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Lexikon

Dreifaltigkeit/Trinität

1. Das unterscheidend Christliche – eine Leerformel?

1.1. Die Folgen einer metaphysisch konzipierten Gotteslehre

Dass der christliche → Glaube Gott im Unterschied zu den anderen monotheistischen Religionen als dreieinigen oder dreifaltigen bekennt, ist eine Binsenweisheit: Christen werden auf den dreifaltigen Gott „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ getauft; Katholiken bekreuzigen sich in diesem seinem Namen; das christliche Glaubensbekenntnis ist trinitarisch strukturiert; viele Gebete, Lieder und liturgische Vollzüge thematisieren Vater, Sohn und Geist.

Dennoch hatte die trinitarische „Lehrformel“ vom dreieinen Gott innerhalb der Theologie über Jahre hinweg den Charakter einer „Leerformel“ angenommen. Entsprechend führte die Trinitätstheologie ein Schattendasein bzw. präsentierte sich als letztes kurzes Kapitel der Gotteslehre. Meistens war dort der Teil über den „einen Gott“ ausschließlich unter metaphysisch-reflexiver Perspektive konzipiert worden und traf Aussagen über Gott ohne Berücksichtigung seiner → Offenbarung. Diese Zweiteilung führte zum einen dazu, dass das Verhältnis von Einheit und Dreiheit in Gott nicht angemessen zur Darstellung gebracht werden konnte. Denn im klassischen Teil über den „einen Gott“ wurde die Einheit des göttlichen Wesens allen trinitarischen Differenzierungen vorweg behauptet. Die dogmatische Denkanstrengung musste in der Folge ihre Aufmerksamkeit darauf konzentrieren, die Dreifaltigkeit aus der Einheit des göttlichen Wesens herzuleiten. Auch die zweite Konsequenz war verhängnisvoll: „Durch die Stellung der Trinitätslehre als Ergänzung der philosophischen Gotteslehre und durch die Art ihrer im Grunde metaphysischen Erläuterung und Begründung verlor die Trinitätslehre ihren Bezug auf die heilsökonomische Trinität. Durch die asymmetrische Anlage der Gotteslehre und ihrer Betonung der Einheit und Einzigkeit des göttlichen Wesens wurde diese Tendenz noch verstärkt. Hinzu kam, dass die Trinitätslehre selbst die Frage nach der Unterscheidung der göttlichen Personen durch hochabstrakte Bestimmungen zu beantworten suchte. Das wiederum hatte zur Folge, dass […] ihre jeweilige Rolle in der Heilsökonomie kaum noch erkennbar war“ (Essen, 2011, 40f.). Aus dem Bekenntnis zum drei-einen Gott wurde eine binnentheologische, lebensfremde und existentiell irrelevante Aussage über das innerste Wesen Gottes.

1.2. Veränderte Perspektiven

Diese Situation hat sich in den letzten Jahren verändert und die Trinitätslehre ist wieder deutlich stärker ins Zentrum der theologischen Reflexion gerückt. Denn die neuere Theologie setzt nicht länger beim inner­göttlichen Leben Gottes und auch nicht bei einer philosophisch-spekulativen Reflexion über das Verhältnis von Dreiheit und Einheit an, sondern bei der Offenbarung der Dreieinigkeit in der Heilsgeschichte. Ein solches Vorgehen ist insofern berechtigt, als das christliche Bekenntnis zur Dreifaltigkeit gerade nicht aus philosophischer Spekulation erwachsen ist, sondern in der Offenbarung Gottes in der Geschichte gründet: Der Gott, an den Christen glauben, erschließt sich im Verlauf der Heilsgeschichte als dreifaltiger Gott, im Alten Bund als Vater, im Neuen Bund in seinem Sohn, durch die ganze Geschichte hindurch im Geist.

Entsprechend ist die Trinitätslehre auch religionspädagogisch (neu) in Erinnerung zu rufen und für Bildungsprozesse fruchtbar zu machen. Im Folgenden werden zunächst die theologischen Grundlagen geklärt. Ausgehend von Beobachtungen aus der Praxis und einigen spärlich vorliegenden empirischen Einblicken werden dann die didaktischen Implikationen bedacht.

2. Theologische Grundlagen

2.1. Monotheismus im AT: Ein Gott, der aus sich heraus tritt

Das AT, das ein jahrhundertelanges Ringen um den einen Gott und das Bekenntnis zum Monotheismus widerspiegelt, kennt keine Andeutung einer Dreifaltigkeit Gottes. Wenn atl. Texte wie Gen 18,1 trinitarisch interpretiert werden, wie in der Theologiegeschichte geschehen, ist dies eine christliche Vereinnahmung. Wohl aber lässt sich die Frage stellen, inwieweit der atl. Monotheismus auf Trinität hin offen ist. Im Alten Bund zeigt sich der eine Gott auf verschiedene Weise, um mit der Schöpfung in Beziehung zu treten, Menschen anzusprechen und ihnen zu begegnen: in seinem wirkmächtigen Wort, in seiner planvollen Weis­heit, in besonderer Weise im Geist. Alle drei verbleiben in einer eigentümlichen Unbestimmtheit zwischen Selbständigkeit auf der einen und Zugehörigkeit zu Jahwe auf der anderen Seite bis hin zu dessen Personifizierung. Und alle drei weisen darauf hin, dass der Gott des Alten Bundes keiner ist, der bei sich selbst und in sich selbst verschlossen bleibt, sondern sich selbst mitteilt und auf diese Weise zu den Menschen in Beziehung tritt.

2.2. Theologiegeschichtliche Stationen auf dem Weg zur Trinitätslehre

2.2.1. Im NT: Das Bekenntnis zu Vater, Sohn und Geist

Im Neuen Bund erreicht die Selbstmitteilung Gottes in Jesus →Christus ihren nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt. Mit dem Bekenntnis zu seiner Gottessohnschaft stellte sich die Frage nach seinem Verhältnis zum Vater. Mit dem Bekenntnis zu seiner Messianität war die Überzeugung verbunden, dass Gottes Geist und Jesus Christus als der mit dem → heiligen Geist gesalbte Messias die denkbar engste Verbindung eingehen. Der Geist ist jedoch kein anderer als der Geist Gottes (Joh 4,24). Denn der Geist tut das, was auch vom Vater ausgesagt wird: Er schafft Leben (Joh 6,63), verhilft zu einer neuen Geburt (Joh 3,3-5), vergibt Sünden (Joh 20,21f.).

Auf dieser Grundlage formulierte das NT das trinitarische Bekenntnis zu Gott als Vater, Sohn und Geist. Kann „Vater“ als Ur-Metapher gelten, die nicht nur im AT, sondern auch in anderen Religionen begegnet, bringt daran anschließend die Rede vom „Sohn“ die enge Verbindung zum Vater zum Ausdruck.

Dieses Bekenntnis ist freilich noch keine Trinitätslehre. Es stellt Vater, Sohn und Geist nebeneinander (Mt 28,19), ohne ihr Verhältnis zueinander und zu dem einen Gott reflexiv aufzuarbeiten. Von einer Trinitätslehre kann erst dort gesprochen werden, wo zum einen das Verhältnis von Vater, Sohn und Geist, zum anderen die Vereinbarkeit eines als dreifaltig gedachten Gottes mit dem alttestamentlichen Monotheismus reflektiert, geklärt und mit Hilfe der Be­grifflichkeit der hellenistischen Philosophie formuliert wurde.

2.2.2. Notwendige Verhältnisklärungen

Das Kon­zil von Nicäa (325) nahm die Verhältnisbestimmung von Vater und Sohn vor mit Hilfe der Formel vom „wahren Gott“, der „eines Wesens“ mit dem Vater ist. Das Konzil von Konstantino­pel (381) stellte ergänzend das „wahre Menschsein“ Jesu Christi heraus. 461 bestimmte das Konzil von Chalcedon das Zueinander von Göttlichem und Menschlichem in Jesus Christus als das zweier Naturen, die „ungeteilt und getrennt, unvermischt und unverwandelt“ in einer Person zusammenkommen. Am Beginn der Trinitätslehre steht also die Christologie.

Aber christologische Fragestellungen zogen pneumatologische nach sich. Denn mit dem Bekenntnis zur Wesensgleichheit des Sohnes stand die Frage nach der Verhältnisbestimmung von Vater und Sohn zum Geist im Raum. Ähnliche Auseinandersetzungen wie zuvor auf dem Weg zum Christusbekenntnis wurden nun geführt um die Stellung und die Gottgleichheit des Geistes.

Im 4. Jahrhundert erhob sich innerhalb der ostkirchlichen Theologie eine Strömung, deren Anhänger als Pneumatomachen, „Bekämpfer des Heiligen Geistes“, bezeichnet wurden, weil sie den Geist sowohl dem Vater als auch dem Sohn unterordneten und in ihm nur ein Geschöpf sahen. Demgegenüber schrieb ihm das Konzil von Konstantinopel (381) im Kontext seines Bekenntnisses zum dreifaltigen Gott unmissverständlich die göttlichen Prädikate „Herr“ und „Lebensspender” zu und unterstrich damit seine Göttlichkeit.

2.2.3. Notwendige Abgrenzungen

Mit der Absage an alle pneumatomachischen Strömungen schied ein subordinanistisches Modell aus, das die Zuordnung von Vater, Sohn und Geist als hierarchische Stufenordnung verstand. Das gleiche galt für ein tritheistisches Modell bzw. eine Dreigötterlehre, die zum Bekenntnis zu dem einen Gott in klarem Widerspruch stand. Eine scheinbare Alternative bot auf den ersten Blick der sogenannte Modalismus, der in Vater, Sohn und Geist drei verschiedene Er­scheinungsweisen – lateinisch modi – Gottes in der Heilsgeschichte sah. Aber auch diese Lösung überzeugte nicht, da demnach niemals eine Begegnung mit Gott selbst, sondern immer nur mit seinen Erscheinungsweisen möglich wäre.

2.3. Ein göttliches Wesen in drei Hypostasen

Das Konzil von Konstantinopel fand, angeregt durch die drei kappadokischen Theologen Gregor von Nyssa, Gregor von Nazianz und Basilius dem Großen mit der Formulierung „ein göttliches Wesen in drei Hypostasen” eine begriffliche Lösung für die Bestimmung des Verhältnisses von Einheit und Dreiheit. Damit wurde keineswegs ein logischer Widerspruch konstatiert im Sinne von „1 + 1 + 1 = 1“. Vielmehr wurden zwei unterschiedliche Wirklichkeiten zueinander in Beziehung gesetzt: hier das eine göttliche Wesen, dort drei Formen seiner Verwirklichung. Das Bekenntnis zu dem einen Gott wurde durch den Begriff „Wesen“ (griechisch ousia) festgehalten. Griechisch hypostasis, wörtlich „das Darunterliegende“, bezeichnete die individuelle Verwirklichung dieses allgemeinen Wesens aufgrund konkreter Eigentümlichkeiten. Vater, Sohn und Geist wurden demnach als Trä­ger und Verwirklichungsformen des einen göttlichen Wesens verstanden.

Allen dreien kommt in gleicher Weise Göttlichkeit zu, doch sind sie in ihrem Ur­sprung und in ihrer Sendung voneinander unterschieden. Dies schlägt sich in der Art und Weise nieder, wie von Vater, Sohn und Geist gesprochen wird: So sagt die Theologie vom Sohn – nicht aber vom Vater und vom Geist –, dass er Mensch geworden ist, vom Vater, dass er die Welt er­schaffen hat, vom Geist, dass er in den Menschen wirkt. Da die Prinzipien der Einheit und der Vielheit denkerisch auf verschiedenen Ebenen angesiedelt sind, konnte von Gott unter verschiedener Hinsicht Einheit und Dreiheit zugleich ausgesagt werden, ohne dass der Trinitätsglaube einen logischen Widerspruch behauptete.

2.4. Alte und neue Versuche der Versprachlichung

2.4.1. Ein Gott in drei Personen

Der Begriff der Hypostase stammte aus der griechischen Theologie. Sollte das Modell vom einen göttlichen Wesen in drei Hypostasen auch im abendländischen Kulturraum verstanden werden, mussten dafür entsprechende Begriffe aus der lateinischen Theologie gefunden werden. In diesem Zug wurde „Wesen” mit substantia wiederge­geben, „Hypostase” mit persona, abgeleitet vom griechischen prosopon, was sowohl mit „Antlitz, Gesicht“ als auch mit „Maske, Rolle“ wiedergegeben werden kann. Das lateinische Verb personare bedeutete im Kontext des Theaters so viel wie „durchtönen“, nämlich der Stimme durch die Maske. Die Rede vom einen göttlichen Wesen in drei Personen legte so, ohne in einen Modalismus zu verfallen, die Vorstellung nahe, dass der eine Gott sich mit seinen drei „Gesichtern“ auf dreifache Art und Weise offenbart bzw. die Menschen auf dreifache Art und Weise anspricht. Augustinus (354-430) und nachfolgend die mittelalterliche Theologie nahmen eine wichtige Präzisierung des Personbegriffes vor: Sie bestimmten Personsein als Eigenstand in Verbindung mit „In-Beziehung-Sein“ und stellten damit die für das Personsein wesentliche Dimension der Relationalität heraus. Auf diese Weise machten sie einen zentralen Aspekt im Verständnis von Personalität geltend, der das zukünftige trinitarische Denken entscheidend prägen sollte.

Zugleich ergeben sich an dieser Stelle Schwierigkeiten. Während für den antiken und mittelalterlichen theologischen Personbegriff der Aspekt der Relation nicht nur konstitutiv, sondern geradezu selbstverständlich war, stehen für das neuzeitliche Verständnis von der Person ganz andere Aspekte im Vordergrund. Es verbindet damit in erster Linie Individualität, Subjektivität. Freiheit und Selbstbesitz. Dieser Bedeutungswandel schafft ein gefährliches Missverständnis, weil der Eindruck entstehen kann, als handele es sich bei den drei Personen um drei verschiedene Individuen mit je ei­genem Willen und damit letztlich doch um drei Götter. Hinzu kommt, dass „Person“ anthropologisch konnotiert ist und die Vorstellung von einem konkreten Menschen mit eigenem Bewusstsein und Willen nahelegt. All dies will das trinitarische Bekenntnis gerade nicht aus­sagen, sondern möchte die untrennbare Zusammengehörigkeit der drei Verwirklichungsformen des einen göttlichen Wesens zum Ausdruck bringen. Der neuzeitliche Personbegriff läuft darum Gefahr, den Zugang zu einem angemessenen Verständnis von Dreifaltigkeit zu verstellen.

2.4.2. „Gott über uns, mit uns, in uns“

Aus diesem Grund begibt sich die gegenwärtige Theologie auf die Suche nach Auslegungen und Formulierungen, die heutigem Sprechen und Denken angemessenen erscheinen. Hans Küng prägte im Anschluss an Karl Rahner eine wegweisende Formel: Gott ist als Vater der „Gott über uns“, als Sohn, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, der „Gott mit uns und neben uns“, als Geist der „Gott in uns“ (Küng, 2007, 128). Hans Kessler ersetzt die Rede vom „Gott über uns“ durch die vom „Gott um uns“, um zu verhindern, dass Gott ausschließlich transzendent gedacht werde und verbindet auf diese Weise Transzendenz und Immanenz (Kessler, 2003, 162f.).

Die Versuche der Neuformulierung weisen in eine ähnliche Richtung: Der Vater ist Gott, der alles umgibt, der die ganze Welt durchdringt, der uns beschützt, an dem wir uns orientieren können, der für uns unerreichbar ist. Der Sohn ist Gott, der mit uns geht, der uns auf unserem Weg begleitet, der uns in anderen Menschen begegnet. Der Geist ist Gott, der uns erfüllt, der uns gute Gedanken eingibt, der uns Kraft schenkt. Diese dreifache Redeweise ist Ausdruck einer dreifachen Erfahrung, die Menschen nicht nur im AT und NT bezeugen, sondern die sie, ebenso wie Kinder und Jugendliche, auch heute nachvollziehen können: Der Gott, an den Christen glauben, wohnt nicht erhaben in unendlicher Ferne und schaut auf Welt und Mensch herab, sondern er kommt auf sie zu und teilt sich mit, teilt nicht nur etwas von sich mit, sondern sich selbst. Vom Alten Bund an bis heute ist es der Geist, in dem Gott auf die Menschen zukommt. Im Neuen Bund wird Gott Mensch und teilt sich mit im Menschen Jesus von Nazareth.

2.4.3. Der christliche Gott – eine Dreiergemeinschaft

Dass der eine Gott ein dreieiniger ist, ist nicht das Ergebnis philosophischer Spekulationen, sondern Ergebnis der Erfahrungen, die Menschen im Lauf der Geschichte mit Gott gemacht haben. Die Theologie zieht aus der in der Heilsgeschichte erfahrenen ökonomischen Trinität, von griechisch oikono­mia = Heilsgeschichte, den Rückschluss auf die immanente Trini­tät, das inner­göttliche Wesen Gottes. Eben weil sich Gott in der Geschichte als Vater, Sohn und Geist erweist, ist er auch in sich selbst Vater, Sohn und Geist. Eben weil er sich in der Geschichte selbst mitteilt, ist er auch in seinem innersten Wesen Selbstmitteilung. Eben weil er auf Beziehung hin aus ist, ist er auch in sich selbst Beziehung. Eben weil er sich als Gemeinschaft von Dreien offenbart, ist er auch in sich selbst Gemeinschaft. Damit wird mit der biblischen Spitzenaussage, dass Gott die Liebe ist (Joh 1,4) Ernst gemacht: Gott ist nicht nur einer, der die Men­schen liebt, sondern er ist in sich Liebe.

Diese Liebesgemeinschaft kommt nicht gewissermaßen „nachträglich“ zustande, indem sich Vater, Sohn und Geist, nachdem sie jeweils für sich existieren, zusammenschließen zu einer Art Göttergemeinschaft. In Gott sind nicht zuerst drei, die dann in einem zweiten Schritt aus ihrem Selbstsein heraus in Beziehung zueinander treten. Sondern der eine Gott bzw. das eine göttliche Wesen existiert nur als Gemeinschaft und Beziehung von dreien.

Diese Einsicht hat Konsequenzen für das Verständnis von Welt, Mensch und Kirche: Wenn Gott in sich Gemeinschaft ist, dann sind Gemeinschaft und Beziehung ein wesentliches Prinzip der Schöpfung und der Welt. Wenn der Mensch als Gottes Abbild geschaffen ist, dann ist es seine Bestimmung, das zu werden, was Gott immer schon ist, nämlich Leben und Austausch in Beziehung. Und wenn die Kirche den in der Trinität grundgelegten Vorrang von Gemeinschaft ernst nimmt, kann sie sich nicht uniformistisch verstehen, sondern nur von der Vielfalt verschiedenster Charismen her.

3. Religionspädagogische Herausforderungen

3.1. Der dreieine Gott spielt in Bildungsprozessen kaum eine Rolle

„Trinität erscheint [...] in den meisten Schülernotizen als eine Art theologisches Kreuzworträtsel, das keine Bedeutung für das Leben hat“ (Baudler, 1981, 44). Diese Feststellung hat auch heute noch Gültigkeit: Die Rede vom dreieinen Gott steht im Verdacht, eine für das Leben nicht weiter relevante abstrakte Ideologie oder bloße Spekulation zu sein. In Religionsunterricht und Katechese kommt sie darum kaum vor. Eine Auswertung der bis zur Jahrtausendwende gültigen deutschen Lehr- und Bildungspläne zeigt, dass diese in ihrer Struktur zwar inhaltlich geprägt sind von den drei Aspekten, die das trinitarische Gottesverständnis auszeichnen, nämlich die „der Person, der Menschwerdung und der Gemeinschaft“ (Boehme, 2002, 42). Die ausdrückliche Thematisierung von Trinität beschränkt sich allerdings in der Regel auf die Nennung von Vater, Sohn und Geist, ohne dies theologisch weiter zu entfalten. Eine Sichtung der aktuellen Bildungspläne – detaillierte Analysen liegen dazu nicht vor – zeigen, dass sich daran nur wenig geändert hat.

Doch nicht nur aus theologischen, sondern auch aus religionspädagogischen Gründen können religiöse Bildungsprozesse die Thematik nicht ausklammern. Denn unter interreligiöser Perspektive und in Lerngruppen, denen christliche, muslimische und ggf. jüdische Mitschüler/-innen angehören, erhält sie neue Dringlichkeit.

3.2. Spärliche Einblicke in die Konstruktionen von Kindern und Jugendlichen

Es gibt kaum Untersuchungen, die Einblick gewähren, ob und wie Kinder und Jugendliche Trinität konstruieren (vgl. weiterführend 4.). Keine der einschlägigen Studien zu Gottesvorstellungen richtet ihr Augenmerk auf diesen Aspekt. Allein Gottfried Orth und Helmut Hanisch fiel auf, „dass wesentliche Aspekte der Gotteslehre bei den Kindern nicht präsent sind, die für das Selbstverständnis des christlichen Glaubens jedoch als konstitutiv anzusehen sind. Dazu gehören u.a. die Vorstellungen des trinitarischen Gottes [...]. Im Sinne der oben geforderten behutsamen Differenzierung der Gottesvorstellung gilt es, diese Bestandteile des christlichen Glaubens schon anfänglich im Lehrplan der Grundschule aufzunehmen“ (Orth/Hanisch, 1998, 212). Aber nicht nur Schülerinnen und Schüler assoziieren mit dem Wort „Gott“ in der Regel den Vater und Schöpfer und nicht einen dreieinen Gott. Eine Befragung von Teilnehmenden an Veranstaltungen der evangelischen Erwachsenenbildung in Bayern erbrachte gleichermaßen, „dass nur von wenigen Befragten auf die Dreieinigkeit Gottes Bezug genommen wird. Ebenso rekurrieren die Ausführungen zum Gottesbild fast nie auf den Heiligen Geist“ (Rothgangel, 1999, 91).

Weiter gibt zu denken: Wenn Kinder und Jugendliche unabhängig vom Kontext Trinität auf das Verhältnis von Gottvater und Jesus Christus reflektierten, taten sie das vielfach im Sinne des Subordinatianismus (Hanisch/Hoppe-Graff, 2002, 96; Ziegler, 2006, 325). Das Subordinationsmodell begegnete auch in Bezug auf die Zuordnung von Gott und Heiligem Geist: „Ich glaube, dass Gott sein Chef ist“ (Gerth, 2011, 326); teilweise wurde dieses Verhältnis allerdings auch im Sinne einer Identifizierung bestimmt: „Das ist ein anderer Ausdruck für Gott“ (ebd.).

4. Didaktische Perspektiven

4.1. Kein logischer Widerspruch

Auf diesem Hintergrund sieht sich auch die Religionspädagogik neu vor die Herausforderung gestellt, das Thema „Trinität“ anzugehen. Es kann im Zentrum einer eigenen Unterrichtssequenz stehen oder von anderen Themen her entfaltet werden, kann im Kontext von eigenen und/oder biblischen Gottesvorstellungen und Gottesbildern, in christologischen oder pneumatologischen Zusammenhängen oder im interreligiösen Dialog verortet werden.

Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene empfinden in der Erstbegegnung mit dem Thema Trinität die Vorstellung von dem einen Gott, der sich als dreifaltiger zeigt, leicht als unlösbares Rätsel, oder, wenn sie stärker an logisch-mathematischem Denken orientiert sind, als logischen Widerspruch. Hier ist die Klärung nötig, dass Einheit und Dreiheit auf zwei unterschiedlichen Ebenen liegen und darum miteinander kompatibel sind. Hilfreich können Visualisierungen sein, wie das dreiblättrige Kleeblatt, das auch Patrick von Irland bei seiner Mission verwendete. Häufig verwendet, aber nicht unproblematisch, da vom Aussagegehalt deutlich modalistisch gefärbt, ist der Vergleich mit den drei Erscheinungsformen von Wasser als Flüssigkeit, Dampf oder Eis. Sinnvoll ist es, nicht nur ein Bild oder ein Modell zur Visualisierung anzubieten, sondern verschiedene und sie auf ihre Aussagekraft und Tauglichkeit hin bewerten zu lassen.

4.2. Anregungen ab der Primarstufe

Wer dafür plädiert, die „gesamte trintitätstheologische Fragestellung [...] in die letzten Schuljahre (Oberstufe)“ (Adam, 2010, 131) zu legen, läuft Gefahr, dass das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott als nachträgliches Additum zum Gottesglauben erscheint. Unbestritten bleibt: Solange in der frühen Grundschulzeit das Verhältnis von Jesus und Gottvater noch ungeklärt ist, beide miteinander verwechselt oder identifiziert werden, ist trinitarisches Lernen noch nicht an der Zeit. Sobald während oder gegen Ende der Grundschulzeit Kinder zunehmend in der Lage sind, zwischen Jesus und Gottvater zu unterscheiden, ist der Boden für eine Annäherung an den dreifaltigen Gott bereitet. Jetzt lässt sich die christologische Frage nach dem Verhältnis von Jesus zu seinem Vater fruchtbar machen für eine Reflexion über das Verhältnis von Jesus Christus und Gott.

Rainer Oberthür (2004) zeigt mit seinem Unterrichtsprojekt in einer vierten Klasse, das in abgewandelter Form auch in der Sekundarstufe I durchführbar ist, dass das Nachdenken über Trinität bereits in der Grundschule keine Überforderung darstellt und zu einem spannenden Thema werden kann. Mit Hilfe eines selbst konstruierten Spiegeldreiecks aus drei innen verspiegelten Holzseiten und einer Kerze, die in die Mitte gestellt wird, gelingt es ihm zum einen, einen Eindruck von der Unendlichkeit Gottes zu erzeugen, zum anderen zu visualisieren, dass nur Vater, Sohn und Geist zusammen das „ganze“ Bild Gottes ergeben.

Einen anderen Ansatz wählt Gerhard Büttner, den Unterrichtsversuche auf den Gedanken brachten, „dass sich das Thema Trinität offensichtlich im Kontext der Christologie stellt. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass es auch didaktisch geraten sein könnte, hier den Ausgangspunkt zu dieser schwierigen Fragestellung zu suchen“ (Büttner, 2002, 69). Büttner richtete die Aufmerksamkeit von Grundschulkindern darum auf die besondere Beziehung Jesu zu seinem Vater bzw. speziell auf das Gebet Jesu und sah „in diesem Geschehen zwischen Jesus Christus und Gott-Vater zumindest einen Teilaspekt dessen [...], was theologisch mit dem Begriff der Trinität gemeint ist“ (ebd. 79f.).

4.3. Anregungen ab der Sekundarstufe

Sabine Pemsel-Maier (2004) stellt in der Sekundarstufe, ausgehend von Erfahrungen von Gemeinschaft und Beziehung, Gott als Beziehungs-Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Der Freundeskreis, die Klasse, Gruppe, Clique, Band, Mannschaft sind für Kinder und Jugendliche von höchster Bedeutung. Sie haben in der Regel auch sehr klare Vorstellungen, was eine solche Gemeinschaft idealerweise auszeichnet: sich verstehen, aufeinander Rücksicht nehmen, Dinge gemeinsam tun, offen miteinander reden, keine Geheimnisse voreinander haben, teilen, usw. Angeregt durch einen Text des Pfarrers und Schriftsteller Kurt Marti versucht sie, gemeinsam mit den Jugendlichen Gott als einen zu denken zu versuchen, der ein „in sich geselliger“ Gott ist, „eine Gemeinschaft, vibrierend, lebendig, beziehungsreich“, nicht „einsamer Autokrat jedenfalls, schon gar nicht Götze oder Tyrann“, sondern „Beziehungskommune vielmehr, einer für den andern“ (Marti, 1989, 94). Auf dieser Basis nimmt sie eine Konkretisierung der Dreiergemeinschaft vor: den Gott „um uns“ als denjenigen, der alles umgibt, die ganze Welt durchdringt, uns beschützt, an dem wir uns orientieren können, der für unerreichbar ist; den Gott „mit uns“ als denjenigen, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, der in anderen Menschen begegnet, der mit uns geht und uns auf unserem Weg begleitet; den Gott „in uns“, der die Menschen erfüllt, gute Gedanken eingibt, Kraft schenkt, ermutigt.

Anschaulich wird das Thema durch einen Vergleich unterschiedlicher Trinitätsdarstellungen (ebd.), vom sog. Gnadenstuhl über die Trinitätsikone des Andrej Rubljov bis hin zu Peter Litzenburger: Wie bringen die jeweiligen Künstler die Einheit Gottes ins Bild, wie die Differenzierung der Dreiheit – und wie der Zusammenhang zwischen diesen beiden Perspektiven?

5. Offene Fragen

5.1. Drei Personen – drei Gesichter?

Die Rede vom einen Gott in drei Personen sorgt bei Schülerinnen und Schülern für Irritationen, weil sie sich ganz selbstverständlich unter „Person“ einen konkreten „Menschen“ vorstellen. Ein ungeklärtes Problem ist die Frage, wie mit der missverständlichen Rede von den „drei Personen“ didaktisch angemessen umzugehen ist. Nicht unproblematisch erscheint der Vorschlag von Gerhard Büttner „familiale Muster als bestimmende Interpretationsmatrix heranzuziehen“, so dass Trinität, „sofern sie als Zusammengehörigkeit von Verschiedenen verstanden wird, durchaus im Sinne einer wie auch immer gearteten göttlichen Familie erscheinen“ könnte (Büttner, 2002, 74). Mündet die Vorstellung von einer Familie womöglich in eine Drei-Götter-Lehre? Büttner kann der Rede von den drei Personen insofern etwas abgewinnen, als sie Gottes Zugewandtheit zum Menschen ebenso wie seine Ansprechbarkeit impliziert. So schlägt er vor, die drei göttlichen Personen metaphorisch als die drei „Gesichter“ Gottes zu erschließen (ebd. 74). Sprachlogisch greift er damit das griechische prosopon, wörtlich „Gesicht“ auf, von dem lateinisch persona abgeleitet ist. Hier wäre in verschiedenen Unterrichtssettings zu erproben, inwiefern diese anschauliche Metapher zielführend ist oder inwiefern sie den Schluss auf drei verschiedene Individuen nahelegt. In der Geschichte der christlichen Ikonographie waren aus diesem Grund Darstellungen verboten, die einen Kopf mit drei verschiedenen Gesichtern zeigten.

Ob auf die Rede von den drei Personen ganz verzichtet wird oder ob der veränderte Kontext und Bedeutungswandel explizit thematisiert wird, ist je nach Alter und Situation neu zu entscheiden. Auf jeden Fall kann sie angesichts des Bedeutungswandels nicht unkommentiert eingeführt werden. Hilfreich ist der Hinweis, dass nicht nur beim Personbegriff, sondern auch bei anderen bzw. alltäglich verwendeten Begriffen ein Bedeutungswandel stattgefunden hat, der teilweise bis ins Gegenteil reicht. Eine ausführliche Reflexion auf die unterschiedliche Verwendung des Personbegriffes in der Moderne und in der Antike dürfte in der Regel ohnehin der Oberstufe vorbehalten sein.

5.2. Möglichkeiten des komplementären Denkens

Eine weitere nicht erschöpfend geklärte Frage betrifft die Fähigkeit zum komplementären Denken, das für das Verständnis von Einheit als Dreiheit und Dreiheit als Einheit eine wesentliche Voraussetzung darstellt. Diese Fähigkeit beginnt sich frühestens am Ende der Grundschulzeit zu entwickeln, bedarf im Jugendalter in besonderer Weise der Förderung und ist möglicherweise erst im Erwachsenenalter abgeschlossen (Oser/Reich, 2000). Was komplementäres Denken fördert und was es umgekehrt eher hemmt, ist bislang noch vielfach ungeklärt.

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