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Lexikon

Zarpat

Andere Schreibweise: Sarepta ; Zarpath (engl.)

Bernhard Lehnart

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage von Zarpat / Sarepta.

Zarpat (hebräisch צָרְפַת Ṣārpat) bzw. griechisch Sarepta (Σαρεπτα Sarepta; LXX, NT) ist ein Ort an der phönizischen Mittelmeerküste. Der Name, dessen Ableitung von צרף ṣrp „brennen“ und dessen darauf basierende Deutung als „(Stadt der) Schmelzarbeit“ fraglich ist, hat sich im heutigen Ortsnamen Sarafand erhalten. Zarpat wird deswegen sowie aufgrund eines inschriftlichen Belegs mit diesem im heutigen Libanon 13 km südlich von → Sidon und 23 km nördlich von → Tyrus gelegenen Ort identifiziert.

1. Vorkommen in der Bibel

Zarpat wird in der Hebräischen Bibel zwei Mal (hebräisch צָרְפַת) und im Neuen Testament (griechisch Σαρεπτα) ein Mal erwähnt.

Abb. 2 Elia und die Witwe aus Zarpat (Bernardo Strozzi; 1640).

Abb. 2 Elia und die Witwe aus Zarpat (Bernardo Strozzi; 1640).

Die Überlieferungen des Propheten → Elia lokalisieren in Zarpat zwei Wunder (1Kön 17,8-24). Elia, der sich nach der Ankündigung der Dürre auf der Flucht vor König → Ahab befindet, wird von Gott nach Zarpat geschickt, das der phönizischen Metropole → Sidon zugeordnet wird (1Kön 17,9). Dort trifft er eine Witwe, die vor Hunger verzweifelt das Holz für ein letztes Mahl für sich und ihren Sohn sammelt. Elia verhilft ihr und ihrem Sohn durch einen nicht versiegenden Mehlkrug und eine ebenfalls nicht versiegende Ölflasche zu neuem Leben (1Kön 17,8-16). Der Sohn der Witwe wird jedoch später krank und stirbt; auch hier hilft der Gott Elias wieder und erweckt den Sohn auf die Bitte des Propheten hin zum Leben (1Kön 17,17-24).

Die kleinste Prophetenschrift im Zwölfprophetenbuch, → Obadja, nennt Zarpat als nördlichen Grenzort, bis zu dem die aus dem Exil heimkehrenden Israeliten das Gebiet der Kanaanäer wieder in Besitz nehmen werden (Ob 20).

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2012)

Abb. 3 Die Witwe von Zarpat und die ihr gegenüber angebrachte Königin von Saba verweisen am Dreikönigsportal des Kölner Doms als fromme Ausländerinnen auf die Hl. Drei Könige.

In der lukanischen Antrittspredigt Jesu in Nazareth (Lk 4,26) verweist Jesus auf den Propheten Elia, der zu einer phönizischen Witwe nach Zarpat / Sarepta gesandt wurde und nicht zu einer israelitischen Frau. Der Hinweis dient ebenso wie die Erwähnung der Heilung des Syrers → Naaman durch den Propheten → Elisa (2Kön 5) als Illustration der Aussage von Lk 4,24, dass kein Prophet in seiner Vaterstadt willkommen sei.

2. Inschriftliche Bezeugungen

Der bislang älteste Beleg des Ortes Zarpat findet sich in einer Personenliste aus → Ugarit, die wohl aus dem 14. Jh. v. Chr. stammt. Dort wird ein Mann nach seinem Herkunftsort als bn-ṣrptn „Sohn / Einwohner von Zarpat“ benannt (KTU 4.63.I.45).

In dem ägyptischen Papyrus Anastasi I (13. Jh. v. Chr.) werden die Kenntnisse eines Schreibers in satirischer Form getestet, auch die geographischen. Dabei wird in einer Liste phönizischer Städte neben Byblos, Beirut und Sidon auch Zarpat erwähnt.

Die Annalen der dritten Kampagne des assyrischen Königs → Sanherib (705-681 v. Chr.) berichten, dass Zarpat einer der Orte aus dem Herrschaftsbereich von Sidon ist, die Sanherib erobert haben will (TUAT I, 388-391). In einem assyrischen Text aus der Zeit des Königs → Asarhaddon (681-669 v. Chr.) wird berichtet, dass Zarpat jetzt der Herrschaft von Tyrus zugeordnet wird (TUAT I, 393-397).

In der Antike gibt es noch weitere inschriftliche Bezeugungen von Zarpat (s. Briend / Thalmann 1991, 1414f.);

Möglicherweise fand sich Sarepta auf der Madaba-Karte. Man hat nämlich ein Mosaik-Fragment entdeckt, das Sarepta nannte und als Ort der Auferweckung eines Kindes charakterisierte, allerdings wurde es in Madaba nicht in der Kirche mit dem Rest des Mosaiks gefunden, sondern außerhalb der Kirche und ist inzwischen verschollen. Außerdem ist angesichts der Kirchenmauern fraglich, ob die Madaba-Karte so weit nach Norden gereicht haben kann.

3. Archäologie

Zarpat wurde von 1969 bis 1974 von James B. Pritchard ausgegraben. Der antike Tell liegt etwas nördlich des heutigen Ortes Sarafand an der Küste. Aus einem mit einer Inschrift versehenen Siegel, das bei der Ausgrabung entdeckt wurde und den Ortsnamen Zarpat enthält, geht klar hervor, dass es sich um die antike Ortslage Zarpat handelt.

Während aus der Mittelbronzezeit nur geringe Siedlungsspuren vorhanden sind, zeigt sich für die Spätbronzezeit ein Gewerbeareal, das vor allem zur Keramikherstellung benutzt wurde. Hier wurde Massenware hergestellt, die über den eigenen Bedarf hinausging. Man kann Zarpat als einen Handwerkerort bezeichnen, der eine fast industrielle Produktion entwickelte. Dies gilt auch für die Eisenzeit; es gibt keinen Hinweis auf eine Zerstörungsschicht am Ende der Spätbronzezeit. Neben der Keramikproduktion weisen zerbrochene Schalen von Murex-Schnecken (→ Schnecke) auf die Herstellung des Farbstoffes Purpur hin, ein sehr begehrtes Produkt in der Antike (→ Farben; → Färben).

In der Nähe des Gewerbegebietes wurde ein Heiligtum entdeckt, das wohl im 8. Jh. v. Chr. errichtet wurde. Aus einer beschrifteten Elfenbeinplakette geht hervor, dass dieses Heiligtum dem Kult der Tanit-Astarte gewidmet war. Der Text lautet: hsml ’z p‘l šlm bn mp‘l bn ‘zy ltnt ‘štrt „Die Statue, die Schillem, der Sohn des Mapa‘al, des Sohnes von ‘Izai, für Tanit Astarte gemacht hat“.

Die Besiedlung ging auch in hellenistischer und römischer Zeit ununterbrochen weiter. Aus römischer Zeit wurde der Hafen mit einem ausgeklügelten Wassersystem zur Versorgung der Hafenregion freigelegt.

4. Literarische Verarbeitung

Paul Coelho greift in seinem Roman „Der fünfte Berg“ die Elia-Geschichte auf. Ein wichtiger Handlungsort ist die Stadt der Witwe, deren Sohn Elia wieder zum Leben erweckt hat. Der Ort heißt allerdings nicht Zarpat, sondern wird hier Akbar genannt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Near East, Oxford / New York 1997
  • New International Dictionary of Old Testament Theology and Exegesis, Grand Rapids 1997
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Anderson, W.P., 1988, Sarepta I. The Late Bronze and Iron Age Strata of Area II, Y. The University Museum of the University of Pennsylvania Excavations at Sarafand, Lebanon. Publications de l’Université Libanaise. Section des Études Archéologiques II, Beyrouth
  • Briend, J. / Thalmann, J.P., 1991, Art. Sarepta, Dictionnaire de la Bible Supplément XI, Paris, 1414-1420
  • Koehl, R.B., 1985, Sarepta III. The Imported Bronze and Iron Age Wares from Area II, X, The University Museum of the University of Pennsylvania Excavations at Sarafand, Lebanon. Publications de l’Université Libanaise. Section des Études Archéologiques II, Beyrouth
  • Khalifeh, I., 1988, Sarepta II. The Late Bronze and Iron Age Periods of Area II, X. The University Museum of the University of Pennsylvania Excavations at Sarafand, Lebanon. Publications de l’Université Libanaise. Section des Études Archéologiques II, Beyrouth
  • Pritchard, J.B., 1978, Recovering Sarepta, a Phoenician City, Princeton
  • Pritchard, J.B., 1985, Sarepta IV. The Objects from Area II, X. The University Museum of the University of Pennsylvania Excavations at Sarafand, Lebanon. Publications de l’Université Libanaise. Section des Études Archéologiques II, Beyrouth 1985
  • Thiel, W., 2000, Könige (BKAT IX/2, Faszikel 1), Neukirchen-Vluyn
  • Vollmer, W., 2010, Sarepta, in: M. Heinz / W. Vollmer (Hgg.), Libanon. Treffpunkt der Kulturen. Eine archäologische Perspektive, Berlin, 161-165

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage von Zarpat / Sarepta. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Elia und die Witwe aus Zarpat (Bernardo Strozzi; 1640).
  • Abb. 3 Die Witwe von Zarpat und die ihr gegenüber angebrachte Königin von Saba verweisen am Dreikönigsportal des Kölner Doms als fromme Ausländerinnen auf die Hl. Drei Könige. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2012)

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