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Lexikon

Sykomore

Peter Riede

(erstellt: März 2015)

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1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © אבישי טייכר, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by 2.5, US-amerikanisch; Zugriff 7.4.2015.

Abb. 1 Maulbeerfeigenbaum.

Die Sykomore (hebräisch שִׁקְמָה šiqmāh; griechisch συκάμινον sykaminon bzw. συκομορέα sykomoréa; Ficus sycomorus L.), die auch unter dem Namen Maulbeerfeigenbaum (nicht zu verwechseln mit dem → Maulbeerbaum) bekannt ist, liebt wärmere Regionen. Der milchsaftführende Baum erreicht eine Höhe von 10-15 m und eine Stammesdicke von 1-2 m. Seine Krone kann einen Umfang von 20-25 m haben. Die weiblichen Blüten der Sykomore werden durch die Wespenart Sycophaga sycomori befruchtet. Die mit einer kleinen Feige vergleichbare Frucht der Sykomore ist saftreich, aber nicht so süß wie eine Feige.

Aus: Wikimedia Commons; © אבישי טייכר, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by 2.5, US-amerikanisch; Zugriff 7.4.2015.

Abb. 2 Maulbeerfeigen am Baum.

Wenn die Frucht vor der Reife geritzt wurde, konnte sie heranreifen, ohne Gallen auszubilden (Plinius, Naturalis historia XIII, 14), die sie ungenießbar machen. Möglicherweise hat das Ritzen der Feigen noch eine weitere Funktion: Dadurch kann Äthylengas freigesetzt werden, das den Reifungs- und Wachstumsprozess der Früchte fördert (vgl. dazu Galil 1968; Hepper 1992, 113).

2. Biblisch

Aus: O. Keel, Ägyptische Baumgöttinnen der 18.-21. Dynastie – Bild und Wort, Wort und Bild, in: ders., Das Recht der Bilder gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, 61-138, Abb. 79; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 3 Ägyptische Baumgöttin, hier gleichgesetzt mit der Göttin Nut (Darstellung aus dem Grab des Amenemwia, 13. Jh. v. Chr.).

In biblischer Zeit war die Sykomore in Palästina vor allem in der Jordansenke und der Schefela verbreitet (vgl. 1Kön 10,27). In der Schefela gab es königliche Domänen mit Sykomorenplantagen, die Aufsehern unterstellt waren (1Chr 27,28). Auf das oben genannte Ritzen der Früchte bezieht sich Am 7,14, wo Amos als Maulbeerfeigenritzer (hebräisch בּוֹלֵס bôles) bezeichnet wird.

Als Schattenspender wurde die Sykomore häufig an Straßen gepflanzt. Das ist auch in Lk 19,4 in der Geschichte vom Zöllner Zachäus vorausgesetzt, der wegen seiner geringen Körpergröße in → Jericho auf einen Maulbeerfeigenbaum kletterte, um den in die Stadt ziehenden Jesus besser zu sehen.

Das Holz der Sykomore fand als Bauholz Verwendung (Jes 9,9), vor allem für Decken- und Dachkonstruktionen. In Ägypten (vgl. Ps 78,47) benutzte man es wegen seiner Widerstandsfähigkeit auch für die Anfertigung von Sarkophagen, von Möbeln und Statuen und auch im Schiffsbau. Blätter, Milchsaft und Früchte dienten dort auch medizinischen Zwecken. Die Früchte fanden beispielsweise bei der Behandlung von Wunden, Geschwüren und Knochenverletzungen Anwendung, der Saft bei Verbrennungen und offenen Wunden.

Die große Bedeutung der Sykomore in Ägypten zeigen auch religiöse Vorstellungen. In Gräbern finden sich vielfach Darstellungen von Sykomorengöttinnen, die für den Verstorbenen Wasser und Nahrung bereithalten (vgl. dazu Keel 1992).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. I, Gütersloh 1928, 61-63; Bd. VII, Gütersloh 1942, 34
  • Galil, J., An ancient Technique for Ripening Sycomore Fruit in East-Mediterranean Countries, Economic Botany 22 (1968), 178-190, bes. 188f
  • Germer, R., Die Heilpflanzen der Ägypter, Düsseldorf 2002, 86-91
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 112-114
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 82f
  • Keel, O., Ägyptische Baumgöttinnen der 18.-21. Dynastie – Bild und Wort, Wort und Bild, in: ders., Das Recht der Bilder gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, 61-138
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P. (Hg.), Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart 2002
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P., Der Baum als Symbol von Macht und Leben, in: dies. (Hgg.), Das Kleid der Erde, Neukirchen-Vluyn 2002, 244-249
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl 1984, 68f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Maulbeerfeigenbaum. Aus: Wikimedia Commons; © אבישי טייכר, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by 2.5, US-amerikanisch; Zugriff 7.4.2015.
  • Abb. 2 Maulbeerfeigen am Baum. Aus: Wikimedia Commons; © אבישי טייכר, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by 2.5, US-amerikanisch; Zugriff 7.4.2015.
  • Abb. 3 Ägyptische Baumgöttin, hier gleichgesetzt mit der Göttin Nut (Darstellung aus dem Grab des Amenemwia, 13. Jh. v. Chr.). Aus: O. Keel, Ägyptische Baumgöttinnen der 18.-21. Dynastie – Bild und Wort, Wort und Bild, in: ders., Das Recht der Bilder gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, 61-138, Abb. 79; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

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