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Lexikon

Uz

Markus Witte

(erstellt: Juli 2009)

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Das Wort עוץ ‛wṣ (nach der masoretischen Vokalisation עוּץ ‛ûṣ) erscheint im Alten Testament 1. als Personen- und Stammesname und 2. als Orts- und Landschaftsname, so v.a. zur Bezeichnung der Heimat → Hiobs. Wie der Zusammenhang zwischen 1. und 2. philologisch, überlieferungsgeschichtlich und literarisch zu bestimmen ist und ob möglicherweise zwei unterschiedliche (arabische?) Etymologien anzunehmen sind, ist in der Forschung umstritten.

1. Personen- und Stammesname

Als Personen- und Stammesname begegnet Uz in Gen 10,23 (par. 1Chr 1,17; vgl. auch 1QM 2,11); Gen 22,21; Gen 36,18 (par. 1Chr 1,42) und Jdt 8,1. Die → Septuaginta transkribiert zumeist als ’Ώς Ōs bzw. als ’Ώξ Ōx. Bei dem jüdischen Historiker → Flavius Josephus (1. Jh. n. Chr.) finden sich die Formen Οὔσης Ousēs und Οὔξος Ouxos (Josephus, Antiquitates, I,145,1; I,153,2; Text gr. und lat. Autoren). Die → Vulgata transkribiert Us und Hus.

In Gen 10,23, einer Passage der → Völkertafel der → Priesterschrift, erscheint Uz neben Hul, Geter und Masch als Sohn Arams und als Enkel Sems. Er gilt dementsprechend als Eponym eines aramäischen Stamms. In 1Chr 1,17 wird er direkt als Sohn Sems neben Aram geführt. Nach Gen 22,21, einer quellenmäßig schwer einzuordnenden Liste der Söhne Nahors und Milkas, ist Uz ein Bruder von Bus und Kemuel „dem Vater der Aramäer“, steht also offenbar ebenfalls für einen aramäischen Stamm. In Gen 36,28 zählt Uz zu den „Stammesfürsten der Horiter in Seir“ und ist folglich ein Edomiter (vgl. 1Chr 1,42). In der Genealogie der → Judit ist Uz (Ωξ Ōx) der Sohn eines Joseph und Großvater der Heldin (Jdt 8,1). Eine geographische Verortung lässt sich aus diesem künstlich gebildeten Stammbaum, der der Illustration der vornehmen Herkunft Judits und ihrer Einordnung in die Geschichte Israels dient (Zenger, 485f.), nicht erheben.

2. Orts- und Landschaftsname

Als Orts- und Landschaftsname erscheint Uz in der Wortverbindung ’æræṣ (ha-) ‛ûṣ „Land Uz“ in Jer 25,20; Klgl 4,21 und Hi 1,1. In der Septuaginta fehlt ein Äquivalent zu ’æræṣ ha-‛ûṣ bzw. ’æræṣ ‛ûṣ in Jer 25,20 und Klgl 4,21. In Hi 1,1 übersetzt die Septuaginta mit Ausitis, worin ihr der jüdisch-hellenistische Exeget Aristeas (1. Jh. v. Chr., übersetzt in JSHRZ III/2, 293f.) und das → Testament Hiobs 28,7 (1./2. Jh. n. Chr., übersetzt in JSHRZ III/3; Text Pseudepigraphen) folgen, während die griechischen Übersetzer Aquila und Theodotion (zu ihnen → Septuaginta) einfach Ouz transkribieren. Über den Masoretischen Text hinausgehend bietet die Septuaginta die Landschaftsbezeichnung Ausitis noch in Hi 32,2 und in einem nur in der Septuaginta überlieferten Epilog zum Hiobbuch in Hi 42,17 [LXX]. Die Vulgata bietet Ausitis (in Jer 25,20) und Hus (in Klgl 4,21 und Hi 1,1).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Landkarte zur Herkunft Hiobs und seiner Freunde.

In der Forschung werden im Wesentlichen zwei Lokalisierungen diskutiert:

2.1. Edom: Für eine Lokalisierung im Bereich Edom kann auf Gen 36,28 (par. 1Chr 1,42); Klgl 4,21; Jer 25,20 und Hi 42,17 [LXX] („Ausitis an den Grenzen Idumäas und Arabiens“) verwiesen werden. Der antike Geograph Claudius Ptolemäus (2. Jh. n. Chr.) berichtet von Ausitern (Αὐσĩται als Variante zu Αỉσεĩται) im ostarabischen Bereich (Geographie V, 19,2). Für eine Verortung in Nordwestarabien, im Ḥeǧaz, könnte auch eine safatenische (altsüdarabische) Inschrift sprechen, in der das arabische Äquivalent zu Uz ‛Auḍ als Stammes- oder Landschaftsname auftaucht (Knauf, 1983; 1988). Eine junge islamische Tradition ist die sich auf Hi 1,1 beziehende Verehrung des Grabes Hiobs (arab. ’ajjūb) in Salalah im Oman.

2.2. Aram: Für eine Lokalisierung in Aram sprechen Gen 10,23; Gen 22,21 und 1Chr 1,17. Eine Verortung von Uz im aramäischen Bereich, genauer im Hauran oder im Safa-Gebiet, legt weiterhin eine Notiz bei Josephus nahe, derzufolge Ousēs (= Uz) der Gründer der nordostjordanischen Landschaft der Trachonitis und von Damaskus war (Josephus, Antiquitates, I,145,1 [Text gr. und lat. Autoren]; zur Trachonitis siehe auch Lk 3,1 und den antiken Geographen Strabo, Geographie, XVI,2,16 u. 20). Bereits seit altkirchlicher Tradition, die möglicherweise auf jüdische Wurzeln zurückgeht und die sich auch in islamischen Traditionen niedergeschlagen hat, wird die Heimat Hiobs (Hi 1,1) in Südsyrien in und um Karnaia / Carneas (aš-Šēch Sa‘d) gesucht (zur Lage vgl. Tübinger Bibelatlas, B VI 10; Koordinaten: 2473.2495; N 32° 50' 11'', E 36° 02' 12''): So wird dort auf Ruinen eines byzantinischen Hiob-Klosters (Dēr ’Ajjūb), auf eine Quelle Hiobs, auf einen Stein Hiobs und – an unterschiedlichen Punkten – auf das Grab Hiobs (!, s.o.) verwiesen (Schmitt; Donner, 110f.; 116f.).

Nicht überzeugend ist die Zusammenstellung von Uz mit dem ägyptischen Wort ‘ḏ bzw. ‘3ḏ, was die Wüstenrandzone bezeichnet (Görg). Allerdings gibt es auch eine schon spätantike jüdische Verbindung von Hiob mit Ägypten, wenn Hiob alias Jobab als Herrscher über ganz Ägypten bezeichnet (TestHi 28,7) und zu den Hofleuten des Pharao gezählt wird (Palästinischer Talmud, Traktat Sota 5,8; Oberhänsli-Widmer, 91). Einzelne Handschriften des frühmittelalterlichen → Targums zum Hiobbuch haben das Land Uz mit Armenien identifiziert.

Während Uz in Klgl 4,21 und in Jer 25,20 im Kontext von Unheilsworten über fremde Völker und als Ausdruck einer politischen Theologie gebraucht wird, steht die dichterische Kennzeichnung Hiobs als Bewohner von Uz im Dienst einer theologischen Geographie. Dabei verändert sich je nach der Identifikation der Herkunftsorte der Freunde Hiobs, → Elifas von Teman, → Bildad von Schuach und → Zofar von Na‘ama (Hi 2,11) die geographische Konstellation der Figuren. Deutlich ist jedenfalls, dass Hiob und seine Freunde außerhalb Israels lokalisiert und als weit voneinander entfernt wohnend gedacht werden: Damit wird herausgestellt, dass Hiob und das im Hiobbuch behandelte Thema eine universale Dimension besitzen (Görg, 1980, 12). Vor diesem Hintergrund ist es nicht ausgeschlossen, dass der Leser bei Uz an die gleichlautende hebräische Verbalwurzel ‛ûṣ (jā‛aṣ) „Rat geben“ denken soll, die im Hiobbuch eine zentrale Rolle spielt (vgl. Hi 12,13; Hi 26,3; Hi 38,2; Hi 42,3): Hiob käme dann – inhaltlich passend – aus dem Land des Ratens.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York u.a. 1992

2. Weitere Literatur

Allgemeine Literatur

  • Abel, F.-M., 1933ff., Géographie de la Palestine (ÉtB), Bd. I-II, 2. éd., Paris
  • Donner, H., 2002, Pilgerfahrt ins Heilige Land. Die ältesten Berichte christlicher Palästinapilger (4.-7. Jh.), zweite, durchgesehene u. erg. Aufl., Stuttgart
  • Simon, J, 1959, The Geographical and Topographical Texts of the Old Testament. A Concise Commentary in XXXII Chapters, Leiden
  • Weippert, M., 1971, Edom. Studien und Materialien zur Geschichte der Edomiter auf Grund schriftlicher und archäologischer Quellen, Diss. / Hab.-schr. Tübingen

Literatur speziell zu Abschnitt 1 (vgl. Kommentare zum Buch → Genesis)

  • Ruppert, L., 1992.2002.2005, Genesis. Ein kritischer und theologischer Kommentar, 1. Teilband: Gen 1,1-11,26 (FzB 70), 2. Teilband: Gen 11,27-25,18 (FzB 98), 3. Teilband: Gen 25,19-36,43 (FzB 106), Würzburg
  • Seebass, H., 1999, Genesis II. Vätergeschichte II (23,1-36,43), Neukirchen-Vluyn
  • Zenger, E., 1981, Das Buch Judit (JSHRZ I/6), Gütersloh

Literatur speziell zu Abschnitt 2 (vgl. Kommentare zum Buch → Hiob)

  • Clines, D.J.A., 1989, Job 1-20 (WBC 17), Dallas
  • Fohrer, G., 1963 (2. Aufl. 1989), Das Buch Hiob (KAT 16), Gütersloh
  • Görg, M., 1980, Ijob aus dem Lande ‛Ūṣ. Ein Beitrag zur „theologischen Geographie“, BN 12, 7-12
  • Knauf, E.A., 1983, Supplementa Ismaelitica 4. Ijobs Heimat, BN 22, 25-29
  • Knauf, E.A., 1988, Hiobs Heimat, WO 19, 65-83
  • Lévêque, J., 1970, Job et son Dieu. Essai d'exégèse théologie biblique (ÉtB), Bd. I-II, Paris
  • Oberhänsli-Widmer, G., 2003, Hiob in jüdischer Antike und Moderne. Die Wirkungsgeschichte Hiobs in der jüdischen Literatur, Neukirchen-Vluyn
  • Mangan, C., 1991, The Targum of Job (The Aramaic Bible 15), Collegeville
  • Schaller, B., 1979, Das Testament Hiobs (JSHRZ III/3), Gütersloh
  • Schmitt, G., 1985, Die Heimat Hiobs, ZDPV 40, 56-63
  • Wanke, G., 2003, Jeremia. Teilband 2: Jeremia 25,15-52,34 (ZBK.AT 20.2), Zürich
  • Wetzstein, J.G., 1876, Das Hiobskloster in Hauran und das Land Uz, in: Fz. Delitzsch, Das Buch Iob (BC IV/2), zweite durchaus umgearb. Aufl., Leipzig, 550-604
  • Witte, M. / Kepper, M., 2009, Job. Das Buch Ijob (Hiob), in: W. Kraus / M. Karrer (Hgg.), Septuaginta Deutsch, Stuttgart, 1007-1056

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Landkarte zur Herkunft Hiobs und seiner Freunde. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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