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Lexikon

Zeit, Zeitverständnis (AT)

1. Wortbedeutungen

Zur Situierung eines Ereignisses in der Zeit verwendet das Hebräische zahlreiche adverbielle und präpositionelle Ausdrücke. Wird der Zeitpunkt oder Zeitabschnitt eines Geschehens substantivisch benannt, so begegnen vor allem die Wörter יוֹם jôm „Tag“ und עֵת ‘et „Zeit / Zeitpunkt“. Beide können synonym verwendet werden (Ez 7,7: „Die Zeit ist gekommen, der Tag ist nahe“; Ez 12,27: „Die Vision … handelt von späteren Tagen, er weissagt für ferne Zeiten“; Jo 4,1: „in jenen Tagen und zu jener Zeit“; Jer 50,20). Im Unterschied zur Bedeutung des deutschen Wortes „Zeit“ kommt beim hebräischen Wort עֵת ‘et, das im Alten Testament 296-mal belegt ist, weniger die Zeitdauer als vielmehr der Zeitpunkt eines Geschehens in den Blick (so etwa beim Ausdruck „in jener Zeit“). Möglicherweise ist עֵת ‘et mit מוֹעֵד mô‘ed „verabredeter Zeitpunkt / Termin / Fest / Festzeit“ etymologisch verwandt.

Oft ist der mit עֵת ‘et bezeichnete Zeitpunkt inhaltlich näher bestimmt (Jer 30,7: „eine Zeit der Not“; Ez 16,8: „die Zeit der Liebe“; Am 5,13: „eine böse Zeit“; Esr 10,13: „Regenzeit“), geradezu klassisch in Pred 3,1-8, wo in einer Abfolge von sieben Strophen mit je vier inhaltlich bestimmten Zeiten für „jedes Geschehen unter dem Himmel eine (bestimmte) Zeit“ angegeben wird (in Pred 3,1 in Parallele zum aramäischen Lehnwort זְמָן zəmān „Zeit“). Entsprechend übersetzt die → Septuaginta עֵת ‘et in den meisten Fällen (198-mal) mit καιρός kairos „Zeitpunkt“, lediglich dreimal mit χρόνος chronos „Zeit“. In der Bedeutung „Zeitpunkt“ kann allerdings auch das Wort יוֹם jôm „Tag“ Verwendung finden (Gen 2,4b: „Zur Zeit / am Tag, da Gott, der Herr, Erde und Himmel machte“). Vorzugsweise jedoch wird eine Zeitdauer im Hebräischen mit dem Plural יָמִים jāmîm „Tage“ (vgl. Ps 23,6: „für die Länge der Tage“), mit dem Lexem דּוֹר dôr „Generation“ (Jes 60,15), עַד ‘ad „Ewigkeit / immer“ (Jes 26,4) oder עוֹלָם ‘ôlām „unbegrenzte Zeitdauer / Ewigkeit“ wiedergegeben (Ex 12,24).

Es finden sich im Alten Testament keine philosophisch-systematischen Erörterungen über die Zeit, vergleichbar denen eines Aristoteles (Physik IV, 10-14; Text gr. und lat. Autoren) oder Augustinus (Confessiones XI; Bibliothek der Kirchenväter). Dennoch lassen sich in idealtypischer Vereinfachung zwei unterschiedliche Zeitkonzeptionen unterscheiden, die allerdings nicht beziehungslos nebeneinander stehen, sondern wechselseitig aufeinander bezogen werden und sich lebensweltlich durchdringen: auf der einen Seite ein mythisch-zyklisches, auf der anderen Seite ein geschichtlich-lineares Zeitverständnis, das zudem vor allem in späten prophetischen und prophetisch inspirierten Texten in einen eschatologischen Horizont gestellt wird.

2. Mythisch-zyklisches Zeitverständnis

Es ist zu vermuten, dass in Israel wie überhaupt in der Antike soziale Zeit und Naturzeit stärker aufeinander bezogen waren, als dies in neuzeitlich geprägten Kulturen der Fall ist. Das Zeitempfinden der Menschen dürfte in damaliger Zeit in starkem Maße zyklisch geprägt gewesen sein. Zeitgefühl und Zeitmessung orientierten sich an periodischen Naturerscheinungen, wie dem Wechsel von Tag und Nacht (Gen 1,4f; Ps 104,20-23), dem Lauf der Gestirne (Gen 1,14; Ps 104,19; vgl. 2Kön 20,11; Jes 38,8) und dem Wechsel der Jahreszeiten (Gen 8,22: „Solange die Erde besteht [wörtl.: „Alle Tage der Erde“], sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“; vgl. Ps 104,19-23; Hi 38; Hi 39; Pred 1,4-11). Dabei wird die zyklische Zeitkonzeption schöpfungstheologisch verankert. Demnach hat Gott der Welt eine zeitliche Ordnung eingestiftet, die durch sein Handeln aufrecht erhalten wird (Jer 33,20; Hi 38,32; Lev 26,4; Dtn 11,14; Dtn 28,12; Ez 34,26; Ps 104,27; Ps 145,15; Pred 3,11; Pred 8,6), die aber auch vorübergehend außer Kraft gesetzt werden kann (Jos 10,12-14). Die Schöpfung ist nach Gen 1,1-2,3 ein in Räume und Zeiten geordneter Kosmos (erster Tag: Rhythmus von Tag und Nacht; vierter Tag: Sonne und Mond als Bestimmung für Festzeiten, Tage und Jahre; siebter Tag: Zeit der Arbeit – Zeit der Ruhe).

In diesen Zusammenhang gehört auch die weisheitliche „Lehre von der rechten Zeit“. Ihr zufolge kommt allem Geschehen unter dem Himmel eine entsprechende Zeit zu. Diese Einsicht ist zunächst der Natur abgeschaut (vgl. Dtn 11,14; Ez 34,26; Jes 28,23-29): Ein Baum bringt Frucht zu „seiner Zeit“ (Ps 1,3), „der Storch am Himmel kennt seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ihrer Rückkehr ein“ (Jer 8,7), die Steinböcke haben ihre Wurfzeit (Hi 39,1), Garben werden eingebracht „zu ihrer Zeit“ (Hi 5,26; vgl. Ps 104,19.24). Ein „rechte Zeit“ gibt es aber auch in der Welt menschlicher Handlungen (Spr 15,23: „ein Wort zu seiner Zeit“; Spr 25,11 [hier mit ’ofæn]; Pred 3,1-8; Sir 20,7). Dem Menschen kommt es zu, die rechte Zeit zu erkennen und ihr durch angemessenes Handeln zu entsprechen (Sir 4,20: „Mein Sohn, achte auf die rechte Zeit!“ [Lutherbibel: Sir 4,23]). Pred 9,11f weist jedoch darauf hin, dass der Mensch nicht unumschränkt über die Zeit verfügen und sie nicht in jeder Hinsicht durchschauen kann. Der weisheitlichen Tradition sind auch jene Reflexionen zuzuordnen, die sich der Vergänglichkeit und Hinfälligkeit des menschlichen Lebens widmen (Ps 39; Ps 49; Ps 90; Pred 2,12-17). In Ps 31,16 weiß sich der Beter in den ihm zugedachten „Zeiten“ in Gott geborgen.

Ebenso sind die Feste Israels von ihrer Herkunft aus einer bäuerlichen Lebenswelt primär mit dem zyklischen Zeitverständnis verbunden (→ Fest). In Orientierung an den astronomischen, meteorologischen und vegetativen Zyklen werden an ihnen die immer wiederkehrenden Abläufe der Natur wie der Beginn der Gerstenernte im Frühjahr, im „Ähren“-Monat Abib (Mazzotfest), der Beginn der Weizenernte im Sommer (Wochenfest) und das Fest der Lese im Herbst begangen (Ex 23,14-17; Ex 34,18-23; Dtn 16,1-17; Lev 23; vgl. den Geserkalender, Text s. → Fest 2.3.). Möglicherweise geht auch das → Passafest auf einen apotropäischen Hirtenritus zurück (vgl. Ex 12,23), der mit dem Aufbruch zur Sommerweide im Frühjahr vollzogen wurde.

In vorexilischer Zeit stand auch der → Sabbat als Vollmondsabbat mit dem Mondzyklus in Verbindung in Entsprechung zum Neumondtag (vgl. 2Kön 4,23; Jes 1,13; Hos 2,13; Am 8,5); wahrscheinlich wurde der Vollmondsabbat erst im Sabbatgebot des → Dekalogs mit dem (genuin israelitischer Tradition entstammenden) siebten Tag der Woche zum Wochensabbat verschmolzen (Dtn 5,12).

Aus der Perspektive eines linearen Zeitverständnisses wird ein zyklisches Zeitverständnis nicht selten als Ausdruck von Sinnlosigkeit angesehen, weil es „ohne Ziel“ sei. Dies aber wird dem Selbstverständnis mythisch-zyklisch geprägter Kulturen und Lebenswelten nicht gerecht. Das zyklische Zeitverständnis ist gekennzeichnet durch eine Semiotisierung des Kosmos. Der Kosmos ist der primäre Ort der Transzendenzerfahrung: Die Rhythmen der Natur wie der Lauf der Sonne (vgl. Pred 1,5; Ps 19,6f), die Wege des Wassers (Pred 1,7), die Zyklen des Mondes, der Wechsel von Tag und Nacht, Aussaat und Ernte, Geborenwerden und Sterben schaffen Vertrauen in eine Ordnung, die letztlich auf Gott verweist (Ps 104; Weish 11,20 [Lutherbibel: Weish 11,21]).

Auch „geschichtliche Abläufe“ konnten nach zyklischen Modellen dargestellt werden. So wird im → Buch der Richter das Leben Israels im Land in der vorköniglichen Zeit im Rahmen des sog. „Richter-Schemas“ als mehrfach wiederkehrende Abfolge von: „Sünde Israels – Zorn JHWHs – Strafgericht JHWHs – Mitleid JHWHs – Erweckung eines Richters zur Rettung Israels – Rettung Israels – erneuter Rückfall Israels in die Sünde“ gedeutet (Ri 2,11-19).

3. Geschichtlich-lineares Zeitverständnis

Zu einer ausschließlich mythisch-zyklischen Zeitvorstellung wie etwa im Alten Ägypten kam es in Israel jedoch nicht. Soziale und klimatische Verhältnisse mögen eine Rolle gespielt haben. Die Naturverhältnisse waren in Israel unberechenbarer als in Ägypten. Das Nichtvorhersehbare und Außergewöhnliche gewinnt so an Bedeutung. Damit ist die Voraussetzung für ein lineares Zeitverständnis gegeben. Allerdings entsteht ein solches nicht „von Natur aus“, sondern durch soziale Konstruktion. Konstruktionen linearer Zeit dürften in Israel mit der Entstehung und Konsolidierung politischer Herrschaft aufgekommen sein. Mit der amtlichen Zählung der Regierungsjahre der Könige von Juda und Israel entsteht die Vorstellung einer linearen Entwicklung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie fand ihren Niederschlag in Annalen („Tagebücher der Könige“, vgl. 1Kön 15,7; → Königsbücher), aus denen die alttestamentliche → Geschichtsschreibung entstand. Darin unterscheidet sich die Königsherrschaft deutlich von der Herrschaft der Richter in der Richterzeit, die noch durchgehend nach einem zyklischen Zeitschema verstanden wurde („Richter-Schema“, s.o. unter 2.).

Das geschichtlich-lineare Zeitverständnis wurde in Israel vor allem prägend für das religiöse Symbolsystem. Grundgelegt wurde es durch eine Semiotisierung der Geschichte. Dies geschah dadurch, dass das Außergewöhnliche nicht eliminiert, sondern im Bewusstsein der Gesellschaft thematisiert und erinnert wurde. Einem (einmaligen, außergewöhnlichen) Geschehen wird eine über den Tag hinausreichende Bedeutung zuerkannt, genauer: in einem (historisch einmaligen) Geschehen wird ein Sinn vernommen, der in jeder Gegenwart neu vernommen werden wollte und der sich erst in der Zukunft in seiner Vollgestalt erschließen sollte. Derartige Ereignisse werden in der biblischen Überlieferung mit einem Handeln Gottes in Verbindung gebracht. Dazu gehören u.a. der Exodus (→ Exodustradition) und die damit verbundene → Erwählung Israels (Ex; Dtn), die Erwählung der Daviddynastie und die ihr gegebene Verheißung „ewiger Dauer“ (2Sam 7; Ps 89), die Erwählung des → Zion und seine „Erhebung“ zum Ort der Völkerwallfahrt (Ps 76,3; Ps 87; Jes 2,1-5; Mi 4,1-5), die „Vermählung“ Gottes mit seinem Volk (Hos 2,18-25). Wie auch immer die Frage nach der Historizität des Exodus zu beantworten sein wird (→ Meerwundererzählung), unbestritten dürfte sein, dass sich Israel in der Bestimmung seiner Identität hierbei auf ein Ereignis der Vergangenheit bezieht: Israel versteht sich als das Volk, das JHWH aus der Knechtschaft Ägyptens befreit hat. An die Stelle der mit dem zyklischen Zeitverständnis verbundenen Erneuerung tritt die das lineare Zeitverständnis konstituierende Erinnerung. Erinnerung heißt, dass das Vergangene vergegenwärtigt wird und auf diese Weise wirkt. Aus der Erinnerung erwächst der Maßstab für die Deutung der Gegenwart und die daraus resultierende Gestaltung und Erwartung der Zukunft (Dtn 6,20-25). Aus seiner Geschichte kann und soll Israel lernen (Dtn 32,7; vgl. Ps 77,6.11-13; Ps 143,5). In Est 1,13 könnte der Plural von עֵת ‘et „Zeiten“ dem nahe kommen, was unter „Geschichte (eines Königreiches)“ verstanden wird („die Weisen, die die Zeiten kennen / EÜ: die sich in der Geschichte gut auskennen“; ähnlich 1Chr 29,30). So kann das geschichtlich-lineare Zeitverständnis als ein Charakteristikum der jüdisch-christlichen Tradition angesehen werden, wie Augustinus in polemischer Zuspitzung durchaus zutreffend bemerkt: „Die Heiden irren im Kreis herum, die Christen laufen auf das Ziel der Erlösung zu“ (De civitate Dei XII, 14; Bibliothek der Kirchenväter).

Vor allem in der prophetischen Tradition wird – häufig in der Wendung „es werden Tage kommen“ bzw. „in künftigen Tagen“ – eine in der Zukunft liegende Zeit angekündigt. Es kann eine Zeit des Gerichts und der Vernichtung (vgl. Jer 4,11; Jer 8,1; Ez 21,30.34: „Zeit der Endstrafe“; Zef 1,12) sein, aber auch (und zugleich) eine Zeit der Wiederherstellung und Vollendung der Schöpfung (Jes 11) und der Geschichte (Jes 2,2-4; Jer 33,14-16; Mi 4,1-4; Jer 31,1; Zef 3,19f). Sie zielt darauf, Israel und die Völker in jene Gemeinschaft mit Gott zu führen, die sich in dem, was Israel „in den Tagen der Vorzeit“ (Jes 63,9) vernommen und im Exodus anfänglich selbst erfahren hat, als ein alle Völker betreffendes Geschehen (vgl. Gen 12,1-3) bereits angekündigt hat (vgl. Jes 24,5-8). In diesem Sinn kann auch Dan 8,17; Dan 11,35.40; Dan 12,4.9 verstanden werden, wo von der „Endzeit“ und im Anschluss daran von der Auferstehung (Dan 12,13) gesprochen wird.

4. Integratives Zeitverständnis

Die von ihrer Herkunft her primär zyklisch geprägten Feste Israels wurden vom geschichtlich-linearen Zeitverständnis überformt und in unterschiedlichem Maße von dorther neu konzipiert (→ Fest). Das ihnen zugrunde liegende mythisch-zyklische Zeitverständnis wurde dabei jedoch nicht eliminiert, sondern in das geschichtlich-lineare Zeitverständnis integriert. So wurden die weiterhin in zeitlicher Entsprechung zu den Zyklen der Natur gefeierten Feste Israels zu bevorzugten Orten der Erinnerung göttlichen Handelns in der Geschichte und zum klassischen Ort eines integrativen Zeitverständnisses. Am stärksten schlug die geschichtliche Interpretation beim → Passafest durch, weniger stark beim Wochen- und Lesefest: Das Mazzotfest wird in Verbindung mit dem Passafest zum Fest des Exodusgedenkens, das Wochenfest im nachbiblischen Judentum (→ Schavuot) zum Fest des Gedenkens der Gabe der Tora am Sinai (vgl. Apg 2: Pfingsten als Fest der Gabe des Heiligen Geistes), das Lesefest wird zum → Laubhüttenfest (Dtn 16,13.16; Lev 23,34) in Erinnerung an die Zeit der Wüstenwanderung, in der die Israeliten nach Lev 23,43 in „Hütten“ gewohnt haben.

Zum Ort eines integrativen Zeitverständnisses wurde auch das Lebensalter der Menschen. Einerseits wurde das menschliche Leben als ein nicht wiederholbarer Weg in ein Land ohne Wiederkehr verstanden (vgl. Hi 10,21; Ps 49; Ps 90,3; Ps 146,4), andererseits ist das Kommen und Gehen der Generationen, das Geborenwerden und Sterben ein Geschehen, das immer wiederkehrt, solange die Erde steht (Pred 1,4; Pred 3,2). Ebenso kennt das Alte Testament in der Zuteilung des Lebensalters eine zeitliche Entwicklung: Die vorsintflutlichen Menschen erreichten ein Lebensalter von 969 (→ Metuschelach) bis 365 (→ Henoch) Jahre. Die Lebenszeit des Menschen wird noch vor der Sintflut auf 120 Jahre festgesetzt (Gen 6,3). Auch Mose erreicht noch ein solches Alter (Dtn 34,7). Abraham wird 175 (Gen 25,7), Isaak 180 (Gen 35,28), Jakob 147 (47,28) und Josef 110 (Gen 50,20) Jahre alt. Nach Ps 90,10 beträgt die durchschnittliche Lebenszeit des Menschen 70 Jahre, „wenn es hoch kommt, sind es 80“; nach Sir 18,9 (Lutherbibel: Sir 18,8) sind es „höchstens 100 Jahre“. → Hiob lebt nach seiner Wiederherstellung „auf das Doppelte“ noch zweimal 70, also 140 Jahre (Hi 42,16). In der Zeit „eines neuen Himmels und einer neuen Erde“ wird nach Jes 65,20 kein Mensch im Säuglingsalter sterben: „Wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung“.

Die Schöpfungserzählung von Gen 1 kann als Verbindung von zyklischem und linearem Zeitverständnis verstanden werden. Das „im Anfang“ von Gen 1,1 dürfte sich nicht nur auf den Anfang des Schöpferhandelns Gottes (im engeren Sinn) beziehen, sondern zugleich auf den Anfang des Handelns Gottes überhaupt. Zudem fällt auf, dass der siebte Tag wohl einen Morgen, jedoch keinen Abend hat. So wird die Schöpfung zum Beginn einer Geschichte, die in Gott ihre Vollendung findet. Himmel und Erde werden vergehen, Gott aber bleibt, seine „Jahre enden nie“ (Ps 102,26-28; vgl. Jes 51,6).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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  • Schwienhorst-Schönberger, L., „Für alles gibt es eine Stunde” (Koh 3,1). Das Verständnis der Zeit im Alten Testament, ThPQ 154 (2006), 356-364
  • Wilch, J.R., Time and Event. An Exegetical Study of the Use of ’ēth in the Old Testament in Comparison to Other Temporal Expressions in Clarification of the Concept of Time, Leiden 1969
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