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Lexikon

Unkraut

Peter Riede

(erstellt: Dez. 2014)

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1. Altes Testament

Unkraut wie → Dornen und → Disteln, Hecken und Gestrüpp findet sich im Alten Testament häufig in Zusammenhang mit lebensfeindlichen Bereichen der Welt. Wo Kulturland durch Kriege, Naturkatastrophen, Entvölkerung oder einfach aufgrund von Faulheit nicht mehr bearbeitet wurde, eroberte es sich schnell diese Flächen zurück. Auf Letzteres spielt beispielsweise Spr 24,31f eindrücklich an und führt die drastischen Folgen (Verarmung und Mangel) deutlich vor Augen. Dass eine Stadt / ein Gebiet nicht nur von wilden Tieren bevölkert, sondern auch von Unkraut bedeckt wird, gehört zu den gängigen Bestandteilen von Gerichtsdrohungen und Unheilsschilderungen im Alten Testament.

2. Neues Testament

Aus: O.W. Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera 1885, 48.

Abb. 1 Taumellolch und Strandhafer.

Vom Unkraut (griechisch ζιζάνιον zizanion) wird im Neuen Testament explizit nur im Gleichnis vom „Unkraut unter dem Weizen“ gesprochen (Mt 13,24-30.36-40). Gemeint ist mit diesem Begriff mit großer Wahrscheinlichkeit der Taumellolch, dessen lateinische Bezeichnung Lolium temulentum L. auf seine narkotische Wirkung hinweist. Der Taumellolch erreicht eine Höhe von bis zu 60 cm. Er wächst gut im Zusammenhang mit Weizen und entwickelt wie dieser Halme, die in langen spitzen Ähren enden. Seine schwärzlichen Körner sind etwas kleiner als Weizenkörner. Aufgrund der schmaleren Blätter konnte man den Taumellolch vom Weizen unterscheiden, was aber nicht immer ganz einfach war.

Um eine gute Getreideernte zu erreichen, musste man den Taumellolch vor dem Ernten ausreißen. Nur so konnte man verhindern, dass seine Körner mit dem Getreide zu Mehl verarbeitet wurden. Solches vermischte Mehl war aufgrund eines Pilzes namens Endoconidium temulentum, der auf den Lolchkörnern häufig wuchs und das Alkaloid Temulin produzierte, giftig und konnte zu Schwindel und auch zum Tode führen. Man verwendete den Taumellolch als Viehfutter (für Tauben und Hühner; vgl. Mischna, Traktat Kil’ajim I 1; Geoponica XIV 1.7) oder als Brennmaterial (Mt 13,30).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina Bd. I/2: Jahreslauf und Tageslauf, 2. Hälfte: Frühling und Sommer, Gütersloh 1928, 407-409; Bd. II: Der Ackerbau, Gütersloh 1932, 248-250
  • Dalman, G., Orte und Wege Jesu (BFChTh II/1), Gütersloh 3. Aufl. 1924, 200-202
  • Gemünden, P. von, Vegetationsmetaphorik im Neuen Testament und seiner Umwelt. Eine Bildfelduntersuchung (NTOA18), Göttingen 1993, 223ff
  • Habbe, J., Palästina zur Zeit Jesu. Die Landwirtschaft in Galiläa als Hintergrund der synoptischen Evangelien (NThDH 6), Neukirchen-Vluyn 1996, 109
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 88
  • Luz, U., Das Evangelium nach Matthäus, 2. Teilband: Mt 8-17 (EKK I/2), Zürich / Neukirchen-Vluyn 1990, 320ff
  • Sprenger, A., Jesu Säe- und Erntegleichnisse, PJ 9 (1913), 89-97, bes. 87ff
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 3. Aufl. 1986, 161
  • Zwickel, W., Faszination Bibelgarten, Gütersloh 2000, 22f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Taumellolch und Strandhafer. Aus: O.W. Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera 1885, 48.

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