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Lexikon

Schrecken

Thomas R. Elßner

(erstellt: Mai 2013)

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Das Phänomen „Schrecken“ bezieht sich in der Bibel auf recht unterschiedliche Bereiche. Schrecken kann von Gott direkt kommen oder von ihm veranlasst sein. Schrecken können Kriege, Gewalttaten, aber auch seelische Zustände auslösen. Die Folge dessen, dass ein Mensch Gottes Gebote nicht beachtet, kann ebenso zum Schrecken werden; hier ist Schrecken Teil einer Strafe.

1. „Schrecken“ in der Hebräischen Bibel

Mit „Schrecken“ werden in deutschsprachigen Bibelübersetzungen nahezu 20 verschiedene hebräische Termini wiedergegeben, die im Sinne von „Angst“, „Furcht“ und „Unheil“, aber auch von „Gefahr“ zu verstehen sind (vgl. Ernst, 677). Der Kontext ist deswegen für die genaue Bedeutung von entscheidender Bedeutung, doch bleiben häufig Unschärfen.

1.1. Von Gott ausgehender Schrecken („Gottesschrecken“)

Die Verwendung des Begriffs „Schrecken“ in Verbindung mit JHWH bzw. Gott (Ex 23,27; Ps 88,16; Hi 9,34; Hi 13,21) oder einem durchaus nominosen, aber nicht weiter spezifizierbaren Bereich (Gen 15,12; Ex 15,16; Dtn 32,25; Jos 2,9; Jer 50,38 [Schreckbilder, EÜ; erschreckenden Götzen?]; Hi 20,25) ist in der Hebräischen Bibel gut bezeugt.

● In 1Sam 14,15b begegnet der in der Hebräischen Bibel singuläre Ausdruck „Gottesschrecken“ (חֶרְדַּת אֱלֹהִים). In 1Sam 14,15a bezieht sich „Schrecken“ auf einen gelungenen Überraschungsangriff gegen die → Philister, aber so ein Schrecken ist nur eine Wirkung eines umfassenderen „Gottesschreckens“. Weitere Wirkungen sind unter anderem, dass die Erde bebt (1Sam 14,15bα) und die Feinde ihre Schwerter gegeneinander richten (1Sam 14,20). Vor diesem Hintergrund kann die Übersetzung der → Septuaginta „und ein Schrecken geschah vom Herrn her“ (LXX.D; καὶ ἐγενήθη ἔκστασις παρὰ κυρίου) als zutreffendes Interpretament angesehen werden (vgl. Becker, 68). Demgegenüber bezeichnet die Wendung „Schrecken / Furcht vor dem Menschen“ (חֶרְדַּת אָדָם) in Spr 29,25 einen Zustand, vor dem ausdrücklich gewarnt wird. Letztlich muss der Mensch allein vor JHWH Furcht haben.

● Auch in Gen 35,5 ist ausdrücklich vom „Schrecken Gottes“ (חִתַּת אֱלֹהִים) die Rede. Im jetzigen Erzählzusammenhang, besser in der nunmehr vorliegenden Erzählzusammenstellung hat diese Wendung eine ambivalente Bedeutung: Die Söhne Jakobs, Simeon und Levi, überfallen vertragsbrüchig die Stadt → Sichem, um die Vergewaltigung ihrer Schwester → Dina zu rächen. → Jakob selbst ist mit diesem Vorgehen nicht einverstanden und bricht (aus Angst vor entsprechenden Konsequenzen) mit seinem Haus in Richtung → Bethel auf. Letztlich jedoch wird die Rache der „umliegenden Städte“ von Sichem (?) an der Tat der Söhne Jakobs durch den „Schrecken Gottes“ verhindert. Dieser Schrecken ist anscheinend „eine unheimliche Lähmung oder Panik, in der den Feinden der einfachste Gebrauch ihrer Sinne und Kräfte versagt“ (von Rad, 295).

● Im Abschnitt über den Frevler in Ps 36,1-5 ist es dieser, der mit einem ihm polemisch in den Mund gelegtem Zitat behauptet, dass es keinen „Schrecken Gottes“ für ihn gebe. „Schrecken Gottes“ lässt sich sowohl im Sinne (es gibt kein) „Er-Schrecken vor Gott“ bzw. (keine) Ehrfurcht vor Gott (Genitivus Objectivus) als auch in der Bedeutung einer Erscheinungsweise Gottes (Genitivus Subjectivus) verstehen.

● In Ps 119,120, einem → akrostischen Psalm, der näher als ein theologisches Summarium (Seybold, 271) bezeichnet werden kann, bekundet der Psalmist, dass er vor dem „Schrecken JHWHs“ erschauert.

● Der Schrecken (פַּחַד), der → Eliphas während seiner „Grübeleien von Nachtgesichten“ überkommt (Hi 4,13f), rührt letztlich von einer „Gestalt“ (תְּמוּנָה), die vor ihm hintritt und zu ihm spricht (Hi 4,16). Bei dieser Gestalt kann es sich letztlich nur um Gott handeln (vgl. Fohrer, 143), da in der hebräischen Bibel der Ausdruck „Gestalt“ (תְּמוּנָה) allein in Bezug auf ihn verwendet wird (vgl. z.B. Ex 20,4 / Dtn 5,8; Num 12,8; Ps 17,15). Somit handelt es sich um ein Erschrecken vor Gott. Ähnlich handelt es sich in Hi 13,11 um einen von Gott hervorgerufenen Schrecken: Wenn Menschen sich anmaßen – so wie die Freunde Hiobs –, für Gott einen Rechtsstreit zu führen (Hi 13,8), wird Gott, so die Überzeugung → Hiobs, diese seinen „Schrecken“ erfahren lassen. Diese Vorstellung bezieht Hiob in Hi 31,23 konkret ebenso auf sich, wenn er in Hi 31,16-23 ausführt, dass ihn die Furcht vor dem Schrecken (Gottes) abhielt, gegen Bedürftige hartherzig zu sein.

● In Hi 25,2 ist es genau umgekehrt. Bildad weist darauf hin, dass bei Gott „Herrschaft“ und „Schrecken“ (פַּחַד) zugleich sind. „Schrecken“ ist somit ein wesentliches Prädikat der Herrschaft Gottes und steht letztlich nicht im Widerspruch zu dem Frieden, den Gott bewirkt.

2Chr 14,13 ist 1Sam 11 vergleichbar. Als die Judäer von Kuschitern militärisch massiv bedroht werden, bitten sie JHWH um Beistand und erringen daraufhin einen großen Sieg. Begründet wird dies mit dem „Schrecken JHWHs“, der auf ihnen war. 2Chr 14,13 lässt sich paraphrasierend so übersetzen: Und die Judäer schlugen alle Städte rings um Gerar, denn der Schrecken vor JHWH war mit ihnen, den Judäern, und sie plünderten alle Städte …“. Damit ergibt sich folgendes Schema: 1. Bedrohung von außen (2Chr 14,8), 2. Reaktion auf die Bedrohung (2Chr 14,9), 3. JHWH wird zur Lösung des Problems angerufen (2Chr 14,10), 4. vollständiger Sieg über den Gegner (2Chr 14,11-13aα) und 5. als Resultat davon legt sich der Schrecken JHWHs auf sie, und zwar auch im Sinne eines Schutzmittels gegen erneute Angriffe.

● Ein vergleichbares Schema ist auch in 2Chr 20,1-30 anzutreffen: 1. Bedrohung von außen (2Chr 20,1f), 2. Reaktion darauf (2Chr 20,3aα), 3. Einbeziehung JHWHs (2Chr 20,3aβ-12), ferner Ermutigungszuspruch durch einen vom Geist JHWHs Ergriffenen (2Chr 20,13-20), 4. vollständiger Sieg über die Feinde allein durch JHWHs Wirken ohne Zutun von → Joschafats Heer (2Chr 20,20-26). Ein wichtiges Ergebnis dieses göttlichen Kampfes ist es dann (2Chr 20,29b), dass „der Schrecken vor Elohim“ (פַּחַד) alle Königreiche der Länder erfasst und somit das Königreich Joschfats Ruhe vor Feinden hat (2Chr 20,30).

2Chr 17,1ff berichtet, dass König Joschafat JHWH in rechter Weise verehrt und daher die Judäer mit dem Buch der Tora JHWHs belehren lässt, so dass infolge dessen „Schrecken vor JHWH“ (Genitivus objectivus) auf allen Königreichen rings um Juda liegt und diese Juda nicht angreiffen. Mit anderen Worten: Das Halten der Tora bewirkt Ruhe vor den Feinden mittels des Schreckens vor JHWH.

● In 2Chr 19,7 werden die von Joschafat eingesetzten Richter ermahnt, nach Maßstäben JHWHs zu richten, und dies gelinge dann, wenn unter ihnen „der Schrecken vor JHWH“ gegenwärtig ist. Schrecken besitzt hier vor allem auch die Konnotation „große Ehrfurcht“.

● Im Abschnitt Jer 2,17-27 wird in Vers 19 eine 2. Person Singular femininum angesprochen (Jerusalem?; vgl. Jer 2,2). Die angeredete feminine Person soll die Ursache ihres Unheils darin erkennen, dass sie kein „Betroffensein von Gottes überragendem Wesen“ (Fischer, I 166) in sich verspürt hat, was in Jer 2,19 mit dem Terminus „Schrecken“ zum Ausdruck gebracht wird. Mit anderen Worten: Der „Schrecken Gottes“ ist an dieser Stelle insofern positiv konnotiert, als er vor Unheil zu beschützen und zu bewahren vermag, wenn die ihm gebührende Ehrfurcht entgegengebracht wird.

1.2. Von Gott veranlasster Schrecken

● In Gen 9,2 findet sich im Zusammenhang der Segnung → Noahs und seiner Kinder nach der Sintflut die Wendung „Furcht und Schrecken“, die die Tiere vor den Menschen haben werden. Das bedeutet, dass dem Menschen von Elohim Herrschaftsbefugnis einschließlich des Tötens über die Tiere zuerkannt wird.

● In Hi 6,21 ist mit „Schrecken“ vom Kontext her das gemeint, was → Hiob sozusagen gottgewollt widerfahren ist und seine Gesprächspartner nun zu deuten versuchen. In der Septuaginta findet sich hierfür als durchaus sehr treffende Übersetzung die Wendung „meine (tiefe) Verwundung“ (τὸ ἐμὸν τραῦμα).

● „Schrecken“ bezieht sich in Dtn 4,34 (Plural), in Dtn 26,8 (Singular) und in Dtn 34,12 (Singular) auf die Begleiterscheinungen im Umfeld des Auszugs aus Ägypten, d.h. auf die „Zeichen und Wunder“ (vgl. Ex 7,3; Dtn 26,8). Dies trifft in Abhängigkeit von Dtn 4,34 und Dtn 26,8 auch auf Jer 32,21 zu.

● In Ps 14,5 par Ps 53,6 überfällt „Schrecken“ (wörtlich: erschrecken sie mit Schrecken [inneres Objekt]) den Toren (Ps 14,1 / Ps 53,2) bzw. den Übeltäter (Ps 14,1.3 / Ps 53,2.4). Woher der Schrecken kommt, bleibt durchaus unklar; Ps 53,6 ergänzt: „ohne dass ein Schrecken war“. Aus der Begründung Ps 14,5a lässt sich nur entnehmen, dass Gott auf Seiten des gerechten Geschlechts ist, so dass dieses anscheinend nichts zu fürchten hat. In der Begründung Ps 53,6aα.b kommt zum Ausdruck, dass Gott gegen (militärische) Gegner (unerwartet) eingreift.

● Dreimal findet sich im hebräischen Buch → Ester der Terminus „Schrecken“ (פַּחַד), und zwar in Est 8,17; Est 9,2.3. An allen drei Stellen ist davon die Rede, dass ein „Schrecken vor den Judäern“ bzw. „vor Mordechai“ (Genitivus Objectivus) die Völker der Erde und die Provinzen des Königs Artaxerxes „befällt“. Das Motiv des Schreckens, vergleichbar mit Ex 15,16, lässt sich als „Muster einer Schicksalswende“ verstehen (Loader, 268). Die bedrohte jüdisch / judäische Minderheit ist wehrhaft gerettet. Wenngleich Gott nicht ausdrücklich genannt wird – Ester kann u.a. aufgrund seines Vermeidens von Gottesbezeichnungen jedweder Art ohnehin als „ein scheinbar säkulares Buch“ (Meinhold, 99) bezeichnet werden –, ist es nach H. Ringgren offensichtlich, dass „der Schrecken … von ihm kommt“ (Esther, 140), das heißt von Gott.

● In 1Chr 14,8-17 bzw. in 1Chr 14,13-17 ist ein Schema anzutreffen, das auch in 2Chr 14 und in 2Chr 20,1-30 zu finden ist: 1. Bedrohung durch einen Feind / von außen, 2. Reaktion auf die Bedrohung, 3. Einbeziehung JHWHs in die Lösung dieses Problems, 4. Vernichtung des Feindes und 5. die Wirkung der Vernichtung. Diese besteht darin, dass der „Schrecken vor JHWH“ auf den (umliegenden) Völkern liegt (vgl. 1Chr 14,17). In 1Chr 14,17b sind grundsätzlich zwei Lesarten möglich: 1. Und JHWH gab / legte den Schrecken „vor ihm“ (David) auf alle (Heiden-)Völker. 2. Und JHWH gab / legte seinen Schrecken (Genitivus Subjectivus) auf alle (Heiden-)Völker. Grammatikalisch und syntaktisch kommen beide Lesarten in Betracht.

1.3. Schrecken im Sinne einer Strafe

● Bei „Schrecken“ (בֶּהָלָה) in Lev 26,16; Jer 15,8 und Ps 78,33 handelt es sich um einen Vorgang, „der mit dem plötzlichen Tod verbunden, ja, identisch ist“ (Otzen, 522). Jeweils ist es Gott, auf den Unheil als Strafe zurückgeht.

● Ebenso ist in Hi 27,20; Hi 30,15 und in Ps 73,19 von Schrecken die Rede, die von Gott veranlasst sind. Zum einen ist es der Frevler (Ps 73,19; Hi 27,13), gegen den sich der Schrecken richtet (Hi 27,20), und zum anderen ist er auch gegen Hiob selbst gerichtet (Hi 30,15).

● Des Weiteren ist in den Sprüchen gegen Tyrus in Ez 26,21; Ez 27,36; Ez 28,19 davon die Rede, dass JHWH Tyrus zum „Schrecken“ machen will bzw. werden ließ (vgl. zudem Jer 8,15; Jer 14,19).

● Ebenso gehört „Schrecken“ (זְוָעָה) in Jes 28,19 in den Zusammenhang einer Gerichtsankündigung, aber diesmal gegen Zion. Wer sich nichts zuschulden hat kommen lassen, braucht vor dem Gericht nicht zu fliehen (vgl. Jes 18,16). Wer aber Schuld auf sich geladen hat, wird die Kunde von den Wirkungen des Gerichts „nur als Schrecken“ wahrnehmen. Somit ist JHWH letztlich der Auslöser des Schreckens.

Dtn 28,25 gehört einem Abschnitt an, in dem es um Verfluchungen gegenüber den „Kindern Israels“ (Dtn 28,69) geht, falls sie sich von JHWH abwenden. Eine Folge der angedrohten Strafen sei dann, dass sie – in Dtn 28 wird durchgängig eine (kollektiv zu verstehende) 2. Person Singular angesprochen – „zum Schrecken (זַעֲוָה) für alle Königreiche der Erde“ werden. Schrecken lässt sich hier im Sinne von Abschreckung verstehen (vgl. zudem Jer 15,4 mit Dtn 28,25). Ein solcher Schrecken, wenngleich von JHWH sehr wohl gebilligt, richtet sich desaströs gegen JHWHs Volk selbst und – mit Blick auf die anderen Bibelstellen – auf dessen Repräsentanten.

● In Jer 30,5 geht es vermutlich um einen von JHWH befürworteten bzw. initiierten Tag des Gerichts bzw. der schweren Prüfung für sein Volk, der von „Schrecken“ (חֲרָדָה) begleitet ist.

● Im Abschnitt Jes 24,1-20 / Jes 24,21-23, in welchem ein sogenanntes Weltgericht angekündigt wird, ist in Jes 24,17-18 zweimal von „Schrecken“ (פַּחַד) die Rede. Eine Folge dieses Weltgerichts ist ein sich verbreitender „Schrecken“ (viele Übersetzungen: „Grauen und Grube und Garn“, Nachahmung der Alliteration im hebräischen Text). Die „Stimme des Schreckens“ (Jes 24,18) kann ein Krieg und / oder ein erdbebenartiges Getöse sein (vgl. Hi 15,21), aber ebenso der „Angstschrei“ (Müller, 554) in der Situation des Schreckens selbst. Auslöser dieses Schreckens ist auch hier JHWH (vgl. Jes 24,1; zudem Jer 48,43f).

● In einem Abschnitt mit JHWH-Sprüchen gegen die → Ammoniter (Jer 49,1-6) wird diesen unter anderem angekündigt, dass JHWH „Schrecken von allen Seiten“ kommen lassen wird (Jer 49,5). Diese Schrecken – so der Kontext – werden in Kriegslärm, Verwüstung der Städte und in Verbannung bestehen. Initiator dieser Schrecken ist JHWH (Jer 49,5; vgl. Jer 48,43f).

● In Ez 7,18 wird im Zusammenhang einer Drohrede gegen das „Land Israel“ (vgl. Ez 7,2) davon gesprochen, dass deren Bewohner „Schrecken bedecken“ (פַּלָּצוּת) wird – ähnlich wie Aussatz die Haut bedeckt (vgl. Lev 13,12). Das bedeutet, dass es kein Entrinnen vor jenem Schrecken gibt. Dieser ist jedoch als Strafe gegen das Land Israel von JHWH initiiert (zu Jes 21,4).

● Im dritten Klagelied ist in Klgl 3,47 von „Schrecken und Grube“ die Rede. Dies bezieht ein männlicher Sprecher auf sich bzw. auf sich und seine Gruppe. Der Terminus „Schrecken“ (פַּחַד), der wegen der → Akrostichie gewählt wurde, bezieht sich auf ein umfangreiches Gerichtshandeln JHWHs (Klgl 3,40-42.43-45).

1.4. Schrecken allgemein

● „Schrecken“ (אֵימָה) geht allgemein von Tieren oder Menschen aus (vgl. Hi 39,20; Hi 41,6; Spr 20,2) und kann einem emotionalen Bereich zugeordnet werden (Jes 33,18 [Schrecken der Besetzung / des Krieges?]; Ps 55,5; Hi 33,7). „Schrecken“ (בַּלָּהָה) können auch Folge bzw. Begleiterscheinung eines frevlerischen Handelns sein (Hi 18,11.14; Hi 24,17). In Hi 24,17; Hi 27,20; Hi 30,15 werden die Schrecken zudem mit Ereignissen der Natur in Beziehung gesetzt bzw. damit verglichen. Singulär ist in der Hebräischen Bibel die Wendung „König der Schrecken“ in Hi 18,14, womit anscheinend die „Unterwelt“, die Scheol, gemeint ist.

● In Gen 27,33 heißt es über Isaak, als er gewahr wird, dass er den sogenannten Erstgeburtssegen nicht Esau, seinem erstgeborenen, sondern Jakob, seinem zweitgeborenen Zwillingssohn, erteilt hat: „Und es erschrak Isaak mit großem Schrecken (חֲרָדָה) überaus sehr“. Es handelt sich hier um eine individuelle, sehr heftige emotionale Regung / Erschütterung / Erschreckung (gerät vollständig aus der Fassung, vgl. Baumann, 178) über eine gutgläubige, aber – aus familienrechtlicher Perspektive gesehen – irreversible Fehl-Handlung.

● Auch kommt der Terminus „Schrecken“ (פַּחַד) zweimal in der ersten Rede JHWHs an → Hiob vor (Hi 38-40,2). So wird am Beispiel der Straußenhenne dem Hiob verdeutlicht, dass Gott sie „keineswegs vernachlässigt“, obwohl sie im Altertum als dummes Tier galt, weil sie beispielsweise „keinen Schrecken“ verspürt, wenn sie ihren eigenen Nachwuchs (scheinbar) hartherzig behandelt (Hi 39,16; Groß, 136). Das Ross hingegen wird so beschrieben, dass es selbst angesichts eines Schreckens im Krieg nur lacht (Hi 39,22), gegen diesen also immun sei.

● Im Buch der Sprüche ist der Terminus „Schrecken“ (פַּחַד) viermal belegt, allein in Spr 1,20-33 dreimal kurz hintereinander (Spr 1,26.27.33). Dort spricht die Weisheit (חָכְמוֹת Plural, vgl. Ps 49,4; Spr 9,1; Spr 24,7; Septuaginta: σοφια Singular) Einfältige direkt an und in deren Gefolge Spötter und Toren. Die Aussageabsicht ist klar formuliert: Wer auf die Weisheit hört, braucht keinen Schrecken zu fürchten. Der Terminus „Schrecken“ bleibt jedoch allgemein und unbestimmt, so dass nicht gesagt werden kann, um welchen Schrecken es sich hierbei konkret handelt (Schrecken Gottes, Schrecken des Krieges). Eine Präzisierung ist vermutlich auch vom Verfasser nicht intendiert. Ihm reicht anscheinend ein genereller Hinweis auf das, was „Schrecken“ bewirken kann.

● In Spr 3,25 ist es ein Vater oder ein Lehrer bzw. ein väterlicher Lehrer, der seinem ihm Anvertrauten, genannt „mein Sohn / Kind“, verheißt, keinen „Schrecken“ fürchten zu müssen, wenn er / es auf die vorgetragene Lehre hört (Spr 3,1-20, vgl. Hi 22,10). „Schrecken“ bleibt hier ebenso unbestimmt wie allgemein.

1.4.1. Im Zusammenhang von kriegerischem Geschehen

● Das JHWH-Wort in Jes 8,12-13 veranschaulicht recht deutlich, dass kurz hintereinander „Schrecken“ (מוֹרָא) sowohl auf das bezogen werden kann, was dem Volk JHWHs Schrecken einjagen kann (kriegerische Bedrohung von außen und / oder prophetischer Auftrag von innen, vgl. Höffken, 101), als auch in Bezug auf JHWH selbst: „JHWH Zebaoth … und er sei eurer Schrecken“.

● In Jes 17,14 geht es um einen Schrecken, den gegenüber Israel feindliche Völker „am Abend“ auslösen, die dann am Morgen jedoch verschwunden sind.

● Der prophetische Seher in Jes 21,4 wird angesichts einer militärisch-politischen Gefahr von einem Schrecken (חֲרָדָה) befallen. Das starke emotionale Überwältigtsein – ähnlich wie in Gen 27,33, aber auch auf unbestimmte Weise in Dan 10,7 im Kontext einer Vision Daniels – wird in Jes 21,4 durch ein zweimaliges Betonen des Schreckens mit zwei unterschiedlichen Ausdrücken hervorgehoben, einmal im Herzen des Sehers (Jes 21,4a פַּלָּצוּת) und einmal am Abend, der dem Seher sonst Ruhe verschafft (Jes 21,4b חֲרָדָה).

● In Jer 6,25; Jer 20,3.10; Jer 46,5; Jer 49,29 und – vermutlich in Abhängigkeit von Jer 20,10 – in Ps 31,14 findet sich die typisch jeremianische Redewendung „Schrecken ringsum“ (מָגוֹר מִסָּבִיב, Fischer, I 280f), welche sowohl in Verbindung mit einer Person (Jer 20,3.10; Ps 31,14) als auch mit einer feindlichen kriegerischen Macht (Jer 6,25; [Jer 20,4;] Jer 46,5; Jer 49,29) stehen kann.

● Nach Ez 26,16 packt die Fürsten des Meeres „Schrecken“ infolge des von JHWH (angedrohten) Untergangs von → Tyrus. Und in Ez 32,23.24.25.26.27.32 findet sich die strophenartige Redewendung: „Schrecken verbreiten im Land der Lebenden“, mit der auf Völker verwiesen wird, die einst kriegerisch mächtig waren, sich aber jetzt ohnmächtig im Totenreich (Scheol, Ez 32,21) befinden.

● Im die Heilsgeschichte rekapitulierenden Ps 105 wird in Ps 105,27-38 an die sogenannten → Plagen (eigentlich: Zeichen und Wunder, Ps 105,27) erinnert, die Gott gegen die Ägypter sandte. Diese Zeichen und Wunder bewirkten, dass die Ägypter „Schrecken“ (פַּחַד) vor Israel befällt und sie es deshalb letztlich ausziehen lassen (Ps 105,38a).

● Im Hohenlied kommt „Schrecken“ (פַּחַד) lediglich in Hhld 3,8 vor, wo er sich auf sechzig Helden / Krieger Salomos bezieht, die mit dem Schwert bewaffnet dem Schrecken der Nacht trotzen (Ps 91,5). Der Schrecken der Nacht kann hier für das unbestimmt Bedrohliche schlechthin stehen.

1.4.2. Persönliche Feinde

● In Ps 64,2 wird der Ausdruck „Schrecken“ (פַּחַד) in Bezug auf einen persönlichen Feind verwendet, vor dem Gott den Beter schützen soll. Schrecken ist hier nicht von Gott bewirkt oder veranlasst, sondern geht vom Agieren anscheinend persönlicher Feinde des Psalmisten und / oder von denen aus, die den Beter auf seinem rechten Weg zu schaden versuchen.

● In Ps 55 sieht sich der Beter einer Mehrzahl von Feinden ausgesetzt. Eine Folge davon ist, dass ihn „Schrecken des Todes“ (פַּלָּצוּת, Ps 55,5b) im Besonderen und „Schrecken“ (Ps 55,6b) im Allgemeinen überwältigen. Diese Schrecken sind nicht JHWH-bewirkt, sondern resultieren aus Bosheit und Falschheit der Gegner.

1.4.3. Seelische Ursachen

● In Ps 31,10-14 beklagt ein Beter, für seine Bekannten zu einem Schrecken geworden zu sein (Ps 31,12). Der Schrecken (פַּחַד) hat seine Ursache im Gram (Ps 31,10) und im Kummer (Ps 31,11) des Beters.

● Der Beter von Ps 91,5 muss sich vor den „vor dem Schrecken der Nacht“ nicht fürchten. So unbestimmt diese Aussage letztlich ist, so diffus und beklemmend können nach volkstümlicher Meinung auch die Schrecken (פַּחַד) der Nacht sein. In Erzählungen vieler Völker ist nicht selten besonders die Stunde vor Mitternacht die Stunde der bösen Geister, wie es die Mittagsstunde (Ps 91,5b) ebenfalls sein kann (vgl. Weiser, 401). Ebenso ließe sich an nächtliche plötzliche Überfälle denken (vgl. Hhld 3,8).

● In einer Klage Hiobs findet sich der Ausdruck „Schrecken“ mit Verweis darauf, dass ihm das Leben gegeben worden ist (Hi 3,1-26). Diese Klage endet unter anderem mit der Aussage, dass Hiob einen Schrecken fürchtete (inneres Objekt), und zwar in dem Sinne, dass das, was er befürchte, auch eintraf (Hi 3,25). Somit wird prima facie seine Furcht oder auch Angst zu einer Art von Selbsterfüllungsprophetie (self-fulfilling prophecy). Woher der Schrecken kommt bzw. worin er seine Ursache hat, bleibt letztlich unbestimmt.

● Im Abschnitt Hi 15,20-35, Teil einer Rede des → Eliphas, wird das Erleben des Frevlers aus schriftgelehrt-weisheitlicher Perspektive beschrieben. Ein Kennzeichen ist, dass das Leben des Frevlers in einer ständigen Qual verläuft (Hi 15,20). Dazu gehört, dass er, selbst wenn Frieden herrscht, „die Stimme von Schrecken“ vernimmt (Hi 15,21). Dass es sich hierbei um kriegerische Auseinandersetzungen und / oder entsprechende Wirren handeln kann (vgl. Jes 24,18), legt Hi 15,22b nahe. Denn der Frevler ist für das Schwert bestimmt. Dem widerspricht Hiob an anderer Stelle insofern, als er die Beobachtung referiert, dass die Frevler durchaus ohne einen Schrecken in Frieden leben (Hi 21,9). Der fehlende Schrecken lässt sich als eine für gottesfürchtige Menschen wahrnehmbare, einstweilig ausbleibende Strafe Gottes deuten. Dies kann irritieren (vgl. Spr 1,33). In Hi 22,6-9 wirft Eliphas wiederum Hiob schwere Vergehen (gegen die Werke der Barmherzigkeit) vor, als deren Folge, ähnlich wie in Hi 15,21 formuliert, das Leben des Frevlers, jetzt konkret bezogen auf Hiob, immer wieder von einem plötzlichem Schrecken durchängstigt ist (Hi 22,10). Schrecken wird hier – aus psychologischer Sicht – gedeutet als Tatstrafe für massive begangene Verfehlungen gegen die Mitmenschlichkeit.

2. „Schrecken“ in den deuterokanonischen Schriften

Im Textcorpus der deuterokanonischen Schriften (→ Tobit, → Judit, 1 und 2 Makkabäer [→ Makkabäerbücher], → Weisheit Salomos, → Jesus Sirach, → Baruch; → Apokryphen), einschließlich sogenannter deuterokanonischer Zusätze bzw. Erweiterungen bei → Ester und → Daniel, und unter Hinzuziehung von 3 und 4 Makkabäer ist der Ausdruck „Schrecken“ ähnlich vielfältig in Synonymen anzutreffen wie in der Hebräischen Bibel. Hierbei ist ebenso selbstverständlich der Kontext dafür ausschlaggebend, ob das jeweilige Nomen die Bedeutung „Furcht“ oder „Schrecken“ besitzt, wobei Ermessensspielräume und Grauzonen bleiben.

Der Terminus Schrecken (ὁ φόβος) ist in den deuterokanonischen Schriften bzw. Textanteilen insgesamt 72-mal bezeugt (3-mal Judit; 4-mal 1Makk; 3-mal 2Makk; 5-mal Weisheit; 31-mal Sirach; 1/2-mal Baruch/Brief Jeremias; 3-mal Zusätze in Ester; 2-mal Zusätze in Daniel; Textgrundlage: Edition Rahlfs; Concordance Septuagint).

2.1. Schrecken im Kontext militärischen Geschehens. Vor allem im Umfeld militärischer Ereignisse und / oder mit direktem Bezug darauf ist ὁ φόβος im Sinne von Schrecken an folgenden Stellen verwendet Jdt 2,21-28 (Feldzug des Holofernes); Jdt 14,3; Jdt 15,1-2 (Kriegslist der judäischen Bewohner von Baitylua); 1Makk 7,18 (hinterhältiges Vorgehen); 1Makk 10,8; 2Makk 12,22; Weish 18,17, vgl. zudem 1Makk 3,25; 2Makk 11,25; 2Makk 12,22; 2Makk 15,23.

2.2. Schrecken für die Frevler. Schrecken wird den Frevlern allgemein zuteil, da diese sich von Gott und seinen Weisungen abwenden bzw. abgewandt haben oder sich gegen Gottes Willen stellen (Weish 4,20; Weish 5,2; Weish 7,6; Weish 17,11-12.14).

2.3. Todes-Schrecken. Sir 9,13 (Lutherbibel: Sir 9,18) erteilt den Ratschlag, einen Menschen zu meiden, der Macht zum Töten hat, damit man nicht ständig argwöhnisch gegenüber der Todesfurcht leben muss. Historisch gesehen waren „Mordserien“ und entsprechende „Brutalitäten“, die plötzlich über die Betroffenen hereinbrachen, bei den Ptolemäern anscheinend nichts Ungewöhnliches (Marböck, 147).

2.4. Gottesschrecken.

● In Sir 33,1 (Ziegler; LXX.D) / Sir 36,1 (Rahlfs; Lutherbibel: Sir 36,1-2) wird Gott in einem Gebet darum ersucht, seinen Schrecken (τὸν φόβον σου) auf alle Völker zu werfen, damit diese unter anderem erkennen, dass es keinen anderen Gott gebe (Sir 33,5 [Ziegler; LXX.D]; Sir 36,4 [Rahlfs; Lutherbibel: Sir 36,5]).

● In einem ähnlichen Kontext wird über → Mose im „Lob der Väter“ (Sir 45,1-5) gesagt, dass Gott diesen groß gemacht habe durch Schreckenstaten gegen die Feinde (Eberharter, 145; Ryssel, 452). Mit diesen Schreckenstaten werden die meist als Plagen (Ex 9,14; Ex 11,1) umschriebenen „Zeichen“ (vgl. Ex 7,3; Ex 10,2; Sir 45,3) charakterisiert, worauf sich anscheinend auch Dtn 4,34 bezieht.

● Im Sinne eines Gottesschreckens lassen sich auch 3Makk 2,23 und 4Makk 4,10 deuten. In 3Makk beabsichtigt König Ptolemaios, den Tempel zu betreten (3Makk 1,10). Dieses Vorhaben ruft heftige Abwehrreaktion seitens der Juden in Jerusalem hervor, die sich in Gebeten an Gott wenden. Gott erhört ihre Gebete, indem er ein Strafgericht gegen Ptolemaios sendet (3Makk 2,21-22). Seine Begleiter ziehen Ptolemaios daraufhin aus dem Tempelbereich heraus, nachdem sie selbst von „übermäßigen Schrecken“ erfüllt werden (3Makk 2,23). Dieser Schrecken ist Reaktion seitens der Begleiter auf die körperliche Veränderung (Krämpfe, Lähmung) des Ptolemaios beim Betreten des Tempelbereiches.

● Der Fall eines unerlaubten Betretens des Tempels liegt ebenfalls in 4Makk 4,1-14 vor. Näherhin geht es darum, dass ein gewisser Apollonios, Statthalter von Syrien, Phoinikien und Kilikien vermeintlich widerrechtlich im Schatzhaus des Tempels von Jerusalem deponierte private Gelder aus diesem für den König Seleukos entwenden will. Beim Betreten des Tempels erscheinen Engel auf Pferden mit Waffen und jagen Apollonios „Schrecken“ ein. Dieser Schrecken ist von Gott bewirkt (vgl. 1Makk 3,25; 2Makk 3,17; 2Makk 13,16; 2Makk 15,23; 3Makk 6,17.18-19).

● Hingegen ist in der Einleitung des sogenannten → Briefs des Jeremia, der sich als eine polemische Schrift gegen den Kult in Babylon versteht, in EpJer 3 (Bar 6,3) und EpJer 4 (Bar 6,4) von gemachten Göttern die Rede, die den Völkern Schrecken / Furcht (φόβος) einjagen und wovon sich die nach Babylon deportierten Judäer nicht anstecken lassen sollen. Der griechische Terminus lässt sich hier mit „Schrecken“ und ebenso mit „Furcht“ wiedergeben, zumindest oszilliert er zwischen diesen Bedeutungen. Unabhängig von der polemisch vorgetragenen theologischen Position des Verfasser(kreises) des EpJer, wäre auch hier „Schrecken“ ein für eine Gottheit wesentliches Attribut.

3. „Schrecken“ im Neuen Testament – eine Hinführung

3.1. Schrecken angesichts der Auferstehung

Mk 16,1-8 berichtet vom Gang der drei Frauen Maria Magdalena, Maria, der Mutter des Jakobus, und der Salome zum Grab Jesu. Als sie am Grab angekommen sind, den Stein weggerollt haben und im Grab selbst einen jungen Mann in einem weißen Gewand sitzen sehen, erschrecken sie. Der junge Mann reagiert darauf mit dem Ermutigungsruf: „Erschreckt nicht!“ Nachdem er den Frauen von der Auferweckung Jesu des Gekreuzigten erzählt und ihnen aufgetragen hat, dies den Jüngern und dem Petrus zu mitzuteilen, verlassen die Frauen fliehend den Ort, und zwar mit „Schrecken“ (τρόμος) und „Entsetzen“ (ἔκστασις). Dieser Schrecken ist höchst ambivalent. Von Freude bzw. einem heilsamen Schrecken ist zumindest nicht die Rede, vielmehr davon, dass die Frauen sich fürchteten und niemanden von dem, was ihnen widerfahren ist, erzählten, obwohl es ihnen aufgetragen ist. „Schrecken“ steht hier für Erschrecken, für Fassungslosigkeit, aber auch für Schock. In der synoptischen Vergleichsstelle in Mt 28,8 wird zwar noch von „Schrecken“ (φόβος) gesprochen, aber diesem ist bereits die Wendung „große Freude“ (χαρά μεγάλη) als Interpretament beigestellt worden. Diesbezüglich lässt sich Mt 28,8 auch mit den religionsphilosophischen und religionspsychologischen Begriffen mysterium tremendum und mysterium fascinosum umschreiben. Bemerkenswert ist, dass Lukas und Johannes an den vergleichbaren synoptischen Stellen beim Weggehen der Frauen vom Grab Jesu weder von „Schrecken“ noch von „Freude“ sprechen.

3.2. „Schrecken“ im lukanischen Werk

Lk 4,31-37 berichtet vom Synagogenbesuch Jesu in Kafarnaum. Während dieses Besuches kommt es zu einer Konfrontation mit einem von einem Dämon besessenen Mann. Nachdem Jesus den Mann von dem Dämon befreit hat, werden die dabei Anwesenden von einem Schrecken erfasst (θάμβος, Lk 4,36). Dieser Schrecken basiert auf der Wortwirkmächtigkeit Jesu und ist eine Folge seines wundertätigen Handelns. Das hierbei verwendete Wort für Schrecken (θάμβος) ist ein Terminus, der im Neuen Testament nur im lukanischen Werk bezeugt ist.

● In Lk 5,9 ist im Zusammenhang des großen Fischfangs vor dem Hintergrund der Berufung der ersten Jünger ebenfalls von Schrecken (θάμβος) die Rede. Dieser rührt von dem plötzlichen, unerwarteten und überwältigenden Fischfang her, der zweifellos mit Jesus in Verbindung zu bringen ist.

Apg 3,1-10 erzählt von einer ungewöhnlich, wundervollen Heilung eines von Geburt an Gelähmten durch Petrus und Johannes im Namen Jesu Christi, des Nazoräers. Die Reaktion darauf ist ähnlich wie in Lk 4,36: Die Anwesenden werden von „Schrecken“ (θάμβος) und „Entsetzen“ (ἔκστασις) gepackt. Auch hier ist Schrecken eine Reaktion auf ein nicht für möglich gehaltenes Wunderhandeln, und zwar im Namen Jesu.

3.3. „Schrecken“ in Paulusbriefen

● Röm 13 handelt, modern gesprochen, von staatlicher Gewalt und wie man sich ihr gegenüber zu verhalten habe. In diesem Zusammenhang wird in Röm 13,3 herausgestellt, dass die Inhaber der Staatsmacht ein „Schrecken“ (φόβος) für sogenannte böse Taten sind. Schrecken lässt sich hier im Sinne von „Abschrecken“ von bösen Taten, aber auch im Sinne von Bestrafen böser Taten verstehen. Von daher spricht Paulus positiv über einen Schrecken einer staatlich nicht-jüdischen bzw. nicht-christlichen Macht. „Schrecken“ trägt hier in Verbindung mit einer staatlichen Autorität keine numinosen Züge. Der Staat ist Erreger des ordnungspolitischen Schreckens.

● In 2Kor 5,11 ist vom „Schrecken des Herrn“ (ὁ φόβος τοῦ κυρίου) die Rede, von dem Paulus sagt, dass er diesen kenne. Die Elberfelder Bibel (nichtrevidierte und revidierte Fassung) übersetzt „Schrecken des Herrn“, die Einheitsübersetzung dagegen „Ehrfurcht vor dem Herrn“. Beide Übersetzungen sind möglich.

3.4. Keinen Schrecken mehr fürchten

In 1Petr 3,1-7 wird das Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Hinblick auf die Ehe thematisiert. In diesem Zusammenhang ist in 1Petr 3,6 auch von Sarra (zur Schreibweise vgl. Septuaginta-Gen 17,15) und Abraham die Rede. Den Adressaten von 1Petrus wird attestiert, dass sie nunmehr deren Kinder geworden seien. Eine Folge davon ist, dass die Angesprochenen Gutes tun und keinerlei Schrecken (mehr) fürchten sollen. Diese Aussage kann theologisch so gedeutet werden, dass dem, der ein Kind Abrahams und Sarras geworden ist, nichts mehr einen Schrecken (πτόησις) einjagen kann.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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