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Lexikon

Weben / Weberei

Elisabeth Völling

(erstellt: Okt. 2011)

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1. Begriffe für „weben“ und Webgeräte

1.1. Die Wurzel ארג ’rg. Die umfassende Tätigkeit des Webens wird mit der hebräischen Wurzel ארג ’rg „weben“ ausgedrückt, die im Alten Testament 15-mal vorkommt, meist als männliches Partizip für den „Weber“ (אֹרֵג ’oreg; Ex 28,32; Ex 35,35; Ex 39,22.27; 1Sam 17,7; 2Sam 21,19; 1Chr 11,23; 1Chr 20,5; Jes 19,9; Jes 38,12). Von der Wurzel werden auch Ausdrücke für bestimmte Webgeräte gebildet, wie für den „Weberbaum“ (מְנוֹר אֹרְגִים mənôr ’orgîm; 1Sam 17,7, 2Sam 21,19; 1Chr 11,23; 1Chr 20,5) oder das „Webschiffchen“ (אֶרֶג ’æræg, Hi 7,6; für Ri 16,14 allerdings unsicher). Die Tätigkeit des Webens wird als מַעֲשֵׂה אֹרֵג ma‛ăśeh ’oreg „Webarbeit“ bezeichnet (Ex 28,32; Ex 39,22.27). In der Erzählung von Simson und Delila werden in Ri 16,13-14 zahlreichen Angaben zur Weberei gegeben, die aber insgesamt – auch textkritisch – schwierig zu deuten sind (Groß 718-721).

1.2. Weitere Begriffe. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene alternative Wurzeln, die ebenfalls mit Weberei verbunden werden können: so bedeutet das Partizip der Wurzel חשׁב ḥšb ebenfalls „Weber“. Ferner kann die Wurzel נסך nsk II mit „weben / flechten“ wiedergegeben werden. Die davon abgeleitete Nominalform מַסֶּכֶת massækæt (Ri 16,13f.) bezeichnet vermutlich die Kettfäden des liegenden Webrahmens (Groß 718). Schließlich kann das Verb שׁבץ šbṣ Pi. „in Mustern weben“ bedeuten. Fraglich ist, was der Begriff יָתֵד jāted in Ri 16,14 bedeutet: „Weberpflock“ oder „Weberschwert“.

Der Abschluss der Webarbeit wird in Jes 38,12 beschrieben. Zunächst wird das Gewebe zusammengezogen – ausgedrückt mit dem Verb קפד qpd. Danach wird das „Kettgarn“ דַּלָּה dallāh abgeschnitten.

2. Webrahmen

Das Webgestell war im Alten Orient nicht der Webstuhl, sondern der Webrahmen. Der Begriff Webstuhl beinhaltet das Wort Stuhl, der bei der „Erfindung“ des mit den Füßen zu bedienenden Schaftwebstuhles in das Webgestell integriert worden ist. Die ersten Schaftwebstühle können allerdings erst in das 3. Jh. n. Chr. datiert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Gebrauch des Webrahmens vorauszusetzen, der entweder liegend auf dem Boden verankert wurde oder stehend in Benützung war. Diese beiden Positionen sind im Alten Orient durch wenige Darstellungen belegt.

Das Holz des Webrahmens ist im Gegensatz zu den Webgewichten nur selten erhalten. In brandzerstörten Siedlungsschichten fanden sich an manchen Orten neben den Webgewichten noch einzelne verkohlte Holzstücke, die den Standort des Webrahmens anzeigen. Der liegende Webrahmen bestand aus einem Holzbalken an jeder Seite (Abb. 1). Die Größe des Webrahmens bestimmt die Gewebelänge und Stoffbreite. Eine Möglichkeit, die laufenden Meter zu verlängern, besteht durch die Anbringung eines drehbar gelagerten Tuchbaumes am Gewichtswebrahmen.

2.1. Der liegende Webrahmen

© Elisabeth Völling

Abb. 1 Liegender Webrahmen: Rundhölzer (A), Vorder- oder Tuchbaum (B), Hinterbaum (C), Litzenstab (D), Schlaufen (E), Schnur (F), Trennstab (G), Schnurschlinge (H), Webschwert (I), Schusseintragsstab (J), Reißhaken (K), Kettfäden (L), Schuss (M), Tuch (N).

Der liegende Webrahmen wird aus zwei oder vier in die Erde eingelassenen Pflöcken, den Vorder- oder Tuchbaum (B) und den Hinterbaum (C) in Position gehalten. Rundhölzer (A) verstärken die Spannung der über den Vorder- und Hinterbaum verlaufenden Kettfäden (L). Der auf zwei Steinen liegende Litzenstab (D) zieht mittels Schlaufen (E), die mit einer Schnur (F) am Litzenstab befestigt sind, jeden zweiten Kettfaden für die Leinwandbindung mit einer Hebung und einer Senkung, in die Höhe. Der dahinter liegende Trennstab (G) hebt die andere Hälfte der Kettfäden an, deren Verlauf eine Schnurschlinge (H) zusätzlich sichert. Mit dem Webschwert (I) und dem Reißhaken (K) presst man den mit dem Schusseintragsstab (J) durchgezogenen Schuss (M) fest an das bereits gewebte Tuch (N) an. Der Litzenstab (D) und der Trennstab (G) werden beim Webvorgang in horizontaler Bewegung auf den Hinterbaum zugeschoben. Mehrere Litzenstäbe in die Kette einzuziehen, stellt hier ein Problem für die Kettfadenspannung dar, die beim Heben und Senken der am Webgestell unelastisch fixierten Kettfäden stark verringert wird. Die Herstellung von Köperbindungen (s.u.) auf dem liegenden Webrahmen ist deswegen auszuschließen.

Der liegende Webrahmen (Abb. 1) dürfte wohl die erste Webkonstruktion sein, die die Kettfäden zwischen zwei Querbalken unter Spannung fixierte. Dieser technische Schritt war notwendig, wollte man die Garne, ähnlich wie Flechtwaren, durch Fadenverkreuzung zu einer zusammenhängenden Fläche weben. Der Abstand der Querbalken legt die Länge des fertigen Textils fest, wobei die Spanne nicht zu groß gewählt werden konnte, wenn die Kettfäden während des Webprozesses ihre Spannung behalten sollten. Die Kettfäden waren sowohl durch die anhaltende Spannung, als auch durch die von Reihe zu Reihe wechselnde Webfachbildung einer wesentlich größeren Belastung ausgesetzt als die Schussfäden. Der liegende Webrahmen ist im Gegensatz zu den stehenden Geräten nicht „mobil“, er beansprucht während des Webvorgangs eine beträchtliche Bodenfläche innerhalb und / oder außerhalb des Hauses.

2.2. Der Gewichtswebrahmen

© Elisabeth Völling

Abb. 2 Stehender Webrahmen (Aufsicht).

Die Konstruktion des Rahmens besteht aus den gleichen Einzelelementen wie die des liegenden Webrahmens. Die Neuerung für die Webvorrichtung ist das Anbringen von Webgewichten an den Kettfäden, die im Gegensatz zum liegenden Webrahmen die Spannung der Kettfäden regulieren können.

© Elisabeth Völling

Abb. 3 Stehender Webrahmen (Profil).

Außerdem bleiben die Kettfäden im Gegensatz zum liegenden Webrahmen beweglich und deren Spannung elastisch, was für den Einzug eines Litzenstabes von Vorteil, für die Verwendung mehrerer Litzenstäbe jedoch unverzichtbar, ist. Das Aufkommen des stehenden Gewichtwebrahmens und der damit verbundenen Herstellung variierender Bindungsarten kann durch die Webgewichtsfunde nachvollzogen werden, die ab dem späten Chalkolithikum belegt sind. Ein Gewebe mit „Diagonalrippe“ in Ur wurde wohl im 3. Jt. am Gewichtswebrahmen mit mindestens drei Schäften hergestellt.

2.3. Der Rundwebrahmen

Aus: E. Völling, Textiltechnik im Alten Orient. Rohstoffe und Herstellung, Würzburg 2008, 130, Abb. 48; © Elisabeth Völling

Abb. 4 Rundwebrahmen.

Der Rundwebrahmen ist im Grabungsbefund ebenso wenig wie der liegende Webrahmen nachzuweisen, dennoch ist nicht auszuschließen, dass er in altorientalischer Zeit bekannt war. Dieser Webrahmen steht aufrecht, in ein stabiles Rahmengerüst sind zwei Balken eingehängt. Der untere Balken (= Baum) spannt die Kettfäden anstelle der sonst üblichen Webgewichte. Während er beim Einrichten der Kette festliegen muss, muss er im Laufe der Arbeit frei hängen, denn die Kettspannung verändert sich beim Weben. Ein oder zwei größere Stein- oder Tongewichte, sind an beiden Seiten des frei schwebenden Baumes angebracht und sorgen für zusätzlichen Spannungsausgleich. Gewebt wird mit zwei nach vorn hängenden Litzenstäben, da der Webrahmen nicht schräg steht und sich somit kein natürliches Fach bilden kann. Die Litzenstäbe werden abwechselnd vorgezogen und öffnen jeweils ein künstliches Fach. Anfang und Ende des Gewebes bildet ein und dieselbe Schnur. Die Kette wird nämlich nicht einfach in der Runde geschert, sondern von und zu einer zwischen den Seitenstützen gespannten Schnur. Das fertige Gewebe „wandert“ um den Webrahmen herum. Wenn sich die Webfächer nicht mehr öffnen lassen, muss der Schussfaden bis zum Schluss mit der Nadel eingetragen werden. Das Ergebnis ist ein Schlauch, der eine doppelt so lange Bahn ergibt wie die auf dem Gewichtswebrahmen hergestellten Gewebe ohne beweglichen Tuchbaum.

3. Webbindungen

© Elisabeth Völling

Abb. 5 Leinwandbindung 1:1, eine Hebung, eine Senkung.

Bis zur Zeitenwende scheint es nur wenige Arten von Webbindungen gegeben zu haben. Die Leinwandbindung, das Verkreuzen von Kett- (= Längsfäden) und Schussfäden (= Querfäden) mit jeweils einer Hebung und einer Senkung ist die einfachste und älteste Gewebebindung, die nur einen Webschaft benötigt. So können auch die Ableitungen der Leinwandbindungen hergestellt werden, die Ripsbindung, bei der mehrere Schussfäden in ein Fach eingetragen werden, oder die Panamabindung, bei der man einen Schussfaden über zwei Kettfäden einbindet.

© Elisabeth Völling

Abb. 6 Köperbindung 1:2, eine Hebung, zwei Senkungen.

Für die stabilere Köperbindung setzt man zwei und mehr Schäfte ein, um einen Versatz des Köpergrades mit einer Regelmäßigkeit von zwei Hebungen und einer Senkung (Schuss- und Kettköper) zu erzielen. Vermutlich wurde für Webbindungen mit zwei und mehr Schäften der stehende Webrahmen konstruiert, der zum einen nicht so viel Platz beanspruchte und zum anderen verschiedene Gewebebindungen herzustellen ermöglichte.

Die Leinwandbindung und ihre Ableitungen konnten im Gegensatz zu den beiden anderen Grundbindungen, der Köper- und der Atlasbindung, auf allen Webrahmen mit nur einem Litzenstab hergestellt werden. Für die einfachsten Bindungskörper mit zwei Hebungen und einer Senkung (Kettkörper) oder zwei Senkungen und einer Hebung (Schussköper) sind bereits drei Litzenstäbe, für alle weiteren Köperbindungen sogar vier und mehr Stäbe erforderlich. Atlasbindungen befinden sich deshalb wohl nicht unter den erhaltenen Techniken, weil mindestens fünf Litzenstäbe zum Weben benötigt werden. Die Bindepunkte kommen im Falle einer regelmäßigen Atlasbindung gegenseitig nicht in Berührung.

4. Webschiffchen

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 7 Mit Weberschiffchen wird der Faden zwischen die Kettenfäden gezogen (oben und Mitte), mit einer Art Kamm werden die eingewobenen Fäden fest angedrückt.

Für den auf einen Holz- oder Knochenstab aufgewickelten Schussfaden wird in den Publikationen der heute gebräuchliche Begriff Webschiffchen verwendet, deren Formen aber keine Gemeinsamkeiten mit den antiken Geräten aufweisen. Damit der Schusseintrag schnell durch das Webfach gezogen werden konnte, musste er auf einem Stab straff aufgewickelt sein. Die optimierte Form ist das Webschiffchen, das sich aus einem kahnförmigen „Holz- oder Knochenboot“ mit einem innen gelagerten Stab, auf dem das Schussgarn aufgewickelt ist, zusammensetzt. Der Stab wickelt sich durch die Zugbewegung von selbst ab und wird vom „Schiffchen“ gehalten. Diese Art des Schusseintrags ist für den Alten Orient nicht eindeutig belegt und so können diesem Zweck verschiedene Holz- und Knochenstäbe mit und ohne Durchlochung zugeordnet werden (Boehmer). Diese Exemplare haben auch eine zu diesem Zweck geeignet erscheinende Länge von ca. 16 cm. Der neu eingetragene Schussfaden wird dann mit einem Webschwert am fertigen Gewebe abgeschlagen. Dazu eignen sich längliche Stäbe, die im Fundgut kaum identifiziert werden können (Abb. 1 J).

5. Webgewichte

Webgewichte wurden aus braun-nuanciertem Ton mit starker Magerung an Kies, Sand, Häksel etc. versetzt und mit der Hand geformt. Die leicht und schnell modellierten Stücke trocknen in der Sonne bei 25-30°C rasch und können sofort benutzt werden. Starker Regen zersetzt die Gegenstände ebenso schnell, wie sie angefertigt wurden. Die Gebrauchsgegenstände weisen meist eine Durchbohrung zwischen 0,5 und 2,5 cm Breite zum Anknoten der Kettfäden auf. Das Gewicht schwankt zwischen 22 g und 800-1000 g. Während die an der unteren Gewichtsgrenze liegenden Stücke für die Arbeit beim Weben ungeeignet erscheinen und ausschließlich in achämenidischem Kontext (6.-4. Jh. v. Chr.) auftreten, müssten die schweren Objekte entweder sehr viele Fäden fassen, was der gleichmäßigen Kettfadenspannung aber nicht entgegenkommt, oder nur für dickes Fasermaterial, wie Bastfaser, eingesetzt worden sein. Experimentelle Versuche zur Wahl geeigneter Webgewichte, durchgeführt von O. Shamir, ergaben, dass bei der Herstellung eines gleichmäßigen Gewebes in Leinwandbindung bereits Gewichtsschwankungen von 200 g Verzerrungen im Gewebe zur Folge haben. Ethnografische Vergleiche bestätigen, dass die Gewichte vor dem Anknüpfen an die Kette gewogen wurden. Je feiner die Kettfäden und somit das Gewebe, desto empfindlicher reagiert das textile Material auf Ungleichmäßigkeiten. Notwendige Spannungsunterschiede der Kettfäden sind für die Webkanten wichtig. Entgegen O. Shamir, die die schwereren Gewichte für das Mittelgewebe vorsieht, müssen die Webkanten fest und widerstandsfähig gearbeitet sein, während das Mittelgewebe locker bleiben muss. Die Anknüpfung schwerer Gewichte an den Webkanten ist zusätzlich notwendig, weil an den Webkanten die Kettfäden enger oder doppelt, also dichter, aufgeschert wurden. Setzt man diese Fäden unter Spannung, ergibt sich bei festem Schusseintrag eine verstärkte Webkante, die zum einen das Mittelgewebe zusammenhält, auch wenn es in geringer Fadendichte (locker) verwebt wurde. Die dickeren und festeren Kanten wirken der Abnutzung beim Tragen des Stoffes (Gewand) entgegen.

Diese technische Verbesserung ist jedoch erst mit dem Gewichtswebrahmen durchführbar. Der horizontale Rahmen ermöglicht keine unterschiedlichen Spannungsverhältnisse innerhalb einer Stoffbahn, weil alle Kettfäden zwischen Tuch- und Hinterbaum arretiert wurden (Abb. 1). Wann der Gewichtswebrahmen in Gebrauch kam, ist an Hand der ersten Webgewichtsfunde und an den erhaltenen Geweben selbst zu erschließen. Dafür müssen aber Webkanten (oder Mustereffekte) in den spärlichen originalen textilen Resten vorhanden sein (Abb. 6).

Die 186 Webgewichte aus der Davidsstadt lassen sich 17 verschiedenen Gruppen (a-q) zuteilen (Shamir; einen Überblick über Funde von Webgewichten in Israel bietet die Karte in Shamir, 141). Diese Typen unterscheiden sich z.T. in kleinen Details, die vielleicht nur auf mangelnde Sorgfalt bei der Herstellung zurückzuführen sind. Webgewichte sind Gebrauchsgegenstände, die schnell und flüchtig angefertigt werden und auch rasch verschleißen. Hier sollen alle Formen auf drei Typen reduziert werden, die in Varianten unterteilt sind (Völling). Der Grabungsbefund von Ebla (Peyronel) veranschaulicht beispielhaft für den syropalästinensischen Raum die unterschiedlichen Textilgeräte wie Spinnwirtel, Webgewichte und Nadeln bzw. Ahlen. Interessanterweise stammt die Masse der Geräte aus Ebla ebenso wie jene aus der Davidsstadt aus der Eisenzeit. Nur wenige bronzezeitliche Webgewichte stehen einer großen Fundmenge aus eisenzeitlichem Fundkontext gegenüber.

5.1. Typen von Webgewichten

© Elisabeth Völling

Abb. 8 Webgewicht Typ 1, a-c.

Typ 1: Webgewichte mit Kegel-, Pyramiden- oder Rechteckform können eine flache (Variante a und c) oder eine runde Basis (Variante b) aufweisen.

© Elisabeth Völling

Abb. 9 Webgewicht Typ 2, a-b.

Typ 2: Es gibt kugelförmige Webgewichte mit flacher (Variante a) und runder Basis (Variante b).

© Elisabeth Völling

Abb. 10 Webgewicht Typ 3, a-b.

Typ 3: Flache Webgewichte bilden eine dreieckige oder runde Scheibe. Durch ihr geringeres Gewicht erzeugen sie weniger Spannung.

5.2. Funktion der Webgewichte

Die Webgewichte ermöglichen eine elastische Kettspannung, weil sie bei der Fachbildung angehoben werden können. Die Kettfäden werden allein durch das Gewicht der Tonobjekte auf Dehnung beansprucht.

Die eigens zu diesem Zweck modellierten Tonobjekte haben eine Durchbohrung: Typ 1 und 3 im oberen Drittel der Schmalseite, Typ 2 meist in der Mitte der Kugel. Die Pyramiden- oder Kegelform eignet sich als Webgewicht besonders gut, da sich die Kettfäden durch die Anbringung an der Durchbohrung der Schmalseite weniger in der Breite verschieben können, was Ungleichmäßigkeiten im Gewebe nach sich ziehen könnte. Je dichter die Kette aufgeschert ist, desto wichtiger ist es, eine Gewichtsform zu wählen, die die Kettfäden so wenig wie möglich auseinandertreibt, was bei Typ 1 und 3 gewährleistet ist (Abb. 6). Dagegen nehmen die kugelförmigen Gewichte wesentlich mehr Raum ein und sind wohl für Gewebe mit geringerer Kettdichte bestimmt gewesen. Fallen die Gewichte bei einer plötzlichen Zerstörung des Webgestells in situ von den Kettfäden und werden in dieser Position verschüttet, kann der Archäologe bei Auffindung der Objekte im Idealfall die Bindung des zuletzt gewebten Stoffes rekonstruieren.

Solche Fundsituationen sind bislang aus zu wenigen Fundorten bekannt, so dass man keine aussagekräftigen Anhaltspunkte zu lokalen, textilen Herstellungstechniken und Traditionen erhält, die Aussagen über technisch spezialisierte Werkstätten erlauben.

In Lachisch lagen die Webgewichte deutlich in drei Reihen angeordnet, die die Fertigung einer Köperbindung anzeigen, was sich vielleicht auch in Tel ‛Irā, Tell Dēr ‘Allā (→ Sukkot), Tell es-Sa’īdīje, Troja und Gordion vermuten lässt. In den genannten Orten sind die eingezeichneten Positionen der Gewichte allerdings zu ungenau wiedergegeben, um die Art der Köperbindung näher zu bestimmen. Sollte die Fundlage keine Rekonstruktion der Bindungsart erlauben, kann zumindest der Standort eines Webrahmens an den in Reihe oder Reihen liegenden Gewichten erschlossen werden.

6. Weben im Alten Testament

Im Alten Testament wird von Teilen der Priesterkleidung ausdrücklich hervorgehoben, dass sie gewebt sein sollen (Ex 28,32; Ex 39,22.27). Am Bau der → Stiftshütte waren als Handwerker auch qualifizierte Weber beteiligt (Ex 35,35).

Als häusliche Tätigkeit ist die Webarbeit oft von Frauen ausgeführt worden (Utzschneider). So gilt es nach Spr 31,24 als Merkmal der tüchtigen Frau, dass sie kostbare Tücher herstellt und an Händler verkauft. Nach 2Kön 23,7 wurden von bestimmten Frauen sogar Schleier für die Göttin → Aschera gewebt.

In Vergleichen wird der Weberbaum herangezogen, um in großer Übertreibung die Dicke und Stärke eines Speeres zu veranschaulichen (1Sam 17,7, 2Sam 21,19; 1Chr 11,23; 1Chr 20,5; → Goliat; → Elhanan). Jes 59,5f sagt von Übeltätern, dass sie Spinnfäden weben, und will damit ihr Handeln als absolut sinnlos charakterisieren, da man Kleider aus Spinnfäden nicht tragen kann. → Hiob beklagt, dass seine Tage schnell wie ein Weberschiffchen dahinfliegen (Hi 7,6). Ähnlich und doch ganz anders sieht König → Hiskia auf dem vermeintlichen Sterbebett sein Leben als ein Stück Stoff, das Gott webt, mit dem er aber fertig geworden ist, das er jetzt folglich zusammendrückt und dessen Kettfäden er schließlich abschneidet (Jes 38,12).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, Tübingen 2. Aufl. 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich 1991-2001

2. Weitere Literatur

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  • Carroll, D.L., 1985, Dating the Foot-Powered Loom. The Coptic Evidence, AJA 89, 168-173
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  • Crowfoot, G.M., 1941, The Vertical Loom in Palestine and Syria, PEQ 73, 141-151
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  • Maisler, B., 1950/51, The Excavations at Tell Qasile, IEJ 1, 61-76, 125-140, 194-218
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  • Pritchard, B., 1985, Tell Es-Sa‘īdīyeh, Excavations on the Tell, 1964-1966, Philadelphia
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  • Schlabow, K., 2. Aufl. 1982, Der Thorsberger Prachtmantel (Veröffentlichung des Fördervereins Textilmuseum 5), Neumünster
  • Shamir, O., 1996, Loomweights and Whorls, in: D.T. Ariel / A. de Groot, Excavations at the City of David IV, 1978-1985 (Qedem 35), Jerusalem, 135-197
  • Sheffer, A., 1981, The Use of Perforated Clay Balls on the Warp-weighted Loom, Tel Aviv 8, 81-83
  • Utzschneider, H., 1991, Die »Realia« und die Wirklichkeit. Prolegomena zu einer Sozial- und Kulturgeschichte des alten Israel am Modell der Handweberei in Israel und seiner Umwelt, WuD 21, 1991, 59-80
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  • Yadin, Y., 1955, Goliath’s javelin and the „spear was like a weaver’s beam“, PEQ 86, 58-65

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Liegender Webrahmen: Rundhölzer (A), Vorder- oder Tuchbaum (B), Hinterbaum (C), Litzenstab (D), Schlaufen (E), Schnur (F), Trennstab (G), Schnurschlinge (H), Webschwert (I), Schusseintragsstab (J), Reißhaken (K), Kettfäden (L), Schuss (M), Tuch (N). © Elisabeth Völling
  • Abb. 2 Stehender Webrahmen (Aufsicht). © Elisabeth Völling
  • Abb. 3 Stehender Webrahmen (Profil). © Elisabeth Völling
  • Abb. 4 Rundwebrahmen. Aus: E. Völling, Textiltechnik im Alten Orient. Rohstoffe und Herstellung, Würzburg 2008, 130, Abb. 48; © Elisabeth Völling
  • Abb. 5 Leinwandbindung 1:1, eine Hebung, eine Senkung. © Elisabeth Völling
  • Abb. 6 Köperbindung 1:2, eine Hebung, zwei Senkungen. © Elisabeth Völling
  • Abb. 7 Mit Weberschiffchen wird der Faden zwischen die Kettenfäden gezogen (oben und Mitte), mit einer Art Kamm werden die eingewobenen Fäden fest angedrückt. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 8 Webgewicht Typ 1, a-c. © Elisabeth Völling
  • Abb. 9 Webgewicht Typ 2, a-b. © Elisabeth Völling
  • Abb. 10 Webgewicht Typ 3, a-b. © Elisabeth Völling
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