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Lexikon

Schmuck (AT)

Sabine Kersken

(erstellt: Nov. 2011)

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1. Der Einfluss der benachbarten Hochkulturen

Schmuck wird im antiken Israel von Frauen und Männern getragen. Seine Gestaltung orientiert sich immer an den Völkern, die die Mode der Zeit bestimmt haben.

1.1. Schmuck nach ägyptischem Vorbild

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Siegelring in der Form eines ägyptischen Skarabäus.

Ägyptische Motive sind vor allem die geflügelte → Sonne, → Uräus und Skarabäus. Auch Darstellungen von Gottheiten bzw. deren Symbole sind auf Kopf-, Hals-, Finger- oder Armschmuck angebracht oder / und werden als → Amulett mit schützender oder apotropäischer Kraft verwendet. Besonders in der späteren Eisenzeit ahmen Schmuckstücke ägyptische Formen und Motive nach.

1.2. Schmuck nach mesopotamischem Vorbild

Assyrische Männer und Frauen sind immer mit Arm- und Fußschmuck, seltener mit Haar- oder Halsschmuck dargestellt. Diese Schmuckstücke sind verziert mit Darstellungen von Tieren, die das Leben des Menschen bedrohen: Schlangen und Löwen. Schlangenabbildungen finden sich z.B. in Form von geringelten Schlangenkörpern als Oberarmreifen, die sich mehrfach um den Bizeps winden (s.u. 3.4.1.), oder als Endstück eines offenen Ringes, der um Hand- und Fußgelenk gelegt ist (s.u. 3.4.2.).

Im Zweistromland spielt der Astralkult eine besonders Rolle. In der Zeit des Babylonischen Exils lernen die Hebräerinnen und Hebräer diese neue Einflüsse in Schmuckformen kennen. Herauszuheben sind die „Sönnchen“ (שְׁבִיסִים šəvîsîm; Jes 3,18; s.u. 3.2.6.) und „Möndchen“ (שַׂהֲרֹנִים śahǎrōnîm; Ri 8,21.26; Jes 3,18; s.u. 3.2.5.), Amulett-Anhänger, die sich jeder Mann und jede Frau um den Hals hängen kann.

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum

Abb. 2 Hoher Beamter mit Rosetten-Armreif steht vor Sargon II. (Chorsabad; 710-705 v. Chr.).

An floralen Elementen findet sich vor allem die achtstrahlige Rosette als Symbol der Göttin → Ischtar oder die geöffnete Blume, die sehr häufig am Unterarmschmuck zu finden ist.

Viele Motive sind in den neuzeitlichen Schmuck der Beduinenfrauen eingeflossen, wie z.B. geometrische und florale Dekore, Sterne oder Halbmonde.

1.3. Schmuck nach persischem Vorbild

Persischer Schmuck orientiert sich in seiner Gestaltung an mesopotamischen Schmuckstücken: Achtstrahlige Rosetten, vielstrahlige geöffnete Blüten, Kreise oder kreuz- oder federartig angeordnete Striche kennzeichnen die Gestaltung von Armreifen oder Kopfschmuck.

1.4. Schmuck nach hellenistischem Vorbild

Mit dem Hellenismus veränderte sich die Goldschmiedekunst im griechischen Einflussbereich. Zu den neuen Formen gehören kordelartige Ketten, die aus vielen kleinen Golddrahtschlaufen bestehen und radial angeordnet sind – die sog. loop-in-loop-Ketten (ἐμπλόκια emplokia), die vielfältig verwendet werden können: als Armband (ἐνώτιον enōtion; s.u. 3.5.1.), Halskette (κάθεμα kathema; s.u. 4.2.2.) oder Brustschmuck (κόσυμβοι kosymboi; s.u. 4.5.). Letztgenannten gibt es erstmalig in dieser Epoche.

Die Halsketten besitzen nun auch einen Ösen- oder Hakenverschluss. Diese werden jetzt vorne am Hals, in der Halskuhle liegend, getragen. Verdeckt wird der vorne liegende Verschluss der Kette oftmals durch Löwenköpfe oder den Heraklesknoten.

Der Ohrschmuck verändert sich im Vergleich zu der vorausgegangenen Zeit dahingehend, dass er schlicht gehalten, aber doch von hoher Qualität ist. Er besteht oft aus einem figürlichen Anhänger und einer kleinen Rosette, die den Haken verdeckt, mit dem er am Ohr befestigt ist.

2. Bedeutung und Herstellung von Schmuck

Schmuck war und ist im Vorderen Orient beliebt und verbreitet. Daher gibt es verschiedene Begriffe für „Schmuck“, die – genau wie in der deutschen Sprache – die Summe der verschiedenen Schmuckstücke wie Ohr-, Hals- Arm- oder Fußschmuck aus Metall bezeichnen: הָדָר hādār „Schmuck / Glanz / Herrlichkeit / Ehre“, הֶדֶר hædær „Schmuck“, הֲדָרָה hǎdārāh „Schmuck“, כָּבוֹד kāvōd „Ehre / Ruhm / Stolz / Herrlichkeit“, עֲדִי ‛ǎdî „Schmuck“ und תִּפְאָרָה tif’ārāh / תִּפְאֶרֶת tif’æræt „Schmuck / Ruhm / Ehre“. Dieser Überblick zeigt: Wer seine Gliedmaßen oder die seiner Familienangehörigen verzieren kann, der hat es zu etwas gebracht, auf das er stolz sein kann. So „schwer“ (כבד kbd > כָּבוֹד kāvōd) ein Mensch an seinen Aufgaben zu tragen hat, so groß sind seine Ehre (כָּבוֹד kāvōd) und sein Ruhm (תִּפְאָרָה tif’ārāh / תִּפְאֶרֶת tif’æræt).

2.1. Soziale und religiöse Funktion

Schmuck hat verschiedene Funktionen: Generell soll er Trägerinnen und Träger verschönern. Ein kunstvoll erstelltes Kleinod drückt aber auch ihre finanziellen Möglichkeiten und ihre gesellschaftliche Stellung aus. Die Fibel hatte praktische Gründe, diente sie doch zunächst dazu, die Kleidung eines Menschen zusammenzuhalten.

Die figürliche Gestaltung eines Schmuckstückes drückte die Hoffnung aus, dass die Eigenschaft, die dem Abgebildeten zugesprochen wurde, auf die Trägerin und den Träger übergehe; so sollen z.B. Abbildungen von → Schlangen, → Löwen oder Stieren (→ Stierbilder) der Klugheit, dem Mut und der Kraft ihrer Trägerinnen und Träger Ausdruck geben und diese wohl auch für sie evozieren. Die in Mesopotamien beliebte Rosette ziert eine Verehrerin der Himmelsgöttin → Ischtar; und wer einen Halbmond als Schmuck trägt, fühlt sich dem Mondgott (→ Mond) zugehörig.

Amulette und → Siegel wie z.B. das Udjat-Auge oder der hellenistische Herkulesknoten sollen vor bösen Einflüssen schützen. Amulette (לְחָשִׁים ləḥāšîm; als Schmuckstück nur Jes 3,20 belegt) sind kleine Objekte, die den Träger und die Trägerin durch ihre magische Kraft schützen und Böses ablenken, Gesundheit und andere Güter verleihen und ihn bzw. sie überdies ihrer magischen Kraft teilhaftig werden lassen sollen. Sie dienen der Vergewisserung von Leben und Fruchtbarkeit angesichts der Bedrohung durch Krankheit und Dürre sowie politischer und kriegerischer Auseinandersetzungen. Daher werden geflügelte Wesen als Schutzgottheiten in Siegel eingeritzt oder wird der Dämon → Bes als Beschützer von Schwangerschaft, Geburt und Kindbett am Hals getragen.

Der mondsichelförmige Halsreif (חֶלְיָה ḥæljāh; s. 3.2.4.) wurde nach Hos 2,15 im Kontext der Verehrung des Gottes → Baal getragen und ist ein Beispiel für die Verbindung von Religion und Politik: Sollte Israel nach Hos 2 nicht zu seinem Gott zurückkehren, so würden ihm Brot, Wasser, Wolle, Flachs, Getreide, Wein, Öl, Gold und Silber (also alle Elemente, die das Leben lebenswert machen) entzogen. Nach der ugaritischen Mythologie wurde Baal als Geber dieser Elemente verehrt; somit symbolisiert das bewusste Tragen des Schmuckstückes die Verehrung des Vegetationsgottes, der bei dem Wirtschaftspartner Israels und auch in Israel selbst eine große Rolle spielt (vgl. auch Ez 16,16; Ez 23,6.15).

Gold und → Edelsteine schmücken das Gewand des Hohepriesters (Ex 28). Die hochwertigen verarbeiteten Materialien weisen auf die hohe Stellung des Trägers hin. Generell kennzeichnen Schmuckstücke in der Gesellschaft sozial Höherstehende.

Auch zu anderen Gelegenheiten wird das Aussehen verändert. Dies betrifft jedoch in erster Linie die Kleidung bzw. Kleidungsschmuck wie den Gürtel (s. 3.8.2.). Im beduinischen Lebensraum ist es bis heute so, dass z.B. der Hochzeitsgürtel aus einem anderen Material als der des Alltags besteht und farblich anders gestaltet ist.

Von Schmuck als Grabbeigabe wird im Alten Testament nichts berichtet. Schmuck selbst wird im Alten Testament nicht bewertet, jedoch seine Verwendung. Im Kult ist er so selbstverständlich präsent wie der Brautschmuck bei der Brautwerbung. Wird er jedoch genutzt, um nichtisraelitische Gottheiten oder Menschen zu beeindrucken, fällt der Begriff „Buhlerei“ (Ez 16,15f.26.28f; Ez 23,5ff; Hos 2,8.13; Jer 22,24 u.ö.). Im → Hohelied wird die körperliche → Schönheit der Braut besungen, die keines Schmuckstückes bedarf (Hhld 4,1-8); die Schönheit der Körperteile der Geliebten wird mit Kleinodien verglichen (Hhld 5,11.14f), die die Schönheit der Trägerin zudem unterstreichen (Hhld 1,10; Hhld 4,9).

2.2. Materialien

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Abb. 3 Perlenkette.

Schmuckstücke wurden im antiken Israel aus Metallen (Gold, Silber, Bronze), aus Edelsteinen bzw. Halbedelsteinen und aus Alltagsgegenständen hergestellt.

2.2.1. Dekorative Steine, Muscheln oder Knochen wurden durchbohrt und aufgefädelt getragen.

2.2.2. Über Handelswege zu Land und zur See kamen → Edelsteine wie Karneol, Chrysolith, Malachit, Lapislazuli, Achat, Amethyst oder Chalcedon ins Land, die bei Ausgrabungen als Perlen und Einlegearbeiten gefunden wurden.

2.2.3. Als Bezugsquelle von → Gold wird Ophir (1Kön 9,28; 1Kön 10,11; 1Kön 22,49; 1Chr 29,4; 2Chr 8,18; 2Chr 9,10; Jes 13,12; Hi 28,16), Hawila (Gen 2,11; Gen 10,29), Ägypten (Ex 3,22; Ex 11,2; Ex 12,35), Midian (Ri 8,26), Saba (1Kön 10,2; Ps 72,15; Jes 60,6; Ez 27,22) und Tarsis (1Kön 10,22; 2Chr 9,21; Jes 60,9) genannt. Kupfer als Legierungszusatz wird von der Sinai-Halbinsel aus dem Timna-Tal geliefert.

2.3. Bearbeitung

2.3.1. Bunte Steine werden gereinigt und mit Hilfe eines härteren Steines in die gewünschte Form geschliffen. Nach dem Durchbohren können sie aufgefädelt und getragen werden.

2.3.2. Seit der Bronzezeit ist es Menschen möglich, Metalle zu verarbeiten. Mit dieser Fähigkeit entstehen die ersten „hochwertigen“ Schmuckstücke. Weil Metalle kostbar sind und z.B bei Ohrschmuck nicht zu schwer sein durfte, wurden Schmuckstücke meist aus Blech gearbeitet. Nur wenige sind aus massivem Gold, Silber oder Bronze (s. Hand- oder Fußreifen 3.5.2.).

2.3.2.1. Metall kann durch Walzen zu Blechen und durch Ziehen zu Draht geformt werden, um die Herstellung eines Schmuckstücks vorzubereiten.

Das älteste Verfahren der kalten Bearbeitung ist die Treibtechnik, die das Metall in kaltem Zustand mittels eines Hammers auf einer ebenen oder halbkugeligen Unterlage ausdünnt und dabei auch – je nach Ansatz des Hammers – in eine bestimmte, z.B. runde Form bringen kann. So entstehen z.B. Halbkugeln, von denen je zwei zu einer hohlen Kugel verlötet werden (s. 3.3.2. Tropfenförmige Ohrringe).

Wenn Metallblech von der Mitte ausgehend spiralförmig zum Rand geführt mit dem Hammer getrieben wird, kann eine Spirale entstehen, die, wenn sie nicht überdehnt wird, in ihre ursprüngliche Form zurückspringt (s. 3.5.3. Oberarmschmuck)

Beim Stanzen werden Prägestöcke mit einem vorgefertigten, spiegelbildlichen Muster vorbereitet, auf die das (kalte) Metallblech aufgelegt und in die reliefartigen Vertiefungen geschlagen wird. Beim Ziselieren wird auf der Rückseite eines Metallbleches mittels einer Punze, einem Metallstab mit gefeilter Spitze, eine Vertiefung eingehauen, das Metall also nach hinten weggedrückt; so geht kein Metall verloren. Beim Gravieren hingegen wird mit einem spitzen Grabstichel eine Furche aus dem Metall ausgehoben.

Die in hellenistischer Zeit üblich gewordenen Ketten aus Metalldraht entstehen durch Biegen feiner Metallringe, die ineinander geflochten werden (s. loop-in-loop-Ketten beim hellenistischen Hals- und Brustschmuck – auch Arm- oder Fußkettchen konnte so entstehen).

2.3.2.2. Die Fähigkeit, Metall in heißem Zustand zu gestalten, eröffnet ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten. Der Schmelzpunkt von Gold liegt bei 1063°C, der von Silber bei 960°C. Je mehr andere Metalle beigemischt sind, desto niedriger liegt der Siedepunkt. Reines Gold ist jedoch so weich, dass es auch kalt bearbeitet werden kann. Um es härter und damit haltbarer zu machen, muss es legiert werden.

Das Gussverfahren ist die älteste Technik: größere Mengen heißen Metalls werden in eine Form, die in Sandboden eingelassen oder aus einer Sepiaschale herausgeschnitten ist, gegossen. Beim später aufgekommenen Löten befestigt der Goldschmied dauerhaft dünne Metallstreifen auf einer Unterlage. Verziert werden kann ein Kleinod durch das Granulierungen, dem Aufschmelzen kleiner Metallkugeln auf einer Unterlage (s. den tropfenförmigen Ohrschmuck aus Phönizien (Abb. 7), aber auch durch Intarsien (Einlegearbeiten): geschliffene und polierte Schmucksteine werden in vorgeformte Fassungen geklebt.

Die im antiken Israel gefundenen Schmuckstücke blicken also auf eine lange, intensive und ideenreiche Schmuck- und Handwerksgeschichte zurück.

3. Schmuck in vorhellenistischer Zeit

3.1. Kopfschmuck

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 4 Kopfschmuck eines assyrischen Kriegers.

Der Haarreif (עֲטֶרֶת ‛ǎṭæræt; 2Sam 12,30; Jes 28,1.3.5; Jes 62,3; Jer 13,18; Ez 16,12; Ez 21,31; Ez 23,42; Ps 21,4; Hi 19,9; Hi 31,36; Spr 4,9; Spr 12,4; Spr 14,24; Spr 16,31; Spr 17,6; Hhld 3,11; Klgl 5,16; Est 8,15; 1Chr 20,2; → Krone) ist ein Kranz, der auf den Kopf aufgelegt wird und einen solch großen Durchmesser hat, dass er den Kopf der Trägerin bzw. des Trägers auf Stirn- und Ohrhöhe und damit die ihn bedeckenden Haare umfasst. In der Regel ist der Haarreif aus Metall oder Stoff hergestellt.

3.2. Halsschmuck

3.2.1. „Haus am Hals“. Der nur in Jes 3,20 belegte Ausdruck בֵּת הַנֶּפֶשׁ bet ha-næfæš bedeutet wörtlich übersetzt „Haus der Seele“ oder „Haus des Wohlgeruches / Duftes“, doch kann נֶפֶשׁ næfæš auch „Schlund / Rachen / Kehle“ bedeuten. Gemeint ist sehr wahrscheinlich ein ägyptisch beeinflusster hausförmiger Kettenanhänger. Da er am Hals getragen wurde, kann man den Ausdruck auch mit „Haus am Hals“ übersetzen.

3.2.2. Collier. Das Collier (רְעָלָה rə‛ālāh; Jes 3,19) ist eine Halskette aus auf Fäden gezogenen Perlen und wird locker um den Hals gelegt.

3.2.3. Halskragen. Der Halskragen (רָבִיד rāvîd; Gen 41,42; Ez 16,11) ist flexibel hergestellt. Perlen, Metallplättchen und Distanzstücken werden auf Fäden gezogenen, die im Nacken (ähnlich dem ägyptischen Halskragen) durch ein Band gehalten werden. Als Gegengewicht zum Gewicht des Halskragens über der Brust wird hinten eine Troddel oder Quaste angebracht.

3.2.4. Halsreif. Der Halsreif (חֶלְיָה ḥæljāh; Hos 2,15) ist eine steife Form des Halsschmucks und hat die Form einer Mondsichel. Er ist dem ägyptischen Pektoral nachempfunden.

3.2.5. Möndchen. Die „Möndchen“ (שַׂהֲרֹנִים śahǎrōnîm; Ri 8,21.26; Jes 3,18) sind neben den „Sönnchen“ häufig vorkommende mondsichelförmige Schmuckstücke, die als Anhänger an einer Halskette getragen werden. Der auch im mesopotamischen Bereich verehrte Mondgott Chonsu, der ursprünglich in Ägypten beheimatet ist (→ Chons), wird mit einer Mondscheibe auf dem Kopf dargestellt, die von Hörnern umfasst ist. Diese Darstellung ist vergleichbar mit der Himmelsgöttin → Hathor, die mit der Sonnenscheibe abgebildet wird.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 5 Sitzende Figur mit „Möndchen“ (spätbronzezeitliches Stelenheiligtum in Hazor).

Eine im Stelenheiligtum von → Hazor gefundene Figurine der Späten Bronzezeit, um deren Hals zwischen langen Haarsträngen eine zweischnurige Kette mit einem mondsichelförmigen Anhänger erkennbar ist, belegt, dass Monde schon früh als Anhänger von Halsketten benutzt worden sind. Auf der Figurine sind die Mondsicheln nach unten gebogen (→ Mond).

Aus: O. Keel / C. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg u.a. 5. Aufl. 2001, 258a; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 6 Stempelsiegel mit „Sönnchen“ (Samaria; Eisenzeit II).

3.2.6. Sönnchen. „Sönnchen“ (שְׁבִיסִים šəvîsîm; Jes 3,18) sind in der Ikonographie des Vorderen Orients Darstellungen der → Sonne. Sie sind seit der Mittleren Bronzezeit II B und der Späten Bronzezeit verstärkt auf vielen Siegeln, die als Anhänger um den Hals getragen werden, nachweisbar. Seit dem 8. Jh. v. Chr. erscheinen zunächst im Nordreich Israel, später auch im Südreich Juda zunehmend Darstellungen von geflügelten Schutzwesen, die auf den ägyptischen Traditionsbereich zurückgehen. In besonderer Weise ist hier der in der Glyptik der Eisenzeit II B häufig vorkommende zwei- oder vierflügelige Skarabäus zu nennen, der eine Sonnenkugel, die Metapher für die aufsteigende Sonne, vor sich herschiebt. Ähnlich häufig wird die geflügelte Sonnenscheibe dargestellt.

3.3. Ohrschmuck

3.3.1. Ohr-Ring. נֶזֶם næzæm (Gen 24,22.30; Gen 35,4; Ex 32,2f.22; Ri 8,24-26; Hos 2,15; Hi 42,11; Spr 25,12) bezeichnet zunächst nur einen dünnen, ringförmig gebogenen Draht. In Spr 25,12 wird durch einen Zusatz präzisiert, dass dieses Schmuckstück am Ohr getragen wird.

Aus: Kersken, 196; © Sabine Kersken

Abb. 7 Goldene Ohrhänger aus Phönizien (5./4. Jh. v. Chr.).

3.3.2. Tropfenförmige Ohrringe. Tropfen-Ohrringe (נְטִיפוֹת nəṭîfôt; Ri 8,26; Jes 3,19) haben ihren Namen von נטף „tropfen / träufeln“. Fundstücke aus Israel / Palästina zeigen, dass es sich hier in erster Linie um Ohrschmuck handelt, der aus einem Drahtring besteht, an dessen Unterseite eine oder mehrere tropfenförmige Perlen oder das noch heiße Gold in mehreren Tropfen an den Ring angebracht ist.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 8 Typischer Ohrschmuck der Eisenzeit II.

3.3.3. Mondsichelförmiger Ohrschmuck. Ebenfalls am Ohr getragen wird ein als חֲלִי ḥǎlî bezeichnetes Schmuckstück (Spr 25,12; Hhld 7,2), das eine ovale bis runde Form hat, so dass eine weibliche Hüfte mit ihm verglichen werden kann (Hhld 7,2). Die Anmut der Hüftbewegung z.B. beim Bauchtanz wird den Künstler inspiriert haben. Die Form lässt vermuten, dass sie außen um die Ohrmuschel angelegt wurde (Spr 25,12).

3.3.4. Mondsichel- oder kahnförmiger Ohrschmuck. עֲגִיל ‛ăgîl (Num 31,50; Ez 16,12) bezeichnet ein mondsichel- oder kahnförmiges, fast schon scheibenförmiges breiteres Goldblech, das mittels eines Stiftes am Ohrläppchen befestigt wird, also ausschließlich als Ohrschmuck getragen wird. Funde aus der Eisenzeit II belegen diese Art des Ohrschmuckes, der in achämenidischer Zeit sehr verbreitet ist und in der mesopotamischen Tradition steht.

3.4. Nasenschmuck

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 9 Figur mit Nasenring.

Der נֶזֶם næzæm kann auch als Nasenring getragen werden. In Gen 24,47 wird ein Brautgeschenk an Rebekka als הַנֶּזֶם עַל־אַפָּהּ ha-næzæm ‛al-’appāh „Ring an ihrer Nase“ bezeichnet. Spr 11,22 weist auf einen Nasenring. Ausdrücklich als Nasenring erwähnt ist der נֶזֶם næzæm in Jes 3,21 und Ez 16,12.

3.5. Armschmuck

© Sabine Kersken

Abb. 10 Armband (Susa; 6. Jh. v. Chr.).

3.5.1. Armband. Die flexible Variante des Armschmucks ist der צָמִיד ṣāmîd (Gen 24,22.30.47; Num 31,50; Ez 16,11; Ez 23,42). Perlen, Metallplättchen oder andere Gegenstände sind mittels eines Fadens zu einem Armband zusammengefügt. Mehrere Perlenschnüre können auch mit Hilfe von Distanzstücken zu einem breiteren Armband zusammengesetzt werden.

Aus: Kersken, 103; © Sabine Kersken

Abb. 11 Armreif mit Löwenköpfen (Chorsabad; Fassade des Thronsaals Sargons II.; 8. Jh. v. Chr.).

3.5.2. Armreif. אֶצְעָדָה ’æṣ‛ādāh (Num 31,50; 2Sam 1,10) bezeichnet einen massiven Reifen, der das Handgelenk umschließt, mit überlappenden oder kunstvoll ausgearbeiteten Enden wie Löwenköpfen oder Rosetten. 2Sam 1,10 berichtet von diesem Schmuckstück, das am Arm getragen wird. Während der Exilszeit sind Motive wie Rosette (das Symbol der Göttin → Ischtar), Löwenkopf und das im Zweistromland weit verbreitete Schilf beliebte Motive. Möglich ist auch eine Aneinanderreihung mehrerer Rosetten.

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum

Abb. 12 Oberarmschmuck eines hohen Beamten vor Sargon II. (Chorsabad; 710-705 v. Chr.).

3.5.3. Oberarmschmuck. שֵׁיר šêr (Jes 3,19) meint einen spiralförmig um den Oberarm gelegten Reifen, der im assyrischen Herrschaftsgebiet sehr verbreitet ist. Er wird unterhalb des Ärmelansatzes auf Höhe von Bizeps und Trizeps zwei Mal um den Oberarm geringelt und von Männern wie von Frauen getragen.

3.6. Handschmuck

3.6.1. Ring. נֶזֶם næzæm (Gen 24,22.30.47; Gen 35,4; Ex 32,2f.22; Ri 8,24-26; Jes 3,21; Ez 16,12; Hos 2,15; Hi 42,11; Spr 11,22; Spr 25,12.) kann als „Ring“ sowohl an Ohr (s.o. 2.3.4.) und Nase (s.o. 2.4.), aber auch als נֶזֶם זָהָב næzæm zāhāv „goldener Ring“ (Gen 24,22.30; Ex 35,22: Ri 8,24-26; Hos 2,15; Hi 42,11; Spr 11,22; Spr 25,12) als Fingerring getragen werden. In Gen 24 übergibt → Elieser, Abrahams Knecht, → Rebekka u.a. einen goldenen Ring (נֶזֶם זָהָב næzæm zāhāv) als Brautgeschenk.

3.6.2. Siegelring. Am Finger wird der Siegelring (טַבַּעַת ṭabba‛at; Gen 41,42; Ex 25,12.14f.26f.29; Ex 26,24; Ex 27,4.7; Ex 28,14.23.26-28; Ex 30,4; Ex 35,22; Ex 36,29.34; Ex 37,5.14; Ex 38,7; Ex 39,17.21; Num 31,50; Jes 3,20; Est 3,10.12; Est 8,2.8.10) getragen, der nicht nur eine schmückende Funktion hat, sondern auch wegen seines eingravierten Emblems eine funktionelle Bedeutung hat, nämlich zu siegeln.

3.7. Fußschmuck

3.7.1. Fußband. עֶכֶס ‛ækæs (Jes 3,18; Spr 7,22) bezeichnet ein auf Schnüre gezogenes, aus Perlen bestehendes Band, das am Fußgelenk befestigt wird. Das Schmuckstück wird, wie Jes 3,18 nahelegt, mit „Sönnchen“ und „Möndchen“ verziert. Diese Anhänger schlagen bei jeder Fußbewegung aneinander und rufen einen klirrenden Ton hervor.

3.7.2. Fußreif. Am Fuß wird das Äquivalent zu den Armreifen getragen: der Fußreif (צְעָדָה ṣə‛ādāh; Jes 3,20). Bei etlichen in Israel / Palästina ausgegrabenen Fundstücken ist nicht klar erkennbar, ob es sich um Arm- oder Fußreifen handelt, da sie in Dicke und Gestaltung einander sehr ähneln. Da jedoch der Umfang des Fußgelenkes größer ist als der des Handgelenkes, kann vom Durchmesser auf den Trageort des Reifens geschlossen werden. Fußreifen sind bis heute bei den Beduinen in Gebrauch.

3.8. Kleiderschmuck

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 13 Drei verschiedene Typen von Fibeln, die als Vorläufer der Sicherheitsnadel Gewänder zusammenhielten.

3.8.1. Fibel. Die Fibel ist eine Spange zum Festhalten der Kleidung und somit ein Vorläufer der heutigen Brosche oder Sicherheitsnadel. Sie besteht aus einem Metalldraht, der in Bogenform gebogen und am Bogenende ein bis zwei Mal gewickelt wurde. Zunächst blieb dieser Ansteckschmuck offen, später mündete die Nadelspitze in einer schaufelförmigen Verdickung am Gegenende des Bogens. Eine Veränderung erfuhrt die Fibel bei der Einarbeitung eines Scharnies anstelle der Windung. Je nach Trägerin bzw. Träger ist die Fibel verziert. Im antiken Israel wurde sie vor allem aus Bronze hergestellt.

3.8.2. Gürtel. Gürtel gehörten im antiken Israel zur Grundbekleidung eines Menschen. Ein Gürtel (חֲגוֹרָה ḥǎgôrāh) wird um die Hüften gelegt bzw. das Gewand durch den Gurt gezogen (Ex 12,11; 2Kön 4,29; 2Kön 9,1 u.ö.). An ihm wird das Schwert befestigt (1Sam 18,4; 2Sam 18,11; 2Kön 3,21). In Jes 3,20 gehören Gürtel zur Brautausstattung. Bis ins heutige beduinische Leben spielt der Gürtel eine bedeutsame Rollen, denn an seiner Gestaltung (und damit auch einer anderen Benennung) lässt sich die soziale Stellung besonders der Trägerin ablesen. Bildlich können im Alten Testament Gerechtigkeit und Treue (Jes 11,5), Freude (Ps 65,13), aber auch Fluch (Ps 109,18f) als Gürtel eines Menschen bezeichnet werden, um eine enge Verbindung auszudrücken.

4. Schmuck in hellenistischer Zeit

Aus: Deppert-Lippitz, 141; © Barbara Deppert-Lippitz

Abb. 14 Stephanos (Arethusa mit Haarkranz auf einer Dekadrachme; um 470 v. Chr.).

4.1. Kopfschmuck

Der Kopfschmuck (στέφανος stephanos; LXX: 2Sam 12,30; Jes 28,3.5; 62,3; Jer 13,18; Ez 16,12; Ez 21,31; Ez 23,42; Sach 6,14; Ps 20,4; Ps 64,12; Hi 19,9; Hi 31,36; Spr 1,9; Spr 4,9; Spr 12,4; Spr 14,24; Spr 16,31; Spr 17,6; Klgl 5,16; Est 8,15; 1Chr 20,2) ist das am häufigsten erwähnte Schmuckstück. Im 4. / 3. Jh. v. Chr. wurde er bei Kulthandlungen, Prozessionen, Festen, als Auszeichnung oder Siegespreis oder als Weihgabe an Götter getragen. In der Antike bringt der Bekränzte durch das Tragen dieses Kopfschmuckes seine Zugehörigkeit zu einer Gottheit zum Ausdruck.

Nach 1Makk 4,57 schmückt ein Kopfschmuck bei der Wiedereinweihung des Tempels dessen Vorderseite: Gott dokumentiert dadurch seinen Anspruch gegenüber seinem Volk. Der Kranz ist also auch als Zeichen der Herrschaft und des Schutzes zu verstehen.

4.2. Halsschmuck

4.2.1. Halskragen. Der Halskragen (κλοιός kloios; LXX: Gen 41,42; Dtn 28,48; Ri 8,26; 1Kön 12,4.9-11.14.24; Jer 34,2; Jer 35,10.12f; Hab 2,6; Spr 1,9; 1Chr 18,7; Sir 6,24 [Lutherbibel: Sir 6,25]) ist ein Herrschaftssymbol. Nach Gen 41,42 legt der Pharao Josef als Zeichen seiner neuen Würde als Wesir einen goldenen Halskragen (κλοιον χρυσουν) um den Hals. Anders als bei dem im hebräischen Text verwendeten Begriff רָבֵיד rāvîd (s.o. 2.2.3.) schwingt bei dem griechischen eine negative Konnotation mit: Das, was der Mensch um den Hals trägt, kann für ihn selbst und für seine Mitmenschen bedrückende, unterdrückende Folgen haben: Ein Amt hat seine Würde, aber auch seine Verpflichtung, in die Untergebene z.B. durch Zuarbeit oder Abgaben eingebunden werden (Dtn 28,48; 1Kön 12,4.10f.14.24). Mahnungen und Lehren können einen Menschen weiterbringen (Spr 1,9), ihn aber auch hemmen, eigene Erfahrungen und Entdeckungen zu machen. Dahinter stehen Erfahrungen, die Menschen mit κλοιός-Trägern gemacht haben; Trägerinnen werden in der LXX nicht erwähnt.

4.2.2. Halskette. Die Halskette (κάθεμα kathema; LXX: Jes 3,19; Ez 16,11) ist eine locker um den Hals liegende, hängende Kette, die aus aufgefädelten Perlen besteht. Ihr Pendant hat sie im hebräischen רְעָלָה rə‛ālāh „Collier“ (s.o. 2.2.2.).

Aus: Deppert-Lippitz, S. 253; © Barbara Deppert-Lippitz

Abb. 15 Meniskos (Kette mit halbmondförmigem Anhänger; Damaskus; 2./1. Jh. v. Chr.).

4.2.3. Halbmondförmiger Kettenanhänger. Ein μηνίσκος mēniskos (LXX: Ri 8,21.26; Jes 3,18) entspricht nach Jes 3,18 hebräisch שַׂהֲרוֹן śahǎrôn. Der μηνίσκος mēniskos bezeichnet ein „halbmondförmiges Schmuckstück“. Im Orient blickt dieses Kleinod auf eine lange Tradition zurück. Durch phönizischen Handel hat es sich in der griechischen Welt verbreitet. In der hellenistischen Welt war der halbmondförmige Anhänger als Amulett sehr geschätzt.

4.3. Ohrschmuck

4.3.1. Radförmiger Ohrschmuck. Der Begriff τροχίσκος trochiskos (LXX: Ez 16,12) ist von τροχός trochos „Rad“ abzuleiten und gibt hebräisch עֲגִיל ‛ăgîl wörtlich wieder (s.o. 2.3.3.). Dieses radförmige Schmuckstück wird am Ohr getragen.

4.3.2. Ring am Ohr. Da ein Ring vielseitig verwendbar ist, kann das Enotion (ἐνώτιον enōtion „Ring“; Gen 24,22.30.47; Gen 35,4; Ex 32,2f; Ex 35,22; Ri 8,24-26; Jes 3,20; Ez 16,12; Hos 2,15; Spr 11,22; Spr 25,12; Jdt 10,4) am Finger (s.o. 3.6.1.), am Ohr (Gen 35,4; Ex 32,2f; Spr 25,12) und an der Nase (s.u. 4.4.) getragen werden.

4.4. Nasenschmuck

In LXX-Ez 16,12 ist dieser Ring (s.o. 4.3.2. ἐνώτιον enōtion) durch die Apposition „durch dein Nasenloch“ (περὶ τὸν μυκτῆρά σου peri ton myktēra sou) eindeutig als Nasenring identifiziert (wie schon im hebr. Text נֶזֶם עַל־אַפֵּךְ „Ring auf deiner Nase“).

4.5. Brustschmuck

Aus: Deppert-Lippitz, 215; © Barbara Deppert-Lippitz

Abb. 16 Kosymbos (Brustschmuck mit Heraklesknoten; 1. Hälfte des 3. Jh.s v. Chr.).

Im Hellenismus gibt es die neue Schmuckform des Brustschmuckes (κόσυμβοι kosymboi; LXX: Ex 28,29; Jes 3,18; vgl. Ex 28,4). Bei diesen Schmuckstücken sind zwei Kettenenden an den Schultern befestigt, die beiden anderen führen zur Taille. Das zentrale Ornament, der Heraklesknoten, liegt dadurch mitten auf der Brust.

Der griechische Begriff wird immer zusammen mit dem χιτών chitōn erwähnt, der im Hellenismus unterhalb der Brust gegürtet wird, so dass Schultern und Arme frei bleiben. Zudem wird κόσυμβοι kosymboi immer pluralisch verwendet, d.h. dieser Schmuck besteht aus mehreren Teilen. Er ist als Abwandlung der Gürtung zu verstehen.

4.6. Armschmuck

Aus: Deppert-Lippitz, 233; © Barbara Deppert-Lippitz

Abb. 17 Chlidon (goldener Armreif mit Wildziegenköpfen; frühes 3. Jh. v. Chr.).

4.6.1. Armreif. Der Chlidon (χλιδῶν chlidōn; LXX: Num 31,50; 2Sam 1,10; 2Sam 8,7; Jes 3,20; Jdt 10,4; Sir 21,21 [Lutherbibel: Sir 21,23]) ist ein Armreifen zum Überstreifen mit überlappenden oder kunstvoll ausgearbeiteten Enden in Gestalt von Tierkopfarmreifen und Schlangenarmbändern. Die Tierkopfarmreifen bestehen häufig aus miteinander verdrehten Golddrähten oder Goldblechstreifen, an deren Enden die Tierköpfe aufgesetzt sind.

4.6.2. Armreif mit Scharnier. Das ψέλιον pselion (LXX: Gen 24,22.30.47; Num 31,50; Jes 3,20; Ez 16,11; Ez 23,42; Jdt 10,4) ist ein typischer Armschmuck der hellenistischen Zeit. Es ist ein breites metallenes, starres Band, das mittels eines Scharniers zu öffnen ist. Das Band selbst ist kunstvoll mit filigranen Ornamenten verziert.

Aus: Deppert-Lippitz, 270; © Barbara Deppert-Lippitz

Abb. 18 Pselion (goldener Armreif mit Efeuranke; ca. 220-130 v. Chr.).

4.6.3. Oberarmschmuck. περιδέξιον peridexion (LXX: Ex 35,22; Num 31,50; Jes 3,20, lateinisch dextrocherium) bezeichnet Schmuck am rechten Oberarm. In der Regel wird an beiden Armen gleiche Reife getragen.

4.7. Handschmuck

Aus: Deppert-Lippitz, 283; © Barbara Deppert-Lippitz

Abb. 19 Daktylion (Goldring mit granulierter Fassung und Heraklesknoten; 2. Jh. v. Chr.).

4.7.1. Fingerring. Der Fingerring (δακτύλιον daktylion; LXX: Gen 38,18.25; Gen 41,42; Ex 25,12.14f.26f; Ex 26,29; Ex 27,4.7; Ex 30,4; Ex 35,22; Ex 36,23f.26ff; Ex 38,3.10.18.24; Num 31,50; Ri 10,4; Jes 3,20; Est 3,10; Est 8,2; Dan 6,18) aus der hochhellenistischen Epoche weist eine recht ausgefallene Gestaltungsvielfalt aus. In vielen Fällen ist der Ring auf der Unterseite zu einem Heraklesknoten geschlungen. Die Oberseite ist mit farbig emaillierten Blüten, Blättern, Rosetten oder Vögeln verziert. Oder sie ziert ein truhenartiger Aufsatz oder ein eingefasster Stein. Die Fingerringe dieser Zeit sind sehr vielfältig in Form und Beschaffenheit.

4.7.2. Fingerreif. ἐνώτιον enōtion „Ring“ (LXX: Gen 24,22.30.47; Gen 35,4; Ex 32,2f; Ex 35,22; Ri 8,24-26; Jes 3,20; Ez 16,12; Hos 2,15; Spr 11,22; Spr 25,12; Jdt 10,4) bezeichnet, wie hebräisch נֶזֶם næzæm, den einfachen Ring, der am Finger (aber auch am Ohr s.o. 3.2.1. und an der Nase s.o. 3.4.) getragen wird.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Siegelring in der Form eines ägyptischen Skarabäus. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 2 Hoher Beamter mit Rosetten-Armreif steht vor Sargon II. (Chorsabad; 710-705 v. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum
  • Abb. 3 Perlenkette. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 4 Kopfschmuck eines assyrischen Kriegers. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 5 Sitzende Figur mit „Möndchen“ (spätbronzezeitliches Stelenheiligtum in Hazor). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 6 Stempelsiegel mit „Sönnchen“ (Samaria; Eisenzeit II). Aus: O. Keel / C. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg u.a. 5. Aufl. 2001, 258a; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 7 Goldene Ohrhänger aus Phönizien (5./4. Jh. v. Chr.). Aus: Kersken, 196; © Sabine Kersken
  • Abb. 8 Typischer Ohrschmuck der Eisenzeit II. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 9 Figur mit Nasenring. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 10 Armband (Susa; 6. Jh. v. Chr.). © Sabine Kersken
  • Abb. 11 Armreif mit Löwenköpfen (Chorsabad; Fassade des Thronsaals Sargons II.; 8. Jh. v. Chr.). Aus: Kersken, 103; © Sabine Kersken
  • Abb. 12 Oberarmschmuck eines hohen Beamten vor Sargon II. (Chorsabad; 710-705 v. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum
  • Abb. 13 Drei verschiedene Typen von Fibeln, die als Vorläufer der Sicherheitsnadel Gewänder zusammenhielten. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 14 Stephanos (Arethusa mit Haarkranz auf einer Dekadrachme; um 470 v. Chr.). Aus: Deppert-Lippitz, 141; © Barbara Deppert-Lippitz
  • Abb. 15 Meniskos (Kette mit halbmondförmigem Anhänger; Damaskus; 2./1. Jh. v. Chr.). Aus: Deppert-Lippitz, S. 253; © Barbara Deppert-Lippitz
  • Abb. 16 Kosymbos (Brustschmuck mit Heraklesknoten; 1. Hälfte des 3. Jh.s v. Chr.). Aus: Deppert-Lippitz, 215; © Barbara Deppert-Lippitz
  • Abb. 17 Chlidon (goldener Armreif mit Wildziegenköpfen; frühes 3. Jh. v. Chr.). Aus: Deppert-Lippitz, 233; © Barbara Deppert-Lippitz
  • Abb. 18 Pselion (goldener Armreif mit Efeuranke; ca. 220-130 v. Chr.). Aus: Deppert-Lippitz, 270; © Barbara Deppert-Lippitz
  • Abb. 19 Daktylion (Goldring mit granulierter Fassung und Heraklesknoten; 2. Jh. v. Chr.). Aus: Deppert-Lippitz, 283; © Barbara Deppert-Lippitz
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