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Lexikon

Waffen (NT)

Nils Neumann

(erstellt: Mai 2016)

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Waffen sind Werkzeuge, mit denen der Mensch einem anderen Lebewesen physischen Schaden zufügen kann. Zur Waffenrüstung zählen auch solche Ausrüstungs-Gegenstände, mit denen der Kämpfer sich gegen Verletzungen schützt, welche der Gegner ihm beibringen will. In einem sehr allgemeinen Sinn können als Waffen all die Dinge dienen, die in der Konfliktsituation gerade zur Hand sind und über ausreichende Stabilität verfügen, wie zum Beispiel die in der Szene von der Verhaftung Jesu erwähnten Holzknüppel (Mk 14,43.48 parr), die zusammen mit den Schwertern der synoptischen Tradition in Joh 18,3 bezeichnenderweise als Waffen (ὅπλα / hopla) gedeutet werden.

Auch Steine können als Waffen fungieren. Wenn die Auseinandersetzungen zwischen Jesus und seinen Gegnern im → Johannesevangelium mehrfach darin gipfeln, dass die Kontrahenten zu Steinen greifen (Joh 8,59; Joh 10,31), so veranlasst hier die spontane Provokation die Gegner dazu, die Steine als Waffen an sich zu nehmen. Freilich gibt die religiöse Konvention der Steinigung (vgl. etwa Lev 24,11-16; Dtn 13,6-10) dabei den adäquaten Kontext für die Interpretation der Aussagen ab.

© British Museum.

Abb. 1 Sesterz des Vespasian aus dem Jahr 71. Die Rückseite zeigt die personifizierte Hoffnung, wie sie eine Blume an drei römische Soldaten überreicht.

Wird die physische Auseinandersetzung vorausgesehen oder vorausgeahnt, so dienen als Waffen spezielle für den Kampf vorgesehene Gegenstände. Im Entstehungszusammenhang der neutestamentlichen Schriften kommt der Präsenz des römischen Heeres diesbezüglich eine besonders hohe Bedeutung zu. Aufgrund ihrer tatsächlichen Anwesenheit oder zumindest durch die verbreiteten Darstellungen in Stein oder auf Münzen ist die Ausstattung römischer Truppen in der antiken Welt weithin bekannt. Fraglos greifen die Schriften des Neuen Testaments in der Erwähnung von Waffen gelegentlich auf Aussagen der → Septuaginta zurück (z.B. Jes 59,17 in 1Thess 5,8 und Eph 6,14.17), doch die Art und Weise, wie die Leserinnen und Leser der neutestamentlichen Texte sich die Beschaffenheit bestimmter Waffen vorstellen, wird eben von der Bekanntheit des römischen Heeres her bestimmt (Neumann 2015).

1. Die Präsenz von Waffen in der Welt des Neuen Testaments

Nachweislich werden Waffenstücke in der Antike über einen langen Zeitraum benutzt und bei den Römern nach dem Ende der Dienstzeit in der Armee von einem Benutzer an den nächsten weitergegeben. Davon legen etwa bei Helmen die in den Nackenschutz eingravierten Namen mehrerer Träger Zeugnis ab. Die Dauer der Benutzung macht es dabei erforderlich, die Stücke von Zeit zu Zeit zu reparieren oder gar umzuarbeiten und so zu modernisieren (Oldenstein 1990).

Darüber, als wessen Eigentum die Waffen der römischen Legionäre denn letztlich anzusehen sind, gehen die Ansichten auseinander. Weil die Existenz armee-eigener fabricae zur Herstellung von Waffen sich im 1. Jh. n. Chr. noch nicht flächendeckend nachweisen lässt, könnten die Waffen zu dieser Zeit von privaten Handwerkern hergestellt worden sein und sich dann je im Besitz des einzelnen Soldaten befunden haben (so Bishop / Coulston 1993). Daneben existiert aber auch die Ansicht, dass Waffen von Militär-Handwerkern in Serie produziert und dann als bleibendes Eigentum der Armee den Legionären zur Verfügung gestellt wurden (Junkelmann 1986). Eine vermittelnde Position besagt, dass der Legionär bei seiner Rekrutierung mit Waffen ausgestattet wurde und den Preis für sie dann in der Folgezeit durch Abzüge vom Sold abbezahlen musste (Robinson 1975). Auch Ersatz- oder Reparaturkosten fielen in den Verantwortungsbereich des Einzelnen. In jedem Fall trug der Soldat damit eine hohe Verantwortung für seine wertvolle Ausrüstung.

Faktisch sind die Angehörigen des römischen Heeres damit zwar gleichwertig ausgestattet, sehen aber wegen der Varianzen in der Ausführung ihrer Waffenstücke weniger einheitlich aus als die Reliefs an Triumphbögen und Säulen in → Rom dies suggerieren. Die italienischen Künstler arbeiten mit Stereotypen und orientieren sich an hellenistischen Schönheits-Idealen (Bishop / Coulston 1993; Robinson 1975; anders Junkelmann 1986). Wegen ihrer Nähe zum Alltagsgeschehen in der Arme können Darstellungen von Waffen auf Soldaten-Grabsteinen in den Provinzen eher als repräsentativ gelten. Trotz der gewissen Bandbreite in der Ausstattung der Legionäre belegen die archäologischen Funde aber auch weitreichende Übereinstimmungen. Diese Einsicht erlaubt es, von den vor allem in den westlichen Provinzen gefundenen Exemplaren auch auf die Gegebenheiten im Osten des → Römischen Reichs zurückzuschließen.

Neben dem Einsatz im Kampf ist auch die repräsentative Funktion von Waffen nicht zu unterschätzen. Waffen prägen die Identität des Soldaten, indem sie seine privilegierte Stellung illustrieren. Dementsprechend lassen römische Legionäre unterschiedlichste Verzierungen auf ihren Ausrüstungs-Gegenständen anbringen.

Erschwert wird die Beschäftigung mit den Waffen in der Welt des → Neuen Testaments durch die etwas unscharfen Begrifflichkeiten. Während in den lateinischen Quellen eine tendenziell einheitliche Nomenklatur vorherrscht, die es erlaubt, zwischen verschiedenen Ausführungen von Schilden, Schwertern oder Geschossen zu differenzieren, lässt sich dies für den griechischen Sprachraum nicht ebenso deutlich voraussetzen.

2. Beschaffenheit und Verwendung

Zur vollständigen Rüstung (πανοπλία / panoplia; vgl. Lk 11,22; Eph 6,11.13) des römischen Soldaten gehören eine Reihe verschiedener Gegenstände (Polyb. 6,23,1-15; Jos., Bell. 3,93-97). Manche Teile der Ausrüstung dienen dem Zweck, den eigenen Körper zu schützen; andere verwendet der Legionär dazu, den Gegner zu verletzen. Dennoch haftet einer Einteilung der Gegenstände in Angriffs- bzw. Verteidigungswaffen o.ä. immer etwas Künstliches an, denn selbstverständlich kommen alle Teile sowohl im offensiven wie auch im defensiven Gefechts-Kontext zum Einsatz. Wenn es stimmt, dass die römische Kampftaktik zum großen Teil darauf abzielt, den Gegner mit dem Schild und dessen metallenen Buckel umzustoßen, um ihn anschließend am Boden liegend mit dem Schwert erstechen zu können (Junkelmann 1986; zurückhaltend Sabin 2000), kommt damit besonders dem Schild auch eine wichtige „offensive“ Funktion zu.

2.1. Geschosse

Sobald sich die verfeindeten Parteien räumlich aneinander annähern, besteht eine erste Phase des antiken Gefechts darin, dass die Kontrahenten einander aus der Ferne beschießen (Polyb. 2,33,4; Jos., Bell. 3,151). Handelt es sich um die Belagerung einer Festung, kann diese Phase sehr lange dauern; beim Kampf im offenen Gelände kann sie dagegen auch extrem kurz ausfallen (Caes., Gall. 1,52).

Das griechische Wort βέλος / belos (Eph 6,16) kann dabei ganz unterschiedliche Geschosse bezeichnen. Das römische Heer verfügt über ausgeklügelte feststehende Maschinen, um Bolzen (vgl. dazu Polyb. 27,11,1-3) oder Steine über weite Entfernungen abzuschießen (vgl. z.B. Jos., Bell. 3,166-168). Die Angehörigen der Hilfstruppen, die kein römisches Bürgerrecht besitzen, treten häufig als mobile Schützen in Erscheinung, indem sie Pfeile mit dem Handbogen oder Steine bzw. Bleie mit der Schlaufenschleuder abfeuern. Im Fall einer Belagerung können Feuergeschosse zum Einsatz kommen, um die hölzernen Belagerungswerke der Angreifer (vgl. auch Polyb. 1,48,4) oder die Mauer der Verteidiger (Polyb. 5,4,8; Jos., Bell. 3,173; vgl. auch Caes., Gall. 5,43) in Brand zu setzen. Mit den brennenden Geschossen von Eph 6,16 müssen nicht zwingend Brandpfeile gemeint sein, obwohl deren Existenz in antiker Zeit archäologisch belegt ist. Die Schilderungen des jüdischen Krieges bei → Josephus lässt jedoch eher daran denken, dass die Verteidiger von Hand Fackeln auf die Belagerungstürme der Römer werfen (vgl. Jos., Bell. 3,205), während diese durch Maschinen Feuergeschosse abgeben.

Wichtigstes Geschoss des römischen Fußsoldaten ist der Wurfspeer (lat. pilum). Er besteht aus einer meist pyramidenförmigen kurzen Spitze, zu der ein längerer Fortsatz aus ungehärtetem Eisen gehört. Im 1. Jh. n. Chr. wird dieser meist mittels einer Zunge mit dem hölzernen Teil des Schafts verbunden, indem die Zunge in den Schaft eingelassen und mit Nieten befestigt wird. Am unteren Teil des Schafts schützt ein eiserner konischer „Schuh“ das Holz davor, zu splittern. Ab dem späten 1. Jh. erhöhen oft zusätzliche Bleigewichte die Durchschlagkraft der pila. Wenn der Legionär seinen Wurfspeer wenige Meter vor dem unmittelbaren Aufeinandertreffen in Richtung des Gegners schleudert, verfolgt er damit die primäre Absicht, den Schild des Gegners zu durchschlagen und sodann auch noch den Träger des Schilds zu verwunden (Connolly 2001 / 2002). Selbst wenn es nicht zur Verwundung des Gegners kommt, kann durch den Wurf immer noch dessen Schild außer Gefecht gesetzt werden: Die Spitze durchdringt den Schild, und der ungehärtete Eisenteil verbiegt spätestens beim Versuch, den Speer auf die Schnelle wieder aus dem Schild herausziehen. Der Gegner ist somit gezwungen, den Schild fallenzulassen und weitgehend ungeschützt den Kampf fortzuführen (vgl. Caes., Gall. 1,25).

© British Museum.

Abb. 2 Pilumspitze aus der Mitte des 1. Jh. n. Chr., gefunden in Dorset, England.

Anders als das pilum hat die Stoßlanze eine breitere, blattförmige Spitze, die mittels einer sich direkt anschließenden Tülle auf den Holzschaft aufgesockelt wird. Die Lanze dient bestimmten Sondereinheiten des Heeres als Handwaffe, die nur im Notfall nach dem Gegner geworfen wird. Ein mit dem Schwert kämpfender Feind lässt sich durch sie auf Distanz halten.

In Joh 19,34 fügt ein Soldat Jesus nach dessen Tod am Kreuz mit einer λόγχη / logchē die Seitenwunde zu. Der Gebrauch der Vokabel λόγχη / logchē sowie die Art des Umgangs mit dieser Waffe lassen hier an eine Stoßlanze denken. Dann würde die Waffe ihren Träger als Angehörigen einer Sondereinheit ausweisen (Jos., Bell. 3,95). Die breite Menge der Fußsoldaten dagegen trägt das pilum. Daher könnte die Vokabel λόγχη / logchē an dieser Stelle auch schlicht im Sinne von „Metallspitze“ den vorderen Teil des Wurfspeeres bezeichnen.

2.2. Nahkampf-Waffen

Beim üblichen Ablauf eines Gefechts folgt im Anschluss an den Beschuss aus der Ferne der Nahkampf mit Schwertern (Jos., Bell. 3,262-270). Speere sind in der dicht gedrängten Kampf-Formation nicht mehr von Nutzen (Jos., Bell. 6,75; Caes., Gall. 1,52; 7,88).

Neben der bereits erwähnten Stoßlanze, mit welcher nur einzelne römische Fußsoldaten ausgerüstet sind, gehören zu den Nahkampf-Waffen das Schwert und der Dolch (Jos., Bell. 3,94). Während dem Dolch im Gefecht nur untergeordnete Bedeutung zukommt, ist das Schwert (lat. gladius) neben dem Schild geradezu das prominenteste Ausrüstungsstück des Legionärs (Polyb. 6,37,13; Jos., Bell. 2,452-453). Darin, dass die Schwertscheiden und die Gürtel, an denen sie aufgehängt werden, oft mit reichen Verzierungen versehen sind, spiegelt sich die repräsentative Bedeutung des gladius. Josephus nennt es in der Regel ξίφος / xiphos (Jos., Bell. 2,452; 3,94; 6,58). Diese Vokabel kommt im Neuen Testament allerdings nicht vor. Vielfach belegt ist in den neutestamentlichen Schriften jedoch der Begriff μάχαιρα / machaira, den etwa Polybios neben ξίφος / xiphos mehrfach verwendet, um das Schwert des Legionärs zu bezeichnen (Polyb. 2,33,5-6; 6,23,6-7). Dieses Schwert besteht aus einer zweischneidigen Eisenklinge, an der mittels einer „Angel“ ein Griff aus Rinderknochen befestigt ist. Die Nahkampf-Technik des römischen Heeres lässt die Fußsoldaten den unmittelbaren Kontakt des eigenen Schildes mit dem Gegner suchen und mit der Spitze des Schwerts nach diesem stechen. Für dieses Vorgehen eignen sich kurze Schwerter besonders gut. Die archäologischen Fundstücke weisen eine Klingen-Länge von etwa 37 bis 45 cm auf (Hazell 1981). Mit seiner scharfen Klinge kann das Schwert auch zum Hieb eingesetzt werden (Polyb. 2,30,8; 2,33,5-6; 18,30,7).

© British Museum.

Abb. 3 Gladius mit bronzener Scheide aus dem frühen 1. Jh. n. Chr., gefunden in der Themse bei Fulham. Von der Griffangel ist nur der Ansatz zu erkennen. Der Rest ist der Korrosion zum Opfer gefallen.

Während die römischen Infanteristen durchweg mit dem kurzen Schwert bewaffnet sind, tragen die Kämpfer anderer Völker gelegentlich auch längere Schwerter. Auffälligerweise benutzt Josephus im → Jüdischen Krieg die Vokabel ῥομφαία / rhomphaia ausschließlich, wenn es um die – vermutlich etwas längeren und breiteren – Waffen der judäischen Kämpfer geht (Jos., Bell. 3,386; 6,86.224). Obwohl in diesem Text somit Römer niemals die ῥομφαία / rhomphaia tragen, können aber durchaus auch → Juden mit dem ξίφος / xiphos bewaffnet sein (Jos., Bell. 2,471). Im römischen Heer heben sich bisweilen Offiziere durch ihr längeres Schwert von den normalen Legionären ab (Hazell 1981). In solchen Fällen illustriert das große Schwert somit die gehobene Position seines Trägers in der Hierarchie.

Die Annahme, dass μάχαιρα / machaira ein tendenziell kürzeres, ῥομφαία / rhomphaia hingegen ein tendenziell längeres Schwert bezeichnet, gibt auch für viele der neutestamentlichen Belege guten Sinn: Die im Kampf zu Fuß getragenen Schwerter sind in der Regel μάχαιραι / machairai, wie zum Beispiel in der Verhaftungs-Szene Jesu (Mk 14,43-48 parr). Die μάχαιρα / machaira lässt sich komfortabel tragen und, falls erforderlich, auch gut verbergen. Dass Jesus nach dem →Lukasevangelium seine → Jünger dazu auffordert, sich mit μάχαιραι auszurüsten (Lk 22,36-38), hat bisweilen zu der Annahme geführt, der historische Jesus habe sich in den Augen der römischen Oberherrschaft des bewaffneten Widerstands verdächtig gemacht und sei deswegen verhaftet worden (Martin 2014; 2015; dagegen Fredriksen 2015; Downing 2015). Das Gegenargument, demzufolge die μάχαιραι / machairai von Lk 22,38, ähnlich wie in Gen 22,6, als Opfermesser zu verstehen seien, die Jesus im Kontext der → Passa-Feierlichkeiten habe einsetzen wollen (so Fredriksen 2015), geht jedenfalls am lukanischen Erzählkontext vorbei, denn dort ziehen die Jünger ja kurz darauf in Erwägung, bei der Verhaftung Jesu mit dem Schwert Gegenwehr zu leisten (Lk 22,49; vgl. Lampe 1984).

Mehrfach steht die μάχαιρα / machaira pars pro toto für die Bedrohung des menschlichen Lebens durch Krieg (Lk 21,24; vgl. auch Röm 8,35; Hebr 11,34). Die apokalyptische Rede Jesu in Lk 21 stellt dabei mit dem Hinweis auf die „Heerlager vor Jerusalem“ (Lk 21,20) recht explizit einen Bezug zu den Geschehnissen des Jahres 70 her, so dass die μάχαιρα / machaira hier deutlich vom Wissen um die Gegenwart römischer Truppen her geprägt ist. Auch die Rede von der „großen“ μάχαιρα / machaira in Apk 6,4 gehört in diesen Zusammenhang. Mit μάχαιρα / machaira gebraucht der Text die adäquate Signalvokabel für die Umschreibung eines von Rom initiierten Krieges, wobei das Adjektiv „groß“ nicht das Schwert als solches – das ja ein Kurzschwert ist – bezeichnet, sondern das ungeheure Ausmaß des Krieges.

Wenige Verse später ist der personifizierte Tod in der → Offenbarung des Johannes als berittener Krieger repräsentativ mit dem Langschwert ausgestattet (Apk 6,8). Die ῥομφαία bildet dabei seine Machtposition ab. Ebenfalls taucht die ῥομφαία / rhomphaia in den bildhaften Worten der Johannesoffenbarung vom Schwert auf, das aus dem Munde Christi kommt (Apk 1,16; Apk 2,12.16 u.ö.). Der Sprachgebrauch mag aus dem Wunsch des Verfassers resultieren, seine Christus-Figur gegen die römischen Truppen mit ihren Kurzschwertern abzugrenzen. Es könnte als Instrument der Kapitaljustiz aber auch das Richteramt seines Trägers illustrieren. Allerdings lässt sich eine Enthauptung ebenso mit der μάχαιρα / machaira ausführen (Apg 12,2; vgl. auch Hebr 11,37). Diese Mehrdeutigkeit macht es schwer, die merkwürdige Aussage Lk 2,35 zu interpretieren, in der der Prophet Simeon der → Maria ankündigt, eine ῥομφαία / rhomphaia werde ihre Seele durchdringen.

2.3. Schutz gegen Verwundungen

Um sich vor Verletzungen im Kampf zu schützen, tragen antike Soldaten eine Reihe von weiteren Ausrüstungs-Gegenständen. Technisch besonders ausgefeilt ist die Schutzrüstung des römischen Legionärs (vgl. Polyb. 11,9,1-5). Sie erlaubt es dem bereits am Boden liegenden und von Feinden umringten Kämpfer, in seiner aussichtslosen Lage noch eine ganze Weile zu überleben, bevor die Gegner ihn schließlich töten können (vgl. Jos., Bell. 6,87-88).

Zur Schutzausrüstung gehört zunächst der Schutz für den Oberkörper (θώραξ / thōrax: Polyb. 6,23,15; Jos., Bell. 3,93). Verschiedene Formen sind in neutestamentlicher Zeit in Gebrauch: Während der aus zwei großen Bronzeteilen zusammengesetzte starre Muskelpanzer wohl nur noch von Offizieren verwendet wird, trägt die Menge der Legionäre am Anfang des 1. Jh. n. Chr. ein Kettenhemd. Dies wird jedoch im Lauf der Zeit immer mehr durch den Schienen-Panzer abgelöst. Dieser ist bereits am Ende des 1. Jh. v. Chr. belegt (Franzius 1995) und besteht aus mehreren von Lederriemen zusammengehaltenen schmalen Eisen-Teilen. Er ermöglicht so guten Schutz, während er die Bewegungsfreiheit nur wenig einschränkt. Neben Apk 9,9.17 erwähnen im Neuen Testament auch die beiden auf Jes 59,17 zurückgreifenden Bilder 1Thess 5,8 und Eph 6,14 den θώραξ / thōrax.

Die beiden zuletzt genannten Stellen kennen zudem noch den Helm (περικεφαλαία / perikephalaia). Im 1. Jh. n. Chr. durchläuft die Form des römischen Legionärshelms einen gewissen Wandel (Robinson 1975; Oldenstein 1990); in vielerlei Hinsicht gleichen sich die Typen jedoch: Die meist aus Bronze getriebene Kalotte setzt sich am Hinterkopf in den Nackenschutz fort. Die Stirnpartie wird durch einen aufgesetzten Bügel verstärkt, und bewegliche Wangenklappen schützen den Unterkiefer seitlich, während sie gleichzeitig durch Lederriemen verbunden werden und so dem Helm festen Halt verleihen. Ein „Busch“ lässt sich oben auf den Helm aufstecken.Der Schild besteht aus mehreren verleimten Schichten Holz. In seiner Mitte ist der eiserne „Buckel“ aufgebracht, der Geschosse aller Art abwehren kann (vgl. dazu Polyb. 6,23,5) und mutmaßlich auch im Nahkampf dazu dient, den Gegner zurück- oder umzustoßen. Hinter dem Buckel befindet sich in einer runden Aussparung des Holzes der Handgriff. Im 1. Jh. n. Chr. ist der Schild der Legionäre (θυρεός / thyreos) rechteckig und lang genug, um einen großen Teil des Körpers abzuschirmen. Durch eine Krümmung um die vertikale Achse werden Schutzfunktion und Stabilität zusätzlich erhöht. Der ältere und kleinere Rundschild (ἀσπίς / aspis) wird in neutestamentlicher Zeit wohl noch von Sondereinheiten benutzt (vgl. Jos., Bell. 3,95). Der Autor des → Epheserbriefs erwähnt den Langschild in seinem an der Ausrüstung des Legionärs orientierten Bild Eph 6,16.

Die ledernen Militärsandalen (vgl. Eph 6,15) geben dem Schritt des Soldaten im Gelände guten Halt, da ihre Sohle mit Nägeln beschlagen ist. Auf Steinpflaster kann diese Eigenschaft sich aber auch verhängnisvoll auswirken, wenn sie dazu beiträgt, dass der Träger der Sandalen ins Rutschen gerät und stürzt (Jos., Bell. 6,85).

3. Waffen-Metaphorik im Neuen Testament

Es ist auffällig, dass ein großer Teil der neutestamentlichen Stellen, die von Waffen handeln, sich in metaphorischen Kontexten vorfinden und somit nur auf bildlicher Ebene physische Kampfhandlungen beschreiben. Auch außerhalb des biblischen Kanons lässt sich eine gewisse Vorliebe antiker Autoren für Waffen-Metaphorik feststellen, da dieser bildspendende Bereich für die Zeitgenossen offenbar besonders eindrücklich ist.

Mehrfach begegnet die Rede von Waffen (ὅπλα / hopla) in paränetischen Kontexten der → paulinischen Schriften. Paulus schildert das menschliche Bemühen um eine gelingende Lebensführung als Kampf gegen Fleisch und → Sünde und fokussiert dabei besonders das individuelle Verhalten (Röm 6,13; Röm 13,12; 2Kor 6,7; 2Kor 10,4; ähnlich 1Petr 4,1). Interessant dabei ist, dass 2Kor 6,7 von den Waffen in der rechten und linken Hand spricht, was im zeitgenössischen Umfeld an das Schwert und den Schild denken lässt (vgl. dazu v.a. Jos., Bell. 6,58; aber auch Polyb. 18,30,7). In Röm 13,4 ist die μάχαιρα / machaira hingegen schlicht Sinnbild für die politische Machtinstanz.

Besonders ausgeprägt liegt die militärische Metaphorik in Eph 6,11-17 vor. Bereits Paulus greift die metaphorische Rede von Panzer und Helm aus Jes 59,17 auf (1Thess 5,8; vgl. Yoder Neufeld 1997). Der Autor des Epheserbriefs führt diese Linie nun weiter, indem er das Bild gezielt um die fehlenden Ausrüstungs-Gegenstände des Legionärs ergänzt. Der christliche Kampf gegen die Kriegstaktiken des → Teufels gleicht hier der Verteidigung einer belagerten Stadt, bei der sich die Kämpfenden mit Wahrheit und Gerechtigkeit etc. gegen die von außen kommende Bedrohung zur Wehr setzen (Neumann 2015).

Als → Metapher für die Entzweiung von den Familienangehörigen aufgrund der christlichen Glaubensüberzeugung verwendet Mt 10,34 – anders als die Parallelstelle Lk 12,51 – die Rede vom Schwert (μάχαρια / machaira; vgl. Black 1984). → Matthäus erblickt in dieser Entzweiung ein eschatologisches Phänomen (Sim 2000). Eine gewisse Verbreitung besitzt die Metapher der μάχαρια / machaira im frühen Christentum auch als Charakterisierung des → Wortes Gottes (Eph 6,17; Hebr 4,12). Zwar gibt es dafür entfernte Vorbilder in den Schriften der Septuaginta (Spr 5,4; Ps 149,6; Jes 49,2), aber die Verbindung von Schwert und Gottes Wort findet sich dort nicht ebenso dezidiert (zur Motivgeschichte vgl. Sim 2000). Die Johannesoffenbarung pointiert das Motiv sodann, indem sie vom scharfen, zweischneidigen Schwert spricht, welches aus dem Munde Christi kommt (Apk 1,16; ähnlich Apk 2,12.16; Apk 19,15.21). Zur Aversion des Autors gegen die römische Staatsmacht passt es gut, dass er hier anstelle des Worts μάχαιρα / machaira durchweg lieber ῥομφαία / rhomphaia schreibt. Das lange Schwert weist zudem auf die außerordentliche Machtposition Christi hin und lässt an dessen Richteramt denken (Betz 1957; Huber 2011). Angesichts der derben Verletzungen, die antike Waffen im Kampf verursachen und die sich noch heute in der archäologischen Untersuchung von Knochenfunden nachzeichnen lassen, handelt es sich hier also um ein krasses Bild für das richterliche Amt Christi.

In diesen gerichtlichen Zusammenhang gehören schließlich auch die Bilder von der Sichel (Mk 4,29; Apk 14,14-19) und von der Axt (Mt 3,10 // Lk 3,9), die das Motiv der → Ernte aus der prophetischen Tradition aufgreifen (Jo 4,13) und → Gottes Richterhandeln metaphorisch als Gewalt gegen Pflanzen skizzieren.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Quellen

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2. Weitere Literatur

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  • Sim, David C., 2000, The Sword Motif in Matthew 10:34, HTS 56, 84-104
  • Yoder Neufeld, Thomas R., 1997, ‚Put on the Armour of God‘. The Divine Warrior from Isaiah to Ephesians (JSNTS 140), Sheffield

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Sesterz des Vespasian aus dem Jahr 71. Die Rückseite zeigt die personifizierte Hoffnung, wie sie eine Blume an drei römische Soldaten überreicht. © British Museum.
  • Abb. 2 Pilumspitze aus der Mitte des 1. Jh. n. Chr., gefunden in Dorset, England. © British Museum.
  • Abb. 3 Gladius mit bronzener Scheide aus dem frühen 1. Jh. n. Chr., gefunden in der Themse bei Fulham. Von der Griffangel ist nur der Ansatz zu erkennen. Der Rest ist der Korrosion zum Opfer gefallen. © British Museum.

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