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Lexikon

Steinbock

Peter Riede

(erstellt: Sept. 2007)

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1. Altes Testament

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2015)

Abb. 1 Steinböcke bei En Gedi.

1.1. Der mit den Ziegen verwandte nubische Steinbock, hebr. jā’el (Capra ibex nubiana), hat bis heute in der Wüste Juda und im Negeb überlebt. Durch die braune Färbung des Fells ist er hervorragend seinem Lebensraum angepasst. Mit einer Schulterhöhe von 85 cm und den weit über den Rücken ragenden, bis zu 1 m langen Hörnern sind die Tiere eine imposante Erscheinung. Als geschickte Kletterer haben sie ihren Lebensraum in den für Menschen unzugänglichen Fels- und Bergregionen (Ps 104,18), so dass auch ihre Wurfzeiten dem Menschen unbekannt bleiben (Hi 39,1). David versteckte sich auf der Flucht vor Saul in den Steinbockfelsen nahe → En-Gedi (1Sam 24,3). Daraus kann man schließen, dass es in dieser Region schon in alter Zeit eine Population der Tiere gab. In der Liebessprache wird auf die Lieblichkeit und Anmut des Steinbockweibchens (hebr. ja‘ǎlāh) angespielt, das in Spr 5,19 als Metapher für eine schöne Ehefrau dient.

1.2. Auch die hebräischen Tiernamen zæmær und ’aqqô, die sich nur im Katalog der reinen und essbaren Tiere in Dtn 14,5 finden, dürften den Steinbock bzw. andere Wildziegenarten meinen, im ersten Fall vielleicht eine Antilopen- oder Gazellenart, im zweiten möglicherweise die Bezoarziege (Capra aegagrus), die Stammform der Hausziegen.

2. Ikonographie

Aus: O. Keel / Chr. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg, 5. Aufl. 2001, Abb. 222b; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 2 Capridenbaum als Lebens- und Segenssymbol (Tell el Fār’a [Süd]; Eisenzeit IIB).

Im Alten Orient flankieren auf bildlichen Darstellungen häufig Steinböcke oder Ziegen einen Baum, der als Symbol für den Lebensbaum anzusehen ist. In diesem Zusammenhang stehen die Steinböcke für den Drang nach intensivem, unbegrenztem Leben.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972, II/6
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Cansdale, C., Animals of Bible Lands, Exeter 1970, 87-89
  • Douglas van Buren, E., The Fauna of Ancient Mesopotamia as represented in Art (AnOr 18), Rom 1939, 49-57
  • Feliks, J., The Animal World of the Bible, Tel Aviv 1962, 14
  • Heimpel, W., Tierbilder in der sumerischen Literatur (StP 2), Rom 1968, 247f
  • Janowski, B. / Neumann-Gorsolke, U. / Gleßmer, U. (Hgg.), Gefährten und Feinde des Menschen, Neukirchen-Vluyn 1993
  • Keel, O. / Uehlinger, Chr., Göttinnen, Götter und Gottessymbole (QD 134), Freiburg 2. Aufl. 1993
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Ch., Orte und Landschaften der Bibel, Bd. 1: Landeskunde, Zürich u.a. 1984, 149f
  • Keel, O., Jahwes Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Ijob 38-41 vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen 1978
  • Keller, O. Die antike Tierwelt I, Leipzig 1909, 299-301
  • Meinhold, A., Die Sprüche Teil 1: Sprüche Kapitel 1-15 (ZBK.AT 16/1), Zürich 1991, 105 (zu Spr 5,19).
  • Nagel, W., Frühe Tierwelt in Südasien, ZA 21 (1952) 169-222, 177ff
  • Pinney, R., Animals of the Bible, Philadelphia / New York 1964, 110
  • Schouten van der Velden, A., Tierwelt der Bibel, Stuttgart 1992, 44f
  • Toynbee, J.M.C., Tierwelt der Antike (Kulturgeschichte der Antiken Welt 17), Mainz 1973, 135f
  • Wünsche,A., Die Bildersprache des Alten Testaments. Ein Beitrag zur aesthetischen Würdigung des poetischen Schrifttums im Alten Testament, Leipzig 1906, 76

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Steinböcke bei En Gedi. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2015)
  • Abb. 2 Capridenbaum als Lebens- und Segenssymbol (Tell el Fār’a [Süd]; Eisenzeit IIB). Aus: O. Keel / Chr. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg, 5. Aufl. 2001, Abb. 222b; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
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