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Lexikon

Saba

Andere Schreibweise: Sheba (engl.)

Peter Stein

(erstellt: Juli 2014)

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1. Name

Saba (sabäisch sb’, hebräisch שְׁבָא šəvā’, griechisch Σαβα Saba, s.u. 5.1.) ist zunächst der Name eines in Mārib, dem politischen Zentrum des sabäischen Reiches, ansässigen Stammes. Zugleich steht der Name für die politische Einheit eines Stammesverbandes, dem neben dem eigentlichen Saba noch weitere verwandte Stämme angehörten, die sich dem Kult des Gottes ’Almaqah verpflichtet fühlten und an deren Spitze ein König oder Mukarrib (s.u. 4.1.) stand. Die in sabäischen Inschriften bezeugte Selbstbezeichnung „Sabäer“ (sabäisch sb’y) ist aber stets auf einen Angehörigen des erwähnten Stammes bezogen; eine Identität als Angehöriger eines Staatswesens „Saba“ im modernen Sinne gibt es nicht. Die von der Wissenschaft gebrauchten Begriffe „Sabäer“, „sabäisch“ usw. zur politischen, kulturellen und sprachlichen Identifizierung sind konventionell (Gleiches gilt entsprechend für die Bezeichnungen der Nachbarstaaten der Minäer sowie von Qatabān und Ḥaḍramawt). Etymologisch steht der Name mit der sabäischen Verbalwurzel sb’ „aufbrechen, eine Reise unternehmen“ in Zusammenhang (s.u. 3.2.).

2. Quellen

Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut (DAI Ṣirwāḥ 2005-50)

Abb. 1 Ausschnitt aus dem großen Tatenbericht des Yiṯa‘’amar Watar aus Ṣirwāḥ (Ende 8. Jh. v. Chr.).

Die sabäische Geschichte und Kultur ist uns in erster Linie aus einheimischen, zeitgenössischen Inschriften bekannt. Das inschriftliche Material aus dem antiken Südarabien umfasst mehr als 10.000 Texte (davon mehr als die Hälfte in sabäischer Sprache), die einen Zeitraum von eineinhalb Jahrtausenden abdecken: vom frühen 1. Jahrtausend v. Chr. bis in die 2. Hälfte des 6. Jh.s n. Chr. Unter der Vielzahl belegter Textgattungen ragen insbesondere die Weih- oder Widmungsinschriften der mittelsabäischen Zeit hervor, deren Danksagungen ausführliche historische Berichte enthalten und eine weitgehende Rekonstruktion der politischen Geschichte der ersten drei Jahrhunderte n. Chr. ermöglichen. Für die altsabäische Zeit erfüllen die großen Tatenberichte von Herrschern des 8.-7. Jh.s v. Chr. die gleiche Funktion, während die spätsabäische Epoche vor allem durch Bauinschriften sowie in Felsen gemeißelte Feldzugsberichte dokumentiert ist.

Mit Dank an © Bayerische Staatsbibliothek München (X.BSB 61, 62 und 155); Foto P. Stein

Abb. 2 Zwei sabäische Urkunden sowie ein Brief auf Holzstäbchen aus der Stadt Naššān im Wadi al-Ǧawf. Am Schluss des Briefes (unten) ist die eigenhändige Unterschrift des Absenders zu erkennen (3.-5. Jh. n. Chr.).

Neben diesen repräsentativen Inschriften sind auch Aufzeichnungen aus dem Alltagsleben der Sabäer erhalten, darunter Wirtschaftsurkunden, Briefe und Niederschriften aus dem Kultbetrieb. Diese wurden im Unterschied zu den benachbarten Kulturen nicht auf flache Beschreibstoffe wie Leder oder Papyrus geschrieben, sondern in Holzstäbchen geritzt.

Problematisch bleibt die Datierung eines Großteils der Texte. Zwar sind aus dem antiken Südarabien gleich mehrere lokale Ären bekannt, nach denen Inschriften datiert worden sind. Doch von diesen ist nur eine, die sogenannte ḥimyarische, von größerer Relevanz, da deren Beginn im Jahre 110 v. Chr. gesichert ist und Texte der spätsabäischen Zeit regelmäßig nach dieser Ära datieren. Für die zahlreichen Inschriften der mittelsabäischen Periode des 1.-3. Jh.s n. Chr. dient vor allem die relative Chronologie der dokumentierten Könige als Gerüst. Die altsabäische Zeit hat zwei externe Synchronismen um 700 v. Chr. aufzuweisen (s.u. 3.3.2.). Für die Datierung der meisten Texte ist man allerdings auf paläographische Aspekte der Schrift angewiesen. Im Falle der Alltagskorrespondenz auf Holzstäbchen kommen auch naturwissenschaftliche Datierungsmethoden des Trägermaterials (14C- oder Radiokarbondatierung) in Betracht.

3. Geschichte

3.1. Historische und geographische Einbettung

Das Reich von Saba ist Teil eines einheitlichen Kulturraumes, der sich weitgehend mit dem Territorium der heutigen Republik Jemen deckt und von der Wissenschaft als „altsüdarabisch“ bezeichnet wird. Politisch wird das Gebiet von vier großen Regionen bestimmt, die sich jeweils durch eine gewisse ethnische Homogenität auszeichnen und in der Regel als Königreiche organisiert gewesen sind: Neben Saba sind dies die Minäer im Norden (Wadi al-Ǧawf), der östliche Nachbar Qatabān (mit Zentrum im Wadi Bayḥān und der Hauptstadt Timna‘) sowie, weitab im Osten, Ḥaḍramawt in dem gleichnamigen Wadi (mit der Hauptstadt Šabwat). Hinzu kommt der Stammesverband der Ḥimyar, der sich gegen Ende des 1. Jahrtausends v. Chr. im südjemenitischen Hochland konstituierte und ab dem ausgehenden 3. Jh. n. Chr. die Herrschaft über ganz Südarabien übernahm.

© Peter Stein

Abb. 3 Karte Südarabiens in vorislamischer Zeit. Die Verbreitungsgebiete der vier altsüdarabischen Sprachen sind farbig unterlegt: Sabäisch (rot), Minäisch (blau), Qatabanisch (grün) und Ḥaḍramitisch (violett).

Die Einheit dieses Kulturraumes zeigt sich einerseits in der Verwendung einer gemeinsamen Schrift, die ebenfalls „altsüdarabisch“ genannt wird. Andererseits weist auch die materielle Kultur, namentlich in Gestalt monumentaler Architektur und ausgeklügelter Bewässerungstechnologie, eine große Einheitlichkeit auf. Demgegenüber ist die sprachgeschichtliche Situation Südarabiens weit weniger homogen (s.u. 4.3.).

Das Territorium von Saba erstreckt sich vom zentraljemenitischen Hochland um die heutige Hauptstadt Ṣan‘ā’ (sabäisch Ṣan‘āw, bereits in mittelsabäischer Zeit eine Königsresidenz) nach Osten Richtung Mārib, der altehrwürdigen Hauptstadt, und umfasst auch Gebiete im Osten des Wadi al-Ǧawf in unmittelbarer Nachbarschaft des minäischen Siedlungsgebietes. Zum sabäischen Sprachraum werden ferner die Stammesgebiete der ’Amīr im Norden des Wadi al-Ǧawf bis nach Nagrān, der Ḥimyar im Süden des jemenitischen Hochlands und weiterer Stämme im Osten und Südosten gezählt.

3.2. Ursprung der sabäischen Kultur

Die Ursprünge der altsüdarabischen Zivilisation werden seit langem kontrovers diskutiert. Dabei geht es im Grundsatz um die Frage, ob sich diese Zivilisation von Anbeginn im Süden der Halbinsel entwickelt oder ob ein maßgeblicher kultureller Eintrag von außen stattgefunden hat. Argumente für die letztgenannte Annahme liefert zum einen die Verwurzelung des altsüdarabischen Alphabets im levantinischen Raum (→ Alphabet 3.2.). Überdies ist zumindest die sabäische Sprache linguistisch wesentlich enger mit den nordwestsemitischen Sprachen verwandt als mit den geographisch benachbarten Sprachen im Süden der Arabischen Halbinsel (s.u. 4.3.). Als mögliches Szenario wird die Migration einer kleineren Bevölkerungsgruppe, der Sabäer, erwogen, die im ausgehenden 2. Jahrtausend von Nordwesten her nach Südarabien eingewandert seien. Dort auf eine alteingesessene semitischsprachige Bevölkerung treffend, hätten die Einwanderer durch ihren Eintrag von Schrift und Architektur den Grund für die altsüdarabische Kultur gelegt. Diese neuere „Migrationshypothese“ ist in der Fachwelt freilich nicht unwidersprochen geblieben.

Die Wiege der altsüdarabischen Zivilisation liegt im Wadi al-Ǧawf, einer ausgedehnten Talebene im Norden des Jemen. Hier bildeten sich zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. auf dichtestem Raum mehrere minäische Stadtstaaten heraus. Die Koexistenz sabäischer und minäischer Inschriften von Anbeginn der Überlieferung zeugt von regem Austausch beider Bevölkerungsgruppen in der Region.

3.3. Die altsabäische Periode (ca. 10.-4. Jh. v. Chr.)

3.3.1. Die frühesten Erwähnungen von Saba (8. Jh. v. Chr.)

Die früheste Erwähnung von Saba’ in außerarabischen Quellen findet sich in einer akkadischen Inschrift vom mittleren → Euphrat aus der Mitte des 8. Jh.s v. Chr. Darin berichtet ein lokaler Statthalter vom Überfall auf eine aus Temanern (→ Tema) und Sabäern bestehende Handelskarawane. Kurze Zeit später, um 730 v. Chr., werden sabäische Tributbringer am Hofe des assyrischen Königs → Tiglatpileser III. erwähnt.

Die ältesten inschriftlichen Zeugnisse aus Südarabien selbst sind historisch wenig aussagekräftig. Neben der Hauptstadt Mārib sowie dem Wadi al-Ǧawf sind frühe sabäische Texte auch von der anderen Seite des Roten Meeres überliefert. Bereits im 9. Jh. v. Chr. siedelten sich im äußersten Norden Äthiopiens, in der Umgebung der späteren Hauptstadt Aksum (Abb. 8), Sabäer aus Mārib und Ṣirwāḥ an und assimilierten sich teilweise der einheimischen Bevölkerung. Sichtbare Zeugnisse dieser sogenannten äthio-sabäischen Kultur bilden neben den Inschriften vor allem die architektonischen Hinterlassenschaften wie der dem sabäischen Hauptgott ’Almaqah geweihte große Tempel von Yeḥa, heute das besterhaltene altsüdarabische Bauwerk überhaupt.

3.3.2. Erste Blütezeit des sabäischen Reiches um 700 v. Chr.: Yiṯa‘’amar Watar und Karib’il Watar

Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut

Abb. 4 Das Innere des ’Almaqah-Tempels in Ṣirwāḥ mit den beiden großen Inschriftensteinen (um 700 v. Chr.) nach der Freilegung und Rekonstruktion durch das Deutsche Archäologische Institut.

Als regionale Großmacht treten die Sabäer schlagartig mit zwei monumentalen Inschriften in Erscheinung, die von zwei den Mukarrib-Titel (s.u. 4.1.) führenden Herrschern im Hauptheiligtum von Ṣirwāḥ, einem bedeutenden Kultzentrum westlich von Mārib, aufgestellt worden sind. Die Herrscher mit Namen Yiṯa‘’amar Watar und Karib’il Watar berichten darin von ihren Eroberungszügen und Gebietsgewinnen, deren Radius unter Karib’il nahezu das gesamte Territorium des heutigen Jemen (mit Ausnahme des Ḥaḍramawt) umfasste. Eine vergleichbare Ausdehnung sollte das Reich erst wieder unter den ḥimyarischen Königen im 4.-6. Jh. n. Chr. erreichen (s.u. 3.5.).

Die aus ihren Texten abzulesende historische Bedeutung dieser beiden Herrscher legt es nahe, sie mit zwei gleichnamigen „sabäischen“ Königen zu identifizieren, die als Tributbringer in den Annalen der Assyrerkönige → Sargon II. bzw. → Sanherib Erwähnung finden. Der Synchronismus dieser um 715 v. Chr. bzw. 685 v. Chr. zu datierenden assyrischen Texte bildet einen der wenigen Angelpunkte der altsüdarabischen Chronologie im 1. Jahrtausend v. Chr.

3.3.3. Konkurrierende Mächte: Ma‘īn und Qatabān

Gegen Ende des 7. Jh.s v. Chr. verschoben sich die Kräfteverhältnisse im Wadi al-Ǧawf: Aus einer Konföderation minäischer Stämme entstand das Königreich von Ma‘īn, welches in der Folgezeit den internationalen Handel auf der Weihrauchstraße kontrollieren sollte, bis es gegen Ende des Jahrtausends von der historischen Bühne verschwand (s.u. 4.2.).

Gleichermaßen übernahm der östliche Nachbar Qatabān die für den Überseehandel nach Indien bedeutsame Herrschaft im Süden des Jemen und dehnte sein Territorium vermutlich bis an die Südküste des Roten Meeres aus. Die qatabanische Vorherrschaft wurde um die Zeitenwende durch Ḥaḍramawt zurückgedrängt, dessen Könige teilweise, wie zuvor diejenigen von Qatabān, den Titel Mukarrib annahmen. Im Verlaufe des 2. Jh.s n. Chr. löste sich das qatabanische Reich schließlich zwischen Ḥaḍramawt und den wieder erstarkten Sabäern endgültig auf.

3.4. Die mittelsabäische Periode (ca. 3. Jh. v. - 4. Jh. n. Chr.)

3.4.1. Niedergang Sabas und Aufstieg der Ḥimyar (ca. 3.-1. Jh. v. Chr.)

Um das 3. Jh. v. Chr. scheint die Macht der Sabäer an einen Tiefpunkt gelangt zu sein. Die sabäischen Herrscher gaben sich nicht mehr den Titel Mukarrib, sondern nannten sich fortan bloß König (mlk). Die gelegentliche Erwähnung eines „Königs von Mārib“ bzw. „von Sum‘ay“ (einem bedeutenden sabäischen Stammesverband im Hochland) deutet auf einen zeitweiligen Zerfall des Sabäerreiches in mehrere lokale Kleinstaaten hin. Das politische Gewicht verlagerte sich in das zentraljemenitische Hochland, von wo aus in den folgenden Jahrhunderten mehrere Dynastien die Herrschaft in Mārib übernahmen (Abb. 3).

Im südlichen Hochland traten im 1. Jh. v. Chr. die Ḥimyar, eine Konföderation verschiedener südjemenitischer Stämme, auf den Plan. Von seiner Hauptstadt Ẓafār aus sollte dieser Stammesverband die Geschichte der Region in den folgenden Jahrhunderten maßgeblich mitbestimmen. Eine vorübergehende Koalition zwischen den Ḥimyar und ihren sabäischen Nachbarn um die Zeitenwende war möglicherweise außenpolitisch motiviert: Im Jahre 25 v. Chr. zog der römische Präfekt von Ägypten, Aelius Gallus, mit einem Heer nach Südarabien und konnte, nach anfänglichen Erfolgen im Wadi al-Ǧawf, erst nach erfolgloser Belagerung der Sabäerhauptstadt Mārib zur Umkehr gezwungen werden.

3.4.2. „Saba’ und Ḏū-Raydān“: Sabäer und Ḥimyar im Kampf um die Vorherrschaft (1.-3. Jh. n. Chr.)

Seit dem späten 1. Jh. n. Chr. standen Sabäer und Ḥimyar einander als Konkurrenten gegenüber – im Anspruch auf die Vorherrschaft in ganz Südarabien. Dieser Vormachtanspruch findet seinen Ausdruck in der Titulatur „König von Saba’ und Ḏū-Raydān“ (mlk sb’ w-ḏ-rydn), deren erster Namensbestandteil auf das alte sabäische „Nordreich“ mit der Hauptstadt Mārib, der zweite hingegen auf den Königspalast in Ẓafār und damit das ḥimyarische „Südreich“ anspielt. Der Titel wurde zeitgleich von den Vertretern beider Herrscherhäuser geführt, wiederholte Kriege zwischen beiden Königreichen waren die Folge.

Museum Louvre Paris AO 1029 = CIH 445, lizenziert unter public domain über Wikimedia Commons; Jastrow, 2007; Zugriff 3.10.2014

Abb. 5 Sabäische Grabstele eines vermutlich aus Qaryat al-Fāw stammenden arabischen Kamelzüchters (ca. 2. Jh. n. Chr.).

Der politisch und militärisch erfolgreichste südarabische Herrscher der mittelsabäischen Zeit war der sabäische König Šā‘irum ’Awtar, der zu Beginn des 3. Jh.s Feldzüge bis nach Qaryat al-Fāw an der Ostroute der Weihrauchstraße im heutigen Saudi-Arabien sowie ins Kernland von Ḥaḍramawt unternahm. Auch gegen die Äthiopier, die sich in der westlichen Küstenebene (Tihāma) festgesetzt hatten und immer wieder in wechselnden Allianzen an den Kämpfen zwischen Saba und Ḥimyar beteiligten, war er erfolgreich (Abb. 8).

Demgegenüber nehmen sich die Errungenschaften von Šā‘irums Nachfolgern viel bescheidener aus, auch wenn wir aus ihrer Zeit die größte Dichte an überlieferten Texten besitzen. So reichte der Radius der zahlreichen Feldzüge, die ’Ilšaraḥ Yaḥḍib und sein Bruder Ya’zil Bayyin um die Mitte des 3. Jh.s gegen Ḥimyar unternahmen, nur selten über das Grenzgebiet zwischen beiden Königreichen hinaus.

3.4.3. Das Ende des alten Sabäerreiches

Die andauernden Auseinandersetzungen zwischen Saba und Ḥimyar fanden erst ein Ende, als es um 275 n. Chr. dem ḥimyarischen König Šammar Yuhar‘iš gelang, das Sabäerreich zu annektieren. Mit seiner Eroberung auch des Ḥaḍramawt gegen Ende des 3. Jh.s war der gesamte Jemen erstmals unter einer Herrschaft vereint. Das politische Zentrum des in der Folgezeit auch überregionale Bedeutung erlangenden sabäo-ḥimyarischen Reiches verlagerte sich jedoch von der alten Hauptstadt Mārib in das Hochland nach Ṣan‘ā’ und Ẓafār.

3.5. Die spätsabäische Periode (4.-6. Jh. n. Chr.)

3.5.1. Aufstieg des sabäo-ḥimyarischen Reiches zur Großmacht

Einer der außenpolitisch erfolgreichsten ḥimyarischen Könige war ’Abukarib ’As‘ad (um 400-440 n. Chr.). Ihm gelang es, den Einflussbereich Südarabiens bis in das Zentrum der Arabischen Halbinsel (die Gegend der heutigen saudischen Hauptstadt Riad) auszudehnen und durch die Einsetzung loyaler Könige über die lokalen arabischen Stämme zu befestigen.

Die Festigung der politischen Macht ging einher mit der Übernahme eines neuen religiösen Bekenntnisses. Opferten die ersten ḥimyarischen Könige nach ihrer Machtübernahme in Mārib noch den traditionellen polytheistischen Gottheiten, sind seit den achtziger Jahren des 4. Jh.s n. Chr. in ganz Südarabien nur noch Bezüge auf den ’Il(āh)ān oder Raḥmānān genannten monotheistischen Gott zu finden. Einige Indizien deuten auf einen jüdischen Hintergrund dieses Bekenntnisses hin (s.u. 4.5.2.). Es wird vermutet, dass diese religionspolitische Maßnahme der Ḥimyar als Reaktion auf den wenige Jahrzehnte zuvor stattgefundenen Übertritt des äthiopischen Königs ‘Ezana zum Christentum erfolgte.

3.5.2. Die religionspolitischen Auseinandersetzungen im frühen 6. Jh. n. Chr.

Der noch in der vor-monotheistischen Zeit wurzelnde Dauerkonflikt mit Äthiopien (s.o. 3.4.2.) erreichte zu Beginn des 6. Jh.s unter den Königen Josef ’As’ar Yaṯ’ar auf ḥimyarischer und Kaleb ’Ella ’Aṣbeḥa auf äthiopischer Seite seinen Höhepunkt. Der sich programmatisch einen alttestamentlichen Thronnamen zulegende Josef verfolgte eine dezidiert pro-jüdische Politik, um den unter seinen Vorgängern erstarkten christlichen Einfluss in Südarabien zurückzudrängen. Seine blutige Unterwerfung der christlichen Bewohner des nordjemenitischen Nagrān, die als „Märtyrer von Nagrān“ in die orientalische Kirchengeschichte eingehen sollten, rief eine Großoffensive der mit den Byzantinern verbündeten afrikanischen Nachbarn hervor. Im Jahre 525 n. Chr. setzte der äthiopische König Kaleb über das Rote Meer, schlug die Truppen Josefs und brachte Südarabien unter äthiopische Botmäßigkeit.

3.5.3. Ein christliches Nachspiel unter ’Abraha (Mitte des 6. Jh.s n. Chr.)

Mit Dank an © Paul Yule

Abb. 6 Dekoration des Palastgebäudes am Südwesthang der Burg von Ẓafār, dem politischen Zentrum der Ḥimyar (5. oder 6. Jh. n. Chr.). Es wurde eine Identifizierung des dargestellten Herrschers mit dem König ’Abraha erwogen.

Der zunächst als Statthalter im Jemen eingesetzte Äthiopier ’Abraha (um 535-565 n. Chr.) erhob sich alsbald zum Souverän, wobei er sich mit seiner Titulatur „König von Saba’ und Ḏū-Raydān, von Ḥaḍramawt und Yamanat sowie von ihren Beduinenvölkern (in) Ṭawdum und Tihāmat“ explizit in die südarabische Herrschertradition der mittel- und spätsabäischen Zeit einreihte. Im Kontrast zur Politik König Josefs förderte er das christliche Bekenntnis und ließ u.a. in Ṣan‘ā’ eine Kathedrale errichten.

Wie seine ḥimyarischen Vorgänger im 5. Jh. unternahm der König wiederholt Feldzüge nach Zentralarabien, um die dort ansässigen Stämme zu befrieden. Dabei gelangte er im Jahre 552 bis in die Gegend von Yaṯrib (Medina) und scheint auch einen Vorstoß in Richtung Mekka unternommen zu haben, worin der Hintergrund des im Koran (Sure 105; Text Koran) angesprochenen „Elefantenzuges“ gesehen werden mag. Der überwiegende Teil der Arabischen Halbinsel befand sich damit unter der Kontrolle des christlichen Herrschers aus dem Jemen, der ausweislich seiner größten hinterlassenen Inschrift Gesandtschaften der Könige von Äthiopien, Rom (= Byzanz) und Persien empfing.

Den Anlass dieser Inschrift bildete aber die Reparatur des Dammes von Mārib (s.u. 4.2. mit Abb. 9). Die permanente Instandhaltung der mittlerweile zu ausgefeilten Großbauwerken entwickelten Bewässerungsanlagen erforderte einen hohen logistischen Aufwand, der nur mit einer starken Zentralgewalt zu erbringen war, wie sie ’Abraha als letzter südarabischer Herrscher noch einmal innehatte.

3.5.4. Das Ende der altsüdarabischen Zivilisation

Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut

Abb. 7 Blick über das Ruinenfeld der sabäischen Hauptstadt Mārib; im Hintergrund die Überreste der neuzeitlichen Siedlungsanlage, die nur einen Bruchteil des antiken Stadtareals bedeckt.

Einen neuerlichen Dammbruch wohl nur kurze Zeit nach dem Ende von ’Abrahas Regierung sollte die Oase von Mārib nicht überleben. Doch darf diese punktuelle Katastrophe nur als Endpunkt eines schon länger währenden Niedergangsprozesses angesehen werden, für welchen neben den genannten sozialen auch klimatische und geomorphologische Ursachen angenommen werden. Die resultierende Verödung der einstmals fruchtbaren Oasen findet ihren Niederschlag wiederum im Koran (Sure 34,15-16; Text Koran).

Das noch wenige Jahre zuvor den Großteil der Arabischen Halbinsel beherrschende Reich löste sich offenbar in seine Stammesstrukturen auf und war fürderhin nicht mehr in der Lage, Bedrängungen von außen nennenswerten Widerstand entgegenzusetzen. So wurde das Land um 575 n. Chr. zunächst von persischen Truppen besetzt, die für einige Jahrzehnte eine Garnison installierten. Mit dem Übertritt des persischen Gouverneurs zum Islam um 630 fand die Geschichte des antiken Südarabien ihr Ende.

3.6. Zum Nachleben der sabäischen Kultur

Die Islamisierung des Jemen im 7. Jh. bedeutete jedoch nicht das unmittelbare Ende der altsüdarabischen Zivilisation. Zwar wurde mit der neuen Religion auch die arabische Sprache im Lande eingeführt, doch sollte sich das Sabäische daneben noch einige Jahrhunderte lang behaupten. Noch im Mittelalter wurde in einigen Gegenden des Jemen eine als „ḥimyaritisch“ bezeichnete, nicht-arabische Sprache gehört, und Relikte davon haben sich bis heute in Formenrepertoire und Wortschatz der jemenitisch-arabischen Dialekte erhalten.

Auch die Kontinuität in der südarabischen Stammesstruktur spricht dafür, dass die veränderte politische Situation keinen gesellschaftlichen Bruch bedeutete. Zahlreiche der noch heute bedeutsamen Stammesverbände des Landes (z.B. Bakīl, Hamdān, Ḥāšid und Ḫawlān) sind bereits in den Inschriften der vorislamischen Zeit präsent. Auch die jüdischen Stämme des neuzeitlichen Jemen, die das Land mittlerweile großenteils verlassen haben, könnten ihre Wurzeln in der jüdisch-monotheistischen Periode Südarabiens im 4.-5. Jh. n. Chr. haben.

4. Gesellschaft und Kultur

4.1. Familie, Stamm und Königtum

Die Grundlage der altsüdarabischen Gesellschaft bildete der Familienverband (Sippe, Clan; im Sabäischen zumeist mit einer Filiation benannt: bnw XY „die Angehörigen von (einer Sippe namens) XY“, vgl. hebräisch bənē XY). Mehrere Sippen waren wiederum zu einem Stamm (sabäisch š‘b) formiert, an dessen Spitze ein Stammesführer („Scheich“; sabäisch qwl bzw. qyl, eigentlich „Sprecher“) stand. Diese Anführer rekrutierten sich aus der jeweils bedeutendsten Sippe des Stammes; das Amt wurde in der Familie vererbt. Zugleich hatte die Versammlung der (freien männlichen) Stammesangehörigen (sabäisch mśwd) die legislative Gewalt in der Gemeinschaft inne. Die altsüdarabischen Stämme waren sesshaft und in dörflichen oder städtischen Siedlungen organisiert, wobei in der Regel eine Stadt einen Stamm beherbergte, der den gleichen Namen trug (z.B. Stadt und Stamm von Ṣirwāḥ).

Erst der Zusammenschluss mehrerer Stämme, wie etwa in der großen Oase von Mārib oder in den minäischen Städten des Wadi al-Ǧawf, machte die Einführung einer übergeordneten Gewalt erforderlich, um zwischen den Interessen der einzelnen Stämme und ihrer führenden Sippen zu vermitteln. Diese Funktion erfüllte der König (sabäisch mlk), dem im Verbund mit den Stammesführern die Sicherung des Gemeinwesens nach innen und außen oblag. Ob die Nachfolge auf dem Königsthron regulär durch Wahl oder durch Erbfolge bestimmt wurde, ist nicht geklärt; die zeitweilige Existenz längerer Dynastien ist immerhin in den Texten belegt.

In altsabäischer Zeit trugen die Herrscher von Saba (und teilweise auch die der Nachbarstaaten Qatabān und Ḥaḍramawt) anstelle des Königstitels die Titulatur Mukarrib (sabäisch mkrb, die Vokalisierung ist konventionell). Dieser Mukarrib wurde offenbar von der Stammesversammlung eingesetzt und scheint eine von vornherein begrenzte Amtsdauer gehabt zu haben. Jeder Mukarrib erhielt einen Thronnamen aus einem festgelegten Repertoire (z.B. Karib’il, Yiṯa‘’amar oder Ḏamar‘alī).

4.2. Grundlagen des Wirtschaftssystems

© Peter Stein

Abb. 8 Karte der Arabischen Halbinsel im Altertum mit Angabe der wichtigsten Handelsrouten.

Der Handel mit exotischen Gewürzen, vor allem aber mit dem begehrten Weihrauch bildete die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufstieg der Sabäer und ihrer Nachbarn, welcher dem Land in der Alten Welt den Ruf der Arabia felix, des „Glücklichen Arabien“, eingebracht hat. Sowohl für den Weihrauch als auch für die aus Indien eingeführten Gewürze bildeten die Sabäer jedoch nur die Zwischenhändler. Der eigentliche Weihrauch (Boswellia, hebr. לְבוֹנָה ləvônāh, griech. λίβανος libanos; → Räucherwerk) wurde in Dhofar (arabisch Ẓafār) im heutigen Grenzgebiet zwischen Jemen und Oman produziert und gemeinsam mit anderen Aromata wie → Balsam oder → Myrrhe mit → Karawanen über die Weihrauchstraße nach Norden transportiert (→ Handel / Händler). Dieser mehr als 2000 Kilometer lange Handelsweg entlang dem Westrand der Arabischen Halbinsel konnte nur mit Kamelen begangen werden, deren Domestikation in Arabien im späten 2. Jahrtausend v. Chr. mit dem Aufstieg der altsüdarabischen Kultur korreliert. Hier waren zunächst die Sabäer gemeinsam mit Händlern aus der nordarabischen Oase von → Tema unterwegs (s.o. 3.3.1., vgl. Hi 6,19). Mit dem Aufschwung des Seehandels infolge der Beherrschung der Monsunverhältnisse im Roten Meer um die Zeitenwende büßte die Weihrauchstraße einen Teil ihrer Bedeutung ein. Gleichwohl spielte der Überlandhandel noch bis in die islamische Zeit hinein eine gewisse Rolle.

Im Zuge der politischen Schwächung des Sabäerreiches im 6. Jh. v. Chr. ging das Handelsmonopol in minäische Hände über (→ Maon / Mëuniter 4. Minäer). Den von ihnen hinterlassenen Inschriften zufolge haben die Minäer nicht nur Karawanen ins Zweistromland, nach Ägypten und ans Mittelmeer geschickt, sondern an wichtigen Umschlagplätzen auch selbst Handelskontore unterhalten. Die größte derartige Ansiedlung ist die sogenannte minäische Handelskolonie in der Oase von → Dedan (al-‘Ulā) in Nordwestarabien, wo mehr als 200 minäische Inschriften gefunden worden sind. Mit dem Untergang der minäischen Kultur gegen Ende des 1. Jahrtausends v. Chr. traten zwei weitere Konkurrenten um das Handelsgeschäft in Erscheinung: die Nabatäer, welche um die Zeitenwende den gesamten Nordabschnitt der Weihrauchstraße kontrollierten, und die ebenfalls Weihrauch produzierenden Äthiopier. Die zahlreichen militärischen Konflikte mit dem afrikanischen Nachbarn (s.o. 3.4.2 und 3.5.2) dürften nicht zuletzt um die Vormachtstellung im Handel geführt worden sein, der sich zunehmend auf See verlagerte.

Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut

Abb. 9 Der Austritt des Wadi Ḏana in die Ebene von Mārib. Von dem berühmten Damm, der einst den Talausgang versperrte, sind nur noch die monumentalen Schleusenbauten an dessen Rändern erhalten. Von der Nordschleuse (rechts im Bild) zieht sich der Hauptkanal in Richtung der im Rücken des Betrachters liegenden Oase.

Der Verlauf der Weihrauchstraße in Südarabien, ausgehend von Šabwat in Ḥaḍramawt, berührte mit Timna‘ (Qatabān), Mārib (Saba) und den minäischen Städten des Wadi al-Ǧawf die Kerngebiete der vier großen Völkerschaften, die allesamt vom Durchgang der Karawanen profitierten. Die entlang dem Karawanenweg gegründeten politischen Zentren befanden sich am Ausgang großer Trockentäler zwischen dem Nordostabhang des jemenitischen Hochlandes und den Ausläufern der großen Sandwüste Rub‘ al-Ḫālī. Zur Bewässerung dieser Siedlungszentren machte man sich den zweimal jährlich im Bergland fallenden Monsunregen zunutze. Dessen durch die Wadis Richtung Wüste fließende Wassermassen wurden durch Dämme aufgefangen und mittels komplexer Bewässerungssysteme auf umliegende Felder geleitet, was den dauerhaften Anbau von Dattelpalmen, Getreide, Gemüse und Wein ermöglichte. Dadurch entstanden in eigentlich unfruchtbarem Gebiet blühende Oasen, die jeweils mehreren Tausend Menschen Lebensraum bieten konnten und weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt gewesen sind (s.o. 3.5.4.).

4.3. Sprache und Schrift, Literatur

Das Sabäische gehört sprachgeschichtlich zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachfamilie, ist also eng mit dem Hebräischen und Aramäischen verwandt (s.o. 3.2.). Die Sprachen der drei großen Nachbarvölker, Minäisch, Qatabanisch und Ḥaḍramitisch, sind demgegenüber eher im Süden der Arabischen Halbinsel beheimatet und weisen engere Bezüge zum Äthiopischen auf. Die lange Zeit übliche Zusammenfassung der vier Idiome in einer gemeinsamen Sprache „Altsüdarabisch“ (ASA, im anglophonen Raum neben „Ancient South Arabian“ gelegentlich auch „Epigraphic South Arabian“ (ESA) genannt) wird heute zunehmend kritisch hinterfragt.

Die sabäische Sprache ist über eineinhalb Jahrtausende hinweg mehr oder weniger lückenlos dokumentiert: vom frühen 1. Jahrtausend v. Chr. bis in das ausgehende 6. Jh. n. Chr. Diese lange Entwicklung schlägt sich in der bekannten sprachgeschichtlichen Periodisierung nieder: Altsabäisch (ca. 10.-4. Jh. v. Chr.), Mittelsabäisch (ca. 3. Jh. v. - 4. Jh. n. Chr.) und Spätsabäisch (4.-6. Jh. n. Chr.). Auch dialektale Differenzierungen sind auszumachen. So weist die Sprache der Inschriften aus dem Norden (Stammesverband der ’Amīr) bzw. Süden (Ḥimyar) deutliche Unterschiede zu dem von der Wissenschaft als Standard gesetzten „zentralsabäischen“ Dialekt der Gegend um Mārib und Ṣan‘ā’ auf (Abb. 3). Im Zuge der Islamisierung des Jemen im 7. Jh. n. Chr. wurde das Sabäische als Schriftsprache durch das Arabische abgelöst, bestand aber in mündlicher Tradition noch eine Zeitlang fort (s.o. 3.6.).

© P. Stein

Abb. 10 Die altsüdarabische Schrift in ihrer paläographischen Entwicklung von der alt- (aSab) zur spätsabäischen (spSab) Periode. Die drei Kolumnen zeigen jeweils links die Buchstabenformen der Monumentalschrift, rechts die der Kursiv- oder Minuskelschrift.

Die altsüdarabische Schrift stellt wie die nordwestsemitischen → Alphabete („Abgad“) eine reine Konsonantenschrift dar, die nur in wenigen Fällen (in der Regel im Wortauslaut) bestimmte Buchstaben zum Ausdruck langer Vokale verwendet (Pleneschreibung). Das altsüdarabische Alphabet umfasst 29 Konsonanten, die nach der sogenannten südsemitischen Reihenfolge (h - l - - m usw.; → Alphabet) angeordnet sind. Die Schreibrichtung ist von rechts nach links, Inschriften der altsabäischen Zeit sind oft auch boustrophedon geschrieben (Abb. 1 und 11). Der unterschiedliche Schriftgebrauch in Epigraphik und Alltagsschrifttum hat zur Herausbildung zweier Schriftformen geführt: der sogenannten „Monumentalschrift“, mit betont geometrischen Formen für repräsentative Inschriften auf Stein, Fels und Metall (Abb. 1, 11 und 14), und der kursiven „Minuskelschrift“, zum Gebrauch auf handlichen Schriftträgern aus Holz (Abb. 2).

Die schriftliche Überlieferung im Sabäischen und den anderen altsüdarabischen Sprachen ist weitestgehend auf Gebrauchsschrifttum konzentriert (s.o. 2.). Einige Gattungen wie Weih- und Kommemorativinschriften können längere narrative Passagen enthalten. Vereinzelt sind auch poetische Schöpfungen dokumentiert – in Gestalt an Gottheiten gerichteter Hymnen. Darüber hinausgehende literarische Genres, also mythologische, historiographische oder andere reflektierende Texte, sind nicht überliefert. Die systematische Bewahrung und Tradierung des kulturellen Gedächtnisses der Sabäer und ihrer Nachbarn dürfte folglich auf mündlichem Wege erfolgt sein.

4.4. Kunst und Architektur

Wie in anderen altorientalischen Kulturen steht die Entwicklung der Kunst in Südarabien in engem Zusammenhang mit praktischen Erfordernissen herrschaftlicher Selbstdarstellung und des Kultus. Als Kunstwerke anzusprechende Artefakte treten uns vor allem im Dekor repräsentativer Bauwerke wie Herrscherpaläste und Tempel sowie in Gestalt kostspieliger Votivgaben entgegen. Auch wenn man von einem eigenen Stil altsüdarabischer Kunst sprechen kann, sind in allen historischen Epochen Einflüsse aus den Nachbarkulturen deutlich zu erkennen. So finden sich beispielsweise in altsabäischer Zeit oft Darstellungen mesopotamischer oder levantinischer Motive wie geflügelter Mischwesen (Abb. 14), während die mittelsabäische Epoche mit hellenisierenden Bronzefiguren aufwarten kann (Abb. 12), die teils zusammen mit entsprechenden Importwaren aus dem Mittelmeerraum gefunden worden sind.

Museum Louvre Paris, DAO 18 = RES 4226, lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons; Jastrow, 2007; Zugriff 3.10.2014

Abb. 11 Altsabäische Weihinschrift in Relief auf einer mit Steinbockdekor verzierten Stele (um 700 v. Chr.).

Ein wesentliches Kennzeichnen des südarabischen Kunststils sind stark geometrisierende Ornamente, die neben floralen Elementen immer wieder mit Tiermotiven arbeiten. Zierfriese mit dutzendfach wiederholten, stets einheitlich ausgerichteten Steinbockleibern oder Steinbockköpfen gehören zu den Charakteristika des Bauschmucks in altsabäischer Zeit (Abb. 11), und auch später stellt der Steinbock, dem die südarabischen Könige regelmäßig in rituellen Jagden nachstellten, zusammen mit dem ebenfalls kultisch bedeutsamen Stier eines der wichtigsten Motive des Kunsthandwerks dar.

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 127409

Abb. 12 Bronzeskulptur eines Männerkopfes aus Ġaymān (ca. 2. Jh. n. Chr.).

Skulpturen wurden für repräsentative Zwecke, etwa als Weihgaben im Tempel oder als Zierrat vornehmer Paläste, oft aus Bronze gegossen und haben sich deshalb nur im Ausnahmefall erhalten. Weitaus zahlreicher überliefert sind steinerne Bildnisse, vor allem Grabstelen mit einem Abbild des Verstorbenen (Abb. 5), deren Ausführung die gesamte Bandbreite von handwerklich hervorragend bis dilettantisch oberflächlich umfasst. Die Produktion solcher Artefakte war offensichtlich nicht an zunftartige Standards gebunden.

Mit Dank an © N. Nebes

Abb. 13 Der Bar’ān genannte Tempel des ’Almaqah in der Oase von Mārib nach der Rekonstruktion durch das Deutsche Archäologische Institut.

Bekannt ist der antike Jemen vor allem für seine Architektur. Die noch heute sichtbaren monumentalen Tempelbauten in Mārib, Ṣirwāḥ und den Städten des Wadi al-Ǧawf wurden bereits in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. errichtet und waren die gesamte vor-monotheistische Zeit hindurch in Betrieb. Die Heiligtümer bestanden im Allgemeinen aus einem ummauerten Temenosbereich, in dem sich ein großer freistehender Altar befand. Die galerieartig gestalteten umlaufenden Wände des Hofes wurden für rituelle Bankette sowie zur Aufnahme der zahlreichen Weihgaben auf beschrifteten Steinblöcken genutzt. Das eigentliche Heiligtum, ein quaderförmiger hoher Bau, erhob sich im Innern des Hofes auf einem Podium und diente der Beherbergung des Kultbildes. Ein anderer Typ von Tempeln kam ohne zentrales Kultgebäude aus. Die Hauptheiligtümer des Gottes ’Almaqah in Mārib (’Awām-Tempel) und Ṣirwāḥ bestanden aus einem großen gemauerten Oval, das jedenfalls in Ṣirwāḥ einen Altarbereich unter freiem Himmel umschloss (Abb. 4). Charakteristisch für die altsüdarabische Tempelarchitektur insgesamt sind die teils bis heute erhaltenen Propyla aus enggestellten hohen Pfeilern, welche den Zugang zu Hof und Tempelgebäuden markierten (Abb. 13).

An Profanbauten hat sich weniger Spektakuläres erhalten. Repräsentative Palastbauwerke sind in den Hauptstädten von Qatabān und Ḥaḍramawt, Timna‘ bzw. Šabwat, ausgegraben worden. Erst in jüngster Zeit wurden Teile des Königspalastes in der ḥimyarischen Hauptstadt Ẓafār freigelegt, mit schönen Beispielen für die dekorative Reliefkunst dieser Epoche (Abb. 6). Die archäologische Erforschung des Stadtgebiets der alten Metropole Mārib mit ihrem Palast steht hingegen noch bevor.

Nicht erhalten haben sich die zahlreichen Synagogen und Kirchen, die den schriftlichen Quellen zufolge in der monotheistischen Epoche im 5.-6. Jh. n. Chr. errichtet worden sind. Lediglich einige Spolien aus der Kathedrale, die König ’Abraha in Ṣan‘ā’ erbauen ließ, sind heute noch in der Großen Moschee der jemenitischen Hauptstadt zu sehen.

4.5. Religion und Kult

4.5.1. Die polytheistische Religion Südarabiens

Über die mythologischen Vorstellungen der Sabäer und ihrer Nachbarn ist in Ermangelung entsprechender literarischer Befunde wenig bekannt. Die astralen Assoziationen und genealogischen Beziehungen der Gottheiten zueinander lassen sich aber in Teilen anhand indirekter Indizien erschließen. So kann der in ganz Südarabien gleichermaßen verehrte Gott ‘Aṯtar etymologisch mit → Astarte identifiziert und folglich mit dem Venusstern assoziiert werden. Gleiches gilt für die in verschiedenen lokalen Manifestationen begegnende Göttin Šams „Sonne“. Der sabäische Hauptgott ’Almaqah wird traditionell mit dem Mond in Beziehung gesetzt, doch bleibt die Etymologie seines Namens ungeklärt.

Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 48456 = CIH 73

Abb. 14 Mittelsabäische Weihinschrift für den Gott ’Almaqah auf einer Bronzetafel aus ‘Amrān (ca. 1. Jh. v. Chr.).

Die Grundstruktur des altsüdarabischen Pantheons kann aus den stereotypen Schlussanrufungsformeln in Bau- und Weihinschriften abgelesen werden. Diese lassen in der Regel eine triadische Anlage erkennen: Nach dem stets zuerst genannten Gott ‘Aṯtar folgt die lokale Stammesgottheit, die häufig auch Adressat der vorliegenden Weihinschrift ist: ’Almaqah bei den Sabäern, Wadd bei den Minäern, ‘Amm in Qatabān und Sīn (oder Sayīn) in Ḥaḍramawt. An dritter Stelle werden ein oder zwei weitere Gottheiten genannt, die möglicherweise mit der Sonne zu assoziieren sind. Außerhalb dieser mehr oder weniger feststehenden Trias stehen weitere lokale Stammesgottheiten, die regionale Bedeutung erlangen konnten, wie etwa der in weiten Teilen des zentraljemenitischen Hochlands verehrte Ta’lab.

Als Appellativum für „Gott“ diente einerseits das gemeinsemitische ’l (’il, vgl. hebr. אֵל ’el), andererseits ein Nomen šym (wohl šāyim oder šayyām, etwa „der (die Kultgemeinschaft) einsetzt“, vgl. hebr. שׂים śjm „stellen / setzen / legen“). Ein funktionaler Unterschied zwischen beiden Begriffen ist nicht erkennbar, doch scheint die Verwendung stammesspezifisch gewesen zu sein. So wird der sabäische Hauptgott ’Almaqah stets als ’l, der im Hochland verehrte Ta’lab hingegen als šym angesprochen.

Über die bildhafte Vorstellung von den Göttern geben anthropomorphe Darstellungen auf Tempelpfeilern im Wadi al-Ǧawf aus dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. Auskunft, die durch Namensbeischriften eindeutig als Gottheiten identifiziert werden. Auch einige Textzeugnisse weisen indirekt darauf hin, dass die altsüdarabischen Gottheiten in Gestalt von Statuen verehrt worden sind, die feierlich bekleidet und in Prozessionen von Ort zu Ort getragen werden konnten.

4.5.2. Der südarabische Monotheismus im 4.-6. Jh. n. Chr.

Die im altorientalischen Umfeld verwurzelte polytheistische Religion Südarabiens wurde gegen Ende des 4. Jh.s n. Chr. schlagartig und umfassend durch ein monotheistisches Bekenntnis abgelöst. Diese „von oben“, durch die herrschende Dynastie der Ḥimyar, nicht ohne politische Motivation eingeführte Religion (s.o. 3.5.1.) trug zunächst jüdische Züge, wie die gelegentlichen Verweise auf das Volk Israel (sabäisch yśr’l) bzw. Juda (yh(w)d) sowie einzelne hebräisch / aramäische Lehnwörter und Personennamen in den Inschriften dieser Epoche zeigen. Gegenstand der Verehrung war der Eine Gott, der unter den Namen bzw. Appellativa ’ln oder ’lhn (’Il(āh)ān „der Gott“, vgl. hebr. אֱלֹוהַּ ’älôah, aram. אֱלָהָא ’älāhā’), Raḥmānān („der Barmherzige“) bzw. „Herr des Himmels und der Erde“ angerufen wurde. Mit dem Königshaus trat offenbar auch die ḥimyarische Stammeselite geschlossen zu dem neuen Bekenntnis über, was sich in einem völligen Abbruch polytheistischer Bezüge in den überlieferten Texten niederschlägt. Während der alte Tempelkult somit stillschweigend zum Erliegen kam, berichten die Texte nun mehrfach über die Errichtung von Synagogen (sabäisch mkrb).

Im Zuge der äthiopischen Intervention auf der Arabischen Halbinsel im frühen 6. Jh. (s.o. 3.5.2.) wurde schließlich, wiederum „von oben“, der jüdisch geprägte Monotheismus durch ein christliches Bekenntnis verdrängt ‒ äußerlich sichtbar an dem einsetzenden Kirchenbau sowie an der Einführung der trinitarischen Formel in den Texten: Neben dem unverändert ’Il(āh)ān bzw. Raḥmānān genannten Gottesnamen tritt eine Anrufung des Messias (sabäisch msḥ < aram. מְשִׁיחָא) und des Heiligen Geistes (rḥ qds). Diese christliche Epoche Südarabiens ist im Wesentlichen mit der Regierungszeit des aus Äthiopien stammenden Königs ’Abraha verbunden (s.o. 3.5.3.) und hat sich, anders als die noch bis weit in die Neuzeit hinein bestehenden jüdischen Gemeinschaften, nicht über die Islamisierung des Jemen im 7. Jh. hinweg behaupten können.

5. Saba und die Bibel

5.1. Saba im Alten Testament

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2012)

Abb. 15 Die Königin von Saba in einem Kleid von Dior am Nordportal der Westfassade des Kölner Doms, wo sie (Süden) mit der ihr gegenüber angebrachten Witwe von Zarpat (Norden; s. Art. Zarpat Abb. 3) als fromme Ausländerin auf die Hl. Drei Könige verweist.

Der Name Saba (hebr. שְׁבָא šəvā’, LXX Σαβα Saba) ist an zahlreichen Stellen des Alten Testaments erwähnt, doch ist damit nirgends eine Vertrautheit mit dem zeitgenössischen Staatsgebilde im Süden Arabiens verbunden. Sofern die Texte überhaupt tiefergehende Angaben machen, ergeben diese das eher diffuse Bild eines weit im Süden beheimateten Handelsvolkes, das mit exotischen Gütern verkehrt. Die Identität des sabäischen Königreiches im Jemen, dessen Blütezeit um 700 v. Chr. durchaus internationale Wahrnehmung fand (s.o. 3.3.2.), blieb den Verfassern der alttestamentlichen Texte nahezu vollkommen verborgen.

Abb. 16 Besuch der Königin von Saba bei Salomo (Gemälde von Edward J. Poynter, 1890).

Abb. 16 Besuch der Königin von Saba bei Salomo (Gemälde von Edward J. Poynter, 1890).

Selbst die berühmte Erzählung vom Besuch einer sabäischen Königin in Jerusalem (1Kön 10,1-13, parallel in 2Chr 9,1-12) lässt keinerlei Kenntnis des historischen Saba durchscheinen. Sie wird denn auch allgemein dem Reich der Legende zugewiesen, die hier bloß den Zweck einer Verherrlichung der Weisheit König Salomos verfolgt. Auch wenn entgegen früheren Auffassungen von der Existenz eines sabäischen Königreiches bereits zur Zeit Salomos im 10. Jh. v. Chr. ausgegangen werden kann (s.o. 3.2.), sind den Quellen weder Hinweise auf souveräne Herrscherinnen noch auf eine entsprechende diplomatische Mission zu entnehmen. Die in der alttestamentlichen Erzählung aufgeführten Realien wie → Kamele, → Balsam (bošæm בֹּשֶׂם), → Edelsteine und → Gold (1Kön 10,2; 1Kön 10,10) deuten immerhin auf Handelsbeziehungen mit Südarabien bzw. Ostafrika hin. In die gleiche Richtung weisen die Verbindung Sabas mit Tema in Hi 6,19 (s.o. 4.2.) sowie mit Ragma (Nagrān, s.u.) in Ez 27,22. Dem letztgenannten Text, der „Klage über Tyrus“, liegt möglicherweise eine zeitgenössische Liste von Handelsgütern verschiedener Völker zugrunde. Die hier wie auch in 1Kön 10,2 zu Saba gemachten Angaben (Balsam, Edelsteine, Gold) finden jedenfalls eine Bestätigung in den assyrischen Annalen Sanheribs, die Aromata und Edelsteine als Tributgaben eines sabäischen Königs erwähnen (s.o. 3.3.2.). Saba als Heimatland des Weihrauchs (לְבוֹנָה ləvônāh) kennt Jer 6,20, Gold und Weihrauch sind die Handelsgüter Sabas nach Jes 60,6; in Ps 72,15 ist Gold als einziges Identifikationsgut Sabas genannt. Auch wenn Gold in Südarabien selbst nicht vorkommt, können die Sabäer hierbei als Zwischenhändler angesprochen sein.

In Ez 38,13 scheinen Saba, → Dedan und → Tarsis (in Spanien) stellvertretend für die bekannten Handelsnationen zu stehen. Gleichermaßen benennt die Parallelisierung von Saba und Seba (s.u.) mit Tarsis in Ps 72,10 symbolisch die äußersten Enden der bekannten Welt (→ Handel / Händler 1.4.2.); dem Propheten → Joel schließlich sind die Sabäer ein besonders fernes Volk, dem man die Feinde Israels verkaufen wird (Jo 4,8).

Auch die beiden genealogischen Listen in Gen 10 (parallel in 1Chr 1,1-27, → Völkertafel) und Gen 25 (parallel in 1Chr 1,28-33) bieten kein eindeutiges Bild der historisch-geographischen Verortung Sabas im Alten Testament. Im priesterschriftlichen Teil der Völkertafel Gen 10,7 wird Saba neben Dedan als Sohn → Ragmas bezeichnet, was topographisch nachvollziehbar ist, wenn man Ragma mit Ragmatum (sabäisch rgmtm), dem antiken Namen der bedeutenden Oase Nagrān an der Nordgrenze des altsüdarabischen Kulturraumes, identifiziert. Ragma wiederum wird als Sohn des Hamiten → Kusch geführt, der neben dem genealogisch unbestimmten Seba (s.u.) mit → Hawila (=(?) Ḫawlān, sabäisch ḫwln) wohl einen weiteren südarabischen Stamm hervorgebracht hat (→ Völkertafel Abb. 2b). Auf der anderen Seite sind Saba und Hawila zusammen mit dem topographisch eindeutigen Hazarmawet (= Ḥaḍramawt) in dem wohl späteren Einschub Gen 10,26-29 über Joktan dem semitischen Zweig zugeordnet (→ Völkertafel Abb. 2c). Die sekundäre Verknüpfung der Liste von Gen 10,7 mit der Nachkommenschaft Abrahams in Gen 25,1-4 (parallel 1Chr 1,32-33) fügt als Vater anstelle Ragmas einen sonst nicht belegbaren Jokschan ein; Saba wird hier in enge Beziehung zu nordarabischen Stämmen gesetzt (→ Ketura). Auch Jes 60,6-7 führt Saba in einer Reihe mit den nordarabischen Stämmen → Midian, → Kedar und Nebajot auf. Diese nördliche Verortung könnte unter Verweis auf die enge Verbindung Sabas mit Dedan in Gen 10,7 in der Präsenz altsüdarabischer Handelskolonien in dieser Oase um die Mitte des 1. Jahrtausends eine Erklärung finden (s.o. 4.2.).

Seba (hebr. סְבָא səvā’) ist nach Gen 10,7 ein Abkömmling Kuschs, Bruder Ragmas und folglich ein „Onkel“ Sabas, der in Ps 72,10 (s.o.) in einem Atemzug mit Saba genannt wird. Man hat hierin eine eigenständige Volksgruppe ausmachen wollen, die im Unterschied zu Saba auf der afrikanischen Seite des Roten Meeres beheimatet sei (vgl. die Erwähnung des Namens in einer Reihe mit Kusch und Ägypten in Jes 43,3 und Jes 45,14); in der Tat sind sabäische Einflüsse in Äthiopien für das frühe 1. Jahrtausend v. Chr. archäologisch belegt (s.o. 3.3.1.). Auf der anderen Seite ist ein entsprechender Name Seba (*śb’) in der altsüdarabischen Epigraphik nicht nachweisbar, was gegen die Existenz einer eigenständigen Gruppe solchen Namens spricht. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei bloß um eine orthographische Variante des Namens Saba (→ Seba).

Man hat wiederholt versucht, die in einigen späten Texten genannten Mëuniter (vor allem 1Chr 4,41 und 2Chr 26,7), die von der Septuaginta als „Minäer“ (μιναίοι Minaioi) bezeichnet werden, mit dem südarabischen Volk in Verbindung zu bringen. Doch auch wenn von einer Präsenz minäischer Kaufleute in Palästina in persisch-hellenistischer Zeit auszugehen ist (s.o. 4.2.), spricht der Kontext der betreffenden Stellen eher gegen eine solche Identifizierung (→ Maon / Mëuniter).

5.2. Saba im Neuen Testament

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2012)

Abb. 17 Der Besuch der Königin von Saba bei Salomo wird als „Vorabschattung“ des Besuchs der Hl. Drei Könige bei der Geburt Jesu verstanden (Fenster in der Nordwand des Kölner Doms).

Ein an die Pharisäer gerichtetes Gleichnis Jesu nimmt Bezug auf die Prüfung der Weisheit Salomos durch die „Königin des Südens“ (Mt 12,42, parallel Lk 11,31). Wie die unmittelbar zuvor zitierte Jona-Geschichte genießt die alttestamentliche Erzählung einen hohen Bekanntheitsgrad. Die in Apg 8,27 genannte „äthiopische“ Königin namens Kandake (Κανδάκη Kandakē, eigentlich Titel der Königinnen von Meroë) dient der einheimischen Tradition als Beleg für die frühe Christianisierung Äthiopiens; die Historizität der Geschichte ist umstritten.

5.3. Die nachbiblische Rezeption

Die christlich-äthiopische Tradition verlegt die Geschichte der Königin von Saba auf den afrikanischen Kontinent. Das unter dem Namen Kebra Nagast („Die Herrlichkeit der Könige“) bekannte, im frühen 14. Jh. schriftlich fixierte äthiopische Nationalepos berichtet ausführlich über den Besuch der Makeda genannten Königin bei Salomo, welcher sie mit List zu verführen weiß. Der aus der Liaison hervorgegangene Spross namens Menilek sollte, von Salomo selbst zum Thronfolger erhoben, nach seiner Rückkehr in die Heimat zum Begründer des israelitisch-äthiopischen Königtums werden. Der kultischen Legitimierung dieser bis heute vertretenen Abstammungstradition dient die Bundeslade, welche der Legende zufolge von Begleitern Menileks nach Äthiopien entführt worden sei.

Aus: O. Dapper, Umbständliche und eigentliche Beschreibung von Asia: in sich haltend die Landschaften Mesopotamien, Babylonien, Assyrien, Anatolien oder Klein-Asien, nebst einer vollkommenen Vorstellung des glücklichen, wüsten und steinigten Arabiens, Nürnberg 1681, Tafel zu S. 331

Abb. 18 Ansicht der sabäischen Hauptstadt Mārib in der Phantasievorstellung des Barock.

Eine andere Tendenz verfolgt die islamische Überlieferung. Die im Koran (Sure 27,20-44; Text Koran) geschilderte Version vom Besuch bei Salomo endet mit der Unterwerfung der hier namenlosen, zuvor dem Gestirnkult frönenden Königin unter das Gebot des Einen Gottes. Die spätere arabische Literatur malt diesen Bericht weiter aus, wobei die Königin den etymologisch unklaren Namen Bilqīs erhält, der bis heute in der volkstümlichen Tradition Arabiens eine wichtige Rolle spielt. An anderer Stelle des Koran steht der Untergang von Saba als Symbol für das Schicksal eines undankbaren und gottlosen Volkes (Sure 34,15-16, s.o. 3.5.4.).

Auch in der Kulturgeschichte des Abendlandes ist die Erzählung aus 1Kön 10 stets präsent geblieben und schlägt sich vor allem in zahlreichen Zitaten in der Kunstgeschichte nieder (Abb. 15-17). Das historische Saba ist allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst die im 19. Jh. einsetzende epigraphische und archäologische Erforschung des Jemen hat der antiken Zivilisation Südarabiens den ihr gebührenden Platz in der altorientalischen Kulturgeschichte zurückgegeben.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts im Jemen und in Äthiopien

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  • Stein, P., 2011, Ancient South Arabian, in: S. Weninger u.a. (Hgg.), The Semitic Languages. An International Handbook (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 36), Berlin / New York, 1042-1073
  • Stein, P., 2012, Aspekte von Sprachbewusstsein im antiken Südarabien, in: J. Thon / G. Veltri / E.-J. Waschke (Hgg.), Sprachbewusstsein und Sprachkonzepte im Alten Orient, Alten Testament und rabbinischen Judentum, (Orientwissenschaftliche Hefte 30), Halle, 29-59
  • Stein, P., 2012-2013, Lehrbuch der sabäischen Sprache. 1. Teil: Grammatik, 2. Teil: Chrestomathie (Subsidia et Instrumenta Linguarum Orientis 4,1-2), Wiesbaden
  • Stein, P., 2013, Palaeography of the Ancient South Arabian Script. New Evidence for an Absolute Chronology, Arabian archaeology and epigraphy 24, 186-195

5. Gesellschaft und Kultur

  • Antonini de Maigret, S., 2012, South Arabian Art. Art History in Pre-Islamic Yemen (Orient & Méditerranée 10), Paris
  • Drewes, A.J., 2001, The Meaning of Sabaean mkrb, Facts and Fiction, Semitica 51, 93-125
  • Höfner, M., 1965, Südarabien, in: H.W. Haussig (Hg.), Götter und Mythen im Vorderen Orient (Wörterbuch der Mythologie. Erste Abteilung: Die alten Kulturvölker. Band 1), Stuttgart, 483-552
  • Japp, S. / Gerlach, I. / Hitgen, H. / Schnelle, M., 2011, Yeha and Hawelti: Cultural Contacts Between Saba’ and D‘MT – New Research by the German Archaeological Institute in Ethiopia, Proceedings of the Seminar for Arabian Studies 41, 145-160
  • Müller, W.W., 2002, Religion und Kult im antiken Südarabien, in: M. Krebernik / J. van Oorschot (Hgg.), Polytheismus und Monotheismus in den Religionen des Vorderen Orients (AOAT 298), Münster, 175-194
  • Multhoff, A., 2010, Phalluskult und Bilderverbot? Beiträge zur ḥaḍramitischen Sprache und Kultur, Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 160, 7-40
  • Nebes, N., 2006, Eine datierte nabatäisch-sabäische Bilingue aus Sirwāh, Jemen-Report 37/1, 10.
  • Robin, Ch.J., 1998, Décompte du temps et souveraineté politique en Arabie méridionale, in: F. Briquel-Chatonnet / H. Lozachmeur (Hgg.), Proche-Orient ancien. Temps vécu, temps pensé. Actes de la table-ronde du 15 novembre 1997 (Antiquités sémitiques III), Paris, 121-151
  • Robin, Ch., 2000, Les „Filles de Dieu“ de Saba’ à la Mecque: Reflexions sur l’agencement des pantheons dans l’Arabie ancienne, Semitica 50, 113-192
  • Robin, Ch.J., 2003, Le judaïsme de Ḥimyar, Arabia 1, 97-172
  • Robin, Ch.J., 2004, Ḥimyar et Israël, Comptes rendus de l’Académie des Inscriptions & Belles-Lettres, 831-908
  • Robin, Ch.J., 2012, Matériaux pour une typologie des divinités arabiques et de leurs représentations, in: I. Sachet / Ch.J. Robin (Hgg.), Dieux et déesses d’Arabie. Images et représentations. Actes de la table ronde tenue au Collège de France (Paris) les 1er et 2 octobre 2007 (Orient & Méditerranée 7), Paris, 7-118
  • Schiettecatte, J., 2011, D’Aden à Zafar. Villes d’Arabie du sud préislamique (Orient & Méditerranée. Archéologie 6), Paris
  • Schmidt, J., 1997/98, Tempel und Heiligtümer in Südarabien. Zu den materiellen und formalen Strukturen der Sakralbaukunst, Nürnberger Blätter zur Archäologie 14, 10-40
  • Sievertsen, U., 2003, Grabformen, Bestattungssitten und Totenritual in den altsüdarabischen Reichen, Altorientalische Forschungen 30, 171-190
  • Stein, P., 2005, Stein vs. Holz, musnad vs. zabūr ‒ Schrift und Schriftlichkeit im vorislamischen Arabien, Die Welt des Orients 35, 118-157
  • Stein, P., 2010, The Monetary Terminology of Ancient South Arabia in Light of New Epigraphic Evidence, in: M. Huth / P.G. van Alfen (Hgg.), Coinage of the Caravan Kingdoms. Studies in Ancient Arabian Monetization (Numismatic Studies 25), New York, 303-343
  • Stein, P., im Druck, Sabäer in Juda, Juden in Saba: Sprach- und Kulturkontakt zwischen Südarabien und Palästina in der Antike, ZDPV

6. Biblische und nachbiblische Rezeption

  • Dewachter, M., 2008, La reine des Saba et l’encens des dieux, Paris
  • Havemann, A., 2003, Die „Königin von Saba“ in der religiösen und kulturellen Tradition des Islam und des Christentums in Äthiopien, Der Islam 80, 122-141
  • Stiegner, R.G., 1979, Die Königin von Saba in ihren Namen. Beitrag zur vergleichenden semitischen Sagenkunde und zur Erforschung des Entwicklungsganges der Sage (Dissertationen der Universität Graz 44), Graz

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Ausschnitt aus dem großen Tatenbericht des Yiṯa‘’amar Watar aus Ṣirwāḥ (Ende 8. Jh. v. Chr.). Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut (DAI Ṣirwāḥ 2005-50)
  • Abb. 2 Zwei sabäische Urkunden sowie ein Brief auf Holzstäbchen aus der Stadt Naššān im Wadi al-Ǧawf. Am Schluss des Briefes (unten) ist die eigenhändige Unterschrift des Absenders zu erkennen (3.-5. Jh. n. Chr.). Mit Dank an © Bayerische Staatsbibliothek München (X.BSB 61, 62 und 155); Foto P. Stein
  • Abb. 3 Karte Südarabiens in vorislamischer Zeit. Die Verbreitungsgebiete der vier altsüdarabischen Sprachen sind farbig unterlegt: Sabäisch (rot), Minäisch (blau), Qatabanisch (grün) und Ḥaḍramitisch (violett). © Peter Stein
  • Abb. 4 Das Innere des ’Almaqah-Tempels in Ṣirwāḥ mit den beiden großen Inschriftensteinen (um 700 v. Chr.) nach der Freilegung und Rekonstruktion durch das Deutsche Archäologische Institut. Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut
  • Abb. 5 Sabäische Grabstele eines vermutlich aus Qaryat al-Fāw stammenden arabischen Kamelzüchters (ca. 2. Jh. n. Chr.). Museum Louvre Paris AO 1029 = CIH 445, lizenziert unter public domain über Wikimedia Commons; Jastrow, 2007; Zugriff 3.10.2014
  • Abb. 6 Dekoration des Palastgebäudes am Südwesthang der Burg von Ẓafār, dem politischen Zentrum der Ḥimyar (5. oder 6. Jh. n. Chr.). Es wurde eine Identifizierung des dargestellten Herrschers mit dem König ’Abraha erwogen. Mit Dank an © Paul Yule
  • Abb. 7 Blick über das Ruinenfeld der sabäischen Hauptstadt Mārib; im Hintergrund die Überreste der neuzeitlichen Siedlungsanlage, die nur einen Bruchteil des antiken Stadtareals bedeckt. Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut
  • Abb. 8 Karte der Arabischen Halbinsel im Altertum mit Angabe der wichtigsten Handelsrouten. © Peter Stein
  • Abb. 9 Der Austritt des Wadi Ḏana in die Ebene von Mārib. Von dem berühmten Damm, der einst den Talausgang versperrte, sind nur noch die monumentalen Schleusenbauten an dessen Rändern erhalten. Von der Nordschleuse (rechts im Bild) zieht sich der Hauptkanal in Richtung der im Rücken des Betrachters liegenden Oase. Mit Dank an © Deutsches Archäologisches Institut
  • Abb. 10 Die altsüdarabische Schrift in ihrer paläographischen Entwicklung von der alt- (aSab) zur spätsabäischen (spSab) Periode. Die drei Kolumnen zeigen jeweils links die Buchstabenformen der Monumentalschrift, rechts die der Kursiv- oder Minuskelschrift. © P. Stein
  • Abb. 11 Altsabäische Weihinschrift in Relief auf einer mit Steinbockdekor verzierten Stele (um 700 v. Chr.). Museum Louvre Paris, DAO 18 = RES 4226, lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons; Jastrow, 2007; Zugriff 3.10.2014
  • Abb. 12 Bronzeskulptur eines Männerkopfes aus Ġaymān (ca. 2. Jh. n. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 127409
  • Abb. 13 Der Bar’ān genannte Tempel des ’Almaqah in der Oase von Mārib nach der Rekonstruktion durch das Deutsche Archäologische Institut. Mit Dank an © N. Nebes
  • Abb. 14 Mittelsabäische Weihinschrift für den Gott ’Almaqah auf einer Bronzetafel aus ‘Amrān (ca. 1. Jh. v. Chr.). Mit Dank an © The Trustees of the British Museum; BM 48456 = CIH 73
  • Abb. 15 Die Königin von Saba in einem Kleid von Dior am Nordportal der Westfassade des Kölner Doms, wo sie (Süden) mit der ihr gegenüber angebrachten Witwe von Zarpat (Norden; s. Art. Zarpat Abb. 3) als fromme Ausländerin auf die Hl. Drei Könige verweist. © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2012)
  • Abb. 16 Besuch der Königin von Saba bei Salomo (Gemälde von Edward J. Poynter, 1890).
  • Abb. 17 Der Besuch der Königin von Saba bei Salomo wird als „Vorabschattung“ des Besuchs der Hl. Drei Könige bei der Geburt Jesu verstanden (Fenster in der Nordwand des Kölner Doms). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2012)
  • Abb. 18 Ansicht der sabäischen Hauptstadt Mārib in der Phantasievorstellung des Barock. Aus: O. Dapper, Umbständliche und eigentliche Beschreibung von Asia: in sich haltend die Landschaften Mesopotamien, Babylonien, Assyrien, Anatolien oder Klein-Asien, nebst einer vollkommenen Vorstellung des glücklichen, wüsten und steinigten Arabiens, Nürnberg 1681, Tafel zu S. 331

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