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Lexikon

Stierbilder

Klaus Koenen

(erstellt: Nov. 2009)

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Bethel; → Goldenes Kalb; → Horn; → Hörnerkrone; → Rind

1. Funde von Stierbildern

© Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz; vgl. Mazar, fig. 2; Keel / Staubli, Nr. 73

Abb. 1 Bronzefigurine eines Stiers (17.2 x 4.4 x 12.4 cm; Ḏahret eṭ-Ṭawīle bei Samaria; 1400-1150 v. Chr.; BIBEL+ORIENT Datenbank Online).

Stierbilder sind im Alten Orient seit frühester Zeit belegt. In Syrien-Palästina hat man aus der Bronze- und Eisenzeit eine Fülle von Stierdarstellungen gefunden. Es handelt sich vor allem um Reliefs, Schnitzereien (Elfenbein), Siegelbilder und Statuetten. Letztere bestehen aus Ton oder Metall, bes. Bronze (zum Teil vergoldet oder versilbert). Sie sind in der Regel nur 4-6 cm lang und hoch. Die bei weitem größte in Palästina gefundene – möglicherweise aus der Späten Bronzezeit (1600-1200 v. Chr.) stammende – Stierstatuette misst 17,2 x 4,4 x 12,4 x cm (Abb. 1; → „Bull Site“).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Stierstatuette mit Zapfen zur Halterung vermutlich auf einer Holzplatte an den Füßen des Stieres (Bronze; Hazor; 5,5 x 4,5 cm; Späte Bronzezeit).

An Stierstatuetten aus Bronze sind mindestens folgende Funde zu verzeichnen: → Byblos (33 Exemplare), → Karkemisch (1), Tell Ḥalāf [Tell Halaf] (→ Tell Ḥalāf; 1), → Ugarit (4), bei → Tyrus (1), → Hazor (5), → Bet-Schean (1), Rehob (Ostjordanland nordöstlich von Gerasa; 1), → Megiddo (3), → „Bull Site“ (1), → Askalon (1), Antikenhandel (1); vgl. Zwickel, 1994, 213f; Koenen, 2003a, 106. Fast alle diese Funde stammen aus der Mittleren und Späten Bronzezeit.

Die verbreiteten Stierstatuetten aus Ton sind kaum als billigere Ausführungen der Bronzestatuetten anzusehen, da sie meist erst aus deutlich späterer Zeit, nämlich der Eisenzeit IIC (722-587 v. Chr.) stammen. Eine Zusammenstellung der Funde ist schwierig, da die Statuetten oft nur fragmentarisch erhalten und die Tiere nicht eindeutig als Stiere zu identifizieren sind. Man kann deswegen oft nur von Boviden sprechen. Für die Eisenzeit nennt T.A. Holland schon 1975 fast 150 Funde (allein 75 von Tell Ǧemme und 32 aus Jerusalem). In Samaria hat man die Reste von 85 Stierstatuetten bzw. Stiergefäßen gefunden (nur 5 davon sind in der Liste von Holland). Weitere sehr schöne, von Holland (noch) nicht erfasste Funde stammen z.B. aus → Hazor, vom → Ebal und aus dem Ostjordanland. Vgl. Koenen, 2003a, 106f.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 3 Stier als Tragtier eines Wettergottes mit Blitzbündel in der Rechten (Basaltstele; Arslan Tasch; 8. Jh.).

Auf Siegeln erscheinen Stiere stehend, laufend, springend oder liegend – Letzteres vielleicht um im Bild nicht zu viel Platz einzunehmen. Wie auf Reliefs und Schnitzereien werden sie meist im seitlichen Profil gezeigt, das jedoch von einer Frontdarstellung der Hörner durchbrochen sein kann. Der Kopf der stehenden und liegenden Tiere ist in der Regel aufrecht, der der laufenden dagegen vielfach gesenkt, wobei die Hörner zum Angriff nach vorne gerichtet sind. Bei einer Gottheit können Stiere als Begleittiere und Tragtiere fungieren. Sie begegnen insbesondere bei → Wettergöttern.

 Aus: K. Bittel, Die Hethiter, München 1976, 191 Abb. 214

Abb. 4 Der hethitische Wettergott Taru-Tarchun(t) in Stiergestalt (Orthostatenrelief aus Alaca Höyük; 15. Jh.).

Stierstatuetten zeigen die Stiere meist aufrecht stehend, hin und wieder in Schrittstellung und nur selten liegend (so z.B. stierförmige Maßgewichte aus Ugarit; vgl. die Abbildung einer Stierstatuette auf einem Rollsiegel aus Ebla, doch mag die liegende Haltung hier nicht der dargestellten Statuette entsprechen, sondern mit der Bildanordnung auf dem Siegel zu erklären sein). Auch bei Statuetten kann auf dem Rücken der Tiere – wie auf einer mittelbronzezeitlichen Statuette aus Byblos – eine Gottheit stehen, so dass der Stier als Tragtier dient. Nach szenischen Darstellungen, wie der eines Orthostatenreliefs aus Alaca Höyük, das Verehrer vor einem auf einem Podest stehenden Stier zeigt (Abb. 4), konnten Stierbilder auch als Kultbilder und damit als Repräsentation eines Gottes fungieren (→ Götterbilder; → Taru-Tarchun[t]; vgl. auch die Verehrung lebender Stiere in Ägypten im → Apis-, Mnevis- und Buchiskult). So mögen auch die gefundenen Statuetten Kultbilder und Darstellungen eines Gottes, wohl des Wettergottes gewesen sein, doch lässt sich das im Einzelfall nur selten belegen – so etwa das Stierbild, das L.E. Stager 1990 in → Askalon mit einem Schrein ausgegraben hat und das kein Tragtier gewesen sein kann, da der Eingang des Schreins für ein Götterbild auf dem Stier zu niedrig gewesen wäre.

2. Stierbilder als Symbol von Macht und Stärke

Für die Symbolik von Stierbildern sind vor allem Abbildungen aufschlussreich, auf denen ein Stier durch seinen Kontext definiert wird, auf denen er also zu Dingen, Tieren, Menschen oder Göttern in Beziehung steht. Bei kontextlosen Darstellungen kann man nur darauf achten, ob bestimmte Körperteile – etwa das Glied, die Muskulatur oder die Hörner – besonders betont oder die Haltung und Stellung des Tieres aussagekräftig sind. Ferner können Texte, besonders in Metaphern und Vergleichen, das Image des Stiers in der Bronze- und Eisenzeit erschließen.

Der Symbolgehalt von Stierbildern darf nicht einseitig auf Fruchtbarkeit reduziert werden, sondern lässt sich durch Begriffe wie Zeugungskraft, Fruchtbarkeit, Leben, Wohlstand, Kampfesstärke, Überlegenheit und Macht umreißen. Je nach Kontext, d.h. je nach Gattung, traditionsgeschichtlichem Zusammenhang und Kulturkreis oder je nach dem, in welchem Zusammenhang, z.B. bei welchem Gott oder welchen anderen Symbolen, Stierbilder begegnen, können sie für etwas anderes stehen, zumindest können andere Aspekte in den Vordergrund rücken.

2.1. Das Image des Stiers in der Mittleren und Späten Bronzezeit

In der Mittleren und Späten Bronzezeit symbolisieren Stiere in Syrien-Palästina vor allem Kraft und Stärke. Beim Fruchtbarkeits- und Wettergott → Baal begegnet die Vorstellung von einem Stier vor allem in bildlichen Darstellungen, dagegen selten in Texten. Sie veranschaulicht in erster Linie seine kriegerische Macht, nur in wenigen ugaritischen Texten seine sexuelle Potenz.

Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 157; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 5 Stier als Begleittier des kriegerischen Wettergotts (Rollsiegel; altsyrisch).

Stiere begegnen sehr oft in kämpferischem Kontext. Das Siegel des Ichlibšarri, das diesen als „Diener Adads“ bezeichnet, zeigt den kriegerischen → WettergottAdad mit Waffen in den Händen und einem Stier an der Leine (Abb. 5). Im Umfeld des Wettergottes, der für die Fruchtbarkeit des Landes zuständig ist, mag der Stier Fruchtbarkeit symbolisieren, da er diese jedoch im Kampf gegen → Mot, der für den Tod steht, durchsetzen muss, kann es sein, dass der Stier nur den Aspekt Kraft, Macht, Stärke veranschaulichen soll und nicht die aus dem Sieg erst resultierende Fruchtbarkeit. Immerhin hält Adad die Führungsleine des Stiers in der gleichen Hand wie seine Waffe, die Keule, so dass der Stier, dessen Horn im Verhältnis zum Körper relativ groß ausgefallen ist, in die gleiche Kategorie zu gehören scheint wie die Waffe.

Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 166; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 6 Der Wettergott mit Stier im Kampf gegen einen Löwen (Rollsiegel; Karkemisch; Späte Bronzezeit).

Auf dem spätbronzezeitlichen Siegel des Königs Ini-Teschup von → Karkemisch steht der kriegerische Wettergott auf einem Stier, dessen Vorderkörper betont kräftig gezeichnet ist und der den Kopf zum Angriff gesenkt hat. Die Hörner sind wie der Speer des Gottes gegen einen Löwen gerichtet. Insofern erweist sich der Stier hier eindeutig als Inbegriff von Kampfeskraft (Abb. 6).

Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 161; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 7 Der Pharao (Amenophis II.) als siegender Stier (Siegel; Tell el-‘Aǧǧūl; 15. Jh.).

Das gilt auch für ein spätbronzezeitliches Siegel von Tell el-‘Aǧǧūl (→ Tell el-‘Aǧǧūl [Tell el-Aggul], das Amenophis II. (1426-1400 v. Chr.) als einen Stier darstellt, der seine Feinde niedertrampelt (Abb. 7) und damit der Bezeichnung der Pharaonen im Neuen Reich als „starker Stier“ (k3 ncht) entspricht. Auch spätbronzezeitliche Elfenbeinschnitzereien aus → Lachisch und → Megiddo zeigen kräftig gebaute Stiere im Kampf gegeneinander sowie gegen Löwen. Ferner veranschaulichen Stiere Kraft und Stärke, wenn sie in Parallele zu Löwen dargestellt werden oder als Wächtertiere mit apotropäischer (abwehrender) Funktion auftreten.

Die spätbronzezeitlichen Texte aus Ugarit bestätigen, dass der Stier vor allem Kraft und Stärke symbolisierte. Als Metapher kann sich „Stier“ auf irdische Machthaber und Fürsten beziehen. Baal und Mot stoßen sich in ihrem Kampf „wie Stiere“ (k.rwmm; KTU 1.6 VI,17-20). Vor allem trägt → El, der höchste Gott, den festen Titel „Stier“ (ṯr), und zwar im Rahmen der Königsprädikation, um ihn als allmächtigen Gott zu charakterisieren, dessen Befehle durchgeführt werden.

2.2. Das Image des Stiers in der Eisenzeit

Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 176; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 8 Ein Stier befruchtet eine Kuh (Rollsiegel; neuassyrisch).

Neuassyrische Rollsiegel mit einer Kuh, die ein frisch geborenes Kalb säugt und schon wieder von einem Stier besprungen wird, veranschaulichen landwirtschaftliche Fruchtbarkeit und sollen diese wohl auch evozieren. In Palästina erscheint der Stier jedoch wie in der Mittleren und Späten Bronzezeit vor allem als Symbol von Kraft und Stärke.

Aus: O. Keel / Chr. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg, 5. Aufl. 2001, Abb. 191; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 9 Stier und Löwe (Siegel; Tell el-Fār‘a Süd; um 900 v. Chr.).

Auf einem Siegel erscheint er neben einem Löwen, und die Kesselwagen des Jerusalemer Tempels waren nach 1Kön 7,29 mit Löwen und Stieren verziert.

Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 170; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 10 Stier besiegt Löwen (Relief; Tell Ḥalāf; 10./9. Jh.).

Zwei Reliefs von Tell Ḥalāf zeigen eindrucksvoll, wie ein Stier einen Löwen mit den Hörnern aufspießt und besiegt. In anderer Weise zeigt ein Siegelamulett aus einem Grab von Tell el-Fār‘a Süd [Tell el-Fara], wie ein Stier mit zum Angriff gesenktem Kopf einen Löwen attackiert.

Aus: K. Galling, Beschriftete Bildsiegel des ersten Jahrtausends v. Chr. vornehmlich aus Syrien und Palästina. Ein Beitrag zur Geschichte der phönikischen Kunst, ZDPV 64, 1941, 121-202, 138f.176 Nr. 26; vgl. Hübner, 1992, 110 Nr. 135

Abb. 11 Stierbild auf einem ammonitischen Siegel (7. Jh.).

Angesichts der in kämpferischem Kontext abgebildeten Stiere können eine Reihe von kontextlos dargestellten Stieren aufgrund des zum Angriff gesenkten Kopfes, des mächtigen Rumpfes oder des gestreckten Galopps dem Typus des Stiers zugerechnet werden, der Macht, Kraft und Dynamis symbolisiert. Das gilt z.B. für Siegel, auf denen ein Stier in der Funktion eines Wappentieres übermenschliche Kräfte auf den Siegelbesitzer übertragen sollen, aber auch – mit anderem Akzent – für Bronzestatuetten, die Muskulatur und Vorderteil des Stiers betonen.

Die Texte des Alten Testaments ergeben ein ähnliches Bild. Eindeutig ist von einem Stier im Kontext „Fruchtbarkeit“ nur in Hi 21,10 die Rede. Ansonsten ist der Stier mit Macht, Kampf und Stärke assoziiert. In Ps 22,22 steht der Wildstier wie auf bildlichen Darstellungen in Parallele zum Löwen. Hi 39,9f beschreibt ihn als ein unbändiges Tier von stolzer Souveränität. Spr 14,4 beschreibt die Kraft des Hausstiers. Ganz gleich, ob Wildstier oder Hausstier, die Macht, die veranschaulicht werden soll, ist entweder eine negative bedrohliche oder eine positive Kraft. Da sind auf der einen Seite als Metapher für Feinde die Stiere, die den Beter von Ps 22,13 umringen, und da ist der assyrische König, der seine Feinde wie ein Stier niederstößt (Jes 10,13). Aber da ist auf der anderen Seite auch der Beter von Ps 92,11, der sich im Wissen um Jahwes Hilfe selbst stark wie ein Stier fühlt, dem seine Feinde nichts anhaben können. Schließlich ist da in Dtn 33,17 auch die stolze Charakterisierung des Stammes Josef als Stier, der ganze Völker mit seinen Hörnern niederstößt.

Das Bild, das man sich von einem Jungstier (עֵגֶל ‘egæl; zum Begriff → Goldenes Kalb) machte, unterscheidet sich nicht grundsätzlich von dem des Stiers, enthält aber eine eigene Nuance. Der Jungstier ist nämlich in besonderer Weise Inbegriff von frischer Lebenskraft und Vitalität, und sein Image stellt insofern gegenüber dem allgemeinen Image des Stiers eine Steigerung dar (vgl. Jer 50,11; Ps 68,31; Jer 46,21).

Das Stierbild veranschaulicht nicht einfach aggressive Kampfeskraft, sondern zunächst und vor allem Macht in einem umfassenden Sinne. Bezogen auf eine Gottheit bringt es deren Omnipotenz zum Ausdruck. Erst davon abgeleitet kann sich die Macht in konkreten Einzelfällen in aggressiver Kampfeskraft äußern, wie auch in Fruchtbarkeit. Beide sind also Aspekte göttlicher Macht.

3. Stierbilder als Bilder Jahwes

Trotz des → Bilderverbots hat es in Israel lange Zeit → Gottesbilder gegeben. In den Heiligtümern von → Bethel und → Dan standen vermutlich im Allerheiligsten in Aufnahme und Fortführung spätbronzezeitlicher Tradition – in 1Kön 12,28 jedoch → Jerobeam I. zugeschriebene – Stierbilder als Kultbilder. Sie galten nicht als Tragtiere des unsichtbaren Gottes (so die lange Zeit vertretene These Obbinks), sondern repräsentierten Jahwe (vgl. Keel, 1992, 169ff; Koenen, 2003a, 99ff). Obwohl das Alte Testament von Jahwe nie thauromorph, sondern durchweg anthropomorph spricht, konnte das Bild eines Stiers aspektiv etwas über Jahwe aussagen. Es sollte der helfenden Macht des Gottes Ausdruck geben, der Israel aus Ägypten geführt (1Kön 12,28; vgl. Ex 32,4) und sich damit als ein Gott erwiesen hat, der in der Geschichte für die Seinen eintritt. Im Staatstempel von Bethel zeugt diese Gestalt wohl speziell von dem Glauben, dass Jahwe seine Macht in der Sicherung des Staates erweisen wird. Im Stierbild vergewisserte sich der Staatskult also der rettenden Macht und der helfenden Präsenz Jahwes zugunsten des Nordreichs und seines Königs. Mit dessen Untergang 722 v. Chr. war diese Vorstellung obsolet geworden. Die Vergegenwärtigung Jahwes in einem Stierbild wurde nun als schwerwiegende Sünde angesehen (vgl. die Polemik in Hos 13,2) und für den nationalen Untergang verantwortlich gemacht. Die in Ex 32,1-6 erhaltene → Ätiologie der Stierbilder wurde zu einer Ätiologie des Untergangs aller Stierbildverehrer und damit des Staates Israel umgeschrieben und liegt uns als solche in Ex 32 vor. Näheres zu Stierbildern in Israel und der Polemik gegen sie s. → Goldenes Kalb.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

Bild-Recherche BIBEL+ORIENT Datenbank Online

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Bronzefigurine eines Stiers (17.2 x 4.4 x 12.4 cm; Ḏahret eṭ-Ṭawīle bei Samaria; 1400-1150 v. Chr.; BIBEL+ORIENT Datenbank Online). © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz; vgl. Mazar, fig. 2; Keel / Staubli, Nr. 73
  • Abb. 2 Stierstatuette mit Zapfen zur Halterung vermutlich auf einer Holzplatte an den Füßen des Stieres (Bronze; Hazor; 5,5 x 4,5 cm; Späte Bronzezeit). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 3 Stier als Tragtier eines Wettergottes mit Blitzbündel in der Rechten (Basaltstele; Arslan Tasch; 8. Jh.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 4 Der hethitische Wettergott Taru-Tarchun(t) in Stiergestalt (Orthostatenrelief aus Alaca Höyük; 15. Jh.). Aus: K. Bittel, Die Hethiter, München 1976, 191 Abb. 214
  • Abb. 5 Stier als Begleittier des kriegerischen Wettergotts (Rollsiegel; altsyrisch). Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 157; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 6 Der Wettergott mit Stier im Kampf gegen einen Löwen (Rollsiegel; Karkemisch; Späte Bronzezeit). Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 166; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 7 Der Pharao (Amenophis II.) als siegender Stier (Siegel; Tell el-‘Aǧǧūl; 15. Jh.). Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 161; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 8 Ein Stier befruchtet eine Kuh (Rollsiegel; neuassyrisch). Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 176; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 9 Stier und Löwe (Siegel; Tell el-Fār‘a Süd; um 900 v. Chr.). Aus: O. Keel / Chr. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg, 5. Aufl. 2001, Abb. 191; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 10 Stier besiegt Löwen (Relief; Tell Ḥalāf; 10./9. Jh.). Aus: O. Keel, Das Recht der Bilder, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, Abb. 170; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 11 Stierbild auf einem ammonitischen Siegel (7. Jh.). Aus: K. Galling, Beschriftete Bildsiegel des ersten Jahrtausends v. Chr. vornehmlich aus Syrien und Palästina. Ein Beitrag zur Geschichte der phönikischen Kunst, ZDPV 64, 1941, 121-202, 138f.176 Nr. 26; vgl. Hübner, 1992, 110 Nr. 135
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