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Lexikon

Saul

Siegfried Kreuzer

(erstellt: Nov. 2014)

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1. Name

Der Name Saul (שָׁאוּל šā’ûl) ist von der Wurzel שׁאל š’l „fragen / bitten“ abzuleiten und bedeutet „der Erbetene“, was ein Dankname (für die Geburt des Kindes) ist.

2. Saul in der Darstellung des Alten Testaments

2.1. Saul, der Sohn des Kisch aus dem Stamm Benjamin, war nach der Darstellung des Alten Testaments der erste König Israels. Seine Geschichte ist eng verbunden mit der Geschichte der Entstehung des Königtums in Israel (→ Königtum).

Abb. 1 Samuel salbt Saul in Rama (1Sam 10; Holbein, 16. Jh.).

Abb. 1 Samuel salbt Saul in Rama (1Sam 10; Holbein, 16. Jh.).

2.2. Die Berichte über Saul finden sich von 1Sam 9, wo Saul und seine Familie vorgestellt werden, bis hin zu 1Sam 31, wo vom Tod Sauls und seiner Söhne im Kampf gegen die → Philister sowie von seinem Begräbnis berichtet wird. Während im ersten Teil Saul, seine Familie und seine Leistungen als König im Vordergrund stehen, stehen die Erzählungen ab 1Sam 16 im Schatten der → Aufstiegsgeschichte Davids, bevor sie sich in 1Sam 28 und 1Sam 31 wieder auf Saul konzentrieren.

Abb. 2 David und Saul (1Sam 16,14-23). Saul hält den Speer in der Linken, Davids Musik scheint ihn also zu beruhigen – ein Erfolg, auf den auch die Geste des Mannes auf der Bildachse verweist. Mit Turban (darauf Halbmond und Stern) erscheint Saul als türkischer Sultan, der in der Zeit des Künstlers – nach der türkischen Eroberung des Balkans – wohl mit friedlichen Mitteln beruhigt werden soll (Lucas van Leyden, 1509).

Abb. 2 David und Saul (1Sam 16,14-23). Saul hält den Speer in der Linken, Davids Musik scheint ihn also zu beruhigen – ein Erfolg, auf den auch die Geste des Mannes auf der Bildachse verweist. Mit Turban (darauf Halbmond und Stern) erscheint Saul als türkischer Sultan, der in der Zeit des Künstlers – nach der türkischen Eroberung des Balkans – wohl mit friedlichen Mitteln beruhigt werden soll (Lucas van Leyden, 1509).

Nachdem Israels Wunsch nach einem König vermerkt wurde (1Sam 8), beginnen die Saul-Erzählungen mit der Geschichte von Sauls Suche nach den Eselinnen seines Vaters, in deren Verlauf er dem Propheten → Samuel begegnet, der ihn (heimlich) zum König salbt (1Sam 9,1-10,16). Dem folgt die Erzählung von der Wahl eines Königs durch ein Losverfahren (→ Divination) in → Mizpa, wobei das Los auf Saul fällt. Trotz dieser Erwählung durch Gott wird aber auch von unterschiedlichen Meinungen über den neuen König berichtet (1Sam 10,17-27). Als weitere Erzählung, die zum Königtum führt, folgt die Erzählung von der Befreiung der Stadt → Jabesch in Gilead von einem Angriff der → Ammoniter. Auf den durch Boten überbrachten Hilferuf hin handelt Saul zunächst wie ein → Richter: Er ruft den israelitischen Heerbann (das israelitische Volksheer) zusammen und befreit in einer überraschenden Aktion die Stadt. Nach diesem großen Erfolg wird das Königtum Sauls in → Gilgal erneuert (1Sam 11).

Nachdem Samuel sein Richteramt in 1Sam 12 niedergelegt hat, wird die Saulgeschichte mit der Erzählung vom großen Erfolg Sauls gegen die Philister fortgesetzt, bei dem Sauls Sohn → Jonatan eine entscheidende Rolle spielt (1Sam 13-14). Diesem Bericht folgt eine summarische Aufzählung der Erfolge Sauls sowie die Nennung seiner Familienmitglieder und deren Rolle in dem noch jungen Königtum (1Sam 14,47-52). Gegenüber dieser bisher positiven Linie der Entwicklung folgt – im Zusammenhang der Erzählung über den Kriegszug gegen die räuberischen → Amalekiter – die Erzählung von der Verwerfung Sauls, weil er deren König → Agag (und auch erbeutete Tiere) verschont hatte (1Sam 15); eine ähnliche Verwerfungsgeschichte – dort aber weil Saul Opfer dargebracht hatte – gab es auch schon in 1Sam 13,7b-15b.

Abb. 3 David verschont Saul (1Sam 24,3-14; Rembrandt van Rijn; um 1657-1660).

Abb. 3 David verschont Saul (1Sam 24,3-14; Rembrandt van Rijn; um 1657-1660).

Die folgenden Erzählungen stehen bereits im Zusammenhang der David-Geschichte (→ David). Nach der Verwerfung Sauls salbt Samuel – wiederum heimlich – David zum König (1Sam 16,1-13). Nach 1Sam 16,14-23 kommt David als Musiker an den Königshof, wo er den von „einem bösen Geist von Gott“ geplagten König Saul mit seinem Harfenspiel aufheitern soll. Im Zusammenhang der Geschichte von David und → Goliat kommt es wieder zu einer (ersten) Begegnung Sauls mit David (1Sam 17). Es folgt die Erzählung von der Freundschaft zwischen David und Sauls Sohn Jonatan, neben der auch von den kämpferischen Erfolgen Davids und von der Heirat Davids mit Sauls Tochter → Michal berichtet wird (1Sam 18-20).

In dieser Phase beginnt bereits der Konflikt zwischen Saul und David, in dessen Verlauf David flieht, der aber auch dazu führt, dass Saul die Priester des Heiligtums von → Nob wegen Illoyalität töten lässt (1Sam 21-22). Nach Erzählungen über die Verfolgungen Davids durch Saul und Davids Übergang zu den Philistern (1Sam 24; 1Sam 26-27) wendet sich die Erzählung wieder Saul und dem bevorstehenden letzten Kampf mit den Philistern zu. Da Saul bei der Orakelbefragung keine Auskunft von Gott erhält, sucht er die Totenbeschwörerin von → En-Dor auf (1Sam 28).

Abb. 4 Sauls Tod in den Gilboabergen (Pieter Brueghel der Ältere; ca. 1525-1569).

Abb. 4 Sauls Tod in den Gilboabergen (Pieter Brueghel der Ältere; ca. 1525-1569).

Schließlich kommt es am Gebirge → Gilboa, am nördlichen Rand von Sauls Herrschaftsgebiet, zum Kampf mit den Philistern, den die Israeliten verlieren und in dem Saul und seine Söhne umkommen (1Sam 31,1-7.8-10; → Suizid). Nun erweisen die Jabeschiter ihrem einstigen Retter ihre Dankbarkeit: In einer nächtlichen Aktion holen sie die von den Philistern an der Stadtmauer von → Bet-Schean zur Schau gestellten Leichname Sauls und seiner Söhne und bestatten sie ehrenvoll (1Sam 31,11-13).

Abb. 5 Die Jabeschiten retten die Leichen Sauls und seiner Söhne (1Sam 31,11-13; Gustav Doré, 19. Jh.).

Abb. 5 Die Jabeschiten retten die Leichen Sauls und seiner Söhne (1Sam 31,11-13; Gustav Doré, 19. Jh.).

Zur Nachgeschichte gehört der Bericht von Davids Klagelied über Saul und Jonatan (2Sam 1,17-27) und der von der Einsetzung → Eschbaals, eines übrig gebliebenen Sohnes Sauls, in → Mahanajim (im Ostjordanland) als Nachfolger Sauls, dessen Herrschaft aber nur zwei Jahre dauerte (2Sam 2,8-10). In 2Sam 2-4 sowie in 2Sam 9 und 2Sam 21 geht es um die Nachgeschichte des Königtums und der Familie Sauls, d.h. seiner Nebenfrau → Rizpa und seiner Söhne. Von Sauls Tochter → Michal wird auch noch in 2Sam 3,13f. und 2Sam 6,16-23 berichtet.

Die genealogischen Notizen in 1Chr 8,33 und 1Chr 9,39 sowie der kurze Bericht über Saul in 1Chr 10 sind von den Erzählungen in den Samuelbüchern abhängig; ebenso die Bemerkungen in den Überschriften von Ps 52; Ps 54; Ps 57 und Ps 59.

2.3. Die ungewöhnlich lange genealogische Angabe über Saul in 1Sam 9,1f. verweist auf seine große Bedeutung und markiert zugleich einen Einschnitt im Ablauf der Geschichte Israels. Saul wird als Angehöriger des Stammes Benjamin vorgestellt. Das entspricht auch seinem Wohnort in → Gibea, nördlich von Jerusalem. In diesem Gebiet kreuzen sich eine wichtige Ost-West-Verbindung von der Mittelmeerküste nach Jericho und weiter ins Ostjordanland und der Nord-Süd verlaufende sogenannte Weg über das Gebirge.

2.4. Zur Quellenlage und ihrer Bewertung: Saul als erster israelitischer König ist bisher nur im Alten Testament und in davon abhängigen Schriften bezeugt. Das ist für Gestalten dieser frühen Zeit nicht ungewöhnlich und gilt für die meisten Personen des Alten Testaments, es führt aber immer wieder zur Frage der Historizität.

Die literarische Analyse und Bewertung der Erzählungen über Saul bieten so wie die → Samuelbücher insgesamt eine Reihe von Schwierigkeiten. Es gibt Parallelberichte wie die Berichte über die Einsetzung Sauls zum König; aber auch die Berichte von seinem Tod unterscheiden sich. Offensichtlich gab es eine längere Phase der Überlieferung und entstanden unterschiedliche Berichte. Manches mag in Analogie zu → David erzählt sein (z.B. die Salbung Sauls, aber nicht die ganze Geschichte der Suche nach den Eselinnen und der Begegnung mit einem Propheten) oder ist von der Perspektive des späteren Übergangs der Herrschaft auf David geprägt (z.B. die Verwerfungserzählungen, die Übergabe des Herrschaftsanspruchs von → Jonatan an David). Andererseits haben viele der Erzählungen offensichtlich einen alten Kern, der sehr gut in die anzunehmende historische Situation und soziologische Entwicklung Israels aber auch seiner Nachbarn passt (siehe die folgende Darstellung); außerdem gibt es manche „widerständige“ Details, die man später kaum so erfunden hätte (z.B. dass die Leichname Sauls und seiner Söhne verbrannt wurden, 1Sam 31,12). Wenn man, wie es in der Forschung derzeit sehr verbreitet ist, bestreitet, dass man in → Jerusalem im 10. Jh. Geschichten und Geschichte schreiben und aufschreiben konnte, muss man zumindest im Kern eine längere gute und in manchen Details sehr genaue mündliche Überlieferung annehmen, auch wenn die Überlieferung manche Erweiterungen und Variationen erfuhr, bevor sie die heute vorliegende literarische Gestalt erhielt.

Ein (zur Zeit der Erstellung dieses Artikels relativ neues und) für die erwähnte Problematik typisches Buch ist „The Forgotten Kingdom. The Archaeology and History of Northern Israel“ von Israel Finkelstein (2013). Finkelstein beschreibt die Geschichte des (späteren) Nordreiches, das ungefähr dem Herrschaftsgebiet Sauls entsprach. Er stellt zwar fest, dass es im 11. Jh. v. Chr. im Nordwesten von Jerusalem, also im Bereich von Gibeon und Bethel, ein dicht bewohntes und gut entwickeltes Gebiet gab, aber in der weiteren Darstellung folgt er der von ihm vertretenen späten Datierung archäologischer Befunde („low chronology“; s. dazu → Jesreel), und er zieht die alttestamentlichen Texte, aber auch andere Quellen sehr selektiv und willkürlich heran.

In Bezug auf Saul nimmt Finkelstein an, dass Saul ein größeres Gebiet im Bergland beherrschte, und zwar vom Gebiet um Gibeon aus, aber er behauptet, dass die philistäischen Städte zu schwach gewesen seien, um Stützpunkte im Bergland (s.u. 3.1) unterhalten zu haben und auch um gegen Saul in die Ebene Jesreel und zum Gebirge Gilboa zu ziehen (1Sam 31). Vielmehr könne das nur der ägyptische Pharao → Scheschonq gewesen sein, der um 930 v. Chr. einen Kriegszug nach Kanaan unternahm, und zwar weil den Ägyptern (!) die Israeliten im Bergland unter Saul zu stark geworden seien. Als dann die alten Erzählungen aufgeschrieben wurden, sei Ägypten längst vergangen gewesen (!) und man habe die Ereignisse irrtümlich den Philistern zugeschrieben (S. 60-61). – Mit dieser extrem willkürlichen Argumentation wird Saul mit dem in den ägyptischen Quellen gut bezeugten (und im Alten Testament auf das 5. Jahr Rehabeams, des Sohnes Salomos datierten) Kriegszug Scheschonqs in Verbindung gebracht, also um ca. 80 Jahre herabdatiert, und damit hat Finkelstein wieder die von ihm vertretene „low chronology“ erreicht. – Dagegen ist zu sagen: 1) Die Philister (und andere Gruppen der Seevölker) waren um 1200 v. Chr. hunderte Kilometer weit gezogen, und den Ägyptern war es in einer großen Schlacht nur mit Mühe gelungen, sie aufzuhalten. Warum sollten sie im 11. Jh. nicht in der Lage gewesen sein, an der für den Handel wichtigen Ost-West-Verbindung einige Stützpunkte einzurichten? 2) Warum sollte ein philistäisches Heer nicht in der Lage sein, ca. 80 km bzw. drei Tagesmärsche weit in eine Schlacht zu ziehen? 3) Ist es denkbar, dass der ägyptische Pharao wegen eines kleinen Königtums im palästinischen Bergland beunruhigt ist und deswegen einen großen Kriegszug unternimmt, von dem er dann in einer großen Tempelinschrift als großem Erfolg berichtet? 4) Wie kann man behaupten, dass um ca. 600 v. Chr. (die angenommene Zeit der Verschriftung) die Ägypter längst vergangen waren („When the material was put in writing, Egypt was already long gone, yet the Philistines were a current reality”, S. 61)? Gab es jemals eine Zeit, in der man in Israel nicht wusste, wer die Ägypter sind?

3. Die Situation zur Zeit Sauls

3.1. Die Vorherrschaft der Philister

In äußerer Hinsicht war die Situation zur Zeit Sauls geprägt von der Vorherrschaft der → Philister. Die Philister waren im 12. Jh. v. Chr. in der Küstenebene sesshaft geworden und hatten im Zuge ihrer Konsolidierung und Expansion ihre Vorherrschaft in das Bergland ausgedehnt. Der markante Bericht dafür findet sich in 1Sam 4, die Schlacht von → Eben-Eser bzw. → Afek, durch die den Philistern der Weg in das Gebirge und zu dem bedeutenden Heiligtum von → Silo eröffnet wurde (das wahrscheinlich bei diesen Ereignissen um 1050 v. Chr. zerstört wurde; vgl. Jer 7,12). Die Philister kontrollierten offensichtlich das Bergland bzw. zumindest wichtige Verkehrswege wie die Ost-West-Verbindung von der Küstenebene über → Bet-Schemesch, vorbei an Jerusalem nach → Jericho und in das Ostjordanland von Stützpunkten („die Wache der Philister, die in Gibea war“, 1Sam 13,3; ähnlich 1Sam 14,4). Dieser Weg war von Bedeutung als Verkehrs- und Handelsweg in das Ostjordanland, vielleicht auch unter dem Aspekt, dass es im Ostjordanland, in der Nähe des → Jabbok, Eisenvorkommen gab. Entlang der östlichen Hälfte dieses Weges, vom Gebiet um → Gibeon, → Michmas und → Gibea bis hinunter nach Jericho, lebte der Stamm Benjamin, aus dem Saul stammte. Die Vorherrschaft der Philister zeigt sich auch im sogenannten Metallmonopol der Philister (1Sam 13,19-21).

3.2. Die Entwicklung der israelitischen Stämme und ihrer Organisation

In der sog. Richterzeit von ca. 1200-1000 v. Chr. (→ Eisenzeit I) hatten sich auch die israelitischen Stämme weiter entwickelt. Die archäologischen Surveys (→ Archäologie) zeigen, dass sich insbesondere durch Terrassierung die landwirtschaftliche Nutzfläche und damit auch die Bevölkerung im Bergland erweitert hatten. Vermutlich kam es dabei auch zu einer regionalen Anpassung und Spezialisierung, die ihrerseits zum Güteraustausch führte, wofür wiederum sichere Wege wichtig waren. Das Debora-Lied (Ri 5; → Debora) zeigt die Bedeutung der Wege und Straßen („die Wege waren verlassen, und die da auf Straßen gehen sollten, wanderten auf ungebahnten Wegen. Still war es bei den Bauern, ja still in Israel“; Ri 5,6-7), und berichtet von der auf Initiative der Richterin Debora zustande gekommenen gemeinsamen – und erfolgreichen – Aktion gegen die Vorherrschaft der kanaanäischen Städte. Die Richterin Debora war offensichtlich eine überregionale Autorität, die nicht nur individuelle oder stammesinterne Streitigkeiten entschied, sondern die auch für das Zusammenwirken der Stämme sorgte und die in der sog. Deboraschlacht ein gemeinsames Auftreten der nördlichen Stämme erreichte.

Vermutlich hatten auch die sog. → „Kleinen Richter“ die Funktion lokaler Autoritäten. Im Deboralied werden die „Gebieter Israels, die auf weißen Eselinnen reiten und die auf Teppichen sitzen“ erwähnt (Ri 5,9f.). In ähnlicher Weise wird in der Liste der Kleinen Richter (Ri 10,1-5 und Ri 12,8-15) vom Reiten auf Eselinnen sowie von zahlreichen Kindern und „diplomatischen“ Hochzeiten berichtet. Nicht zuletzt wird von einer längeren Wirksamkeit (7 bis 23 Jahre) berichtet, was ebenfalls dafür spricht, dass sich hier regionale Autoritäten entwickelten. Dagegen war die Bildung eines Kanaanäer und Israeliten umgreifenden Stadtkönigtums in Sichem durch → Abimelech (Ri 9) nur von kurzer Dauer.

Wahrscheinlich wichtig aber historisch umstritten ist die Rolle → Samuels, der mit priesterlichen und prophetischen, zum Teil auch richterlichen Akzenten dargestellt ist. Samuel könnte in der Tat eine Persönlichkeit gewesen sein, die – vor allem unter religiösem Aspekt – die nordisraelitischen Stämme vereinte und dadurch dazu beitrug, dass die Herrschaft Sauls nicht nur ein Stammeskönigtum der Benjaminiter, sondern ein Königtum über Israel wurde.

4. Die Entstehung des Königtums

4.1. Über den Beginn seines Königtums gibt es verschiedene Traditionen: Nach 1Sam 9,1-10,16 ist Saul auf der Suche nach verlorenen Eselinnen, als er dem Propheten Samuel begegnet. Dieser salbt ihn auf Befehl Gottes zum Fürsten (נָגִיד nāgîd) über Israel. Ein zweiter Bericht spricht von der Königswahl Sauls im Rahmen eines sakralen Losverfahrens am Heiligtum in → Mizpa (1Sam 10,17-27). Nach 1Sam 11 wird die Stadt → Jabesch in → Gilead von den → Ammonitern bedroht. Saul, der von dieser Situation hört, wird vom → Geist Jahwes ergriffen, er ruft den israelitischen Heerbann (→ Krieg) zusammen und es gelingt ihm, Jabesch zu befreien. Allen drei Berichten ist der Aspekt der göttlichen Legitimation gemeinsam. In der biblischen Tradition werden sie verstanden als Erstberufung, Bestätigung und Bewährung.

Historisch am besten greifbar ist die Befreiung von Jabesch in Gilead, die dann auch noch nach dem Tod Sauls und seiner Söhne in der Aktion der Jabeschiter (1Sam 31,11-13) ihr Echo findet. Dagegen sind die anderen Erzählungen weniger gut greifbar. Dass die Einführung des Königtums auch unter priesterlich-prophetischem Aspekt bestätigt wurde, ist aber sehr wahrscheinlich, wie und wann auch immer sie im Einzelnen geschah.

4.2. Mit der Herausbildung des → Königtums vollzieht sich ein Übergang von der eher lockeren Verbindung der Stämme zu einer allmählich festeren und dauernden politischen Organisation. Saul richtet → Gibea als seine Residenz ein und sammelt eine Söldnertruppe als stehendes Heer (1Sam 13,2). Das Amt des Söldnerführers besetzt er mit seinem Cousin → Abner (1Sam 14,50f.). Sein Sohn und Kronprinz → Jonatan übernimmt ähnliche Aufgaben. Für die Gottesbefragungen gab es auch das Amt eines Priesters (1Sam 14,3). Nach 1Sam 14,47-48 unternimmt Saul Kriegszüge gegen praktisch alle Nachbarn: → Moabiter, → Ammoniter, → Edomiter, → Aramäer von Zoba, → Amalekiter und schließlich → Philister. Es ist aber fraglich, wieweit seine Unternehmungen nicht nur defensiver, sondern auch offensiver Art waren.

Sauls Herrschaftsgebiet umfasste das Bergland westlich und zum Teil auch östlich des → Jordans. Die Konsolidierung dieses neuen politischen Gebildes führte zum Konflikt mit den Philistern, die von der Küstenebene her ihre Macht ausdehnten und das Bergland kontrollieren wollten. Dabei kam es zu Kämpfen im Bergland (1Sam 13f., Einnahme des philistäischen Stützpunktes in → Michmas) und schließlich zu einem großen Angriff der Philister. Diese versuchten, durch die für sie günstige Ebene Jesreel in das Kerngebiet Sauls vorzustoßen. Beim Kampf auf den Hängen des Gebirges → Gilboa fanden Saul und auch sein Sohn Jonatan den Tod.

5. Die Dauer der Herrschaft Sauls und sein Herrschaftsgebiet

5.1. Das Alte Testament bietet nur in 1Sam 13,1 eine chronologische Angabe. Nach dem hebräischen Text war Saul „der Sohn eines Jahres“ (d.h. 1 Jahr alt), als er König wurde, und regierte er 2 Jahre. Im griechischen Text fehlt die erste Angabe, die ja in der Tat unmöglich ist (moderne Übersetzungen lassen daher oft die Angabe aus und setzen nur Pünktchen). Die rabbinische Auslegung bietet eine Verlegenheitserklärung: Saul war unschuldig wie ein einjähriges Kind. Eventuell könnte man die hebräische Angabe „Saul war der Sohn eines Jahres“ in dem Sinn verstehen: „Saul war schon älter“ (so F. Stolz). Damit wäre ein gewisser zeitlicher Abstand der nun folgenden Ereignisse von den Anfängen Sauls angedeutet.

5.2. Auch die Dauer von 2 Jahren ist problematisch. Die Erzählungen von den verschiedenen Kriegszügen vermitteln den Eindruck, dass Saul doch eine längere Zeit herrschte. Zudem hat Saul bei seinem Ende erwachsene Söhne, die ebenfalls in die Schlacht ziehen. In der jüdischen Tradition nahm man ebenfalls eine längere Dauer an. Eine solche Tradition spiegelt sich im Neuen Testament in Apg 13,21, derzufolge Saul 40 Jahre regiert habe, d.h. ebenso lang wie David und Salomo.

Eine moderne Vermutung ist, dass die Angabe „2“ (hebräisch שְׁתֵּי šətê) durch Buchstabenvertauschung aus der Zahl „9“ (hebräisch תֵּשַׁע teša‘) entstanden sei (so Jepsen). Diese Annahme findet sich in vielen Zeittafeln zur Bibel (Saul: 1012-1004 v. Chr.). Allerdings ist auch das nur eine Vermutung. Es erscheint jedoch wahrscheinlich, dass Saul ca. 10 bis 20 Jahre herrschte.

Da es schwer zu erklären ist, dass die Zahl „2“ erst nachträglich entstand (auch nicht als Verwechslung mit 20, weil im Hebräischen die Wörter für 2 und 20 ganz verschieden sind), ist anzunehmen, dass sie ursprünglich ist (so → M. Noth), dass sie sich aber nicht auf die gesamte Dauer des Königtums bezieht, sondern auf die folgenden Ereignisse des Kampfes gegen die Philister (Sam 13-14) bis zum Tod Sauls (1Sam 31) (so S. Kreuzer).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 6 Karte zum Herrschaftsgebiet Sauls.

5.3. Das Herrschaftsgebiet Sauls umfasste das mittelpalästinische Bergland und Teile des nördlichen Ostjordanlandes (die östliche Hälfte des Stammes Manasse und das Gebirge → Gilead bzw. das Gebiet zwischen dem → Jarmuk und dem → Jabbok). Trotz der umfassenden Angabe von 2Sam 2,9 gehörte Galiläa wahrscheinlich nicht zu Sauls Herrschaftsgebiet. Auch Juda war nicht von Saul beherrscht, auch wenn er, etwa bei der Verfolgung Davids (1Sam 23.24.25) oder im Kampf gegen die Amalekiter (1Sam 15,7), dorthin Vorstöße unternommen haben wird.

6. Die Ursache für die Entstehung des Königtums

In den Erzählungen über Saul (und David) nimmt der Kampf gegen die Philister einen großen Raum ein. Es sind dies vor allem die Erzählungen über den von Jonatan begonnen Krieg gegen die Philister in 1Sam 13-14 und die Schlacht auf dem Gebirge Gilboa in 1Sam 31, bei der Saul und seine Söhne umkamen. Dazwischen ist vor allem die Auseinandersetzung bei → Aseka von Bedeutung, bei der allerdings David und → Goliat im Mittelpunkt stehen (1Sam 17). Auch der Spruch „Saul hat tausend geschlagen, David zehntausend“ rühmt vor allem David.

Am markantesten ist die Bemerkung in 1Sam 14,52: „Es war aber der Krieg gegen die Philister schwer, solange Saul lebte. Und wo Saul einen tapferen und rüstigen Mann sah, den nahm er in seinen Dienst.“ Diese Aussage wird oft als eine Aussage über die gesamte Zeit Sauls verstanden. Auf diesem Verständnis beruht dann auch die übliche Annahme, dass das Königtum Sauls auf Grund der Vorherrschaft und zur Abwehr der Philister entstand. Exemplarisch dafür ist die entsprechende Feststellung in der „Geschichte des Volkes Israel“ von Herbert Donner: „wenn ... aber ... die Bildung eines israelitischen Nationalstaates nicht mit Notwendigkeit aus den Lebensformen der vorstaatlichen Stämme erwuchs, dann müssen äußere Zwänge wirksam geworden sein. ... Das ist der Fall, und in diesem Sinne ist das erste israelitische Staatswesen in der Tat ein Notprodukt gewesen ... Die Bedrohung kam von den Philistern“ (197; → Staat).

Allerdings ist es merkwürdig, dass trotzdem Saul die ganze Zeit in der Nähe der Wachposten der Philister gelebt haben soll. Daher wurde sogar vermutet (z.B. von D. Edelmann), dass die Befreiung von Jabesch in Gilead (1Sam 11) erst nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Philister (1Sam 13f.) stattgefunden haben könnte, weil sonst Saul nicht so weit von seinem Heimatort hätte weggehen können.

7. Situation und Entwicklung der Herrschaft Sauls

Es ist tatsächlich auffallend, dass Saul seine Residenz in Gibea, ganz in der südwestlichen Ecke seines Herrschaftsgebietes hatte. Das war zwar nicht weit von → Mizpa, dem Wohnort Samuels, vor allem aber war es in unmittelbarer Nähe der Philister und ihrer Wachposten. Hätte Saul in dauerndem Konflikt mit den Philistern gestanden, hätte er seine Residenz in einem entfernteren und geschützten Bereich haben müssen.

Zwischenbemerkung zur Lage von Gibea: Die genaue Lokalisierung von Gibea ist umstritten. Meistens wird → Gibea mit Tell el-Fūl ([Tell el-Ful]; Koordinaten: 1719.1367; N 31° 49' 22'', E 35° 13' 53'') identifiziert. Dort fand man auch die Reste eines größeren Gebäudes aus der Zeit um 1000 v. Chr., was zu Sauls Königtum passen würde. Allerdings könnte es sich auch um ein Gebäude der Philister handeln. Gibea bedeutet – so wie auch Geba und Gibeon – eigentlich „Anhöhe“ – eine Ortsbezeichnung, die offensichtlich öfter vorkam. Zur näheren Kennzeichnung sprechen die Texte vom „Gibea Sauls“ (1Sam 11,4; 1Sam 15,34) oder von Gibea in Benjamin (1Sam 13,2.15.16; 1Sam 14,16).

Andere identifizieren das Gibea Sauls mit → Geba (Ǧeba‘; Koordinaten: 1749.1405; N 31° 51' 27'', E 35° 15' 34'') oder mit → Gibeon (el-Ǧīb; Koordinaten: 1676.1396; N 31° 50' 52'', E 35° 11' 10") (wo es auch ein wichtiges Heiligtum gab, Jos 9; 1Kön 3,4), was aber weniger wahrscheinlich erscheint. Für die Frage von Sauls Königtum macht das aber keinen großen Unterschied, weil alle diese Orte nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind und an der oben erwähnten wichtigen Ost-West-Verbindung liegen.

Die Nachricht vom Metallmonopol der Philister (1Sam 13,19-21) zeigt ebenfalls eine Abhängigkeit der Israeliten, besagt aber auch, dass die Israeliten zu den Philistern gingen, um die Geräte schärfen zu lassen. Das wäre in einem dauernden Krieg kaum möglich gewesen.

Die Berichte von der Einsetzung Sauls beziehen sich nicht auf die Philister und selbst die kritische Frage in 1Sam 10,27 „Was kann uns der schon helfen?“ ist allgemein formuliert und erwähnt nicht die Philister. Bei der unmittelbar folgenden „Hilfe“, nämlich der Rettung der Stadt Jabesch vor dem Angriff der Ammoniter, geht es ebenfalls nicht um einen Kampf gegen die Philister, sondern um einen Konflikt im Ostjordanland.

So ist es sehr wahrscheinlich, dass zunächst und für längere Zeit das Verhältnis zwischen Saul und den Philistern ein friedliches war. Saul war Anführer und König Israels, wobei er die Israeliten gegen Angriffe wie in Jabesch und gegen räuberische Überfälle (z.B. durch die Amalekiter; vgl. 1Sam 15) schützte, wohl aber auch für Ordnung im Inneren sorgte. Saul tat das praktisch unter den Augen der philistäischen Wachposten. Seine Schutz- und Ordnungsfunktion war offensichtlich auch von den Philistern akzeptiert.

Unter der Herrschaft Sauls entwickelte sich Israel sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch im Sinn einer stärkeren Einheit der Stämme untereinander. Saul sammelte auch ein stehendes Heer, das zum Teil unter seinem Befehl und zum Teil unter dem Befehl seines Sohnes Jonatan stand (1Sam 13,2). Diese Truppe – auch wenn sie vielleicht kleiner war (vgl. 1Sam 13,15) – brauchte einen Heerführer (→ Abner, ein Cousin von Saul) und Versorgung, was eine gewisse Verwaltung erforderlich machte.

Diese Entwicklung Israels machte vielleicht die Philister misstrauisch, sodass sie ihre Kontrollen verstärkten, und andererseits wurde wohl auch die alte Abhängigkeit von den Philistern als nicht mehr angemessen empfunden. Es ist wohl nicht zufällig, dass nach 1Sam 13,3 eigentlich nicht Saul, sondern Jonatan, der Kronprinz, es war, der den Kampf gegen die Philister begann, der sich dann zum Krieg entwickelte.

Nach 1Sam 13-14 gelang es Saul und den Israeliten, die Philister zu besiegen und aus dem Bergland zu vertreiben. Wenn man von den zwei Jahren in 1Sam 13,1 ausgehen kann, hätten die Philister im folgenden Jahr nicht mit einzelnen Kämpfen im Bergland, sondern mit einer großen Offensive durch die Ebene Jesreel und von Norden her geantwortet. Bei der Schlacht am Gebirge Gilboa starben Saul und seine Söhne (1Sam 31).

Während die Philister die Leichname Sauls und seiner Söhne in → Bet-Schean an der Stadtmauer zur Schau stellten, erwiesen die Jabeschiter ihrem seinerzeitigen Retter einen letzten Dank, holten die Leichname und bestatteten sie ehrenvoll (1Sam 31,11-13).

8. Nachgeschichte und Nachwirkung

Trotz der schlimmen Niederlage hatte das Königtum Sauls eine Nachgeschichte. Offensichtlich hatte Abner, Sauls Heerführer, den Kampf überlebt. Er setzte → Eschbaal (so der ursprüngliche Name, vgl. 1Chr 9,39; in den Samuelbüchern ist der Name zwecks Vermeidung von „baal“ [→ Baal] zu Esch-Boschet geändert), einen der Söhne Sauls in → Mahanajim im Ostjordanland, also in sicherer Entfernung von den Philistern, zum König ein (2Sam 8f.). Dass das geschah, zeigt, dass das Königtum und auch Saul als König in Israel Anerkennung gefunden hatten und dass man es als selbstverständlich betrachtete, dass ein Sohn zum Nachfolger wurde.

Allerdings dauerte diese Herrschaft nur zwei Jahre (2Sam 2,10). Dann wurde Eschbaal ermordet und die Nordstämme gingen – wieder unter der Führung Abners – zu David über, so dass dann David auch König über das später so genannte Nordreich war (2Sam 5,1-5).

Auch wenn Saul und seine Söhne im Kampf gegen die Philister das Leben verloren und durch den Übergang der Herrschaft auf David das Könighaus Sauls endete, so hatte seine Herrschaft wohl doch erheblich zur wirtschaftlichen und militärischen Entwicklung Israels und auch zur Akzeptanz des Königtums beigetragen. David konnte auf diesen Entwicklungen aufbauen.

9. Bewertung Sauls in der Tradition

Schon die Erzählungen über Saul in den Samuelbüchern sind – ähnlich wie dann auch die Darstellung → Davids und → Salomos – in eine positive Anfangsphase und eine problematische spätere Phase geteilt. Dieses Schema ist in der Saulgeschichte insofern verstärkt, als es zugleich um den späteren Übergang der Herrschaft auf David geht. Dieser Übergang wird begründet mit der Verwerfung Sauls, die in zwei Versionen erzählt wird (1Sam 13,7-15; 1Sam 15,7ff.), außerdem prägt er die Erzählungen von Davids Freundschaft mit Jonatan, der David sogar seine Rangabzeichen als Thronfolger übergeben haben soll (1Sam 18-20), und die Erzählungen von Davids Großmut (gegenüber dem ihn verfolgenden Saul).

In den → Chronikbüchern, die ganz auf David und Jerusalem konzentriert sind, wird Saul erwähnt, wenn auch nur mit der Geschichte seines Untergangs (1Sam 10).

Trotzdem wird Saul in der jüdischen Tradition überwiegend positiv gesehen. → Josephus beschreibt ihn nach dem Idealbild eines hellenistischen Helden und Herrschers, wobei auch seine negativen Seiten erwähnt werden, und zwar unter dem Aspekt der Tragik und auch der Warnung vor den Gefahren der Macht.

In der rabbinischen Literatur werden zwar auch die negativen Seiten genannt, sie werden aber insgesamt von Sauls Tugenden weit übertroffen. So wird er gelobt, weil er – anders als David – nur eine Frau hatte. Weil er in der Entscheidungsschlacht gegen die Philister seinem Tod nicht auswich, sondern sein Geschick als Strafe Gottes mutig annahm, wurden ihm seine Sünden vergeben und lobt ihn Gott vor allen Engeln.

So überrascht es nicht, dass der Name Saul durchaus verwendet wird. Josephus erwähnt mehrere Personen mit diesem Namen, u.a. einen Verwandten des Herodes Agrippa. Nicht zuletzt zeigt der Name des Apostels Saulus / Paulus, dass man im Stamm Benjamin (Phil 3,5) stolz auf König Saul war und Kinder nach ihm benannte.

Im Koran wird Saul in Sure 2,274 genannt (Text Koran), und zwar unter dem Namen Talut, was wahrscheinlich „der Große“ bedeutet und sich auf seine in 1Sam 10,23 erwähnte Körpergröße bezieht. In die koranische Darstellung Sauls sind aber auch Motive aus der David- und aus der Gideongeschichte eingeflossen.

10. Rezeption in der Kunst

Abb. 7 David spielt Harfe vor Saul (Rembrandt van Rijn; 1660 n. Chr.).

Abb. 7 David spielt Harfe vor Saul (Rembrandt van Rijn; 1660 n. Chr.).

Schon in den Wandmalereien der Synagoge von Dura Europos (3. Jh. n. Chr.) wurde Saul dargestellt, weiter in z.B. St. Ambrogio in Mailand (4. Jh. n. Chr.) und dann vor allem in mittelalterlichen Bibelhandschriften. Wiederholt dargestellt wurde Saul von Rembrandt und im 20. Jh. z.B. von Oskar Kokoschka.

Neben den auf Saul bezogenen Darstellungen kommt Saul im Zusammenhang von Darstellungen Davids als Harfenspieler vor Saul vor und außerdem bei der Totenklage Davids um Saul.

In der Literatur der Neuzeit wurde die Gestalt Sauls in verschiedenen Ländern und Sprachen vor allem unter dem Gesichtspunkt der Tragödie thematisiert (so schon bei Hans Sachs, Tragedia König Sauls; 1557). In Werken aus dem 20. Jh. wurden zunehmend auch psychologische Aspekte eingebracht (z.B. bei Rainer Maria Rilke, André Gide, Lion Feuchtwanger, Max Brod, Else Lasker-Schüler; Shin Shalom). Aber auch die mit Saul verbundenen Personen, wie Michal (Aharon Ashman), Jonatan (Arthur W. Spaulding) und Rizpa (Charles Israel, 1961) wurden thematisiert.

Musikalisch wurde die Saulthematik u.a. bei Heinrich Schütz in einem Chorwerk und ab etwa 1700 häufig in Opern und Oratorien aufgenommen.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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  • Müller, J. König Saul in Sage und Dichtung, Frankfurt am Main 1891

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Samuel salbt Saul in Rama (1Sam 10; Holbein, 16. Jh.).
  • Abb. 2 David und Saul (1Sam 16,14-23). Saul hält den Speer in der Linken, Davids Musik scheint ihn also zu beruhigen – ein Erfolg, auf den auch die Geste des Mannes auf der Bildachse verweist. Mit Turban (darauf Halbmond und Stern) erscheint Saul als türkischer Sultan, der in der Zeit des Künstlers – nach der türkischen Eroberung des Balkans – wohl mit friedlichen Mitteln beruhigt werden soll (Lucas van Leyden, 1509).
  • Abb. 3 David verschont Saul (1Sam 24,3-14; Rembrandt van Rijn; um 1657-1660).
  • Abb. 4 Sauls Tod in den Gilboabergen (Pieter Brueghel der Ältere; ca. 1525-1569).
  • Abb. 5 Die Jabeschiten retten die Leichen Sauls und seiner Söhne (1Sam 31,11-13; Gustav Doré, 19. Jh.).
  • Abb. 6 Karte zum Herrschaftsgebiet Sauls. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 7 David spielt Harfe vor Saul (Rembrandt van Rijn; 1660 n. Chr.).

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