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Lexikon

Ziklag

Joachim Vette

(erstellt: Aug. 2010)

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1. Name und Lage

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Ziklag.

Der biblische Ortsname Ziklag (hebräisch צִקְלַג ṣiqlag; griechisch Σικελεγ oder Σεκελακ; lateinisch Siceleg) ist nicht-semitischen Ursprungs. Seine Bedeutung ist unbekannt.

Der Ort liegt im Süden des heutigen Israel am Rande des Negev. Albrecht Alt identifizierte ihn mit dem 17 km nordnordöstlich von → Beerscheba gelegenen Tell el-Chuwēlife / Tel Ḥalîf (Koordinaten: 1373.0879; N 31° 22' 58'', E 34° 51' 57'' [Tell el-Chuwelife / Tel Halif]), der jedoch zu weit östlich liegt, um noch zum Gebiet der Philisterstadt → Gat zu gehören (1Sam 27,6), und inzwischen mit → Horma identifiziert wird. Dagegen ist die Identifizierung mit dem 16 km westlich gelegenen Tell eš-Šerī‘a / Tel Šera‘ (Koordinaten: 1196.0889; N 31° 23' 26.79'', E 34° 40' 45.70'' [Tell es-Seria / Tel Sera]) weithin akzeptiert (z.B. Aharoni).

2. Ziklag in Josua, Chronik und Nehemia

Nach Jos 15,31 gehörte Ziklag zum südlichen Stammesgebiet Judas. Nach einer sehr detaillierten Beschreibung der Grenzen Judas und einem kurzen Einschub über die Städte, die Kaleb und seiner Tochter zuerkannt wurden, kommt das Kapitel zu einer Auflistung der Städte Judas. Da die im Text explizit genannte Zahl an Städten (29, so Jos 15,32) und die tatsächliche erwähnte Zahl der Städte (34) voneinander abweichen, ist von möglichen Fortschreibungen auszugehen, in denen zusätzliche Städte einer ursprünglichen Liste zugefügt wurden. Bereits → Martin Noth erkannte, dass nur Beerscheba Tochterstädte zugesprochen wurden, zu denen auch Ziklag zählt (Jos 15,31). Diese Hierarchisierung mag auf die herausgehobene Stellung von Beerscheba hinweisen, aber auch darauf, dass die Verse Jos 15,29-32a ganz oder teilweise redaktionell eingefügt wurden.

In Jos 19,5 wird Ziklag dem Stammesgebiet Simeons zugerechnet. Dieses liegt jedoch in Gänze innerhalb von Juda. Anders als bei den übrigen Territorien erwähnt Jos 19 den Grenzverlauf des Erbteils Simeons nicht; stattdessen geht der Text ausführlich auf die eigenartige territoriale Vernetzung von Juda und Simeon ein: „Denn das Erbteil des Stammes Simeon ist von dem Anteil des Stammes Juda genommen. Weil der Anteil des Stammes Juda zu groß für ihn war, darum erbte der Stamm Simeon mitten in dessen Erbteil“ (Jos 19,9).

Dass Ziklag sowohl dem Gebiet Judas wie auch dem Gebiet Simeons zugesprochen wird, zeugt von einem nicht ganz geklärten Besitzverhältnis. In 1Chr 4,24-33, einem Paralleltext zu Jos 19,5, wird angedeutet, dass dieses wechselnde Besitzverhältnis (Ziklag wird in 1Chr 4,30 erwähnt) etwas mit dem mangelnden Wachstum des Stammes Simeon zu tun hatte: „Aber seine Brüder hatten nicht viel Kinder, und ihr ganzes Geschlecht mehrte sich nicht so wie die Söhne Judas“ (1Chr 4,27b).

In Neh 11,28 erscheint Ziklag wiederum als eindeutig judäischer Ort.

3. Ziklag und David

Die Erzählungen der → Samuelbücher beschreiben, wie es → David auf seiner Flucht vor → Saul sogar in die Gebiete der → Philister treibt. Dort bittet er um → Asyl bei dem Philisterkönig → Achisch, der ihm die Stadt Ziklag als Zufluchtsort überlässt (1Sam 27,6). Damit entzieht sich David dem Einflussbereich Sauls, wahrt jedoch gleichzeitig eine gewisse Distanz zu seinem neuen Schutzherrn. In Ziklag sammeln sich nach 1Chr 12,1.21-23 Kämpfer aus vielen umliegenden Gebieten. Die Stadt wird so zum Lager der Kriegshelden Davids; hier etabliert der zukünftige König seine erste ernstzunehmende Hausmacht. Die Distanz zu Achisch erlaubt es David, militärische Angriffe gegen die südlich liegenden → Geschuriter, Girsiter und → Amalekiter zu führen, diese Unternehmungen jedoch gleichzeitig dem Philisterkönig als Ausfälle gegen Juda zu verkaufen. Die Erzählung in 1Sam 27 macht deutlich, dass David bereit war, dieses doppelte Spiel durch extreme Maßnahmen vor Aufdeckung zu schützen (s. 1Sam 27,11).

In 1Sam 30 wird Ziklag in Abwesenheit von David und seinen Helden von den Amalekitern verwüstet und die Bewohner (u.a. auch die Frauen Davids) werden verschleppt (1Sam 30,1-2.14). In einem kühn durchgeführten Gegenschlag gelingt es David und seinen Männern, die Gefangenen zu befreien und Ziklag wieder aufzubauen (vgl. 1Sam 30,26). Dadurch, dass David Teile der so erworbenen Kriegsbeute an die Ältesten von Juda schickt, bereitet er geschickt seine bevorstehende Übernahme der Königswürde in Juda vor (vgl. 2Sam 2,4).

Ziklag wird ebenfalls kurz in 2Sam 1,1 und 2Sam 4,10 als der Ort erwähnt, an dem David von dem Tod Sauls und seiner Söhne erfährt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Aharoni, Y., 1984, Das Land der Bibel: eine historische Geographie, Neukirchen-Vluyn, 259
  • Alt, A., 1959, Saruhen, Ziklag, Horma, Gerar (1935), in: ders., Kleine Schriften zur Geschichte des Volkes Israel, Bd. III, München, 409-434
  • Blakely, J., The location of medieval/pre-modern and biblical Ziklag, PEQ 139 (2007), 21-26
  • Fritz, V., Der Beitrag der Archäologie zur historischen Topographie Palästinas am Beispiel von Ziklag, ZDPV 106 (1990), 78-85
  • Japhet, S., 1993, I&II Chronicles: A Commentary, London
  • Keel, O. / Küchler, M., Orte und Landschaften der Bibel 2, Zürich 1982
  • Noth, M., 3. Aufl. 1953, Das Buch Josua (HAT 17), Tübingen
  • Oren, E., Ziklag: A Biblical City on the Edge of the Negev, BA 45 (1982), 155-166
  • Seger, J., The Location of Biblical Ziklag, BA 47 (1984), 47-53

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Ziklag. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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