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Lexikon

Schweitzer, Albert

Werner Zager

(erstellt: Febr. 2009)

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1. Leben

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Abb. 1 Albert Schweitzer, 1909.

Ludwig Philipp Albert Schweitzer wurde am 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Oberelsass als Sohn des Pfarrers Ludwig Schweitzer (1846-1925) und seiner Frau Adele, geb. Schillinger (1846-1916) geboren. Er wuchs in einem liberal geprägten protestantischen Pfarrhaus in Günsbach (ebenfalls im Oberelsass) auf. Nach dem Abitur in Mülhausen studierte er seit 1893 Theologie und Philosophie in Straßburg, Paris und Berlin, u.a. bei Heinrich Julius Holtzmann, Theobald Ziegler, Wilhelm Windelband und Adolf von Harnack. In Paris nahm Schweitzer Orgelunterricht bei Charles-Marie Widor. 1899 wurde er in Straßburg bei Ziegler mit einer Arbeit über „Die Religionsphilosophie Kants“ (1899, Nachdr. 2005) zum Dr. phil., 1900 bei Holtzmann mit „Das Abendmahlsproblem auf Grund der wissenschaftlichen Forschung des 19. Jahrhunderts und der historischen Berichte“ (Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu und der Geschichte des Urchristentums, 1901, Nachdr. 1983) zum Lic. theol. promoviert. 1901 habilitierte sich Schweitzer an der Theologischen Fakultät in Straßburg (Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis. Eine Skizze des Lebens Jesu, 1901) und lehrte anschließend bis zum Wintersemester 1911/12 als Privatdozent Neues Testament. 1912 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Seit 1900 war er als Vikar an St. Nicolai in Straßburg tätig; von 1903 bis 1906 versah er zudem als Nachfolger Gustav Anrichs das Amt des Direktors des dortigen Thomasstifts (Collegium Wilhelmitanum).

1905 begann Schweitzer das Studium der Medizin, das er 1913 mit der Promotion zum Dr. med. abschloss (Die psychiatrische Beurteilung Jesu. Darstellung und Kritik, 1913, Nachdr. 2002). Während dieser Zeit entstand sein bekanntestes theologisches Werk, die „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ (1906 zunächst unter dem Obertitel „Von Reimarus zu Wrede“; 2. Aufl. 1913, Nachdr. 1984), in dem er die bisherige Jesusforschung kritisch bilanzierte und sein eigenes konsequent-eschatologisches Jesusverständnis darlegte. Darüber hinaus verfasste er bedeutende Schriften zur Musik- (Deutsche und französische Orgelbaukunst und Orgelkunst, 1906; J.S. Bach, le musicien-poète, 1905; dt.: J. S. Bach, 1908, 12. Aufl. 2005) und Religionsgeschichte (Geschichte der Paulinischen Forschung von der Reformation bis auf die Gegenwart, 1911; das dazugehörige Pendant erschien erst 1930 im Druck: Die Mystik des Apostels Paulus, Nachdr. 1981). Gemeinsam mit Widor edierte er seit 1912 die „Kritisch-praktische Ausgabe des gesamten Orgelwerkes von Bach“ (8 Bde., 1912-1967; seit Bd. 6 zusammen mit Edouard Nies-Berger).

1912 gab Schweitzer seine akademische Laufbahn sowie sein Predigtamt auf und brach mit seiner Frau 1913 nach Lambarene in Äquatorialafrika (Gabun) auf, um dort mit privaten Mitteln ein Tropenhospital aufzubauen (Zwischen Wasser und Urwald, 1921). Der 1. Weltkrieg bereitete diesem ärztlichen Wirken ein vorläufiges Ende. Das Ehepaar Schweitzer geriet 1914 in französische Internierungshaft, wurde 1917 nach Südfrankreich überführt und konnte 1918 in die elsässische Heimat zurückkehren. Schweitzer übernahm dort wieder seine Vikarsstelle, wurde Assistenzarzt am Bürgerhospital in Straßburg und setzte seine in Lambarene begonnene Arbeit an einer Kulturphilosophie fort, in deren Zusammenhang er 1915 den für sein ethisches Denken zentralen Begriff „Ehrfurcht vor dem Leben“ geprägt hatte. 1919 stellte Schweitzer seine Ehrfurchtsethik in zwei Predigten in Straßburg vor und behandelte sie eingehender in Vorlesungen, die er 1920 in Uppsala auf Einladung des schwedischen Erzbischofs Nathan Söderblom hielt. Auf ihnen basieren die beiden ersten Bände seiner „Kulturphilosophie“ (1923).

1924 folgte Schweitzers zweite Ausreise nach Afrika, der sich noch zwölf weitere anschlossen. Seine zwischenzeitlichen Europaaufenthalte dienten u.a. dazu, durch Orgelkonzerte und Vorträge die für das Spital erforderlichen finanziellen Mittel zu sammeln. In Lambarene wirkte Schweitzer mehr als dreißig Jahre. 1953 wurde ihm der Friedensnobelpreis für das Jahr 1952 zugesprochen, den er am 4.11.1954 in Oslo entgegennahm. In seiner Dankesrede „Das Problem des Friedens in der heutigen Welt“ ächtete er den Krieg als etwas Unmenschliches und rief die Menschheit auf, den Nationalismus durch die Humanitätsgesinnung zu überwinden. 1957/58 warnte er in drei Appellen über Radio Oslo vor der atomaren Gefahr (Appell an die Menschheit, 1957; Friede oder Atomkrieg, 1958) und engagierte sich gemeinsam mit Linus Carl Pauling, Bertrand Russell und Martin Niemöller gegen Nuklearwaffen. Nach seinem letzten Europa-Aufenthalt im Jahre 1959 lebte er bis zu seinem Tod in Lambarene. Albert Schweitzer verstarb am 4. September 1965 und wurde am folgenden Tag auf dem kleinen Friedhof vor dem „Doktorhaus“ bestattet.

2. Werk

2.1. Philosophie

Albert Schweitzer verstand sich selbst in erster Linie als Philosoph. Seine Kulturphilosophie, in deren Mittelpunkt die „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ steht, entwickelte er in kritischer Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche, dessen Machtmetaphysik er zu überwinden und mit dessen Denkweise er die pessimistische Willensphilosophie Arthur Schopenhauers in Lebensbejahung umzusetzen trachtete.

Zu Schweitzers Lebzeiten erschienen 1923 im Druck nur die beiden ersten Teile seiner auf vier Bände konzipierten Kulturphilosophie, denen Gastvorlesungen an der Universität Uppsala im Frühjahr 1920 zugrunde liegen. Während der erste Teil „Verfall und Wiederaufbau der Kultur“ eine Kulturkritik bietet, entwickelt der zweite Teil „Kultur und Ethik“ die „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“. Der dritte Teil, an dem Schweitzer seit 1931 arbeitete, sollte die Ehrfurchtsethik zu einer neuen Weltanschauung ausbauen. 1945 stellte er die Arbeit daran ein – allem Anschein nach nicht nur wegen seiner starken Beanspruchung durch das später nach ihm benannte Hospital in Lambarene, sondern auch aus sachlichen Gründen. Von daher kam es auch nicht mehr zur Ausarbeitung des vierten Teils der Kulturphilosophie. Auf der Basis von Kulturkritik, Ethik und neuer Weltanschauung sollte offenbar das Modell eines Staats entworfen werden, der in allen Bereichen von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ bestimmt ist. Die Vorarbeiten hierzu aus den Jahren 1917/18 wurden 2005 in dem Nachlassband „Wir Epigonen (Kultur und Kulturstaat)“ veröffentlicht. Philosophische Anerkennung fand Schweitzer auch mit seinen Goethe-Reden und Arbeiten über Kultur und Ethik in den Weltreligionen sowie über das chinesische und indische Denken, die im Zusammenhang mit seiner Kulturphilosophie entstanden.

2.2. Theologie

Als Schüler des Straßburger Neutestamentlers Heinrich Julius Holtzmann (1832-1910) steht Albert Schweitzer zweifellos in der Tradition liberaler Bibelauslegung. Gilt doch Holtzmann als einer der führenden Vertreter historisch-kritischer Forschung seiner Zeit, dessen Lehrbücher zur Einleitung und Theologie des Neuen Testaments „Zusammenfassung und Höhepunkt theologischer liberaler Bibelforschung im 19. Jahrhundert“ (Merk, O., 2000, Art. H. J. Holtzmann, in: RGG4 3, 1872) darstellen.

2.2.1. Geschichte der Leben-Jesu-Forschung

1906 in 1. Auflage unter dem Titel „Von Reimarus zu Wrede“ erschienen, bietet die „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ – so der Titel seit der 2. Auflage von 1913 – einen glänzend geschriebenen Forschungsbericht, der sich über 150 Jahre erstreckt. Im Sinne Schweitzers bilden die Namen von Hermann Samuel Reimarus (1684-1768) mit seiner posthum von Lessing ohne Nennung des Verfassers herausgegebenen Abhandlung „Vom Zwecke Jesu und seiner Jünger“ und von William Wrede (1859-1907) mit seiner Untersuchung „Das Messiasgeheimnis in den Evangelien“ (1901) die beiden Pole, zwischen denen sich die Leben-Jesu-Forschung bewegt.

Die Geschichte der historischen Jesusforschung sieht Schweitzer durch drei große Entweder-oder bestimmt: „Das erste hatte [David Friedrich] Strauß gestellt: entweder rein geschichtlich oder rein übernatürlich; das zweite hatten die Tübinger und [Heinrich Julius] Holtzmann durchgekämpft: entweder synoptisch oder johanneisch; nun das dritte: entweder eschatologisch oder uneschatologisch!“ (UTB 1302, 9. Aufl. 1984, 254) Nachdem die beiden ersten Entweder-oder bereits entschieden sind, plädiert Schweitzer beim dritten für die „Lösung der konsequenten Eschatologie“. Danach sind – über Johannes Weiß hinausgehend – nicht nur Jesu Predigt und Selbstverständnis, sondern auch seine gesamte öffentliche Wirksamkeit im Lichte der Eschatologie zu interpretieren.

Indem Schweitzer behauptet, dass es Jesus um die Herbeiführung des Reiches Gottes gegangen sei, ist er in der Lage, die moderne christliche Ethik als legitime Fortführung der „ethischen Eschatologie“ Jesu zu erklären, nachdem aufgrund der Nichterfüllung der Naherwartung Jesu das eschatologisch-apokalyptische Element sich als vergängliche Form erwiesen habe. Denn als gedankliche Grundstruktur hält sich in Schweitzers Perspektive die Verknüpfung von ethischer Aktivität und erhoffter Vollendung durch.

2.2.2. Die Mystik des Apostels Paulus

Die 1911 veröffentlichte „Geschichte der Paulinischen Forschung“ sollte ursprünglich „nur ein einleitendes Kapitel zur Darlegung der eschatologischen Deutung der Lehre Pauli abgeben“ (Aus meinem Leben und Denken, GW 1, 133). „Als Ergebnis der Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung der Gedankenwelt Pauli“ hielt Schweitzer seinerzeit fest, „daß das damals allgemein als aussichtsvoll angesehene Unternehmen, seine als nichtjüdisch anmutende Erlösungslehre auf griechische Vorstellungen zurückzuführen, undurchführbar sei und daß einzig und allein eine Erklärung aus der Eschatologie in Frage kommen könne“ (a.a.O., 138).

Davon ausgehend, begreift Schweitzer in seinem 1930 erschienenen Werk „Die Mystik des Apostels Paulus“ die paulinische Theologie konsequent im Kontext der jüdischen Apokalyptik, wobei er zugleich deren Beeinflussung durch Vorstellungen der griechischen Philosophie und der Mysterienreligionen bestreitet. Paulus habe die urchristlich-apokalyptische Theologie mit Hilfe der griechischen religiösen Sprache fortgeführt, ohne Gedanken des Griechentums zu übernehmen. Diese höchst problematische Trennung von Sprache und Inhalt dient Schweitzer als Basis für seine These, dass Paulus das Christentum – genauer: das jüdisch-eschatologische Urchristentum – nicht hellenisiert, sondern nur dessen Hellenisierung vorbereitet habe.

Schweitzer bestimmt die paulinische Theologie als eschatologische Mystik. Mystik liegt nämlich Schweitzer zufolge „überall da vor, wo ein Menschenwesen die Trennung zischen irdisch und überirdisch, zeitlich und ewig als überwunden ansieht und sich selber, noch in dem Irdischen und Zeitlichen stehend, als zum Überirdischen und Ewigen eingegangen erlebt“ (Die Mystik des Apostels Paulus, UTB 1091, 1). Hinzu kommt, dass Paulus die Auferstehung Jesu als Anbruch der erwarteten allgemeinen Totenauferstehung verstanden habe: „Während das Sterben und Auferstehen an Jesu schon offenbar geworden ist, geht es an den Erwählten insgeheim, aber dennoch nicht weniger wirklich vor. Weil sie der Art ihrer Leiblichkeit nach mit Jesus Christus zusammengehören, werden sie durch seinen Tod und seine Auferstehung zu Wesen, die in Sterben und Auferstehen begriffen sind, wenn auch der Schein ihrer natürlichen Existenz noch erhalten bleibt.“ (a.a.O., 111)

2.2.3. Reich Gottes und Christentum

Dreißig Jahre nach Schweitzers Tod begann mit „Reich Gottes und Christentum“ die Ausgabe seines philosophischen und theologischen Nachlasses zu erscheinen. Den ersten Teil dieses Bandes (36-195) hatte Ulrich Neuenschwander bereits 1967 herausgegeben, ohne von der Existenz des zweiten Teils (203-358) zu wissen.

Welch hohen Stellenwert Schweitzer „Reich Gottes und Christentum“ innerhalb seines theologischen Œuvre beimaß, wird deutlich, wenn er es als „Finale zur Geschichte der Leben-Jesu-Forschung und zur Mystik des Paulus“ (200) oder als sein „theologisches Testament“ bezeichnet. Der erste Teil des Buches spannt bei der Darstellung der eschatologischen Erwartung den Bogen von den alttestamentlichen Propheten und dem Frühjudentum, über Jesus und das Urchristentum, bis hin zu Paulus. Im Wesentlichen bietet Schweitzer hier eine allgemein verständlich geschriebene zusammenhängende Wiedergabe des bereits in seinen beiden genannten exegetischen Hauptwerken Ausgeführten, erweitert um ein Kapitel über die alttestamentlich-frühjüdische Vorgeschichte der Reich-Gottes-Hoffnung. Jedoch in einem entscheidenden Punkt unterscheidet sich Schweitzer von seiner früher vertretenen Auffassung: Hatte Jesus nach der „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ seinen Tod als Sühnetod verstanden, wird dies im ersten Teil von „Reich Gottes und Christentum“ – m.E. zu Recht – mit der Begründung abgelehnt, dass der Sühnegedanke im Widerspruch zu Jesu „Vorstellung von dem ohne weiteres aus Gottes Barmherzigkeit kommenden Verzeihen“ (147) stehe.

In der Schlussbetrachtung des ersten Teils bringt Schweitzer sein theologisches Anliegen zum Ausdruck, das er aber sicherlich mit dem Ganzen verbindet, wenn er sagt, dass es der Christenheit angesichts der Nichterfüllung ihrer Endzeithoffnung auferlegt ist, „den Glauben an das von selbst kommende Reich hinter sich zu lassen und sich dem des zu verwirklichenden hinzugeben“ (195). Dieses neuzeitliche, im 19. Jahrhundert verbreitete Verständnis von Reich Gottes sieht Schweitzer vorbereitet in einem jahrhundertelangen Prozess der „Enteschatologisierung“, dessen entscheidende Entwicklungsstadien er im zweiten Teil seines Werkes schildert. Diese geschichtliche Legitimation seiner eigenen ethischen Reich-Gottes-Auffassung, die sich – ähnlich wie bei Johannes Weiß – von seiner konsequent eschatologischen Interpretation der → Reich-Gottes-Botschaft Jesu klar unterscheidet, erweist sich als weithin überzeugend. Von Bedeutung sind dabei für Schweitzer folgende Etappen: 1) die sich innerhalb der altgriechischen Theologie vollziehende Umwandlung der mit der → Parusie verknüpften Messianität Jesu zu einer bereits dem irdischen Jesus beigelegten; 2) die Ablösung der Naherwartung durch die Fernerwartung, womit das Wissen um den eschatologischen Charakter von Jesu Verkündigung und Sühnetod, von Taufe und Herrenmahl verloren geht; 3) die Überwindung der Lehre von der Einmaligkeit der → Sündenvergebung in der christlichen Taufe durch Martin Luthers Lehre von der stetigen Sündenvergebung; 4) Luthers Abwendung von der im Zeichen der → Eschatologie stehenden Lebens- und Weltentsagung; 5) die Ausscheidung der Eschatologie aus der christlichen Glaubenslehre im von der Aufklärung bestimmten Protestantismus (346 f.).

2.2.4. Straßburger Vorlesungen

Der mit „Straßburger Vorlesungen“ betitelte Nachlassband enthält die erst im Jahre 1989 aufgefundenen Vorlesungsmanuskripte Schweitzers, die der Privatdozent für Neues Testament seinen Kollegs an der protestantisch-theologischen Fakultät der Universität Straßburg zugrunde legte. Hinzu kommen noch die Habilitationsschrift „Die Taufe im Neuen Testament“ – offenbar eine zweite Arbeit, die neben „Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis. Eine Skizze des Lebens Jesu“ zur Habilitation eingereicht worden ist –, Vorentwürfe von Büchern, die aber vom Inhalt her in Vorlesungen vorgetragen worden sind, und zwei Vorlesungsnachschriften. (Von den ursprünglich drei geplanten Heften unter dem Titel „Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu und der Geschichte des Urchristentums“ waren im Jahre 1901 als erstes Schweitzers Dissertation „Das Abendmahlsproblem auf Grund der wissenschaftlichen Forschung des 19. Jahrhunderts und der historischen Berichte“ und als zweites seine Habilitationsschrift „Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis. Eine Skizze des Lebens Jesu“ erschienen. Von dem dritten geplanten Heft über die Entwicklung des → Abendmahls in der urchristlichen und altchristlichen Epoche ist uns als Vorarbeit das Vorlesungsmanuskript zum Thema „Taufe und Abendmahl“ erhalten, welches nunmehr zum ersten Mal veröffentlicht wird.) Die Texte der „Straßburger Vorlesungen“ reichen von der Habilitationsschrift aus dem Jahre 1901 und der Antrittsvorlesung vom 1.3.1902 bis zur letzten Vorlesung im Wintersemester 1911/12. Neben den hier publizierten vollständig ausgearbeiteten Texten existieren noch 15 Kolleghefte mit stichwortartigen Aufzeichnungen, die zwar für die Schweitzer-Forschung aufschlussreich sind, sich aber nicht für eine Veröffentlichung eignen.

Entsprechend den neutestamentlichen Hauptarbeitsgebieten Schweitzers befassen sich die Vorlesungen mit Jesus, Paulus, Eschatologie, Taufe und Abendmahl. Daneben werden aber auch der Logosbegriff im Johannesevangelium und die katholischen Briefe behandelt; ferner findet sich auch ein Teil einer Vorlesung, in der Schweitzer sein Religionsverständnis im Gespräch mit historisch-kritischer Theologie und Naturwissenschaft entwickelt.

In seiner Antrittsvorlesung „Die Bedeutung der Logosspekulation für die historische Darstellung des Lebens Jesu im 4. Evangelium mit besonderer Berücksichtigung des Ausdrucks ‚Menschensohn’“ (27-41) arbeitet Schweitzer die mit dem Logosbegriff verbundene apologetische und kirchliche Ausrichtung des Johannesevangeliums heraus: Zum einen diene der Gedanke der Selbstoffenbarung des Logos dazu, die Vernunftgemäßheit des Christentums zu erweisen; zum anderen setze sich das Kommen des Logos zum Gericht nach Kreuzigung und Erhöhung in den kirchlichen Sakramenten Taufe und Abendmahl fort, auf die im Johannesevangelium vielfach hingewiesen werde.

In seiner Habilitationsschrift „Die Taufe im Neuen Testament“ (42-151) erbringt Schweitzer in Auseinandersetzung mit der Forschung den Nachweis, dass die christliche Taufe sich nicht aus der Taufe Jesu, sondern aus der Johannestaufe ableitet, deren Verchristlichung auf Tod und Auferstehung Jesu beruhe. Dabei untersucht er die Geschichte der Taufe bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts. Erst bei Irenäus, Tertullian und Clemens Alexandrinus finde sich eine direkte Verbindung zwischen der christlichen Taufe und der Taufe Jesu. Einer der Habilitationsschrift verwandten Thematik ist das „Publikum über Taufe und Abendmahl“ vom Sommersemester 1902 (152-242) gewidmet. Darin unterstreicht Schweitzer die zentrale Bedeutung der beiden Sakramente für die urchristliche und altchristliche Kirche, insofern an jene der christliche Erlösungsglaube gebunden sei. Was das letzte Mahl Jesu und die urchristliche Abendmahlsfeier verbindet, ist für Schweitzer die eschatologische Danksagungsfeier. Ein besonderes Gewicht misst er hier dem eschatologischen Schlusswort in Mk 14,25 zu, das man nach Jesu Tod auf „die Erwartung der Parusie des Herrn für seine Gläubigen“ gedeutet habe (196). Dass aufgrund der Parusieverzögerung „aus dem Sakrament der Parusie das Sakrament der Auferstehung geworden“ sei, bietet nach Schweitzer eine wesentliche Voraussetzung für die Hellenisierung des Christentums: Das Abendmahl wird zum Sakrament der athanasia [Unsterblichkeit] oder – um mit Ignatius zu sprechen – zum pharmakon athanasias [Heilmittel der Unsterblichkeit].

In seinem „Kolleg über die katholischen Briefe“ (243-368) beabsichtigte Schweitzer, diese (Jakobusbrief, 1. und 2. Petrusbrief, Judasbrief, 1., 2. und 3. Johannesbrief) nicht allein in ihrer Beziehung zur paulinischen Literatur zu untersuchen, sondern sie vor allem im Kontext der zeitgenössischen Apostolischen Väter zu erklären. In dem veröffentlichten Vorlesungsmanuskript findet sich eine ausführliche kanongeschichtliche Erörterung und eine kritische Bestandsaufnahme der exegetischen Forschung zu den katholischen Briefen, darüber hinaus noch eine bemerkenswerte Darstellung der Theologie der Apostolischen Väter. Das ausgearbeitete Vorlesungsmanuskript enthält keine Auslegung der katholischen Briefe, nur zum 1. Petrusbrief, Jakobusbrief und Judasbrief gibt es stichwortartige Exegesen in drei Kollegheften.

Die „Geschichte der Eschatologie“ (369-459) trug Schweitzer als Einleitung zu seinem Kolleg über die Johannesapokalypse im Sommersemester 1903 vor. Die informativ gehaltenen und verständlich geschriebenen Ausführungen erstrecken sich von den vorexilischen Propheten bis zur Johannesapokalypse einschließlich deren Wirkungsgeschichte.

Was Schweitzers Paulusexegese betrifft, so vereinigt der vorliegende Band drei Beiträge: 1. die als Einleitung zur Galaterbrief-Vorlesung vom Sommersemester 1906 dienende „Orientierung über den Paulinismus und den Galaterbrief“ (504-523; vgl. dazu meinen Beitrag: Albert Schweitzers Interpretation des Galaterbriefs. Ein Impuls für die heutige Paulus- und Actaforschung, in: Eschatologie und Schöpfung [FS E. Gräßer], hg.v. M. Evang u.a., 1997, 427-448), 2. „ein Stück aus der ‚Erforschung des Paulinismus’“ (532-542), bei dem es sich um ein Fragment handelt, das zum Komplex der „Geschichte der Paulinischen Forschung“ (Tübingen 1911) gehört, 3. „Mystik des Apostels Paulus. Eine dogmengeschichtliche Studie“ (543-691), ein im Jahre 1909 geschriebener Text, der im Sommersemester 1911 als Vorlesung gehalten wurde und einen Vorentwurf des erst 1930 im Druck erschienenen Buches darstellt.

Zwei Vorlesungstexte schließlich lassen weniger den Neutestamentler als vielmehr den Theologen und Philosophen Schweitzer zu Wort kommen. Der erste Text ist die „Schlußvorlesung des Kollegs Geschichte der Leben-Jesu-Forschung von Reimarus bis zur Gegenwart“ (524-531) vom 29. 7. 1908, die ihr Pendant in der „Schlußbetrachtung“ der „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ (Tübingen 21913) hat. Danach lehnt Schweitzer den historischen Menschen Jesus wegen seines Irrtums der Naherwartung und seiner für uns z.T. überholten Anschauungen von Gott und Welt als Autorität ab (524 f.); worauf es ankommt, sei vielmehr der Geist, der von Jesu Wort ausgeht, „der in jeder neuen Zeit und in jedem Menschen neu kräftig gestaltet wird“ (531). Bei dem zweiten Text handelt es sich um eine Hörernachschrift der vier letzten Vorlesungen des Kollegs „Die Ergebnisse der historisch-kritischen Theologie und der Naturwissenschaft für die Wertung der Religion“ (692-723). Wer diese Vorlesungen liest, erlebt eine Überraschung: 3 ½ Jahre vor seiner angeblichen Entdeckung des Begriffs „Ehrfurcht vor dem Leben“ im September 1915 bei einer Dampferfahrt auf dem Ogowe verwendet Schweitzer den Begriff bereits hier (693). Grundzüge seiner späteren Ehrfurchtsethik sind erkennbar. Ethik wird als „tätige Freiheit“ (706) bestimmt; und für Schweitzer „ist jede wahre Ethik Religion und jede wahre Religion Ethik und Mystik zugleich“ (ebd.).

2.2.5. Gespräche über das Neue Testament

Bei Schweitzers „Gespräche[n] über das Neue Testament“ handelt es sich ursprünglich um eine Artikelserie des „Evangelisch-protestantischen Kirchenbotens für Elsass-Lothringen“ aus den Jahren 1901 bis 1904. Darin möchte der junge Straßburger Privatdozent eine Anleitung geben, „wie ein erwachsener Christ selbständig für sich die Bibel lesen soll“ (13).

Schweitzer geht dabei so vor, dass er in insgesamt 33 knappen Artikeln – beginnend mit Fragen zur Entstehung und Überlieferung des Neuen Testaments – einzelne Themen behandelt, die mit dem Leben, Auftreten, Verkündigen und Sterben Jesu von Nazareth in Verbindung stehen. Dabei werden in großer Offenheit und intellektueller Redlichkeit Einsichten neutestamentlicher Forschung vermittelt, selbst wenn sie sich in Spannung oder gar Widerspruch zu überkommenen Glaubensanschauungen befinden. Denn der liberale Theologe Schweitzer weiß sich der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Für ihn gehört auch das Aufklären zur Erbauung. Das alles geschieht in einer klaren und zugleich bilderreichen Sprache, die für ihren Verfasser kennzeichnend ist.

2.2.6. Hermeneutik

Den Ertrag der Leben-Jesu-Forschung des 18. und 19. Jahrhunderts beurteilte Schweitzer als negativ: Abgesehen von der Vielfalt der Jesusbilder, die die Leben-Jesu-Forschung hervorbrachte, ist es vor allem die Einsicht, dass der historische Jesus den religiösen Vorstellungen seiner Zeit verhaftet war und sich mit der Naherwartung des Reiches Gottes irrte, die es unmöglich macht, auf den historischen Jesus den christlichen Glauben zu gründen.

Worin die rationalistische, die liberale und die moderne Theologie das Fundament des Christentums gesehen haben, existiert damit nicht mehr. Das ändert aber nichts daran, dass die Leben-Jesu-Forschung als ein „Wahrhaftigkeitsweg“ zu rühmen ist, der letztlich nicht zur Auflösung der christlichen Religion, sondern zu deren tieferem Verständnis führt. Der Ruhm der wissenschaftlichen Theologie besteht nach Schweitzer darin, „daß sie es wagte wahrhaftig zu sein“ (Straßburger Vorlesungen, 274).

Jesus kann also Schweitzer zufolge für uns keine Autorität der Erkenntnis sein; denn er hat sich in der Naherwartung des Reiches Gottes geirrt. Aber er kann sehr wohl eine „Lebensautorität“ sein – so wie bereits für die frühen Christen (a.a.O., 275). Jesu Lebensautorität verwirklicht sich in der „mystischen Lebensgemeinschaft“ mit ihm, die ursprünglich durch das Leiden vermittelt war (a.a.O., 275 f.). Angesichts der veränderten Weltsituation sei jedoch an die Stelle der „Gemeinschaft des Leidens“ die „Gemeinschaft des Wirkens und Wollens“ getreten (a.a.O., 276). Und mit diesem Gedanken hat Schweitzer die Lösung des hermeneutischen Problems angebahnt, d.h. wie wir als aufgeklärte Menschen einen Zugang zu Jesus finden können: Lässt man zeitgebundene Vorstellungen beiseite, die Jesus als Mensch seiner Zeit teilte, so ist ein „Verstehen von Wille zu Wille“ (Geschichte der Leben-Jesu-Forschung [GW 3], 883) möglich.

Schweitzer formuliert: „Unser Verhältnis zum historischen Jesus muß zugleich ein wahrhaftiges und ein freies sein. Wir geben der Geschichte ihr Recht und machen uns von seinem Vorstellungsmaterial frei. Aber unter den dahinter stehenden gewaltigen Willen beugen wir uns und suchen ihm in unserer Zeit zu dienen, daß er in dem unsrigen zu neuem Leben und Wirken geboren werde und an unserer und der Welt Vollendung arbeite. Darin finden wir das Eins-Sein mit dem unendlichen sittlichen Weltwillen und werden Kinder des Reiches Gottes.“ (a.a.O., 885)

Zum Wandel im Vorstellungsmaterial rechnet Schweitzer, dass wir das Reich Gottes nicht mehr wie Jesus von einem endgültigen Eingreifen Gottes in die Geschichte erwarten. Vielmehr ist dessen Realisierung in unsere Hände gelegt. „Nur darauf kommt es an“ – so Schweitzer –, „daß wir den Gedanken des durch sittliche Arbeit zu schaffenden Reiches mit derselben Vehemenz denken, mit der er [sc. Jesus] den von göttlicher Intervention zu erwartenden in sich bewegte, und miteinander wissen, daß wir imstande sein müssen, alles dafür dahinzugeben.“ (a.a.O., 883)

Albert Schweitzer kam als Schüler Heinrich Julius Holtzmanns aus der Schule der liberalen Theologie, der er – was die historisch-kritische Exegese der Bibel betrifft – zeitlebens verbunden blieb. Leitstern der eigenen theologischen Arbeit ist die Wahrhaftigkeit – und zwar nicht nur im universitären, sondern auch im kirchlichen Bereich. Das zeigen sowohl Schweitzers Beiträge für den „Evangelisch-protestantischen Kirchenboten für Elsaß und Lothringen“ als auch seine Predigten. Was Schweitzer von der liberalen Theologie abhebt, ist die „Leidenschaftlichkeit des ethischen Impulses“ (Picht, W., Albert Schweitzer, Wesen und Bedeutung, 50), seine Unterwerfung unter den Willen Jesu, der für ihn der Herr ist. Damit meint er nicht den historischen Jesus, sondern den Geist Jesu, der uns mittels der in den Evangelien überlieferten Worte auch noch heute ergreift.

3. Wirkung

Die von Albert Schweitzer herausgestellte endzeitliche Bestimmtheit der Verkündigung und des Wirkens Jesu wird in der Bibelwissenschaft weithin anerkannt. Sein Verständnis von Johann Sebastian Bachs Musik als dichterisch-malerisch und darin textbezogen wirkte revolutionierend; seine Deutungen der Motive Bachs sind ein Vorgriff auf die Forschungen zur Emblematik in der Musik des Barockzeitalters. Seine Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ ist ein oft bemühter Bezugspunkt in der gegenwärtigen ökologischen Debatte und steht in Verbindung mit seiner Suche nach einer die Religionen und Weltanschauungen verbindenden Philosophie, weshalb Schweitzer als ein Wegbereiter des interreligiösen Dialogs anzusehen ist. Die Bewahrung des Friedens war für ihn nicht nur eine Aufgabe der Regierungen und Parlamente; auch der Einzelne soll den „Geist des Friedens“ in sich mächtig werden lassen. Schließlich sind von seinen in der Nachlassausgabe veröffentlichten Predigten, Aufsätzen, Vorträgen und Briefen wichtige Impulse für ein der Wahrheitssuche verpflichtetes liberales Christentum zu erwarten. Sichtbares Symbol seiner Ethik ist das Schweitzers Namen tragende Lambarene-Spital, das noch immer in seinem Geist betrieben und maßgeblich durch Spendenmittel finanziert wird. Das hier praktizierte Entwicklungshilfekonzept hat sich bei den internationalen Entwicklungshilfeorganisationen – zumindest theoretisch – durchgesetzt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Gräßer, Erich: Art. Schweitzer, Albert, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 30, Berlin / New York 1999, 675-682
  • Sommer, Andreas Urs, Art. Schweitzer, Albert, in: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Bd. 7, Tübingen 2004, 1063-1064
  • Kienzler, Klaus, Art. Schweitzer, Albert, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (im Internet: http://www.bautz.de/bbkl/), Bd. 9, Herzberg 1995, 1195-1200

2. Schweitzers Veröffentlichungen

  • 1899, Die Religionsphilosophie Kants von der Kritik der reinen Vernunft bis zur Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, Freiburg i.Br. / Leipzig / Tübingen
  • 1901 (2. Aufl. 1929), Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu und der Geschichte des Urchristentums, H. 1: Das Abendmahlsproblem auf Grund der wissenschaftlichen Forschungen des 19. Jahrhunderts und der historischen Berichte, Tübingen;
  • 1901, H. 2: Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis. Eine Skizze des Lebens Jesu, Tübingen; Nachdr. in: GW 5, 195-340
  • 1906, Von Reimarus zu Wrede. Eine Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, Tübingen; 2. Aufl. unter dem Titel: Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, Tübingen 1913
  • 1908, J. S. Bach, Leipzig
  • 1911, Geschichte der Paulinischen Forschung von der Reformation bis auf die Gegenwart, Tübingen
  • 1913, Die psychiatrische Beurteilung Jesu. Darstellung und Kritik, Tübingen
  • 1913, Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, Tübingen; Nachdr.: GW 3 und UTB 1302, Tübingen 9. Aufl. 1984 (Nachdr. der 7. Aufl. von 1966; mit Text der 2. Aufl. von 1913, der neuen Vorrede des Verfassers zur 6. Aufl. von 1951 und der Einführung von James M. Robinson zur 7. Aufl.).
  • 1923, Kulturphilosophie, Bd. I: Verfall und Wiederaufbau der Kultur, München; Nachdr. in: GW 2, 17-93
  • 1923, Kulturphilosophie, Bd. II: Kultur und Ethik, München bzw. Bern 1923; Nachdr. in: GW 2, 95-420
  • 1923, Das Christentum und die Weltreligionen. Zwei Aufsätze zur Religionsphilosophie, München; Nachdr. in: GW 2, 665-716; mit einer Einführung in das Denken Albert Schweitzer von Ulrich Neuenschwander, München 1978 (3. Aufl. 1992)
  • 1929, Selbstdarstellung (Autobiographie), Leipzig (zuerst veröff. in: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen, Bd. VII, hg. v. Raymund Schmidt, Leipzig 1929, 205-248); Nachdr. in: Selbstdarstellungen und Erinnerungen (1988), 13-63
  • 1930, Die Mystik des Apostels Paulus, Tübingen; Nachdr. in: GW 4, 15-510, u. mit einer Einführung von Werner Georg Kümmel (UTB 1091), Tübingen 1981
  • 1953, Die Idee des Reiches Gottes im Verlauf der Umbildung des eschatologischen Glaubens in den uneschatologischen, SThU 23 (1953), 2-20; Nachdr. in: GW 5, 341-374
  • 1963, Die Entstehung der Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben und ihre Bedeutung für die Kultur, Univ. 18 (1963), 1145-1160; Nachdr. in: GW 5, 172-191
  • 1966, Die Ehrfurcht vor dem Leben. Grundtexte aus fünf Jahrzehnten, hg. v. Hans Walter Bähr, München; 3., erw. Aufl. München 1982 (8. Aufl. 2003)
  • 1988, Gespräche über das Neue Testament [1901–1904], hg. v. Winfried Döbertin, München
  • 2000, Albert Schweitzer – Fritz Buri. Existenzphilosophie und Christentum. Briefe 1935–1964. Eingeleitet, kommentiert u. hg. v. Andreas Urs Sommer, München

3. Gesammelte Schriften / Werke aus dem Nachlaß

  • Gesammelte Werke in fünf Bänden, hg. v. Rudolf Grabs, Berlin 1971 bzw. München 1973 bzw. Zürich 1974 (= GW):
  • GW 1: Aus meinem Leben und Denken (1931), 19-252; Aus meiner Kindheit und Jugendzeit (1924), 253-313; Zwischen Wasser und Urwald (1921), 315-476; Briefe aus Lambarene 1924–1927, 477-685;
  • GW 2: Verfall und Wiederaufbau der Kultur (1923), 17-93; Kultur und Ethik (1923), 95-420; Die Weltanschauung der indischen Denker (1934), 421-663; Das Christentum und die Weltreligionen (1923), 665-716;
  • GW 3: Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (6. Aufl. 1950), 15-935;
  • GW 4: Die Mystik des Apostels Paulus (1930), 15-510; Reich Gottes und Christentum [I] (1967), 511-731;
  • GW 5: Vom Regen und schön Wetter auf dem Äquator (1955), 19-26; Afrikanische Jagdgeschichten (1937), 27-39; Ojembo, der Urwaldschulmeister (1937), 40-48; Fünfundzwanzig Jahre Spitalarbeit (1938), 49-51; Afrikanisches Tagebuch 1939–1945 (1946), 52-75; Das Lambarenespital vom Herbst 1945 bis Frühjahr 1954 (1955), 75-103; Der Alltag in Lambarene (1960), 103-111; Ansprache in Andende (1963), 112 f.; Straßburger Predigten über die Ehrfurcht vor dem Leben (1919/1966), 117-134; Philosophie und Tierschutzbewegung (1936/1966), 135-142; Das Problem der Ethik in der Höherentwicklung des menschlichen Denkens (1952), 143-159; Ansprache bei Entgegennahme des belgischen Joseph-Lemaire-Preises (1959), 160-166; Humanität (1962), 167-171; Die Entstehung der Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben und ihre Bedeutung für die Kultur (1963), 172-191; Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis (1901), 195-340; Die Idee des Reiches Gottes im Verlauf der Umbildung des eschatologischen Glaubens in den uneschatologischen (1953), 341-374; Ansprache auf der Tagung der Schopenhauer-Gesellschaft (1929), 375-377; Botschaft an die Teilnehmer der Tagung des Weltbundes für Freies Christentum (1947), 378 f.; Spitalandachten zu Lambarene [I] (1930), 380-387; Deutsche und französische Orgelbaukunst und Orgelkunst (1906), 389-465; Goethe. Vier Reden (1950), 467-554; Interview im Urwald (1947), 557-563; Appell an die Menschheit (1957), 564-577; Friede oder Atomkrieg (1958), 578-611; Der Weg des Friedens heute (1963/1966), 612-616.
  • 1995, Reich Gottes und Christentum, hg. v. Ulrich Luz, Ulrich Neuenschwander † u. Johann Zürcher (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 1), München
  • 1998, Straßburger Vorlesungen, hg. v. Erich Gräßer u. Johann Zürcher (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 2), München; darin enthalten:
  • Die Bedeutung der Logosspekulation für die historische Darstellung des Lebens Jesu im 4. Evangelium mit besonderer Berücksichtigung des Ausdrucks „Menschensohn“. Antrittsvorlesung an der theologischen Fakultät zu Straßburg, 1.3.1902, 27-41;
  • Die Taufe im Neuen Testament (Habilitationsschrift 1901), Erster und zweiter Abschnitt, 42-151;
  • Publikum über Taufe und Abendmahl (Sommersemester 1902), 152-242;
  • Kolleg über die katholischen Briefe (Wintersemester 1902/03), 243-368;
  • Geschichte der Eschatologie (Sommersemester 1903), 369-468;
  • Abendmahl, 3. Heft, 1. Das Abendmahl in der dogmengeschichtlichen Forschung von Baur bis Harnack. Die Dogmengeschichten und die durchgehenden Monographien (geschrieben 4.–12.5.1903), 469-503;
  • Einleitung zur Exegese. Orientierung über den Paulinismus und den Galaterbrief [und den 1. Thessalonicherbrief] (Sommersemester 1906), 504-523;
  • Schlußvorlesung des Kollegs: Geschichte der Leben-Jesu-Forschung von Reimarus bis zur Gegenwart (29.7.1908), 524-531;
  • Stück aus der „Erforschung des Paulinismus“ (1909), 532-542;
  • Mystik des Apostels Paulus. Eine dogmengeschichtliche Studie (1909. Als Vorlesung gehalten im Sommersemester 1911), 543-691;
  • „Die Ergebnisse der historisch-kritischen Theologie und der Naturwissenschaft für die Wertung der Religion“ (Die vier letzten Vorlesungen, Wintersemester 1911/12), 692-723.
  • 2001, Predigten 1898–1948, hg. v. Richard Brüllmann u. Erich Gräßer (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 3), München
  • 1999/2000, Die Weltanschauung der Ehrfurcht vor dem Leben. Kulturphilosophie III, hg. v. Claus Günzler u. Johann Zürcher, 2 Teilbde. (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 4/1 u. 2), München
  • 2001, Kultur und Ethik in den Weltreligionen, hg. v. Ulrich Körtner u. Johann Zürcher (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 5), München; darin enthalten:
  • Kultur und Ethik in den Weltreligionen [1920/21], 13-175;
  • Mensch und Kreatur in den Weltreligionen [1933], 177-220;
  • Hibbert-Vorlesungen: Die Religion im heutigen Geistesleben [1934], 221-276.
  • 2002, Geschichte des chinesischen Denkens, hg. v. Bernard Kaempf u. Johann Zürcher (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 6), München
  • 2003, Vorträge, Vorlesungen, Aufsätze, hg. v. Claus Günzler, Ulrich Luz u. Johann Zürcher (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 7), München; darin enthalten:
  • Uppsala-Vorlesungen [1920], 32-91;
  • Gifford-Lectures [1934/35], 112-187;
  • Le principe de la non-violence (Ahimsa) dans l’éthique indienne. Son origine et sa signification. [Das Prinzip der Nicht-Anwendung von Gewalt (Ahimsa) in der indischen Ethik. Sein Ursprung und seine Bedeutung.] [1935/36], 188-200;
  • Vorwort zu einer japanischen Ausgabe Goethe-Reden [1939], 201 f.;
  • Rede bei der Verleihung des Friedenspreises der deutschen Verleger in Frankfurt, 16.9.1951, 203-209;
  • Vorrede zur amerikanischen Ausgabe der Dokumente der Menschlichkeit [1954], 210 f.;
  • La France et les Corridas [24.10.1964], 232-234;
  • Unsere Zeit und die Religion [1906], 255-271;
  • Jesus und wir [1906], 271-284;
  • Kritik und Probleme der psychiatrischen Leben-Jesu-Forschung [1912], 285-303;
  • Antwort an Eugen Gömöri auf die Frage nach der „letzten Wahrheit meines Lebens“ (Umfrage im Neuen Wiener Journal) [1931], 382 f.;
  • Was der Welt am meisten not tut [24.2.1952], 387-390;
  • Für ein amerikanisches Bibelwerk [1952], 391-393.
  • 2005, Wir Epigonen. Kultur und Kulturstaat, hg. v. Ulrich Körtner u. Johann Zürcher (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 8), München
  • 2006, Theologischer und philosophischer Briefwechsel, hg. v. Werner Zager in Verbindung mit Erich Gräßer. Unter Mitarbeit v. Markus Aellig, Clemens Frey, Roland Wolf u. Dorothea Zager (Werke aus dem Nachlaß, Bd. 9), München

4. Sekundärliteratur

  • Altner, Günter (Hg.), 2005, Leben inmitten von Leben. Die Aktualität der Ethik Albert Schweitzers, Stuttgart
  • Bähr, Hans Walter (Hg.), 1962, Albert Schweitzer Sein Denken und sein Weg, Tübingen
  • Frey, Clemens, 1993, Christliche Weltverantwortung bei Albert Schweitzer. Mit Vergleichen zu Dietrich Bonhoeffer (Albert Schweitzer-Studien, Bd. 4), Bern/Stuttgart/Wien
  • Gräßer, Erich, 1979, Albert Schweitzer als Theologe (BHTh 60), Tübingen
  • Gräßer, Erich, 1997, Studien zu Albert Schweitzer. GAufs., hg. v. Andreas Mühling (BASF 6), Bodenheim
  • Groos, Helmut, 1974, Albert Schweitzer. Größe und Grenzen. Eine kritische Würdigung des Forschers und Denkers, München/Basel
  • Günzler, Claus / Gräßer, Erich / Christ, Bodo / Eggebrecht, Hans Heinrich (Hg.), 1990, Albert Schweitzer heute. Brennpunkte seines Denkens, Tübingen
  • Günzler, Claus, 1996, Albert Schweitzer. Eine Einführung in sein Denken, München
  • Merk, Otto, 2008, Neutestamentliche Wissenschaft in Briefen von und an Albert Schweitzer, in: Neutestamentliche Exegese im 21. Jahrhundert (FS Gnilka), hg. v. Thomas Schmeller, Freiburg i.Br. u.a., 191-205
  • Müller, Hans-Peter, 1997, Albert Schweitzer und die Religionsgeschichte, in: ders. (Hg.), Das Evangelium und die Weltreligionen. Theologische und philosophische Herausforderungen, Stuttgart u.a., 91-108
  • Müller, Wolfgang Erich (Hg.), 1997, Zwischen Denken und Mystik. Albert Schweitzer und die Theologie heute (BASF 5), Bodenheim, 199-223
  • Pleitner, Henning, 1992, Das Ende der liberalen Hermeneutik am Beispiel Albert Schweitzers (TANZ 5), Tübingen
  • Schützeichel, Harald, 1991, Die Orgel im Leben und Denken Albert Schweitzers (Schriftenreihe der Walcker-Stiftung für orgelwissenschaftliche Forschung, Bd. 4), Kleinbittersdorf
  • Schüz, Gottfried (Hg.), 2005, Leben nach Maß – zwischen Machbarkeit und Unantastbarkeit. Biotechnologie im Licht des Denkens von Albert Schweitzer (BASF 10), Frankfurt a.M.
  • Steffahn, Harald, 1979, Albert Schweitzer in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (RoMo 263), Reinbek b. Hamburg
  • Zager, Dorothea u. Werner, 1997, Albert Schweitzer. Impulse für ein wahrhaftiges Christentum, Neukirchen-Vluyn
  • Zager, Werner, 1994, Albert Schweitzers Anleitung zu selbständiger exegetischer Arbeit. Kleine Lesefrüchte aus den Kollegheften Albert Schweitzers, ZNW 85, 286-289
  • Zager, Werner, 1997, Albert Schweitzers Interpretation des Galaterbriefs. Ein Impuls für die heutige Acta-Forschung, in: Eschatologie und Schöpfung (FS Gräßer), Martin Evang / Helmut Merklein / Michael Wolter (Hg) (BZNW 89), Berlin / New York, 427-448
  • Zager, Werner (Hg.), 2005, Albert Schweitzer und das freie Christentum. Neukirchen-Vluyn
  • Zager, Werner, 2008, „Der Prophet einer kommenden Wissenschaft“. David Friedrich Strauß im Urteil Albert Schweitzers, in: ders. (Hg.), Führt Wahrhaftigkeit zum Unglauben? David Friedrich Strauß als Theologe und Philosoph, Neukirchen-Vluyn, 85-108
  • Zager, Werner, 2009, Albert Schweitzer als liberaler Theologe. Studien zu einem theologischen und philosophischen Denker (Beiträge zur Albert-Schweitzer-Forschung, Bd. 11), Berlin

5. Bibliographien

  • Amadou, Robert, 1952, Albert Schweitzer. Éléments de biographie et bibliographie, Paris
  • Griffith, Nancy Snell / Person, Laura (Hg.), 1981, Albert Schweitzer. An International Bibliography, Boston, Massachusetts
  • Raupp, Werner, 2001, Bibliographie der Sekundärliteratur 1945–1990 zu Albert Schweitzer, in: Heiner Schmidt, Quellenlexikon zur deutschen Literaturgeschichte. Bibliography of Studies on German Literary History. Personal- und Einzelwerkbibliographie der internationalen Sekundärliteratur 1945–1990 zur deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bd. 29, Duisburg, 44-105
  • Roback, Abraham Aaron, 1945, A tentative Albert Schweitzer bibliography, in: Roback, Abraham Aaron (Hg), The Albert Schweitzer Jubilee Book, Cambridge, Massachusetts, 469-483
  • Schneider, Kurt, unter Mitarbeit von Elfriede Bomze-Bamberger u. Halina Tremska, 1998, Albert Schweitzer. Eine Bibliographie zu Leben und Werk, Frankfurt a.M.

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Albert Schweitzer, 1909. Lizenz: Public domain

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