bibelwissenschaft.de - Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Lexikon

Wasserverbrauch

Klaus Koenen

(erstellt: Aug. 2005)

Permanenter Link zum Artikel: http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/14602/

Wasser ist für Pflanzen, Tiere und Menschen lebensnotwendig. Im antiken Israel hat man es vor allem für folgende Zwecke benötigt.

1. Menschen

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Modell einer badenden Frau.

1) Trinken. Im Klima Palästinas benötigen auch Menschen, die es gewohnt sind, mit wenig Wasser auszukommen, mindestens 3 Liter Wasser täglich zum Trinken und zur Zubereitung von Lebensmitteln, z.B. für den Brotteig.

Die Zusammenstellung von Brot und Wasser bezeichnet im Alten Testament sowohl das existenznotwendige Minimum an Lebensmitteln (Gen 21,14; Dtn 9,9 u.ö.) als auch Lebensmittel in einem weiteren Sinne (Ex 23,25 u.ö.). Wasser darf man anderen Menschen nicht verweigern (Hi 22,7), soll es vielmehr auch Fremden (1Kön 17,10-11), ja sogar Feinden geben (Spr 25,21; 2Kön 6,22).

2) Waschen und Baden. Vollbäder, wie sie in 2Sam 11,2; Dan 13,15ff belegt sind, waren im antiken Palästina allenfalls einer schmalen Oberschicht vergönnt. Normale Häuser hatten keine Badezimmer. Archäologisch belegt sind Bäder in vorhellenistischer Zeit nur in Palästen (z.B. Megiddo), wo man sie an ihrem Putz, einer Keramikwanne oder unterirdischer Kanalisation erkennt. Für die meisten Menschen beschränkte sich die körperliche Reinigung auf das Waschen bestimmter Körperteile mit Wasser aus Krügen oder Schüsseln (Ps 60,10). Allerdings wissen wir in der Hinsicht sehr wenig über die täglichen Gepflogenheiten. Die Füße wusch man sich, bevor man ins Bett ging (Hhld 5,3), und Gästen, die eine lange Reise hinter sich hatten, reichte man Wasser zu eben diesem Zweck (Gen 18,4; Gen 19,2; Gen 24,32; Gen 43,24 u.ö.). Fußbadewannen hat man auf Grabungen gefunden (z.B. in Samaria). Die Hände reinigte man sich wohl regelmäßig – wie Hi 9,30 und die Wendung „die Hände in Unschuld waschen“ (Ps 26,6) voraussetzen –, besonders vor dem Essen (Mt 15,2.20; Lk 11,37f), auf jeden Fall nach Kontakt mit einem Kranken (Lev 15,11) und bei rituellen Anlässen (Ex 30,19; Dtn 21,6). Das Gesicht wusch Joseph sich, nachdem er geweint hatte (Gen 43,31). Den ganzen Körper muss man nach Kontakt mit Sperma oder Menstruationsblut waschen (Lev 15; Dtn 23,11-12). Frauen waschen und salben sich, um Männern zu gefallen (Rut 3,3; Ez 23,40; Jdt 10,3).

In hellenistischer Zeit kommen in Palästina unter dem Einfluss hellenistischer Wohnkultur in den Häusern erste Badeinstallationen auf, zunächst nur kleine Sitzbadewannen, dann rechteckige, verputzte Becken mit breiter Treppe. Bei ihnen handelt es sich vermutlich nicht um Zisternen, sondern um Ritualbäder (Mikwe). Sie wurden fester Bestandteil besserer jüdischer Häuser und sind vielerorts belegt, z.B. in Qumran und Gamla.

In römischer Zeit gab es zumindest für die Oberschicht öffentliche und private profane Badeanlagen, die nicht nur der körperlichen Reinigung, sondern vor allem dem Wohlbefinden dienten und über Caldarium (Warmbad), Frigidarium (Kaltbad) und Tepidarium (Übergangsraum) verfügten. Ausgegraben hat man Badeanlagen z.B. in Jericho und auf dem SW-Hügel Jerusalems sowie Thermen in Tiberias, Chamat Gader und Kallirrhoë.

3) Waschen von Kleidung und Gegenständen. Natürlich wurde auch – wie 2Sam 19,25 voraussetzt – die Kleidung regelmäßig mit Wasser gewaschen. Das Alte Testament spricht davon jedoch fast nur im Zusammenhang von Reinheitsgeboten, die sich auf besondere Fälle beziehen. Kleidung, an der Sperma oder Menstruationsblut haften könnte, musste gewaschen werden (Lev 15). Auch Kleider und Geräte, die durch Kontakt mit toten Tieren oder Menschen möglicherweise unrein geworden waren, mussten nach Lev 11,25-40; Num 31,20-23 gewaschen werden.

2. Viehwirtschaft

Die Menschen mussten sich das Trinkwasser aus Quellen, Brunnen und Zisternen mit ihrem Vieh teilen, vor allem mit Schafen und Ziegen, aber auch mit Eseln, Rindern, Schweinen und Geflügel sowie Kamelen. Wie hoch der Trinkwasserverbrauch der Herden war, lässt sich allerdings kaum schätzen, da wir nicht wissen, wie groß die Herden waren.

Schafe wurden vor der Schur zuweilen in flachen Wasserbecken gewaschen (Hhld 4,2; Hhld 6,6).

3. Ackerwirtschaft

In Ägypten und Mesopotamien war künstliche Bewässerung mit einem System von Kanälen und Gräben für die gesamte Ackerwirtschaft von zentraler Bedeutung. In Palästina kannte man ein derartiges System nicht. Künstliche Bewässerung mit Gräben und Rinnen (פֶּלֶג Ps 1,3; יָבָל Jes 44,4), die aus Quellen oder Teichen gespeist wurden, gab es hier allenfalls für Gärten (גַּן oder פַּרְדֵּס Dtn 11,10; Jes 1,30; Jes 58,11; Jer 31,12; Sir 24,30-31 [Lutherbibel: Sir 24,40-41]), in denen Gemüse (Dtn 11,10; 1Kön 21,2), Nüsse (Hhld 6,11), Früchte (Jer 29,5.28; Am 9,14) – z.B. Trauben und Granatäpfel (Hhld 4,13; Hhld 6,11) – oder auch Aromapflanzen (Hhld 6,2) wuchsen (→ Paradies).

4. Handwerk

Sehr viel Wasser benötigte man im Handwerk vor allem zur Herstellung von Textilien, Leder, Keramikgefäßen und Lehmziegeln.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Becken einer Färberei (?).

1) Textilien. Es gab Stoffe aus Schafswolle und aus Leinen, einem Flachsprodukt. Schafswolle musste nach dem Scheren zunächst gründlich gereinigt und in Wasser gewaschen werden. Flachs wuchs nur in feuchtem Boden, vor allem am Ufer des Jordan (Jos 2,6; Jos 3,15). Nach dem Ernten musste er längere Zeit in Wasser liegen – z.B. im Jordan –, um die Fasern von holzigen Anteilen zu trennen. Erst danach konnte er weiter verarbeitet werden.

Nach dem Spinnen konnten die Fäden mit pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Stoffen (→ Farbstoffe) gefärbt werden (→ Färben). Im Alten Testament finden sich zwar keine Angaben über das Verfahren, doch dürfen wir annehmen, dass man dafür mehrere Becken benötigte. In einem ersten befand sich die wohl meist kalte Farbflüssigkeit. Vielleicht benutzte man dazu – so jedenfalls die nicht unumstrittene Deutung Albrights – ausgehöhlte Steintrommeln mit einem relativ kleinen Loch im Zentrum der oberen Fläche, auf der man das gefärbte Rohmaterial sanft so ausdrücken konnte, dass die teure Farbflüssigkeit in das Gefäß zurückfloss. Ein zweites Becken enthielt ein Beizbad zur Fixierung der Farbe, ein drittes diente dem Spülen.

Nach dem Weben hat man die Stoffe, um sie geschmeidig zu machen, wohl gewalkt (כבס Qal) und auch dafür Wasser verwendet. Vermutlich lag deswegen in Jerusalem der Feldweg der Walker in der Nähe des oberen Teiches (2Kön 18,17; Jes 7,3).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 3 Herstellung von Leder.

2) Leder. Schon im alten Israel benutzte man Leder, z.B. für Zelte, Gürtel, Kleidung, Sandalen und Riemen (Ex 26,14; Lev 13,48ff; Lev 15,17; 2Kön 1,8; Ez 16,10; עוֹר bedeutet allerdings „Fell, Haut, Leder“, so dass nicht immer klar ist, was der Text meint). Über das damalige Herstellungsverfahren erfahren wir im Alten Testament nichts. Es ist jedoch klar, dass die Felle zunächst durch Schaben und mit Wasser beidseitig gereinigt und die Haare entfernt werden mussten. Die Häute wurden dann durch Gerben zu Leder. Sie kamen mehrere Tage in ein Wasserbad mit diversen Gerbstoffen, z.B. tierischen Exkrementen, deren Beschaffung allein schon eine äußerst dreckige Arbeit war. Deswegen benötigte der Gerber auch viel Wasser, um sich, seine Kleidung, seine Geräte und das gegerbte Leder zu waschen.

3) Keramik und Lehmziegel. Vor allem zur Herstellung von Gefäßen aller Art benötigte man Ton, ein Sediment, das sich in Gewässern absetzt. Nach dem Abbau musste man ihn aufbereiten, indem man ihn in Stücke brach, wässerte und mit den Füßen stampfte, bis er die gewünschte Konsistenz hatte (Jes 41,25; Nah 3,14; Weish 15,7). Erst danach konnte der Töpfer – erneut unter Verwendung von Wasser – mit seiner eigentlichen Arbeit beginnen.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 4 Herstellung von Lehmziegeln.

Lehmziegel waren in großen Teilen Palästinas das wichtigste Baumaterial. Sie wurden hergestellt, indem man Lehm, ein Gemisch von Ton und Sand, unter Zufügung von Häcksel mit Wasser stampfte, bis die Konsistenz stimmte. Anschließend drückte man den Lehm in Holzformen und ließ ihn in der Sonne trocknen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff (גַּן ;כָּבַס ;רחץ)
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977 (Bad und Baden; Farbe und Färberei; Leder)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001 (Bad; Garten; Leder; Leinen; Töpfer, Töpferei; Waschung)
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992 (Pottery)
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003 (Bad; Gerber; Leder; Garten; Waschung)
  • Archaeological Encyclopedia of the Holy Land, New York – London 2001 (Baths and Bathing; Dyes and Dyeing; Leather)

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. V, Gütersloh 1937 (Nachdruck Hildesheim u.a. 1987)
  • Hoss, St., Baths and Bathing. The Culture of Bathing and the Baths and Thermae in Palestine from the Hasmoneans to the Moslem Conquest, Oxford 2005

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Modell einer badenden Frau. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Becken einer Färberei (?). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 3 Herstellung von Leder. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 4 Herstellung von Lehmziegeln. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

PDF-Archiv

Alle Fassungen dieses Artikels seit September 2017 als PDF-Archiv zum Download:

VG Wort Zählmarke
http://m.bibelwissenschaft.de