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Lexikon

Taharqo

Andere Schreibweise: Taharka ; Tirhaka ; Telqo

Angelika Lohwasser

(erstellt: Sept. 2008)

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Kuschittenzeit

1. Namen

Horus- und Nebtiname: q3 ch‘w („dessen Erscheinungen erhaben sind“);

Goldhorusname: chw t3wj („Schützer beider Länder“);

Thronname: nfrtm chw R‘ („Nefertem ist der Schützer des Re“);

Eigenname: Taharqo / Taharka.

2. Familie

© Angelika Lohwasser

Abb. 1 Darstellung der Abalo im Tempel B 300.

Eindeutig und mehrfach belegt ist die Mutter des Taharqo, Abalo (Abb. 1). Als Taharqos Vater wurde immer wieder → Pije angenommen, das ist aber nicht zu beweisen. Nur eine Gemahlin kennen wir namentlich, Tekehatamani. Drei Namen seiner Kinder sind überliefert: Die Söhne Nesonuris und Nesschutefnut und die Tochter Amenirdis II, die Schepenupet II. zur Adoption als Gottesgemahlin des Amun von Karnak übergeben wurde.

3. Historischer Abriss

Der bedeutendste Herrscher der → Kuschitenzeit war Taharqo (690-664 v. Chr.). Er bestieg 690 v. Chr. den Thron in → Memphis, in einer Zeit, in der das ägyptische Imperium zwar gewaltige Ausmaße hatte, im Osten jedoch bereits heftig von den → Assyrern bedrängt wurde. Unter → Schebitqo, dem Vorgänger Taharqos, konnten die mächtigen Asiaten noch zurückgedrängt werden, der spätere König Taharqo war zu dieser Zeit Feldherr der ägyptischen Streitkräfte. Die Schlacht bei → Elteke (701 v. Chr.) wird in 2Kön 19,9 und Jes 37,9 geschildert, wobei Tirhaka (= Taharqo) als König bezeichnet wird. Das war er zu dieser Zeit jedoch sicher nicht, es ist anzunehmen, dass bei der Verfassung dieser Chronik zwei Jahrzehnte später die zeitgenössische Herrschaftssituation in Ägypten auf die damaligen Ereignisse übertragen wurden. Nach dem Tod Schebitqos folgte Taharqo, wobei oft über unrechtmäßige Usurpation oder sogar Ermordung des Schebitqo spekuliert wird.

Bis 677 herrschte eine friedliche Zeit, in der Taharqo ein immenses Bauprogramm verwirklichen konnte. Assyrien führte Kleinkriege wegen Aufständen und Grenzschwierigkeiten, wodurch die Kuschiten ihren Einfluss in Syrien und Palästina festigen konnten.

677 besiegte → Asarhaddon die Könige von → Sidon und → Tyrus, wobei nach assyrischen Quellen Taharqo diese Aufstände gegen die Assyrer unterstützt hatte. Darum wollte Asarhaddon direkt gegen Ägypten vorgehen, um sich Palästina zu sichern.

Der erste Ägyptenfeldzug 674 konnte wahrscheinlich bereits an einer Grenzfestung zurückgeschlagen werden. 671 jedoch konnte Asarhaddon in Unterägypten eindringen und Memphis einnehmen. Dabei nahm er den Harem des Taharqo sowie dessen Sohn gefangen. Asarhaddon setzte örtliche Kleinkönige als Vasallen ein und zog sich wieder in seine Heimat zurück. Taharqo, der in die Thebais geflohen war, marschierte daraufhin wieder Richtung Memphis. Beim dritten Ägyptenfeldzug 669 starb Asarhaddon auf dem Weg und konnte daher die Eroberung nicht vollenden. In der unsicheren Zeit des Regierungswechsels konnte Taharqo Memphis wieder zurück erobern. Jedoch drang der Nachfolger Asarhaddons, → Assurbanipal, 667 / 666 in Ägypten ein, eroberte Memphis wiederum und folgte Taharqo nach Theben, wohin dieser geflüchtet war. Der kuschitische König zog sich daraufhin in seine Heimat zurück, wo er 664 starb.

Der Beginn der Regierung von Taharqo kann sicher auf das Jahr 690 datiert werden (Beckerath). → Manetho nennt eine Regierungszeit von 18 Jahren, durch Apis-Stelen sind aber 26 Jahre für Taharqo gesichert.

4. Denkmäler

4.1. Bauten

Aus: K. Lange / M. Hirmer, Ägypten, München 1967, 136 (Einzeichnung: Angelika Lohwasser)

Abb. 2 Der Tempelbezirk von Karnak mit Kennzeichnung der Bauten des Taharqo.

Sowohl in Ägypten als auch in Kusch entstanden neue Tempel. Der Schwerpunkt der Bautätigkeit in Ägypten lag in der Thebais, insbesondere in Karnak. In Karnak (Abb. 2) ließ Taharqo das „Edifice“ am Heiligen See anlegen, ein Bau, dessen Funktion auch heute noch rätselhaft geblieben ist (A).

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2005)

Abb. 3 Taharqo-Säule in Karnak (Teil der westlichen Kolonnade).

Besonders hervorzuheben ist die Anlage von Kolonnaden in allen Himmelrichtungen (B). Diese Vorbauten vor den Pylonen in Karnak sind heute nur noch teilweise erhalten, von der Westkolonnade steht jedoch noch eine Säule vollständig und kann die Monumentalität des antiken Bauwerkes andeuten (Abb. 3). Der Bau von kleinen Kapellen für Osiris Neb-Anch (C) bzw. Padedanch / Nebdjet (D) und eines Kioskes (?) im Opet-Tempel (E) sind ebenso Taharqo zuzuschreiben wie auch eine größere Baumaßnahme im Mutbezirk. Dort sind Restaurierungen, aber auch Um- und Einbauten (F) vorgenommen worden.

In Luxor sowie in Medinet Habu sind Restaurierungen und Dekorationen bekannt. Auch in Memphis und Tell Atrib ist sein Name auf Blöcken belegt, so dass man einen Tempelbau annehmen kann.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 4 Karte mit Bauwerken des Taharqo.

Auch in Nubien ließ Taharqo eine Reihe von Tempeln neu anlegen bzw. Um- und Anbauten an vorhandenen Tempeln vornehmen (vgl. Abb. 4). Hier sind besonders der Tempel von Kawa, der von Sanam, einer in Qasr Ibrim und die kleinen Felsheiligtümer am Ǧebel Barkal (B 200, B 300) zu nennen (Abb. 5).

© Angelika Lohwasser

Abb. 5 Der Mut-Tempel am Ǧebel Barkal (B 300): Hathorsäulen.

Jedoch ist auch der Tempel von Tabo im Grundriss gleich denen von Kawa und Sanam, so dass auf eine Bauherrnschaft von Taharqo geschlossen wird.

Taharqo wurde wie seine Vorgänger in Nubien begraben. Er ließ sich aber nicht am traditionellen königlichen Friedhof von El Kurru bestatten, sondern legte in Nuri, auf der anderen Nilseite und weiter nördlich gelegen, ein neues Begräbnisfeld für Könige an (Dunham, Kendall).

© Angelika Lohwasser

Abb. 6 Pyramide des Taharqo in Nuri, Nu. 1.

Die Pyramide des Taharqo (Nu. 1) ist mit einer Seitenlänge von 51,75 m die größte im Sudan gebaute Pyramide (Abb. 6). Sie wurde zunächst kleiner (Seitenlänge 28,5 m) geplant, später aber ummantelt und erhöht. Nicht nur der Pyramidenoberbau, auch die unterirdische Grabanlage ließ Taharqo einzigartig gestalten (Abb 7).

Aus: Dunham 1955 (Bearbeitung: Angelika Lohwasser)

Abb. 7 Plan der Pyramide des Taharqo, Nu. 1.

Eine lange Treppe führt zu einer kleinen Vorkammer und einer großen Sargkammer, in deren Mitte sich eine Vertiefung für den Sarg befindet, die von sechs Pfeilern umgeben ist. Diese gliedern die Grabkammer in ein Mittel- und zwei Seitenschiffe, jeweils mit einem Tonnengewölbe überdacht. In den Wänden sind Nischen angebracht und um die gesamte unterirdische Anlage verläuft ein Korridor. Als Vorbild dieser außergewöhnlichen Grabanlage wurde oft das Osireion von → Abydos genannt. Damit wäre auch zu erklären, dass die Vertiefung für den Sarg – zumindest bei der Ausgrabung durch Reisner – unter Grundwasser stand. Der Sarg hätte somit als Insel aus dem Wasser geragt.

Die Theorie, dass es sich bei der Pyramide in Nuri nur um ein Kenotaph handelte, die eigentliche Grabstelle in Sedeinga (Fund von wiederverbauten Blöcken mit dem Namen des Taharqo in der Pyramide W T 1) gelegen habe, wird heute allgemein abgelehnt.

4.2. Stelen

Von der Regierung des Taharqo sind wir durch eine außergewöhnliche Fülle an königlichen Inschriften gut unterrichtet. Ein bedeutender Fund gelang bei den Ausgrabungen in Kawa, wo nicht weniger als fünf große Stelen mit Texten unterschiedlichen Inhalts gefunden wurden. Sie behandeln vorrangig den Bau und die Ausstattung des Amun-Tempels von Kawa, geben aber auch einige Informationen über die Regierungszeit des Königs. So erfahren wir, dass Taharqo von Schebitqo nach Ägypten gerufen wurde und sich auf einem Feldzug (gegen die Assyrer im Jahr 701) vorbildlich schlug. Nach der Thronbesteigung wurde Taharqo in Memphis gekrönt und danach von seiner Mutter Abalo besucht. Die Stele Kawa V erzählt uns von vier Wundern, die im 6. Regierungsjahr des Taharqo geschahen: Zunächst gab es eine außergewöhnliche Nilflut, die auch aus anderen Texten aus dem Jahr 6 des Taharqo bekannt ist (Vikentiev). Danach tötete Amun alles Ungeziefer und die Schlangen, er verhinderte den Heuschreckenfraß und ließ nicht zu, dass die Südwinde die Ernte rauben.

Auch aus Ägypten selbst sind eine Reihe von teilweise außergewöhnlichen Dokumenten bekannt. Als Beispiel soll hier die „Laufstele“ aus Dahschur genannt sein, die vom Training des Heeres des Taharqo berichtet (Altenmüller / Moussa, Decker). Die Truppe absolvierte ein Lauftraining über eine Strecke von 2xca. 50km in einer Zeit von jeweils vier Stunden – eine hervorragende Leistung. Taharqo begleitete seine Soldaten auf dem Pferd, und abschließend nahm er an ihrem gemeinsamen Mahl teil. Die Stele schildert also einen König, der mit seinen bestens trainierten Elitetruppen vertraulichen Umgang pflegt. So ist Taharqo in vieler Hinsicht ein ungewöhnlicher König: der ägyptischste der Kuschiten, ein außergewöhnlicher Bauherr und ein Mensch, der an der Erfüllung seiner Pflichten persönlich interessiert ist.

4.3. Kunstwerke

Sowohl im Relief als auch in der Plastik sind verschiedene lokale Stile der Darstellungen von Taharqo erkennbar. Dabei sind die Werke, die in Theben gefunden wurden, von höchster Qualität. Die Künstler finden nun einen zufriedenstellenden Weg zwischen der kuschitischen Physiognomie und den ägyptischen traditionellen Formen.

Der Granitkopf aus Karnak (Ägyptisches Museum Kairo, CG 560) ist das schönste Beispiel kuschitischer Königsplastik. Hier fließen die individuellen Züge in ein harmonisches Ganzes ein, die kuschitischen Stilmerkmale sind nicht zu prominent, sondern der Eleganz untergeordnet. In den beiden Cachettes in Kerma (Bonnet / Valbelle) und am Ǧebel Barkal wurden Kolossalstatuen von Taharqo gefunden, die Kopien der thebanischen Statue darstellen, jedoch provinzieller ausgeführt sind. Hier sind jedoch die ikonographischen Merkmale der Kuschiten wie Doppeluräus und Widderamulettkordel erhalten.

Aus: Wikimedia Commons; © Udimu, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 25.9.2008 (BM EA 1770)

Abb. 8 Mähnensphinx.

Im Gegensatz zu den eleganten Bildnissen des Königs existieren Werke des „brutalen Realismus“ (Bothmer), die sich durch flächige Gestaltung, Fleischigkeit und Direktheit auszeichnen. Das beste Werk dieser Kategorie ist die Mähnensphinx (London, British Museum EA 1770; Abb. 8).

Aus: Wikimedia Commons; © Guillaume Blanchard, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-2.0 US-amerikanisch; Zugriff 7.3.2012 (Louvre, 25276)

Abb. 9 Taharqo kniend vor dem Falkengott Hemen.

Von Taharqo sind kleine Bronzestatuetten bekannt, eine große Anzahl von weiteren nicht beschrifteten, aber sicher kuschitisch zu datierenden, werden ihm zugeschrieben. Sie stammen von Ensembles, die den knienden König vor einer Gottheit zeigen, wie es noch von Taharqo mit dem Falkengott Hemen erhalten ist (Louvre, 25276; Abb. 9).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992 (Artikel Taharka)

2. Weitere Literatur

  • Altenmüller, H. / Moussa, A.M., 1981, Die Inschriften der Taharkastele von der Dahschurstraße, SAK 9, 57-84
  • Beckerath, J.v., 1997, Chronologie des pharaonischen Ägypten: Die Zeitrechnung der ägyptischen Geschichte von der Vorzeit bis 332 v. Chr. (Münchner ägyptologische Studien 46), Mainz
  • Bonnet, Ch. / Valbelle, D., 2006, Pharaonen aus dem schwarzen Afrika, Mainz
  • Bothmer, B., 1960, Egyptian Sculpture of the Late Period 700 B.C. to A.D. 100, Brooklyn
  • Dallibor, K., 2005, Taharqo – Pharao aus Kusch. Ein Beitrag zur Geschichte und Kultur der 25. Dynastie (Achet Schriften zur Ägyptologie A 6), Berlin
  • Decker, W., 1984, Die Laufstele des Königs Taharka, in: Kölner Beiträge zur Sportwissenschaft 13, 7-37
  • Dunham, D., 1955, Nuri. The Royal Cemeteries of Kush II, Boston
  • Kendall, T., 2008, Why did Taharqa build his tomb at Nuri?, in: Godlewski, W. / Laitar, A. (Hgg.), Between the Cataracts. Proceedings of the 11th Conference for Nubian Studies, Warsaw University, 27 August – 2 September 2006, Warschau, 117-147
  • Leclant, J., 1965, Recherches sur les monuments thébains de la XXVe dynastie, dite éthiopienne (Bibliothèque d'étude 36), Kairo
  • Macadam, M.F.L., 1949, The Temples of Kawa I. The Inscriptions, London
  • Macadam, M.F.L., 1955, The Temples of Kawa II. History and Archaeology of the Site, London
  • Morkot, R., 2000, The Black Pharaohs – Egypt’s Nubian Rulers, London
  • Mysliwiec, K., 1988, Royal Portraiture of the Dynasties XXI-XXX, Mainz
  • Russmann, E., 1974, The Representation of the King in the XXVth Dynasty (Monographies reine Elisabeth 3), Brüssel
  • Török, L., 1997, The Kingdom of Kush: Handbook of Napatan-Meroitic Civilisation (Handbuch der Orientalistik Abt. 1 Bd. 31), Leiden
  • Vikentiev, V., 1930, La haute crue du Nil et l’averse de l’an 6 du roi Taharqa. Le dieu “Hemen” et son chef-lieu “Hefat”, Kairo

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Darstellung der Abalo im Tempel B 300. © Angelika Lohwasser
  • Abb. 2 Der Tempelbezirk von Karnak mit Kennzeichnung der Bauten des Taharqo. Aus: K. Lange / M. Hirmer, Ägypten, München 1967, 136 (Einzeichnung: Angelika Lohwasser)
  • Abb. 3 Taharqo-Säule in Karnak (Teil der westlichen Kolonnade). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2005)
  • Abb. 4 Karte mit Bauwerken des Taharqo. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 5 Der Mut-Tempel am Ǧebel Barkal (B 300): Hathorsäulen. © Angelika Lohwasser
  • Abb. 6 Pyramide des Taharqo in Nuri, Nu. 1. © Angelika Lohwasser
  • Abb. 7 Plan der Pyramide des Taharqo, Nu. 1. Aus: Dunham 1955 (Bearbeitung: Angelika Lohwasser)
  • Abb. 8 Mähnensphinx. Aus: Wikimedia Commons; © Udimu, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-3.0; Zugriff 25.9.2008 (BM EA 1770)
  • Abb. 9 Taharqo kniend vor dem Falkengott Hemen. Aus: Wikimedia Commons; © Guillaume Blanchard, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-2.0 US-amerikanisch; Zugriff 7.3.2012 (Louvre, 25276)
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