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Lexikon

Tubal-Kain

Jan Gertz

(erstellt: April 2014)

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1. Belege und genealogische Zuordnung

© public domain (Grafik: Klaus Koenen, 2014)

Abb. 1 Die Nachfahren von Adam und Eva.

Tubal-Kain (תּוּבַל קַיִן tûvāl qajin) ist nach Gen 4,22 der Sohn des Lamech und der Zilla. Genannt werden eine Schwester, Naama, und zwei Halbrüder, Jabal und → Jubal. Letztere sind die Söhne Lamechs mit Ada. In der kulturgeschichtlich ausgerichteten Genealogie der Kainiten in Gen 4,17-24 gehören die Geschwister zur 7. Generation nach Adam und Eva, mit der die Nachfahren Kains jedoch aussterben.

2. Beruf

Abb. 2 Tubal und Tubal-Kain als Schmiede (Speculum Humanae Salvationis, um 1360).

Abb. 2 Tubal und Tubal-Kain als Schmiede (Speculum Humanae Salvationis, um 1360).

Wie bei seinen Brüdern ist die genealogische Angabe zu Tubal-Kain durch eine Berufsbezeichnung erweitert. Jabal ist der Ahnherr („Vater“) der Viehhirten, Jubal derjenige der Leier- und Flötenspieler. Bei Tubal-Kain fehlt die Bezeichnung „Vater“, stattdessen ist in einer möglicherweise in der Handschriftenüberlieferung verderbten Formulierung von seiner Tätigkeit als „Metallschleifer für jeden, der schmiedet Kupfer oder Eisen“ die Rede. Schwierig ist in dieser Formulierung כָּל־חֹרֵשׁ kål ḥoreš „jeder, der schmiedet“. Eine Übersetzung als direktes Objekt („ein Schleifer jedes Handwerkers“) scheidet aus. Die Septuaginta glättet und liest „und der war Hämmerer, einer der Bronze und Eisen schmiedete“. Ansprechend ist der Vorschlag, die Verbindung kål ḥoreš zu trennen und kl als defektives keli „Werkzeug“ zu lesen: „Ein Schärfer von Werkzeug, ein Handwerker an Bronze und Eisen“ (Seebaß 1996, 166). Soll der überlieferte Text unverändert beibehalten bleiben, dann ist kål ḥoreš am ehesten ein indirektes Objekt zu lṭš „schleifen“, während das direkte Objekt des Schleifens ungenannt bleibt. Ist diese Annahme richtig, dann handelt es sich womöglich nicht um einen gewöhnlichen Schmied, sondern um einen Spezialisten für die Herstellung und Reparatur von Werkzeugen (vgl. 1Sam 13,20-21; Ps 7,13). Auf jeden Fall geht es um Metallhandwerk, das von den biblischen Autoren als ein entscheidender Entwicklungsschritt begriffen worden ist (vgl. 1Kön 7,14).

3. Name

Tubal-Kain ist der erste Doppelname in der Bibel. Da die Septuaginta mit Θοβελ thobel nur den ersten Teil wiedergibt, wurde Kain wiederholt für einen Zusatz gehalten. Hierfür könnte auch die Paronomasie der Namen Jabal, Jubal und Tubal sprechen. Der Name Tubal wird in der Regel mit dem an der südlichen Schwarzmeerküste beheimateten und für das Metallhandwerk bekannten Volk der Tibarener, akkadisch Tabal, in Verbindung gebracht. Das verbindende Glied zwischen den Tibarenern und Tubal ist neben der akkadischen Bezeichnung die Erwähnung Tubals in Ez 27,13. Tubal wird hier neben Griechen (Jawan) und Phrygiern (Meschech) im Zusammenhang mit Sklaven- und Kupfererzeugnissen erwähnt. Der zweite Teil des Namens weist ebenfalls in den Bereich der Metallverarbeitung, insofern der Personenname Kain (קַיִן qajin) mit einer im Arabischen belegten Wurzel qjn „gestalten / formen / bilden“ zusammenhängt, von der sich das Nomen „Schmied / Handwerker“ ableitet. An die Schmiedekunst lässt auch denken, dass qajin in 2Sam 21,16 die auch in anderen semitischen Sprachen belegte Bedeutung „Spieß“ hat. Die Verbindung mit Kain wird entweder als Identifizierung zweier ursprünglich selbständiger Größen (Gunkel 1910, 50f; Ebach 1979, 342-346) oder als Zusatz eines Beinamens erklärt (Wellhausen 1899, 306; Seebaß 1996, 170). Im letzteren Fall hätte der Doppelname die Bedeutung „Tubal der Schmied“. Dass der Beiname vergeben wurde, um den Sohn Lamechs von einem ebenfalls Tubal genannten Sohn Japhets (Gen 10,2; 1Chr 1,5) zu unterscheiden, ist unwahrscheinlich. Doppelnamen zur Unterscheidung mehrerer Träger ein und desselben Namens sind im Alten Testament sonst nicht belegt. Eher ließe sich vermuten, dass der Beiname neben seiner erklärenden Funktion gewählt wurde, um beim letzten männlichen Nachkommen Kains den Namen des Ahnherrn noch einmal anklingen zu lassen, sodass die Brudermorderzählung in Gen 4,1-16 und die Kainitengenealogie in Gen 4,17-24 noch deutlicher aufeinander zu beziehen sind.

4. Wirkungsgeschichte

In christlichen Darstellungen der mechanischen Künste erscheint Tubal-Kaim zumeist gemeinsam mit seinen Brüdern Jabal und Jubal. Der mit dem Hammer auf den Amboss schlagende und auf dessen Klang lauschende Schmied Tubal-Kain repräsentiert zudem häufig die Musik im Zyklus der Sieben freien Künste. An die kulturgeschichtliche Bedeutung, die den Brüdern zugeschrieben wird, knüpft die Freimaurerei an, in der Tubal-Kain traditionell das Passwort für die Lehrlingsgrade ist.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001

2. Weitere Literatur

  • Ebach, Jürgen, 1979, Weltentstehung und Kulturentwicklung bei Philo von Byblos (BWANT 108), Stuttgart.
  • Gunkel, Hermann, 1910, Genesis (HK I/1), Göttingen 3. Aufl. (9. Aufl. 1977)
  • Hess, Richard S., 1993, Studies in the Personal Names of Genesis 1-11 (AOAT 234), Neukirchen-Vluyn / Kevelaer
  • Sawyer, John F.A., 1986, Cain and Hephaestus. Possible Relics of Metalworking Traditions in Genesis 4, Abr-Nahrain 24, 155-166
  • Seebaß, Horst, 1996, Genesis I. Urgeschichte (1,1-11,26), Neukirchen-Vluyn
  • Wellhausen, Julius, 1899, Die Composition des Hexateuchs, Berlin 3. Aufl. (4. Aufl. 1963)
  • Westermann, Claus, 1977, Genesis Bd. 1 (BK AT I/1), Neukirchen-Vluyn

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Die Nachfahren von Adam und Eva. © public domain (Grafik: Klaus Koenen, 2014)
  • Abb. 2 Tubal und Tubal-Kain als Schmiede (Speculum Humanae Salvationis, um 1360).
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