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Lexikon

Schnecke

Peter Riede

(erstellt: März 2010)

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© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Purpurschnecke.

An der östlichen Küste des Mittelmeeres, besonders in Phönizien, kamen in der Antike verschiedene Schneckenarten vor, aus deren Drüsensekret man den begehrten Purpur gewann (vgl. griech. φοῖνιξ phoinix „Purpur“), z.B. die Purpurschnecke (Trunculariopsis trunculus), die Herkuleskeule (Murex brandaris) sowie die Trompetenschnecke (Purpura haemastoma). Für ein Gramm dieses Farbstoffes, der einen schimmernden, dunkelrot bis dunkelvioletten Farbton (→ Farbe) ergibt, benötigte man mehrere Tausend Schnecken, was den hohen Preis von Purpur erklärt (→ Färben). Auch in Palästina fanden sich Hinweise auf diese Schneckenarten, so in Aschdod, Tell Kēsān und Tell es-Samak.

Die einzige biblische Erwähnung, Ps 58,9, bezieht sich auf Landschnecken (hebräisch שַׁבְּלוּל šabblûl, mit Dageš forte dirimens; LXX übersetzt κηρός kēros „Wachs“). Der Vers wünscht den ungerechten Göttern / Frevlern (zur Schichtung des Psalms vgl. Seybold, 57 und passim) im Stil eines Analogiezaubers bzw. einer Gebetsbeschwörung, sie sollten werden „wie die Schnecke, die zerfließend dahinzieht“ (Seybold, 59: „die im Schleim dahingeht“; anders Krawczack, 94-96, der mit Verweis auf Symmachus „Fehlgeburt“ [šaklŭl] konjiziert). Im Hintergrund steht die Erfahrung, dass Schnecken auf ihrem Weg eine Schleimspur hinterlassen, was zur Annahme führte, dass sie sich bei ihrer Fortbewegung langsam auflösen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Realencyclopädie, Stuttgart, 1893-1978
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Baethgen, F., Die Psalmen (HK II/2), Göttingen 1897, 2. Aufl., 170 zu Ps 58,9
  • Boessneck, J., Die Tierwelt des Alten Ägypten untersucht anhand kulturgeschichtlicher und zoologischer Quellen, München 1988, 145-147
  • Cansdale, C., Animals of Bible Lands, Exeter 1970, 231
  • Feliks, J., The Animal World of the Bible, Tel Aviv 1962, 137
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel 1, Zürich 1984, 171-173
  • Keller, O., Die antike Tierwelt II, Leipzig 1909, 519-544, bes. 523
  • Krawczack, P., „Es gibt einen Gott, der Richter ist auf Erden!“ (Ps 58,12) (BBB 132), Berlin 2001
  • Landsberger, B., Die Fauna des alten Mesopotamien nach der 14. Tafel der Serie CHAR-RA = CHUBULLU (ASAW 42/6), Leipzig 1934, 139f
  • Møller-Christensen, V. / Jordt Jørgensen, K.E., Biblisches Tierlexikon (Bibel – Kirche – Gemeinde 4), Konstanz 1969, 201-207
  • Pinney, R., The Animals of the Bible, Philadelphia / New York 1964, 193f
  • Seybold, K., Psalm LVIII. Ein Lösungsversuch, VT 30 (1980), 53-66
  • Wright, D.P., Blown away like a Bramble. The Dynamics of Analogy in Psalm 58, RB 103 (1996), 213-236, bes. 227 mit Anm. 37 (Lit.)
  • Wünsche, A., Die Bildersprache des Alten Testaments. Ein Beitrag zur ästhetischen Würdigung des poetischen Schrifttums im Alten Testament, Leipzig 1906, 100

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Purpurschnecke. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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