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Lexikon

Strukturalismus

Stephan Lauber

(erstellt: Mai 2014)

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1. Definition und Methode

Der Begriff „Strukturalismus“ ist die Sammelbezeichnung für eine weit gefächerte Bewegung, die in der Mitte des 20. Jh.s in unterschiedlicher Weise und mit verschiedenartigen Zielsetzungen prägend war für die Text-, Kultur- und Geisteswissenschaften. Die Grundintention des ursprünglich aus der Sprachwissenschaft stammenden Ansatzes ist es, die Fülle der empirisch wahrnehmbaren Phänomene auf die ihnen jeweils gemeinsamen Strukturen zurückzuführen.

Zu den methodologischen Grundentscheidungen gehört die analytische Untersuchung von Objekten als Mengen von Elementen und Relationen. Erkenntnisleitend ist dabei das unterscheidende Prinzip des Kontrastes, das es erlaubt, Systemelemente analytisch zu ermitteln. Das Zusammenwirken und die gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse dieser Elemente werden als synchrone Struktur einer Gestalt oder eines Zeichenkomplexes beschrieben. Grundoperationen sind daher Segmentierung (Aufspaltung des Systems in seine Elemente), Vergleich der Konstituenten (Beziehungen zwischen den Elementen) und die Klassifikation sowie die Darstellung der Beziehungen zwischen den erhobenen Klassen. Ziel ist die Rekonstruktion der regelgeleiteten Ordnung, die dem System zugrunde liegt.

Wichtige Kategorien sind dabei die Gegensatzpaare:

● „Syntagma“ / „Paradigma“ (mit anderen Elementen regelhaft verbindbares Element vs. zu anderen Elementen funktional äquivalentes und mit ihnen austauschbares Element),

● „Synchronie“ / „Diachronie“ (Zustand eines Systems zu einem gegebenen Zeitpunkt vs. zeitliche Aufeinanderfolge verschiedener Zustände).

Fages (1974, 45ff.) formuliert „sieben Regeln“ der strukturalistischen Analyse:

„Immanenz“ (Isolation eines Objekts aus seinem Zeit- und Umweltkontinuum mit einem Fokus auf seine Funktion für die Strukturen des Systems),

„Pertinenz“ (Fokus auf die Merkmale mit Differenzierungsfunktion),

„Kommutation“ (Ermittlung systemrelevanter Oppositionen),

„Kompatibilität“ (syntagmatische und paradigmatische Kombinationsbedingungen bzw. Kombinationsrestriktionen von Elementen),

„Integration“ (Einordnung der elementaren Strukturen in die Gesamtordnung des Systems),

„Diachronie“ (Beobachtung des Systemwandels durch Folgen synchroner Systemschnitte),

„Funktion“ (Ermittlung der Funktion von Strukturen im System und in dessen Gebrauch).

2. Historische Entwicklung und Grundbegriffe

2.1. Die Anfänge

Seinen Ursprung hat der Strukturalismus in der → Linguistik. Als seine „Gründungsurkunde“ gilt der aus Vorlesungsmitschriften zusammengestellte und 1916 posthum herausgegebene Cours de linguistique générale von F. de Saussure (1857-1913). In Abwendung von den bis dahin vorherrschenden sprachhistorischen Fragestellungen versteht de Saussure Linguistik als Teil einer allgemeinen Zeichentheorie („sémiologie“) und greift zur Klärung des Sinns sprachlicher Äußerungen nicht auf die Begriffsgeschichte oder Etymologie sprachlicher Zeichen zurück, sondern auf deren Position im Beziehungsgefüge der Struktur.

In seinem Zeichenmodell der Sprache geht er von einer arbiträren konventionellen Relation zwischen Zeichen („signifiant“) und Bezeichnetem („signifié“) aus. Bedeutung konstituiert sich aus dem synchronen Verhältnis der Bedeutungsträger zueinander. Sprache ist dabei als geschlossenes System gedacht, bei dem sowohl die Bedeutung als auch die Lautgestalt nicht durch eine dem System transzendente Generierung, sondern innerhalb des Systems durch die funktionale Differenz zu allen anderen Systemelementen erzeugt werden. Aufgrund der Regeln, auf denen dieses Zeichensystem der Sprache („langue“) beruht, werden die einzelnen Äußerungen („parole“) hervorgebracht. Gegenstand der Sprachwissenschaft ist allein die „langue“, nicht die einzelne „parole“ und auch nicht die außersprachliche Referenz sprachlicher Zeichen. Damit ist allerdings eine Unterbestimmung der Inhaltsdimension bereits in den Grundoptionen des Strukturalismus angelegt.

Als eigentliche Geburtsstunde des Strukturalismus gilt der „1. Internationale Linguistenkongress“ 1928 in Den Haag, auf dem russische Linguisten die konsequente Anwendung der Methoden und Prinzipien de Saussures auf die Untersuchung sprachlicher Kommunikation fordern. Durch die exakte Methodologie soll die Kluft zwischen Natur- und Geisteswissenschaften überwunden und die Sprachwissenschaft als eigene Disziplin begründet werden.

2.2. Russischer Formalismus

Die im „Moskauer linguistischen Kreis“ (1914-1924) und der Petrograder „Gesellschaft zum Studium der poetischen Sprache“ kooperierenden russischen Sprachwissenschaftler wie V. Šklovskij (1893-1984), R. Jakobson (1896-1982), L. Jakubinskij (1892-1945), A. Reformatskij (1900-1978) und G. Vinokur (1886-1947) geben durch die von ihnen aufgeworfenen und für die spätere Diskussion maßgeblichen Fragestellungen entscheidende Anstöße zur Entwicklung der modernen Literaturwissenschaft. Ausgangspunkt der als „Russischer Formalismus“ bezeichneten Schule ist die Überzeugung, dass die Literarizität von Texten nicht durch die behandelten Inhalte konstituiert wird, sondern nur durch die Analyse der verwendeten sprachlichen Form bestimmt werden kann, womit die Literaturwissenschaft auf die Methodik der Linguistik verwiesen ist.

Die Anwendung linguistischer Beschreibungsverfahren auf literarische Texte, die als die entscheidende Innovation der Formalisten zu betrachten ist, soll die Struktureigenschaften ästhetischer Sprachverwendung offenlegen und die strukturellen Ursachen der ästhetischen Wirkung von literarischen (aber auch etwa filmischen) Kunstwerken klären.

Der Sprachgebrauch gewinnt seine Kraft zur expressiven Innovation aus der Dynamik normsetzender Typisierung und normverletzender Individualität. Deshalb ist das Interesse auf die Verfahren gerichtet, die zur Verfremdung der Formen praktischer oder diskursiver Rede durch Intensivierung, Verdichtung oder Entautomatisierung der Wahrnehmung von Zeichenformen führen.

Auf diesen Überlegungen bauen spätere Konzeptionen der Text-, Film- und Theatersemiotik, der Narratologie und der Intertextualität auf.

Auch wegen ihrer Rezeption bedeutsam sind die Arbeiten von V. Propp (1895-1970) zur Struktur des russischen Volksmärchens, durch die er zum Protagonisten der formalistischen Narratologie wird.

Bei der Beschäftigung mit den russischen Zaubermärchen als einem fest umrissenen Corpus des Volksmärchens führt er alle Einzelmärchen durch eine rigorose Reduktion der Phänomene im Bereich der „parole“ induktiv auf einen einzigen Strukturtyp zurück, der aus 31 als „Funktionen“ bezeichneten stereotypen Handlungselementen in fester Reihenfolge mit rekurrenten Handlungsrollen besteht.

Die aus ideologischen Gründen 1930 unterbundene Tätigkeit der russischen Linguisten kann erst in den 1960er Jahren wieder aufgenommen werden. Besonders J.M. Lotman (1922-1993) – einem der Begründer der Moskau-Tartuer Schule der Semiotik – geht es neben seinen sprachwissenschaftlichen Studien um die Konzeptionalisierung einer allgemeinen Kultursemiotik zur Analyse der historisch und dialogisch bedingten Strukturen gesellschaftlicher Sinngenerierung in „Semiosphären“, d.h. der Gesamtheit aller gleichzeitig gegebenen Zeichenbenutzer, Texte und Kodes einer Kultur als semiotischem Raum.

2.3. Cercle Linguistique de Prague

Noch vor Erscheinen der Arbeiten de Saussures fordert 1911 in einem Aufsatz der tschechische Linguist und Anglist V. Mathesius (1882-1945) die Einbeziehung synchroner und funktionaler Aspekte in das Studium der Sprache.

Auf ihn geht die später für die funktionale Grammatik und die Textlinguistik bedeutsame „Thema-Rhema-Gliederung“ zurück: Auf der Grundlage einer Analyse der informationstragenden Struktur von Sätzen werden in Abhängigkeit davon, wie die Bestandteile des jeweiligen Satzes innerhalb des Textes die Kommunikation vorantreiben, zwei Bereiche der Mitteilung ausgegrenzt, nämlich „Thema“ als der bekannte Sachverhalt, und „Rhema“, in der Regel ein neu eingeführter Sachverhalt.

Auf die Anregung von Mathesius hin formiert sich 1926 der Prager Linguistenkreis („Cercle Linguistique de Prague“). Der struktural-funktionale Ansatz der daran beteiligten Sprachwissenschaftler ist empirisch orientiert, die Beobachtungen richten sich auf die Sprache als Mittel der Kommunikation in ihrem sozio-historischen Kontext und in ihren ästhetischen Verwendungszusammenhängen. Der Themenkreis in den Veröffentlichungen der Gruppe umfasst ein breites Spektrum von sprach- und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen, außerdem Fragen der Phonologie und Sprachtypologie, der Text-, Sozio- und Technolinguistik sowie der Stilistik und Literaturtheorie. Eines der Hauptwerke des Strukturalismus sind die 1939 auf Deutsch veröffentlichten Grundzüge der Phonologie von N.S. Trubetzkoy (1890-1938), der damit zum Begründer der Phonologie wird.

Internationale Verbreitung auch im Westen findet der Ansatz der Prager Schule vor allem durch die zahlreichen Arbeiten von R. Jakobson, der seit 1920 in der Tschechoslowakei und von 1941 an in den USA lebt.

Ein weiterer wichtiger Vordenker der Prager Schule ist J. Mukařovský (1891-1975). Zusammen mit Jakobson weitet er die Untersuchung auf andere als literarische ästhetische Ausdrucksformen aus (etwa Film, Bildende Kunst, Musik, Architektur oder Theater). Beide vertreten die Auffassung, dass unterschiedliche Künste in einer strukturellen Wechselbeziehung stehen, und schaffen so die Grundlage für moderne semiotische Studien, die die Künste miteinander und mit anderen kulturellen Phänomenen in Beziehung setzen.

2.4. Cercle Linguistique de Copenhague

Zwei Jahre nach der Gründung des Prager Linguistenkreises begründen 1931 u.a. L.T. Hjemslev (1899-1965) und R.V. Brøndal (1887-1942) den „Cercle Linguistique de Copenhague“.

Im Anschluss an de Saussure will Hjemslev die Struktur der Sprache als System interner Relationen beschreiben. Zusammen mit dem Phonetiker H.J. Uldall (1907-1957) skizziert er Prinzipien einer strikt strukturalen Phonologie („Phonematik“). Beide entwerfen eine glossematische Sprachtheorie, wonach Sprache empirisch als Struktur sui generis und nicht als Konglomerat außersprachlicher Faktoren zu betrachten ist.

Bedeutsam ist die Unterscheidung zwischen dem abstrakten sprachlichen Zeichen und dem, wofür das Zeichen steht: einerseits für einen phonetisch beschreibbaren Ausdruck („Ausdruckssubstanz“) und andererseits für einen Inhalt („Inhaltssubstanz“). Innerhalb des sprachlichen Zeichens wird unterschieden zwischen der „Ausdrucksform“, die durch eine Ausdruckssubstanz manifestiert wird, und der „Inhaltsform“, der eine Inhaltssubstanz gegenübersteht. Das System der Sprache wird so lange in Klassen zerlegt, die ihrerseits Klassen von Klassen bilden, bis Zeichen als Elemente von Klassen erreicht werden, deren kleinste, als „Glosseme“ bezeichnete Einheiten nicht weiter reduzierbare Invarianten sind. Glosseme auf der Ausdrucksseite sind die elementarsten phonetischen, solche auf der Inhaltsseite die elementarsten semantischen Bedeutungsträger.

Ziel der Glossematik ist es, Linguistik als „eine algebra der sprache [zu etablieren], die mit größen operiert, denen keine namen zugeordnet werden, d.h. mit arbiträr benannten größen ohne naturgegebene benennungen, und die erst durch die substanzzuordnung eine motivierte benennung erhalten“ (Hjelmslev 1943, 71).

2.5. L’école de Paris

A.J. Greimas (1917-1992) ist der Begründer der „Groupe de recherches sémiolinguistiques“, die auch als „L’école de Paris“ bezeichnet wird. Ihr Organ sind die Actes sémiotiques, ab 1989 Nouveaux Actes Sémiotiques. Für die strukturale Textwissenschaft bedeutsam sind verschiedene Ansätze im Bereich der Narrativik, Genretheorie, Figurenklassifikation und Intertextualität.

Greimas überträgt in seinem Hauptwerk Sémantique structurale im Anschluss u.a. an die Glossematik Hjelmslevs (→ 2.4.) strukturale Verfahren auf die Ebene des Textes („discours“).

Dazu werden die Minimalkomponenten von Bedeutung („Sem“ als Einheit der Inhaltssubstanz) ermittelt. Aus den Relationen zwischen diesen Elementen („différences“) ergibt sich die semantische Tiefenstruktur, die der Bedeutung („signification“) von Text zugrunde liegt: Die Relationen bilden Strukturen rekurrenter Sem-Konstellationen aus. Diese „Isotopien“ konstituieren als durch gemeinsame kontextuelle Seme verkettete Textsegmente die semantische Struktur des Textes. In semantisch polyvalenten Texten können sich mehrere Isotopie-Ebenen überlagern (vgl. ders. 1971, 60-92).

Diese Ansätze werden zu einer narrativen Diskursgrammatik ausgebaut, die auch die Aspekte der Modalität, Emotionalität und Perspektivierung einbezieht und neben der Linguistik in vielen weiteren Wissenschaftszweigen Anwendung gefunden hat.

Häufig herangezogen wird Greimas’ Aktantenmodell zur Beschreibung elementarer Handlungsbeziehungen in narrativen Texten.

In einer Weiterentwicklung der narratologischen Analysen von Propp (→ 2.2.) unterscheidet er sechs fundamentale abstrakte Rollen, von denen jeweils zwei in Opposition zueinander stehen: 1. Ein Subjekt („subjet“) begehrt („désirer“) ein Objekt („objet“); 2. dieses Objekt stammt von einem Adressanten („destinateur“), der es einem Adressaten („destinataire“) übereignet; 3. das Subjekt wird von einem Opponenten („opposant“) behindert bzw. von einem Adjuvanten („adjuvant“) unterstützt (vgl. ders. 1971, 157-177).

Für Greimas bietet das Modell über die Analyse narrativer Texte hinaus eine Möglichkeit zur Deskription der Grundkonstellationen komplexerer Modelle, etwa der marxistischen Ideologie oder der klassischen Philosophie (vgl. ders. 1971, 165-168).

R. Barthes (1915-1980) ist einer der produktivsten Theoretiker des Strukturalismus, in seinem Vorgehen aber wenig systematisch und schwer zu erschließen. Neben zahlreichen sprachwissenschaftlichen Beiträgen wendet er das Instrumentarium der Rhetorik und Methoden der strukturalen Linguistik auch auf nichtsprachliche Systeme (Filme, Mode usw.) an, um die Elemente ihrer jeweiligen Codes zu klassifizieren.

Diese Codes unterscheidet er (in Anlehnung an de Saussures Dichotomie von „langue“ und „parole“) von ihren konkreten Aktualisierungen. Die Aktualisierungen transportieren nicht nur die denotativen Inhalte des Codes, sondern auch die konnotativen der mitgemeinten „Mythen des Alltags“ (vgl. Barthes 1957), d.h. der für eine Gesellschaft unbewussten und kollektiven assoziativen Bedeutungen, durch die die Zeichensysteme der (filmischen, modischen usw.) Codes zu rhetorischen Systemen werden.

T. Todorov (geb. 1939) entwickelt durch die Freilegung des Handlungssubstrats das Inventar von Kategorien einer universellen Erzählgrammatik.

In der Anwendung auf die Novellen des Decamerone paraphrasiert er den Handlungsablauf in Resümees, verdichtet die so gewonnenen Paraphrasen zu primären (Verb, Name, Adjektiv) und sekundären (Komparativ, Modus, Transformationen) Propositionen, die dann unter syntaktischen und semantischen Aspekten beschrieben werden. Die Erzählung („récit“) erscheint so als Struktur von sie konstituierenden Sequenzen („séquences“), die ihrerseits aus der Verknüpfung von Propositionen („propositions“) entstehen.

Ein Protagonist der strukturalistischen Literaturwissenschaft ist G. Genette (geb. 1930) durch seine Arbeiten u.a. zur Textanalyse, zur Systematik der rhetorischen Figurenlehre, zur Rolle des Autors und zur Erzähltexttheorie. Seine narratologischen Kategorien werden zur Grundlage zahlreicher späterer Arbeiten.

Im 1972 erschienenen Grundlagenwerk Discours du récit unterscheidet Genette drei Ebenen der Erzähltextanalyse: 1. „récit“ (Erzählung): der narrative Text; 2. „histoire“ (Geschichte): die geschilderten Inhalte / Ereignisse; 3. „narration“ (Narration): der Akt des Erzählens. Gegenstand der narratologischen Analyse ist die Ebene des „récit“.

Die Art der Wahrnehmung der erzählten Handlungen wird als „focalisation“ („Fokalisierung“) bezeichnet. Dabei ist zu differenzieren zwischen der „focalisation zéro“ („Nullfokalisierung“) (der Erzähler sagt mehr, als irgendeine der dargestellten Figuren weiß), der „internen Fokalisierung“ (das Geschehen wird aus der Sicht einer der beteiligten Figuren geschildert) und der „externen Fokalisierung“ (Bericht aus der Außenperspektive mit weniger Informationen, als den geschilderten Figuren bekannt sind).

Die narrative Instanz behandelt Genette unter der Rubrik „Stimme“. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten des zeitlichen Verhältnisses von „récit“ und „histoire“ unterschieden: die Erzählung im Rückblick auf die Ereignisse („narration ultérieure“), im Vorgriff darauf („narration antérieure“), gleichzeitig zu ihnen („narration simultanée“) und als eingeschobene Narration („intercalée“).

Breit rezipiert wurde Genettes Begriffsprägung „Diegese“ zur Bestimmung der Kriterien für die Definition der Erzählerposition: Auf der „intradiegetischen“ Ebene liegen die Ereignisse im Inneren der Erzählung, auf der „extradiegetischen“ die Elemente außerhalb der erzählten Welt. Ein Erzähler kann als Figur in seiner Erzählung auftreten („homodiegetischer“ Erzähler) oder von Ereignissen berichten, an denen er selbst unbeteiligt ist („heterodiegetischer“ Erzähler). Beide Kategorien sind zu kombinieren, um die Stellung von Figuren in der Erzählung zu bestimmen. Im Inneren von Erzählungen können unterschiedliche Ebenen miteinander verbunden und auf verschiedenste Weise verschachtelt sein.

Häufig aufgegriffen werden außerdem seine gattungstypologischen Überlegungen zur Differenzierung von Textsorten und Textklassen.

2.6. London School of Linguistics

Die „London School of Linguistics“ ist auf die verschiedensten Zweige der Sprachforschung beschränkt geblieben, wo sie eine große Wirksamkeit entfaltet hat. Als ihr Begründer gilt der Phonetiker J.R. Firth (1890-1960).

Er entwirft das Programm der „social linguistics”, das die Absicht verfolgt, typische Sprechsituationen sowie Sprechfunktionstypen im Rahmen kultureller Kontexte zu beschreiben und zu klassifizieren. Texte werden dabei verstanden als in eine Hierarchie von Kontexten eingebettete Realisierungen sozialen Handelns und interaktional ausgehandelter Bedeutungen („meaning”). Bedeutung wird dabei als ein relationales Konstrukt aufgefasst, dessen Inhalt sich aus seiner Funktion in einer Vorkommensmatrix ergibt, die durch strukturale Analyse ihrer Elemente auf allen linguistischen Ebenen zu ermitteln ist.

M.A.K. Halliday (geb. 1925) entwickelt die Auffassung von Sprache als Organisationsform sozialer Erfahrung fort:

Soziale Realität (Kultur) wird als ein u.a. durch Sprache konstituiertes Zeichenkonstrukt aufgefasst, sprachliche Praxis als Text mit konzeptionstragenden, interpersonalen und strukturalen Funktionen. Der Zusammenhang zwischen diesen intrinsischen Zeichenfunktionen und den extrinsischen Zeichenfunktionen der situativen Handlungsdimensionen wird dabei über die Rhetorik des „Registers“ hergestellt, das durch den Redegegenstand, die Interaktionsbeziehungen und die Zeichenmodalität der Textstruktur definiert ist.

2.7. Linguistic Circle of New York

Auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus gelangen zahlreiche europäische Strukturalisten nach New York, wo die Zeitschrift Word des „Linguistic Circle of New York“ ab 1943 zu ihrem bevorzugten Publikationsorgan wird. Der Einfluss auf die Hauptströmungen der nordamerikanischen Forschung, die an Fragen wie dem Zusammenhang zwischen Sprachsystem und Sprachgebrauch oder zwischen sozialem und individuellem Aspekt der Sprache wenig interessiert ist, bleibt allerdings begrenzt.

Im Gegensatz zum europäischen ist der amerikanische Strukturalismus um L. Bloomfield (1887-1949) durch die Beschäftigung mit nur mündlich überlieferten Indianersprachen unter Absehung von allen mentalen, kognitiven, psychologischen oder semantischen Aspekten auf die Analyse der konkreten Äußerungen dieser Sprachen, also auf den Aspekt der „parole“, konzentriert. Die Untersuchung beschränkt sich auf die objektiv erfassbaren systeminternen Relationen aus Phonologie, Morphologie und Syntax. Die Semantik wird aus diesen Faktoren abgeleitet.

Auch in kritischer Absetzung von diesem Ansatz entwickeln N. Chomsky (geb. 1928) und seine Nachfolger Modelle der Grammatik, die unter der Bezeichnung „Generative Transformationsgrammtik“ zusammengefasst werden und als erste automatentechnisch formalisierende Sprachtheorie seit Mitte der 60-er Jahre den sogenannten Linguistik-Boom auslösen, der mit dem Beginn der Computer-Epoche zusammenhängt.

Ausgehend von der Schwierigkeit, die Bedeutung ambiger (zweideutiger) Sätze zu bestimmen, wird die Unterscheidung zwischen der „Tiefenstruktur“, d.h. der in der kognitiven Sprachkompetenz des idealen Sprechers / Hörers verankerten konzeptionell-inhaltlichen Dimension, und der „Oberflächenstruktur“, d.h. der konkreten Wort- und Satzgliedfolge der sprachlichen Äußerung, eingeführt. Beabsichtigt ist die Beschreibung des Regelwerks, nach dem die Zuordnung der abstrakten Tiefenstrukturen zu den Oberflächenstrukturen faktischer Sätze geschieht und das zugleich die Selektionsrestriktionen der Satzelemente in seinen Strukturbeschreibungen ausweist. Dabei werden die Formationsregeln erhoben, die eine Hierarchie syntaktischer Kategorien und Relationen wie Nomen, Verb, Subjekt, Prädikat, Objekt erzeugen, welche die Tiefenstruktur eines Satzes bilden, die seine Bedeutung determiniert und als Strukturbaum darstellbar ist. Die Transformationsregeln überführen die Konstituenten der abstrakten Tiefenstruktur durch Operationen wie Tilgungen, Umstellungen, Einsetzungen usw. in die konkrete Oberflächenstruktur des Satzes.

Die Theorie wird in der weiteren Diskussion immer neuen Revisionen unterworfen („Standardtheorie“, „Erweiterte Standardtheorie“, „Revidierte Erweiterte Standardtheorie“, „Relationale Grammatik“), was zu einer weitgehenden Beschränkung der Anwendbarkeit auf Spezialisten geführt hat. Bleibender Gewinn ist die Bereitstellung einer Methodik zur Analyse komprimierter Ausdrucksformen, vor allem in den Bereichen der Nominalisierung, der Attribuierung, der Verbgefüge, der Nebensatzeinbettung und der Wortbildung.

K.L. Pike (1912-2000) entwirft inspiriert u.a. von der Firth-Schule sein Textmodell der „Tagmemik“. Es umfasst nicht nur die Grammatik, sondern das sprachliche und das außersprachliche Verhalten sowie die Gesamtheit der kommunikativen und sozio-kulturellen Zusammenhänge, in denen sich Menschen der Sprache bedienen.

Sprache stellt sich dabei als ein System aus drei „halbautonomen“ Hierarchien – einer phonologischen, einer lexikalischen und einer grammatischen Hierarchie – dar. Die als „Syntagmeme“ bezeichneten Einheiten einer Ebene lassen sich in Einheiten der nächstunteren Ebene, den „Tagmemen“ analysieren. Ein Tagmem als Elementareinheit der grammatischen Beschreibung ist das Korrelat von syntagmatischen Funktionen („slot“) und paradigmatischen Füllungen („filler“) in einem Syntagmem. Sie werden in sogenannten „tagmemischen Formeln“ dargestellt, die den Funktionen die konkrete Form ihrer Realisierung durch die paradigmatischen Füllungen zuordnen. Bedeutsam ist die Unterscheidung zwischen „etischen“, d.h. auf die Realisierung im sprachlichen Prozess bezogenen, und „emischen“, d.h. auf das Sprachsystem bezogenen, Merkmalen des Tagmems.

Das nach oben offene Ebenen-Modell erlaubt die Überschreitung der Sprachgrenze („uttereme“) zum nicht-sprachlichen Handeln („behavioreme“): Da rangniedrigere Einheiten stets kommunikativ relevante Funktionen in ranghöheren übernehmen, ist das nicht-verbale Verhalten als Kontext zu beschreiben, in dem linguistische Einheiten ihre Funktion haben.

2.8. Lütticher Schule

Die Arbeiten der als „groupe μ“ (μ für μεταφορά) figurierenden „Lütticher Schule“ um J. Dubois (geb. 1933) haben einen engen Bezug zur klassischen Rhetorik. Ihr Hauptwerk Rhétorique générale unternimmt eine durch strukturalistische Analyseverfahren gewonnene Inventarisierung der rhetorischen Figuren und Tropen.

Eine spezifische Auswahl aus dem Zeichenrepertoire, die durch Verfremdung, Erneuerung oder Hervorhebung eine semantische Erwartung unterläuft und die dadurch die Aufmerksamkeit des Rezipienten auf den Code lenkt, wird als „metabolḗ“ bezeichnet. Solche Metabolien sind nach den Verfahren zu kategorisieren, durch die sie semiotisch realisiert werden:

Sie entstehen durch die substantiellen Operationen von „adjonction“ und „suppression“ (und deren Kombination) einerseits und den relationalen Operationen der „permutation“ andererseits. Diese Bestimmung ist an den vier bei Quintilian aufgeführten Änderungskategorien orientiert, nämlich „adiectio“ (Hinzufügung) und „detractio“ (Wegnahme) sowie „transmutatio“ (Platzwechsel eines Bestandteils im Systemganzen) und „immutatio“ (Ersatz eines Bestandteils durch ein dem System bisher nichtangehörendes Element) (vgl. Lausberg 2008, § 462).

Gegliedert sind die Metabolien auf der Wortebene in die formbezogenen „Metaplasmen“ (Einwirkung auf die lautliche und graphische Seite: etwa Alliterationen, Assonanzen) und die sinnbezogenen „Metasememe“ (Synekdoche, Metapher, Vergleich, Copulae, Metonymie, Oxymoron), auf der Satzebene in die formbezogenen (etwa durch Krasis, Ellipse, Verkettung, Akkumulation, Syllepse, Insertion, Inversion erzeugten) „Metataxen“ und die sinnbezogenen „Metalogismen“ (rhetorische Gedankenfiguren wie Hyperbel, Repetition, Pleonasmus, Antithese, Immutation, Euphemismus, Allegorie, Transmutation).

Diese Kategorisierungen erlauben die systematische Zuordnung rhetorischer Figuren und Tropen zu linguistisch definierten Klassen und decken zugleich Systemlücken auf, die zur Definition und Positionierung neuer rhetorischer Phänomene dienen können.

2.9. Ansätze außerhalb der Sprachwissenschaften

2.9.1. Anthropologie

Aus der Zusammenarbeit mit R. Jakobson erhält C. Lévi-Strauss (1908-2009) die Anregung zu seinen anthropologischen Studien, von denen die bedeutendste die 1958 erschienene Anthropologie structurale ist.

Das ethnologische Interesse gilt den Strukturen vor-philosophischer sozialer Gemeinschaften und den Regeln menschlichen Zusammenlebens. Grundlegend ist dabei die Entdeckung von Strukturparallelen zwischen den Gesetzen der Sprache und den Gesetzen der Verwandtschaft, konkret der Heiratsregeln, die mit Inzestverbot und Exogamiegebot die internen und externen Beziehungen zwischen Ethnien regeln. Diese Beziehungsregeln strukturalistisch zu erfassen, bedeutet, nicht die bewussten Oberflächenphänomene, sondern die unbewussten Tiefenstrukturen, die diese Phänomene erst ermöglichen, zu erfassen. Dabei zeigt sich eine gesellschaftliche Internalisierung von Kombinationsregeln, in denen sich das Ordnungsverständnis der jeweiligen Gemeinschaft niederschlägt. Solche kategorialen Ordnungen der Erfahrungswirklichkeit entsprechen einem menschlichen Grundbedürfnis.

Die strukturale Anthropologie ist im Kern eine Theorie des menschlichen Geistes, auf dessen unbewusste Tätigkeit und angeborene Struktur alle Strukturen zurückgeführt werden. Zwischen Natur und Kultur besteht ein Kontinuum von differenzierten und hierarchisierten Strukturierungsprozessen, deren eines Extrem der menschliche Geist darstellt, dessen Tätigkeit somit auch als Selbstbearbeitung von Strukturen durch Strukturen aufzufassen ist.

Ein bedeutender Analysebereich ist die religionsethnologische Klassifizierung von Mythen (vgl. Lévi-Strauss 1958, 227-255). Ausgehend von der Annahme, dass sich in den Mythen die allgemeine Struktur des menschlichen Geistes zeigt, die im Kern in allen Kulturen in gleicher Weise anzutreffen ist, entwirft Lévi-Strauss ein deduktives Modell, das die Summe der möglichen Mythen aus einigen binären Grundkonstellationen ableitet – nicht die diachrone Analyse von Entstehung und Verbreitungswegen ist von Interesse, sondern (in Analogie zum Verhältnis von „langue“ und „parole“) die Verortung innerhalb einer Suprastruktur als deren spezifische Variationen. Dementsprechend wird der strukturalen Darstellung der Mythen Nord- und Südamerikas ein Referenzmythos als Ausgangspunkt zugrunde gelegt.

R. Barthes und U. Eco (geb. 1932) wenden dieselben Analyseverfahren auf moderne Gesellschaften an und verstehen die Bedeutung kultureller Ausdrucksformen dort ebenfalls als Funktion ihrer synchronen Beziehung in einer Struktur von Bedeutungsträgern. Diese semiotische Betrachtung hat nachhaltigen Einfluss auf soziologische Analysen gewonnen.

2.9.2. Psychoanalyse

Der Pariser Psychoanalytiker J. Lacan (1901-1981) konzipiert in Anlehnung an Lévi-Strauss die Kategorien der Freudschen Psychoanalyse zeichentheoretisch.

Lacan beschreibt die Struktur des Unterbewussten in Analogie zur Struktur des sprachlichen Systems und transponiert Freuds zentrale Modi der Traumarbeit „Verdichtung“ und „Verschiebung“ in die rhetorischen Figuren „Metapher“ und „Metonymie“. Das Unterbewusste ist wie bei Lévi-Strauss als ein „symbolisches System“ aufgefasst, das zwischen Ich und Anderem sowie zwischen dem Individuellen und dem Kollektiven vermittelt. Aufgabe des Psychologen ist die Konstruktion des Vergessenen und die synchrone Analyse der Sprache des Unbewussten als Rede „des Anderen“.

2.9.3. Philosophie

In den sechziger Jahren wird der Strukturalismus zu einem spektakulären Medienereignis, das seine Brisanz aus überspitzten Alternativen, wie der (Impulse aus der strukturalistischen Anthropologie und Psychoanalyse aufgreifenden) Gegenüberstellung von „Struktur“ einerseits und „Geschichte“, „Subjekt“ oder gar „Mensch“ andererseits erhält.

Verursacht ist diese Zuspitzung durch Positionen, die eine Unterwerfung des Subjekts unter eine logisch vorgängige konstitutive Struktur (der Sprache, der Gesellschaft, der Macht, des Symbolischen, vgl. Barthes 1978, 17f.) oder eine unbewusste Struktur (vgl. Lévi-Strauss 1958, 223) postulieren und damit subjektkritisch und antihumanistisch argumentieren, weil sie Bedeutung und Sinn auf eine Funktion der Strukturen reduzieren, die der kognitiven Wahrnehmung vorausliegen.

In diesem Sinn sind auch Stellungnahmen von M. Foucault (1926-1984) zu verstehen, etwa in seiner 1966 erschienenen vielbeachteten wissenschaftsgeschichtlichen Studie Les mots et les choses. Bei der Darstellung der Wissenschaftsbereiche von Biologie, Ökonomie und Philologie vom 18.-20. Jh. erkennt Foucault Strukturparallelen („episteme“) zwischen den einzelnen Disziplinen und stellt eine größere gegenseitige Beeinflussung der untersuchten Wissensgebiete durch diese synchronen Parallelen als durch diachrone Entwicklungen innerhalb der Einzeldisziplinen fest. Damit ist zugleich die Idee eines kontinuierlichen Fortschritts zugunsten der Vorstellung von der prägenden Kraft synchroner diskursiver Formationen aufgegeben. Trotz solcher offensichtlich an strukturalistischen Grundkategorien orientierter Analysen weist Foucault selbst diese Zuordnung zurück (vgl. ders. dt. 1971, 15) und entfernt sich in späteren Arbeiten von den Grundannahmen des philosophischen Strukturalismus, insbesondere durch die Zurückweisung einer der diskursiven Praxis vorgängigen Struktur.

In der weiteren philosophischen Diskussion verliert der Strukturalismus-Begriff zunehmend an Kontur und wird durch die unterschiedlichen Strömungen von Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus abgelöst.

3. Strukturalistische Methoden in der Bibelwissenschaft

Anstöße aus den verschiedenen vom Strukturalismus inspirierten Wissenschaftsbereichen werden seit den 1960-er Jahren auch in den verschiedenen Forschungsfeldern der Bibelwissenschaft aufgegriffen und für das Verständnis biblischer Texte fruchtbar gemacht. Exemplarisch sollen einige Studien genannt werden, die die Adaption illustrieren und richtungsweisend für die weitere Methodendiskussion und Methodenanwendung geworden sind.

3.1. Anthropologie

Der Ethnosoziologe E. Leach (1910-1989) untersucht in Anwendung der Methodik von Lévi-Strauss bei der Mythenanalyse (→ 2.9.1.) die Schöpfungsberichte in Gen 1,1-4,16 mit einem besonderen Augenmerk auf Redundanzen und binäre Oppositionen (Leben vs. Tod; männlich vs. weiblich; menschlich vs. göttlich) (vgl. Leach 1961 = ders. 1969, 7-24).

In ihrer 1966 erschienenen religionsethnologische Abhandlung Purity and Danger beschäftigt sich die Sozialanthropologin M. Douglas (1921-2007) mit kulturspezifischen Vorstellungen von der richtigen Ordnung der Dinge. Nach ihrer Auffassung ist das universale Ordnungssystem, das dichotomisch wahrgenommene Phänomene und Verhaltensweisen nach den Kriterien von „Reinheit“ und „Unreinheit“ unterscheidet, der Kern religiöser Klassifikationen.

Einen biblischen Anwendungsfall stellen für sie die → Speisegesetze in Lev 11 und Dtn 14 dar, die sie als Ausdruck eines Klassifikationssystems interpretiert, aufgrund dessen Israel Unterscheidungen seiner Wahrnehmung in der Tierwelt vorgenommen und in kultische Vorschriften überführt hat. Als Grundlage der kategorialen Unterscheidung macht sie die jeweilige Bewegungsform der Tiere aus: Als rein gelten all jene Tiere, die vollständig an die Bewegung in dem ihnen zugehörigen Element (Luft, Erde, Wasser) angepasst sind, als unrein gelten diejenigen, die in ihrer Fortbewegung nicht eindeutig einem Element zugeordnet werden können. Die der klassifikatorischen Ordnung zugrunde liegende Vorstellung ist die Identifikation von „Heiligkeit“ mit „Vollständigkeit“ / „Integrität“. Als unrein betrachtete Tiere verstoßen durch die Art ihrer Fortbewegung gegen die mit „Heiligkeit“ verbundenen Assoziationen. Die Einhaltung der Speisegesetze, die sich am physischen Ausdruck der Vorstellung von „Heiligkeit“ in der Tierwelt orientieren, ist deshalb eine zeichenhafte Erinnerung an die „Heiligkeit“ Gottes, die in seiner Einheit, Reinheit und Vollkommenheit besteht.

3.2. Ikonographie

O. Keel (geb. 1937) begründet mit der Erforschung der Zusammenhänge zwischen der Bildwelt des Alten Orients und den Textzeugnissen der Bibel einen neuen Zweig innerhalb der Exegese („Freiburger Schule“; → Ikonographie). Methodisch orientiert sich Keel (vgl. etwa Keel 1992, 267-273) an den strukturalistischen Kategorien der Ikonologie von E. Panofsky (1892-1968), die er für die Interpretation altorientalischer Bildwerke adaptiert.

Grundlegend ist der Dreischritt aus vorikonographischer Beschreibung („Phänomensinn“: Erhebung der Konfigurationen aus Farben-, Linien- und Körpermustern zur Darstellung von Motiven), ikonographischer Analyse („Bedeutungssinn“: Zuordnung der Motive bzw. Motivkonstellationen zu den durch sie dargestellten Themen oder Konzepten) und ikonologischer Interpretation („Dokumentsinn“ bzw. „Wesenssinn“: Identifikation der Bildelemente als symbolische Bedeutungsträger in einem übergreifenden Kontext).

Dabei werden – auch wenn die Entwicklung in der Kunsttheorie unabhängig von dem durch linguistische Fragen angestoßenen Strukturalismus geschieht (zur wissenschaftsgeschichtlichen Einordnung vgl. etwa Bachmann 1996, 15-40) – dieselben Prinzipien wie etwa der Vorrang der Synchronie vor der Diachronie, die Konzentration auf die dem Einzelwerk zugrunde liegenden Strukturen oder die Konstitution von Bedeutung durch die Position der Einzelelemente im zugehörigen System angewandt.

3.3. Linguistik

Die Studie The Semantics of Biblical Language von J. Barr (1924-2006) markiert einen Wendepunkt in der Anwendung linguistischer Methoden auf biblische Texte. In Abwendung von herkömmlichen etymologischen und diachronen Untersuchungen in der Hebraistik und im Blick auf das neutestamentliche Griechisch fordert Barr eine Anwendung der durch den Strukturalismus etablierten Analysemethoden: Die Bedeutung von Wörtern und Sätzen ergibt sich aus ihrer synchronen Relation zu anderen Elementen im sprachlichen System. Er wendet sich auch gegen die Vorstellung, ein spezifisch „hebräisches Denken“ aus Sprachmerkmalen wie dem Verbalsystem oder der Syntax ableiten zu können.

W. Richter (geb. 1926) konzipiert in den 1978-1980 erschienenen drei Bänden zu den Grundlagen einer althebräischen Grammatik eine nach den Maßgaben strukturaler Sprachwissenschaft konzipierte Grammatiktheorie.

Der Grammatikbau wird dabei gegliedert in ein deskriptives Schichten- oder Ebenenmodell, das sich in Morphologie, Morphosyntax, Satztheorie und (noch ausstehend) Satzsyntax auffächert (vgl. Richter 1978; 1979, 1980). In einer Adaption und Weiterentwicklung der Dependenzgrammatik von L. Tesnière (1893-1954) und ihrer Valenztheorie zu den obligatorischen und freien Fügungen des Verbs als des Satzzentrums werden im Rahmen der Satztheorie Anzahl und Arten der mit den althebräischen Verbbasen verbindbaren Syntagmen definiert. Eine Satzgliederung auf dieser Grundlage bietet die in 16 Bänden erschienene Biblia Hebraica transcripta (vgl. Richter 1991-1993). Aus der Satztheorie ergeben sich Satzbaumodelle des Verbal- und Nominalsatzes, denen jeweils semantische Funktionen zugeordnet werden. Diese Teilintegration der Semantik in die formale Textdeskription bedeutet einen ersten Schritt zur formalen Erfassung des Inhalts.

3.4. Literaturwissenschaft

Den größten Einfluss auf die Bibelwissenschaften hat der Strukturalismus mit der Etablierung literaturwissenschaftlicher Methoden in der Exegese.

Eines der ersten Beispiele für eine strukturalistische Bibellektüre ist die Interpretation von Gen 32,22-32 durch R. Barthes (vgl. Barthes u.a. [Hg.] 1972, 27-39), der die Aktantenanalyse von Greimas auf den Text anwendet.

Er erkennt in der Erzählung über den Kampf → Jakobs gegen den Engel die von Greimas im Anschluss an Propp (→ 2.3.) beschriebenen Strukturelemente des Volksmärchens wieder, dessen Handlung hier aber durch die Verletzung der mit der Gattung verbundenen Konventionen eine unerwartete Wendung nimmt. Während in den typischen Handlungsabläufen des Volksmärchen in der Terminologie des Aktantenmodells (→ 2.5.) ein Adressant zugunsten eines Adressaten als Adjuvant gegen einen Opponenten agiert, erscheint in Gen 32 Gott sowohl als Adressant wie als Opponent des Adressaten, der als sein eigener Adjuvant agiert: Gott schickt Jakob auf die gefahrvolle Reise und stellt sich ihm selbst im Kampf entgegen. Erst nachdem Jakob ihn überwunden hat, segnet er ihn.

Ergebnis dieser Analyse ist die Charakterisierung von Gen 32 als künstliches Volksmärchen, dessen Umkehrungs- und Verfremdungsstrategie einen Überraschungseffekt erzeugt und das Gottesbild erweitert: Gott steht hinter aller positiven wie negativen Erfahrungswirklichkeit, ein dualistisches Konzept ihrer Deutung wird ausgeschlossen. Die Analyse Barthes führt zu keiner neuen Interpretation der Perikope, präsentiert aber ein Methodeninstrumentarium zur Offenlegung der erzählerischen Vorgehensweise, die die theologische Aussage transportiert.

Andere strukturalistische Analysen verfolgen die Absicht, bisher nicht erkannte Bedeutungen biblischer Texte aufgrund der Verteilung von Textelementen durch Wiederholungen, chiastische Anordnungen, stereotype Formulierungen oder Kontrastpaare zu erschließen.

Eine frühe Anwendung solcher Analyseverfahren ist die 1969 erschienene Studie zu Gen 1 von P. Beauchamp (1924-2001).

Er beobachtet eine Verteilung der Schöpfungsworte in Gen 1,1-2,1 auf zwei Gruppen mit annähernd derselben Länge, und zwar als Einleitung von jeweils fünf Schöpfungswerken zuerst im Bereich der belebten, dann der unbelebten Natur, wobei das letzte Schöpfungswerk der zweiten Gruppe (Erschaffung des Menschen) eine Überbietung des korrespondierenden Elements der ersten Gruppe (Erschaffung der Sterne) darstellt. Diese kontrastive Gegenüberstellung beider Schöpfungsbereiche lässt die wertende Deutungsabsicht des biblischen Schriftstellers erkennen.

D. Patte (geb. 1939) geht es bei der Anwendung strukturalistischer Methoden in der Texterfassung und Textbeschreibung über die Funktion der Sprache als Informationsträger hinaus um die Ermittlung ihrer symbolischen und konnotativen Dimension (im Anschluss an Lévi-Strauss als „mythological structures“ oder „broad mythemes“ bezeichnet, vgl. Patte 1976, 53-83). Durch die Erhebung des Systems von Überzeugungen und wertenden Symbolisierungen erwartet er neue Perspektiven der Bibelhermeneutik.

In der deutschsprachigen Exegese greifen seit den 70-er Jahren literaturwissenschaftlich orientierte Ansätze auf strukturalistische Methoden zurück (zu einem breiteren Forschungsüberblick vgl. etwa Preuß 1982):

Der Bonner Neutestamentler E. Güttgemanns (1935-2008) postuliert eine Abwendung von der historisch-kritischen Methode und besonders ihren von ihm für unrealisierbar gehaltenen Versuch der Rekonstruktion einer vorliterarischen Traditions- und Redaktionsgeschichte. Stattdessen plädiert er für eine als „Generative Poetik des Neuen Testaments“ bezeichnete „Linguistische Exegese“, die am vorgefundenen Text ansetzt.

Ihr Ziel ist es, die „strukturalen Universalien“, d.h. die in den biblischen Texten enthaltenen Strukturwerte, die als das invariable Wesen der jeweiligen Aussagen zu gelten haben, aus der biblischen Ursprungs- in die moderne Zielsprache zu übertragen. Methodisch ist die Objektivität des Verfahrens gewährleistet durch „die textlinguistische Analyse von Textpaaren: das Interesse richtet sich auf einen Grundbestand an zu übersetzender Information und auf die Frage, wie weit eine originale Textbildungsnorm in den Text der Zielsprache übersetzt werden kann.“ (Güttgemanns 1971, 215)

Als Publikationsorgane für die Anwendungen seines Methodenpostulats gründet Güttgemanns die Zeitschrift Linguistica Biblica und die Reihe Forum theologiae linguisticae.

Die Methodenlehre von W. Richter (vgl. Richter 1971) demonstriert eine systematisch reflektierte Anwendung literaturwissenschaftlicher Kategorien auf alttestamentliche Texte und wird bei ihrem Erscheinen von zahlreichen Fachvertretern als Paradigmenwechsel in der Exegese empfunden.

Der Auslegungsvorgang setzt beim Einzeltext ein, der einem gestuften Analyseverfahren (in der gegenüber der traditionellen historisch-kritischen Exegese unterschiedlichen Reihenfolge Literar-, Form-, Gattungs-, Traditions-, Redaktions-, Kompositionskritik und Inhaltsanalyse) unterzogen wird. Auf den einzelnen Ebenen ist die Beschreibung von Form und Inhalt methodisch zu trennen und dabei zu beachten, dass der Zugang zum Inhalt nur über die Wahrnehmung der formalen Ausdrucksseite eines Textes gewonnen werden kann. Das bedeutet einen methodischen Vorrang der synchronen Analyse vor allen diachronen Fragestellungen.

Nicht ohne Polemik wurde am Ansatz Richters das Übergewicht der formorientierten Analyse gegenüber der Inhaltsseite und die Unterbestimmung einer „theologischen“ Interpretation zugunsten eines rein „literarturwissenschaftlichen“ Analyseinteresses kritisiert (vgl. dazu etwa Gathmann 2008, 19-46).

Die Methodik Richters und seine Grammatiktheorie (→ 3.1.) wurden von seinem Schülerkreis in zahlreichen Arbeiten, die sich vor allem durch eine exakte Deskription der formalen (syntaktischen und strukturellen) Seite der Texte auszeichnen, angewandt und dabei vertieft und partiell korrigiert. Hauptsächliches Publikationsorgan ist die Reihe Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament.

Auch in kritischer Auseinandersetzung mit dem Methodenprogramm von W. Richter präsentiert K. Koch (geb. 1926) in seinem 1976 erschienenen Amos-Kommentar ein als „strukturale Formgeschichte“ bezeichnetes textlinguistisches Analyseverfahren in Anlehnung an die Grundsätze der strukturalistischen Sprachwissenschaft.

Formgeschichte ist dabei in einem weiten Sinn verstanden und schließt literarkritische und redaktionsgeschichtliche, aber auch textpragmatische Gesichtspunkte ein. Methodische Prinzipien sind der Vorrang der Synchronie vor der Diachronie, die Vorordnung der „Ausdrucksseite“ gegenüber der „Vorstellungsseite“ prophetischer Aussagen und eine „methodisch ausgewiesene Formalisierung“ (vgl. Koch 1976, 16).

Die Arbeiten von C. Hardmeier (geb. 1942) unternehmen ebenfalls eine Integration linguistischer Ansätze in eine alttestamentliche Literaturwissenschaft, wobei ein besonderes Interesse Fragen der Textpragmatik, d.h. dem im Text konstruierten „kommunikativen Handlungsspiel“, gilt.

In der Folgezeit werden vom Strukturalismus angestoßene linguistische und literaturwissenschaftliche Methoden in der Exegese breit rezipiert. Sie haben selbstverständlichen Eingang auch etwa in die Lehrbücher gefunden und sind heute fester Bestandteil des exegetischen Methodeninventars.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Hauptwerke des Strukturalismus (in Auswahl)

  • Barthes, R., 1957, Mythologies, Paris = dt.: 1964, Mythen des Alltags, Frankfurt a. M.
  • Barthes, R., 1970, S/Z, Paris = dt.: 1987, S/Z (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 687), Frankfurt a. M.
  • Barthes, R., 1973, Le plaisir du texte, Paris = dt.: 1974, Die Lust am Text (Bibliothek Suhrkamp 378), Frankfurt a. M.
  • Barthes, R., 1978, Leçon. Leçon inaugurale de la chaire de sémiologie littéraire du Collège de France prononcée le 7 janvier 1977 (Points 205), Paris = dt.: 1980, Lektion (Edition Suhrkamp 1030 = N.F. 30), Frankfurt a. M.
  • Bloomfield, L., 1933, Language, New York = dt.: 2001, Die Sprache, Wien.
  • Chomsky, N., 1957, Syntactic Structures, Den Haag = dt.: 1973, Strukturen der Syntax (Ianua linguarum / Series minor 182), Berlin / New York
  • Chomsky, N., 1968, Language and Mind, New York = dt.: 1970, Sprache und Geist, Frankfurt a. M.
  • Chomsky N., 1980, Rules and Representations, Oxford = dt.: 1981, Regeln und Repräsentationen (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 351), Frankfurt a. M.
  • Dubois, J. (Hg.), 1970, Rhétorique générale, Paris = dt.: 1974, ders. / Schütz, A. (Hgg.), Allgemeine Rhetorik (Pragmatische Texttheorie 2), München
  • Eco, U., 1975, Trattato di semiotica generale, Mailand = dt.: 1987, Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, München
  • Firth, J.R., 1964, Papers in Linguistics 1934-1951, London
  • Foucault, M., 1966, Les mots et les choses. Une archéologie des sciences humaines, Paris = dt.: 1971, Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften, Frankfurt a. M.
  • Genette, G., 1966-1972, Figures I-III, Paris
  • Genette, G., 1972, Discours du récit, Paris = dt.: 1994 (3. Aufl. 2010), Die Erzählung, München, 7-174
  • Genette, G., 1976, Mimologiques, Paris = dt.: 1996, Mimologiken. Reise nach Kratylien, München
  • Genette, G., 1979, Introduction à l’Architexte, Paris
  • Genette, G., 1983, Nouveau discours du récit, Paris = dt.: 1994 (3. Aufl. 2010), Die Erzählung, München, 175-277
  • Genette, G.,1991, Fiction et diction, Paris = dt.: 1992, Fiktion und Diktion, München
  • Greimas, J.A., 1966, Sémantique structurale. Recherche de méthode, Paris = dt.: 1971: Strukturale Semantik. Methodologische Untersuchungen (Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie 4), Braunschweig
  • Greimas, J.A., 1970, Du sens. Essais sémiotiques, Paris
  • Greimas, J.A., 1983, Du sens II. Essais sémiotiques, Paris
  • Halliday, M.A.K., 1978, Language as Social Semiotic. The Social Interpretation of Language and Meaning, London
  • Hjelmslev, H., 1943, Omkring sprogteoriens grundlæggelse, Kopenhagen = dt.: 1974, Prolegomena zu einer Sprachtheorie, München
  • Jakobson, R., 2010-2013, Selected Writings, 9 Bde., Berlin
  • Lacan, J., 1964, Le Séminaire de Jacques Lacan XI. Le quatre concepts fondamentaux de la psychoanalyse, Paris = dt.: 1978, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse. Das Seminar von Jacques Lacan, Buch XI, Olten / Freiburg i. Br.
  • Lévi-Strauss, C., 1949, Structures élémentaires de la parenté, Paris = dt.: 1981, Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft, Frankfurt a. M.
  • Lévi-Strauss, C., 1958, Anthropologie structurale, Paris = dt.: 1967, Strukturale Anthropologie, Frankfurt a. M.
  • Lévi-Strauss, C., 1973, Anthropologie structurale II, Paris = dt.: 1975, Strukturale Anthropologie II, Frankfurt a. M.
  • Lotman, J.M., 1967, Problèmes de la typologie des cultures, Social Science Information 6 (2/3), 27-38
  • Lotman, J.M., 1970, Структура художественного Текста, Moskau = dt.: 1972, Die Struktur literarischer Texte, München
  • Lotman, J.M., 1964, Лекции по структуральной поэтике: введение, теория стиха, Tartu = dt.: 1972, Vorlesungen zu einer strukturalen Poetik, München
  • Lotman, J.M., 1990, The Universe of the Mind. A Semiotic Theory of Culture, London / New York
  • Panofsky, E., 1932, Zum Problem der Beschreibung und Inhaltsdeutung von Werken der bildenden Kunst, Logos 21, 103-119
  • Panofsky, E., 1939, Introductory, in: ders., Studies on Iconology Humanistic Themes in the Art of the Renaissance, New York, 3-31
  • Panofsky, E., 1955, Iconography and Iconology. An Introduction to the Study of Renaissance Art, in: ders., Meaning in the Visual Arts, Garden City, 26-41 = dt.: 1975, Ikonographie und Ikonologie. Eine Einführung in die Kunst der Renaissance, in: ders. Sinn und Deutung in der bildenden Kunst (Dumont-Taschenbücher 33), Köln, 35-67
  • Pike, K.L., 1967, Language in Relation to a Unified Theory of Structure of Human Behavior, Den Haag / Paris
  • Propp, V., 1928, Морфология сказки, Leningrad = dt.: 1972, Morphologie des Märchens, München
  • Propp, V., 1946, Исторические корни волшебной сказки, Leningrad = dt.: 1987, Die historischen Wurzeln des Zaubermärchens, München / Wien
  • de Saussure, F., 1916, Cours de linguistique générale, Paris = dt.: 1931, Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, Berlin / Leipzig
  • Tesnière, L., 1969, Éléments de syntaxe structurale, Paris = dt.: 1980, Grundzüge der strukturalen Syntax, Stuttgart
  • Todorov, T., 1969, Grammaire du Décaméron, Den Haag
  • Todorov, T., 1973, Poétique (Qu’est-ce que le structuralisme 2), Paris
  • Trubetzkoy, N.S., 1939, Grundzüge der Phonologie (Travaux du Cercle linguistique de Prague 7), Prag
  • Uldall, H.J., 1957, Outline of Glossematics I. General Theory, Kopenhagen

2. Strukturalistische Beiträge zur Bibelwissenschaft (in Auswahl)

  • Barr, J., 1961, The Semantics of Biblical Language, Oxford = dt.: 1965, Bibelexegese und moderne Semantik. Theologische und linguistische Methode in der Bibelwissenschaft, München
  • Barr, J., 1968, Comparative Philology and the Text of the Old Testament, Oxford
  • Barr, J., 1973, The Bible in the Modern World, London
  • Barthes, R. / Bovon, F. / Leenhardt, F.J. / Martin-Achard, R. / Starobinski, J., 1972, Analyse structurale et exégèse biblique. Essais d’interprétation, Neuchâtel
  • Beuachamp, P., 1969, Création et séparation. Étude exégétique du chapitre premier de la Genèse, Paris / Neuchâtel
  • Beauchamp, P., 1972, L’analyse structurale et l’exégèse biblique, in: Congress Volume. Uppsala, 1971 (Vetus Testamentum Supplements 22), 113-128
  • Douglas, M., 1966, Purity and Danger. An Analysis of the Concepts of Pollution and Taboo, London = dt.: 1985, Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu, Berlin
  • Güttgemanns, E., 1970, Offene Fragen zur Formgeschichte des Evangeliums. Eine methodologische Skizze der Grundlagenproblematik der Form- und Redaktionsgeschichte (Beiträge zur evangelischen Theologie 54), München
  • Güttgemanns, E., 1971, Studia linguistica neotestamentica. Gesammelte Aufsätze zur linguistischen Grundlage einer Neutestamentlichen Theologie (Beiträge zur evangelischen Theologie 60), München
  • Güttgemanns, E., 1972, Linguistisch-literaturwissenschaftliche Grundlegung einer Neutestamentlichen Theologie, Linguistica Biblica 13/14, 2-18
  • Güttgemanns, E., 1973, „Generative Poetik“ – Was ist das? Thesen und Reflexionen zu einer neuen exegetischen Methode, in: ders. / U. Gerber (Hgg.), Glauben und Grammatik. Theologisches „Verstehen“ als grammatischer Textprozeß (Forum Theologiae Linguisticae 4), Bonn, 152-168
  • Hardmeier, C., 1978, Texttheorie und biblische Exegese. Zur rhetorischen Funktion der Trauermetaphorik in der Prophetie (Beiträge zur evangelischen Theologie 79), München
  • Hardmeier, C., 1990, Prophetie im Streit vor dem Untergang Judas. Erzählkommunikative Studien zur Entstehungssituation der Jesaja-und Jeremiaerzählungen in II Reg 18-20 und Jer 37-40 (Beihefte zur Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft 187), Berlin / New York
  • Keel, O., 1992, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (Orbis Biblicus et Orientalis 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen
  • Koch, K., 1976, Amos. Untersucht mit den Methoden einer strukturalen Formgeschichte (Alter Orient und Altes Testament 30), Kevelaer / Neukirchen-Vluyn
  • Leach, E., 1961, Lévi-Strauss and the Garden of Eden, Transactions of the New York Academy of Science 23, Series 2, 386-396
  • Leach, E., 1969, Genesis as Myth. And Other Essays, London
  • Patte, D., 1976, What Is Structural Exegesis?, Philadelphia
  • Patte, D., 1978, Structural Exegesis from Theory to Practice. Exegesis of Mark 15 and 16, Philadelphia
  • Patte, D., 1990, Structural Exegesis for New Testament Critics, Minneapolis
  • Polzin, R.M., 1977, Biblical Structuralism. Method and Subjectivity in the Study of Ancient Texts, Philadelphia / Missoula
  • Richter, W., 1971, Exegese als Literaturwissenschaft. Entwurf einer alttestamentlichen Literaturtheorie und Methodologie, Göttingen 1971
  • Richter, W., 1978, Grundlagen einer althebräischen Grammatik. A. Grundfragen einer sprachwissenschaftlichen Grammatik / B. Die Beschreibungsebenen. I. Das Wort (Morphologie) (Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 8), St. Ottilien
  • Richter, W., 1979, Grundlagen einer althebräischen Grammatik. B. Die Beschreibungsebenen. II. Die Wortfügung (Morphosyntax) (Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 10), St. Ottilien
  • Richter, W., 1980, Grundlagen einer althebräischen Grammatik. B. Die Beschreibungsebenen. III. Der Satz (Satztheorie) (Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 13), St. Ottilien
  • Richter, W. (Hg.), 1991-1993, Biblia Hebraica transcripta (BHt), 16 Bde. (Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 33,1-16), St. Ottilien

3. Lexikonartikel

  • Historisches Wörterbuch der Philosophie, Basel, 1971-2007
  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • The Oxford Companion to the Bible, New York / Oxford 1993
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
  • Dictionary of Biblical Interpretation, Nashville 1999
  • Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Tübingen 1992-2012
  • Lexikon der Bibelhermeneutik, Berlin 2009

4. Weitere Literatur

  • Attridge, D., 1995, The Linguistic Model and Its Applications, in: R. Selden (Hg.), The Cambridge History of Literary Criticism, Bd. 8: From Formalism to Poststructuralism, Cambridge, 58-84
  • Baasner, R. / Zens, M., 3. Aufl. 2005, Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft. Eine Einführung, Berlin.
  • Bachmann, M., 1996, Die strukturalistische Artefakt- und Kunstanalyse. Exposition der Grundlagen anhand der vorderorientalischen, ägyptischen und griechischen Kunst (Orbis Biblicus et Orientalis 148), Freiburg (Schweiz) / Göttingen
  • Bak, H.-M., 1994, Grundprobleme der strukturalen Textsemantik. Die Reichweite des Isotopiekonzepts von Greimas in Bezug auf literarische Texte, Berlin
  • Bal, M., 3. Aufl. 2009, Narratology. An Introduction to the Theory of Narrative, Toronto.
  • Bierwisch, M, 1966, Strukturalismus. Geschichte, Probleme und Methoden, Kursbuch 5, 77-152
  • Brügger, N. / Vigsø, O., 2008, Strukturalismus (UTB 3162), Paderborn
  • Culler, J., 1975, Structuralist Poetics. Structuralism, Linguistics, and the Study of Literature, Ithaka, NY
  • Döbert, M., 2009, Posthermeneutische Theologie. Plädoyer für ein neues Paradigma (ReligionsKulturen 3), Stuttgart
  • Dosse, F., 1992a, Histoire du structuralisme, Bd. 1: Le champ du signe, 1945-1966, Paris = dt.: 1998a, Geschichte des Strukturalismus, Bd. 1: Das Feld des Zeichens, 1945-1966, Hamburg
  • Dosse, F., 1992b, Histoire du structuralisme, Bd. 2: Le chant du cygne, 1967 à nos jours, Paris = dt.: 1998b, Geschichte des Strukturalismus, Bd. 2: Die Zeichen der Zeit, 1967-1991, Hamburg
  • Eco, U., 1979, Lector in fabula. La cooperazione interpretativa nei testi narrativi, Mailand = dt.: 3. Aufl. 1998, Lector in Fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten, München
  • Eimermacher, K. (Hg.), 1986, Semiotica Sovietica. Sowjetische Arbeiten der Moskauer und Tartuer Schule, 2 Bde., Aachen
  • Erlich, V., 3. Aufl. 1981, Russian Formalism. History – Doctrine (Slavistic Printings and Reprintings 4), New Haven
  • Fages, J.-B., 1968, Comprendre le structuralisme, Toulouse = dt.: 1974, Den Strukturalismus verstehen, Gießen / Wiesbaden
  • Fietz, L., 1982, Strukturalismus. Eine Einführung (Literaturwissenschaft im Grundstudium 15), Tübingen
  • Garvin, P.L. (Hg.), 1964, A Prague School Reader on Esthetics, Literary Structure, and Style, Washington
  • Gathmann, S., 2008, Im Fall gespiegelt. Der Abschluss der Tyrus-Sprüche in Ez 28,1-19 (Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 86), St. Ottilien, 1-46
  • Greenwood, D., 1985, Structuralism and Biblical Text (Religion and Reason 32), Berlin / New York / Amsterdam
  • Ihwe, J. (Hg.), 1971, Literaturwissenschaft und Linguistik. Ergebnisse und Perspektiven, 3 Bde., Frankfurt a. M.
  • Koch, K., 5. Aufl. 1989, Was ist Formgeschichte?, Neukirchen-Vluyn, bes. 271-324
  • Langendoen, T.D., 1968, The London School of Linguistics. A Study of the Linguistic Theories of B. Malinowski and J.R. Firth, Cambridge, Mass.
  • Lausberg, H., 4. Aufl. 2008, Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft, Stuttgart
  • Päpstliche Bibelkommission, 2. Aufl. 1996, Die Interpretation der Bibel in der Kirche (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 115), Bonn
  • Polenz, P. v., 2. Aufl. 1988, Deutsche Satzsemantik. Grundbegriffe des Zwischen-den-Zeilen-Lesens, Berlin / New York
  • Preuß, H.D., 1982, Linguistik – Literaturwissenschaft – Altes Testament, Verkündigung und Forschung 27, 2-28
  • Rechenmacher, H. / van der Merve, H.J., 2005, The Contribution of Wolfgang Richter to Current Developments in the Study of Biblical Hebrew, Journal of Semitic Studies 50, 59-82
  • Schmitz, T.A., 2002, Moderne Literaturtheorie und antike Texte. Eine Einführung, Darmstadt, 37-54
  • Scholes, R., 1974, Structuralism in Literature. An Introduction, New Haven
  • Seidl, T., 1989, Die literaturwissenschaftliche Methode in der alttestamentlichen Exegese, Münchener Theologische Zeitschrift 40, 27-37
  • Ska, J.L., 3. Aufl. 2001, „Our Fathers Have Told Us“. Introduction to the Analysis of Hebrew Narratives (Subsidia Biblica 13), Rom
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