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Lexikon

Vitellius

Michael Rydryck

(erstellt: März 2013)

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1. Werdegang

Aulus Vitellius wurde um 12 oder 15 n. Chr. geboren und gehörte einer Familie an, die dem Julisch-Claudischen Kaiserhaus nahestand. Vitellius wurde Mitglied im Priesterkollegium der Fratres Arvales und hatte im Jahr 48 das Amt des Konsuls inne. Unter → Nero wurde er im Jahr 60 / 61 Prokonsul der Provinz Africa. Im Jahr 68 machte ihn Neros Nachfolger → Galba zum Statthalter der Provinz Germania inferior und zum Oberbefehlshaber der dort stationierten Legionen. Vitellius trat dieses Amt zum 1. Januar des Jahres 69 an.

2. Vitellius als Usurpator und Kaiser des Vierkaiserjahres

Die germanischen Legionen verhielten sich distanziert gegenüber dem amtierenden Kaiser Galba, weil dieser ihnen ein donativum (Geldgeschenk) zur Festigung ihrer Loyalität verweigerte. Vitellius als ihr Oberbefehlshaber wurde somit zu einem wichtigen Machtfaktor in den Ereignissen des → Vierkaiserjahres. Am 2. Januar 69 riefen die germanischen Legionen Vitellius zum Kaiser aus. Vitellius nahm diese Erhebung an und nannte sich „Aulus Vitellius Germanicus Imperator“. Unterstützt von Statthaltern in Spanien, Gallien und Britannien rückten die Truppen des Vitellius gegen den in Rom amtierenden Kaiser vor. Dieser hieß nach der Ermordung Galbas → Otho und stellte seinerseits Truppenverbände zusammen, die sich den Einheiten des Vitellius entgegen stellen sollten. In der ersten Schlacht bei Bedriacum (April 69) siegten die Truppen des Vitellius und machten ihn, nach der Selbsttötung Othos und der Anerkennung durch den Senat, zum Kaiser in Rom und den westlichen Provinzen. Im Juli übernahm Vitellius das Amt des Pontifex Maximus (oberster Priester) sowie die Funktion eines immerwährenden Konsuls (consul perpetuus), um seine Macht zu festigen. Er nannte sich nun „Aulus Vitellius Germanicus Imperator Augustus.“

Im selben Monat (1. Juli 69) hatten sich jedoch die Statthalter und Militärbefehlshaber der östlichen Provinzen auf einen eigenen Kandidaten für die Herrschaft geeinigt, wobei auch alte Rivalitäten zwischen den germanischen Legionen auf der einen und den in Syrien und an der Donau stationierten Legionen auf der anderen Seite eine Rolle gespielt haben mögen. Als Kaiser hatten die Donaulegionen, der ägyptische Statthalter und die Truppen in Syrien und Judäa den Flavier → Vespasian gewählt. Dessen Truppen marschierten nun vom Balkan aus gegen die Truppen des Vitellius. In der zweiten Schlacht bei Bedriacum (Oktober 69) wurde das Heer des Vitellius geschlagen. Ein Rücktrittsversuch des Vitellius scheiterte. Im Dezember folgte ein erbitterter Kampf um Rom, in dessen wechselhaftem Verlauf die Anhänger des Vitellius schließlich unterlagen und Vitellius seinen Kampfverletzungen erlag. Sein Andenken verfiel der damnatio memoriae (Ächtung der Erinnerung).

3. Bedeutung

Vitellius repräsentiert in den Machtkämpfen des Vierkaiserjahres, ähnlich wie Vespasian, den Typus eines militärischen Usurpators. Sein Scheitern ist weniger auf politische Fehler als auf die Überlegenheit der flavischen Heeresmacht zurückzuführen. Vitellius und Vespasian zeigen deutlich, wie weit es ein ambitionierter Militärkommandeur mit der Unterstützung seiner Truppen bringen konnte und welche eminent wichtige Rolle dem Militär seit → Augustus bei der Auswahl und Herrschaftssicherung des Kaisers zukam.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Eck, W., 2002, Art. Vitellius (II 2), DNP 12 / 2, 260-261

2. Weitere Literatur

  • Christ, K., 2005, Geschichte der Römischen Kaiserzeit. Von Augustus zu Konstantin, 5. Auflage, München
  • Flaig, E., 1992, Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich, Historische Studien 7, Frankfurt am Main / New York
  • Hurter, S. M., 2003, Kaiser Roms im Münzporträt. 55 Aurei der Sammlung Götz Grabert, Stuttgart
  • Huttner, U., 2008, Die Römische Antike, Tübingen
  • Morgan, G., 2006, 69 A.D.: the year of four emperors, Oxford
  • Wellesley, K., 2000, The year of the four emperors, third edition, London / New York
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