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Lexikon

Saat / säen

Peter Riede

(erstellt: Febr. 2016)

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1. Bezeichnung

Abb. 1 Landwirtschaftliche Arbeiten. Oben von rechts nach links: Roden des Waldes, Hacken der Felder und Säen; unten von rechts nach links: Pflügen, Säen und Einhämmern der Aussaat (Malerei im Grab des Nacht; Theben West; um 1400 v.Chr.).

Abb. 1 Landwirtschaftliche Arbeiten. Oben von rechts nach links: Roden des Waldes, Hacken der Felder und Säen; unten von rechts nach links: Pflügen, Säen und Einhämmern der Aussaat (Malerei im Grab des Nacht; Theben West; um 1400 v.Chr.).

Die Saat wird (wie → Same) hebräisch mit dem Nomen זֶרַע zæra‘, griechisch mit σπέρμα sperma bezeichnet. Dabei kann sich der Begriff sowohl auf das pflanzliche Saatgut (Gen 1,11.12.29) als auch auf den Samen von Menschen (Lev 15,16; Lev 19,20; Lev 22,4 u.ö.) und in übertragenem Sinne auf die Nachkommenschaft beziehen. Säen heißt hebräisch זרע zr‘, griechisch zumeist σπείρω speírō.

2. Altes Testament

2.1. Landwirtschaftliche Bezüge

Das Säen ist zunächst einmal die Tätigkeit des Bauern als Voraussetzung für eine – hoffentlich – erfolgreiche → Ernte (Lev 25,20). Notwendig für das Aufgehen der Saat ist ausreichend Befeuchtung (Num 24,7; Jes 32,20; Jes 55,10).

In Palästina gab es vor allem zwei Saatzeiten, zum einen die Wintersaat im November und Dezember, die auf den Beginn der Regenzeit fiel, und die Sommersaat, die nach der Regenzeit ausgebracht wurde (→ Ackerbau). Bei der Wintersaat ging es um Weizen, Gerste, Emmer, Hirse, Bohnen, Linsen, Kümmel und Koriander, bei der Sommersaat dagegen um Kichererbsen und Gurken. Nachdem der Boden mit der → Hacke bzw. dem → Pflug gelockert worden war, ging man ans Aussäen der Saatkörner, das von Hand geschah; danach setzte man den Pflug noch einmal ein (Jes 28,24), um die breit ausgestreuten Saaten unter den Boden zu bringen und vor Vögeln zu schützen. Wenn die Saat in den regenreichen Wintermonaten aufgegangen war, konnte man das Getreide im April / Mai ernten. Bis zur Ernte vergingen für den Bauern oft bange Monate (vgl. Ps 126,5), da das Saatgut und die aufwachsenden Pflanzen vielerlei Gefahren ausgesetzt waren. Dürrezeiten, Unwetter wie z.B. Hagel, Fäulnis, Heuschreckenschwärme oder auch heiße Winde gefährdeten die Pflanzen (Am 4,7.9; Dtn 28,22; Dtn 28,38; Hag 2,17; Ps 78,46). Die Arbeit war zeitintensiv und mühsam (Pred 11,6), aber natürlich für das menschliche Überleben unabdingbar (vgl. Ps 104,14). Ansonsten drohte eine Hungerzeit (Gen 47,19; → Hungersnot). Die Unterbrechung der Folge von Saat und Ernte ist Bild für Gericht und Untergang (Mi 6,15; Hag 1,6 u.a.). Andererseits gehört es zu den überschwänglichen Beschreibungen des Israel verheißenen → Landes, dass für sein Saatgut keine Bewässerung nötig sein wird (Dtn 11,10-15).

2.2. Kultische Zusammenhänge

Das Ausbringen von Mischsaat war verboten (Lev 19,19; Dtn 22,9). Brachjahrbestimmungen sollten den Boden schützen (→ Brache / Brachjahr). Sie waren zugleich Hinweis darauf, dass JHWH als der eigentliche Besitzer des Bodens galt. Daher war jedes 7. Jahr die Aussaat auf einem Acker verboten (Ex 23,10f; Lev 25,3).

2.3. Metaphorik

2.2.1. Tun-Ergehen-Zusammenhang

In weisheitlichen Zusammenhängen wird das Bild von Saat und Ernte im Rahmen des → Tun-Ergehen-Zusammenhangs aufgenommen: „Wer Unrecht sät, der wird Unglück ernten“ betont beispielsweise Spr 22,8. Zumeist ist die böse Folge eines Tuns im Blick (vgl. Hos 8,7). Das Bild von Säen und Ernten wird auch auf andere Größen bezogen wie z.B. die → Gerechtigkeit (Spr 11,18; Hos 10,12) oder das Unheil (Hi 4,8).

2.2.2. Saat in der Bedeutung von Menschen

In übertragenem Sinn steht זֶרַע zæra‘ „Saat“ auch für → Nachkommen / Nachkommenschaft (vgl. Gen 3,15; → Same). Zeichen der Hoffnung ist es, wenn JHWH ankündigt, er wolle Israel und das Haus Juda mit Menschen „besäen“ (Jer 31,27; Jer 24,6). Andere Stellen vergleichen die Vergänglichkeit von Menschen mit der von Pflanzen, die eben erst gesät und gewachsen schon wieder vergehen (Jes 40,24; vgl. Pred 11,4.6).

3. Neues Testament

In den Gleichnissen Jesu, die das Kommen des Reiches Gottes ins Zentrum stellen, wird vom Säen in wörtlichem Sinn gesprochen (Mk 4; Mt 13,24-30). Saat kann auch die Liebesgabe meinen, zu der Paulus auffordert (2Kor 9,6.10). In 1Kor 9,11 bezieht sich das Bild vom Säen auf die Missionsarbeit. Gal 6,7f setzt den Tun-Ergehen-Zusammenhang voraus, wenn dort festgehalten wird: „Was der Mensch sät, das wird er ernten“, wobei zwischen fleischlichem und geistlichem Säen unterschieden wird. Jak 3,18 bezieht sich auf das Säen der Frucht der Gerechtigkeit.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972
  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006
  • Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, Gütersloh 2009

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina II: Der Ackerbau, Gütersloh 1932
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., 1984, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a., 68f
  • Zwickel, W., Leben und Arbeit in biblischer Zeit. Eine Kulturgeschichte, Stuttgart 2013, 88ff

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Landwirtschaftliche Arbeiten. Oben von rechts nach links: Roden des Waldes, Hacken der Felder und Säen; unten von rechts nach links: Pflügen, Säen und Einhämmern der Aussaat (Malerei im Grab des Nacht; Theben West; um 1400 v.Chr.).
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