Blick auf Gemeindestrukturen und theologische Vorstellungen von Kirche (ekklesiologische Wurzel der Gemeindepädagogik). Erste Austrittswellen und Signale von deutlicher Kirchendistanzierung schreckten die Kirchen seit Ende der 1960er Jahre auf. Viele parochiale Gemeindestrukturen schienen nicht mehr funktional passend für moderne Lebensgewohnheiten. Man begab sich daher auf die Suche nach neuen Wegen der Gemeindearbeit und nach neuen pädagogischen Konzepten gegen die mangelnde Effizienz kirchlich-gemeindlicher Arbeit.

Damit verband sich zugleich die Hoffnung auf Überwindung der weithin entstandenen Versäulung der Gemeindearbeit. Gemeint war mit diesem Begriff die Tendenz der isolierten Ausdifferenzierung und Entwicklung einzelner Subsysteme der Gemeindearbeit (wie z.B. Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit), die ohne Vernetzung mit den anderen Handlungsfeldern je für sich wie einzelne Säulen die Gemeinde zu tragen versuchten. Dieser Versäulung sollte ein gemeindepädagogischer Aufbruch mit einer integrativen Konzeption entgegenwirken.

Ein zweiter Hauptbereich der Krisen-Erfahrungen betraf die Mitarbeitenden und die Amtstheologie (berufstheoretische Wurzel der Gemeindepädagogik). Die Katecheten-Ausbildung und der Katecheten-Beruf waren Ende der 1960er Jahre in eine Krise geraten, beides erschien zunehmend unattraktiv. Der Ruf nach neuen, theologisch wie pädagogisch qualifizierten Mitarbeitenden erscholl – vor allem in der DDR, wo durch den Druck des politischen Regimes die pädagogische Aufgabe ganz aus den Schulen auf die Gemeinden verlagert worden war (→ Christenlehre). Dort vor allem entwickelten sich auch weitgehende Ideen eines gleichberechtigten Miteinanders verschiedener Berufsgruppen in der Gemeindeleitung (theologische, pädagogische, musische und fürsorgende Berufe; Foitzik, 1992, 253f.). Der Ruf nach Gemeindepädagogik verband sich von Anfang an auch mit kirchenreformerischen Anliegen, die mit dem Allgemeinen Priestertum und der Würdigung von Ehrenamtlichkeit Ernst machen wollten.

Ein dritter Bereich der krisenhaften Erfahrungen betraf die Didaktik der Katechetik angesichts neuerer Entwicklungen in der Pädagogik (pädagogisch-didaktische Wurzel der Gemeindepädagogik). Eine primär an der Vermittlung bestimmter katechetischer Inhalte interessierte Didaktik musste angesichts der sozialisations- und lerntheoretischen Aufbrüche in der Allgemeindidaktik der 1960er Jahre hin zu komplexeren (curricularen) Modellen des Lernens als antiquiert erscheinen. Eine Didaktik der Instruktion und sozialisierenden Vermittlung von Traditionsgut sollte einer Hermeneutik der Verständigung weichen. Hinzu kam die Forderung eines die Generationen umspannenden Konzeptes gemeinsamen Lernens, dem innerkirchlich die Einsicht in die Notwendigkeit ökumenischen Lernens korrespondierte.

Alle diese Krisenerfahrungen ließen die Zeit für einen Neuansatz in der Konzeption kirchlicher Bildungsarbeit als reif erscheinen, für den dann der neue Begriff der Gemeindepädagogik in Anspruch genommen wurde. Dieses Feld wurde an mehreren der Anfang der 1970er Jahre neugegründeten kirchlichen Fachhochschulen als „Dritter Fachbereich“ institutionalisiert (Keßler, 2012, 275-280), ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre erschienen Lehrbücher (Blühm, 1993; Wegenast/Lämmermann, 1994; Grethlein, 1994) und ein Kompendium (Adam/Lachmann, 1994) unter diesem Leitbegriff. In der damaligen DDR wurde er auch kirchenamtlich zum Titel einer erneuerten kirchlichen Katechetik. Daneben etablierte sich Gemeindepädagogik aber auch als eigenes Feld der evangelischen Pfarramtsausbildung. Die Predigerseminare und religionspädagogischen Zentren verstehen unter dem Begriff der Gemeindepädagogik oft klar umrissene Handlungsfelder der Gemeindearbeit: Kindergottesdienst, Konfirmandenarbeit, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Seniorenbildung, Mitarbeiterbildung etc. Hier wird Gemeindepädagogik demnach häufig primär sektoral begriffen: als Bezeichnung pädagogisch ausgewiesener kirchlicher Arbeitsformen. Demgegenüber haben leitende Theoriekonzeptionen früh darauf verwiesen, dass Gemeindepädagogik dimensional zu interpretieren sei: „Sie muss Gemeinde als Raum des Lernens wahrnehmen und darauf aufmerksam machen, dass alles gemeindliche und kirchliche Handeln auch eine gemeindepädagogische Dimension hat. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auch auf Handlungsfelder, die nach sektoralem Verständnis nicht zum gemeindepädagogischen Arbeitsfeld zählen“ (Foitzik, 2002a, 28). Gefragt wird dann etwa auch nach den nicht explizit intendierten Lerneffekten des Gottesdienstes. Gemeindepädagogik dient hier als Titel für die pädagogische Dimension kirchlichen Handelns insgesamt.

Geht es der Gemeindepädagogik um gemeindliche Kommunikation des Evangeliums, so darf dabei der Gemeindebegriff nicht parochial eingeengt werden, also nicht auf die rechtliche Form der Ortsgemeinde begrenzt werden. Historisch und auch von der Sache her notwendig verbindet sich das Programm der Gemeindepädagogik mit einer Vorstellung von Kirche, die reformbedürftig und reformfähig ist. Sie orientiert sich an einem Leitbild von Kirche, in der partnerschaftliche Beteiligungsformen aller Mitglieder realisiert werden und in der dem gemeinsamen, generationsübergreifenden, ökumenischen und lebenslangen Lernen im Glauben Raum gegeben wird. Damit aber ist die Gemeindepädagogik als Theorie eng verbunden mit einer praktisch-theologischen Kirchentheorie, der es (in der Spur Ernst Langes) um eine erneuerte Kirche als Lerngemeinschaft der Befreiten geht.

Die Gemeindepädagogik intendierte dabei immer schon die Verbindung von Leben und Glauben sowie das Leben-Lernen. Bereits die EKD-Erklärung „Empfehlungen zur Gemeindepädagogik“ aus dem Jahr 1982 betonte diesen Zusammenhang von Leben und Lernen.

Seit der Jahrtausendwende wird deutlich, dass ein dimensionales Verständnis von Gemeindepädagogik Konkurrenz durch den boomenden Bildungsbegriff erhalten hat. Karl Ernst Nipkow band bereits 1990 die gemeindepädagogischen Aufgaben mit den schulischen unter dem Begriff der Bildung zusammen. In der Orientierungshilfe des Rates der EKD „Kirche und Bildung“ von 2009 ist durchgehend programmatisch von „kirchlichem Bildungshandeln“ (Kap. 2), „kirchlicher Bildungsarbeit“ (Kap. 3.4) und „kirchlichen Bildungsangeboten“ (Kap. 3.5) die Rede, und eben nicht mehr von Gemeindepädagogik. Andererseits ist in einigen Landeskirchen das Feld der Gemeindepädagogik auch begrifflich fest verankert (Rheinland, Mitteldeutschland).

2.2. Aufgabe der Gemeindepädagogik heute

Versteht man Gemeindepädagogik vorrangig dimensional, dann analysiert und bedenkt sie alle „gemeindliche Bildungs-Räume“ (Kumlehn, 2014; Foitzik, 2004).

„Gemeindepädagogik“ kann dann definiert werden „als die pädagogische Praxis und Theorie christlicher Lebenskunst in den verschiedenen Formen christlicher Gemeinde als Teilbereich der theologisch verantworteten Bildungsarbeit und -theorie. […] Der Gegenstand gemeindepädagogischer Praxis und Theorie sind […] religiöse Bildungsprozesse innerhalb einer Gemeinschaft, die sich auf begrenzte Zeit oder dauerhaft als christliche Glaubensgemeinschaft konstituiert, bzw. Bildungsprozesse, die erst auf eine solche Gemeinschaft abzielen, indem sie der Kommunikation des Evangeliums Jesu Christi in der Vielfalt seiner geistgewirkten Formen Raum geben und Gestalt verleihen“ (Bubmann, 2004, 108). Dabei berührt sie sich (als auf die grundlegende Bildungs-Dimension des kirchlichen Auftrags bezogene Theorie) mit anderen Dimensionen kirchlichen Handelns (leiturgia, martyria, koinonia, diakonia).

2.3. Zur Didaktik der Gemeindepädagogik

Die Theorie der Gemeindepädagogik hat sich um der Subjektorientierung der Bildung willen in den 1990er Jahren verstärkt den lebensweltlichen Fragen der Menschen und der Religion im Alltag zugewendet. Dabei bleiben Spannungen zwischen Forderungen nach einer subjekt- und lebensweltorientierten Bildung und den Erfordernissen kirchlicher Sozialisation. Zum Proprium der Didaktik der Gemeindepädagogik gehört weiterhin (nach Foitzik, 2002b, 347-359), dass Gemeindepädagogik von freien Subjekt-Subjekt-Beziehungen ausgeht, weil die Zusage des Evangeliums in der eigenen Erfahrung unvertretbar ist. An die Stelle von Autoritäten tritt der Kommunikationsprozess. Gemeint ist mit Subjektorientierung jedoch nicht einfach Individualisierung. Die Gemeinschaft der Subjekte ist bleibend nötig. Ziel ist eine Verständigung der Verschiedenen. Das von der Gemeindepädagogik propagierte ganzheitliche Lernen ist mehr als nur die Addition der kognitiven, affektiven und pragmatischen Lernaspekte; es geht um den ganzen Menschen in all seinen Lebensbezügen. Intentionale und funktionale Lern- und Bildungsprozesse werden gleichermaßen in den Blick genommen und miteinander verbunden. Gemeindepädagogische Bildungsprozesse betreffen alle Altersstufen; allerdings nicht mehr im Sinne eines linearen Modells des Gesamtkatechumenats, das von der kontinuierlichen „Betreuung“ der Kirchenmitglieder von der Wiege bis zur Bahre ausgeht. Vielmehr werden auch diskontinuierliche Glaubenswege wahrgenommen und begleitet. Gemeindepädagogische Bildungsprozesse sind zielgruppen- und milieuorientiert, lassen sich also auf die kulturellen Wahrnehmungs- und Ausdrucksmittel bzw. Sprachen unterschiedlicher Milieus ein. Besonders herausgefordert wird Gemeindepädagogik durch Integration: Integrative bzw. inklusive Gemeindepädagogik, die Menschen mit Handicaps nicht über ihre Behinderung definiert, Heterogenität konstruktiv wahrnimmt und der vielen Formen körperlicher und geistiger Behinderung folgenden sozialen Benachteiligung wehrt (Kollmann/Püttmann, 2001), darf als „Ernstfall“ der Gemeindepädagogik verstanden werden. Gemeindepädagogische Bildungsprozesse suchen die religiöse Identität im Alltag zu entfalten. Es geht um gelebten Glauben, um christliche Lebenskunst, die zum Glauben als Wahrnehmungs-, Deutungs- und Orientierungsvermögen sowie zur Gestaltungsfähigkeit christlichen Lebensstils im Alltag stimulieren möchte. Ästhetisch-kulturelle, ethisch-diakonische wie biblisch-theologische Dimensionen christlicher Lebenskunst kommen gleichermaßen in den Blick. Gleichzeitig ist die besondere Bedeutung von Gottesdienst, Fest und Feier für die religiöse Bildung hervorzuheben. Die Kirchentage können dabei als Modelle der Verbindung der verschiedenen Dimensionen gemeindepädagogischer Bildung gelten. Zur gemeindepädagogisch initiierten und begleiteten Bildung gehört auch die prophetische Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse und Machtstrukturen ebenso wie die Fähigkeit zur selbstkritischen Hinterfragung kirchlicher und gemeindlicher Strukturen. Gemeindepädagogische Bildungsprozesse suchen schließlich die Begegnung mit dem Noch-nicht-Entdeckten, dem Fremden und Unbekannten. Sie sind grenzüberschreitend, wagen den Blick über Konfessionen, Frömmigkeitsformen und Weltanschauungen hinaus. Im Horizont der gesamten bewohnten Erde werden sie zum ökologischen und ökumenischen Lernen, zu dem auch der interreligiöse Dialog und das interkulturelle Lernen notwendig dazugehören.

Die notwendige Erinnerung an eine partizipative Kirche des Priestertums aller Getauften und die Betonung der ehrenamtlichen Arbeit (Foitzik, 1998) entbindet allerdings nicht von der Reflexion aufs Haupt- und Nebenamt, weshalb Gemeindepädagogik auch als Professionstheorie gepflegt wird (Piroth/Spenn, 2012). Die fachliche Ausrichtung der hauptberuflichen gemeindepädagogischen Tätigkeit ist regional sehr unterschiedlich, was eine einheitliche Berufstheorie erschwert. Wer das gemeindepädagogische Amt als Beruf in den Blick nehmen will, muss verschiedene Berufe betrachten (Bubmann, 2015): Pfarrerinnen, Diakone, Gemeindediakoninnen, Bildungsreferenten, Jugendreferentinnen (unter Umständen vom Abschluss her Sozialpädagogen), Religionspädagoginnen (FH), Erzieherinnen, Kirchenmusikerinnen, Sozialpädagogen (etwa in diakonischen Einrichtungen) und unter Umständen auch das Pflegepersonal in kirchlichen Einrichtungen sind an Prozessen gemeindepädagogischer Bildung beteiligt.

2.4. Gemeindepädagogik als Wissenschaft

Profilierte Konzeptionen, geschichtliche Darstellungen und praxisorientierte Kompendien sind entstanden (Adam/Lachmann, 1994; 2008; Bubmann u.a., 2012 [hier der Überblick zu den Konzeptionen 11-25]; Degen, 1992; 2000; Fermor/Ruddat/Schroeter-Wittke, 2001; Foitzik, 1992; Grethlein, 1994; Nipkow, 1992; Piroth, 2004; Wegenast/Lämmermann, 1994). In den religionspädagogischen Zentren und Instituten, vor allem im Comenius-Institut in Münster, ist die Gemeindepädagogik als Arbeitsgebiet institutionell fest verankert. An der Mehrzahl der Evangelischen Fachhochschulen existieren Professuren für Gemeindepädagogik (oder Gemeindediakonie bzw. Kirchliche Bildungsarbeit), zwischenzeitlich weisen auch einige der Professuren für Praktische Theologie an den Theologischen Fakultäten ausdrücklich den Schwerpunkt Gemeindepädagogik aus. Der bundesweite „Arbeitskreis Gemeindepädagogik e.V.“ existiert seit 1991 und veranstaltet im Zweijahresturnus Gemeindepädagogische Symposien (www.ak-gemeindepaedagogik.de).

Literaturverzeichnis

  • Adam, Gottfried/Lachmann, Rainer (Hg.), Neues gemeindepädagogisches Kompendium, Göttingen 2008.
  • Adam, Gottfried/Lachmann, Rainer (Hg.), Gemeindepädagogisches Kompendium, Göttingen 2. Aufl. 1994.
  • Arbeitskreis Gemeindepädagogik e.V. (Hg.), Arbeitskreis Gemeindepädagogik e.V. Online unter: www.ak-gemeindepaedagogik.de, abgerufen am 02.11.2015.
  • Blasberg-Kuhnke, Martina, Gemeindepraxis in Deutschland: ein Resümee, in: Klöcker, Michael/Tworuschka, Udo (Hg.), Handbuch der Religionen. Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften in Deutschland, München 2002a, 1-4.
  • Blasberg-Kuhnke, Martina, Gemeinde als Lernort des Glaubens und Ort religiöser Erziehung und Bildung, in: Blum, Matthias/Hölscher, Andreas (Hg.), Die Kunst der Glaubensvermittlung. Perspektiven zeitgemäßer Religionspädagogik, Berlin 2002b, 169-189.
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